Bund für islamische Bildung https://bufib.de Tue, 27 Oct 2020 19:48:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.3.5 https://bufib.de/wp-content/uploads/2017/04/Favicon-75x75.png Bund für islamische Bildung https://bufib.de 32 32 BufiB-Jahreskalender 2020 – 1441/42 https://bufib.de/bufib-jahreskalender-2020/ Tue, 15 Oct 2019 13:00:27 +0000 http://bufib.de/?p=2613 Bufib stellt hiermit seinen neuen Jahreskalender für das Jahr 2020 bereit. Dieser Kalender zeichnet sich dadurch aus, dass er über die wichtigsten historischen und islamischen Ereignisse nach islamischer Zeitrechnung verfügt. Der “BufiB-Jahreskalender 2020 – 1441/42″ kann sehr gerne auch ausgedruckt und zu Hause oder in der Moschee benutzt werden. Da es sich hier um einen der ausführlichsten (islamischen) Kalender im deutschsprachigen Raum handelt, kann dieser auch sehr gut als Planungsgrundlage für Vereine und Moscheen dienen.

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BufiB-Jahreskalender 2019 https://bufib.de/bufib-jahreskalender-2019/ Tue, 13 Nov 2018 16:28:17 +0000 http://bufib.de/?p=2632 BufiB stellt hiermit seinen neuen Jahreskalender für das Jahr 2019 bereit. Dieser Kalender zeichnet sich dadurch aus, dass er über die wichtigsten historischen und islamischen Ereignisse nach islamischer Zeitrechnung verfügt. Der “BufiB-Jahreskalender 2019 – 1440/41″ kann sehr gerne auch ausgedruckt und zu Hause oder in der Moschee benutzt werden. Da es sich hier um einen der ausführlichsten (islamischen) Kalender im deutschsprachigen Raum handelt, kann dieser auch sehr gut als Planungsgrundlage für Vereine und Moscheen dienen.

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Religion und Atheismus – Zwei Ansätze, die zu zwei unterschiedlichen Menschen führen https://bufib.de/religion-und-atheismus-zwei-ansaetze-die-zu-zwei-unterschiedlichen-menschen-fuehren/ Fri, 20 Oct 2017 10:20:48 +0000 http://bufib.de/?p=2608 Einleitung 

Wir sprechen ständig von dem Einfluss der Religion auf das Leben des Menschen (des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft insgesamt). Wir sprechen in dieser Hinsicht auch von der Rolle der Religion bei der Errichtung, der Unterstützung oder auch der Stärkung des moralischen Lebens. Ebenso sprechen wir von der Sättigung der eigenen, spirituellen, fremden Sehnsucht, die tief dem Menschen innewohnt. So kommt dann die Religion, um diese Sehnsucht zu stillen und diesem Ansatz beim Menschen Nahrung zu geben.

Ich möchte hier allerdings nicht über diese Themen sprechen. Was ich vielmehr möchte, ist lediglich ein äußerst einfacher Vergleich. Vermutlich wird dieser (Vergleich) uns allen zwar geläufig sein. Ich möchte ihn aber dennoch erwähnen, um zusammen zu erkennen, dass es hier zwei Arten von Menschen gibt, die zwar dieselben Dinge sehen, mit diesen aber gänzlich unterschiedlich umgehen: Ein religiöser Mensch (der irgendeiner himmlischen Religion folgt) und ein nichtreligiöser Mensch. Der Unterschied zwischen beiden verstärkt sich dabei entsprechend der Stärke ihrer Überzeugung und schließlich, entsprechend ihrer eigenen praktischen Interpretation dessen, an das sie glauben.

Um den Vergleich durchzuführen, möchte ich bei den folgenden Elementen beginnen. Die eine Überschrift ist die Religion, der gegenüber die Überschrift des Atheismus steht – der Abwesenheit also von Religiosität.

1. Die Welt zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen – zwei unterschiedliche Ansätze

Die Religion glaubt daran, dass dieser Welt ein Gott vorsteht, der über eine außerordentliche Kraft, eine Wissenshoheit und über die vollständige Kenntnis verfügt. So ist eben das, was wir sehen, nicht alles. Vielmehr gibt es hinter einem Vorhang eine heilige, hoheitliche und alles lenkende Kraft.

Der Atheismus hingegen leugnet dieses Verständnis und nimmt an, dass eben das, was wir in dieser Welt sehen und fühlen können, alles ist, was existiert. Und dass es außer diesen schönen Bildern nichts anderes mehr gibt, das im Verborgenen ist. Und selbst wenn es etwas gäbe, das verborgen wäre, dann erschiene es dennoch wie alles andere, was nicht verborgen ist – als Ergebnis des Fortschritts der Wissenschaft.

Der Gläubige erkennt, dass das Bild nicht nur aus dem besteht, was um mich herum in dieser Welt vorhanden (und sichtbar) ist – ganz gleich, wie fortgeschritten die Naturwissenschaften auch sind. Vielmehr gibt es noch einen verborgenen Teil, neben dem, den ich sehen kann – eben die verborgene Welt, die das göttliche Wesen auf höchste Weise widerspiegelt.

Der Gläubige geht sogar noch weiter, weil er fest daran glaubt, dass das, was um ihn herum geschieht, nicht mehr ist, als der oberflächliche Teil der Realität. Und dass der gewaltigere und größere Teil jener ist, der versteckt im Verborgenen liegt. Es ist jener Teil, der Überhand hat über den sichtbaren Teil. Die (sichtbare) Welt ist für ihn wie ein Eisberg inmitten der Tiefen des (riesigen) Ozeans. So gewaltig sein sichtbarer Teil auch über der Meeresoberfläche hervorscheinen mag, er bleibt immer noch viel kleiner als ein Viertel des Ganzen, das (ja hauptsächlich) in der Tiefe liegt.

An dieser Stelle entsteht der wahre Unterschied zwischen beiden Seiten – dem Gläubigen und dem Atheisten, der darin liegt, dass mein Urteil über irgendetwas, religiös betrachtet, voraussetzt, dass der verborgene Teil berücksichtigt wird. Andererseits wäre mein Urteil nicht wissenschaftlich und auch nicht korrekt, sondern vielmehr unvollständig. Der Atheist aber sieht grundsätzlich nichts Verborgenes – nicht mal Allah, den Erhabenen, selbst. Er tauscht das Suchen nach ihm aus gegen die Suche nach allem, was zum Materiellen führt und zum Sichtbaren dessen gehört, was um uns herum geschieht.

Beim Gläubigen, wenn wir den Vergleich einmal anstellen wollen, trennt sich die Welt des Verborgenen nicht von der des Materiellen. Es sind keine zwei Welten, die weit voneinander entfernt sind. Ihre gegenseitigen Nachrichten erreichen einander oder eine (sinngemäß) lange Schnur verbindet sie. Sie sind miteinander verzahnt und verflochten. Die eine Welt, und hier ist die verborgene gemeint – umgibt die andere. So hat alles, was materiell ist, auch immer etwas Verborgenes bei sich, das ich nicht sehen kann. Etwas, das das Andere umgibt und auch steuert. Die Gesetze dieser Welt existieren nicht einfach allein – wie Naturwissenschaftler annehmen. Vielmehr gibt es hier, neben den gültigen Gesetzen (der Natur) auch höhere Gesetze, die sich über eine Logik der Vorherrschaft präsentieren, die letztlich die verborgene Welt gegenüber der Welt der Natur auszeichnet. Dies ist eine Logik und ein Gesetz, das nicht von den Naturwissenschaften erfasst und auch nicht im Geringsten wahrgenommen wird.

Der Atheist hingegen leugnet alle diese Gedanken und sieht darin eine Art von Mutmaßung und Vermutung. Er führt ganz kategorisch an, dass er nichts Konkretes von all diesen Behauptungen auf dem Boden der Tatsachen finden kann.

Zusammengefasst: Die Religion sagt, dass unser Leben aus zweierlei besteht. Dem Sichtbaren einerseits und der Welt des Verborgenen andererseits, die wir mit unseren Sinnen nicht erfassen können. Und dennoch ist sie überall zugegen. Und was wir tun müssen, ist, uns dieser Welt zu widmen und ihr gegenüber nicht unachtsam zu sein.

Der Atheismus hingegen sieht in all dem nur eine reine Illusion und sagt, dass es nichts gibt, außer dem, was wirklich um uns herum vorhanden ist. Was wir sehen und fühlen und zudem wir uns wenden können. Alles andere besteht nur aus Trug und Gerede und Worte.

Der Religiöse erscheint wie einer, der in täglicher Verbindung zu zwei Welten steht: Einer fühlbaren und einer nicht fühlbaren Welt. Sein Leben ist eine Kombination aus zwei Verbindungen. Er betet, weil sein Gebet eine Verbindung zur anderen Welt und zu Gott schafft, aber dennoch isst er, weil das Essen eine Verbindung zu eben dieser (irdischen) Welt ist.

Der Atheismus wiederum kennt diese duale Verbindung nicht. Die einzige Verbindung ist die Verbindung zur (diesseitigen) Welt, zur Materie und zum Fühlbaren. Hier gibt es keine weiteren Arten der Verbindung. Vielmehr gibt es eine völlige Abwesenheit gegenüber allem anderem entsprechend dem Grundsatz.

2. Gibt es wirklich Zwecke oder vielmehr nur stille Gesetze?

Die Religion glaubt daran, dass es einen Zweck für die Schöpfung gibt. Die Schöpfung geht demnach im Voraus auf ein bestimmtes Ende zu und hinter diesem Ende stehen eine Philosophie und eine Weisheit und alles, was passiert, stammt von vorher durchdachter und sehr detailgenauer Planungen – gemäß eben ihrer Ziele. Das Entstehen einer bestimmten natürlichen Begebenheit hat also einen klaren Zweck, wobei all diesem eine Planung in einem metaphysisch verschlossenen Raum vorausging und von ihr gewollt wird, dass sie diesen Zweck erreicht. Das Sterben etwa von irgendwem, in welchem Alter auch immer, auf welche Weise auch immer, ist eine Angelegenheit, die längst bekannt war. Alle Zwecke dessen wurden bereits mit höchster Präzision festgelegt, an welchem Ort auch immer in dieser Welt.

Der Gedanke zur Schöpfung in der Zweckmäßigkeit (al-hādafiyah) – ganz gleich, ob bei einer detaillierten Einzelbetrachtung oder allgemein auf alle bezogen, was auch die Auferstehung und das Jenseits ausdrücken – ist ein wesentlicher Gedanke im religiösen Verständnis und im Bewusstsein der Gläubigen. Die Dinge geschehen somit nicht einfach so. Genauso wenig sind wir auf eine solche Weise in das Leben gekommen. Jede Bewegung unseres Lebens, hinauf und hinab, nach rechts und nach links, alles das ist kein vorbeiziehender Zufall, sondern vielmehr ein geleitetes Schema – eine Leitung höchster Perfektion – das klare Zwecke für die gesamte Schöpfung beinhaltet. Und diese Zwecke sind wegen dieser allmächtigen, hohen Macht, die die gesamte Welt führt, zweifelsohne von majestätischer Natur.

Der Atheismus hingegen glaubt nicht an die Notwendigkeit dieses Ansatzes der Zwecke. Er sagt vielmehr, dass alles das, was geschieht, nicht mehr ist als ein Automatismus. Er geschieht, ohne dass vorher etwas davon geplant wurde. Der Ausführende handelt nicht nach einem Zweck, der dahinter der wahre Grund des Ganzen ist. Vielmehr handelt es sich (dem Atheismus nach) um Geschehnisse dieser Welt, die auf eben diese spontane Weise passieren. Dies aufgrund ihres formgebenden Systems und nicht aufgrund (vorher) definierter Zwecke.

So erkennen wir also einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Gläubigen und dem Atheisten.

Zum einen aus der Sicht der Wirkursache[1] (al-ʿillah al-fāʿiliyah): So erkennt der Gläubige, dass der Wirkende in dieser Welt das Verborgene ist – und dieses Verborgene ist Allāh, während der Atheist eben nicht daran glaubt.

Zum anderen aus der Sicht der Zweckursache[2] (al-ʿillah al-ġāʾiyah): So erkennt der Gläubige, dass die Wirkursache ihre Tat ausgeführt hat und dies auch immer tut. Dies aber vom Ausgangspunkt eines vorher durchdachten Zweckes und Ziels. Der Atheist hingegen ist der Ansicht, dass das Wirkende – aus seiner Sicht die Natur – eine Handlung ohne Zweck durchführt, ja vielmehr ein gewisser Automatismus, eine Handlung auf irgendeine Weise nach sich zieht. So gibt es (für ihn) also hinter den materiellen Wirkursachen keinen Sinn und die Natur plant damit auch keinesfalls aufgrund irgendwelcher Gründe.

Wenn zwischen beiden ein Konflikt herrscht, also zwischen dem Gläubigen und dem Atheisten, dann würde der Blickwinkel der Wirkursache im Vordergrund stehen. Wäre bei diesem Konflikt die Zweckursache im Vordergrund, würde das Gespräch zu einem allgemein psychologischen Thema werden.

Die Annahme, dass es Zwecke gibt, bedeutet, dass es einen großen Verstand gibt, der einen klareren Blick hat und für alles entsprechend plant. Genau diese Annahme erklärt – unter Beachtung von allem, was mit mir irgendwo geschieht – einen Teil eines vorher geebneten Weges. Diese Angelegenheit ist auf der Ebene ihrer psychologischen Auswirkungen alles andere als unbedeutend. Wenn Du in einem Wald spazieren gehst, führen Deine Füße Dich offensichtlich zufällig und spontan einen Weg entlang. Wenn Du aber dort bist, und dabei davon überzeugt bist, dass die gesamte Strecke, die Dir zufällig erscheint, einen klaren Zweck und ein klares Ziel hat – und dass all dies schon vorher geplant wurde – dann ist das etwas anderes. Die Verwirrung der zweiten Situation ist eine sehr aktuelle, aber dennoch entspringt sie einem endgültigen (klaren) Bewusstsein. Die Verwirrung der ersten Situation hingegen ist eine Verzweiflung, die den Beginn und den Werdegang betrifft, ebenso wie sie auch Einsamkeit und Merkwürdigkeit zeigt.

3. Der Dualismus der Welt (das Diesseits und das Jenseits) und ein anderer unterschiedlicher Raum

Die Religion sagt, dass das diesseitige Leben nur wie eine Durchfahrt und wie ein Trugbild ist, im Gegensatz zum Jenseits, das der »Wohnsitz« ist. Der Atheismus hingegen sieht in der diesseitigen Welt unseren (einzigen) Weg, unseren (einzigen) Aufenthalt und letztlich auch unser aller Ende, ohne dass danach irgendetwas anderes folgt.

Der Gläubige sucht nach den Früchten seiner Handlungen im Jenseits, während andere die Früchte ihres Handelns direkt hier im Diesseits suchen.

Die Religion betrachtet das Geschehen auf dieser Welt als einen Teil einer langen Reise zu einem ganz bestimmten Ziel. Der Atheismus hingegen hält die diesseitige Welt für alles – es gibt keine Auferstehung und keine andere Welt, die hinter dieser steht. Genau dieser Umstand führt zu einer entsprechenden Reaktion beim Umgang mit den weltlichen Geschehnissen. Schicksalsschläge etwa oder Krisen sind für den Gläubigen nur befristete Herausforderungen, während sie für den Atheisten endgültig sind. Aufgrund dessen bleibt ihm nur, all seine Angelegenheiten im Rahmen des diesseitigen Lebens zu betrachten, um realistisch zu bleiben.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Menschen ist gewaltig. Wie auch nicht, wenn der eine alles, was in diesem Leben geschieht, für eben alles in seinem Leben hält – weil diese Welt ja sein ganzes (einziges) Leben ist? Wenn er fünfzig Jahre lebt und darunter vierzig waren, die dunkel und hart und verirrt waren, dann heißt das für ihn: Vierfünftel meines Lebens sind sinnlos verstrichen – ein schwerwiegendes Gefühl. Der andere hingegen geht alle Angelegenheiten völlig anders an. Zu allererst wägt er im Hinblick auf sein Ziel zwischen diesem Diesseits ab, das endlich ist und dem Jenseits, das weitreichend (und dauerhaft) ist – unabhängig davon, wie wir die Ewigkeit darin definieren wollen. Und während er so denkt, erlebt er diese (diesseitige) Welt – im Hinblick auf sein gesamtes Dasein – wie (das Verhältnis aus) eins zu einer Million. Und dies, weil das (hiesige) Leben für ihn nicht dieses ist, vielmehr ist sie nur wie „ein Tag oder ein Teil eines Tages“. Wenn dieser dasselbe erlebt, wie der erstgenannte Mensch, dann wird das Ergebnis der Wahrnehmung seiner Angelegenheiten völlig anders sein. Diese vierzig schweren Jahre, die er dann erlebt hätte, hätten eben für für ihn nicht mehr Gewicht als wie eins zu einer Million. Seine Hoffnungen und Interpretationen der Dinge können unterschiedlicher gar nicht sein, weil sein wahres Leben für ihn noch gar nicht angefangen hat. Genau das ist es, was entsprechend gewaltige Spuren in seinem Geist, seiner Seele und seinem Bewusstsein hinterlässt.

Was mich am meisten beim Vergleich dieser beiden Ansichten beschäftigt, ist die religiöse Betrachtung der Welt als Durchgang, als eine Schule und als ein Haus des Übens und der Prüfung. Dieses Verständnis erscheint mir alles andere als gering, besonders dann natürlich, wenn es sich fest im menschlichen Wesen verinnerlicht und zu einem dauerhaften Gefühl wird. Für mich ist damit nichts mehr, dem ich begegne, das „Ende der Dinge“, nichts mehr ist „alles“, nichts mehr ist „finale Lage“. Vielmehr ist es das Embryonalstadium, innerhalb dessen Lichte ich die Art meines wahren Lebens erkenne. Soll ich versuchen, mir Wissen anzueignen, um etwa ein Arzt zu werden, um dann – angenommen – ein schönes Leben zu führen? Oder soll ich mich in Chaos stürzen und gesuchter, geflüchteter, ausgestoßener Dieb werden? Die Phase vom zehnten bis zum dreißigsten Lebensjahr ist – im Vergleich zu dem, was danach (im Jenseits) kommt – religiös betrachtet, die weltliche Phase. Jeder Druck und jede Angst, jede Sorge, jede Mühe und jede Erschöpfung und alles Negative, das ich in dieser Phase erlebe, all das wird logisch, wenn ich es für das Erbauen meiner Nachwelt nutze. Genauso logisch erscheint all das, wenn ich es für das Erbauen meiner Zukunft einbringe, wie wir heute sagen.

Das Thema ist aufregend. Genau das ist der Grund, warum der Gläubige dazu übergeht, die Welt als Prüfung und Heimsuchung zu anzuerkennen. Er sieht es deshalb als ganz normal an, in dieser auch zu leiden. Auch der Arzt wird nicht einfach Arzt, ohne vorher zu leiden, ohne zu ertragen und ohne Schlafverzicht. Für ihn ist es natürlich, dass es Schwierigkeiten gibt. All diese Probleme und Schmerzen sind keine Dunkelheit, vor der er zu fliehen versucht oder gegen die er sich stellen will. Eben deshalb, weil er sich nicht gegen diese Erschwernis wendet, die ihn auf seinem Weg des wissenschaftlichen Studiums weiterbringt. Dies natürlich aufgrund seines Verständnisses für diesen Weg und der Regeln und Ergebnisse dieses Weges. Die diesseitige Welt ist für den Gläubigen wie eine Ausbildungsstätte. Das Erreichen der glückbringenden Ziele kann nicht erfolgen, als bis man diese Ausbildung wirklich (durchlebt und) durchläuft.

Die Religion bewertet also weder eine gute Tat noch eine schlechte Handlung noch den Erfolg oder das Versagen gleich welcher Tat, aus weltlicher Sicht allein. Vielmehr betrachtet sie die Welt als Teil eines langen Weges zum eigentlichen (wahren) Leben. Die Religion schaut also auf die Wirkung, die eine Handlung auf diesen langen Weg zum wahren Leben hat – und dies betrifft das diesseitige und das jenseitige Leben gleichermaßen. Der Atheismus wiederum konzentriert sich auf die Ergebnisse innerhalb der Stufe des weltlichen Lebens (allein), weil es hier ja keine andere zeitliche Stufe gibt, innerhalb derer man die Ergebnisse erhalten könnte.

Dieser Unterschied führt zu einem weiteren, sehr wesentlichen Unterschied bei der Rolle der Religion selbst. Die Religion sieht ihre eigene Rolle in erster Linie darin, das jenseitige Leben aufzubauen. Der Atheismus erwartet von Religion allerdings, dass ihre Rolle das Errichten des diesseitigen Lebens ist. Wenn nun irgendeine andere Methode erscheint, die das diesseitige Leben aufzubauen vermag, dann würde dieser gegenüber der Religion der Vorzug gegeben.

4. Konzepte der Konfrontation mit der überwältigenden Natur

Die Religion erschafft im menschlichen Verstand und in seinem Gewissen eine Menge von Konzepten, mit der der Mensch dieser Welt begegnet. Die Religion beginnt beim Behandeln der Themen bei ihren Ursprüngen.

Zu diesen gehört: das Konzept der Heimsuchung. Ein religiöses Verständnis, durch die der Gläubige eine Vielzahl seiner Probleme versteht, mit denen er sich konfrontiert sieht. Probleme erscheinen für ihn dann nachvollziehbar und manchmal führen sie sogar zur Glückseligkeit. Am Ende ist dies vermutlich das Ergebnis eben dieses Verständnisses.

Zu diesen gehört weiter: das Konzept der raschen Bestrafung. So erkennt der Mensch, dass einige seiner Schicksalsschläge und Schmerzen eine verborgene Bestrafung für das sind, was er an Sünden begangen hat. So ist sie schließlich auch eine Art der Reinigung.

Im Lichte dieser Ansätze entsteht beim Gläubigen die Fähigkeit, all das zu ertragen, und damit einhergehend auch die nötige Geduld.

Der Atheismus wiederum blickt auf diese Angelegenheiten, als würden sie aus Unwissenheit und Aberglauben resultieren. Der Atheismus erwartet, dass wir realistisch sind. Aber nichts davon ist vorhanden. Vielmehr sind diese Welt und ihre Unstimmigkeiten alles, was wirklich vorhanden ist und sie führen ausnahmslos zu Krisen und Problemen. Das Erdbeben kennt weder Gläubige noch Nichtgläubige und es denkt auch nicht darüber nach, wo es eintrifft. Die Lösung ist dann, dass wir eben realistisch sind und akzeptieren, was geschieht, da diese Angelegenheiten – ob wir wollen oder nicht – meist nicht in unserer Hand liegen.

An dieser Stelle priorisiert die Religion ihre Ansätze für das Verständnis der umgebenden Umstände vor dem Ansatz des Verständnisses des Atheismus. Diesmal nicht aus philosophischer oder kognitiver Sicht, sondern vielmehr aus psychologischer und gesellschaftlicher Sicht. Diese Ansätze, die die Religion im menschlichen Bewusstsein sät, gewähren dem Menschen nicht nur ein Gefühl dafür, was um ihn herum geschieht – ihre Vorteile sind vielmehr, dass sie manchmal auch ein Gefühl für seelisches und geistiges Glück gewährt. Wenn der Mensch Reinigung erfährt, die durch eine Krankheit kommt, die ihn getroffen hat, dann verändert sich dieses Unglück hier in einen Gewinn. Krisen, Probleme und jeglicher Druck werden zu glückbringender Chance, weil sie, aus der Sicht des Gläubigen, wie Prüfungen erscheinen, die den Menschen zum Glück führen können. So bewegt er sich mit ihnen also in Richtung des Erfolgs. Ähnlich ist es (sinnbildlich) auch mit einer Universität, die ihre Pforten öffnet und in der für die Studierenden Zugangsprüfungen bereitliegen – diese Prüfungen sind eine Tür, die für die Studierenden geöffnet wurde. Durch sie können sie zu ihren Reihen und Hallen dazustoßen – durch das Bestehen eben genau dieser Prüfung.

Je mehr der gläubige Mensch in diese Richtung geht, desto mehr und mehr wird ihm an Kraft gegeben, um den Erschwernissen des Lebens mit einem noch stärkeren Ich zu begegnen. Einem, das über das Verständnis dessen hinaus geht, was in der Umgebung geschieht, hin zu einer tiefen Zufriedenheit. Der Schmerz fühlt sich für ihn am Ende wie Glück und Erholung an. Auf diesem Weg schaut der Gläubige auf die Schöpfung Allāhs nicht mehr so, als wäre sie eine Katastrophe.

Viele der Menschen, die unter körperlichen, materiellen oder finanziellen Problem leiden, glauben, dass Allāh sie in eine ausweglose Lage gebracht hat, die er mit ihnen gar nicht besprochen hat. Genau dies ist die Meinung der Lehre des Kynismus, die wir im westlichen Bereich auch bei Spinoza gesehen haben, ebenso wie auch aus östlicher Richtung bei Abū al-ʿAlāʾ al-Maʿarrī. Er erwartete, dass Allāh uns doch fragen müsse, bevor er uns erschafft. Oder dass er doch zumindest berücksichtigen müsse, wie unsere Sicht denn wäre, wenn wir unter solchen Umständen erschaffen würden. Und wenn er uns nicht nach unserer Meinung in Bezug auf die Schöpfung fragt, dann nimmt die Angelegenheit (der Ansicht al-Maʿarrīs nach) eine negative Richtung ein.

Der gläubig-religiöse Verstand hingegen sieht die Dinge nicht auf diese Weise – entsprechend auch dem, was wir bereits im dritten Punkt zur Dualität des Diesseits und des Jenseits angeführt haben. Er sieht vielmehr, dass Allāh uns durch seine Schöpfung (unserer selbst) eine historische Chance gewährt. Er selbst sagt: „Ich habe euch durch eure Erschaffung meine Milde offenbart“. Und mit ihr ermögliche ich euch die Chance, in die ewige Glückseligkeit einzutreten. Alles was von euch verlangt wird, ist der Durchlauf einer, zeitlich betrachtet, einfachen Prüfung, die auch als erste Welt oder Diesseits bezeichnet wird. Der Gläubige sieht in diesem Handeln Gottes Großzügigkeit, dass allen Menschen die Möglichkeit zur ewigen Glückseligkeit ermöglicht wurde und durch das Hinabstürzen der betroffenen Menschen in die Feuerhölle erkennt er als Fehler, die von ihnen selbst kommen. Aus seiner Sicht schienen sie nicht in der Lage zu sein, sich selbst kleinen, zeitlich endlichen Prüfungen zu unterziehen. Und das ist die Bedeutung dessen, worauf auch der edle Koran (mit folgenden Worten) aufmerksam macht: Der Mensch ist „sehr oft ungerecht und sehr oft töricht“. Der Mensch hat sich selbst Unrecht zugefügt, weil er eine historische Chance, die vor ihm lag, verstreichen ließ. Er versank in Sinnlosem und Ignoranz, als er seine Sicht hinter der Welt verbarg – und das Jenseits vergaß.

Die beiden Ansichten an dieser Stelle sind – entsprechend der (jeweiligen) Philosophie des menschlichen Seins und der Legitimität der Erschaffungre des Menschen – eminent unterschiedlich. Während die eine Ansicht im Erschaffen des Menschen durch Allāh einen Fehler und einen Eingriff in die Rechte desselben sieht, sieht die andere Ansicht darin eine Gabe, eine Chance und eine Großzügigkeit. Der erfolglose Mensch will seinen Misserfolg Allāh zuschreiben und bezichtigt ihn einer Verschuldung (und einer Fehltat), statt sich diese selbst zuzuschreiben.

Die Religion sagt, dass diese Ansätze, die sie im menschlichen Geist tief verankert hat, in der Lage sind, die „Programmierung“ des Menschen wieder auf das, was um ihn herum geschieht, auszurichten. So ist es nicht nur wichtig, dass Du das, was um Dich herum geschieht, wissenschaftlich begreifst, vielmehr ist es wichtig, Dein Handeln in dieser Umgebung besser zu machen.

5. Der Zufluchtsort zwischen der göttlichen Barmherzigkeit und der Stille der erzürnten Natur

Der religiöse Glaube hat den Standpunkt, dass wir, wenn wir den Glauben an den „großen und verborgenen Verstand“ – also an Allāh – aufgeben, eben den, der sich selbst alle Sinne, alles Wissen, alle Fähigkeit, alle Weisheit und das wahre Verständnis und den wahren Zweck (und so weiter) zuschreibt, dann verlieren wir (alles). Wir verlieren das Gefühl, das uns ermöglicht, zu verstehen, wer der Gnadenreiche, der Allvergebende, der Liebende und der Milde ist. Die Natur kann nicht verstehen, nicht erkennen und auch nicht fühlen, während Allāh die Angelegenheiten sehr wohl kennt, sie ihm bewusst sind und er Ziele hat. So ist es möglich, dass der Mensch durch die Atmosphäre des Wortes Allāh seelisch und geistig Schutz findet – auf eine Art, die nicht von dieser Welt ist und ihm Barmherzigkeit, Erlösung und Hoffnung schenkt. Sobald ich mich von der Welt der stillen, verstandlosen Natur zu einer verborgenen, verstandesbegabten Welt erhebe, fühle ich (wieder). Es ist, als wäre ich mit einem anderen, großen Menschen zusammen, der im Besitz seines Verstands und seiner Seele, seines Benehmens und seines Bewusstseins ist. Die Ziele sind eine Angelegenheit des Verstands, die der Mensch durch seine Erfahrungen begreift. Und wenn ich diesen Großen, Verborgenen fühle, dann kann es sozusagen sein, dass ich auch das Vorhandensein von Barmherzigkeit, Liebe und Mitgefühl spüre.

Vielleicht ist dieser Kontext genau das, worauf die gottesnahen Philosophen anspielen, wenn sie über ihre Beweise der natürlichen Veranlagung (fiṭrah) sprechen. Wenn der Mensch in eine gefährliche und kritische Situation gerät, wie etwa auf einem Schiff, dem inmitten des turbulenten Ozeans die Vernichtung droht, dann wendet sich der Mensch in seiner natürlichen Veranlagung offensichtlich (immer wieder) an eine höhere Macht, die hört und fühlt und sieht. Eine, die auch ein Gefühl für Barmherzigkeit, Vergebung und Liebe hat. So hält er an ihr fest, auf dass sie ihn errettet. Er hält dabei nicht an irgendetwas fest, was zu einer niedrigen Überlebenswahrscheinlichkeit führt, wie die Philosophen ja auch sagen, sondern vielmehr an einer Kraft, die über dem Normalen ist und über dem Möglichen, die in der Lage ist, in seine Errettung einzugreifen. Und warum? Weil sie die Bittgebete und die Rufe erhört. Und weil sie vergibt und versöhnt und barmherzig ist. Und so kommt es zur Errettung. Nicht aber, wegen der möglichen Wahrscheinlichkeit von eins zu eintausend, dass der Ozean sich wieder beruhigt. Sondern deshalb, weil er an eben dieser Kraft festhält, die er in seinem Inneren spürt und die in der Lage ist, einen Ausweg zu seiner Errettung zu ermöglichen – selbst dann, wenn der Ozean sich nicht beruhigt.

Allāh ist also jener Zufluchtsort. In der religiösen Kultur ist er der Angebetete, den man in allen Angelegenheiten bittet. Niemand anderen außer ihm. Und der Glaube an den einen Gott (at-tawḥīd) ist die richtige Art der Verbindung zu eben dieser großen Kraft, die wir Allāh nennen.

Der Atheismus wiederum beschäftigt sich nicht mit all diesen seelischen Ansätzen, die (beim Menschen) Hoffnung und Errettung erbauen (und ermöglichen), die Fürsorge und Güte und Mitgefühl fühlen lassen, die von einer höheren Kraft kommen. Aus religiöser Sicht sind all dies entsprechend wertvolle Empfindungen. Der Atheismus sagt, dass es nichts gibt außer dieser materiellen Realität, mit der wir uns zwar auseinandersetzen sollen – aber mit nichts anderem sonst. Und Deine Hoffnung sollst Du aufbauen auf (ausschließlich) diese vorhandene Realität.

6. Die Religion und der Atheismus – und der Austausch gegenseitiger Vorwürfe

Der Atheismus sagt, dass religiöse Glaubensrichtungen in einer schwierigen Situation sind und dass sie diese Schwere auch selbst spüren.

Der Atheismus sagt, dass er schwer zu ertragen ist für die religiösen Konzepte. Und die Religion spürt sein Gewicht. Würde sie aber (den Atheismus) annehmen und den Schmerz zulassen, dann würde dieser auch schnell wieder vergehen. Dies deshalb, weil sie die Dinge dann realistisch und logisch sehen würde. Und der Grund für ihren Schmerz ist ohnehin nur, dass sie sich an die Sucht der religiösen Mythen gewöhnt hat. Das Loslösen von einem solchen (Sucht-) Zustand ist immer mit Schmerzen verbunden, die aber nur am Anfang vorkommen.

Die Religion hingegen sagt, dass die Sicht des Atheismus auf sich selbst alles andere als realitätsnah ist, weil seine Sicht zerstückelt, vermindert und unvollständig ist. Vielmehr ist sein Menschenbild gar nicht intakt. Dies deshalb, weil der Mensch ein (natürliches) Bedürfnis danach hat, seine verborgenen Gefühle zu stillen – egal erst mal, ob mit etwas Wahrem oder etwas Falschem. Jede Realität (oder vielmehr dem, was man selbst unter Realität versteht), die diese angeborene, verborgene Neigung beim Menschen ignoriert, wird ihn am Ende betäuben (und seiner Sinne berauben). Für eine endliche Zeit allerdings nur – alsbald wird er dann aufwachen und großen Schmerz verspüren, die für ihn in Alleinsein, Einsamkeit und Sehnsucht resultieren. Darauf folgt vielleicht sogar der Suizid, wie in unserer heutigen Zeit ja (leider) bekannt.

Diese betäubende Wirkung beschränkt sich nicht auf die Religion. Die Religion sieht vielmehr an, dass der Atheismus es ist, der die Menschen betäubt – durch die (Anziehungs-) Kraft der Gelüste, der Medien und der Illusionen – in dem einige der angeborenen Sehnsüchte (des Menschen) für eine gewisse Zeit durcheinandergebracht werden. Alsbald werden sich die Dinge aber dann ändern. Und die Menschen werden zurückkehren zu diesen angeborenen Sehnsüchten und an dem festhalten, was hinter dieser (sichtbaren) Welt ist. Der Atheismus hat es nicht geschafft, die Religion zu verdrängen – trotz all der jahrhundertelangen Bemühungen auf dieser Welt. Und er wird es auch nie. Und wenn es hier oder da mal doch gelingt, dann handelt es nur sich um kurzzeitige Ansätze. Der Atheismus kann hier nie eine Kontinuität schaffen. Was dies deutlich bestätigt, ist, dass all die materiellen und pragmatischen Trends des 20. Jahrhunderts nun dazu führen, auch die Religion als eines der möglichen Heilungswege für psychische Erkrankungen zu sehen, die das moderne Zeitalter heute (auch dringend) braucht.

7. Das Absolute zwischen Menschlichkeit und Göttlichkeit

Die Religion ist der Meinung, dass das Absolute oder was dem Absoluten ähnlich ist, davon auch ein Zustand der Menschen ist und nicht nur göttlich allein. Allerdings im Rahmen der Grenzen des Menschen. Wir nennen sie: Die Gesandten und die Gottesnahen. Ihre Absolutheit zeigt sich darin, dass sie die Vorbilder und die Verbindung zu Allāh selbst sind, der ja der wahre Absolute ist. Und darin, dass sie das beste Beispiel des Menschen sind, eins, dass die Religionen im menschlichen Verstand tief verankert haben.

Im Atheismus gibt es nur einige Gruppen von Menschen, die gewisse besondere Punkte in ihrer Zeit erreicht haben, durch die sie wiederum in die Reihen ihrer Besten aufgenommen wurden. Das ist alles. Ohne allerdings die Stufe des Besonderen tatsächlich erreicht zu haben. Oder dass sie gegenüber anderen einen Vorrang hätten.

Und weil es einen Absoluten gibt, der höher ist, als der Mensch, ist die Religion der Auffassung, dass der Verstand beschränkt ist. Und dass dieser deshalb den Worten der Offenbarung zuhören muss, die diesem begrenzten Verstand entgegenkommen. Wir nennen diesen Absoluten Allāh. Aus diesem Grund glaubt die Religion, dass es nicht logisch ist, uns gegen Allāh zu stellen, während wir ja mit unserem begrenzten Verstand nicht in der Lage sind, die noblen Ziele Allāhs in seinen Handlungen zu begreifen. Wir tun so, als würden wir alles verstehen, wenn wir (demonstrativ) fragen, warum er Menschen durch Erdbeben und Vulkanausbrüche und ähnlichem das Leben nimmt. Und (wenn wir) nach dem Grund seines Entsendens all dieser üblen Menschen auf dieser Welt (fragen). Unser Einwand ist einfach abzulehnen. Nicht deshalb, weil die Religion die Rechte kürzt oder weil Allāh tyrannisiert. Sondern weil die Logik dieser Angelegenheit dies in der Tat so erfordert. Der menschliche Verstand ist eingeschränkt. So viele Dinge wurden abgelehnt und nach Jahrhunderten kamen die verborgenen Hintergründe ans Tageslicht. Während er also begrenzt ist, Allāh selbst aber nicht, ist es nur logisch, nicht einfach zu sagen, „ich lehne dieses göttliche Verhalten ab“. Vielmehr sollte es doch heißen: „Ich verstehe das nicht im Detail“. Mein Verstand ist begrenzt und ich bin infolgedessen nicht in der Lage, das zu begreifen.

Der Atheismus ist der Ansicht, dass all dies nur Gerede ist. Wir selbst haben nicht mehr als unseren begrenzten Verstand. Und wir müssen uns auf diesen ganz allein verlassen, solange er das einzig verfügbare Element ist, um unsere Angelegenheiten zu verwalten. Jedes andere Wort ist nur dahergesagt und verbale Spielerei.

8. Zwischen der Zentralität Allāhs und der Schlüsselrolle des Menschen

Bei allem, was wir zuvor bereits erwähnt haben, zeigt sich, dass Allāh die zentrale Rolle in allen religiösen Modellen ist. Allāh ist die (treibende) Achse. Er ist die Basis und der Ursprung. Und wir drehen uns (lediglich) um seine Kaaba[3]. Alles geschieht durch seinen Willen. Und demnach gehört es sich, sich ihm hinzugeben. Diese Hingabe ist alles andere als ignorant. Vielmehr ist es die Erkenntnis, dass wir selbst ignorant und beschränkt sind. Das Wissen über unseren Zustand ist deshalb wie ein Licht und keinesfalls eine Dunkelheit.

Der Atheismus hingegen sieht den Menschen im zentralen Mittelpunkt. (Entweder der Einzelne, wie im Liberalismus oder die ganze Gesellschaft, wie im materialistischen Marxismus.) Der Mensch ist der Ursprung. Alle Gesetze, alle Gedanken, alle Programme und Projekte müssen sich um seine eigene Kaaba herum drehen – und ihm zu Diensten sein.

Diese essentielle Differenzierung in der Angelegenheit der Zentralität (von Allāh und vom Menschen) gehört zu den wesentlichen Unterschieden, die in unserer modernen Zeit in Konflikten und Streitgesprächen aufkommen. Selbst viele Gläubige betrachten die Dinge heute aus der Sicht der Zentralität des Menschen und nicht aus der Zentralität Allāhs.

Mit Blick auf die Wichtigkeit dieser Angelegenheit, möchte ich auf die Ašʿarīyah[4] Richtung verweisen, die der Auffassung ist, dass die Gesetze und Gesetzgebungen keinerlei reellen Nutzen für den Menschen haben müssen. Selbst wenn sie etwas enthalten würden, was aus unserer Sicht schädlich ist, wären sie dennoch gut. Dies deshalb, weil der Wert eines Gesetzes nicht in seinem Inhalt an sich liegt, sondern in seiner Verbindlichkeit gegenüber Allāh, dem Erhabenen.

Ich möchte diesen Ansatz nicht unterstützen, um den herum im islamischen Erbe sehr viel argumentiert wurde – insbesondere im Rahmen des rationalen, wesentlichen Gutheißens und nicht Gutheißens (at-taḥsīn wa at-taqbīḥ al-ʿaqliyaīn wa aḏ-ḏātiyaīn). Worauf ich aufmerksam machen möchte, ist die Neigung des religiösen Verstands zur göttlichen Zentralität. Was immer Allāh zum Gesetz ernennt, ist immer gut. Er macht nur Gutes zum Gesetz.

Der Ansatz der Zentralität des Menschen, der in allen Einrichtungen des Denkens bekannt ist, selbst auch in der Mitte der religiösen Wissenschaft, hat eine große konzeptionelle Verschiebung stattgefunden. Alles ist also dem Menschen zu Diensten. Gut, das ist nicht schlimm, aber was genau bedeutet denn „Dienst für den Menschen“ und für „seinen Nutzen“?

Für den Menschen zu Diensten sein bedeutet, ihm Nutzen zu bringen. Was wir aber heute in der Welt erleben ist, dass der Dienst am Menschen bedeutet, dass er Komfort erlebt und empfindet sich in Glückseligkeit zu befinden. So ist daraus ein Ansatz geworden, der sich um den Komfort des Menschen und sein Glückempfinden dreht. Wie aber bekannt ist, ist das nicht die wahre Bedeutung des Nutzens. So kann es sein, dass der Nutzen im Schmerz liegt oder auch nicht. Wenn also der Gedanke der Zentralität des Menschen nicht mehr nur das Gute und den Nutzen im Vordergrund sieht, sondern genauer den Komfort, den Schutz, die Stabilität und den Genuss von Glück und Schönheit, dann handelt es sich um eine sehr große Verschiebung. Der religiöse Streitpunkt also ist, dass nicht der Nutzen des Menschen im Vordergrund steht. Die Religion sagt vielmehr, dass der Nutzen des Menschen immer durch die Religion definiert wird – die ja die Gegenwart und auch das Jenseits gleichermaßen berücksichtigt. Egal, ob sich die Religion irrt oder nicht. Der Nutzen für den Menschen kommt allein dadurch, dass Allāh im Zentrum von allem ist. Der Nutzen des Menschen verändert sich aber dahin, dass es nur noch um seinen Komfort, seinen Schutz und seine Stabilität geht. Der Wert der Wissenschaften scheint nur noch das im Fokus zu sehen. Und hier ist noch ein weiterer religiöser Unterschied. Nicht in dem Sinne, dass Religion dagegen wäre. Die Religion ist vielmehr dagegen, diese Werte zu höheren Grundsätzen zu machen.

Schlussfolgerung 

Trotz des Unterschieds zwischen Religion und Atheismus, liegen dennoch auch Punkte vor, in denen sich beide einig sind:

Genauso sehr, wie der Atheismus seine Sicht auf die Dinge als klar und mit der modernen Wissenschaft im Einklang ansieht, genauso sehr sehen auch die Religion und ihre Anhänger, dass ihre Sicht vollkommen klar und gar offensichtlich ist. So sehr, dass die Stärke ihrer Überzeugung viel größer ist, als die Stärke der Überzeugung der Atheisten. Die Stärke der Überzeugung einiger Atheisten wiederum ist größer, als der eines großen Publikums von Gläubigen. Beide Parteien also sehen ihre Ansicht als jeweils klar und deutlich an. So sehr wie der Atheist die Abwesenheit Allāhs im Leben sieht, weil man ihn ja nicht sieht und nicht fühlt, so sehr ist seine Anwesenheit für den Gläubigen klar. Er stellt unbewusst eine Verbindung mit ihm her, die manchmal die Grenzen des Verstehens und des Verständnisses überschreitet.

Beide Parteien beider Seiten sagen, dass die Religion oder eben der Atheismus Gutes und Nützliches für die Menschheit bringt. Jeder von ihnen liest aus Büchern und Werken, die die positive Wirkung auf das Leben erklärt und hier und da Ergebnisse, Zivilisation und Hochkultur brachten – für die es jetzt keinen Raum zur Diskussion gibt. Der Vergleich der Ansätze beider führt jeweils zum Scheitern des anderen – und zum Fokussieren auf schwache Themen, ohne auf die wirklich starken Themen zu schauen. Der Atheismus zeigt sich stolz, weil er sagt, er hätte die moderne Wissenschaft hervorgebracht. Wenn das stimmt, dass die moderne Wissenschaft also ein Ergebnis des Atheismus sei, dann kommen die Religionen und führen an, dass auch sie große Errungenschaften in den Natur- und Geisteswissenschaften vorweisen können. Dies etwa in einigen Epochen, in denen sie Macht und Einfluss besaßen – wie beispielsweise in der islamischen Geschichte, als durch die Muslime alle Wissenschaften entsprechenden Fortschritt erlangten.

Vor dem Hintergrund dieser genannten Modelle, einer kleinen Zusammenfassung dessen, wohlgemerkt, stehen wir nun vor zwei Menschen. Jeder von ihnen denkt auf seine eigene Art und Weise. Jeder von ihnen sieht die Dinge durch seine eigene Brille. Was ich nach diesem kleinen Vergleich also sagen möchte, ist folgendes:

  1. Die Religion ist nicht gegen die Anschauung. Sie selbst ist eine Anschauung. Ob Du sie annimmst oder ablehnst. Sie ist eine vollständige Anschauung einer anderen Art. Was wir bei einigen Intellektuellen vorfinden, die über die Religion berichten, sind nur chaotische Gedanken, die nicht der Wahrheit entsprechen. Die Religion ist eine Anschauung des Seins und des Menschen. Sie ist ein Ansatz, der es verdient, bei ihm anzuhalten. Es darf nicht sein, dass man sich der Verantwortung entzieht, indem man ein falsches Bild davon zeichnet (und alles so darstellt), als würde es sich um lustige Erzählungen von Astronomen handeln oder sonst einen Unsinn, der aus Tassen gelesen wird. In den Epochen der Religion kamen große, philosophische Ansätze zustande, die die Geschichte auch kennt. Und immer noch umarmen sie die großen religiösen Grundsätze.
  2. Die Religion lässt sich nicht nur aus der Perspektive des Wahren und des Falschen betrachten, sondern auch aus einer psychologischen und gesellschaftlichen Perspektive. Religion wird auch nicht allein aus der Sicht seiner schwächeren Elemente bewertet, sondern eben aus einer vollständigen Perspektive. Was wir heute bei einem großen Teil der Gemeinschaft beim Umgang mit der Religion und der Ansätze seiner Schwächen erleben, ist ein großer wissenschaftlicher Fehler. Ebenso auch der Umgang auf eine spöttische Art, indem sie einige Irrtümer, Mythen und vorhandenen Aberglauben innerhalb der religiösen Mitte auszunutzen versuchen. Wir finden heute genügend Personen, die alle historischen Widersprüche innerhalb der Religion sammeln, ebenso wie ihre Fehler und Schwachpunkte – um sie dann im Kontext eines säkularistisch-islamischen Konflikts hervorzubringen. Eine politische Schlacht der höchsten Art. Die Worte werden als intellektuelle Mischung genutzt. Eine politische Schlacht, um politisch-religiöse Strömungen zu stürzen und dabei andere zu stützen. Die Religion ist das Opfer, weil sie den Menschen mit einem schlimmen Gesicht erscheint. Sie verwenden die unterschiedlichsten und spektakulärsten Methoden der Medien. Leider aber erkennen bis heute nur die wenigsten Gläubigen die wahre Lage. Sie bleiben hingebend bei diesem negativen Bild der Religion. Sie stoppen alle Schritte der Anstrengung und Erneuerung in der Glaubenslehre und glauben, dass genau diese Schritte uns in die Falle des Weltlichen und des Atheismus führen. Sie erkennen nicht, dass die Abschaffung aller Schritte der Anstrengung und Erneuerung auf beste Weise zum Sieg all jener weltlichen Strömungen führt, die ohnehin eine feindliche Grundhaltung gegenüber der Religion haben!! Sind denn diese religiösen, aber unzivilisierten Strömungen von heute nicht die beste Unterstützung für das Wachstum der Strömungen des Säkularismus?! Ist denn diese Art der feindlichen, ausschließenden und verschließenden Religiosität, von der ja eigentlich gedacht wird, sie würde die Religion mit ihrer Feindschaft, ihrem Ausschließen und ihrem Versperren schützen… hat diese nicht etwas in sich, das ein gewaltiges, adoleszentes Bewusstsein erschafft, das frenetisch ausruft: „Die Nichtexistenz des Islam ist die Lösung“? Dies, im Gegensatz zu: „Der Islam ist die Lösung“. Und dies deshalb, weil sie denkt, dass das Erscheinen der Religion in das Leben der Grund für unsere heutigen Probleme sei!!?

Ich möchte alle Forscher, alle Denker, alle Gelehrten, alle Intellektuellen und auch alle Kritiker dazu aufrufen, sich von der Sprache (und der Berichterstattung) der Medien loszulösen. Und von allem politischen Wetteifer und vom einseitigen Blick (auf die Dinge), wenn sie die Religion betrachten. Wir begehen einen historischen Fehler, in dem wir beim Versuch, die politisch-religiösen Parteien zu filtern, am Ende die Religion selbst filtern. Auf diese Weise verliert die Gemeinschaft ein hohes, moralisches, geistiges, soziales und kulturelles Element.

Autor: Scheikh Haidar Hobbollāh


[1] lat. Causa efficiens

[2] lat. Causa finalis

[3] Die Kaʿba, (arabisch الكعبة) ist ein quaderförmiges Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee in Mekka.

[4] Die Ašʿarīyah (arabisch أشعرية) ist eine theologische Richtung des sunnitischen Islams.

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Geburtstag Imam al-Mahdis (a) – Neuerungen bei BufiB https://bufib.de/geburtstag-imam-al-mahdis-a-neuerungen-bei-bufib/ Thu, 11 May 2017 11:13:53 +0000 http://bufib.de/?p=2601 Im Namen des Erhabenen

Wir gratulieren Euch allen herzlich zum Geburtstag des Imams der Zeit, Imam al-Mahdi (a).

Zu diesem heiligen Anlass, möchten wir zwei Neuerungen bei BufiB bekanntgeben:

1️⃣ Die Homepage von BufiB (www.bufib.de) hat ein neues Design (redesign) bekommen und steht ab sofort im neuen Glanze zur Verfügung. Darin findet ihr von nun an auch unsere Podcasts, Flyer und einen sehr ausführlichen Kalender, der Euch die islamischen Ereignisse direkt anzeigt.

2️⃣ BufiB eröffnet zum Geburtstag des heiligen 12. Imams (a) einen arabischen Bereich. Hierbei bieten wir folgendes an: Eine Hompage (www.bufib.org), eine Facebook-Seite (fb.com/wa3i.islami) und einen Telegram-Kanal (t.me/wa3i_islami), worin wir arabischsprachige Infografiken und Podcasts von verschiedenen Gelehrten der theologischen Hochschulzentren (ḥawzāt), die mit BufiB eng zusammenarbeiten, anbieten werden.

Möge Allah, der Erhabene, diese bescheidene Arbeit annehmen und dem Imam der Zeit (a) einen Dienst erweisen. Für ein interaktives Teilen dieser Kanäle und Angebote wären wir sehr dankbar, sodass die breite Masse davon profitieren kann.

Wir wünschen Euch allen weiterhin eine gesegnete Zeit und einen instruktiven Aufenthalt bei BufiB.

Euer BufiB-Team

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Der islamische Denker und die Krise der Beziehung zwischen Religion und Moderne https://bufib.de/der-islamische-denker-und-die-krise-der-beziehung-zwischen-religion-und-moderne/ Sun, 12 Mar 2017 08:39:19 +0000 http://bufib.de/?p=1793  1- Die Rede über Religion und Moderne hat viele Aspekte und Bereiche, die nicht auf ein einfaches Wort oder eine triviale Studie reduziert werden kann. Diese Forschung galt in beiden Welten, der westlichen und der östlichen, als eine Quelle der Kontroverse und hier und dort ist es immer noch eine Quelle der Kontroverse und Debatte, bis wir gemerkt haben, dass die Wiederbelebung, die Reformbewegung und die religiöse Reformation in der islamischen Welt durch Aufruhr und Unschlüssigkeiten in den meisten ihrer Formen zwischen den Polen der Moderne und Religion wanderte. Diese Schwankungen, manchmal sichtbar und manchmal versteckt, bewirken, dass der Islamwissenschaftler einen Zustand des Konflikts, der Ambivalenz, der Angst und der Unentschlossenheit betrat. Nach den Perioden der Unschlüssigkeiten wurden die muslimischen Wissenschaftler in mehr als einer Gruppe aufgeteilt. Der ersten Gruppe schlossen sich jene an, die immer noch von den mehrdeutigen religiösen und modernistischen Redewendungen betroffen waren, während sich der zweiten Gruppe jene anschlossen, die zu „Salafisten“ in jedem Sinne des Wortes wurden. Einer weiteren Gruppe schlossen sich jene an, die nach vorne flohen und zu Modernisten wurden, wobei ihre Modernität zum theoretischen oder praktischen Atheismus neigt.

Dies ist die Geschichte des Islamwissenschaftlers in diesem kläglichen Thema, manchmal ist er besorgt, ängstlich und wird durch Veränderung und Modernität hinfortgezogen, und manchmal würde er schrumpfen, wie ein Industrieller, der immer noch um eine manuelle landwirtschaftliche Bevölkerung bittet. Dies ist ein Zeichen für die kritische Wirklichkeit, in der wir leben, da wir nicht in der Lage waren, aus dieser psychologischen Sackgasse herauszukommen. Möglicherweise gibt es wenige, die schon eine mutige und schwierige Entscheidung getroffen haben, was auch immer die Hintergründe sind, aber es ist wichtig, dass diese Entscheidung nicht eine Form der Flucht aus Selbstschmerz und eines Kampfes der Richtungen innerhalb ist. So muss es eine reife und bewusste Entscheidung sein, die auf den Verstand projiziert wird, um zu helfen, einen sicheren Weg aus dieser prekären Sackgasse zu finden, (und es darf) keine psychologische Entscheidung (sein, die) umhüllt (ist) mit der intellektuellen Sprache.

2- Was die Krise des Vertrauens in den islamischen Denker bestätigt, ist sein Umgang mit dem Phänomen der Moderne mit allem, was es an Bedeutungen trägt. Manchmal transformiert dieser Intellektuelle die wichtigsten Redewendungen in der Moderne zu etwas, das als heilig und über der Geschichte stehend angesehen wird, nicht lokal, wobei die Struktur dieses modernistischen Denkens auf die Zurückweisung des Heiligen und des Hochgestellten über Geschichte und Raum-Zeit basiert. In der Tat sind einige Texte der Modernität schon so heilig geworden, dass jeder, der über sie diskutiert, bestraft wird, aber sie würden der Retardation anstatt der Apostasie angeklagt werden und sie würden auf intellektueller und nicht auf physischer Ebene ermordet werden. Selbst wenn der muslimische Denker ein geistiges Werk mit Kritik der Moderne fertigstellt, bezeichnet man ihn als Anhänger der westlichen und ausländischen Kritik, wie die Projekte der moralischen Kritik der Moderne, wo unser muslimische Denker diese Kritik direkt begann, nachdem er mit westlichen Studien überschwemmt wurde. Dies zeigt nur eine Vertrauenskrise, was zu einer Krise der Initiative und damit, dem Fragen nach der Erlaubnis zum Initiieren von Maßnahmen führte.

Dies führte unseren muslimischen Denker dazu, eine Dualität der Moderne und Vormoderne zu durchleben, wo diese eine Trilogie, die sie in die Postmoderne führen würde, noch nicht erwarteten. Von hier aus galt für ihn, dass eine Kritik der Moderne gleichbedeutend mit der Rückkehr zur Vormoderne ist, was für den muslimischen, energischen Denker hart ist, und das ist es, was ihn zu einem Gefangenen der Redewendungen der Moderne macht. Manchmal sieht er sie als ideelle Selbstverständlichkeiten und manchmal, was noch wichtiger ist, geht er mit ihnen wie mit einer unvermeidlichen Realität um, der man nur entkommen kann, wenn man rückwärts geht, was zumindest praktisch unmöglich ist.

3- Ausgehend von diesem Punkt wurden die Zugänge der Kritik der Moderne westlicher und für den islamischen Denker wurde es schwierig die Zugänge zu innovieren, denn er stellt die Person eines Verbrauchers in einem Markt dar. Wenn er etwas produzieren will, wird er keine Rohstoffe außer die seines Erbes besitzen, das wiederum ziemlich schwierig zurückzubringen ist, weil es ihn zurück in die Vormoderne drängt in Bezug auf die Praxis, Mechanismen und Denkmuster, die ihn zwingen andere Möglichkeiten aufzusuchen, dieses Erbe in einer Weise zu nutzen, die ihn auf der einen Seite selbst mit Unabhängigkeit und Privatsphäre versorgt und auf der anderen Seite nicht in eine wörtliche Umschreibung der Geschichte oder eine Rückwendung verwickelt.

4- Das Hauptproblem mit dem Menschen konfrontiert werden, wenn sie die Reaktionen der muslimischen Gelehrten und Denker über die Moderne und ihre Folgen betrachten, ist meist die Dominanz einer von zwei Standpunkten, entweder Reaktionen in Form von Skepsis und Isolation und eine nahezu absolute Ablehnung oder Blendung, Anziehung und eine nahezu absolute Unterwerfung, deshalb finden wir sie in zwei Kategorien unterteilt: Nachahmer der Vorfahren und Nachahmer der Nachfahren, wie es von Dr. Ṭahā ʿAbd ar-Raḥmān ausgedrückt wird.

Wir sehen, dass die Redewendungen der Modernität für einige Leute so heilig geworden sind, dass sie nicht diskutiert werden können, und dies zeigt, dass, wenn wir, Bewohner des Ostens, als wir das Konzept der Moderne erhalten haben, dieses verformt und verzerrt haben. Wir wollten Moderne in einem nicht-modernen Ambiente erzeugen. Wie kann eine Mentalität, die die Moderne und ihre Redewendungen als ehrfürchtig und heilig erachtet, als eine moderne Mentalität berücksichtigt werden? Ist das nicht eine Art von innerem Widerspruch, der automatisch zum Untergang des Begriffs führt?

Und selbst wenn wir diesen Punkt an sich vorweglassen, gibt es Leute, die heutzutage von Elementen in der Moderne sprechen, die von zeitgemäßen Menschen tatsächlich nicht weggelassen werden können, egal wie die Menschen über sie im Sinne der praktischen Vernunft (practical reason) denken und wie gut oder schlecht sie sind. Dann, beginnend von diesem Punkt, geht man davon aus, dass einige Elemente der Moderne (reale Voraussetzungen) eine Gegenüberstellung und Vergleich zwischen Moderne und Religion ziehen, ohne uns zu einer rationalen Grundlage für das Werden dieser These oder jener realen Voraussetzung zu führen.

Der Umgang der Moderne mit dem Konzept dieser Selektivität oder jenem Defätismus wird nicht zur Lösung des Dilemmas von Religion und Moderne auf kognitiver Ebene oder in den östlichen Ländern beitragen. Was wirklich erforderlich ist, ist die Einleitung eines echten Innovationszustands, in dem wir die Vorfahren nicht imitieren, sondern respektieren, ihr Wissen nutzen und von ihnen profitieren und wo wir den Westen nicht nachahmen, sondern ihn respektieren, sein Wissen nutzen und davon profitieren, aufgrund dessen, was wir beide an Gemeinsamkeiten der Menschlichkeit haben.

5- Eines der intensivsten Dilemmata im Verhältnis von Religion und Moderne ist das Dilemma des Heiligen und des Rituellen. Der muslimische Wissenschaftler hat das Gefühl, dass die rituelle, ergebene Rolle in der Religion ein Hindernis in Hinblick auf die Moderne sei. So bleibt der Moderne nichts anderes übrig als die Ablehnung der unterschiedlichen Formen des Heiligen, des Erhöhten über das Verständnis und des Denkens und deshalb sehen wir einige Personen, wie Dr. Mustafa Malekian, die das Prinzip „spirituelle Richtung versus rationale Richtung“ postulieren und die Basis dieser Richtung ist eine beinahe vollständige Löschung übermittelter und rechtswissenschaftlicher Texte der Religion. Nach Malekians Theorie wird somit keine Religion, die ihr Verständnis per historischer Methode erwirbt, mit dem Ziel, die Wirklichkeit nach den Kriterien des theoretischen Verstandes aufzudecken, je erfolgreich sein. Ausgehend von einem Grad von Absurdität der rational-metaphysischen Forschung, für ihre Unfähigkeit der Konstruktion irgendeines Beweises, belegend oder negierend, der metaphysischen Fälle, einschließlich der Existenz Gottes, wie der Inhaber der Theorie selbst bezeichnete, in einem Grad der Ausdehnung des Positivismus, der den Geist der Moderne beschreibt.

Wir sind nicht dabei diese Theorie zu studieren, jedoch haben wir eine einzige kritische Haltung in Bezug auf diese Methode, auf die wir uns praktisch dezimieren, nämlich, dass Anhänger dieser Theorie – unabhängig des Erkenntnisweges, den sie gegangen sind – die historischen, religiösen Skripte von einer traditionellen Perspektive aus behandelt haben und dann eine neue Lösung auf der Grundlage dieser traditionellen Sicht aufstellten, trotz der Tatsache, dass diese gleiche Perspektive immer von ihnen abgelehnt wurde.

Mit der Erwähnung der klassischen Perspektive meine ich die Berücksichtigung der islamischen Jurisprudenz als historisches Wesen der Religion, die einen großen Teil davon einnimmt. Diese Wahrnehmung der Religion, dass sie eine Religion der Rechtswissenschaft und der Scharia sei, ist eine schulische (klassische) Wahrnehmung, die durch das sukzessive Wachstum der islamischen Rechts- und Hadithwissenschaft im Leben der Muslime verursacht wurde. Angesichts dieser Perspektive wird dies natürlich zur Dominanz der rituellen Wahrnehmung der Religion führen, im Gegensatz zu dem, was passieren würde, wenn Theorien der späteren religiösen Rationalisten, die sich auf Philosophie, Gnostik und Ethik konzentriert haben und diese berücksichtigen. Einige von diesen – wie ʿAllāmah aṭ-Ṭabātabāʾī und Scheich Murtaḍā Muṭahharī – finden Inspiration in einem rationalen Verständnis der ṣadrāischen Philosophie für ein rationales Verständnis von Religion, egal wie maßstäblich ihre Beurteilung ist.

Warum wurde das traditionelle Verständnis von Religion – in diesem Sinne – gemacht, um als Basis für den Umgang mit dem Phänomen des Verständnisses der Religion im Allgemeinen zu dienen? Und wieso konnten wir nicht die weiteren Formen des Verständnisses sehen, die weiteren Überlegungen einen größeren Raum schaffen? Ich glaube, dass hier ein Fehler stattfand und dieser Fehler hat einer Gruppe muslimischer Forscher die rituelle Wahrnehmung auferlegt, die ein breites Spektrum im Prozess des religiösen Verständnisses und der Interpretation einnimmt.

Wenn dieses Thema erneut verfolgt wird, dann wird diese Angelegenheit vielleicht nicht wieder auftauchen und der rituelle Charakter wird einen anderen Umfang besitzen, der dann intellektuell nach dem Konzept der Moderne gerechtfertigt werden kann, vor allem, dass die Anhänger der spirituellen Richtung und seinesgleichen nicht in der absoluten Nachahmung der anderen und in der Anklage dessen einen Freifahrtschein der Rationalität sehen. Darüber hinaus könnte diese Anklage rational sein; als ob er auf persönlicher Erfahrung oder historische Investigation basiert, wenn sie sehen, dass das Rituelle wenigstens in Bezug auf den Grundsatz gerechtfertigt ist.

Die Übertreibung im Rituellen sollte weder positiv noch negativ überbetont werden. Der Anstieg der Appelle für eine Rückkehr des Heiligen in den Westen, hat sich zu einem bekannten Szenario nach der überwältigenden Leere und dem Verlust des Sinns des Lebens entwickelt, vor allem, da die Philosophie der Wissenschaft im zwanzigsten Jahrhundert sowie Sprache und Hermeneutik, den Verstand gezwungen haben, die Absolutheit ihrer Autorität zu verlassen. Und eine erhebliche Menge an Bescheidenheit wurde darauf verhängt, nachdem es die absolute Autorität in der Ära der Moderne war.

Die muslimischen Kritiker haben nicht alle verfügbaren Alternativen ernsthaft studiert. Im Gegenteil, sie taten so, als wäre die einzige Alternative die »tradierende« (al-ʾiḫbārī) Richtung im Verständnis der Religion oder der heute verbreiteten Richtung, während es angemessener gewesen wäre, wenn sie vorhandene oder vermeintliche Optionen beachtet hätten, um das Ausmaß des Widerstands gegen das Konzept und die Prioritäten der Moderne zu überwachen. Es scheint so, als ob das Problem vieler von uns wäre, dass sie wissen, was sie nicht wollen, wobei sie in Wirklichkeit nicht wissen, was sie wollen, was die Alternative ist. Heutzutage kehrt der gnostische Sufismus wieder zurück in das Religionsverständnis. Vielleicht nur, weil es zur Freude der Religiosität der (islamischen) Rechtsgelehrten ist. Dahingegen, sollte nicht eine diszipliniertere Wahrnehmung für dieses Verständnis vorgelegt werden, und tragen die Richtungen des Sufismus keine verworrenen und negativen Zeichen?!

Schließlich gibt es eine Notwendigkeit, Kühnheit zu besitzen: Kühnheit des Wissens und Kühnheit die Wahrheit zu akzeptieren. Und dieser Bedarf betrifft nicht ausschließlich die traditionelle, schulische Richtung unter uns, sondern betrifft auch viele der Anhänger der Reformation und Unterstützer der Moderne und wir sollten uns nicht von dem Narzissmus der muslimischen Intellektuellen verführen lassen, der uns in dem Versuch einschränkt, verschiedene Wege des Wissens auszuprobieren.

Schließlich, während die aktuelle Ausgabe des „The Curriculum“-Magazins verschickt wird, erhielten wir die unglückliche Nachricht vom Tod des Großgelehrten, seine Eminenz Scheich al-Mīrzā Jawad at-Tabrizi, möge Allahs Barmherzigkeit ihn umschließen. Wir kondolieren alle Muslime und Gläubigen. Wir bitten Allah, den Erhabenen, um Barmherzigkeit, Vergebung und Zufriedenheit und dass ihm der Eingang zum Paradies durch Gottes Barmherzigkeit gewährt wird. Allah segne seine Familie mit Geduld und Trost. Wahrlich, Er ist der Edle und Fähige und der Vergebung würdige.

 

Autor: Scheich Haidar Hobbollah 

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Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr – Umrisse des Konzepts der Reformation und der Identität https://bufib.de/mu%e1%b8%a5ammad-baqir-a%e1%b9%a3-%e1%b9%a3adr-umrisse-des-konzepts-der-reformation-und-der-identitaet/ Sun, 12 Mar 2017 08:23:49 +0000 http://bufib.de/?p=1791 Die zeitgenössische islamische Anschauung zur Reformation[1] und zur Identität

Die Frage nach der Reformation beschäftigt die muslimischen Denker bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts christlicher Zeitrechnung. Dies deshalb, um über den Fortschritt der islamischen Gemeinschaft nachzudenken, nachdem sie ihren bitteren Fall auf kulturellem und intellektuellem Niveau (und auch in anderen Bereichen) gleichermaßen erleben musste.

Was die Frage nach der Identität angeht, so ist diese Frage seit den Sechzigern und Siebzigern mit enormer Kraft wieder in den Vordergrund gerückt und hat uns gezeigt, in welchem besorgniserregenden und keinesfalls beneidenswerten Zustand sich die islamische Gemeinschaft befindet.

In der Angelegenheit der Reformation übe ich zweifelsohne Selbstkritik. Ich beschäftige mich in diesem Zusammenhang mit der Analyse der Gründe der Regression und des Rückfalls. Ich beschäftige mich mit neuen Vorschlägen und nicht mit denen, die sich immer nur wiederholen – schließlich wären wir wohl kaum in unserer derzeitigen Lage, wenn alle diese wiederholten Herangehensweisen in ihrer Form nützlich gewesen wären.

Was andererseits die Frage nach der Identität angeht, so fürchte ich um mich selbst und ich kritisiere all jene, denen ich die Verantwortung für das gebe, was in der heutigen großen islamischen Welt Realität ist.

Alle Werke des ehrenwerten Sayid Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr (1400 n. H.[2]) widmen sich der Antwort auf eben diese beiden Fragen. So können wir einen Teil seiner Arbeit für die Beantwortung der Frage nach der Reformation heranziehen. Hier sprechen wir von kritischen Ansätzen innerhalb unserer islamischen Mitte und einem Lösungsansatz für die Probleme, die in unseren Gedanken vorhanden sind – ebenso wie in unserer Umgebung, in unserem gesellschaftlichen und politischen Zusammenleben und in unseren Visionen und Sichtweisen.

Was den anderen Teil seiner Anstrengungen und seiner Bemühungen betrifft, so galten diese dem Ziel, die Identität zu schützen und sie gegen jene gefährlichen, äußeren Einflüsse zu verteidigen.

Wir können die Arbeiten des Herrn Aṣ-Ṣadr also entsprechend aufteilen und sehen dabei, dass er sich bei einigen seiner Analysen intensiv mit der Angelegenheit der Reformation auseinandergesetzt hat, während er bei anderen die Identität und die Entwicklung der islamischen Gesellschaft im Vordergrund sah.

Die größte Herausforderung, der sich ein muslimischer Denker gegenüber sieht, ist das Erfordernis, die Wichtigkeit der Identität und die der Reformation gleichermaßen in Einklang zu bringen. Warum jedoch?

Weil wir bei der Angelegenheit der Reformation Kritik an uns selbst üben und uns selbst in der Verantwortung sehen. Und so wiederholen wir (immer wieder aufs Neue): Wir sind uns uneinig, wir sind zurückgefallen, wir leiden an einem Fehler innerhalb unserer Gedanken und innerhalb unseres gesamtgesellschaftlichen Verstandes. Was aber die Angelegenheit der Identität angeht, so blicken wir hier vielmehr auf die anderen. Man verteidigt und man legt (sinngemäß) seine Identität in einen (geschützten) Bereich – hier genauer seine zivilisierte Identität, seine islamische Identität, seine konfessionelle Identität. In anderen Fällen auch seine nationale Identität und (sicher) auch weitere. Ich stehe also innerhalb dieses Bereiches und an seinen Mauern und reagiere auf die Geschehnisse, die um mich herum passieren.

An genau dieser Stelle kann man sich das Folgende fragen: Wie kann ein muslimischer Denker auf der einen Seite seine eigene Gegenwart und auch sich selbst kritisieren und den Wagemut besitzen, die vorhandenen Herausforderungen lösen zu wollen – während er im selben Moment genau diese Gegenwart gegen alle anderen zu verteidigen versucht? Vor Fremden, vor einer kulturellen Invasion, vor einer Globalisierung und vor den Problemen, die bei ihm von außerhalb seines geographischen und sozialen Klimas ankommen? Die Fähigkeit des muslimischen Denkers, an dieser Stelle das Gleichgewicht zu halten, ist schließlich genau der Weg, um diese Angelegenheit lösen zu können. Wir finden dabei Personen, die ihre eigene innere Welt so dermaßen kritisieren und schließlich vollständig westliche Wege wählen. Die Gewaltigkeit ihrer Kritik gegenüber der Realität brachte sie am Ende dazu, ihre eigene islamische Gemeinschaft zu leugnen. Schließlich wurden sie selbst Fremde in ihrer eigenen Welt. Ihr eigener Charakter bestand letztlich nur noch aus der Fähigkeit, Kritik zu üben, eben zur islamischen und arabischen Welt, wie auch zur nationalen und gesamtgesellschaftlichen Lage, die in unserer Gegenwart heute vorherrscht.

Auf der anderen Seite sehen wir einige unter uns, die sich vor Problemen fernhalten und unsere inneren Herausforderungen aus unserer Gesellschaft herauszutragen versuchen. Alle unsere Probleme kommen für sie aus dem Westen – wir hingegen leiden für sie unter keinerlei Problem. Aufgrund dessen müssen wir keine unserer inneren Angelegenheiten, aus ihrer Sicht jedenfalls, in irgendeiner Form überdenken – weder unsere gesellschaftlichen, noch unsere kulturellen oder ähnliche Gedanken.

Die Fähigkeit, zwischen diesen beiden Positionen ein Gleichgewicht zu schaffen ist für den muslimischen Denker der Weg zum Erfolg. Und ich denke, dass der ehrenwerte Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr überragend darin war, genau das auch umzusetzen. Er hat weder darauf verzichtet, zu verteidigen, noch ist er zu sehr in Kritik verfallen – er hat es am Ende vielmehr verstanden, zwischen diesen beiden Herangehensweisen gezielt zu einen und auch einige der vorhandenen Probleme innerhalb unserer inneren Ebene anzugehen und zu lösen. Ebenso auch einige bestehende Problematiken, die im Zuge der Rechtfertigung genau dieser inneren Ebene aufkommen.

Aus diesem Grund fasse ich nachfolgend die bekanntesten wissenschaftlichen Beiträge zur Reformation und zur Identität vom ehrenwerten Sayid Aṣ-Ṣadr auf Grundlage genau dieser beiden Positionen zusammen. Ich kann dazu sieben wissenschaftliche Gedanken anführen, die seine Schule besonders kennzeichnen. Ein Teil dieser Gedanken gilt der Antwort auf die Frage nach der Reformation, während ein anderer Teil sich mit der Frage nach der Identität auseinandersetzt. Ein Teil wiederum ist (selbst-) kritischer Natur, während der andere verteidigend Stellung bezieht.

1.  Die methodische Dimension – Neuausrichtung der Systematik des Denkens

Die methodische Dimension (al-buʿd al-manhaǧī) oder auch die Systematik des Denkens hat eine fortschrittliche Entwicklung im Leben von Herrn Aṣ-Ṣadr erfahren. Aṣ-Ṣadr nahm an, dass die Art unserer Bemühungen zur Lösung der Probleme, bezogen auf die Systematik des Denkens an sich, fehlerhaft war und dass es an uns ist, diesen Fehler zu beseitigen und eben diese Lücke zu schließen. Aṣ-Ṣadr sagte dabei nicht, dass die gesamte Systematik insgesamt fehlerhaft sei, vielmehr sagte er, dass es einige Lücken darin gäbe, die wir schließen müssen. Er nahm an, dass die Logik des Aristoteles nicht ausreiche, um alle unsere heutigen Probleme lösen zu können. Vielleicht kann es sogar sein, dass die aristotelische Logik durch ihre Anwendung in den Geistes- und Sozialwissenschaften ganz neue Probleme innerhalb derselben hervorruft. Aṣ-Ṣadr nahm weiter an, dass weder die aristotelische Logik, noch die reine theoretische Philosophie in der Lage seien, unsere eigene Identität zu schützen – und auch nicht die Lücken zu schließen, die in unserer heutigen Realität vorhanden sind. So widmete er sich einer neuen Interpretation der Systematik des von uns gelebten Denkens. Er war dabei aber nicht gegen die Logik des Aristoteles, wenngleich wohl viele unter uns genau das über ihn denken. Diese Meinung entspricht keinesfalls der Wahrheit. Vielmehr nahm er an, dass es durchaus möglich sei, dass wir einen sinnvollen Kompromiss finden können. Präziser, dass wir in unserer islamischen Lehre gleichzeitig von mehreren logischen Methoden Nutzen ziehen können und dass wir diese islamischen Lehren nicht monopolartig auf nur einer logischen Methode aufsetzen dürfen. Wenn wir also die logischen Methoden und die Methoden unseres Denkens bei unseren islamischen und religiösen Lehren entsprechend bereichern, profitieren wir von einem zusätzlichen Nutzen. Die Informationen und Erkenntnisse sammeln sich dabei entsprechend an. Herr Aṣ-Ṣadr beschäftigte sich in seiner Forschung mit der Logik der Induktion und der Wahrscheinlichkeitstheorie, um neue Mechanismen für die weitere islamisch-wissenschaftliche Arbeit zu etablieren.

Ich möchte an dieser Stelle nicht alle seine Ansichten untersuchen, sondern vielmehr zusammenfassend darauf aufmerksam machen, dass er eben die Logik der Wahrscheinlichkeit und auch die Induktion innerhalb der Kalām-Wissenschaft[3] angewandt hat, etwa im Buch «Mūǧaz Uṣūl Ad-Dīn» (Abriss der Glaubensüberzeugungen). Ebenso auch beim Nachweis in Bezug auf das Sein Allāhs, erhaben ist Er, wie wir sehen werden. Auch bei der Wissenschaft des Uṣūl Al-Fiqh[4] nutzte er diese Konzepte und auch beim Gelehten-Konsensus[5], bei der Wissenschaft der Tradenten (ʿilm ar-riǧāl) [6] und bei der Ḥadīṯwissenschaft (‘Ilm al-ḥadīṯ)[7] – Letzteres im Zuge seiner Studien zu Tradenten, über die bekannt ist, dass sie keine Inhalte übernommen haben, wenn kein Vertrauen in die zitierten Personen vorhanden war.

Aṣ-Ṣadr nutzte einen neuen Logikansatz und brachte damit neue Schätze in unserem Wissenssystem für uns hervor. Er sagte dabei nicht, dass die aristotelische Logik nicht in der Lage wäre, uns Nutzen in diesem intellektuellen Bereich zu bringen, sondern vielmehr, dass wir verschiedene Ansätze miteinander kombinieren können. Und welches Problem wäre denn daran, mehr als ein logisches Konzept zu haben?! Welches Problem wäre daran, wenn unsere islamische Forschung von mehr als einer Wissensquelle profitieren könnte? Es gibt an dieser Stelle absolut kein Problem daran. Ganz im Gegenteil, die Forschungen von Sayid Aṣ-Ṣadr haben bewiesen, dass wir der Religion einen Dienst erweisen können und viele der Lücken schließen können, wenn wir die Vielfalt dieser Methoden zugleich (berücksichtigen und) anwenden.

Halten wir also fest, dass die ersten Angelegenheiten, denen sich Sayid Aṣ-Ṣadr annahm, die Systematik und die Methoden unseres Denkens waren, die wir heute nutzen. Er suchte besonders nach der Antwort auf die folgende Frage: Welche Verfahren sollten angewandt werden, um die intellektuellen Probleme zu lösen, unter denen wir leiden? Ist es wirklich erforderlich, dass wir uns auf eine logische Methode beschränken, oder ist es möglich, dass wir uns auch neuen logischen Schulen gegenüber öffnen? Und dass wir uns davon loslösen, in einer einzigen Methode gefangen zu sein. Genau so bereichern wir nämlich unser religiöses Denken und wir bereichern gleichermaßen auch unsere islamischen Erkenntnisse! Aṣ-Ṣadr nahm im Übrigen dasselbe an, wie auch Muḥammad Iqbāl. Auch auf die Logik der Wahrscheinlichkeit und Induktion machte schon zuvor Muḥammad Iqbāl in seinem Buch «Taǧdīd Al-Fikr Ad-Dīnī» (Reformation des religiösen Denkens) aufmerksam. Dennoch aber mit einem feinen Unterschied. Eben dem, dass Iqbāl die gesamte Schuld unserer Abirrung in der aristotelischen Logik sah. Im Gegensatz zu dem, was wir – soweit zumindest meine Kenntnis reicht – bei Sayid Aṣ-Ṣadr in Bezug auf die Offenheit der Methoden der induktiven Logik gegenüber sehen.

Diese Eigenschaft und Besonderheit in der Anschauung von Sayid Aṣ-Ṣadr hat zum Ziel, auf einige der Fragen der Reformation eine Antwort zu geben und zugleich auch unsere inneren, religiösen Angelegenheiten anzugehen.

2.  Die Ganzheitlichkeit und die theoretische Verherrlichung

Die Ganzheitlichkeit (al-kulliyāniyah) und der Theoretizismus (an-naẓrāniyah) sind – wenn man so will – weitere Merkmale der Denkansätze Aṣ-Ṣadrs. Wir sehen hier besonders, dass Aṣ-Ṣadr in seinen Lehren den sogenannten Al-Fiqh Al-Fardī Al-Inkimāšī (das rezessive, individuelle Recht) kritisierte. Der heutige islamische Rechtswissenschaftler etwa behandelt in den klassischen Richtungen des Fiqh das eine Teilthema, um dann anschließend das zweite Teilthema zu behandeln, dann das dritte und das vierte – und ist so ständig abhängig von einem Thema, das auf ein jeweils anderes folgt. Er bewegt sich also immer nur von einem Thema zum nächsten. Wie der, der mittels einer Brücke von einer Insel zur nächsten läuft – wohlgemerkt läuft – und nicht (beispielsweise) das Flugzeug nimmt, um von einer Insel zur nächsten zu gelangen. Er schaut also nicht von oben auf die Dinge herab, um sinngemäß alle diese Inseln und Brücken (überblickend auf einmal) zu sehen, sondern eben nur nacheinander, eine Insel nach der anderen. Er schließt erst eine Angelegenheit ab, um mit der nächsten anzufangen. Er blickt auf die Dinge aus der Bodenperspektive und genau das ist der Fiqh At-Taǧzī’ī Al-Fardī (das individuelle, fragmentierende Recht), auf den Aṣ-Ṣadr mit dem Begriff Al-Fiqh Al-Inkimāšī aufmerksam machte. Aṣ-Ṣadr erkannte, dass die islamische Gemeinschaft zu seiner Zeit nicht – ausschließlich – nur detaillierte Teillösungen brauchte, sondern sie brauchte gleichermaßen auch neue Theorien. Es ist demnach erforderlich, dass unser Verstand nicht mehr nur der Verstand ist, der einzelne intellektuelle Aspekte isoliert betrachtet, sondern vielmehr überblickend und von oben herab (Vogelperspektive).

Wie auch Jalāl ad-Dīn ar-Rūmī in seinem Gedicht schon sagte:

Wenn Dich Leid trifft, dann umarme es mit Liebe –

und schau von der Spitze der Kuppel auf Damaskus herab[8]

Schau also nicht auf Damaskus, während Du einfach nur an seinen Toren stehst, weil Du dann vielleicht nichts findest, an dem Du Gefallen hast. Vielleicht ist ein solcher Anblick dann nur wenig faszinierend für Dich. Steig vielmehr auf ihre Hügel und Kuppeln und schau (von oben) auf das Ganze – und Du wirst sehen, wie schön die Stadt doch ist.

Es war Herrn Aṣ-Ṣadr ein Anliegen, uns und unser islamisches Denken aus eben diesem Dilemma – der Fragmentierung – zu befreien. Diesem Dilemma, das uns zwingt, immer nur von einer Angelegenheit zur nächsten zu gehen, ohne eine Möglichkeit, wirklich große Lösungen zu finden. Ein Zustand, der uns unfähig macht, neue Ansichten zu entwickeln, die die Gemeinschaft emporsteigen lässt. Natürlich kann es sein, dass kleinere Einzelheiten mit so einer Herangehensweise zu lösen sind, allerdings sind wir wohl kaum in der Lage, all die tausenden von kleineren Einzelheiten, die mitten unter uns vorherrschen, (mühsam nacheinander) so anzugehen. 

Aufgrund dessen ist es erforderlich, dass der muslimische Verstand sich weiterentwickelt, von der Stufe der Analyse einzelner, kleinerer Teilprobleme – wenngleich dies nach Sayid Aṣ-Ṣadr eine erforderliche und auch lobenswerte Stufe ist – hin zum Verstand, der alle Teilthemen gleichermaßen überblickend betrachtet und behandelt. Nur so kann ein vollständiges Bild entstehen. Weg also vom Betrachten einzelner Mosaiksteine und hin zum wirklichen Gesamtbild des Ganzen.

Genau das hat Herrn Aṣ-Ṣadr dazu gebracht, über den gesamtgesellschaftlichen Fiqh (al-fiqh al-muǧtamaʿī) und einen Fiqh der Theorie (fiqh an-naẓariyah) nachzudenken. Es kann sein, dass ich das Buch „Al-Makāsib[9] (die Erträge) und die Erkenntnisse darin zehn oder auch zwanzig Jahre studiere, sie lehre, sie erforsche und (schließlich) darin eine eigene Rechtsansicht erlange und dennoch nicht in der Lage bin, eine juristische, wirtschaftliche Theorie aufzustellen. Schließlich geht es hier nicht darum, nur einzelne Teilaspekte zu beleuchten, sondern am Ende, nach Deiner Rechtsfindung (iǧtihād) darin, ein umfassendes Gesamtbild zu schaffen.

Der muslimische Rechtsgelehrte und Denker beschäftigt sich nicht mit den Problemen einzelner Personen, sondern mit dem (daraus resultierenden) Problem der Gesellschaft an sich. So wird das einzelne Problem am Ende ein Problem der gesamten islamischen Gemeinde. Gleichermaßen geht es dann darum, die Probleme auch genau auf dieser Ebene zu lösen – auf der Ebene einer Gemeinschaft und nicht auf der Ebene einzelner Personen. Das Denken, das sich auf die Problemlösung einer Gemeinschaft bezieht, setzt eine Weiterentwicklung des Verstandes voraus – weg von der Fragmentierung und vom Blick auf kleine, einzelne Teilbereiche, hin zur umfassenden Phase der großen, ganzheitlichen Theorie. Und genau das hat Sayid Aṣ-Ṣadr getan. Es ist so, als fühlte er, dass unser eigentliches Problem darin liegt, dass wir uns mit einzelnen, kleineren Themen auseinanderzusetzen versuchen und von einer juristischen Tür zur nächsten gehen, ohne dass wir es schaffen ein wirklich ganzheitliches Bild des Lebens aufzuzeigen. Das ist ein signifikanter Punkt und der Grund, warum Herr Aṣ-Ṣadr diesen muslimischen Verstand vor dem Ertrinken in zu vielen Einzelheiten zu retten versuchte, um diesen ins Lichte der Ganzheit und der allgemeinen Regeln zu rücken, sodass es unseren islamischen Wissenschaften möglich ist, die gesamte Gesellschaft führen zu können, so wie sie auch einzelne Personen führt und damit sie die islamische Gemeinschaft führt, wie sie auch ihre einzelnen Mitglieder führt. So ist es mit der Attitüde einen einzelnen Menschen zu leiten, nicht möglich eine Gesellschaft zu leiten und genauso wenig eine ganze Nation. 

Auch das ist eine weitere konstitutive und bedeutende Erkenntnis bei dem Versuch von Sayid Aṣ-Ṣadr, um einen gesamtgesellschaftlichen Fiqh, einen Fiqh der Nation, einen wirtschaftlichen Fiqh und einen politischen Fiqh zu finden. Andersherum darf es kein subjektiver Fiqh sein, der nur hier oder dort eine Beziehung zur Politik, zur Wirtschaft oder zum gesellschaftlichen Leben besitzt. 

3.  Der Weg von der These zur Praxis

 Beim Begriff Al-‘Amalāniyah bzw. der praktischen Dimension, sprechen wir von der Entwicklung des religiösen Denkens – weg von den rein theoretischen Studien und hin zu den tatsächlich praktischen Studien. Und auch das ist ein wesentlicher Punkt, weil die Denker der Reformation unsere islamischen Ansätze seit dem 19. Jahrhundert (bis heute) wegen einiger Themen in den Zeiten der Dekadenz in schlechtes Licht rücken wollen. Versunken wäre unser Denken, sagen sie, in Abstraktion und dies völlig abseits von der Realität. Als ob der muslimische Denker in einer Ecke seines Zimmers säße und dann Problemsituationen annehmen würde, die in der wahren Welt gar nicht existieren, um dann damit anzufangen, an der Lösung dieser Probleme zu arbeiten, obwohl es weder diese Probleme gibt, noch irgendeinen heutigen Bedarf an einer Lösung derselben.

 Ich möchte ein aktuelles, praktisches Beispiel geben. Es gibt einige Lehransätze in der islamischen Jurisprudenz, die sich mit Banken auseinandersetzen – ihre Verfasser beschäftigen sich mit Banken und dem Bankwesen und stellen dabei – zum Beispiel – sieben Hypothesen auf. Anschließend fangen sie damit an, diese Hypothesen nachzuprüfen. Hätten sie sich jedoch nur etwas angestrengt und wären einfach einmal in die Bank gegangen, dann hätten sie festgestellt, dass es heute eigentlich nur eine dieser sieben erdachten Hypothesen gibt. Warum also sollte ich mich mit sieben Hypothesen auseinandersetzen, die eigentlich gar nicht existieren? Und wieso soll ich einen Teil meiner Kraft und meiner Möglichkeiten dafür aufbringen, um ein Problem zu lösen, dass es unter heutigen Muslimen gar nicht gibt? Und selbst wenn dieses Problem vielleicht morgen tatsächlich aufkommen sollte, so wird es dann eine neue Generation von Rechtswissenschaftlern geben, die sich diesem dann annehmen wird.

Das ist ein Punkt, auf den auch Imam Khomeini in einigen seiner Forschungen aufmerksam gemacht hat. Er kritisiert dabei die stereotypischen Ansätze, die besagen, dass wir einige Themen der Grundlagen der islamischen Rechtswissenschaft erforschen, um unseren eigenen Geist zu schärfen. Sollen wir uns also mit den praktischen Problemen beschäftigen, mit denen wir unseren Geist zu schärfen versuchen, um dann anschließend zu den Problemen überzugehen, die gar nicht vorhanden sind?!

Hier finden wir den muslimischen Denker – wie auch den ehrenwerten Sayid Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr – der den muslimischen Verstand von der abstrakten Ebene, in der man (entfernt) über der Erde schwebt, um Probleme zu lösen, die es gar nicht gibt, auf die Ebene der Realität, bringen will. Was aber hat er hierfür genau getan?

Selbst die Glaubensüberzeugungen (uṣūl ad-dīn) und die Kalām-Wissenschaft – schauen Sie selbst, wie Herr Aṣ-Ṣadr sich bemühte, auch diese in die gesellschaftliche Struktur und in das gesellschaftliche Leben einzubringen. Der gesellschaftliche Blick auf die Glaubensüberzeugungen und auf die religiösen Praktiken, die Aṣ-Ṣadr in seinen Werken erwähnte, spielen eine wichtige Rolle im islamischen Denken unseres praktischen Lebens. Kein stures Festhalten und Eitelkeit lediglich wegen ideeller und analytischer Überlegenheit, sondern vielmehr das Herabkommen auf den Boden der Tatsachen, um die Probleme lösen zu können. 

An genau diesem Punkt wollen wir auf Sayid Aṣ-Ṣadr in Bezug auf sein Interesse an den Prioritäten schauen. Auch Scheich Murtaḍā Muṭahharī hat sich hiermit auseinandergesetzt. Wir leiden an einem Fehler beim Einordnen dieser Prioritäten. Muṭahharī führte hier ein Beispiel an und beschrieb, dass es einige gibt, die das Grab von Imām Al-Ḥusain (a) besuchen wollen. An der irakisch-iranischen Grenze lügen sie dann aber (ob ihres Reisegrundes), um die Grenze passieren zu können. Sie begehen also etwas Verbotenes, um etwas Wünschenswertes zu erreichen. An genau dieser Stelle verschiebt sich die Waage der Prioritäten. Dies ähnelt in deutlicher Weise der Körpertemperatur, die, wenn sie in ein Ungleichgewicht gerät, zu einem Ungleichgewicht der gesamten körperlichen Funktionen führt. Der Mensch beginnt sich selbst jahrelang mit Themen auseinanderzusetzen, die keinen wirklichen Wert haben und vernachlässigt dabei sehr wichtige Themen, aufgrund flauer, scheinbarer Wertschätzung.

Aus diesem Grund kam der muslimische Denker – wie Sayid Aṣ-Ṣadr – und nahm sich der Glaubensüberzeugungen und der theoretisch-abstrakten Ansätze der Kalām-Wissenschaft an und versuchte, sie in unser gesellschaftliches Leben zu integrieren. Schauen Sie selbst wie er in der Einleitung seines Buches „Falsafatunā“ (Unsere Philosophie) versuchte, dieses in unser Leben einzubinden – und er sagte, dass die Weltanschauung für uns ein Maßstab ist, mit dem wir unser gesellschaftliches, politisches und persönliches Leben verändern können.

Um das Wiederbeleben der Angelegenheiten geht es, die in unserem praktischen Leben am abstraktesten sind. Es geht um eben diese abstrakten Lehren, die in praktisch umsetzbare Lehren verschoben werden müssen, die in der Lage sind, die Situation der Muslime nachhaltig zum Besseren zu verändern. Genau diese Art der Denkweise gibt uns die Kraft dafür.  

4.  Der Realismus oder die Reise von der Realität zur Schrift und zurück

 Das prominenteste Beispiel, dass ich in Bezug auf die realitätsbezogene Dimension anbringen möchte, ist „At-Tafsīr Al-Mauḍūʿī[10] (die thematische Exegese). Sayid Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr wollte die Art unserer Rückkehr zu den Schriften verändern und unseren Blick auf eine neue Methode ausrichten. Wir studieren in den Islamwissenschaften, wenn wir ein bestimmtes Stadium erreichen, ein juristisches Kapitel, dann suchen wir uns eine bestimmte juristische Angelegenheit heraus, um diese zu erforschen. Ich finde dann vor mir etwa Schriften aus dem Koran oder den Hadiṯen, ebenso auch Worte der Gelehrten und Rechtswissenschaftler aus allen Zeiten – und alle diese und weitere Sammlungen unseres (islamischen) Erbes. Daraufhin fange ich an, diese (Texte) zu analysieren, und bin so von Anfang bis Ende mit diesen Texten beschäftigt. Und wenn wir ein solches Thema zusammenfassen wollen, ziehen wir einen Kreis von einer Schrift zur anderen.

Sayid Aṣ-Ṣadr sagt, dass er nicht zuerst mit den Schriften beginnt. Und warum tut er das nicht? Weil man zuerst die Realität verstehen muss. Die Realität des menschlichen Lebens. Und die Sorgen des heutigen Muslim und seine Probleme, seine Krisen, die Hintergründe seiner Veränderung und die Gründe der Verschlechterung seines Zustands. Ich ziehe meine Fragen aus genau diesem Status quo und bin am Anfang also absolut realistisch – ich gehe somit zur Realität und ich starte auch dort. Ich nehme die Fragen und die Sorgen aus dieser Realität und erst dann gehe ich zu den Schriften. Ich setze mich vor dem Koran und der Sunna auf meine Knie und sage zu beiden: ›Was kann ich von euch entnehmen und nutzen, um damit unsere realen Probleme zu lösen?‹ Ich fange somit in der Realität an und gehe zur Schrift. Und wenn ich meine Antwort aus den Schriften gefunden habe, trete ich meine Rückreise an – von den Schriften wieder zurück zur Realität. Ich trage mit mir, was ich aus diesen heiligen Schriften entnehmen konnte und gehe damit in die Realität, um sie durch diese religiösen Werte zu verändern.

Wir halten fest: Mein Weg ist von der Realität zur Schrift. Dann von der Schrift wieder zurück zur Realität. Keinesfalls aber ist mein Weg von der Schrift zur Schrift – als hätte die Realität überhaupt keinen Wert für mich. Genau diese Herangehensweise wird die Lehre der Al-Araʾaytiyūn genannt, einer Lehrschule, die im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra in Erscheinung trat. Genau zu dieser Zeit wurde ihnen dieser Name gegeben. Einigen Überlieferungen der Ahl al-Baīt (a) zufolge wurden sie so genannt, weil sie bei einer religiös-juristischen Fragestellung immer zu sagen pflegten: „Siehst Du[11], wenn dieses und jenes wäre, was wäre dann das Urteil dazu“? Sie wurden am Ende genau deshalb so genannt.

Ich möchte nun vielmehr weg vom „Siehst Du, wenn dieses und jenes wäre …“, zum „Siehst Du, was hier gerade passiert ist – was ist die Lösung dafür?“. Genau das ist das Wesen im At-Tafsīr Al-Mauḍūʿī und auch in anderen Werken von Herrn Aṣ-Ṣadr. Der detaillierte Blick also auf die Probleme unserer Zeit, um sie zu den Schriften zu tragen und um dann wiederum die Antworten dazu zu finden. Und um schließlich zur Realität zurückzukehren und diese im Lichte der Schriften zu verändern.

Das ist die Dimension der Realität im Denken von Sayid Aṣ-Ṣadr. Die Reise also von der Realität zur Schrift und die Reise zurück von der Schrift zur Realität. Um die Realität geht es also zweimal, nämlich gleich zu Beginn und schließlich wieder am Ende. Sie ist der Anfang und das Ende, im Gegensatz zum Urteil selbst, denn das Urteil ist die Schrift zu den religiösen Angelegenheiten.

Wir glauben, dass die Lehre der thematischen Exegese (at-tafsīr al-mawḍūʿī) – besonders – in dieser Form zwischen der Al-Kulliyah An-Naẓrāniyah, d. h. dem zweiten Merkmal, und dem Realismus (al-wāqi’iyah) eint. Al-Kulliyah An-Naẓrāniyah, weil es eine ganzheitliche Sicht eines koranischen Sachfalles geben möchte und Realismus, weil die »mawḍūʿiyah« (Objektivität) in dem Begriff »at-tafsīr al-mauḍūʿī«, so wie es eingen Worten von As-Sayid Aṣ-Ṣadr entnommen werden kann, dem Wort »Subjektivität« (aḏ-ḏātiyah) gegenübersteht[12], d. h. die reale Außenwelt. Er sagt selbst, dass er in der Realität beginnt und dann geht er mit ihren Fragen zum koranischen Text.

Somit wollte Sayid Aṣ-Ṣadr das Problem des fehlenden Realitätsbezugs (lā wāqiʿiyah al-fikr) des Denkens lösen, unter dem der muslimische Denker mehrere Jahrhunderte litt. Er wollte ihn auf die Stufe der Realität bringen, sodass es ihm möglich ist der islamischen Gemeinschaft zu helfen und ihre wissenschaftliche, gemeinschaftliche und auch religiöse Lage zu verbessern. 

5.  Die Wiederbelebung (al-iḥyāʾiyah) und die Vergegenwärtigung des Verborgenen

Die iḥyāʾiyah ist eine Disziplin, mit der sich – neben Sayid Aṣ-Ṣadr – viele Denker seit dem 19. Jahrhundert beschäftigt haben. Dies deshalb, weil viele Großgelehrte der Reformation der Meinung waren, dass eins der signifikantesten Probleme dieser Gemeinschaft (al-ummah) das Verborgensein einiger ihrer Säulen und Werte in ihrem Leben ist. Genau deshalb sprechen sie von den faraʾiḍ al-ġāʾibah, also den verborgenen Säulen. Genau jene Säulen und Werte, denen gegenüber die Muslime unachtsam waren. Jene Denker der Reformation erkannten, dass es Säulen und Gedanken und Theorien innerhalb des islamischen Erbes gibt, worin das Hauptproblem liegt, die allerdings (ausgestorben und somit) tot sind. Sie begannen schließlich genau deshalb mit der Wiederbelebung derselben.

Wenn wir uns die Erfahrungen von Sayid Aṣ-Ṣadr ansehen, können wir das Element der Wiederbelebung deutlich erkennen. So etwa die Wiederbelebung der Idee des islamischen Staates, die Wiederbelebung des Verständnisses für die Umsetzung der Scharia, die Wiederbelebung des Verständnisses, dass der Islam das Leben führt, die Wiederbelebung des (richtigen) Verständnisses für die Anstrengung (ǧihād), die Wiederbelebung der Bedeutung des Gebietens des Guten und des Verwehrens des Schlechten, die Wiederbelebung des (richtigen) Verständnisses für die aktive Rolle der Frau und weitere Punkte, über die Sayid Aṣ-Ṣadr schrieb oder auch sprach.

Es handelt sich um eine Reihe von großen Konzepten der Reformation, die in der Lage sind, unsere heutige Situation zu verändern und viele der vorhandenen Lücken zu schließen. Aṣ-Ṣadr bemühte sich um das Wiederbeleben vieler dieser Konzepte, er beschäftige sich mit ihnen und veröffentlichte dazu eine Menge. Jeder von Ihnen weiß genau, was er im politischen Fiqh, im gesellschaftlichen Fiqh und auch in weiteren Bereichen hervorbrachte. 

6.  Die Verteidigung oder ein Konzept des zivilisierten Widerstandes

Bei der Verteidigung (ad-difāʿiyah) übertreibt der ausgeglichene, muslimische Denker nicht bei der Kritik an der (eigenen) inneren Struktur. Genauso wenig übertreibt er bei der Kritik an dem, was von Außen kommt und er entzieht sich auch nicht seiner eigenen Verantwortung. Trotz all der kritischen Anläufe gegen unsere Lehransätze, gegen den unsererseits (angeblich) fehlenden Bezug zur Realität, gegen unser (angeblich) fehlendes Handeln, gegen unser Entfernen vom Fiqh der Theorie (fiqh an-naẓariyah) und dem theoretischen Denken im Allgemeinen – trotz all dieser Punkte verteidigte Sayid aṣ-Ṣadr seine Position von Anfang an bis zu seinem Lebensende. Von seinem Buch »Falsafatunā« (Unsere Philosophie) an, in dem er den islamischen Gedanken gegen marxistische, dialektisch-materialistische und allgemein historische Ansätze verteidigte, bis hin zu seinem Werk »al-usus al-manṭiqiyah lil-istiqrāʾ« (Die logischen Grundlagen der Induktion), in dem er die Kritik an unseren eigenen logischen Methoden und das Fördern der Entstehung neuer logischer Methoden in Einklang brachte. Neue Methoden, mit denen unsere Werte und Ansichten verteidigt werden können. Wir schauen uns in diesem Zusammenhang die letzten beiden Seiten des Werkes »al-usus al-manṭiqiyah lil-istiqrāʾ« an und wissen, dass all diese grandiosen Anstrengungen in Bezug auf die logischen Methoden das Ziel haben, die Sache von Allāh, erhaben ist Er, zu verteidigen und das göttliche Sein selbst und alles, was hinter der Materie und hinter der Natur (metaphysisch) vorhanden ist und gleichzeitig, um gegen die Richtungen des Naturalismus zu stehen, die seinerzeit in die islamische Welt eingedrungen sind.

Hier zeigt sich das Einfühlungsvermögen des muslimischen Denkers dafür, dass er verantwortlich für die Verteidigung seiner islamischen Gemeinschaft und seiner Angelegenheiten, seiner Gedanken und seiner Religion ist. Mit diesen Grundsätzen stach Sayid Aṣ-Ṣadr deutlich heraus – wobei ich keinesfalls sage, dass die anderen nicht auch herausstachen und keineswegs begrenze ich so etwas auf nur eine Person, wie andere sagen. Ich kann allerdings sagen, dass die reformistischen Denker sich hier unterschieden haben.

Sayid Aṣ-Ṣadr verband also zwischen der Verteidigung der Angelegenheiten der islamischen Gemeinschaft und des religiösen Denkens, und der Kritik an einigen fehlerhaften Ansätzen und dem Offenlegen einiger negativer Punkte in der religiösen Denkweise. Und das ist es schließlich, was die Kunst des Gleichgewichts bei der Beantwortung meiner ursprünglichen Frage nach der Reformation und der Identität ausmacht.

7.  Der Kritizismus[13] (an-naqdiyah) und die Sorgen einer internen Zersplitterung

Es gibt Gelehrte, von denen bekannt ist, dass sie Kritiker sind. Ich möchte keine Beispiele dazu anführen, um Diskussionen dazu zu vermeiden. Einige von ihnen sagen: Scheich Muḥammad Ğawād Muġniyah sei ein Mann, der einen Drang zur Kritik hatte. Das erste Buch, das er veröffentlicht hat, war eine Kritik an der gesellschaftlichen Situation in Ǧabal ʿĀmil[14]. Sein kritisches Gemüt kristallisiert sich hier in einer ziemlich frühen Phase. Wir finden auch andere Denker, in deren Schriften wir ständig Kritik finden. Dann gibt es wieder andere, die jeglicher Art von Kritik am Inneren unseres Systems ausweichen, so verzichten einige etwa, die Biographien verfassen, auf entsprechende Passagen, wenn es beispielsweise um Laster bestimmter Personen geht. Sie versuchen zu erklären und sagen: ›Wir wollen keine Probleme mit dieser Person.‹ Oder auch: ›Warum soll ich das erwähnen? Vielleicht gibt es darin ein religionsrechtliches Problem!!‹

Sayid Aṣ-Ṣadr hat im Zenit seiner verteidigenden Phase – wie wir bereits aufgezeigt haben – ebenfalls Kritik an unserer Lage geübt. Seine Erfahrung in dieser Sache kennt jeder noch besser als ich, wie seine Erfahrung bei der Kritik an der Lage unserer religiösen Hochschulzentren (ḥawzāt) und ihre Curricula und bei der Kritik an einigen gesellschaftlichen Phänomenen, die in unserem Leben vorhanden sind. Diese kritische Attitüde, die er in Bezug auf einige dieser Phänomene besaß, wird in mehr als nur einem seiner Bücher und Bestrebungen deutlich. Er hebt sich dennoch von der Mehrheit ab, weil er seine Kritik mit Besonnenheit übte – was allerdings eine entsprechende Geduld erfordert. Die Art seiner Kritik, mit der er herausstach, gibt uns dabei eine deutliche Inspiration in Bezug auf seine Ruhe, mit der er den Kern der Kritik deutlich werden lassen wollte. Im Gegensatz zu einigen anderen Gelehrten, die in einer viel betonteren und schärferen Weise Kritik übten. Sie denken, dass wir aufspringen müssen, um einen Nutzen aus der Kritik zu ziehen. Was aber Sayid Aṣ-Ṣadr angeht, so sind die historischen Umstände, innerhalb derer er lebte, zur Zeit des irakischen Regimes und der Krise, die die gläubige Gemeinde durchlebte, wie auch die allgemeine islamische Lage angesichts der »roten Flut« – alles dies war vermutlich ausschlaggebend dafür, dass er einen langfristigen Ansatz wählte, um an der inneren Kritik unserer Angelegenheiten zu arbeiten, seien diese, interne Angelegenheiten der religiösen Hochschulzentren oder spezielle gesellschaftliche. 

Wo befinden wir uns im Vergleich zum Konzept von Aṣ-Ṣadr? Ist die progressive, religiöse Rationalität stehengeblieben?

Ich nehme an, dass diese sieben Eigenschaften, die im Denken und Handeln von Sayid Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr vorhanden sind – die methodische Dimension, die Ganzheitlichkeit, die Praxis, die Realität, die Verteidigung, die Wiederbelebung und der Kritizismus – wenn wir sie lesen und wirklich reflektieren, dann können wir eine Antwort auf die folgende Frage geben: Hat sich Sayid Aṣ-Ṣadr wirklich eingesetzt, um eine Antwort des religiösen Denkens auf meine anfängliche Frage zur Reformation und Identität zu geben oder war er doch nicht in der Lage dazu?

Ich bin überzeugt, dass die Antwort nun ersichtlicher für uns ist. Er hat einen großen Beitrag dazu in diesem Gebiet geleistet. Es ist dabei weniger wichtig, sie alle zu kennen, sondern vielmehr, sie auch fortzusetzen. Es ist mir eine Freude, zum Schluss einen Vergleich oder auch ein Beispiel anzuführen, das einige Gelehrte erwähnten, um genau daraus zu lernen – ich habe dieses (an anderer Stelle) schon mehrfach erwähnt. Dieser Vergleich besagt: Es gab mal einen Vater, der Kinder hatte und eine Firma führte. In dieser Firma waren Angestellte beschäftigt und er zahlte ihnen ein entsprechendes, monatliches Gehalt. Im ersten Jahr erhöhte er ihre Gehälter um zehn Prozent. Auch im zweiten Jahr erhöhte er es um weitere zehn Prozent. Im dritten Jahr schließlich erhöhte er erneut um weitere zehn Prozent. Nach zehn Jahren verstarb der Vater und die Kinder erbten das Unternehmen. Sie teilten sich (in ihrer Meinung) auf: Der eine Teil war eher nüchtern und theoretisch, während die anderen systematisch-methodisch und objektiv waren.

Die erste Gruppe sagte: Unser Vater zahlte vor seinem Ableben einen gewissen Betrag als Lohn. Wir wollen deshalb genau diesen Betrag für immer so belassen und das soll unsere Politik bis zum jüngsten Tag sein. Dies deshalb, weil wir uns an genau das halten wollen, was unser Vater einst tat und weil wir nicht wissen, ob er in den weiteren Jahren weiter erhöht hätte oder nicht.

Die zweite Gruppe allerdings sagt: Nein, das ist keineswegs ein Folgen der Lebensweise unseres Vaters und seiner Gewohnheiten. Unsere Aufgabe und unser Handeln sollten wir aus seiner Erfahrung (und aus seinem Umgang) mit den Arbeitern ableiten. Und was war sein Weg? Er hat jedes Jahr um zehn Prozent erhöht. Und genau an diesem Ansatz wollen wir festhalten.

Genau dieses Verhalten brauchen wir beim heutigen Umgang mit großen Denkern wie Sayid Muḥammad Bāqir Aṣ-Ṣadr, der genau das präsentierte, was die islamische Gemeinschaft brauchte – möge Allāh ihn dafür mit dem Besten belohnen. Was aber die zweite und dritte Generation angeht und was uns heute angeht, den Neunzigern und den Zweitausendern und den Zweitausendzehnern und den Zweitausendzwanzigern … Wollen alle diese Generationen anhalten und sich ausschließlich mit Erklärungen und Kommentaren auseinandersetzen? Oder wollen sie vielmehr fortschreiten und den Weg weitergehen? Wenn sie stehenbleiben, dann handeln sie genau entgegen dem, was Sayid Aṣ-Ṣadr so sehr wollte. Hätte er selbst diesen Weg des Stillstands gewählt, wäre er wohl nie weiter gekommen als jene, die vor ihm waren.

Was er sich heute von uns wünschen würde, wäre ein Voranschreiten, durch ein Festhalten an seinem Weg. Allerdings nicht nur bis zu den Punkten, die er selbst erreicht hat. Denn wenn wir diesem Weg wirklich folgen und wenn wir diese Persönlichkeit wirklich zum Vorbild nehmen und bei ihr bleiben wollen, wenn wir bei den Ansätzen bleiben wollen, dann werden wir viel mehr und nochmal viel mehr erreichen können. So soll jede Generation das liefern, was sie zu liefern verpflichtet ist. Sie soll sachlich-kritisch mit der vorherigen Generationen umgehen und sie nicht als sakrosankt erklären. Genau so sollte der Dialog sein (und weiter gehen), den jeweils eine Generation nach der anderen zu führen hat, bis diese islamische Gemeinschaft eines Tages zu ihrem normalen Zustand zurückkehrt und zu den Stufen ihres Stolzes und ihrer Würde, so Allāh will, erhaben ist Er.

 

Autor: Scheich Haidar Hobbollah


[1] Hier im Sinne einer geistigen Belebung und Blüte des Aufschwungs und nicht die bekannte europäische Bewegung.

[2] n. H. für „nach der Hidschra“; die Hidschra gilt als Beginn der islamischen Zeitrechnung.

[3] Kalām, auch bekannt als theoretische Theologie oder scholastische Theologie, ist ein sehr weitgefasster Oberbegriff für eine Theologie im Islam, welche den Vernunftschluss (al-ʿaql) zulässt.

[4] »Fundamente des Rechts«, wird im islamischen Wissenschaftssystem als diejenige Disziplin angesehen, die sich mit den Quellen und methodischen Grundlagen der Normenfindung (fiqh) befasst.

[5] Der Konsensus der islamischen Rechtsgelehrten (iǧmā‘)

[6] Eine Disziplin der Islamwissenschaften, die sich mit den Tradenten der Überlieferungen befasst.

[7] Wissenschaft der Überlieferungen

[8] Al-Maṯnawī, drittes Buch, Abschnitt 3755

[9] Ein wichtiges, von Scheich Murtaḍā al-Anṣāriy (1781 – 1864) verfasstes, Lehrbuch, das noch bis heute in den islamischen Hochschulzentren (ḥawzāt) der Schiiten unterrichtet wird.

[10] Eine Methode innerhalb der Wissenschaft der Koranexegese.

[11] „Siehst Du“ bedeutet auf Arabisch: „A raʾayta“ – deshalb die Namensgebung der Araʾaytiyūn, sinngemäß der die „Siehst Du“-Sagenden.

[12] D. h., dass es bei Sayid Aṣ-Ṣadr nicht als »thematische Exegese« bezeichnet wird, sondern als »objektive Exegese«.

[13] Hier im sprachlichen Sinne zu verstehen und nicht als von Immanuel Kant wissenschaftlich-philosophisches Verfahren.

[14] Die historische Bezeichnung des südlichen Libanon bis zur Gründung des modernen Libanon im Jahre 1920.

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Gratulation: „Die Liebe ist Muhammad“ https://bufib.de/gratulation-die-liebe-ist-muhammad/ Fri, 16 Dec 2016 19:11:46 +0000 http://bufib.de/?p=1775 Wir beglückwünschen Euch recht herzlich zum Geburtstag des heiligen Gesandten der Barmherzigkeit Muhammad (s) und seines Enkelsohnes al-Imam as-Sadiq (a). 

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Fastenregeln https://bufib.de/fastenregeln/ Thu, 15 Dec 2016 11:44:26 +0000 http://bufib.de/?p=1771 Hier zum Download des Flyers

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Jahrekalender 2017 / 1438-39 https://bufib.de/jahrekalender-2017-1438-39/ Thu, 15 Dec 2016 10:10:33 +0000 http://bufib.de/?p=1759 Bufib stellt hiermit seinen Jahreskalender für das Jahr 2017 bzw. 1438-39 n. H. bereit. Dieser Kalender zeichnet sich dadurch aus, dass er über die wichtigsten historischen und islamischen Ereignisse nach islamischer Zeitrechnung verfügt. Der „Jahreskalender 2017 / 1438-39“ kann sehr gerne auch ausgedruckt und zu Hause oder in der Moschee benutzt werden. Da es sich hier um einen der ausführlichsten (islamischen) Kalender im deutschsprachigen Raum handelt, kann dieser auch sehr gut als Planungsgrundlage für Vereine und Moscheen dienen. 

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Bedingungen des Gemeinschaftsgebetes https://bufib.de/bedingungen-des-gemeinschaftsgebetes/ Thu, 15 Dec 2016 10:09:21 +0000 http://bufib.de/?p=1768 Hier zum Download

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Wie muss ich handeln, wenn ich ein Rechtsurteil erhalte? https://bufib.de/wie-muss-ich-handeln-wenn-ich-ein-rechtsurteil-erhalte/ Thu, 15 Dec 2016 10:07:40 +0000 http://bufib.de/?p=1767 Hier zum Download

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Zitat von Shahīd aṣ-Ṣadr https://bufib.de/zitat-von-shahid-a%e1%b9%a3-%e1%b9%a3adr/ Thu, 15 Dec 2016 10:05:41 +0000 http://bufib.de/?p=1766 Hier zum Download

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Die Weitsicht https://bufib.de/die-weitsicht/ Thu, 15 Dec 2016 09:53:55 +0000 http://bufib.de/?p=1760 Hier zum Download

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Wie präsentieren wir die Konfession der Ahlulbayt (a)? https://bufib.de/wie-praesentieren-wir-die-konfession-der-ahlulbayt-a/ Thu, 03 Nov 2016 10:12:09 +0000 http://bufib.de/?p=1741 1 – Der Hauptgedanke über den wir hier sprechen werden, betrifft die Vorstellung eines rationalen Bildes über eine der bedeutsamsten Schulen des Islam, und zwar die islamisch-schiitische Schule. Diese zeichnete sich im Laufe der Zeit durch die verschiedensten Prägungen aus, wie durch eine vernunftgemäße Prägung (bspw. Al-Murtaḍa und Al-Mufīd) über eine tradierende Prägung (As-Ṣadūq und Al-Maǧlisī), bis hin zu einer philosophisch-gnostischen Prägung (Mullah Ṣadrā und Aṭ-Ṭabaṭabā’ī).

Im Geflechte dieser Vielfalt wurden verschiedene Darbietungen über das Gebilde, den Vorstellungen und den Geist dieser Denkschule aufgeführt; jene Denkschule, die ihre Hauptgedanken vom Propheten (s) und den Imamen der Ahlulbayt (a) entnommen hat. Es war stets so, dass eine Gruppe von einer Methode der Vorstellung dieser Denkschule überzeugt war, wohingegen eine andere Gruppe diese als schädlich angesehen hat und der Ansicht war, dass sie unbedingt durch eine andere Methode substituiert werden müsse.

2 – In dieser Mitte trat eine neue Richtung in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts in Erscheinung, und zwar die Richtung der Annäherung (al-ittiǧāh at-taqrībī). In den Fünfziger- und Sechzigerjahren  erreichte diese Strömung schließlich ihren Zenit und ging mit großem Bedauern in den Achtzigerjahren wieder zurück. In diesem Umfeld dominierte das Prinzip der universellen, rationalen Präsentation der imamitischen Denkschule. Dieses Prinzip, das wir hier weiter entwickeln wollen, basierte auf folgendes:

a) Die Präsentation der Konfession der Ahlulbayt (a) erst nach einer innerkritischen Betrachtung, wodurch diese Konfession von dem gereinigt werden soll, was ihr im Laufe der Zeit hinzugesetzt wurde. Dabei ist dies eine Verfahrensweise, die alle Religionen, Konfessionen oder gar Ideologien trifft. Es werden ihnen mit der Zeit menschliche Auffassungen zugeschrieben, welche sehr schnell als genuines religiöses Verständnis aufgenommen wird, obwohl dem in Wirklichkeit überhaupt nicht so ist. Ich führe hierfür ein Beispiel auf, das mit dem Erwarten der Rückkehr des Imam Al-Mahdi (a) zu tun hat. Dieses Erwarten hat hierbei eine Form der Stagnation angenommen, anstatt, dass es eine Form des Aufschwungs annimmt. Diese Art der Denkweise wurde aus überlappenden Gründen, die wir hier nicht ansprechen werden, als Basis dafür genommen, um die großen Aufschwungsprojekte, seien sie gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Natur, zu abandonnieren. Zugegen wurde als Vorwand aufgeführt, dass die Religion an die Unfehlbaren gebunden sei, so dass, falls kein Unfehlbarer präsent sein sollte, alles stillgelegt werden müsse. Und so wurden infolge dieses Verständnisses die vorhandenen Möglichkeiten dieser Konfession für einen qualitativ weiten Sprung nach vorne in einigen Zeiten behindert. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir große Persönlichkeiten – unter ihnen Imam Khomeini – gesehen haben, die eine innerkritische Betrachtung gefordert haben, um mit der (muslimischen) Weltgemeinschaft einen Aufschwung zu verwirklichen und sie von den stagnierenden Vorstellungen zu befreien.

Daher fordern wir von all jenen, die hinsichtlich der Angelegenheiten der Konfession der Ahlulbayt (a) Verantwortung tragen, sich stets dieser ruhigen, innerkritischen Ansicht zu widmen. Sie sollten keine Angst davor haben oder Sorge tragen. Wenn man diese Kritik selbst ausübt und lenkt, so sind die daraus resultierenden Gefahren kleiner, da man sie selbst kontrollieren kann, so dass weder an der einen Stelle über- noch an der anderen Stelle untertrieben wird.

b) Die Präsentation der Konfession der Ahlulbayt (a) gemäß rationalen Vorstellungen. Wir meinen mit rational aber nicht, dass die Wirksamkeit der gottesverehrenden Äußerungen sowie die tradierende Instanz annulliert werden, sie sollen vielmehr als Grundlage betrachtet werden. Wenn das geschehen ist, muss darauf hingearbeitet werden, dass die imamitische Denkschule als hierarchisierte, akkurate und harmonische Konfession präsentiert wird, fern von Missbildungen. Mit anderen Worten: Es soll ein vollständiges, rationales und übereinstimmendes Bild vorgestellt werden, welches eine gewisse Systematik aufweist, sodass der menschliche Verstand dieses annimmt und es nicht als der Logik konträr erachtet.

Um ein verdeutlichendes Beispiel zu geben, erwähne ich die philosophisch-gnostische Auslegung der Theorie der Führerschaft[1] (imāmah) bei der Schia, welche vor nicht allzu langer Zeit hervorgegangen ist. Abgesehen von der Genauigkeit dieser Auslegung, sehen wir, dass diese Theorie eine harmonische, vernunftgemäße Vorstellung der Führerschaft vorlegt. Dabei ist diese weitaus präziser und abgestimmter, als die Theorie der Kalām-Theologen, die unter einigen Lücken in ihrer inneren Einstimmigkeit leidet und der ein rationaler Einklang unter den verschiedenen Konstituenten der These fehlt. Ein weiteres Beispiel stellt die Ansicht der »Rechtswissenschaft der Theorie« (fiqh an-naẓariyah) dar, die Šahīd Mohammad Bāqir aṣ-Ṣadr zur Diskussion stellte, um die Rationalität der islamischen Rechtswissenschaft aufzuzeigen. Damit ist gemeint, dass die Rechtswissenschaft auf einer rationalen Grundlage gestützt ist und festgesetzte Ziele besitzt, sowie, dass Harmonie und Einklang unter ihren Konstituenten und Horizonten herrschen.

c) Es bleibt hierbei nicht nur bei einem rationalen Bild, durch das die Konfession präsentiert werden sollte, sondern es sollte auch entsprechend zeitgemäß sein. Es wird gefordert, dass die Konfession der Ahlulbayt (a) in einem gegenwartsnahen Bild dargestellt wird. Es sollte zum Zeitgeist passen, zu dessen Ereignissen, Erkenntnissen sowie Erscheinungen. Es soll nicht der Zeit ausgesetzt sein, sondern dafür sorgen, dass diese verbessert wird, aber nicht indem es die Zeit überspringt oder gar verleugnet.

Zur Forderung der Modernität zählt auch die zeitgemäße Sprache. Es muss eine Definition in einer Sprache sein, die die Jugendlichen an dieser genuinen islamischen Konfession lieben. Die schiitische Aufklärung benötigt heutzutage eine zeitgemäße Sprache und nicht nur heute, sondern stets.

d) Aus der Tiefe der Probleme der heutigen Zeit, steigt der Bedarf, dass die imamitische Denkweise mit einer Sprache des Dialogs und eines akzeptablen Pluralismus dargestellt wird. Es kann nicht sein, dass die Sprache der schiitischen Aufklärung heute eine Sprache des Konfliktes, der Ablehnung, der Ausgrenzung und der Verachtung ist. Die Denkschule der Ahlulbayt (a) ist heute womöglich so fähig wie in keiner vergangenen Zeit zuvor. Daher sollte keine Angst vor einem Kontakt mit dem Anderen und der Bildung von Brücken für ernsthafte Dialoge mit ihnen, bestehen. Aus diesem Grund glauben wir daran, dass das Schiitentum neben den anderen Konfessionen der Muslime vorgestellt werden sollte, ohne den Bedarf zu haben, diese abzuschaffen und so damit umzugehen, als gäbe es sie gar nicht.

Diese Angelegenheit schafft eine Kultur der wahrhaftigen Verbrüderung unter den Konfessionen und sorgt dafür, dass man über eine hemmungslose Verwerfung steht, die unterschiedliche Gestalten annimmt, wobei einige dabei unerträglich geworden sind. Durch diesen Weg ist es möglich, eine Anerkennung anderer Seiten zu erlangen, sowie ihre Liebe und Brüderlichkeit. Alle möglichen Hindernisse für eine aufrechte Beziehung müssen beseitigt werden, allerdings keine formelle Abschaffung, sondern tatsächlich wissenschaftlich, so dass die Konfession der Ahlulbayt (a) sich einen Weg in die Schauplätze des heutigen Lebens ebenen kann. Sie sollte nicht lediglich eine interne und private Darstellung genießen, die außerhalb ihres Schauplatzes nicht belebt werden kann, sondern dort wie ein fremder Körper wahrgenommen wird.

Die vier Rechtsschulen haben es geschafft, einen Schleier über eine Vergangenheit voller großer Streitigkeiten untereinander, zu legen. Und so sehen wir heute, wie sie über weite Strecken miteinander harmonisieren. Zumindest lehnen sie sich untereinander nicht gegenseitig ab und das sollte das Mindeste sein. Genau das ist es, was wir uns für die Konfession der Ahlulbayt (a) wünschen, und zwar, dass die Streitigkeiten ein Ende finden, sodass die Wissenschaften, die Sprache, sowie die Ansprache im Lichte eines neuen Abschnittes aufleben. Wer die Geschichte der vergangenen Fehden der vier Rechtsschulen liest, der glaubt nicht, dass diese Rechtsschulen es geschafft haben, vor allem nach dem achten Jahrhundert nach der Hidschra, über alle möglichen Konflikte, die vorhanden waren, hinweg zu sehen. Das ist zu Recht etwas Großartiges. Wir hegen die Hoffnung, dass es sich noch weiter ausweitet und die jaafaritische Rechtsschule miteingeschlossen wird, so dass die vermeintlichen Ängste vor dieser Rechtsschule vergehen und die Herzen miteinander harmonieren und interagieren.

Ist es nicht möglich, dass wir uns unterscheiden und jeder auf seine Meinung beharrt, ohne, dass wir in unseren Herzen Feindseligkeit gegeneinander hegen? Weshalb verflechtet sich die Art der Präsentation   der imamitischen Denkschule mit dem Anblick der Selbstgeißelung und des Zornes gegenüber anderen und warum kann nicht zwischen den vergangenen und den heutigen Generationen – oder selbst unter den heutigen Generationen untereinander – differenziert werden?! Können wir nicht unsere eigenen Überzeugungen bewahren und Meinungsunterschiede mit anderen haben, ohne dass wir ihnen gegenüber Hass empfinden oder sie die Verantwortung vergangener Generationen tragen lassen usw.? … abgesehen von jenen, die Unrecht getan haben.

Aus diesem Grund besteht der Bedarf, dass die islamische Denkschule der Ahlulbayt (a) auf eine ruhige, ehrliche, rationale und zeitgemäße Art vorgestellt wird. Dabei muss Mut zur Selbstkritik herrschen, denn sie ist die höchste Tugend, und es muss einen ruhigen Dialog mit dem Anderen geben, ohne, dass er hasserfüllt ist. Ebenso sollten wir danach streben, dass wir ihm in diesem Dialog nicht sein Recht nehmen. Diese Form der Rede ist es, die einen Ersatz für einige andere Formen darstellen kann, welche innerhalb des islamischen Milieus die Oberhand und die Macht ergreifen soll, wie aggressive salafistische Strömungen, die großes Verlangen danach haben, allen anderen den Glauben abzusprechen.

3 – Das ist unsere Vorstellung von dem Dienst, welcher der Konfession der Ahlulbayt (a) geleistet werden kann und wir sind der Überzeugung, dass dieser Weg in unserem Zeitalter der bessere ist, zumindest, um der Religion und deren Anhängern einen Dienst zu erweisen. Dabei ist uns bekannt, dass es eine Gruppe gibt, die sich mit uns in dieser Angelegenheit vollständig unterscheidet. Wir respektieren ihre Sorgen und schätzen ihre Ängste. Sie sind zum Beispiel der Ansicht, dass Selbstkritik bedeutet, dass die ideelle schiitische Struktur dadurch zerpflückt wird und ihr Ansehen und Grundgerüst vernichtet wird. Daher existiert stets eine Angst und Skepsis gegenüber jeglicher Kritik, selbst wenn sie von einigen Problemen überzeugt sein sollten. Es wird dazu aufgerufen, diese Kritik aufzuschieben auf einen Zeitpunkt, über den wir nicht wissen, wann dieser eintreten wird.

Ebenso fürchten sie sich vor der Rationalität, weil diese – ihrer Ansicht nach – schrittweise das Konstrukt der verehrenden Instanz in der Religion (al-bināʾ at-taʿabbudī lid-dīn) angreift und sunnitische Methoden wie den Analogieschluss, das »für vorteilhaft Erachten« (istiṣlāḥ) usw. einführt. Ebenso lehnen sie die Modernität strikt ab und sind der Ansicht, dass es lediglich ein Slogan ist, um die Religion zum Schmelzen zu bringen unter dem Deckmantel der Bedürfnisse der Zeit usw.

Wir respektieren ihre Ängste und durchleben sie ebenso, wir können uns ihnen allerdings zur selben Zeit nicht ergeben, weil unsere Ansicht zu diesem Thema darauf basiert, dass, wenn wir uns diesen Ängsten aussetzen, die Religion in ferner Zukunft untergehen wird. Bei den Kirchen war es nicht anders, sie durchlebten dieselben Ängste und es wurden ähnliche neue Vorschläge in den Raum geworfen und sie wurden über Jahrhunderte hinweg ignoriert und sie blieb standhaft, bis sie plötzlich zusammenbrach. Am deutlichsten hat es Toynbee in seiner Darstellung der Kulturgeschichte aufgezeigt. Die Angelegenheit ist komplexer, als wir denken und das Nachdenken darüber ist wichtiger, als lediglich ein Problem in dieser oder jener Ortschaft zu lösen. Es benötigt kluge Köpfe, die die verschiedenen Aspekte dieser Angelegenheit betrachten und beachten, so dass wir zwischen den daraus resultierenden Vorteilen und Schäden abwägen können. So opfere das Wenige für den Vorteil des Vielen, auch dann, wenn dieses Viele erst nach einiger Zeit zu erreichen ist.

4- Aus diesem Grund existiert die Signifikanz einer Zeitschrift, wie die Zeitschrift „die Methodik“ (al-minhāǧ) in einer Zeit, in der die verschiedenen Strömungen unter den Konfessionen sich auf eine merkwürdige Art und Weise vermehren, so wie es uns Huntington in seinen Worten über die Ausdehnung der Strömungen im Nahen Osten ankündigte. Das was sich heute im Irak und im Libanon abspielt, ist ein Zeichen für großes Unheil. Die muslimischen Gelehrten im Osten und Westen der Erde müssen ihrer Verantwortungen diesbezüglich gerecht werden. Es geht nicht um formelle Treffen im Fernsehen. Wir respektieren diese, allerdings sehen wir darin keinen fulminanten Nutzen. Es muss vielmehr zielorientiert dafür gesorgt werden, dass die Erziehungs- und Bildungssysteme in den religiösen Einrichtungen, Instituten, theologischen Hochschulzentren (ḥawzah) sowie den islamischen Universitäten bei allen islamischen Gruppierungen neu strukturiert werden. Es ist nicht richtig, dass wir ein System für die religiöse Erziehung aufstellen, durch das nichts anderes erzeugt werden kann, außer Glaubensabsprechung (takfīr), Hass und gegenseitige Abneigung und dann, wenn Katastrophen eintreten, wir harmonische Sitzungen stattfinden lassen. Die Gelehrten müssen die Sorgen des Islam tragen und über konfessionelle Hassreden stehen, von denen niemand profitiert, außer der Andere.

Wenn der Andere all das durch seine Konspirationen hinbekommt, so müssen wir zugeben, dass dieser Andere unsere Schwachpunkte ausgenutzt hat. Dabei liegt der wichtigste Schwachpunkt in der konfessionellen hasserfüllten Spaltung.

Dies ist die Botschaft der Zeitschrift „die Methodik“, die inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt existiert. Darin zeigt sich ihre Rolle – und die Rolle ähnlicher Zeitschriften – bei der Verbreitung der Blüten des Austausches und des Kennenlernens, und dem Zuschütten des Abgrunds zwischen den sich für Allah liebenden Geschwistern, so dass wir alle unterbinden, dass die Salafisten in ihren verschiedensten Formen und Erscheinungen dabei erfolgreich sind, Spaltungen zu schaffen oder Zwietracht zu säen, und damit erhoffen wir uns ein Beispiel der göttlichen Worte zu sein:

… und gedenket der Gnade, die Allah euch erwiesen hat, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet …“ (3:103)

 
Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des “Baḥṭ al-Khāriǧ”.
Dieser Artikel wurde in der 41. Ausgabe der Zeitschrift „die Methodik“ im Frühjahr 2006 in Beirut (Libanon) veröffentlicht.

[1] Die »Führerschaft« (al-imāmah) ist ein Kernelement der imamitischen Denkschule und es handelt sich hierbei um die Führerschaft nach dem Ableben des Propheten Mohammad (s). (Anm. d. Ü.)

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Die islamische Eintracht und das Problem des Chauvinismus https://bufib.de/die-islamische-eintracht-und-das-problem-des-chauvinismus/ Thu, 03 Nov 2016 10:00:34 +0000 http://bufib.de/?p=1739 Das Konzept der Einheit ist ein integraler Bestandteil der islamischen Scharia. Der Begriff »Einheit« ist abgeleitet von dem Wort »tawḥīd« und das gesamte Leben ist damit verschmolzen, wenn es mit dem alleinigen Gott verbunden ist. Der Kenner, jener, der Einblick besitzt, sieht alles in dieser Unität zusammenfließen, bis zu einem Punkt, an dem diese von ihr fast nicht mehr oder wahrhaftig nicht mehr zu unterscheiden sind. Denn alles ist von Gott, zu Ihm allein kehrt alles zurück und jede Tat ist nur Ihm gewidmet und jeder Wille gilt nur Ihm. Dies ist die Botschaft der »Einheit« und nicht nur die geistige, glaubensbezogene Einheit, sondern auch die hingebungsvolle, praktische und spirituelle Einheit.

1- Ausgehend von der Kultur der Einheit, wenn wir in die Essenz der islamischen Gemeinschaft (ummah) eintauchen, die voraussetzt, dass diese Einheit Strukturen und Nuancen ausdrückt oder wie die Philosophen sagen: »Einheit in dem Wesen der Vielfältigkeit«, so finden wir vor, dass sich die Realität der (islamischen) Gemeinschaft ganz anders darstellt. Es ist eine Gemeinschaft, die sich von einer gültigen und rechtmäßigen Meinungsverschiedenheit zu einem unrechtmäßigen und abgelehnten Streit gewandelt hat. Keine andere Gemeinschaft stand aus Sicht der Einheit je schlechter da als die unsere von heute. Eine einzige Fernsehsendung ist in der Lage Blutvergießen zwischen Muslimen in den Straßen der Städte und Dörfer zu verursachen.

2- Die Auslöser für diesen Zustand sind vielfältig, aber hier untersuchen wir nur einen davon, nämlich das Problem des Nationalismus, der Sprache und der ethnischen Zugehörigkeit. Diese Begebenheit existiert seit jeher innerhalb der islamischen Kultur im Laufe der Geschichte. Wir wissen, dass einige der Wurzeln nationalistischer Vorurteile sich schon in der Attitüde einiger früherer Kalifen abzeichneten, die in ihrer Gunst gegenüber Menschen voreingenommen waren und Araber den Mawālī (nicht-arabische Muslime) vorzogen. Dies führte zu einem Auseinanderdriften einer tief verwurzelten Kultur, was von einer anderen Gruppe der Gefährten (aṣ-ṣaḥābah) des Propheten abgelehnt wurde, an deren Spitze Imam Ali ibn Abi Talib (a) stand.

Vielleicht waren diese Haltungen Auslegungen oder praktische Ansichten für die Thematiken der höheren islamischen Interessen zu jener Zeit, aus der Perspektive des einen oder andren Kalifen. Allerdings widerlegt die Geschichte diese Art der Auslegung. Die Herabsendung des Heiligen Koran in arabischer Sprache, oder die Tatsache, dass die erste islamische Gesellschaft arabisch war, vermeint keine nationalistische oder ethnische Differenzierung, vor allem nach all den verschiedenen religiösen Texten, die diese Auffassung gebrochen haben, welche diese Mentalität hier und dort dominierte. Gott, der Allmächtige sprach: »Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Rechtschaffenste von euch.« [49:13], und: »Sprich: ›Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?‹ Allein nur diejenigen lassen sich warnen, die verständig sind.« [39:9]. Die Kriterien für die Bevorzugung Gottes, erhaben ist Er, sind Gottesfurcht und Wissen. Es ist weder Ruhm, Reichtum, Ethnizität, Nationalismus, Sprache noch Hautfarbe. Und dies ist es, was in der Sure ʿAbasa[1] bestätigt wird.

Und so wie Europa der Schrecken der ultra-nationalistischen Konflikte im 19. und 20. Jahrhundert bekannt war, konfrontiert mit den Folgen der beiden Weltkriege, woraus es lernte und sich in Richtung europäische Einheit begab und die extremen nationalistischen Tendenzen bremste, so sollten die Muslime dies früher getan haben, weil ihre Erfahrung weiter zurückliegt als die Erfahrung Europas. So oft resultierten die nationalistischen Tendenzen, flagrant oder nicht, unter den Muslimen in Teilungen, Schuʿūbīya[2], etc.

Die Liebe zur Familie, dem Stamm und der Heimat wird im Islam nicht abgelehnt. Was vielmehr abgelehnt wird, sind Auslassungen, die Prioritäten im menschlichen Verstand verschieben, so dass die Interessen des Stammes relevanter werden als die der Heimat und die nationalistischen Interessen signifikanter werden als die der Religion, und so weiter. Ganz im Gegenteil sollten diese Interessen und Beziehungen Kreise innerhalb von Kreisen bilden. „Oder ein Pendant von dir in der Schöpfung“ mit den Worten Imam Ali‘s (a) in seinem Auftragsschreiben an Malik al-Aštar, womit er den großen Kreis der Menschheit meint.

3- In jedem Fall waren die nationalistischen Unruhen in der islamischen Geschichte in vielerlei Hinsicht offensichtlich. Sie basierten auf dem Versuch, den religiösen Verstand zu dominieren. Entsprechend sehen wir, dass Araber versuchten, den Islam zu monopolisieren, da dieser in einem arabischen Kontext seinen Ursprung fand, und der Prophet und seine Familie (Ahlul-Bayt) auch Araber waren, als auch die überwiegende Mehrheit seiner Gefährten. Diese Richtung klammert sich an einen epistemischen Rahmen für ihre Theorie. Sie sehen, dass die Offenbarung des Korans auf Arabisch und die Erscheinung der Sunna in dieser Sprache bedeutet, dass die religiösen Redewendungen dem Rahmen des arabischen Verstandes entsprechen, denn Sprache ist eine Gestalt und Erscheinungsform des Verstandes selbst. Und deshalb können wir das Arabertum als ein Verstand und Lebensstil nicht vom ersten Islam trennen, der die Quelle der religiösen Kultur in der gesamten islamischen Geschichte war.

Insbesondere von diesem Punkt kommen wir zu einem anderen. Die Sprache stellt nicht nur die grammatikalischen, morphologischen und rhetorischen Regeln dar, so dass, wenn man sie gemeistert hat, es möglich wird, die Botschaften des Korans und der Sunna zu verstehen. Stattdessen ist sie ein Geist, eine Essenz, ein Gefühl, ein Erbe und eine Kultur, die im Kopf des Lesers verschmolzen werden muss und er in ihrem Falten und Strecken eingesogen wird. Das ist der Grund, weshalb die Auslegung des Islam verzerrt wurde, als Völker von Nicht-Arabern dazukamen. Sie haben Texte missverstanden, denn sie beschäftigten sich mit der Sprache anhand von Lexika, Wörterbüchern, Regeln und entwickelten Strukturen, was den wichtigsten Aspekt der Sprache zerstörte, und zwar der geistige, also der Geist der Sprache und ihre Ausdrucksform.

Wir stimmen – vom Grundsatz her – allen diesen Punkten zu und fügen in Bezug auf die Sprachlehrpläne der schiitischen religiösen Hochschulzentren (ḥawzah) eine weitere Anmerkung hinzu; und diese ist, dass wir sie als rein theoretische Pläne erachten. Der Schüler merkt sich die morphologischen Regeln, so wie er die Multiplikationstabelle lernt. Das haben wir in unseren Beziehungen mit nicht-arabischen Studenten der islamischen Scharia erfahren. Es ist ein Schwachpunkt, der den Geist der Sprache im Kopf des Lesers ausblendet, was zu schweren Verzerrungen bei der Interpretation der Texte führen kann. Womöglich werden wir auf dieses Thema bei einer anderen Gelegenheit eingehen. So stellen wir fest, dass einige Wissenschaftler weder Arabisch sprechen, noch benutzen können. Selbst wenn sie den Koran rezitieren, sind sie nicht in der Lage die korrekte Aussprache zu gewährleisten. Ich glaube, dass der Grund dafür die Bildungspläne der Erstausbildung für diese Sprache ist, denn in anderen Wissensgebieten meistert der Schüler gekonnt die arabische Sprache, obwohl seine Muttersprache weit entfernt von ihr ist, wie beispielsweise einige afrikanische Sprachen und andere.

Wir glauben, dass dieses Problem existiert, und wir denken, dass es verantwortlich ist für einige Formen des Missverständnisses der Religion, aber das bedeutet nicht, die Tür der Kenntnisse des arabischen Erbes und der Kultur für Nicht-Araber zu verschließen. Andernfalls würde es zu einem Abbruch der Beziehungen zwischen den Völkern der Welt führen. Bizarr ist, dass einige unter denen, die zu dieser Tendenz neigen, verblüfft sind vom Verständnis der Orientalisten des islamischen Erbes und ihrer Interpretation ihrer Texte, obwohl sie von der arabischen Kultur entfernter sind als die Türken, Perser und Inder. Daher ist es notwendig Ausbildungslehrpläne so zu ändern, dass die Grundlagen selbst ergriffen werden, ohne Behauptung der Unmöglichkeit der Erlangung des Wissens im absoluten Sinne.

4- Auf der anderen Seite behauptet eine Gruppe, dass es so etwas wie einen wissenschaftlichen oder philosophischen arabischen Verstand nicht gibt und dass der Verstand, der dem Islam zu einem epistemischen, philosophischen, rechtlichen und gnostischen System machte ein persischer oder türkischer Verstand war, was von Orientalisten so postuliert und von vielen muslimischen Forschern so geteilt wurde. Seinen Anfang nahm dies in der islamischen Geschichte mit den Gefährtennachfolgern (tābiʿūn), denn viele von ihnen waren keine Araber (sog. Mawālī), die in den Häusern von Gefährten wohnten oder um sie herum.

Diese Aussage wird durch eine Menge historischer Beweise untermauert; sogar Ibn Khaldūn selbst äußert dies. Kann dies jedoch verallgemeinert werden? Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht auf die Statistiken eingehen, denn etliche haben darüber geschrieben und die beteiligten Wissenschaftler sind in der Lage gewesen diese Aussagen zu widerlegen. Das führt nur zu einem Ergebnis, nämlich, dass jeder für den Aufstieg der islamischen Zivilisation ebenso beigetragen hat wie für ihren Niedergang. Alle Volksgruppen; Araber, Türken, Perser, Berber … usw. leisteten ihren Beitrag für die Erleuchtung und den Aufschwung und waren auch schuld an der Verschlechterung der islamischen Zivilisation. Beispiele dafür gibt es viel mehr als Bespiele dagegen und diese sind in ihrer Anzahl zu groß, um in dieser Kurzfassung aufgeführt zu werden.

5- Das Problem mit dem Nationalismus wird in seiner präpotenten Dimension komplizierter, wenn nationalistische Differenzen mit Differenzen zwischen Religionsgemeinschaften vermischt werden und die eine oder andere Gemeinschaft als Mittel dient, um die nationalistischen Interessen und Privilegien zu schützen. Dies geschieht auf negative und positive Weise in unserer heutigen Zeit. Es wird gesagt, die schiitische Aufklärung (at-tašaiyuʿ)[3] sei eine persische Erfindung, um ihre Abspaltung von der zentralen Autorität in Bagdad oder Istanbul (al-astānah) – dem Zentrum des Osmanischen Reiches und des abbasidischen Kalifats – zu rechtfertigen. Dies bedeutet, dass alle Äußerungen der konfessionellen Differenzierung aus dem Wunsch nach nationalistischer Differenzierung entstanden, als ein Vorwand die Führung im Islam anzustreben. Daher ist der Streit ein türkisch-persischer oder osmanisch-safawidischer Streit und kein schiitisch-sunnitischer.

Diese Tatsache erfordert ein ernsthaftes Studium und Reflexion. Wir zweifeln nicht daran, dass einige der muslimischen Sultane diesen Standpunkt proklamierten, und versteckte Motive dahinter standen. Wenn nun die Osmanen den sunnitischen Islam repräsentieren, warum spielten dann die Araber für die Herrschaft über Jahrhunderte hinweg keine Rolle im Osmanischen Reich, wo doch die Araber hauptsächlich auch Sunniten sind und die Türken nicht stärker in ihrer Zugehörigkeit zur Sunnah waren als die Araber zu jener Zeit? Und wenn die Schia durch die Safawiden oder die Kadscharen repräsentiert wurde, warum beteiligten sich die schiitischen Araber, Kurden oder Türken nicht an der Errichtung dieses Staates oder besser, warum behielt die safawidische regierende Familie stets die Führung?

Dies bedeutet nicht, dass es möglich wäre zu verallgemeinern. Es bedeutet, dass ein umfassendes Urteil sehr schwierig zu fällen ist. Daher ist die Annahme, dass alle sunnitischen und schiitischen Gelehrte nationalistische Standpunkte vertreten, falsch und die Exempel unterstützen solch eine Verallgemeinerung keinesfalls, obwohl es vereinzelt richtig wäre. Ebendies ist das Problem von vielen der modernen Forscher; sie finden ein oder zwei kleinere Exempel und wollen sie dann für eine Induktion über weite Felder nutzen, was ein eindeutiger wissenschaftlicher und epistemischer Fehler ist.

6- Wir denken, dass provokante Worte einer Gruppe oder Person hier und einer Gruppe oder Person dort als förderndes Element für das nationalistische Lager wirken. Diese Aussagen schaffen eine Notwendigkeit, eine der Identitäten des Menschen zu verteidigen, und diese kann die nationalistische Identität sein oder die Identität der Religionszugehörigkeit oder eine andere. Es könnte sogar an sich das Gefühl zu dieser Identität vergrößern, nachdem diese vergraben, zurückgefallen oder tief gesunken war. Also versucht die Person alles, um ihre Identität zu wahren, sie zu fühlen und in sich zu verbarrikadieren, so dass sie (die Person) sich selbst findet und sie (die Identität) empfindet, woraus gegenseitiges Fehlverhalten erwächst. In diesem Zustand ist ein intensiver Hang zu nationalistischen Gefühlen ersichtlich.

Von hier aus ergibt sich ein ernsthaftes Bedürfnis, den Ton der Äußerungen und Einstellungen einer Person von jeder Seite aus gesehen anzupassen, so dass diese nicht das erste Glied in einer Kette wird oder als ein Schneeball fungiert. Politiker, Religionsgelehrte und die Medien sollten Verantwortung für alle Worte oder Handlungen tragen, die das Feuer des Nationalismus entfachen könnten, vor allem, wenn sie mit den Flammen des Konfessionalismus und der Ressentiments kombiniert werden.

7- Schließlich sollten wir uns einem wichtigen Punkt in diesem Zusammenhang nähern, der die Schiiten intern betrifft. Das schiitische Umfeld erlebt – wie zuvor – einige Kontroversen in Bezug auf die religiöse Autoritätsinstanz (al-marǧaʿiyah ad-dīniyah): Wir sehen einige Araber, die über die Bestrebung der Iraner – mindestens im Sinne der Nationalität – reden, die Institution der Autoritätsinstanz zu monopolisieren, während einige Iraner anders reden. Wir hören unter den Iranern diejenigen, die den Menschen ihrer Umgebung geneigt sind und somit keinen außer einen von ihnen nachahmen[4] würden, und so weiter. Hier ist es uns wichtig, folgende Anmerkungen zu machen:

  1. Die religiöse Autorität ist eine Angelegenheit, die einerseits die gesamte Schia betrifft und andererseits die wissenschaftliche und religiöse Qualifikation und somit ist eine nationale Affinität darin bedeutungslos. Wenn es wahr ist, dass es solche gibt, die auf diese Weise denken, so müssen sie, wer auch immer sie sind, das Übel ihrer Handlungen und ihre direkten Auswirkungen auf die Religion verstehen, gemäß der Art der Position dieser Institution. Die Autoritätsinstanz (al-marǧʿiyah) ist abhängig von Kompetenzen und hat nichts mit Geographie oder anderen Faktoren zu tun. Überall dort, wo es qualifizierte Menschen gibt, gibt es sie (die Autoritätsinstanz), und wo nicht, sollte keine sein. Diese Angelegenheit hat auch nichts mit den heutigen großen religiösen Zentren wie Najaf und Qom zu tun, genauso wenig wie Hillah, Aleppo, Jabal Amel und Bahrain es früher waren. Die Manipulation der religiösen Institution auf diese Weise für gruppeneigene oder nationalistische Zwecke, auch wenn es für eine kurze Zeit gelungen war, hat viel größere langfristige Verluste.
  2. Es ist auch für die breite Öffentlichkeit nicht akzeptabel in gleicher Weise zu denken, solange die Fachleute nicht zu anderen Formulierungen gekommen sind, wie es von einigen islamischen Ländern gemacht wurde, so dass sie nur jemanden nachahmen, weil er ein Araber, Perser oder Türke ist. Und wenn die Lehrmeinung »Nachahmung des Sachkundigsten (taqlīd al-aʿlam)« richtig ist, dann muss dieser[5] nachgeahmt werden, auch wenn seine Nationalität überhaupt nicht muslimisch ist. Die Zuständigen sollten die Menschen so auf diesen Weg anleiten, wie jemand, der versucht von dieser Thematik[6] für eigene Zwecke zu profitieren.

Wissenschaft und Religion werden zwei Aspekte bleiben, die Grenzen, Ethnizität und Nationalismus durchlaufen.

{O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Rechtschaffenste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.} [49:13]

 

Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des “Baḥṭ al-Khāriǧ”.


[1] Die 80. Sure des Heiligen Koran.

[2] Bezieht sich (meist) auf die Reaktion der nicht-arabischen Muslime auf den privilegierten Status der Araber in der Umma. Schuʿūb ist ein arabisches Wort für »Verbände«.

[3] Bzw.: der Schiismus

[4] Nachahmung: arab. »taqlīd«, d. h. die Befolgung einer bestimmten Rechtsansicht

[5] Der Sachkundigste (al-aʿlam)

[6] d.h.: nationalistische Auslegungen, etc.

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Alles Gute zum Fitr-Fest! https://bufib.de/alles-gute-zum-fitr-fest/ Tue, 05 Jul 2016 22:00:36 +0000 http://bufib.de/?p=1624 Im Namen des Erhabenen.

Wir wünschen ein gesegnetes Fitr-Fest. Möge Allah (swt) Euer und unser Fasten annehmen. Auf dass der Mensch durch diese heiligen Tage zur Besinnung kommt und abseits jeglicher Vorurteile und Diskriminierung den Frieden verbreitet. 

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Das Fasten https://bufib.de/das-fasten/ Mon, 06 Jun 2016 10:00:57 +0000 http://bufib.de/?p=1662 Als Fasten [arab. as-sawm – الصوم ] bezeichnet man im Islam das Unterlassen von gewissen festgelegten Fastenbrechern ab der Morgendämmerung [fajr] bis hin zur Abenddämmerung [maghrib] eines Tages.

Schon in den vorhergehenden himmlischen Religionen wurde das Fasten praktiziert, worauf der heilige Quran selbst hindeutet, in dem es heißt: „O ihr Gläubigen euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es auch denjenigen, die vor euch waren, vorgeschrieben ward, damit ihr gottesehrfürchtig werdet.“[1] Auch unter den Götzendienern war das Fasten verbreitet, schon die alten Ägypter und Römer fasteten an verschiedenen Tagen im Jahr.

Das Fasten wird zu den zehn Zweigen der Religion [furu‘-ud-din] gezählt und stellt speziell im Monat Ramadan, dem 9. Monat des islamischen Mondkalenders, eine Pflicht für die Menschen dar, so heißt es im heiligen Quran:

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’aan als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten.“[2]

Zu dem Wort „Ramadan“ gibt es verschiedene Ansichten unter den Gelehrten. Einige sagten, diese Bezeichnung sei einer der Namen Allahs, des Erhabenen. Andere wiederrum merkten an, dass es von dem arabischen Wort „ramd‘“ abstamme, was den Regen im Herbst bezeichnet, der den Schmutz und den Staub vom Boden entfernt und diesen damit reinigt. Einige haben diese Bedeutung auf die Seele des Menschen bezogen, die durch das Fasten gereinigt wird, wobei der Regen die vielen Gaben des Herrn, Erhaben ist Er, die im heiligen Monat Ramadan niedergesandt werden, darstellen soll.

Ein Mondmonat dauert entweder 29 oder 30 Tage und wird durch verschiedene Mondsichtungsmethoden festgelegt und bestätigt. Und so liegt auch die Dauer des heiligen Monats Ramadan jährlich in diesem Bereich.

Damit das Fasten von einer Person überhaupt angenommen wird, müssen sieben Bedingungen erfüllt sein:

1. Der Islam (d.h. man muss Muslim sein)
2. Die Vernunft (d.h. man darf nicht verrückt sein)
3. Die religiöse Reife
4. Bei Bewusstsein sein
5. Nicht in der Regelblutung oder dem Wochenbett sein
6. Die Fähigkeit (d.h. körperlich das Fasten ertragen können)
7. Nicht auf einer Reise sein, die zum Fastenbruch führt.

Während der Fastenzeit (d.h. von Morgendämmerung bis Abenddämmerung) ist der Fastende verpflichtet sich von einigen Handlungen fernzuhalten, damit sein Fasten nicht gebrochen wird.

Zu den Fastenbrechern zählen:

1.&2. Essen und Trinken
3. Der Geschlechtsverkehr
4. Der Samenerguss
5. Das absichtliche Verbleiben im Zustand der großen Unreinheit, sei es im Janabazustand, im Zustand der Regelblutung oder der des Wochenbettes
6. Das absichtliche Verbreiten der Lüge über Allah, den Erhabenen oder der Ahlulbayt (a.).
7. Das absichtliche Eintauchen des kompletten Kopfes in Wasser (nach Ansicht der Allgemeinheit der Gelehrten)
8. Das Erreichen des dichten Staubes in den Rachenraum
9. Der flüssige Einfluss
10. Das absichtliche Erbrechen

Es sei angemerkt, dass diese Fastenbrecher nur in der aktiven Fastenzeit, d.h. zwischen Morgendämmerung und Abenddämmerung unterlassen werden müssen. Sobald das Fasten am Abend gebrochen ist, sind diese Taten bis zur Morgendämmerung wieder gestattet, ausgenommen jene Handlungen, die an sich verboten sind, wie z.B. das absichtliche Verbreiten von Lügen über Allah, den Erhabenen.

Betrachtet man die Überlieferungen des Propheten (s.) und seiner reinen Familie (a.), so erkennt man, dass dem Fasten drei Stufen zu geschrieben werden. Eine davon ist dringend notwendig einzuhalten, um an sich die Akzeptanz des Fastens sicherzustellen und die anderen beiden sind ein Ideal, das unbedingt angestrebt werden sollte, damit das Fasten eines Jeden veredelt wird.

Die erste Stufe entspricht der allgemeinen Verpflichtung des Fastens und der Unterlassung der erwähnten Fastenbrecher, wie z.B. Essen, Trinken oder Geschlechtsverkehr.

Die zweite Stufe enthält zusätzlich zur Einhaltung der ersten Stufe, d.h. der Unterlassung der Fastenbrechen, das allgemeine Meiden von Sünden, die mit dem Körper vollzogen werden, wie z.B. dem Lügen mit der Zunge, dem Hören von verbotener Musik mit dem Ohr oder dem verbotenen Blick mit dem Auge.

Die dritte Stufe enthält zusätzlich zur Einhaltung der ersten beiden Stufen, das Fasten des Herzens, d.h. dass man nicht mal die Absicht hat eine Sünde zu begehen, oder gar nicht erst schlechte Gedanken aufkommen und man sich von den diesseitigen Gedanken distanziert und somit seine ganze Aufmerksamkeit und sein Fokus auf Allah, den Erhabenen legt.

Neben dem verpflichtenden Fasten im Monat Ramadan, gibt es auch bestimmte Tage im Jahr, an denen es empfohlen ist zu Fasten und wiederum andere Tage, an denen es gar verboten oder verpönt ist.

Eine bestimmte Form des Fastens wird als das „Sprachfasten“ bezeichnet, wobei bekannt ist, dass die heilige Maria (a.) zu dieser Form des Fastens von Allah dem Erhabenen aufgefordert wurde und selbst im heiligen Quran darüber berichtet wird: „…Und wenn du einen von den Menschen siehst, dann sprich: „Ich habe dem Allerbarmer zu fasten gelobt, darum werde ich heute mit keinem Menschen reden.“[3]


[1] Heiliger Quran, Sure Baqarah, Vers 183

[2] Heiliger Quran, Sure Baqarah, Vers 185

[3] Heiliger Quran, Sure Mariam, Vers 26

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Herzlichen Glückwunsch! Beginn des heiligen Monats Ramadan https://bufib.de/herzlichen-glueckwunsch-beginn-des-heiligen-monats-ramadan/ Mon, 06 Jun 2016 10:00:30 +0000 http://bufib.de/?p=1606 Im Namen des Erhabenen

Wir beglückwünschen Euch zum Beginn des heiligsten aller Monate, dem Monat der Barmherzigkeit, dem Monat Ramadan. Am Dienstag, den 07. Juni 2016 beginnt der heilige Monat Ramadan 1437 nach der islamischen Zeitrechnung, wer sich nach der lokalen Sichtung richtet und zugleich Hilfsmittel dabei akzeptiert. Wer sich jedoch nach der Rechtsmeinung richtet, die keine Hilfsmittel bei der Sichtung erlauben, für sie/ihn beginnt der heilige Monat Ramadan entweder am Dienstag, den 07. Juni oder am Mittwoch, den 08. Juni 2016 (dies ist dem jeweiligen Büro zu entnehmen).

Wir wünschen Euch eine Zeit des Friedens, der Aussöhnung und der Einheit.

Möge Allah, der Erhabene, Euer Fasten und Eure Bittgebete akzeptieren.

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Geburtstag von Imam Ali (a) https://bufib.de/geburtstag-von-imam-ali-a/ Wed, 20 Apr 2016 18:00:09 +0000 http://bufib.de/?p=1572 Im Namen des Erhabenen

Wir beglückwünschen Euch und die gesamte Menschheit zum Geburtstag vom Fürsten der Gläubigen Imam Ali (a), über den der heilige Prophet Mohammad (s) folgendes sagte: „Wer Adam in seinem Wissen, Noah in seiner Entschlossenheit, Abraham in seiner Langmut, Moses in seiner Majestät, und Jesus in seiner Weltentsagung, sehen möchte, der soll das Gesicht Ali’s anschauen.“

Der Bund für islamische Bildung wünscht Euch allen einen gesegneten Feiertag.

 

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AfD zeigt (wieder einmal) ihr wahres Gesicht https://bufib.de/afd-zeigt-wieder-einmal-ihr-wahres-gesicht/ Mon, 18 Apr 2016 19:08:49 +0000 http://bufib.de/?p=1725 Am 30. April will die AfD (Alternative für Deutschland) in Stuttgart ihren Kurs in einem Grundsatzprogramm beschließen. Es soll ihr erstes Parteiprogramm darstellen. Nun, zwei Wochen vorher, bekräftigen führende Parteipolitiker der AfD wohin der »Weg« gehen soll. Im Fokus ihrer Programmatik soll eine »Anti-Islam-Politik« stehen. Die stellvertretende Parteivorsitzende und Europaabgeordnete Beatrix von Storch sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in ihrer Samstagsausgabe (F.A.S.): »Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.« Alexander Gauland, ebenfalls im Parteivorstand und zugleich Fraktionschef der AfD in Brandenburg sagte derselben Zeitung: »Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr.« Von Storch führt in ihrem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen weiter aus, dass Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen seien, denn z. B. fordert sie ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und ein Verbot der Vollverschleierung. Moscheen und Koranschulen müssten schärfer kontrolliert und gegebenenfalls geschlossen werden. »Es ist notwendig, den Wildwuchs von islamischen Religionslehrern und Koranschulen, die privat finanziert werden, zu stutzen« sagte Gauland der F.A.S. 

Es ist sehr erfreulich, dass es lautstarke, bundesweite Kritik aller demokratischen Parteien und islamischen Dachverbände an dem radikalen AfD-Kurs gibt. Die Bundesregierung hat in diesem Zusammenhang das Grundrecht auf Religions- und Glaubensfreiheit (Artikel 4) in der Bundesrepublik Deutschland betont. Der Regierungssprecher Steffen Seibert verwies zudem darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) »mehrfach betont« habe, »dass es offenkundig ist, dass der Islam unzweifelhaft zu Deutschland gehöre«. 

Wir, der Bund für islamische Bildung, schließen uns dieser Kritik an und lehnen dezisiv den Vorwurf ab, dass der Islam »eine politische Ideologie und nicht mit dem Grundgesetz« vereinbar sei. Der Islam an sich ist erstens, genauso wie das Christentum und das Judentum, eine Religion, eine Weltanschauung und keine Ideologie. Zweitens ist der Islam, wie er in Deutschland gelebt wird, in allen Zügen mit dem hiesigen Grundgesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGo) vereinbar. Die Frage, ob der Islam historisch gesehen zu Deutschland gehört oder nicht, stellt sich an diesem Punkt nicht und wir möchten in diesem Moment dazu auch keine Stellung nehmen, jedoch finden wir die Aussage des stellevertretenden Parteivorsitzenden der AfD Alexander Gauland, dass der Islam »intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden« sei, rechtspopulistisch, an der Realität vorbeigeschossen und absolut unsachgemäß. Sein Satz bedeutet, dass jeder Muslim in der Bundesrepublik Deutschland eine tickende Bombe sei und auf einen Staatsstreich hinarbeitet, um die Herrschaft zu übernehmen. Dies stellt ganz deutlich eine Diffamierung von über 4.25 Millionen Muslimen (allein in Deutschland) dar, und grenzt sogar schon an Verhetzung einer gesamten Glaubensgemeinschaft. Die Absicht der AfD ist plausibel. Man schürt noch mehr Angst, noch mehr Ignoranz, um eine Gesellschaft zu spalten.

Wir plädieren an dieser Stelle für ein gemeinsames, bürgerliches Engagement aus allen Schichten, Farben und Weltanschauungen der Gesellschaft, um unser geliebtes Deutschland weiterhin in den Händen der Toleranz und Nächstenliebe zu tragen. Außerdem würden wir einen »Kongress der Gesellschaft« begrüßen, der von der Bundesregierung initiiert wird und Vertreter aller Weltbilder (sei es religiös oder atheistisch) des Volkes involviert.

Bildquelle: (c) picture alliance / dpa

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In Erinnerung an den großen Gelehrten Shaheed Mohammad Baqir Al-Sadr (r) https://bufib.de/in-erinnerung-an-den-grossen-gelehrten-shaheed-mohammad-baqir-al-sadr-r/ Sat, 09 Apr 2016 01:00:18 +0000 http://bufib.de/?p=988 Wenn wir über Ayatollah Sayyid Mohammad Baqir al-Sadrs Persönlichkeit sprechen wollen, dann könnten wir sehr leicht behaupten, dass er ohne Zweifel ein Genie war, ohne Zweifel eine Persönlichkeit, die seiner Zeit voraus war! Wenn wir im wörtlichen Sinn Einstein ein Genie nennen oder vor ihm wurde gesagt, das Leonardo da Vinci ein Genie war, dann könnten wir im gleichen Zusammenhang mit dem vollständigen Einverständnis der religiösen Gelehrten ganz einfach sagen, dass Shaheed al-Sadr ein Mann war, der seiner Zeit sehr weit voraus war.

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Shaheed al-Sadr lebte 45 Jahre lang, welches verglichen mit der „Lebenserwartung“ unserer Gelehrten (U‘lama) eine sehr kurze Zeitspanne ist. Im Alter von 45 Jahren, wird jeder, der den Islam studiert, immer noch als „jung“ betrachtet. Aber in diesen kurzen 45 Jahren revolutionierte Shaheed al-Sadr die akademischen und politischen Aspekte seiner Gesellschaft auf eine Art, wie es nur sehr wenige tun. Nur selten erscheinen in der Geschichte Persönlichkeiten wie Shaheed al-Sadr. Nur selten erlangt jemand solch einen Einfluss in solch einer kurzen Zeit, mit solch einem jungen Alter und in einer der schlimmsten Zeiten in der Geschichte des Islam.

Saddam al-Hussein führte eines der brutalsten und tyrannischsten Regierungen in der Weltgeschichte. Es war zu jener Zeit, als  Shaheed al-Sadr seine Stimme erhob. Zu jener Zeit begründete er einen politischen Prozess. Einen politischen Prozess zu schaffen benötigt Aufopferung und die Art und Weise wie sich Shaheed al-Sadr aufopferte, wie er seine Arbeit machte, in einer Umgebung, in der niemand die Energie und die Kraft dafür hatte – er wuchs in dieser Umgebung auf und versuchte eine Nation, welche sich am Boden befand aufzubauen. Er tat dies allein und mit einem bemerkenswerten Mut. Er hatte einen unglaublich beeindruckenden Charakter, besonders wenn man betrachtet, dass er diese ganzen Aktivitäten durchführte, als er den Stand eines „Marja‘ ut-Taqleed“ (d. h. ein Rechtsgelehrter, der die selbstständige Rechtsfindung besitzt und den Status hat, dass andere ihn in seiner Rechtsfindung befolgen) besaß. Als er diese Position besaß, wurde er unter Hausarrest gesetzt und es gab zeitweise kein Essen in seinem Haus.

Frühes Leben und Ausbildung

Sayyed Mohmmad Baqir al-Sadr wurde am 1. März 1935 geboren und fand den Märtyrertod am 9. April 1980. Zu diesem Zeitpunkt war er 45 Jahre alt. Shaheed al-Sadr stammte aus der Familie Sadr. Diese Familie ist von der Abstammung her Kadhimi und er wurde in Kadhimiyya (im Irak) geboren. Im Alter von 10 Jahren ging er zur Heiligen Stadt Nadschaf. Wie Imam Khomeini (r) musste er unter dem Schmerz leiden, dass er ein Waisenkind war. Er verlor im Alter von zwei Jahren seinen Vater. In dieser schwierigen Zeit ist es unklar, ob sein Vater auch den Märtyrertod fand. Wir haben nicht viele Informationen darüber wie er starb, aber unabhängig davon, dass er im Jahre 1937 starb, hinterließ er ein Waisenkind – Shaheed al-Sadr. Shaheed al-Sadr befand sich unter der Obhut von einigen großen Gelehrten dieser Zeit aus seiner namhaften Familie al-Sadr.

Der Name des Vaters von Shaheed al-Sadr  war Haidar al-Sadr. Er zählte zu den gottesfürchtigsten und frommsten Gelehrten. Shaheed al-Sadr studierte bei unterschiedlichen Lehrern in Nadschaf. Unter seinen Lehrern befand sich Ayatollah Sayyid Abul Qasim al-Khoei (r) und Ayatollah Muhsin al-Hakim (r). Im Alter von 25 Jahren begann er selbst, auf der Stufe des Idschtihad zu lehren. Wahrlich eine große Leistung! Das heißt, dass er nicht nur selbst ein Mujtahid war, sondern auch andere Geisteswissenschaftler lehrte ein Mujtahid, in so einem jungen Alter, zu werden. Im Grunde genommen in einem Alter, in dem die meisten Studenten fähig dazu werden dem Dars al-Kharij beizuwohnen, lehrte Shaheed al-Sadr Dars al-Kharij! Er schrieb „Unsere Philosophie“, im Alter von 24 Jahren, worüber wir etwas später sprechen werden.

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Manchmal denke ich, dass sein Charakter ähnlich war, wie der von Imam Khomeini (r). Der Einfluss dieser zwei Persönlichkeiten war ziemlich ähnlich. Imam Khomeini schrieb sein erstes Buch „Vierzig Hadithe“ im Alter von 24 Jahren und Shaheed al-Sadr schrieb „Unsere Philosophie“ im gleichen Alter.

Shaheed al-Sadr war auch in gewisser Hinsicht glücklich darüber, solche großartigen Studenten zu haben. In kürzester Zeit gingen aus seinem Unterricht einige große Gelehrte hervor. Er erzog Gelehrte, welche für ihre intellektuellen und politischen Errungenschaften weltbekannt wurden. Sayyid Baqir al-Hakim befand sich auch unter Shaheed al-Sadrs Studenten. Sayyid Kadhim Haeiri, der angesehen wird als einer der Topgelehrten des Iraks, war auch sein Student. Ein anderer seiner Studenten war Sayyid Kamal al-Haideri, welcher gegenwärtig ein großer Lehrer einer Hawzah in Qom (Iran) ist. Meine persönliche Meinung von seiner Persönlichkeit kommt vielleicht daher, dass ich Bücher wie „Unsere Philosophie“ und „Unsere Wirtschaft“ von Shaheed al-Sadr studiert habe. Ein anderer Grund könnte sein, dass ich die große Ehre hatte, einer der Studenten bei allen der drei Persönlichkeiten, den Studenten von Shaheed al-Sadr gewesen zu sein. Dies steuerte auch zu meiner starken Bindung zu ihm bei.

Sayyid Kamal al-Haideri erzählte uns einmal, dass eine Gruppe von Universitätslehrern zu Ayatollah al-Udhma al-Khoei (r) kamen und ihm erzählten, dass das Ausbildungssystem in der Hawzah schwach sei. Ayatollah al-Khoei (r) fragte sie, ob ihre Universität ein besseres, effektiveres System besäße. Sie sagten, dass an ihrer Universität Doktoranden ihren Abschluss erwerben. Sayyid Khoei fragte, wie viele Doktoranden an seiner Universität den Abschluss erwerben. Sie sagten, dass sogar wenn nur einer seinen Doktortitel machen würde, das bereits genug für die Universität sei. Als Reaktion antwortete Sayyid al-Khoei, dass er ihm einer seiner Studenten vorstellen werde. Er möge alle seine Doktoranden einladen, dass sie ihm über jeden Bereich, in dem sie meinen, dass sie Bescheid wissen, Fragen stellen dürfen. Ohne zu zögern, rief  Sayyid al-Khoei (r) nach Shaheed al-Sadr. Sayyid al-Khoei würde sie zu einem Wortgefecht herausfordern und behauptete, dass sie keinen finden würden, der sich besser als Shaheed al-Sadr in jedem Bereich auskennen würde – fragt ihn aus über Mathematik, Geografie, Philosophie, Geschichte, jedes Gebiet, in dem ihr Wissen besitzt. Wenn ihr denkt, dass ihr Sozialwissenschaften wie Wirtschaft, Politik, Psychologie oder einen anderen Bereich beherrscht, dann bringt das auf den Tisch. Ihr werdet die wahre Beherrschung und das Können erkennen, welches Shaheed al-Sadr in allen Bereichen besitzt.

Die H‘alaqat

Doch lassen Sie uns nun damit beginnen von Shaheed al-Sadrs geistigen Werken zu sprechen. Shaheed al-Sadrs Methode an einem Thema zu arbeiten war, dass er niemals eine Struktur oder ein Fundament benutzen würde, das von einem anderen gemacht worden ist. Keines seiner Werke ist so. Wenn Sie eines seiner Werke studieren, werden Sie feststellen, dass er noch nie an einer Grundlage eines anderen gearbeitet hat. Lassen Sie uns zuerst seine Werke, welche auf den Prinzipien der Rechtswissenschaft (Ilm al- Usul) beruhen, betrachten. Dies ist eines der Grundlagenfächer für die Studenten des Hawzah-Studiums, in dem sie lernen, wie man Gesetze ableitet. Er schrieb in diesem Bereich ein Buch genannt H‘alaqaat al-Usul. Der Grund, warum er dieses Buch schrieb war, dass der Lehrplan für Ilm al-Usul sehr akademisch und wissenschaftlich war. Man könnte es vergleichen mit dem Zuteilen eines Buches von Louis Pasteur an einem Studenten im Grundstudium der Chemie.

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Als ich als Student das Seminar belegte, waren diese Halaqats noch neu auf dem Lehrplan. Deshalb hatten wir die Chance, den alten Lehrplan mit dem von Shaheed al-Sadrs Arbeit zu vergleichen, um zu sehen welche neuen Ideen Shaheed al-Sadr auf den Tisch brachte. Als wir Shaheed al-Sadrs Arbeit lasen, verstanden wir wirklich, welche Autorität, Macht und Einzigartigkeit diese Schriftenreihen hatten. Er stellte einige der tiefgründigsten Ideen mit so wenigen Worten dar. Auch heute noch wird dieses Buch in den Hawzah-Seminaren von Nadschaf und Qom verwendet.

„Unsere Wirtschaft“ und „Unsere Philosophie“

Shaheed al-Sadrs akademische Errungenschaften kamen zu einer Zeit, als die Hawza in den Augen der Welt schwach war. Der Kommunismus befand sich im Irak auf seinem Höhepunkt. In seinem Buch Iqtisaduna (Unsere Wirtschaft), bezieht sich Shaheed al-Sadr auf die kommunistischen und sozialistischen Philosophen. Einige Bücher standen nur in Russisch und Arabisch zur Verfügung. Es gab in englischer Sprache nicht einmal eine Kopie dieser Bücher. Deshalb können Sie sich vorstellen, auf welchem Level die Kommunisten und die Sozialisten bei der arabischen Gesellschaft arbeiteten. Es gab kein Grundlagenbuch des  Kommunismus und Sozialismus, egal wie fundiert und wichtig das Thema war, es war nicht ins Arabische übersetzt.

Ein anderes Zeugnis ihrer Bestrebungen für die arabische Gesellschaft war, dass sie in vielen arabischen Ländern Baath-Parteien bildeten, obwohl sie nicht immer besonders organisiert waren. Jede Partei arbeitete getrennt in seinem betreffenden Gebiet. Es gab Niederlassungen der Baath-Partei in Syrien, Irak, Jordanien, sogar im Libanon. Baath bedeutet sich zu erheben, um eine Aktion durchzuführen. Offensichtlich waren die Baath für den Satan und nicht für Gott. Die Baath-Partei war sehr wissenschaftlich in ihrem Bemühen. Für gewöhnlich präsentierten sie den Sozialismus in seiner Tiefe und die Menschen, die Sozialismus im Irak lernten, lernten ihn intensiv und sehr ausführlich.

Nachdem die elementarsten und tiefsinnigsten Bücher des Kommunismus ins Arabische übersetzt waren und sich im Umlauf beim einfachen Volk befanden, wollte das einfache Volk den Islam aus dem Blickwinkel dieser Bücher kritisieren.

Shaheed al-Sadr startete zu diesem Zeitpunkt seine Mission. Im Alter von 24 Jahren schrieb er Falsafatuna („Unsere Philosophie“). Als wir Falsafatuna studierten, pflegten wir zu sagen, dass dieses Buch sich mit der islamischen Philosophie nicht auseinandersetzt. Es handelt von allem Möglichen, aber nicht von islamischer Philosophie. Er wählte „Unsere Philosophie“ als Titel dieses Buches, aber in Wahrheit war es eine Kritik an der östlichen und westlichen Philosophie. Was Kommunisten mit ihrer Philosophie ausdrücken, kritisierte er zum Beispiel. Er kritisierte, was die westlichen Kapitalisten sagen. Er kritisierte, was ihre Philosophie uns sagt. Und sogar in der Philosophie schnitt er grundsätzlich ein Gebiet an. Es gibt ein Fachgebiet, welches er besonders hervorhob, das eine sehr wichtige Position in der Philosophie besitzt.

Dieses Thema der Philosophie wird bei uns Ilm al-Ma‘rifa genannt (Erkenntnistheorie oder Theorie des Wissens). Dieses Thema ist etwas, von dem man sagen könnte, dass es das erste Thema in der Philosophie ist. Es ist eine Debatte über die Frage: Wie können wir wissen, dass das was wir sehen Wirklichkeit ist? Wenn ich etwas anschaue zum Beispiel und sage, dass seine Farbe schwarz ist, wie kann ich beweisen, dass diese Sache auch in Wirklichkeit schwarz ist? Ein durchschnittlicher Beobachter wird sagen, nun, dass ist offensichtlich. Du kannst ‚sehen‘, dass es schwarz ist. Aber die Frage ist nicht, ob wir sehen können, ob ein Ding schwarz ist oder nicht. Die Frage ist, wie wir beweisen können, dass das, was wir sehen, richtig bzw. wahr ist.

Hier kommen wir zum Thema von Ilm al-Marifa oder shanakht shanasi (in Farsi) – die Diskussion darüber, wie wir beweisen können, was wir wissen und was wir gelernt haben begründet ist. Sprich ist das Wissen richtig oder falsch?  Dazu gibt es viele Gedanken und Argumente, die die Philosophen niedergeschrieben haben. Ihr Hauptfokus lag darin, zu beweisen, dass der menschliche Geist nicht in der Lage ist, die Wirklichkeit zu verstehen. Selbst wenn die Menschen etwas verstehen, ist es ein subjektives Wissen, das nicht in einer objektiven Weise nachgewiesen werden kann. Das ist das, was sie wollten. Warum? Wenn du beweist, dass Gott existiert und sie dein Argument nicht widerlegen können, werden sie sagen, du glaubst an Gott, weil du ein Moslem bist, und deshalb machst du solche Argumente und im Gegenzug werden sie sagen, dass Gott nicht existiert. Und du kannst es nicht widerlegen, weil alles Wissen subjektiv ist. Solch eine skeptische Meinung wird möglich, sobald sie in der Lage sind, die Möglichkeit zu entwerten, das objektive Wissen zu beweisen.

Shaheed al-Sadr, Shaheed Mutahhari, und Allama Tabatabai und dergleichen – diese großen Gelehrten waren bekannt als „realistische Philosophen“. Ihre Arbeit lag darin zu beweisen, dass das, was ein menschlicher Geist weiß Realität ist. Es gibt eine ausführliche Diskussion darüber in „Unsere Philosophie“. Die Arbeiten von sozialistischen und kommunistischen Gelehrten, sogar die der chinesischen Sozialisten wie Mao Zedong, sind in „Unsere Philosophie“ enthalten, geprüft und schließlich als falsch erwiesen.

Nun lasst uns sein anderes Buch „Unsere Wirtschaft“ betrachten. Darin spricht er von der islamischen Wirtschaft. Wenn du irgendwo in der Welt hingehen würdest und irgendjemanden fragen würdest, Schiit oder nicht-Schiit, Moslem oder Nicht-Moslem, was das beste Buch über islamische Wirtschaftslehre sei, dann wirst du, obwohl Shaheed al-Sadrs Martyrium über 30 Jahre her ist, von ihnen immer ohne Zweifel und Zögern hören, dass es kein vergleichbares Buch gibt wie „Unsere Wirtschaft“.

Als der Lehrplan der islamischen Wirtschaftsabteilung der Islamischen Universität in Islamabad, Pakistan, entworfen wurde, schlug ein ägyptischer Gelehrter vor, „Unsere Wirtschaft“ als Grundlage zu verwenden. Als die Gelehrten aus Saudi Arabien den Vorschlag ein Buch eines schiitischen Gelehrten zu verwenden sofort ablehnten, forderte sie der ägyptische Gelehrte heraus, ein anderes Buch für das Curriculum vorzuschlagen. Es gab kein anderes Buch, das als Alternative präsentiert werden konnte. Dies ist ein Beweis dafür, dass es als Shaheed al-Sadr „Unsere Wirtschaft“ schrieb, nicht einmal ein einziges Buch zum Thema islamische Wirtschaftslehre gab, mit vergleichbarem Niveau!

„Unsere Wirtschaft“ ist ein wunderbares Buch. Shaheed al-Sadr versuchte zunächst die sozialistische Wirtschaft auseinanderzunehmen. Indem der dies tat, musste er die sozialistische Philosophie debattieren, insbesondere den Aspekt bekannt als dialektischer Materialismus. Der Sozialismus hatte fünf Stufen der menschlichen Geschichte konstruiert – als die Menschen zum ersten Mal erschienen, hatten sie ein bestimmtes Wirtschaftssystem, dann wandelte es sich in die Landwirtschaft, dann Kapitalismus und nun ist die Zeit des Sozialismus und die nächste Stufe wird die des Kommunismus sein. Sie argumentierten, dass dies unvermeidbar war. Der Hauptpunkt hier war der dialektische Materialismus.

Shaheed al-Sadr schrieb abschließend Kommentare zu jedem einzelnen Aspekt dieser Philosophie. Er kommentierte sowohl den dialektischen Materialismus als auch den Determinismus. Er wollte immer damit beginnen zu erklären, was die Menschen, die sich ihm entgegensetzten sagten. Zuerst wollte er den Sozialismus aus der Sicht seiner Befürworter beschreiben. Wenn sie über dialektischen Materialismus sprachen, würde er darüber sprechen, was er wirklich bedeutet und seine wahre Interpretation. Wie mir ein Schüler von Shaheed al-Sadr erzählte, nahmen die irakischen Sozialisten Material von Shaheed al-Sadrs Beschreibung des sozialistischen Gedankens und druckten daraus ein eigenes Buch. Sie wollten das Buch anderen Sozialisten geben, damit sie davon den Sozialismus lernten, da er dort bestens erklärt war!

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Shaheed al-Sadr wollte den Sozialismus sehr gerne aufbauen. Als er beginnen wollte diesen Argumenten Kontra zu geben, wollte er sie deswegen in Stücke zerfetzen. Das ist das Schöne an diesem Buch. Ein anderer interessanter Aspekt über Shaheed al-Sadrs „Unsere Wirtschaft“ ist, dass er zu Beginn sagte, dass es zwei Wege gäbe, um wahres Wissen über die islamische Wirtschaftslehre zu erlangen. Wir werden einer dieser zwei Pfade einschlagen müssen. Wir können die Theorie zur Sprache bringen und wenn es Gott uns erlaubt, werden wir es umsetzen – zu dieser Zeit war die islamische Republik noch nicht gegründet. Deswegen sagte er, lasst uns über die Theorie (Ilm) sprechen und wenn es Gott uns erlaubt, werden wir es umsetzen.

Der andere Weg wäre zu warten und zu schauen, ob Gott uns vielleicht eine Regierung gewähren würde. Dann würden wir diese Prinzipien einen nach dem anderen nach den Wünschen des Islam realisieren. Wenn wir das so machen würden, hätten wir in etwa 50-60 Jahren das vollständige System. Gott gewährte seinen zweiten Wunsch: eine Regierung wurde sehr langsam gegründet und nach 30 Jahren wurden nacheinander einige der wirtschaftlichen Prinzipien eingeführt – solche Systeme entstehen nicht in 25-30 Jahren! Der Kapitalismus kämpfte 200 Jahre, bevor es die Form eines Systems annahm. Wir müssen dieser Ordnung Zeit lassen und viele Opfer auf dem Weg lassen, um auch nur teilweise das wahre islamische Wirtschaftssystem zu Begründen.

Ein anderes Buch, welches Shaheed al-Sadr über die islamischen Wirtschaftswissenschaften schrieb, wurde „Bank La Rabbawi Fil Islam“ (islamisches Bankwesen ohne Wucherzinsen) genannt. Die Geschichte dieses Buches lautet wie folgt: Die Regierung von Kuwait erkannte, dass das Geld welches sie aus den Erträgen der Ölindustrie bekamen, in Zinsen angelegt wurden. Sie wollten einen Weg finden, um es zu  vermeiden, Zinsen zahlen zu müssen. Um dieses Problem zu lösen, organisierten sie eine moslemische Gelehrtenkonferenz. Shaheed al-Sadr war auch eingeladen, genauso wie viele saudische Gelehrte. Die saudischen Wissenschaftler taten ihr Bestes, um Shaheed al-Sadr am Kommen zu hindern. Als Ergebnis wurde die Einladung Shaheed al-Sadrs widerrufen. Shaheed al-Sadr war enttäuscht, dennoch schrieb er ein Buch und schickte es an die Konferenz. Sie schafften es Shaheed al-Sadr am Kommen zu hindern, aber sie konnten nicht verhindern, dass das Buch die Konferenz erreichte. Als das Buch in der Konferenz durchgelesen wurde, gab es kein anderes Buch, welches nur annähernd vom gleichen Niveau war. Die ganze Konferenz musste einräumen, dass er an der Konferenz hätte anwesend sein sollen.

So war seine Persönlichkeit! Er hatte den Entschluss gefasst an einem neuen Konzept zu arbeiten und schrieb darüber ein Buch mit einem völlig neuen Ansatz. Nun stell dir nur vor: Dieser Mann befand sich in Nadschaf, wo er keinen Zugang zu irgendeiner Bank hatte. Er hatte keinen Zugang zu einer internationalen Bank und anscheinend sollte er auch keine Einsicht in das Bankensystem der Welt gehabt haben. Dennoch schrieb er ein Buch über das Bankwesen, griff ein einziges Thema auf und bis heute ist die Welt verblüfft von seinem Genie.

Exegese des Korans

Shaheed al-Sadr schrieb auch einige Exegesen des Korans (Tafsir al-Qur‘an). Bevor er mit der aktuellen Exegese begann, unterteilte er diese in zwei Typen. Den einen nannte er „Exegese nach der Reihenfolge“, in welcher man einen Vers nach dem anderen in der richtigen Reihenfolge  behandelt. Die andere ist der „Thematische Exegese“. Nach dieser Methode stellt man eine Exegese zusammen, indem man analysiert, wie der Koran als Ganzes mit diesem bestimmten Thema umgeht. Die letztere Methode hat er favorisiert.

Das Thema, welches er wählte war eines, das nur wenige Gelehrte untersucht hatten. Was war dieses Thema? Er sagte er wollte wissen, welchen göttlichen Gesetzen Gesellschaften unterliegen. Er wollte wissen, welche Gesetze über Gesellschaften herrschen. Deshalb schrieb er eine Exegese über dieses Thema. Glücklicherweise wurde dieses Buch in Urdu, Farsi, Englisch und verschiedene andere Sprachen übersetzt.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass sein Rechtsregelwerk mit dem Namen „Taudhih‘ul Masâ-il“ ebenfalls in einer einzigartigen Art und Weise geschrieben wurde. Er begann es nicht, so wie es allgemein üblich war, mit dem Thema der „Nachahmung in juristischen Fragen“ (taqlîd), stattdessen hat er das Buch mit den Grundlagen des Glaubens (Aqa’id) begonnen. „Warum sollten wir unser Leben nach der Religion von Allah richten“ – da begann er es! Er widmete diesem Thema fast 70-80 Seiten der arabischen Ausgabe.

Geschichtsschreibung des Fadak

Shaheed al-Sadr hatte sehr großen Respekt vor den Ahlul Bayt (a). Er verbrachte für gewöhnlich viele Stunden damit, am Schrein von Imam Ali (a) nachzudenken und zu überlegen. Als er aufgrund der ungünstigen Bedingungen dieser Zeit für ein paar Tage nicht zu Imam Alis (a) Schrein kam, erschien, laut einer Quelle, einem respektierten Gelehrten der Imam (a) im Traum und bat ihn sich bei Shaheed al-Sadr zu erkundigen, warum er nicht zum Vortrag des Imams (a) erschienen war. Die Bedeutung und die Symbolik dieses Traums zeigt den Ursprung von Shaheed al-Sadrs sehr hohem intellektuellem Niveau.

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Um seinen tiefen Respekt für Sayyida Fatima az-Zahra (a) auszudrücken, schrieb er das Buch „Fadak fit-Tarîkh“ (Fadak in der Geschichte). Das Buch untersucht die Probleme und die Umstände, in denen Fatima aufstand und sprach: Wahrheit an die Macht. Shaheed al-Sadr schrieb das Buch in seinem charakteristisch überzeugenden und verständlichen Stil. Ich glaube, er fühlte sich Sayyida az-Zahra (a) schuldig, wollte ihr dienen und er fühlte, dass er damit auf ihren Fall näher einging und sie verteidigte, dies der beste Weg war, um dies zu tun. Er wusste, dass einigen großen Gelehrten seiner Zeit dieses Buch gefallen würde und dass sein Buch vielleicht mit diesem Thema die geschlossenen Akten von Sayyida az-Zahras (a) Fall in den Augen dieser Gelehrten wieder öffnen wird. (Es wird berichtet, dass er erst elf Jahre jung war, als er dieses Buch geschrieben hatte.)

Sozialer und politischer Aktivismus

Shaheed al-Sadr war einer dieser Gelehrten, die sich nicht auf den Bereich des Wissens reduzierten. Er fühlte sich für das Leben seiner Mitmenschen verantwortlich. Er nahm die Verantwortung der Gesellschaft auf sich. Er musste sich mit dem System des Tyrannen Saddam auseinandersetzen.

Sayyed Kamal al-Haideri (h) erzählte uns einmal, dass er Shaheed al-Sadr während seines Hausarrests traf. Er wollte nur ein paar Leuten die Erlaubnis geben, ihn zu treffen. Sayyed Kamal al-Haideri sagte zu Shaheed al-Sadr, dass er er sich bis zum äußersten aufopferte, aber es würde keine Früchte in diesem Land tragen. Der Irak wird nicht hochkommen. Jeder wusste, dass Shaheed al-Sadr die Absicht hatte, sich selbst dafür zu opfern. Sayyid Kamal sagte, dass Shaheed al-Sadr seine Absichten mit einem Satz zusammenfasste, einem seltsamen Satz: „Jede Nation benötigt einen (Imam) Hussein, um eine Revolution zu machen.“ Jede Nation muss das reinrassige Blut eines Imam Husseins (a) vergießen. Sie würden ein Opfer bringen müssen. Er stimmte zu der Hussein seiner Ära zu sein. Er wusste, dass sie nicht sofort wachsen würden, aber seine Kinder würden nach ihm wachsen. Sein Blut würde Früchte tragen!

Shaheed al-Sadr wusste, dass sein Blut nicht vergeblich vergossen werden würde. Er würde sich opfern und langsam aber sicher, würde die Jugend aufwachen.  Im Zeitraum von 1987-89 trafen ich die Iraker und verbrachten Zeit mit ihnen. In diesen 2-3 Jahren verbrachte ich viel Zeit mit den Irakern. Damals waren acht Jahre seit seinem Martyrium vergangen.  Zu dieser Zeit begann die Jugend aus ihrem Schlaf zu erwachen und aus ihrem Zustand der Teilnahmslosigkeit. Zu dieser Zeit erwachte das Bewusstsein der Jugend und ein Gefühl von Selbstrespekt. Die Leute, welche mit Shaheed al-Sadr arbeiteten, erkannten, welch einen großen Verlust sie dadurch erlitten hatten, dass sie ihn verloren hatten.

Shaheed al-Sadr war ein Mann der Tat. Die islamische Dawa Partei (Hizb ud-Daa’wa), die Gruppe mit der er im Zusammenhang stand wurde bereits vor ihm gebildet.  Sie wurde im Jahr 1957 von einigen sehr achtsamen und frommen Leuten gegründet. Shaheed al-Sadr begann seine volle Unterstützung zu geben und versuchte um 1968 als er ihr beitrat sein Bestes, um sie intellektuell stark zu machen. Während er für die islamische Dawa Partei arbeitete, brachte er für gewöhnlich ein Magazin heraus, welches „Risalah al-Islamiyah“ (die islamische Botschaft) genannt wurde. Innerhalb kürzester Zeit war dieses Magazin verboten. Die Artikel, welche er für dieses Magazin schrieb, wurden zusammengestellt und als ein Buch, genannt „Risâlatuna“ (Unsere Botschaft), veröffentlicht.

Dieses Buch handelt sehr viel über Sozialarbeit und Aktivismus, das heißt, wie wir unsere gesellschaftlichen Bemühungen fortsetzen sollen. Wie wir in unseren Gesellschaften arbeiten sollten, welche Methoden wir nutzen sollten, was in verschiedenen Gesellschaften gemacht wurde als die Schiiten dorthin kamen, wie diese Bestrebungen fortgesetzt wurden u. s. w. Es ist ein sehr gutes Buch für jemanden, der etwas über einige der grundlegenden Prinzipien, wie man für eine Gesellschaft arbeitet, erfahren möchte.

Khilafat al-Ummah

Shaheed al-Sadr vertrat in politischen Angelegenheiten eine Ansicht, welche Khilafat al-Ummah genannt wurde. Die westlichen Denker versuchen immer zu zeigen, wie zwei Philosophen gegensätzliche Ansichten haben. Deshalb erfanden sie einen falschen Widerspruch, der wie sie behaupteten zwischen Khilafat al-Ummah und dem Konzept von Wilayat al-Faqih existiert. Jedenfalls waren diese Behauptungen Unsinn.

Shaheed al-Sadr wollte mit Khilafat al-Ummah ausdrücken, dass Allah die menschlichen Wesen erschaffen hatte, damit sie seine Statthalter auf Erden sein würden. Er sagte, dass die Menschheit den Eid und diese Position erfüllen wird bis ihre Führung in die Hände eines fällt, der die Religion kennt. Mit anderen Worten, wenn Menschen es anstreben, ihre Position als ein Stellvertreter Allahs zu behalten, muss die Führung der Gesellschaft in den Händen eines frommem Individuums liegen, einem Rechtsgelehrten (Faqîh). Dieses Konzept der Führerschaft über die islamische Nation ist von der Tatsache abgeleitet, dass Allah der einzige Herrscher über alles ist (Khilafat al-Illahiyah). Um der Statthalter des Herren zu werden, musst du dich stets auf dem Pfade Allahs befinden.

Er stand an vorderster Front, um zu opfern und um den ganzen Irak einzuladen, Imam Khomeinis (r) Beispiel zu folgen. Der Grund dafür war vielleicht die Tatsache, dass der Irak das Land war, das das Potenzial hatte, am meisten von Imam Khomeinis Sichtweise beeinflusst zu werden. Vielleicht ist dies der Grund, warum die Feinde den Krieg im Irak begannen.

Nichtsdestotrotz hörte die Arbeit, die Shaheed al-Sadr begann, nach ihm nicht auf. Die islamische Dawa Partei setzte die gute Arbeit fort. Sie sagten, dass die Anhänger von Imam Hussain (a) nach seinem Martyrium nicht mehr leben wollten. Auf eine ähnliche Art und Weise fühlten die Anhänger von Shaheed al-Sadr, dass der Sinn ihres Lebens nicht mehr existierte.

Monument von Shaheed Mohammad Baqir al-Sadr (r) in Moskau
Monument von Shaheed Mohammad Baqir al-Sadr (r) in Moskau

Die Menschen liebten diese große Persönlichkeit wahrlich. Sie verstanden die Bedeutung seines Namens und waren bereit ihr Leben für ihn zu geben. Im Jahre 1970 wurde die islamische Dawa Partei unter der Führung von Shaheed al-Sadr mächtiger. Im Jahre 1972 verbot die irakische Regierung seine Magazine. Im Jahre 1973-74 warf die Baath-Regierung die Partei nieder und 75 der Topführer der islamischen Dawa-Partei fanden den Märtyrertod. Im Jahre 1977 war die Partei verboten, genauso wie den arabischen Aufmarsch, den sie jedes Jahr zu organisieren pflegten. Im Jahre 1980 wurde klar, dass die Regierung vorhatte  Shaheed al-Sadr zu töten. Bei vielen Gelegenheiten wurde er ins Gefängnis geworfen und dann wieder freigelassen. Er wurde ununterbrochen gefoltert. Es gab keinen Augenblick, in dem er nicht schwerer Folter ausgesetzt war –  geistig, körperlich und psychisch. Für gewöhnlich mobilisierte seine Schwester Aminah (auch als „Bint al-Huda“ bekannt) Leute und führte in seiner Abwesenheit seine Arbeit fort, wenn er sich im Gefängnis befand.

Sein Märtyrertod

Im Februar 1980 kam Shaheed al-Sadr zum letzten Mal ins Gefängnis. Es wurde entschieden, dass er zusammen mit Bint al-Huda hingerichtet werden sollte. Es gab Dinge, die den Frauen im Gefängnis angetan wurden, die ich nicht einmal beschreiben kann, weil es zu beschämend und peinlich für mich ist es zu tun. Nicht ein oder zwei Fälle, zehn von tausend Fällen. Bei Gott, die wahre Natur der Gräueltaten von Saddam ist der Welt noch nicht verraten worden.

Amina-Bint-al-Huda

Bint al-Huda wurde mit Shaheed al-Sadr zu solch einem Gefängnis gebracht. Saddam befahl sie beide hinzurichten. Jemand, der Saddam sehr nahe stand, bat Saddam, Ayatollah Baqir al-Sadr zu töten, aber Bint al-Huda zu verschonen. Saddam sagte: “Den Bruder töten und die Schwester leben lassen? Soll ich den gleichen Mist bauen, wie Yazeed es gemacht hat?!“  Wir sagten ihm: „Ja, du hast immer den gleichen Fehler gemacht, den auch Yazeed gemacht hat!“ Er dachte, dass wenn Imam Hussain erst einmal tot wäre, das Thema erledigt wäre. Denkst du du hast gewonnen? Das ist Geschichte. Shaheed al-Sadr verstand die Geschichte nicht falsch. Er wusste, das sein Erbe Früchte tragen würde. Als Saddam gehängt wurde, gab es nur einen Sprechchor den man hörte: „Es lebe Shaheed al-Sadr!“

Warum sollte sein Erbe keine Auswirkungen haben?!  Fromm, gottesfürchtig, Marja, Gelehrter, Wissen und Taqwa (Gottesfurcht), er hatte das alles und mehr. Warum sollte sein Erbe nicht Resultate erzeugen?! Das Erbe musste seine Wirkung zeigen. Warte nur ab, die Auswirkungen seines Erbes offenbaren sich immer noch. Das ist nur der Anfang. Das ist nur der Anfang der Reise der Liebe. Das ist nur der Anfang vom Sieg. Es wird noch viel passieren.

Jene, die sich weigerten Shaheed al-Sadr zu helfen, sind im Diesseits herabgewürdigt worden und sie sind immer noch eine Schande. Und jene, die sich unter seinen Befürwortern empfanden, wurden geehrt und man erinnert sich immer noch an sie im hohen Maße. Sayyid Baqir al-Hakim (r) war einer seiner Unterstützer. Er war einer von Shaheed al-Sadrs befreundeten Studenten. Deswegen bekam er die höchste Ehre des Martyriums. „Jemand der uns unterstützt wird das Martyrium erlangen, jemand der uns nicht unterstützt, dem wird nie Ehre zuteilwerden“, sagte der Meister des Martyriums Imam Hussain (a).

Wie starb Shaheed al-Sadr den Märtyrertod? Höchstwahrscheinlich wurde er nach unmenschlicher Folter durch Nägel getötet, die durch seine Haut geschlagen wurden. Die Körper von ihm und seiner Schwester wurden dann verbrannt. Danach wurden ihre Körper seiner Familie übergeben. Noch in der gleichen Nacht wurden sie begraben.

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Handlungen für jeden Tag im heiligen Monat Rajab https://bufib.de/handlungen-fuer-jeden-tag-im-heiligen-monat-rajab/ Fri, 08 Apr 2016 12:42:55 +0000 http://bufib.de/?p=1544 Die folgenden Handlungen sind allgemeine, die für jeden Tag im heiligen Monat Rajab bestimmt sind:

1. Das folgende Bittgebet hat, gemäß der Überlieferung, Imam Zain al-A’bidîn (a) täglich in diesem heiligen Monat rezitiert:

Deutsch

„Im Namen Allahs des Gnädigen, des Barmherzigen. O! Derjenige, der die Herrschaft über die Erfüllung der Begehren derjeniger, die Dich anflehen hat! Und Der weiß was in den Herzen derjeniger ist, welche ruhig bleiben. Jede Bitte wird durch Dich erfüllt und für dessen Antwort ist vorgesorgt. O Allah! Deine Versprechen sind wahr, Deine Segen reiclich, und Deine Barmherzigkeit allumfassend. So flehe ich Dich an, segne Muhammad und die Familie von Muhammad und erfülle meine Begehren in dieser Welt und in der Welt die danach kommt. Wahrlich, Du hast die Macht über alles.

Transliteration

„BISMILLA HIR RAHMA NIR RAHIM „Ya man yamliku hawa2ijas-sa2ilina wa ya3lamu damiras-samitina. Li kulli mas2alatin minka sam3un hadirun wa jawabun 3ateedun Allahumma wa mawa3idukas sadiqatu wa ayadikal fadilato wa rahmatukal wase3atu fa 2as2aluka an tusalliya 3ala Muhammadin wa Aale Muhammadin wa an taqdiya hawa2ji liddunya wal Achirati innaka 3ala kulli schaiy2in Qadir.


2. Dieses Bittgebet hat Imam as-Sâdiq (a) täglich im heiligen Monat Rajab rezitiert:

Transliteration 

BISMILLA HIR RAHMA NIR RAHIM

Khabal Wafedoona `ala ghaireka wa khaseral muta arrezoona illa laka waza`al mullimmoona illa beka wa ajdabal muntaje`oona illa man intaja`a fazlaka baboka maftoohun lir raghebeena wa khairoka mabzoolun littalebeena wa fazloka mubahun lis-sa`eleena wa nailoka mutabun lil `aameleena wa rizqoka mabsootun leman  `asaka wa hilmoka mo`tarezun leman nawaka adatokal ehsano ilal musi-eena wa sabeelokal ibqa`o alal mo `tadeena.  Allahumma fadeni hudal mohtadeena warzuqni ijtehadal mujtahedeena wa la taj`alni minal ghafeleenal mub `adeena waghfirli yaumaddeen.


3. Dieses Bittgebet wird ebenfalls von Imam as-Sâdiq (a) überliefert: 

Deutsch

Im Namen Allahs des Gnädigen des Barmherzigen

O mein Allah! Ich flehe Dich um die Haltung und Selbstbeherrschung der Dankbaren, um die Bereitschaft der Behutsamen in Ehrfurcht vor der Ehrerbietung dir gegenüber, um den sicheren, gewissen Einsatz der Anbeter.

O mein Allah! Du bist der allmächtigste und ich bin Dein Diener, ein armer, elender Bedürftiger, Du bist der lobenswerte der genug hat, und über allen Bedürfnissen steht, und ich bin der bedeutungslose, unwichtige Abhängige.

O Allah, sende Segnungen auf Muhammad und auf die Kinder von Muhammad, zeige Deine Gnade und gewähre mir Deine Unterstützung, aufgrund Deiner grenzenlosen Zulänglichkeit in meiner Not; aufgrund Deiner Nachsicht bei meiner Unwissenheit; aufgrund Deiner Macht bei meiner Schwäche, O Mächtiger! O Allmächtiger! O mein Allah, sende Segnungen auf Muhammad und seine Nachkommenschaft, die anerkannten, lobenswerten Nachfolger und befreie mich von dem was mein Herz bricht und mich trübt mit Sorgen in weltlichen Angelegenheiten und über mein Schicksal am Tag des jüngsten Gerichts, o Allbarmherziger!

Transliteration

Bismillah al rahman al rahim. Allahumma inni as-aluka sabrasch-schakirina laka, wa 3amalal cha2ifina minka, wa yaqina al 3abidina laka. allahumma anta al 3aliyul 3azimu, wa-ana 3abduka alba2isul faqiru, anta alghaniyul hamidu, wa-ana al 3abdu althalilu. allahumma salli 3ala muhammadin wa-alihi wamnun bighinaka 3ala faqri, wabihilmika 3alai jahli, wabiquwwatika 3ala da3fi, ya qawiyyu ya 3azizu. allahumma salli 3ala muhammadin wa-alihi al-awsiya3il-mardiyyina, wak-fini ma ahammani min amrid-dunya wal 2akhirati ya arhama arrahimina.


4. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


5. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


6. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


7. Von Imam as-Sâdiq (a) wird überliefert, dass man folgendes Bittgebet jeden Morgen und Abend und nach jedem Gebet im heiligen Monat Rajab rezitieren sollte:

Transliteration

BISMILLAHIR-RAHMAANIR-RAHEEM.  ALLAHUMMA SWALLI `ALAA MUHAMMADINW WA-AALI MUHAMMAD.

YAA MAN ARJOOHOO LIKULLI KHAYR WA-AAMANU SAKHATAHOO `INDA KULLI SHARR YAA MANYU`TIL-KATHEERA BIL-QALEEL YAA MANYU`TEE MAN SA-ALAH YAA MANYU`TEE MAN LAM YAS-ALHU WA-MAL-LAM YA`RIFHU TAHANNUNAM MINHU WARAHMAH A`TINEE BIMASALATEE IYYAAK JAMEE`A KHAYRID-DUNYAA WAJAMEE`A KHAYRIL-AAKHIRAH WASRIF `ANNEE BIMAS-ALATEE IYYAAK JAMEE`A SHARRID-DUNYAA WASHARRIL AAKHIRAH FAINNAHOO GHAYRU MANQOOSIN MAA A`TAYT WAZIDNEE MIN FADHLIKA YAA KAREEM

YAA DHALJALAALI WALIKRAAM    YADHANNI`MAAI WALJOOD   YADHAL-MANNI WATTAWL   HARRIM SHAYBATEE `ALAN-NAAR.


8. Mindestens 100 mal folgendes sagen:

„Astaghfirulaahallad’ee Laa ilaaha illaa huwa Wah’dahoo laa shareeka lahoo wa atoobu ilayh“


9. Folgendes 1000 mal im heiligen Monat Rajab sagen:

„Laa ilâha illAllah“


10. Folgendes 1000 mal im heiligen Monat sagen:

„Astaghfirullaha z’al-jalâli wal-ikrâm, min jamî‘ az‘-z’unûbi wal-âthâm“


11. Sure al-Ikhlâs‘ („Qul HuwAllahu Ah’ad…) 100 mal mindestens rezitieren


12. Fasten: Mindestens einen Tag sollte man in diesem heiligen Monat fasten. Es wird überliefert, dass es in diesem Monat besonders empfohlen ist am Donnerstag, Freitag und Samstag zu fasten. 


13. 60-Gebetsabschnitte-Gebet: Es ist empfohlen, auf den gesamten Monat Rajab verteilt, 60 Gebetsabschnitte (rik’ah) zu verrichten. Immer in zwei-Gebetsabschnitten-Gebeten, d.h. 30 mal je ein Gebet mit zwei Gebetsabschnitten. In dem ersten Gebetsabschnitt rezitiert man nach der Fatiha die Sure al-Kâfirûn(Sure 109) drei mal und im zweiten Gebetsabschnitt nach der Fatiha die Sure al-Ikhlâs (Sure 112) ein mal. Nach dem Beenden des Gebets rezitiert man folgendes Bittgebet:

„Laa ilaaha illallaahu wah’dahoo laa shareeka lahoo lahul mulku wa lahul h’amdu yuh’yee wa yumeetu wa huwa h’ayyun laa yamootu bi-yadihil-khayr wa huwa a’laa kulli shay-in qadeer wa ilayhil mas’eer wa la h’awla wa la quwwata illaa billaahil a’lyyil a’zeem Allahumma s’alli a’la mohammadinin nabiyyil ummiyy ua aalih“

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Der heilige Monat „Rajab“ https://bufib.de/der-heilige-monat-rajab/ Fri, 08 Apr 2016 11:13:16 +0000 http://bufib.de/?p=1540 Der Monat Rajab und die beiden darauffolgenden Monate Sha’bân und Ramadân sind die drei heiligsten Monate im islamischen Mondkalender. In den Überlieferungen des Propheten Mohammad (s) lesen wir über viele Vorzüglichkeiten und Taten, die mit diesen Monaten verbunden sind. Er (s) sagte: „Rajab in der Monat Allahs, Sha’bân ist mein Monat und Ramadân der Monat meiner Gemeinschaft (ummah).“ 

Über die Bedeutung des Wortes „Rajab“ wird folgendes berichtet: „Rajab ist ein Fluss im Paradies, der weißer ist als Milch und süßer als Honig. Wer darin (im Monat Rajab) einen Tag fastet, dem lässt Allah, erhaben ist Er, von diesem Fluss trinken.“ 

Mit dem Eintritt in den heiligen Monat Rajab fängt eine besonders spirituelle Zeit im Islam an. Es wird überliefert, dass dieser Monat der Beginn einer ganz besonderen Barmherzigkeit und Gnade Allah, des Erhabenen, ist. Es ist eine Zeit der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit. Es ist eine Zeit der Reue und des Neuanfangs. Es ist eine Zeit des, in der man seinem Nächsten besondere Liebe und Barmherzigkeit zeigt. Sei es die Familie, Freunde oder Nachbarn. Lass uns gemeinsam unser „Ich“ stärken, indem wir es an den Schöpfer binden, denn nur durch die Liebe zum Ursprung ist unser Leben vollkommen. Eine Bindung mit Gott hat jedoch eine ganz elementare Voraussetzung: Aufrichtigkeit. Aufrichtigkeit bedeutet, dass man etwas aus Liebe zu jemanden tut. Und jede Handlung sollte auf Aufrichtigkeit für Allah, dem Erhabenen, basieren.  

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man einem Menschen verzeihen kann.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man keinen Streit schürt.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man respektvoll mit jeder Kreatur des Universums umgeht.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man bereut.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man einander zuhört.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man gerecht ist.

Aufrichtigkeit bedeutet, dass man ehrlich zu sich selbst ist.  

Möge Allah, der Erhabene, uns Menschen aufrichtiger machen und Eure und unsere Taten, besonders in diesen heiligen Monaten, akzeptieren.

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Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a) https://bufib.de/imam-musa-bin-ga%ca%bffar-al-kaz%cc%a3im-a/ Thu, 19 Nov 2015 19:59:49 +0000 http://bufib.de/?p=1719 Überblick 

Geburt: Er (a) ist am Sonntag, den 7. Ṣafar 128 n.H. in Al-ʾAbwāʾ (eine Stadt zwischen Mekka und Medina; wird manchmal auch Widān genannt) 

Martyrium: Er (a) ist am 25. Rajab 183 n.H. – D.h. mit 54 Jahren – an den Folgen eines Vergiftungsanschlages in Bagdad im Gefängnis von As-Sindiy bin šāhik Märtyrer geworden. 

Beinamen: Al-ʿAbd aṣ-Ṣāliḥ, al-Kāẓim, Aṣ-Ṣābir, Al-ʾAmīn, Bāb al-Ḥawāʾiǧ, Ḏū an-Nafs az-Zakiyah, Zayn al-Muǧtahidīn, al-Wafiy, al-Maʾmūn, Aṭ-Ṭayib 

Kunya: Abū ʾIbrāhīm, Abū ʿAlī, Abū ʾIsmāʿīl, Abū al-Ḥasan al-ʾAwwal

Grab: Bagdad in den Quraisch-Gräbern

Allgemeine Lage 

Die Abbasiden verfolgten die Familie und Anhänger Imam Alis (a), die auch in der Geschichte als Aliden (arab. ʿAlawīyūn) bezeichnet werden, und versuchten sie in der gesamten islamischen Welt ausfindig zu machen, aus Angst vor Aufständen und Revolutionen. Außerdem kannten die Abbasiden den hohen Stand jener Leute, die Imam Hussein (a) und die Ereignisse von Kerbala zum Vorbild hatten. Es gab schon seit der Anfangszeit der Dynastie der Abbasiden viele aus den Reihen der Schia, die das Kalifat Abī al-ʿAbbās as-Saffāḥs (dem Begründer dieser Dynastie) ablehnten und dadurch bekämpft wurden. Die Abbasiden waren bekannt für ihre Gewalt und Ideenlust beim Töten. Einige von ihren Opfern wurden für längere Zeit in einem verdunkelten Gefängnis eingesperrt und dann darin lebendig eingeschüttet, wiederum andere wurden lebendig begraben. Der Begründer der Abbasiden-Dynastie Abū al-ʿAbbās war unter dem Beinamen as-Saffāḥ bekannt, was soviel bedeutet wie „der Blutvergießer“. Zudem wurden ihre Gegner, die hauptsächlich die Schiiten waren, verfolgt, beobachtet und abgehört, so dass sie über all ihre Bewegungen im Klaren waren. Ein weiteres Element der Bekämpfung der Schiiten war, dass das abbasidische Regime spezielle Denkströmungen und Gruppierungen, wie die Ghulāt (Übertreiber) und Freidenker (az-Zanādiqah), zugelassen und ihre Verbreitung unterstützt hat, um das allgemeine Volk vom mohammedanisch-islamischen Weg abzuhalten und zu verwirren. Dies sind die Anfangsstunden des „Soft Power“ bzw. „Soft war“ gegen die Schiiten. 

Unter den berühmtesten Opponenten, die das Martyrium erfuhren, waren u.a. Muḥammad bin ʿAbdullah bin al-Ḥasan an-Nafs aḏ-Ḏakiyah (gest. 145 n.H.), Al-Ḥusain bin ʿAli bin al-Ḥasan auch bekannt als „Shahīd Faḫḫ“ (gest. 169 n.H.) und natürlich der edle Imam Mūsā al-Kāẓim (a), der mehrere Jahre in den verschiedensten Gefängnissen der Abbasiden in Gefangenschaft lebte. 

In dieser Zeit war ein ausschweifender Lebenswandel und Frevel weit verbreitet. Alkoholgenuss, Respektlosigkeit und Prostitution waren an der Tagesordnung, vor allem im Herrschaftshaus der Abbasiden selbst. Das Staatsgeld (Fiskus; arab. Bayt al-Māl) wurde für die eigenen Bedürfnisse des Kalifats ausgegeben, wie z.B. für Sänger und Sängerinnen, Frauen und Ähnliches. Die Allgemeinheit der damaligen Gesellschaft war dagegen sehr arm. 

Geburt und Herkunft 

Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a) ist der siebte Imam, der Sohn vom sechsten Imam, Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a). Seine Mutter ist eine edle Frau namens „Ḥamīdah“, die einen sehr starken Glauben und großes Wissen aufwies. Viele Frauen hatten von ihr profitiert. Ihr Ursprungsort ist umstritten, einige meinen sie sei aus Marokko, wiederum andere schreiben, sie sei eine Römerin oder aus Barbar (Stadt im Sudan) bzw. aus einem spanischen Gebiet. Jedoch nehmen die Historiker am stärksten an, dass sie aus Nordafrika kam. Sie wurde von Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a) persönlich unterrichtet, wodurch sie aus erster Quelle zu einer großen Lehrerin und Rechtskennerin wurde, außerdem gehörte sie zu den großen weiblichen Intellektuellen ihrer Zeit. 

Am 7. Ṣafar im Jahre 128 n.H. (745 n.Chr.) durfte die Menschheit den edlen Imam (a) in einem Ort namens Al-ʾAbwāʾ erblicken. Al-ʾAbwāʾ ist eine Stadt zwischen Mekka und Medina, wo auch Amina, die Mutter des Propheten Muhammad (s), gestorben ist. 

Primäre Konflikte 

Die beiden edlen Imame Al-Bāqir (a) und Aṣ-Ṣādiq (a) verbreiteten und lehrten die ursprüngliche islamische Lehre und legten die Grundlagen und Wissenschaften fest. Sie hatten viele verschiedene Bildungsmethoden angewandt, sei es der Privatunterricht, Ansprachen in den Gotteshäusern oder der klassische universitäre Unterricht. Die Zeit von Imam al-Kāẓim (a) war jedoch eine andere, denn die politische Lage ließ eine wissenschaftliche Bildungselite nicht zu, im Gegenteil, sie wurde sogar bekämpft. Damit war ein politischer Konflikt unabdingbar. Er hatte mit mehreren politischen Bewegungen begonnen. Ein revolutionärer, militärischer Aufbruch war jedoch nicht in Frage gekommen, da die Gesellschaft dafür nicht geeignet war. Die Mehrheit der Gesellschaft war von Frevel und Heuchelei oder Furcht vor dem Regime geprägt.[1. Aš-šaykh al-Kūlaīnī, al-Kāfī, Band 1, Seite 366] Eine Wirkung dieser Lage war, dass nur wenige Imam al-Kāzim (a) das Recht der Führerschaft (imāmah) zusprachen und der Großteil des Volkes – aus Furcht – dem Kalifat der Abbasiden stillschweigend ihre Treue erwiesen. Vor allem aber wurde von den damaligen Ministern und vom Kalifen selbst, alles dafür getan, dass dies so blieb. Die Abneigung des damaligen Kalifen Hārūn ar-Rashids gegenüber dem Imam (a) und den Imamen (a) an sich, kann man u.a. an folgender Begebenheit feststellen. Eines Tages besuchte Hārūn mit einer Delegation von Ministern und anderen wichtigen Staatspersönlichkeiten das Grab des Propheten (s), wobei Imam al-Kāẓim (a) ebenfalls anwesend war. Hārūn sagte dem Prophetengrab zugewandt: „Der Frieden sei mit dir oh Cousin (Sohn des Onkels).“ Damit prahlte er vor den Anwesenden und dachte, dass dadurch sein Kalifat höheres Ansehen und Legitimität erränge. Jedoch sprach dann der Imam (a) seinen Friedensgruß: „Der Friede sei mit dir oh Vater.“ Dieser Satz ließ Hārūn ar-Rashīd seinen Verstand verlieren und wütend werden: „Wieso sagst du, dass du dem Gesandten Gottes näher bist als wir?“ Daran kann man die Boshaftigkeit und den Neid Hārūns gegenüber die Imame (a) erkennen. Imam al-Kāẓim (a) entgegnete: „Wenn der Gesandte Gottes lebend zurückgeschickt worden wäre, und die Heirat mit deiner Ehrenwerten (d.h. Tochter) wünschte, würdest du dem einwilligen?“ Hārūn sagte: „Gepriesen sei Gott! Wahrlich, ich wäre darüber stolz gegenüber den Arabern und Nichtarabern.“ Der Imam (a) sagte: „Er (der Gesandte Gottes) würde von mir (meinen Töchtern) nicht die Heirat erfragen, und ich würde sie ihm auch nicht zur Heirat freigeben, denn er ist unser Vater und nicht euer Vater. Daher sind wir ihm näher als ihr ihm.“[2. Al-Qarašī, Ḥayāh al-ʾImām ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 78]

Dem Imam (a) war es mit der Hilfe einiger seiner Schia gelungen, in das Regierungszentrum zu gelangen, indem er (a) Spitzel einsetzte. Dadurch war es dem Imam (a) und seinen engen Anhängern möglich, die Schritte und Regierungsentscheidungen zu erfahren und daraufhin einen weiteren Blick in das politische Geschehen von Innen zu bekommen. Und wenn das nicht immer möglich war, dann mindestens, um Unterdrückten im Volke zu helfen, falls sie mitbekamen, dass ein Urteil über sie ausgesprochen werden soll. Einer dieser Vertrauensmänner (V-Mann) war ʿAlī bin Yaqṭīn, der ein Minister Hārūns war. Bei Hārūn selbst war er ebenfalls sehr angesehen, so sehr, dass er üppige Geschenke von ihm bekam. ʿAlī bin Yaqṭīn hatte von Hārūn ein luxuriöses Obergewand geschenkt bekommen, das ʿAlī – aus Liebe zum Imam (a) – sofort dem Imam (a) schenken wollte. Doch der Imam (a) erwiderte, dass er darauf aufpassen und es nicht aus seiner Hand geben soll, da ihm eine Sache widerfahren wird, in der er dieses Obergewand benötigt.[3. Al-ʿAllāmah al-Maǧlisī, Biḥār al-ʾAnwār, Band 48, Seite 137] Tatsächlich sollte dieser Tag kommen. Ein Arbeiter des Regierungsapparates berichtete Hārūn über die „Untreue“ ʿAlī bin Yaqṭīns, weil dieser dem Imam (a) jenes Kleidungsstück geschenkt hätte. Woraufhin Hārūn ihn vorlud, um herauszufinden, was er damit gemacht hat. ʿAlī bin Yaqṭīn antwortete jedoch, dass er das Obergewand „natürlich“ bei sich habe. Nachdem er es Hārūn zeigte, wurde Hārūn erzürnt über seinen Arbeiter und tadelte ihn. 

Imam Mūsā al-Kāẓim (a) hat seine Ablehnung gegenüber die illegitime herrschende Führung der Abbasiden nicht versteckt, sondern im Gegenteil, er hat sie öffentlich erkennbar gemacht. Dies stärkte Hārūn in seinem schon vorhandenen Hass gegenüber den Imam (a) und seine Schia. Hārūn ar-Rashīd hatte an sich ein Problem mit allen Persönlichkeiten, die einen hohen Stand in der Gesellschaft genossen. Allein schon das bloße Reden in seiner Anwesenheit über eine große Person hat ihn aufgeregt und dies sofort unterbunden. Dies kann auch an der Beseitigung und Auslöschung der Barmakiden sehen. Sie hatten unter dem abbasidischen Herrscher Hārūn ihre Blütezeit und wurden seine engsten Vertrauten und erhielten Funktionen im Staatsapparat. Bis sie jedoch ihren Namen unter den Menschen verbreiteten und einen gewissen Rang erreichten. Dennoch gebührte den Aliden (Schia) der eigentliche Hass und Neid Hārūns. Immer wieder ließ er (und seine Vorgänger) ihre Anhänger auf die übelste Art und Weise verfolgen und hinrichten. Und natürlich war der Edelste unter ihnen, Imam Mūsā al-Kāẓim (a), zu seinem Staatsfeind Nummer Eins geworden. Immer signifikanter und ersichtlicher wurde sein Einfluss und Vorbildcharakter in der Gesellschaft. Dies war der Hauptgrund gegen ihn (a) vorzugehen. Einige Hofierer Hārūns verleumdeten den Imam (a), indem sie falsche Informationen über ihn (a) verbreiteten und Hārūn damit provozierten. Schließlich wurde der Imam (a) 179 n.H. im Monat Schawwāl festgenommen und eingesperrt. Dies passierte in der Prophetenmoschee in Medina, als Imam al-Kāẓim (a) dort sein Gebet verrichtet. Als er (a) noch im Gebet vertieft war, ergriffen sie ihn (a), wurde gefesselt und weggebracht. Der Imam (a) beklagte sich beim Propheten (s) über seine Festnahme. Die Emotionen des Imam (a) lösten aus, dass die Menschen anfingen, zu weinen und dass es eine große Unruhe gab. [4. Maāqib aš-šīʿah, Band 2, Deite 385; ʿUyūn ʾAḫbār ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 208, Ḥadīṯ 85]

Der Imam (a) wurde nach Basra (Irak) in ein Gefängnis gebracht, das von ʿIsā bin Ǧaʿfar al-ʿAbbāsī geführt wurde. Er (a) wurde hineingebracht und hinter ihm (a) die Schlösser verriegelt. Hārūn hat ʿIsā empfohlen, den Imam (a) sofort umzubringen, was ʿIsa jedoch erst mit seinen Vertrauten besprechen wollte. Diese rieten ihm davon ab und daraufhin hat er es unterlassen. Dem Abbasidenherrscher war diese Entscheidung jedoch zu milde, woraufhin er Imam al-Kāẓim (a) nach Bagdad verlegte, um bei Al-Faḍl bin ar-Rabīʿ unter Hausarrest zu stehen. Nach längerer Zeit wurde der Imam (a) aus der Gefangenschaft freigelassen und war in Bagdad auf freiem Fuß. Als jedoch auch in jener Stadt die Vorzüge und edlen Charaktereigenschaften des Imams (a) bekannt und unter den Menschen ersichtlich wurden, war dies der Grund für Hārūn den Imam (a) ein weiteres Mal einzusperren. Diesmal sollte er (a) bei einem Mann namens Al-Faḍl bin Yaḥyā al-Barkamiy unter Hausarrest stehen. Als dieser jedoch die tiefgründigen Gottesdienste und das demütige Gedenken Gottes des Imams (a) mitbekam, wurde er davon angezogen und wurde milde mit dem Imam (a). Hārūn wiederum empfahl auch ihm seinen „Häftling“ zu töten, was dieser jedoch ablehnte und erzürnte damit den Kalifen. Es sollte nun zum letzten Wechsel des Gefängnisses kommen. Hārūn befahl den Imam (a) in das Gefängnis von As-Sindiy bin Schāhik zu bringen und dabei solle er (a) den schlimmsten Bedingungen ausgesetzt sein. As-Sindiy war herzlos und gehorchte dem abbasidischen Herrscher, was ihn dazu brachte, dass er den Imam (a) mit mehreren sehr schweren Eisenstücken ankettete, die Tür hinter ihm (a) verschloss und diese nur für die rituelle Waschung wieder öffnete. Dies sollte As-Sindiy jedoch nicht reichen, so nutzte er jede Möglichkeit, um dem edlen Imam (a) zu schwächen und zu quälen. 

Trotz all der Schwierigkeiten und Schwächungen im Gefängnis war Imam Mūsā al-Kāẓim (a) stets mit dem Gottesdienst beschäftigt. Am Tage fastete er (a) und Nachts stand er (a) im Gebet. Erwähnenswert ist vor allem auch die Verbindung des Imams (a) zu den Gelehrten der Gesellschaft trotz seiner strengsten Gefangenschaft. Ein Beispiel war Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy. Ihm wurde es gestattet den Imam (a) geheim zu besuchen, dies, weil er der Lehrer der Kinder As-Sindiys war.[5. Maḥmūd as-Saif, Al-Waǧīz fī Taʾrīḫ al-Islam, Band 3, Seite 220 2 Iḫtiyār Maʿrifah ar-Riǧāl, Seite 598, Ḥadīṯ 1119] Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy hat aus den gesammelten Gesprächen mit dem Imam (a) ein Buch verfasst und unter den Menschen verbreitet. Interessant ist auch, dass selbst die Kinder von As-Sindiy danach vom Führungsauftrag Imam Alis (a) überzeugt waren und die restlichen Imame (a) als ihre Imame (a) akzeptiert hatten.2 Weiterhin hat Imam al-Kāẓim (a) auf die Fragen der Menschen geantwortet, jedoch ist dies in Gefangenschaft sehr schwierig, so hat er (a) auch Bevollmächtigte ernannt. Jene waren einige seiner Schüler und Anhänger, die er für bestimmte Gebiete beauftragt hat die religiösen und allgemeinen Fragen der Menschen zu beantworten. Zudem waren einige von ihnen Stellvertreter des Imams (a), um sich um die finanziellen Rechte des Volkes zu kümmern. Ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt war die öffentliche Ernennung des Imams (a) nach ihm (a), damit kein Zweifel darüber besteht oder etwa dieses Thema politisch ausgenutzt werden könnte, wie es schon zuvor gemacht wurde. Der Imam (a) hat seinen Sohn Imam ʿAlī ar-Riḍā (a) schriftlich und mündlich zum Nachfolger ernannt. 

Trotz aller Strapazen und Schmerzen war es der Glaube an Gott und absolute Hingabe im Gebet, was den Imam (a) am Leben hielt. Es sind nun mehrere Jahre in Gefangenschaft vergangen. Die meisten Historiker schreiben, dass Hārūn ar-Raschīd As-Sindiy bin Schāhik empfahl den Imam (a) umzubringen. As-Sindiy war bereit dazu den Imam (a) zu ermorden. Hārūn hat einige vergiftete Datteln an As-Sindiy geschickt, die er dem Imam (a) geben sollte, was er dann auch tat. Der edelste Mensch zu seiner Zeit hatte mit dem Gift zu kämpfen und war stärksten Schmerzen ausgesetzt. Schließlich fand er am 25. Rajab 183 n.H. den Märtyrertod und ging in die Geschichte – für die, die sie unvoreingenommen betrachten – als eine der größten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte ein. Der Friede Gottes sei mit ihm. 

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Der Weg zur Läuterung der Seele https://bufib.de/der-weg-zur-laeuterung-der-seele/ Tue, 27 Oct 2015 16:42:00 +0000 http://bufib.de/?p=1713 Wenn wir daran glauben, dass es notwendig ist nach der Zufriedenheit Allahs, des Erhabenen zu streben und wir wirklich danach streben, so müssen wir einige praktische Schritte befolgen, welche uns die Türen dazu öffnen. Und dazu zählen:

1. Das Streben nach dem Kennenlernen der guten und schlechten moralischen Eigenschaften: Auf dieselbe Weise, auf die der Mensch danach strebt, die Dinge kennenzulernen, die er benötigt um seine weltlichen und diesseitigen Angelegenheiten, wie z.B. seinen Unterhalt in diesem Leben zu regeln, genau so muss er auch danach streben das kennenzulernen, was er benötigt, um seine jenseitigen Angelegenheiten zu regeln. Das, wenn wir nicht davon ausgehen, dass er seinen jenseitigen Angelegenheiten in Wirklichkeit eigentlich noch viel mehr Aufmerksamkeit und Priorität geben müsste.

Der Weg hierfür ist, dass der Mensch das erforscht, was Allah, der Erhabene festgelegt hat für die Reglung der Beziehung zum Schöpfer und für die Beziehung zu den anderen Mitmenschen, seien es die Eltern, die Freunde oder die Gesellschaft im Allgemeinen. Abgesehen davon, dass er das erforschen muss, was Allah, der Erhabene verboten hat, was seine Beziehung zu Gott und zu den anderen angeht.

2. Die Seele an die guten moralischen Eigenschaften angewöhnen: Das Kennenlernen der guten und schlechten moralischen Eigenschaften reicht an sich nicht aus, damit der Mensch die guten Eigenschaften tatsächlich annimmt und die schlechten tatsächlich ablegt oder sich von ihnen entfernt. Vielmehr muss er darauf hinarbeiten, dass er seine Seele schrittweise daran gewöhnt. Wenn er sich daran gewöhnt, die Gottesdienste zu verrichten, und die verbotenen Handlungen zu unterlassen, so wird ihm das den Weg zur Läuterung der Seele erleichtern.

Es wird überliefert, dass der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Wahrlich, sie ist meine Seele, ich zähme sie durch die Gottesfurcht, damit sie am Tage der großen Angst in Sicherheit ist (…).“[1]

3. Die Besonnenheit und Nachdenklichkeit: Der Mensch muss über jede Handlung gut nachdenken, bevor er sie begeht. Es kann sein, dass man eine schlechte Tat verrichtet, nur weil man davor nicht gut durchdacht und zu voreilig gehandelt hat und so verfällt man in eine Sünde. In einer Überlieferung von Imam Ali (a.) heißt es: „Das Nachdenken über die Handlung, schützt vor der Dummheit (…).“ [2]

Das Nachdenken über die Handlung, bevor man sie ausführt verhindert also, dass man in eine Sünde verfällt.

4. Die Wahl guter Freunde und die Fernhaltung von schlechten: Eine der größten und grundlegendsten Bürden, welche im Weg der Läuterung der Seele steht, sind die schlechten Freunde. Genauso ist es eines der größten Gnaden und besten Hilfsmittel für die Läuterung, gute Freunde zu haben. Daher wird in den Überlieferungen Wert darauf gelegt, von schlechten Freunden Abstand zu nehmen. So heißt es über den Fürsten der Gläubigen (a.), dass er sagte: „Hüte dich davor, dich einem schlechten Freund beizugesellen, denn er vernichtet seinen Freund (…).“[3]

Gleichzeitig wird von ihm in einer weiteren Überlieferung großen Wert darauf gelegt, sich den Gelehrten anzufreunden: „Es wundert mich, wie jemand, der danach strebt, sich viele Freunde anzueignen, dass er sich nicht den Gelehrten anfreundet (…)“[4]

5. Das Fernhalten von Dingen, welche zu einer Sünden führen könnten: Der Mensch verfällt dann in die Sünde, nachdem der Teufel die Übel befehlende Seele verführt. Aus diesem Grund muss der Mensch, der daraufhin arbeitet seine Seele zu erziehen und zu läutern, darauf aufpassen, wohin ihn seine schlechten Begierden und Gelüste hinlenken, denn wenn er seiner Seele die Türen öffnet, wenn auch nur in einer begrenzten Weise, so verlangt seine Seele noch mehr und sehnt sich nach mehr. In einer Überlieferung von Imam al-Sadiq (a.) heißt es, dass er sagte: „Das Gleichnis des Diesseits ist gleich dem Meereswasser. Jedes Mal, wenn der Durstige davon trinkt, so wird sein Durst größer, bis er ihn umbringt.“[5] Daher muss man sich von den Orten fernhalten, welche zu Sünden führen könnten.

Weiterhin zählt zu den Methoden der Bewahrung vor dem Begehen von Sünden, die Distanzierung von Orten, an denen der Mensch der Sünde näher ist.

6. Die vollstände Wachsamkeit: Die Stunde der Unachtsamkeit ist es, welche den Menschen dazu verleitet, eine Sünde zu begehen. Die übelbefehlende Seele nutzt diese Stunde, in der der Mensch in einem Schlaf der Unachtsamkeit gegenüber Allah, dem Erhabenen verfallen ist, aus, um ihn dadurch zur Sünde zu verleiten. So heißt es in einer Überlieferung von Imam Ali (a.), dass er sagte: „Wehe jenem, den die Unachtsamkeit überkommen hat, wodurch er die Reise vergessen und sich nicht vorbereitet hat.“[6]

Aus diesem Grund muss der Mensch sich bestens für das Jenseits vorbereiten und sollte nicht vergessen, dass seine Reise den Tod durchlaufen wird und den Übergang vom Diesseits zum Jenseits. So heißt es in einer Überlieferung: „Wie viele Unachtsame gibt es, die ein Kleid nähen, um es anzuziehen, wobei es (in Wirklichkeit) ihr Todesgewand ist und (wie viele) bauen ein Haus, um es zu bewohnen, wobei es (in Wirklichkeit) der Ort ihres Grabes ist.“[7] 

7. Die Hinwendung an Allah, den Erhabenen: Der Mensch muss von Allah, dem Erhabenen erflehen, dass Er ihm bei der Läuterung und Erziehung seiner Seele hilft und beisteht. Daher muss er das Bittgebet als Instrument und Mittel nutzen, wodurch er es schaffen kann, seine übelbefehlende Seele zu besiegen und seine schlechten Angewohnheiten loszuwerden. In einer Anrufung von Imam Zain ul-Abideen (a.) heißt es: 

„Mein Gott, ich erhebe meine Klage zu Dir über eine Seele, die Schlechtes gebietet und zur Sünde eilt, die sich mit Ungehorsam Dir gegenüber begnügt und Deine Missbilligung verursacht. Sie führt mich auf die Wege des Verderbens und macht mich bei Dir zum niederträchtigsten Frevler. Ihre Entschuldigungen sind zahlreich und ihre Hoffnungen unablässig. Wenn ihr Schlimmes zustößt, ist sie voller Klage, doch wenn ihr Gutes widerfährt, gibt sie sich knausrig. Sie neigt zu Spiel und Tand und sinnlosem Zeitvertreib und ist tief in Unachtsamkeit und Vergesslichkeit versunken. So sehr sie mich zur Sünde drängt, hindert sie mich doch an der reumütigen Umkehr.[8]


[1] Nahj ul-Balagha, Band 3, Seite 71

[2] Mizaan ul-Hikmah, Muhammad al-Rishihri, Band 3, Seite 1834

[3] ebd., Band 2, Seite 1583

[4] ebd., Band 2, Seite 1584

[5] Al-Kaafi, Sheikh al-Kulayni, Band 2, Seite 136

[6] Mizaan ul-Hikmah, Muhammad al-Rishihri, Band 3, Seite 2282

[7] Al-Amaali, al-Saduq, Seite 172

[8] Anrufung der Klagenden, Sahifa al-Sajadiyyah

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Die Früchte der Läuterung der Seele https://bufib.de/die-fruechte-der-laeuterung-der-seele/ Wed, 21 Oct 2015 19:45:44 +0000 http://bufib.de/?p=1710 Die Erziehung der Seele und ihre Läuterung tragen Früchte, di sich im Leben des Menschen sowohl im Dies- als auch im Jenseits bemerkbar machen. Zu diesen Ergebnissen zählen:

1. Die Errettung und der Erfolg im Jenseits. Im heiligen Quranvers heißt es diesbezüglich: „Erfolgreich ist derjenige, der sie geläutert hat“.[1] Es gibt keinen Zweifel, dass der Erfolg im Jenseits um ein vielfaches größer ist, als jeder mögliche Erfolg, den der Mensch im Diesseits haben könnte.

2. Die Erlangung der Liebe der Menschen: Und dieses ist die Frucht der guten Moral, welche ein Ergebnis der Läuterung der Seele ist und die Menschen mögen es Menschen zu begegnen, die sie mit guten moralischen Eigenschaften behandeln. In einer Überlieferung von Imam Ali (a.) heißt es: „Drei Dinge (führen dazu), dass die Menschen dich lieben: die gute Moral, das gute Geselligkeit (zu den Menschen) und die Bescheidenheit.“[2]

3. Die Zufriedenheit Allahs und die Erzielung seiner Nähe: Und das ist das großartigste Ergebnis der Läuterung der Seele und dies erlangt man erst nach der Anstrengung der Seele. Umso höhere Stufen der Anstrengung und Läuterung der Seele man erreicht, desto höhere Stufen der göttlichen Nähe erlangt man, bis man die höchsten Stufen der Nähe erreicht und zwar das Paradies der Zufriedenheit, so wie es im heiligen Quranvers heißt: „…Allah ist wohl zufrieden mit ihnen, und sie sind wohl zufrieden mit Ihm. Sie sind Allahs Partei. Horchet! es ist Allahs Partei, die erfolgreich ist.“ [3]

Die richtige Vorgehensweise

Es ist unabdingbar, dass jener, der danach strebt seine Seele zu erziehen und zu läutern, auf die Gefahren der Irreleitung vom wahren Weg bei der Erziehung der Seele, achtet. Dies erfolgt durch zwei Schritte:

1. Das Zurückgreifen auf die grundlegenden Quellen für die Methoden der Erziehung der Seele, welcher sich einerseits durch den heiligen Quran verkörpert. In einer Überlieferung des Fürsten der Gläubigen (a.) über die Beschreibung des Quran, heißt es: „Allah machte ihn zu einer Stillung des Durstes der Gelehrten und zu einem Frühling der Herzen der Rechtsgelehrten.“ [4]

Und andererseits durch die Lebensweise und die Aussprüche des Gesandten Gottes (s.) und dem, was über sein Leben überliefert wurde. Sowie durch das Zurückgreifen auf die Ahlulbayt (a.), welche die Führer und Wegweiser für die wahrhaftige und richtige Erziehung der Seele darstellen.

2. Das in Achtnehmen davor, etwas zu machen, was dem islamischen Recht widerspricht. Viele Menschen nutzen falsche und islamisch gesehen, verbotene Methoden, wobei sie denken, dass dies die wahre Art der Erziehung und Läuterung der Seele sei. Jeder Mensch, der danach strebt, seine Seele zu erziehen, muss auf jede Tat, die er verrichtet genauestens achten, so dass er seinen Körper nicht unnötig schädigt und sich dabei denkt, dass das der richtige Weg sei. Oder dass er danach strebt, dass die Menschen schlecht über ihn reden und denken und sich dabei erhofft, dadurch seine Seele erniedrigen zu können und die Überhand über sie zu erlangen, denn Allah der Erhabene ist nicht zufrieden damit, dass sein gläubiger Diener erniedrigt wird.


[1] Sure al-Shams, Vers 9

[2] Mizaan ul-Hikmah, Muhammad al-Rishihri, Band 1, Seite 496

[3] Sure al-Mujadalah, Vers 22

[4] Nahj ul-Balagha, Band 2, Seite 178

 

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Die Läuterung der Seele https://bufib.de/die-laeuterung-der-seele/ Sat, 17 Oct 2015 18:13:34 +0000 http://bufib.de/?p=1706 Die Wichtigkeit der Läuterung der Seele

Die islamische Ethik nimmt unter den islamischen Lehren einen eigenen, besonderen Platz ein und ein Grund dafür ist, dass Allah (der Erhabene) die Erziehung des Menschen entsprechend der guten Moral, zu einem Hauptziel der Entsendung der Propheten und Gesandten machte. Dies ist auch, was Allah (der Erhabene) im Heiligen Quran bestätigt: „Wahrlich, Allah hat den Gläubigen Huld erwiesen, indem Er unter ihnen (aus ihrer Mitte) einen Gesandten erweckte, der ihnen Seine Zeichen vorträgt und sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt; und zuvor waren sie gewiss in offenkundigem Irrtum.“[1] Und über den Gesandten Gottes (s.) heißt es, dass er sagte: „Wahrlich, ich bin ausgesandt worden, zur Vervollkommnung der vorzüglichen Moral.“.

Das Ziel der Entsendung der Propheten ist also die Erziehung der Menschen entsprechend der guten Moral.

Weshalb muss die Seele geläutert werden?

Das Wort „Seele“ [arab. an-nafs –  النفس] kommt im Heiligen Quran in drei Formen vor: die beruhigte Seele (al-Nafs ul-mutma’inna), die sich selbst anklagende Seele (al-nafs ul-lawwama) und die Übel befehlende Seele (al-nafs ul-ammarah bil-suu‘). Allerdings werden wir hier lediglich auf die Übel befehlende Seele eingehen. Sie ist die Seele, welche in ihrem Inneren eine gewisse Anzahl an Trieben, Neigungen und Begierden vereint, welche den Besitzer dieser Seele dazu führt Sünden zu begehen. Allah der Erhabene spricht: „Wahrlich die Seele gebietet mit Nachdruck das Böse, es sei denn, mein Herr erbarmt sich.“[2] Sie ist die Seele, die in einem andauernden Zustand dazu verleitet Sünden zu begehen. Aus diesem Grund muss der Mensch darauf hinarbeiten diesen Begierden und Neigungen entgegenzutreten, welche einige Taten gut redet, um zu verführen.

Um schlechten Handlungen nun entgegnen zu können, müssen einige Schritte vollzogen werden, welche dazu führen, dass der Mensch dazu fähig wird, seine Neigungen und Begierden zu steuern.

Diese Schritte lassen sich zu folgenden Punkten zusammenfassen:

1. Das Kennenlernen der guten und schlechten moralischen Eigenschaften und Handlungen: Es kommt oft vor, dass der Mensch bestimmte Handlungen vollzieht und sich dabei nicht im Klaren ist, wie schlimm diese Tat wirklich ist und welch großen Einfluss diese auf seine Seele und seine Mitmenschen hat. Das ist auch derselbe Grund, der ihn dazu führt, sich von vielen guten moralischen Handlungen fernzuhalten, da er unwissend darüber ist, welch positive Wirkungen diese haben. Daher muss man als aller erstes bei der Erziehung der Seele die guten und schlechten moralischen Eigenschaften kennenlernen. 

2. Sich mit der Gottesfurcht ausrüsten: Die Gottesfurcht, das bedeutet, das Gefühl der Furcht vor Allah, dem Erhabenen, vor der Verrichtung irgendeiner Tat, ist das, was den Menschen davor hindert, eine Sünde zu begehen. Und dieses Gefühl, ständig Furcht vor Allah, dem Erhabenen zu haben, verwirklicht sich nur, nach dem der Mensch seine eigene Seele erzogen hat und sich mit dem ständigen Gedenken Allahs beschäftigt. Der Erhabene spricht: „…und bei der Seele und dem, der sie vervollkommnet hat. Er hat ihr den Sinn für ihre Sündhaftigkeit und für ihre Gottesfurcht eingegeben. Erfolgreich ist derjenige, der sie geläutert hat und versagt, hat jener, der sie verkommen lässt.“[3]

3. Die Erziehung der Seele: Das Hinarbeiten zur Erziehung der Seele verlangt, dass der Mensch die Tragweite dessen verspürt, was er verrichtet hat und was er an Sünden begangen hat. Der Erhabene spricht: „Wahrlich diejenigen, die gottesfürchtig sind, wenn sie eine Heimsuchung durch den Teufel trifft, so gedenken sie (Gottes), sodann werden sie (wieder) Wahrnehmende.“[4]

Zu den größten Gefahren, denen ein Mensch ausgesetzt werden kann, und wodurch er dem göttlichen Zorn ausgesetzt wird und ihn in die Hölle führt, ist, dass er Sünden begeht, ohne auch nur die Gefahr dessen, was er getan hat, zu verspüren oder dass er so tut, als wüsste er nichts darüber und sich dazu zwingt, es zu vergessen, während er festhält an den Strängen des Teufels und daran gehindert wird, zu Allah, den Erhabenen, zurückzukehren.

Die Läuterung der Seele hängt also ab von: dem Kennenlernen der guten und schlechten moralischen Eigenschaften, der Stärkung der Gottesfurcht und der Erziehung der Seele.


[1] Sure Ali Imraan, Vers 164

[2] Sure Yusuf, Vers 53

[3] Sure Shams, Vers 7-10

[4] Sure al-Aaraf, Vers 201

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Was ist „Taqlīd“ https://bufib.de/taqlid/ Sat, 17 Oct 2015 06:25:37 +0000 http://bufib.de/?p=1703 Im Alltag kommt es immer wieder vor, dass wir uns fragen: „Was ist das Rechtsurteil für dieses und jenes?“. Sei es in unserem Gebet, Fasten, Handel oder in einer anderen täglichen Arbeit. In Wirklichkeit sind jedoch nicht nur einzelne Dinge von einem Rechtsurteil begleitet, sondern jede Tat und jedes Unterlassen hat ein entsprechendes Urteil. Wenn ein Mensch sein Leben auf Gottes Weg widmen möchte, so sollte dies entsprechend dieser Richtlinie sein. Aber wie kann man nun wissen, welches das erforderliche Rechtsurteil ist? Folge ich meinem eigenem Unwissen? Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage kommen, sollten wir dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. 

Beispiel: Du bist krank und hast starke Schmerzen (möge Gott Dich und uns davor bewahren). Nachdem auch eine Schmerztablette nicht half, bist du verzweifelt und fragst dich „Was soll ich nur tun?“. Genau, was würdest Du tun? Was würde jeder Mensch mit Verstand (ʿaql) tun? Würdest du Dich selber versorgen oder gar operieren, wenn dies nötig wäre? Oder vielleicht Dein Freund? Oder würdest Du Deinen Mathematiklehrer fragen, ob er dich behandelt? Jeder vernünftige Mensch würde zu einem Arzt gehen, und nicht zu irgendeinem Arzt, sondern zu einem Spezialisten. 

Wenn man nicht zu einem Fachmann gehen würde, kann es sein, dass man noch kränker wird oder gar stirbt. Dies hätte also fatale Folgen. Dies ist nur ein Beispiel aus unserem Leben, jedoch könnte man noch viele andere anführen. Wie sieht es dann erst mit dem göttlichen Gesetz aus, das entscheidend für Bestrafung und Belohnung ist? In unserem immer mehr von der Materie abhängigem Leben, erkennen wir nur noch die für uns guten und schlechten Dinge in dieser Welt, wie z.B. Gesundheit oder Krankheit. Über den seelischen Zustand eines Menschen, der das eigentliche „Ich“ ist, blicken wir meist hinweg. 

Der Mensch ist so gestrickt, dass er in Dingen, über die er unwissend (jāhil) ist, sich an einen wissenden Menschen (ʿālim) wendet. Der vernunftbegabte Mensch, der Unwissen besitzt, stützt sich nicht darauf, sondern auf das Wissen. Und genau das ist mit dem arabischen Wort „taqlīd“ (arab.: تقليد) gemeint. Linguistisch gesehen stammt es vom Wort „qallada“ (arab.: قَلَّدَ) und bedeutet im Ursprung: „eine Halskette anlegen“. Dies ist jedoch in diesem Falle metaphorisch zu betrachten und meint, dass man jemanden die Verantwortung überträgt, d.h., dass man jemanden „eine Kette um den Hals legt“. Im Fachtermini bedeutet es, dass man jemanden in seiner Rechtsfindung (iǧtihād) befolgt bzw. nachahmt. Daher übersetzen wir „Taqlīd“ auch mit „Nachahmung“. Das Wort „Taqlīd“ findet man auch in anderen Bereichen wieder, wie z.B. in der Philosophie, in der Soziologie oder auch in der Linguistik. Wir beziehen uns in der islamischen Rechtswissenschaft jedoch auf den üblichen Gebrauch des Wortes „Taqlīd“, was soviel bedeutet, dass ein Unwissender sich an einen Wissenden wendet. Mit anderen Worten: der Laie (al-ʿāmī) überträgt dem Fachmann (ḫabīr) die Verantwortung der Erfüllung (Korrektheit) in den Dingen der Scharia, die er zu erbringen hat. D.h., dass der Laie sich in den Rechtsangelegenheiten (umūr al-fiqhiyah) auf die Rechtsfindung eines Rechtsgelehrten stützt und ihm damit die Verantwortung überträgt, dass seine Taten – entsprechend jener Rechtsfindung – ausreichend (muǧziʾ) sind.

In folgender Überlieferung können wir diesen Sachverhalt sehr deutlich erkennen: „Von ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥaǧǧāǧ wird überliefert, dass er sagte: ‚‚Abu ʿAbdillah (a) saß in einer Runde mit Rabīʿah ar-Raʾī, als ein Beduine kam und Rabīʿah ar-Raʾī über eine Angelegenheit befragte, welche er beantwortete. Als er (Rabīʿah) still war, sagte der Beduine zu ihm: ‚Ist diese (Antwort) an deinem Halse?‘ (d.h.: ‘Bist du für diese Antwort verantwortlich?‘) Daraufhin blieb Rabīʿah still und antwortete ihm darauf nichts. So wiederholte er (der Beduine) die Frage und Rabīʿah antwortete wie zuvor. Daraufhin sagte der Beduine: ‚Ist diese an deinem Halse?‘ Rabīʿah blieb still. Da sagte Abu ʿAbdillah (a): ‚Sie (die Antwort) ist an seinem Halse, ob er dies sagte oder nicht sagt und jeder Mufti ist verantwortlich (ein Bürge).‘“ [1. Al-Kāfī, Band 7, Seite 409, Hadīṯ 1; Wasāʾil aš-šīʿah, Band 27, Seite 220] Anhand dieser Überlieferung können wir den Bezug zum linguistischen Ursprung des Wortes „Taqlīd“ und seiner fachterminologischen Bedeutung  deutlich erkennen.

Geschichte des „Taqlīds“   

Wie zuvor erwähnt bedeutet „Taqlīd“, dass der Unwissende – in seinem Unwissen – sich an den Wissenden wendet oder wie es auch in der Fachsprache heißt: „Rückgriff des Unwissenden auf den Wissenden“ (ruǧūʿ al-jāhil ilā al-ʿālim). Da das Prinzip der „Nachahmung“ einer so klaren Angelegenheit des Verstandes unterliegt, gab es sie schon – im islamisch rechtlichen Sinne – zur Zeit des Propheten Mohammad (s). Dies fand mit der Bestätigung des Propheten (s) selbst statt. Er (s) entsandte zum Beispiel Leute nach Medina, Yemen und andere Orte, um den Menschen dort als Rechtsgelehrte dienlich zu sein. D.h. sie waren dafür zuständig den Menschen den Islam zu erklären und zugleich die Rechtsfragen des Volkes zu beantworten. Der heilige Gesandte (s) konnte nicht überall gleichzeitig sein, daher baute er ein Netzwerk aus einigen seiner Gefolgsleute (ṣaḥābah) auf, die zu Gelehrten ausgebildet und dann in die verschiedenen Orte geschickt wurden. Die Muslime in jenen Orten kamen dann mit ihren Rechtsfragen zu ihnen, die Gefolgsleute des Propheten (s) antworteten darauf und die Muslime handelten danach. Genau das ist, was an dieser Stelle mit „Nachahmung“ (taqlīd) gemeint wird. Wenn also gefragt werden sollte, seit wann es „die Nachahmung“ (at-taqlīd) gäbe, so sollte man sich die Antwort vom verehrten Großgelehrten Sayyed al-Khoi (r) anschauen: „Die Nachahmung existierte schon zur Zeit des Gesandten (s) und zur Zeit der Imame (a), denn die Bedeutung der Nachahmung ist: das Befolgen des Unwissenden gemäß des Verständnisses des Wissenden. Und es ist klar, dass nicht jeder zu jener Zeit dazu in der Lage war den edlen Gesandten (s) oder einen der Imame (a) zu erreichen, um religiöses Wissen von ihnen direkt zu erlangen, und Allah ist der All-Wissende.“ [2. Masaa-il wa Ruduud, B. 2, S. 5] Ähnliches können wir auch vom „Sheikh der Rechtsschule“ Abū Ǧaʿfar Muḥammad bin Al-Ḥasan aṭ-Ṭūsī (r) in seinem Buch „ʿIddah al-Usūl“ entnehmen. Historisch gesehen kann man sehr gut verfolgen wie die Nachahmung in der Zeit der reinen Imame (a) angewandt wurde. In jedem Abschnitt eines Imams (a) gab es bestimmte Persönlichkeiten, die besonders gelehrt und vertraut waren, um den Posten eines Rechtsgelehrten einnehmen zu können. Zum Beispiel wurde Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a) gefragt, was die Leute machen sollen, wenn sie Fragen hätten und sie nicht bei ihm (a) anwesend sein können, um ihn (a) zu fragen. Der heilige Imam (a) antwortete: „Wende dich an Al-Asadī“, d.h. an Abā Baṣīr. In einer anderen Überlieferung antwortete er (a) einer anderen Person: „Was hält dich von Muḥammad bin Muslim Aṯ-Ṯaqafī ab, er hat (Überlieferungen) von meinem Vater gehört und er (Imam al-Bāqir, a.) war zufrieden mit ihm (Muḥammad bin Muslim Aṯ-Ṯaqafī) und hatte eine (hohe) Stellung bei ihm.“ Eine weitere Person, der er (a) einen solchen Rang zusprach war Al-Ḥāriṯ bin Al-Muġīrah Al-Basrī. D.h. Imam aṣ-Ṣādiq (a) hat öffentlich diese drei Persönlichkeiten zu Rechtsgelehrten erklärt, die die Menschen fragen konnten und ihre Antworten ausreichend (muǧziʾ) sind. Weitere Beispiele: Der heilige Imam Ali bin Mūsā ar-Riḍā (a) hat u.a. Zakārīya bin Ādam al-Ma’mūn und Yūnis bin ʿAbd ar-Raḥmān ernannt. Es wird von Abī Ali bin Rāshid von Abī Ǧaʿfar aṯ-Ṯānī (a) (d.h. Imam Muḥammad al-Ǧawād, a.) überliefert: „‚… Unsere Gefolgsleute sind sich uneinig, darf man hinter den Gefolgsleuten von Hishām bin al-Ḥakam beten?’ Er (Imam Muḥammad al-Ǧawād, a.) sagte: ‚Wende dich an Ali bin Ḥadīd.‘ Er (Abī Ali bin Rāshid) fragte: ‚So befolge ich sein Wort?‘ Darauf sagte er (a): ‚Ja.‘“ [3. Sayed Rida as-Sadr, al-Ijtihad wat-Taqlid, S. 91 – 94]

Solche und ähnliche Begebenheiten können wir im Leben des Propheten (s) und aller Imame (a) sehen. Außerdem können wir unter den Menschen damals keine Ablehnung oder Widerstand gegen die „Nachahmung“ in der Geschichte feststellen. Im Gegenteil, sie haben als selbstverständlich angenommen, was jedoch nicht verwunderlich ist, da der menschliche Verstand den unwissenden Menschen dazu führt, einen Wissenden zu befragen. 

Taqlīd in der Rechtswissenschaft

Die meisten Rechtsgelehrten (fuqahāʾ) definieren „Taqlīd“ folgendermaßen: „Die Nachahmung (taqlīd) ist das Handeln gemäß eines Rechtsurteils (fatwā) des Rechtsfinders (al-muǧtahid).“ Dies bedeutet, dass der Laie gemäß der Rechtsfindung (iǧtihād) des Rechtsgelehrten handelt. 

Kommen wir nun zu einigen Fachtermini, die wir in Bezug auf die Nachahmung immer wieder gebrauchen werden:

1. Taqlīd, d.h. die (religionsrechtliche) Nachahmung (bzw. Befolgung)

2. Muqallid (dt. Nachahmender), dies ist die (religiös erwachsene) Person, die einen Rechtsgelehrten in seiner Rechtsfindung nachahmt. 

3. Muqallad (dt. Nachgeahmter), dies ist Person, dessen Rechtsfindung nachgeahmt wird. Diese Person hat den Rang der selbstständigen Rechtsfindung erreicht und weitere spezielle Voraussetzungen sind ihm eigen, so dass man ihn rechtlich gesehen nachahmen darf. Andere Bezeichnungen für diese Person sind auch: Marǧaʿ at-Taqlīd  (dt. Vorbild der Nachahmung) oder Mufti.

4. Al-Iǧtihād (dt. selbstständige Rechtsfindung), dies ist der Rang, den ein Gelehrter (ʿālim) erreicht, wenn er selbstständig dazu fähig ist, aus den islamisch-rechtlich anerkannten Rechtsquellen die Rechtsurteile abzuleiten. Diese Wissensstufe benötigt eine sehr lange und strikte Lehre und Ausbildung, bis man diese erreichen kann. Außerdem gibt es mehrere Bedingungen bis diese anerkannt ist. Wenn er dies in allen Bereichen des islamischen Rechts beherrscht, so bezeichnet man ihn als „muǧtahid kullīy“ (dt. vollständiger Rechtsgelehrte) und wenn nur in einigen Bereichen, so bezeichnet man ihn als „muǧtahid mutaǧazziʾ’“ (dt. partieller Rechtsgelehrte).

5. Muǧtahid (dt. Rechtsfinder, Rechtsgelehrter), dies ist die Person, die die selbstständige Rechtsfindung erreicht hat.

Sobald ein Gelehrter bzw. eine Gelehrte (selbstständig) wissend über ein Rechtsurteil (ḥokm šarʿīy) ist, d.h. dass, wenn er oder sie selbst aus den islamisch rechtlich anerkannten Rechtsquellen ein Rechtsurteil abgeleitet hat und von der Richtigkeit überzeugt (mutayaqqin) ist, so wäre das Prinzip der Nachahmung für diese Person nicht mehr korrekt. Diese Person wäre wissend in einer bestimmten rechtlichen Angelegenheit. Das Prinzip der Nachahmung bedeutet jedoch „die Rückkehr des Unwissenden zum Wissenden“, was hier nicht mehr gegeben wäre. Daher findet das Prinzip der Nachahmung beim (selbstständigen) Rechtsfinder bzw. Bei der (selbstständigen) Rechtsfinderin keine Anwendung und wäre sogar unvernünftig. Alle anderen, außer dem/der Rechtsfinder/-in, haben dem Prinzip der Nachahmung zu folgen. 

In dem islamischen Recht wird der religiös Verantwortliche (al-mukallaf) in Bezug auf die „Nachahmung“ in drei unterteilt:

1.) Nachahmender (muqallid)

2.) Nach der Vorsicht Handelnder (muḥtāṭ)

3.) Rechtsfinder (muǧtahid)

Der Nachahmende ist derjenige, der eine bestimmte Person in seiner Rechtsfindung bzw. seine Rechtsurteile nachahmt. Der nach der Vorsicht (al-iḥtiyāṭ) Handelnde ist jener, der aus den Rechtsurteilen aller Rechtsfinder, egal ob lebend (ḥayy) oder verstorben (mayit), den sichersten Weg wählt. Nach der Vorsicht zu handeln ist an sich eine sehr schwierige Angelegenheit und benötigt ein sehr langes Studium, da man die Rechtsurteile von allen Rechtsfindern seit Beginn des Islams kennen und eben auch danach handeln muss. Schließlich ist dies im weitesten Sinne auch eine Form der Nachahmung. Auf den Rechtsfinder sind wir zuvor schon eingegangen. Er ist also jemand, der keinen anderen Rechtsfinder nachahmt, sondern selbst die nötigen Rechtsurteile ableitet und danach handelt.   

Hier zwei vereinfachte Beispiele, wie jemand handeln müsste, der nach der Vorsicht handelnd ist:

1.) Unter den Rechtsgelehrten gibt unterschiedliche Meinungen zu der Zugehörigkeit der „Basmala“, d.h., ob sie zu den Suren an sich gehören oder nicht (außer „Die Eröffnende“ – al-Fātiḥah – worin Einigkeit herrscht, dass sie dazugehört). D.h., einige Rechtsgelehrte meinen, dass die „Basmala“ ein Teil der Sure ist und andere wiederum negieren dies. Manche könnten sich nun fragen, was dies denn für einen Unterschied in den Gottesdiensten machen würde. Im Gebet jedoch macht dies einen signifikanten Unterschied, ob es nun ein Teil der Sure ist oder nicht. Wenn die „Basmala“ ein spezieller Teil der Sure wäre, so müsste man, bevor man mit der zweiten Sure im Gebet beginnt, beabsichtigen welche Sure man rezitieren möchte. Wenn man dies nicht tun würde, d.h. erst nach dem Beginn mit der „Basmala“ die Sure wählen, so hätte man einen Fehler im Gebet gemacht, da man eine unberücksichtigte (muhmalah) „Basmala“ rezitierte, d.h. ohne eine genaue Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sure.  Dies kommt daher, da die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sure auch eine spezielle Bedeutung voraussetzt. Wenn man jedoch der Ansicht wäre, dass die „Basmala“ kein spezieller Teil einer Sure ist, so wäre das Gebet i.o. genannten Fall gültig. Wenn man nach der Vorsicht handelt, dann müsste man das tun, wobei man auf der sicheren Seite wäre, d.h. in diesem Fall, dass die „Basmala“ ein spezieller Teil der Sure ist.

2.) Einige Rechtsgelehrte sagen, dass man am Studienort, wenn es nicht der eigene Heimatort (waṭan) ist und man sich dort nicht mindestens zehn Tage hintereinander aufhält, dann müsse man dort die Vierer-Gebete [4. D.h. das Mittag- (aẓ-ẓuhur), Nachmittag- (al-ʿaṣr) und Spätabendgebet (al-ʿišāʾ)] auf Zweier-Gebete verkürzen (qaṣr). Wiederum sagen andere Rechtsgelehrte, dass man dort nicht verkürzen dürfe. Nun ist es hier die Aufgabe eines nach der Vorsicht Handelnden beides zu beten, d.h. einmal verkürzt und einmal nicht verkürzt oder umgekehrt. 

Dies war jedoch nur eine sehr starke Vereinfachung seines Handelns. Wie ist es dann erst bei tausenden von anderen Rechtsfragen, in denen man alle möglichen Rechtsurteile aller Rechtsgelehrten kennen?! 

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Scharia und Fiqh https://bufib.de/scharia-und-fiqh/ Fri, 16 Oct 2015 10:12:12 +0000 http://bufib.de/?p=1698

Aufgrund der immer wieder aufflammenden Debatte über das islamische Recht und seine Ausprägungen, möchten wir an dieser Stelle auf zwei Begrifflichkeiten näher eingehen, um Klarheit zu schaffen. In vielen sog. „Expertengesprächen“ und vor allem aus den Stimmen des Volkes, können wir eine Vermischung beider Termini (Scharia und Fiqh) wahrnehmen.

Die „Scharia“ (arab.: „الشريعة“, aš-šarīʿah) stammt von „َشَرَع“ (šaraʿa) und bedeutet im Ursprung: Weg zur Tränke bzw. Wasserstelle. Im islamischen Kontext bedeutet es jedoch „das offenbarte Gesetz Gottes“ bzw. auch das „kanonische Gesetz“. Der Zusammenhang zwischen dem linguistischen Ursprung und dem islamischen Fachtermini liegt darin, dass der Mensch, wenn er allein auf sich gestellt wäre verdursten würde und der göttliche Weg symbolisiert jene Wasserquelle, wodurch der Mensch überleben kann. Die Scharia führt zur Quelle der Offenbarung, zur Zufriedenheit Gottes und dem inneren Frieden des Menschen. Im gesamten Heiligen Koran kommt das Wort „šarīʿah“ nur ein Mal vor und dies im Zusammenhang mit dem Islam als Religion (45:18). Wir können also festhalten, dass die Scharia eine Reihe von Gesetzen und Vorgaben ist, die Gott, der Erhabene, dem Menschen offenbart hat, die ihr Leben – sei es privat oder gesellschaftlich – zum Guten leitet. Daher wird Gott auch als „der heilige Gesetzgeber“ (aš-šāriʿ al-muqaddas) bezeichnet, d.h. Der Urheber und Offenbarer des religiösen Gesetzes.

Das arabische Wort Fiqh (arab.: ٌفِقْه) stammt von „َفَقِه“ (faqiha; dt.: verstehen, begreifen) und bedeutet „Verständnis, Kenntnis, Einsicht“. Im islamischen Kontext bedeutet es „islamische Rechtswissenschaft“. Dr. ʿAbdul-Hādī al-Faḍlī schreibt in seinem Buch „Mabādiʾ ʿilm al-Fiqh“: „Al-Fiqh ist die Kenntnis von den Urteilen der praktischen Scharia (al-aḥkām aš-šarīʿah al-farʿiyah) und ihre differenzierten Beweise.“ Kurz gesagt, es ist die Kenntnis vom islamischen Recht. So können wir sagen, dass Fiqh sich lediglich auf den praktischen Teil der Religion bezieht und nicht etwa z.B. Auf die Glaubensüberzeugungen (ʿāqīdah). Außerdem müssen wir festhalten, dass Fiqh eine angewandte Wissenschaft vom Menschen ist und die Scharia dagegen die unantastbare, authentische Basis, die zu erreichen ist. Die Rechtsgelehrten, die sich mit Fiqh beschäftigen nennt man auch „Fuqāhāʾ“ bzw. im Singular „Faqīh“ (männlich) und „Faqīhah“ (weiblich). Die Grundlage bzw. die Quellen der Rechtswissenschaft (maṣādir al-fiqh) sind vier:

1. Das Buch (al-kitāb), d.h. der Heilige Koran, das authentische Wort Gottes und primäre Rechtsquelle. In ihm sind in etwa 500 sog. Verse der Urteile (ayāt al- aḥkām) enthalten, d.h. Verse, die einen juristischen Bezug haben.

2. Die Tradition (as-sunnah), d.h. die Rede (al-qawl), die Handlung (al-feʿl) und die Bestimmung (at-taqrīr) des Propheten Mohammad (s) und der reinen Imame (a).

3. Der Konsens (al-iǧmāʿ), d.h. eine Übereinstimmung der Gelehrten auf ein religiöses Urteil.

4. Die Vernunft (al-ʿaql)

Vor allem die letzten beiden Rechtsquellen benötigen einer ausführlicheren Darlegung, um sie besser zu verstehen, da sie sehr viele Voraussetzungen erfüllen müssen, um rechtsfähig zu sein. Dies jedoch an einer anderen Stelle.

Abschließend können wir sagen, dass ein sichtbarer Unterschied zwischen Scharia und Fiqh existiert. Die Scharia ist die göttlich offenbarte, die reale Gesetzgebung und im Fiqh versucht ein Rechtsgelehrter bzw. eine Rechtsgelehrte die Urteile jener Gesetzgebung zu erschließen bzw. freizulegen.

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Prophetentum https://bufib.de/prophetentum-2/ Thu, 15 Oct 2015 20:08:55 +0000 http://bufib.de/?p=1789 Das Prophetentum (an-nubuwah) ist ein essentieller Bestandteil in der Glaubenslehre aller drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam). Es beschreibt das Prinzip, dass es – von Gott – auserwählte Menschen gibt, die Gottes Wort auf Erden leben und verbreiten. 

Bevor man aber das Prophetentum verstehen kann, muss das Ziel der Schöpfung des Menschen kurz erläutert werden. Allah, der Weise und Wissende, hat alles zielgerichtet und aufgrund eines Nutzens erschaffen. »Glaubtet ihr denn, wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?« (23:115) Und im heiligen Koran heißt es: »Und Wir erschufen die Himmel und die Erde, und das, was zwischen beiden ist, nicht zum Zeitvertreib. Wir erschufen sie nur in gerechter Weise, jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht.« (44:38-39) d. h., dass alles Erschaffene einen Sinn und Zweck hat. Im heiligen Koran sprechen unter anderem folgende Verse genau diesen Zweck an: »Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen (sollen).« (51:56) und an einer anderen Stelle heißt es: »Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit (zu dir kommt.« (15:99) 

Die Erkenntnis über Allah, den Erhabenen, zu erlangen, ist der Zweck der Schöpfung. Die koranische Antwort auf die Frage, wie man diese Erkenntnis (yaqīn) erzielen kann, ist: der Gottesdienst (al-ʿibādah). Gottesdienst bedeutet Demut, Gehorsam und Befolgung dessen, was Gott dem Menschen befiehlt. Jedoch, sodass man Gott auf die richtige Weise dienen kann, benötigt man Kenntnis (maʿrifah). Hier muss man sich die entscheidende Frage stellen: Wie kann ein (von Gott abhängiger) Mensch wissen, was Gott von ihm möchte? Woher kann der Mensch erfahren, wie man Gott zufriedenstellend dienen kann? Für den Menschen allein ist dies ohne Unterstützung unmöglich. 

Die Verwirklichung des Zieles der Schöpfung, d.h. die Kenntnis und der Gottesdienst, ist von einer Mittlung zwischen Schöpfer und der Schöpfung abhängig. Es benötigt einer Mittlung, die die Schöpfung zur Vollkommenheit leitet und ihr den rechten Weg zeigt. Der heilige Koran sagt dazu: »Und keinem Menschen steht es zu, daß Allah zu ihm sprechen sollte, außer durch Eingebung oder hinter einem Vorhang oder, indem Er einen Boten schickt, um durch Sein Geheiß zu offenbaren, was Er will; Er ist Erhaben, Allweise.« (42:51)  

Die göttliche Eingebung bzw. Offenbarung (waḥy) ist etwas, das die Menschheit seit ihrem Beginn erlebt hat. D.h. seit dem ersten Menschen auf Erden, gibt es die göttliche Offenbarung: »… und es gibt kein Volk, in dem es nicht einmal schon Warner gegeben hätte.« (35:24) und viele weitere Verse, die diese Tatsache belegen. Die Menschen, die diese göttliche Offenbarung erhalten dürfen, sind die Propheten. Ein Prophet (nabiy) verkörpert die lebende göttliche Offenbarung auf Erden, um die Menschheit zu ihrem eigentlichen Ziel zu leiten. 

Der Islam glaubt an alle Propheten von Adam (a) bis zum Siegel aller Propheten – Mohammad (s). Der heilige Koran sagt dazu: »Sprecht: ›Wir glauben an Allah und an das, was uns herabgesandt worden ist, und was Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen herabgesandt wurde, und was Moses und Jesus gegeben wurde, und was den Propheten von ihrem Herrn gegeben worden ist. Wir machen zwischen ihnen keinen Unterschied, und Ihm sind wir ergeben.‹« (2:136)

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Führerschaft https://bufib.de/fuehrerschaft-2/ Thu, 15 Oct 2015 20:07:27 +0000 http://bufib.de/?p=1788 Die Religion ist durch den Propheten Mohammad (s) – dem Siegel aller Propheten (a) – vervollständigt worden und Gottes Gnade wurde vollendet. Im heiligen Koran heißt es: »Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt.« (5:3) 

Was ist jedoch an diesem Tage passiert, so dass dies geschehen ist? Es ist etwas gewesen, das die Religion – den Islam – vervollkommnet hat, und die Gnade Gottes an die gesamte Menschheit vollendet wurde. Um eine befriedigende Antwort darauf zu geben, müssen wir uns den historischen Hintergrund und den Grund der Herabsendung dieses o.g. Verses anschauen. Im zehnten Jahr der Auswanderung (hiǧrah), als der Prophet Mohammad (s) von seiner Abschiedspilgerfahrt (ḥijjatul-wadāʿ) zurückkehrte, wurde dem Gesandten Gottes (s) folgender Vers offenbart: »O du Gesandter! Verkünde, was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde; und wenn du es nicht tust, so hast du Seine Botschaft nicht verkündigt. Und Allah wird dich vor den Menschen schützen.« (5:67)

Was war also diese großartige Verkündung (balāġ), auf die die gesamte Religion stützt? Der Prophet Mohammad (s) bestieg an jenem Tag die Kanzel – in einem Orte namens Ḫumm – und sagte nach einer längeren Ansprache: »Oh ihr Menschen! Wahrlich, Allah ist mein Sachwalter (waliy) und ich habe über die Gläubigen mehr Anspruch als sie (über sich) selbst. Wahrlich, wessen Führer (mawlā) ich bin, dessen Führer ist auch Ali. Oh Allah, widme Dich jenen, die ihm (Ali) folgen.« (Biḥār al-Anwār, T. 23, S. 141)

Daraufhin haben die Muslime Ali (a) zur Führerschaft nach dem Propheten Mohammad (s) gratuliert. 

Damit war Allah, der Erhabene, zufrieden. Es ist eine Tradition unter den Propheten (a), dass sie Nachfolger ernennen und sie vorbereiten, so dass die Gemeinschaft nach ihrem Ableben nicht allein, d.h. ohne einen Statthalter Gottes auf Erden (ḫalīfatullah ʿalā al-arḍ), gelassen wird.

»Imāmah« bedeutet sprachlich »Führerschaft« und derjenige, der diese Führerschaft übernimmt, wird im Arabischen als »Imām« bezeichnet. 

Wir meinen mit »Führerschaft« (imāmah) im islamischen Sinne die allgemeine Führung in allen Bereichen sei es religiös oder weltlich.

Die Führerschaft in diesem Sinne ist kein leichtes Amt und eine sehr sensible Position. Diese Aufgabe kann nicht irgendeiner unter den Menschen erfüllen, sondern muss direkt von Gott auserwählt sein. Allah, der Erhabene, sagt im heiligen Koran zu Abraham (a): »Ich werde dich zu einem Führer (imām) für die Menschen machen. Da bat Abraham: Auch von meiner Nachkommenschaft. Er sprach: ›Mein Versprechen erstreckt sich nicht auf die Ungerechten.‹« (2:124) 

Anhand dieses Verses erkennt man, dass Gott diejenigen erwählt, die dieses Amt innehaben dürfen. Außerdem sieht man daran, dass der »Führer« (imām) ganz bestimmte Eigenschaften haben muss. In einem weiteren Vers heißt es in Bezug auf die »Leute des Hauses« (ahl al-bayt, d.h. die reine Nachkommenschaft des Propheten Mohammad): »Allah will nur jegliches Übel von euch verschwinden lassen, ihr Leute des Hauses, und euch stets in vollkommener Weise rein halten.« (33:33)

Allah, der Erhabene, möchte die »Ahlul-Bayt« (a) rein und von jeglicher Sünde fern lassen, dass sie dieses höchst wichtige Amt übernehmen sollen. Und das, was Allah möchte, soll geschehen: »Wenn Er etwas will, lautet Sein Befehl nur: ›Sei!‹ – und es ist.« (36:82)

Die Führerschaft ist also ein Übergang vom Prophetentum, so dass die Menschen nicht verloren und ahnungslos bleiben. Der großartigste Prophet, Mohammad (s), hat seit beginn seiner Prophetie darauf hingewiesen, dass es einen Nachfolger nach ihm geben werde und dieser Ali, der Sohn von Abi Taleb (a) sei. Wie z.B. am Anfang der Prophetie als der Prophet (s) zu Imam Ali (a) sagte: »Du bist mein Bruder, mein Testamentsvollstrecker (waṣiy), mein Helfer (wazīr), mein Erbe (wāriṯ) und nach mir mein Nachfolger (ḫalīfah).« (Kitāb al-Iršād, Shaikh al-Mufīd, T. 1, S. 50) Die Aussagen des Propheten Mohammad (s) stammen zwar aus seinem Munde, jedoch sagt Allah, der Erhabene, diesbezüglich: »Euer Gefährte ist weder verwirrt, noch befindet er sich im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird.« (53:2-4)

In einem anderen Vers heißt es: »Eure Beschützer sind wahrlich Allah und Sein Gesandter und die Gläubigen, die das Gebet verrichten, die Almosenabgabe (zakāt) entrichten und sich (vor Allah) verneigen.« (5:55) Die muslimischen Koranexegeten sind sich in diesem Punkt einig, dass dieser Vers in Bezug auf Imam Ali (a) herab gesandt wurde, da er in einem Gebet in der Verneigung (rukūʿ) seinen Ring als Almosen gab.

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Einheit Gottes https://bufib.de/einheit-gottes-2/ Thu, 15 Oct 2015 20:06:11 +0000 http://bufib.de/?p=1784 Die »Einheit Gottes« (tawḥīdullah) ist der erste und substantielle Bestandteil der Glaubenslehre des Islams. Aus diesem Prinzip entspringen alle anderen Einzelheiten der islamischen Glaubensüberzeugung. Wenn man über die Einheit Gottes spricht, dann wird auch oft der Begriff »Monotheismus« benutzt.

Einheit Gottes bedeutet, dass man von einem einzigen Gott überzeugt ist, der keinen Gott – oder ähnliches – neben sich hat und ihm nichts ähnelt. Die Einheit Gottes besitzt mehrere Ebenen:

1. Die Einheit im »Wesen« (at-tawḥīd fiḏ-ḏāt)

Dies bedeutet, dass Gott keinen Gleichartigen (arab.: naẓīr) oder Seinesgleichen neben sich hat.

Im heiligen Koran heißt es dazu: »Es gibt nichts Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.« (42:11) Oder an dieser Stelle: »Sprich: ›Er ist Allah, ein Einziger. Allah, der Absolute. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden und ihm ebenbürtig ist keiner.‹« (112:1-4) 

2. Die Einheit in der Schöpfung (at-taḥīd fil-ḫāliqiyah)

Damit wird gemeint, dass es in der Existenz (al-wuǧūd) keinen Ursprung außer Gott gibt. Alles, was es gibt, sei es der Mensch, die Tiere, die Pflanzen, die Welt, das Universum, alles hat seinen Ursprung in Gott. Mit anderen Worten: Jede Wirkung (maʿlūl), obwohl sie untereinander verbunden sind, hat seine endgültige Ursache (ʿillah) in Gott. Dieses Prinzip wird auch »Kausalitätsprinzip« genannt. Die gesamte Schöpfung basiert auf Gott.

Im heiligen Koran können wir dazu unter anderem folgendes lesen: »Sprich: ›Allah ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist der Einzige, der Allmächtige.‹« (13:16) 

»Allah ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist der Erhalter aller Dinge.« (39:62)

»Das ist Allah euer Herr, der Schöpfer aller Dinge, Es ist kein Gott außer ihm.« (40:62)

»Er ist Allah, euer Herr. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Schöpfer aller Dinge; so betet Ihn an. Und Er ist der Hüter aller Dinge.« (6:102)

3. Die Einheit in der Herrschaft (at-tawḥīḍ fir-rubūbiyah)

Diese Ebene beschreibt, dass Gott der alleinige Sachverwalter und Herr über alle Welten ist. »Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.« (1:2) 

Gott ist der einzige, wahrhaftige Versorger und Verwalter der Schöpfung. All Seine Engel und sonstigen Geschöpfe sind Mittelleute, die auf den Befehl Gottes hin handeln und sind daher selbst in absoluter Abhängigkeit Gott gegenüber. Im folgenden Vers spricht Gott diejenigen an, die in der damaligen Zeit jene angebetet hatten, die lediglich Mittelsleute Gottes waren bzw. sie jene als solche angesehen hatten: »Ihm gebührt der aufrichtige Anruf; und jene, die sie statt Ihm anrufen, kommen ihnen mit nichts entgegen; (sie sind) wie jener, der seine beiden Hände nach Wasser ausstreckt, damit es seinen Mund erreiche und ihn doch nicht erreicht. Und das Bitten der Ungläubigen ist völlig verfehlt.« (13:14) 

Wenn es noch einen anderen Gott bzw. absoluten Versorger (mudabbir) gäbe, so würde es ein Chaos geben: »Gäbe es in (Himmel und Erde) Götter außer Allah, dann wären wahrlich beide dem Unheil verfallen.« (21:22) und: »Allah hat Sich keinen Sohn genommen, noch ist irgendein Gott neben Ihm: sonst würde jeder Gott mit sich fortgenommen haben, was er erschaffen hätte, und die einen von ihnen hätten sich sicher gegen die anderen erhoben. Gepriesen sei Allah (und Erhaben) über all das, was sie beschreiben!« (23:91)

4. Die Einheit im Gottesdienst (at-tawḥīd fil-ʿibādah)

Da Gott ein einziger, absoluter, unabhängiger Gott ist und die gesamte Schöpfung auf Ihn basiert, ist Gott auch der Einzige, der es verdient angebetet zu werden. In der ersten Sure des heiligen Koran heißt es: »Dir dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.« (1:5) in folgendem Vers wird beschrieben, dass es nur der einzige Gott ist, der anbetungswürdig ist: »Sprich: ›O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah.‹« (3:64)

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Wiederkehr https://bufib.de/wiederkehr-2/ Thu, 15 Oct 2015 20:01:45 +0000 http://bufib.de/?p=1781 Das arabische Wort „معاد“ (maʿād, dt.: Wiederkehr) stammt von „َعاد“ bzw. „عَوَد“ und bedeutet „zurückkehren, zurückkommen“. Alle himmlischen (monotheistischen) Religionen – somit auch der Islam – besitzen gemeinsam einen grundlegenden Bestandteil ihrer Glaubensüberzeugung (ʿāqīdah): die Wiederkehr, d.h. die Überzeugung von einem „Leben nach dem Tod“. Der Heilige Koran hat neben der Bezeichnung „Wiederkehr“ noch andere Bezeichnungen für dieses signifikante Ereignis, wie z.B.: Tag der Auferstehung (yawm al-qīāmah), Tag der Abrechnung (yawm al-ḥisāb). In unserem alltäglichen Sprachgebrauch benutzen wir auch oft den Begriff „Jüngster Tag“.

Die Ablehnung dieser Thematik (Leben nach dem Tod) war schon seit jeher der Kernpunkt der Widersacher zu Zeiten der Propheten (a). Der Heilige Koran misst diesem Bestandteil der Glaubensüberzeugungen einen sehr großen Wert zu, so dass über 1400 Verse sich damit auseinandersetzen.

Beweis für die Wiederkehr

Eine der göttlichen Eigenschaften ist die „Weisheit“ (al-ḥikmah) und der Weise (al-ḥakīm) ist jener, dessen Tat immer ein Ziel und Zweck besitzt. Die Schöpfung der Menschen ist eine Tat Gottes, dem Weisen, d.h, dass die Schöpfung des Menschen ebenfalls einen Sinn und Zweck besitzt. Wenn dies klar ist, dann stehen wir vor zwei Möglichkeiten:

1. Dass dieses Leben, d.h. das Leben in dieser Welt (die wir auch als „dunyā“ bezeichnen), das Ende ist und kein Leben danach gibt. Es gäbe dann also auch keine sog. Wiederkehr oder gar einen Tag der Abrechnung. Wenn der Mensch also nur für die hiesige Welt, eine materielle Welt (ʿālam mādiy), geschaffen wäre, so wäre der menschliche Verstand, mit dem der Mensch einige der Geheimnisse der Existenz (al-wuǧūd, was über der Materie steht) wahrnehmen kann, überflüssig und sinnlos. Außerdem ist der Mensch so geschaffen, dass er die (menschliche) Vollkommenheit liebt und anstrebt, was jedoch bei einer Beschränkung auf das Diesseits ebenfalls sinn- und zwecklos wäre. Der allweise Gott steht aber über solch einer Annahme, dass Er etwas schaffen würde, was ohne Ziel wäre.

2. Dass es noch eine andere „Welt“ gibt, wohin der Mensch nach dem Tod „geht“. Diese andere Welt ist der Sinn und das Ziel. Damit wäre die Schöpfung des Menschen nicht sinnlos, denn mit dem Tod würde das niedrige, auf die Materie beschränktes, Leben beendet sein und in eine höhere, edlere Welt übergehen. Dieser „Übergang“ ist die Wiederkehr (al-maʿād) und ist ein Ziel. Im Heiligen Koran heißt es: „‚Glaubtet ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit erschaffen, und ihr würdet nicht zu Uns zurückgebracht?‘“ (Die Gläubigen (23:115))

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Islamische Glaubenslehre https://bufib.de/islamische-glaubenslehre/ Thu, 15 Oct 2015 11:03:29 +0000 http://bufib.de/?p=1696 Ein jeder lebt in dieser Welt und trägt eine Fülle an Ideen, Meinungen und Ansichten mit sich, von denen er überzeugt ist, dass sie richtig sind. Ebendiese werden auch Überzeugungen bzw. Glaubensüberzeugungen (al-ʿaqīdah) genannt. Alle Religionen oder sonstigen Weltanschauungen besitzen Überzeugungen, die das Grundkonzept ihres »Glaubens« (bzw. Überzeugung) darstellen. In unserem – islamischen – Fall bezeichnen wir jene als »islamische Glaubenslehre« (al-ʿaqīdah al-islāmiyah).

Die islamische Glaubenslehre besteht aus fünf Elementen: 

1. Die Einheit Gottes (tawḥīd Allah)

2. Die Gerechtigkeit Gottes (al-ʿadl al-ilāhiy)

3. Das Prophetentum (an-nubuwah)

4. Die Führerschaft (al-imāmah)

5. Die Wiederkehr (al-maʿād)

Die Wissenschaft, die sich mit der Beweisführung der einzelnen Elemente der islamischen Glaubenslehre beschäftigt, nennt man: »Theologie« (ʿilm al-kalām).

Die Glaubenslehre ist mit dem Menschen zweierlei verbunden:

1. Mit dem menschlichen Verstand

Von dem, wovon der Mensch überzeugt ist, gehen viele verschiedene Ansichten und Taten aus. Mit anderen Worten: Der Mensch überzeugt sich (durch seinen Verstand) von etwas und handelt dann danach. 

2. Mit dem menschlichen Herzen

Der Mensch unterscheidet sich von vielen Geschöpfen, dass er Gefühle, wie Liebe, Verwunderung, Abneigung und andere, besitzt. Und viele dieser Gefühle stehen oft in Zusammenhang mit der eigenen Überzeugung, wie man anhand dieses Verses aus dem heiligen Koran sehen kann: „Diejenigen, zu denen die Leute sagten: „Seht, die Leute haben sich bereits gegen euch geschart; fürchtet sie darum!“ – nur stärker wurden sie im Glauben und sagten: „Uns genügt Allah, und Er ist der beste Sachwalter!““ (3:173)

Daran erkennt man, dass jener, der eine starke islamische Glaubensüberzeugung besitzt, keine Furcht hat, sondern gar noch seinen Glauben und stärkt, wenn es eine schwierige Situation gibt. 

 Der Mensch mit Verstand handelt nur nach dem, wovon er »überzeugt« ist, d.h., er handelt nach dem, was er mittels seines Verstandes bewiesen hat. Von daher legt der Islam größten Wert auf eine auf Wissen basierende Glaubensüberzeugung. 

Für einen Muslim bzw. einer Muslima ist es unabdingbar, dass er bzw. sie sich mit der eigenen Glaubenslehre intensiv beschäftigt, so dass diese tatsächlich eine wahrhaftige »Überzeugung« darstellen kann. 

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Gerechtigkeit Gottes https://bufib.de/gerechtigkeit-gottes/ Thu, 15 Oct 2015 10:26:55 +0000 http://bufib.de/?p=1689 Die Gerechtigkeit (al-ʿadl) ist eine Eigenschaft Gottes, die aufgrund ihrer Wichtigkeit und unterschiedlichem Verständnis gesondert untersucht wird und daher auch, als eine der fünf Elemente der islamischen Glaubenslehre gezählt wird. 

Im Gegensatz zur Gerechtigkeit steht die Ungerechtigkeit (aẓ-ẓulm). Gott ist gerecht (ʿādil) und nicht ungerecht (ġayr ẓālim). Er tut nichts verachtenswertes (qabīḥ) und die Ungerechtigkeit ist verachtenswert. Die islamische Glaubenslehre sagt zum Beispiel, dass Allah, der Erhabene, den Diener belohnt und den Sünder bestraft und nicht umgekehrt, denn dies wäre »ungerecht«. 

Im heiligen Koran heißt es: »Wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Gutes tut, der wird es dann sehen. Und wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Böses tut, der wird es dann sehen.« (99:7-8)

In vielen Versen des heiligen Korans befiehlt Gott, dass die Menschen gerecht sein sollen. Die Gerechtigkeit an sich ist eine der vollkommenen Eigenschaften (ṣifāt al-kamāliyah) und muss daher Gott zugerechnet werden, da er der Vollkommene (al-kāmil). Außerdem verachtet es der nach Verstand handelnde Mensch (al-ʿāqil) etwas zu tun, dass ungerecht ist. Wie ziemt es sich dann noch Gott, Gott bewahre, ungerecht zu sein?! 

»Allah befiehlt euch, die anvertrauten Güter ihren Eigentümern zurückzugeben; und wenn ihr zwischen Menschen richtet, nach Gerechtigkeit zu richten« (4:58)

»Allah gebietet Gerechtigkeit und uneigennützig Gutes zu tun und zu spenden wie den Verwandten; und Er verbietet das Schändliche, das offenbar Schlechte und die Übertretung. Er ermahnt euch, auf dass ihr es beherzigt.« (16:90)

In Bezug auf die Bedeutung der Gerechtigkeit Gottes können wir vier Dinge festhalten:

1. Alle Handlungen Gottes, des Erhabenen, sind weise (ḥakīmah). Es gibt nichts Verachtenswertes in seinen Handlungen, weder Lüge noch Ungerechtigkeit.

2. Alle Handlungen Gottes sind aufgrund von Nutzen und Vorteilen verursacht. Dies, da Er weise ist und vom Weisen stammen keine Sinnlosigkeit und kein Paradox. »Und Wir erschufen Himmel und Erde und das, was zwischen beiden ist, nicht zum Spiel.« (21:16)

3. Gott verlangt von niemandem mehr, als dieser selbst tragen kann. »Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag.« (2:286) »… Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen …« (2:185) »Und Er legt euch nichts Beschwerliches in der Religion auf.« (22:78)

4. Gott leitet niemanden Seiner Diener fehl: Gott leitet sie recht, doch der Mensch allein ist es, der sich fehlleitet. »Und nicht Wir taten ihnen Unrecht, sondern sie taten sich selber Unrecht.« (16:118) Oder die Menschen folgen falschen Vorbildern, sodass diese die Menschen vom geraden Weg abbringen: »Und sie werden sagen: ›Unser Herr, wir gehorchten unseren Häuptern und unseren Großen, und sie führten uns irre (und) vom Weg ab.‹« (33:67) 

5. Gott prüft die Menschen: »(Er,) Der den Tod erschaffen hat und das Leben, auf dass Er euch prüfe, wer von euch die besseren Taten verrichte; und Er ist der Erhabene, der Allvergebende.« (67:2)

Allah, der Erhabene, ist zu niemandem Seiner Schöpfung ungerecht, Er ist mehr als gerecht, Er ist großzügig: »Wahrlich, Allah tut kein Unrecht; auch nicht vom Gewicht eines Stäubchens. Und ist da irgendeine gute Tat, so vervielfacht Er sie und gibt von Sich aus gewaltigen Lohn.« (4:40)

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Epilog https://bufib.de/epilog/ Wed, 14 Oct 2015 22:03:25 +0000 http://bufib.de/?p=1677 Was war der Standpunkt des Imams (a)? Der Imam (a) änderte seinen Standpunkt vom Anfang des Aufstandes bis zum Martyrium kein einziges Mal. Dies wird ersichtlich, wenn wir uns sein Testament an Mohammad ibn al-H’anafiyah (r) anschauen, das er ihm, kurz bevor er (a) sich auf den Weg nach Mekka machte, vortrug: „Ich erhebe mich weder arrogant, weder übermütig, weder korrupt, noch unterdrückend, sondern erhob ich mich, um Recht und Ordnung in der Gemeinschaft meines Großvaters zu schaffen. Ich möchte Gutes gebieten und Schlechtes verbieten und nach der Lebensweise meines Großvaters und meines Vaters Ali bn Abi Talib leben.“125

In diesen kurzen Zeilen machte der Imam (a) auf alle Gründe seiner Revolution aufmerksam. Das zentrale Thema seines Aufstandes ist „die Schaffung von Recht und Ordnung“ (al-is’laah‘). Um diese Tatsache zu verstehen, benötigten wir all das zuvor gesagte. Der Islam hing am letzten seidenen Faden und war nur noch ein Atemzug davon entfernt, vollständig ausgelöscht zu werden. Imam al-Hussein (a) wusste trotz der niedrigen Anzahl an Kämpfern die er hatte, was zu tun war. Die reinen Worte des Beweises Gottes auf Erden und des gesamten Universums sagte folgenden einen Satz, der eine komplette Lebensphilosophie gegründet hat: „Wenn ich mich zwischen Krieg und Unterwürfigkeit entscheiden müsste, so wehe der Unterwürfigkeit!“ Welche Unterwürfigkeit meint der Imam (a)? Es ist die Unterwürfigkeit des Verstandes gegenüber der Unwissenheit und der materiellen Habgier. Es ist die Unterwürfigkeit des Herzens gegenüber dem Hass und der menschlichen Eingeschränktheit. Es ist die Unterwürfigkeit der Seele gegenüber tierischer Manie126.

Der Aufschrei Imam al-Husseins (a) ist der Schrei nach Freiheit, Freiheit, durch die der Mensch Allah (swt) erkennt. Es ist der Schrei nach Leidenschaft, Leidenschaft, durch die der Mensch Liebe exhaustiv127 entdeckt. Es ist der Schrei nach Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, durch die der Mensch Progression128 erfährt. Imam al-Hussein (a) hat mit seiner heiligen Revolution in Kerbala sowohl den Islam als auch den Muslim neu geboren. Nach absoluter Dunkelheit kam wieder Licht ins Leben.

Aus Aschura entstand eine Schule, die mit dem Blut Imam Hussains (a) geschrieben wurde, wie es Shahid Mutahhari (r) bezeichnete. Alles was wir haben, haben wir von Kerbala, wie sich Imam Khomeini (r) ausdrückte. Er meinte damit, dass die islamische Revolution nur zustande kommen konnte, weil sie den Aufschrei Imam Husseins (a) in ihren Adern hatten. Es ist der Pfad der Freiheit.

Wo stehen wir heute? Ist es nicht so, dass wir Menschen, wieder einmal, mit dem ‚Leben‘ des Islams spielen? Aschura ist keineswegs nur ein historisches Thema, das man einmal im Jahr aus dem Bücherregal holen sollte. Aschura ist eine Einstellung, es ist eine Lebensphilosophie, es ist ein Weg. So wie der Ausspruch schon wahrhaftig sagt: „Jeder Ort ist Kerbala und jeder Tag ist Aschura.“ Wie gehen die meisten Muslime mit Aschura nach über 1370 Jahren mit dem Ereignis Aschura um? Es ist zu einer einzigen Trauerveranstaltung geworden. Was an sich nicht falsch ist, denn wie wir im ersten Kapitel gesehen haben, hat selbst der Prophet Mohammad (s), noch vor dem Martyrium seines Enkels Imam Hussein (a), geweint und ist somit prophetische Tradition. Aber ist das alles, was uns Imam Hussein (a), Sayyida Zeinab (a), Imam al-Abbas (a), Imam Zayn al-Abidin (a) und die restlichen treuen Gefolgsleute des Imam (a) mitteilen wollten? Was will der Imam (a) von uns? Möchte er (a), dass wir uns verschließen und nichts tun, außer weinen und nachtrauern? Oder möchte er (a), dass wir uns weiter entwickeln, indem wir uns den Angelegenheiten der muslimischen Weltengemeinschaft widmen?

Es gibt Muslime, die sich blind zurückziehen und brav ihre Gottesdienste verrichten, jedoch mehr gibt es nicht. Sie verstehen unter Gottesdienst lediglich das Gebet, Fasten, Pilgerfahrt und die Einfünftelabgabe (khums). Aber nein! Der Islam ist noch viel mehr. Imam Khomeini (r) verdeutlicht dies, indem er sagt, dass der Mensch nicht seine Religion zu einem Teil seines Lebens machen soll, sondern das Leben zu einem Teil seiner Religion.

Wir müssen darüber glücklich sein, dass wir so viele große islamische Gelehrte haben, die sich tagtäglich mit den Angelegenheiten der Muslime in der Welt auseinandersetzen. Ihnen geht es nicht nur um die Beantwortung der juristischen Fragen, sondern um Recht und Ordnung in der Gesellschaft. Dies ist die Ansicht der Befolger des Systems der Führung des Rechtsgelehrten. Sie sehen an, dass der Rechtsgelehrte, der die nötigen Bedingungen erfüllt, dieselben Aufgaben, wie der unfehlbare Imam (a) hat, außer worin es beweisbare gesetzliche Ausnahmen gibt. Ihre Aufgabe ist es, die Religion zu erläutern, die Religion walten zu lassen, die Verteidigung der Religion, sei es nun auf wissenschaftlicher oder politischer Ebene und vor allem, dass sie sich um die Angelegenheiten und Probleme der Muslime kümmern. Da dies eine Ansicht ist, die mit der Denkweise der Verständigen absolut übereinstimmt, ist dies auch unter der Mehrheit der Rechtsgelehrten in der Geschichte und Gegenwart der Schiiten wieder zu finden.129

Liebe Leserin und lieber Leser, lasst uns unsere Religion neu erkennen und erforschen. Dafür benötigen wir aber Bildung und Aufrichtigkeit (ikhlaas). Diese sind im 21. Jahrhunderts die Waffe gegen die Unterwerfung, von der Imam al-Hussein (a) sprach. Ein Muslim ohne Bildung und Aufrichtigkeit kann ganz schnell zu einem der damaligen Leute von Kufa werden, die aus Unwissenheit und materiellen Trieben, ihren Imam (a) verraten hatten. Sobald der erwartete Imam, Imam al-Mahdi (af) erscheint, sind wir dann wie die Leute aus Kufa oder wie die Gefolgsleute Imam Husseins (a) in Kerbala?!

Gestützt der Worte Imam Khomeinis (r) in seinem Buch „Der islamische Staat“ bittet dich Dein ergebener und armer Diener, oh Allah, erwecke die Staatsoberhäupter, die behaupten islamische Staaten zu regieren, aus ihrem tiefen Schlaf, so dass sie im Interesse der Völker tätig werden und auf Streit und Spaltung in der islamischen Welt verzichten. Oh Allah, hilf der Jugend und den Studenten der Theologie und anderen Fachrichtungen, dass sie sich zur Verwirklichung der heiligen Ziele des Islams erheben und sich vereint um die Befreiung vom Joch des Imperialismus und seiner heimtückischen Handlanger und um die Verteidigung ihrer Religion und Mitmenschen bemühen. Stehe den Rechtsexperten und Gelehrten bei, dass sie die Menschen führen, die Gesellschaft aufklären, den Muslimen, insbesondere der jungen Generation, die heiligen Ziele des Islams verständlich machen. Oh Allah, beschleunige das Erscheinen des Erlösers. Lass uns seine Gefolgsleute sein, so wie es den Gefolgsleuten Imam Hussains (a), Deinem Liebling, ermöglicht wurde. Wahrlich, Du bist es, der Gelingen schenkt. Und keine Macht und Kraft ist außer der göttlichen, der des Erhabenen und Allmächtigen.

Fußnoten:

125 Al-Khawaazimiy, Maqtal al-Hussein (a), Band 1, S. 188

126 Begierde

127 vollständig, komplett

128 Entfaltung, Erhöhung, Fortschritt

129 Shaikh an-Naraaqi (r) hat in seinem Werk A’waa-id al-Ayaam auf Seite 187-188 sogar gesagt, dass darin eine Übereinstimmung (ijmaa‘) unter den Rechtsgelehrten besteht. Sicherlich kamen nach ihm eine kleine Anzahl von Rechtsgelehrten, die dem widersprachen, dennoch, wenn man objektiv an die Sache herangeht, dann wird man erkennen, dass die absolute Mehrheit der Rechtsgelehrten, die Theorie von der Führerschaft des Rechtsgelehrten (wilaayatul-faqiih), vertreten.

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Politische Lage (Teil 4) https://bufib.de/politische-lage-teil-4/ Wed, 14 Oct 2015 21:59:35 +0000 http://bufib.de/?p=1676 Yazid soll „Thronfolger“ werden

Eigentlich wurde die Thronfolge, wie man die Nachfolge Muawiyahs tatsächlich nennen muss, schon vor dem Martyrium Imam al-Hassans (a) festgelegt, jedoch war dies Muawiyah, aufgrund von Oppositionellen und äußeren Faktoren97, nicht möglich. Man könnte aber auch sagen, dass er selbst gierig nach Macht war und nicht mal seinem eigenen Sohn etwas gegönnt hatte. Außerdem wollte Muawiyah, dass sich die Leute langsam daran gewöhnen, dass sein Sohn, der damals noch keine dreißig Jahre alt war, der neue Kalif und im Sinne Muawiyahs: „Kaiser“ der Muslime werden sollte. Aber weshalb „daran gewöhnen“? Dies, weil die letzten fünf Kalifen (Abu Bakr, Omar, Uthman, Imam Ali (a) und Imam al-Hassan (a)) keine Erbfolge von einem davor waren.98 Wie gesagt, führte Muawiyah auf allen Ebenen ein neues Herrschaftssystem ein, das die islamische Nation noch nie zuvor zu Gesicht bekam und auch islamisch nicht haltbar war. Es war eine Art Kaiserreich, das angelehnt an das Byzantinische Reich aufgebaut werden sollte: das „Umayyaden-Reich“.99

Wieder einmal wurden Leute gekauft, um zu bezeugen, dass Yazid, der Sohn Muawiyahs, der geeignetste Nachfolger sei. Schließlich, nach einigen Vorbereitungen war das Angestrebte erreicht. Dah’aak ibn Qays, ein Gefolgsmann Muawiyahs, hatte jemanden beauftragt folgendes zu machen: „Wenn sich die Gouverneure bei mir einfinden, werde ich zunächst nichts sagen. Du aber wirst Yazid als Kalifennachfolger vorschlagen …“ Dann hat jemand, auf Muawiyah weisend, gesagt: „Er ist der Fürst der Gläubigen, und wenn er stirbt, wird er es sein.“ Bei diesen Worten zeigte er auf Yazid. Dann, mit dem Griff zum Schwert, sagte er: „Wer damit nicht einverstanden ist, der wird dies (das Schwert) zu spüren bekommen.“ Ein anderer, A’mr ibn Sa’id al-Aschdaq sagte: „Yazid ist genau der, den ihr euch wünscht. Seine Gerechtigkeit ist die, die ihr wollt.“100 Neben diesen Irregegangenen, gab es noch eine Reihe weiterer, die ihre Religion, und letzten Funken Ehre, für weltliche Ziele verkauft haben, und sprachen sich für Yazid aus. Als Marwan ibn al-Hakam die Leute von Medina aufforderte, Yazid als zukünftigen Nachfolger Muawiyahs anzuerkennen, bekräftigte er dies mit dem Satz: „Muawiyah ist diesbezüglich vorgegangen wie Abu Bakr.“ Darauf sei aber Abd ar-Rah’man, der Sohn von Abu Bakr, aufgestanden und meinte, dass dies eine Lüge sei, da sein Vater, Abu Bakr, Omar nur (schriftlich) empfohlen hätte und dieser kein Familienmitglied Abu Bakrs wäre. Wie dem auch sei, denn schließlich musste man die Nachfolge bzw. Thronfolge Yazids anerkennen, ob es einem passte oder nicht. Damit beging Muawiyah den größten Fehler der jungen islamischen Geschichte, denn er übergab das Zepter der muslimischen Führung einem öffentlichen Ungläubigen! Und damit brach Muawiyah wieder einen weiteren Paragraphen des Abkommens mit Imam al-Hassan (a). Man könnte noch viel von Muawiyahs hinterhältiger List und Intrige erwähnen, dennoch möchten wir uns darauf beschränken. Schließlich starb Muawiyah im Jahre 60 n. H. (680 n. Chr.) im Alter von 80 Jahren.101 Somit tyrannisierte er über zwanzig Jahre die Muslime. Daraufhin wurde Yazid – per Erbfolge – neuer Kalif.

Zur Person Yazids

Wer war Yazid? Sein Geburtsjahr ist nicht ganz klar unter den Historikern, jedoch beschränkt man sich auf das Jahr 25 oder 26 n. H.102 Er ist bei seinen Onkeln, mütterlicher Seite, aufgewachsen, die vor der Eroberung Schams noch Christen waren. Seine Lebens- und Denkweise wurde sehr stark von ihnen beeinflusst. Yazid ibn Muawiyah war dafür bekannt, dass er dem Alkohol103 so sehr verfallen war, dass er das Gebet unterlassen hatte104. Er hatte eine Leidenschaft für Affen105 und für das Jagen106. Neben weiterer vieler Unmoralitäten und sinnlosem Zeitvertreib, war er auch noch bekanntermaßen ungläubig107. Solch eine niedrige Kreatur, die sich im Suff, Unzucht treibend, mit Affen spielend und sonstiger tierischer Eigenschaften als Fürsten der Gläubigen bezeichnete, sollte nun die Macht über die Muslime übernehmen.

Ziel Yazids

Im Jahre 60 n. H. ist also Yazid Nachfolger von Muawiyah geworden. Seine wichtigste Aufgabe war es, alles, was seine Macht in Gefahr bringen könnte, zu unterbinden bzw. auszulöschen. Es gab zwar eine kleine Anzahl, die gegen ihn waren, aber nicht aktiv oder hätten nicht genügend Stimmen für ein angestrebtes Kalifat, wie z. B. Abdullah ibn Zubayr108. Der Einzige, der Yazid wirklich gefährlich werden könnte, war der reine Imam al-Hussein (a). Imam al-Hussein (a) lebte zu dieser Zeit in Medina und war gleichzeitig, nach dem Martyrium seines Bruders Imam al-Hassans (a), der dritte Imam. Die Hauptaufgabe, die sich Yazid in seinem noch in der Wiege liegendem Kalifat stellte, war es den Treueid von Imam al-Hussein (a) zu bekommen. Dies wollte Yazid vom Sohn der Tochter des Propheten (s), dem ehrenvollsten, gottesfürchtigsten und tugendvollsten Menschen zu seiner Zeit. Da Yazid wusste, dass es im Irak immer noch Leute gab, die sich um ihren wahrhaftigen Imam (a) versammelten, die die treuen Schiiten waren, wies er seinen Gouverneur von Medina (Walid ibn U’qbah) an, Imam al-Hussein (a) dazu zu drängen, ihm den Treueid zu geben. Ebenfalls sagte Yazid zu Walid, dass wenn er (a) den Treueid verweigern sollte, so solle Walid ihm den Kopf Imam Husseins (a) schicken.

Herangehensweise Imam Husseins (a)

Einleitend möchten wir hier erwähnen, dass die Herangehensweise Imam Husseins (a) eine andere war, als die seines Bruders Imam al-Hassan (a). Dies hatte vor allem auch damit etwas zu tun, dass Imam al-Hassan (a) offiziell mit dem Kalifat beauftragt wurde. Imam al-Hussein (a) wiederum ist zwar nach schiitischer Überzeugung, der von Allah (swt) erwählte dritte Imam (a), jedoch wurde er nicht mit dem (politischen) Kalifat beauftragt, da nun die Dynastie der Umayyaden regierte. Dies ist auch ein triftiger Grund, weshalb Imam al-Hassan (a) notgedrungen nach diplomatischeren Wegen griff. Imam al-Hussein (a) hatte von der Allgemeinheit des Volkes aus keine amtliche politische Position. Sicherlich, die treuen Gefolgsleute von ihm (a), d. h. die Schiiten, sie erkannten die göttliche Beauftragung Imam Husseins (a) als ihren Führer (imaam) an.

Nach dem Martyrium Imam Hassans (a) hat Muawiya noch zehn Jahre gelebt und somit hat Imam Hussein (a) längere Zeit unter dem politischen Druck der Umayyaden, als Imam, gelebt. In dieser Zeit war der Imam nicht tatenlos, sondern hat sich (soweit ihm dies bei solch einer prekären Lage möglich war) um die Belange der Muslime gekümmert, hat sie im Islam unterrichtet und die wahren Kerngedanken des Islam seines Großvaters, des Propheten Mohammad (s), gelehrt.

Wenn man Imam Hussein (a) verstehen möchte, so muss man die Lage nach Muawiyahs Tod betrachten. Damaskus ist zu einer Umayyaden-Hochburg geworden. Der Irak stellte jedoch immer noch eine entscheidende oppositionelle Macht gegenüber der Bani Umayyah dar. Es gab nun zwei oppositive Hauptgruppierungen: 1. Leute, die nun nach Muawiyahs Tod die Gelegenheit gekommen sahen, die Macht umzupolen und nach Kufa zu verlegen und dies waren ebenfalls Machtgierige, vom wahren Glauben verlassene Menschen. 2. Eine Gruppe, die am wahren Islam festgehalten hatte und nun nach dem Tode Muawiyahs, die Chance sahen der Verirrung und völligen Verdrehung des Islams ein Ende setzen zu können und die ursprünglichen, menschlichen Werte wiederherzustellen. Aber zum größten Teil waren die Iraker davon überzeugt, dass Yazid als Kalif nicht geeignet war. Weiter waren sie sich in weiterem Punkt einig, nämlich wer sie gegen Yazid unterstützen könnte: Imam al-Hussein (a).

Wie erwähnt, sollte Walid ibn U’qbah, Yazids Gouverneur in Medina, Imam al-Hussein (a) dazu drängen, ihm dem Treueid zu geben. Außerdem wollte Yazid, dass der Imam (a) den Treueid nicht im Geheimen gibt, sondern in aller Öffentlichkeit in der Moschee. Marwan ibn al-Hakam, eine listige und zugleich von politischer Feinheit ausgestattete Persönlichkeit, sagte zu Walid, dass er auf der Hut sein soll und er Imam Hussein (a) nicht von Medina fortgehen lassen soll, bis dieser (a) Yazid den Treueid gegeben hättee. Der Imam (a) antwortete darauf: „Nicht du und nicht er wird mich töten.“ Dann richtete sich der Enkel des Propheten Mohammad (s) an Walid und sagte: „Yazid ist Alkoholiker und ein Frevler (faasiq). Er ist nicht geeignet, die Muslime und ihr Land zu regieren …“

Imam Hussein (a) geht nach Mekka

Imam Hussein (a) hatte Yazid also nicht den Treueid geleistet. Wie sollte der reine Imam (a) einem Frevler den Treueid leisten? Es war sein (a) legitimes Recht diesen zu verweigern. Jedoch haben wir zuvor erwähnt, dass der Großmufti und stellvertretende Justizminister des Königreiches Saudi Arabien – Abd al-Aziz bin Abdullah Aal ash-Shaikh sagte, dass dies eine Sünde Imam Hussains (a) gewesen sei. Wie schwach, wenn ein Mensch im 21. Jahrhundert immer noch von den Machenschaften der Umayyaden verblendet werden kann. Wie dem auch sei. Der Imam (a) hat Medina, aus Protest gegen Yazid, verlassen, jedoch nicht insgeheim, wie es Abdullah ibn Zubayr tat, sondern ganz offenkundig. Er (a) tat damit seinen Protest öffentlich kund. Imam al-Hussein (a) nahm seine Familie, seine treuen Gefolgsleute, die Frauen und Kinder mit. Noch bevor er aufbrach, ging er zum Grabe seines Großvaters, dem Propheten Mohammad (s), seiner Mutter Sayyida Fatima az-Zahra (a) und seinem Bruder Imam al-Hassan (a) und verabschiedete sich von ihnen sehr leidenschaftlich. Bemerkenswert daran war unter anderem, dass der Prophet (s) dem Imam (a), nachdem dieser an seinem Grab eingeschlafen war, in seinem Traum begegnete. Darin hat Prophet Mohammad (s) seinem Enkel Imam al-Hussein (a) einen Kuss auf die Stirn gegeben und ihm erzählt, was ihm am Tage von Aschura passieren wird und auf welche grausame Art und Weise er ermordet wird. Zum Schluss sagte er (s) seinem Liebling (a): ‚‚… Mein geliebter Hussein, dein Vater, deine Mutter und dein Bruder kamen zu mir und sagten, dass sie dich sehr vermissen. Du hast einen besonderen Rang im Paradies …‘‘109 Am 28. Rajab 60 n. H. machte er sich mit seiner Karawane auf den Weg in Richtung Mekka.

Hier stellt sich aber eine entscheidende Frage: Weshalb ging der reine Imam (a) nicht direkt nach Kufa, anstatt nach Mekka, obwohl doch offensichtlich war, dass die Iraker, vor allem in Kufa, die einzigen waren, die Schaam die Stirn bieten könnten? In Kufa war die Lage eigentlich im allgemeinen Pro-Ahlul Bayt (a). In den anderen Gebieten jedoch, wie Medina und auch Mekka, war die absolute Mehrheit dem tyrannischen Regime des Islamhassers Yazid zugeschrieben. Selbst in Basra (irakischer Ort) war die Mehrheit des Volkes auf Bani Ummayah eingestimmt und außerdem gab es dort einen starken Gouverneur Yazids, nämlich U’baydullah ibn Ziyaad. Imam al-Hussein (a) ging nicht direkt nach Kufa, weil er (a) sich noch etwas Zeit verschaffen wollte, um dadurch offen erkenntlich zu machen, was die Leute Kufas wirklich wollten und ob sie tatsächlich ihr Wort einhalten würden. Außerdem konnte der Imam (a) nicht in Medina bleiben, da es eine große Gefahr für sein heiliges Leben (a) darstellte und somit die Revolution ins Wanken geraten würde. Zweitens war dies ein erster aktiver Protest gegen die Regierung Yazids.

Am 3. Sha’baan, in der Nacht zum Freitag, kam der Imam (a) und seine treuen Gefolgsleute (r) in Mekka an110. Es ist interessant zu sehen, dass der Imam (a) und seine Leute für 125 Tage in Mekka blieben und dies somit die längste Epoche der Revolution Imam Husseins (a) war und es dennoch darüber die wenigsten (schriftlich festgehaltenen) historischen Berichterstattungen gibt.

Nun stellt sich eine weitere Frage: Weshalb Mekka? Zuvor behandelten wir die Frage, weshalb der Imam (a) nicht direkt nach Kufa gegangen ist. Nun aber, warum hat er (a) ausgerechnet Mekka ausgewählt? Der wahrscheinlich stärkste Grund dafür war die Pilgersaison (al-h‘ajj). Wir sagten, dass er Anfang Sha’baan in Mekka ankam. Sha’baan ist der achte Monat des islamischen Mondkalenders. Somit würde die Pilgersaison also vier Monate später beginnen, und wenn man genauer sein will, eigentlich schon etwas früher, denn nur die Pflichtteile der Pilgerfahrt beginnen dann, jedoch kamen sicher schon viele vor diesem Termin. Jedenfalls ist dies die Zeit der größten Versammlung von Muslimen an einem Ort. Es war eine hervorragende Möglichkeit für die Propaganda des himmlischen Auftrages Imam Husseins (a). So konnte man eine oppositionelle Kampagne gegen Yazid starten und den Menschen die wirkliche Intention Bani Umayyahs erläutern und vom wahren Islam abgrenzen. Mekka war schon seit dem Beginn der himmlischen Botschaft des Propheten Mohammad (s) zu einem Zentrum der Aggressionen gegen die reine Familie des Propheten (s) geworden. Nur zwei Jahre nach der Revolution in Kerbala sagte der Sohn Imam al-Husseins (a), Imam Zayn al-Abidin (a): „Keine zwanzig Männer in Mekka und Medina lieben uns.“111

Vorbereitungen zur Revolution

Nachdem in Kufa bekannt wurde, dass Muawiyah gestorben war und Imam Hussein (a) Yazid den Treueid (öffentlich) verwehrte, gab es dort einige Versammlungen, die die Lage besprechen sollten und ihre erste wurde im Hause von Sulaiman bin Sard al-Khazaa’i112 abgehalten. Sie äußerten ihre Bedrücktheit darüber, dass der Islam von Bani Umayyah kaputtgemacht wurde und diese die islamischen Grundlagen verleugnet hatten. Außerdem beklagten sie die öffentliche und amtliche Unterdrückung der Schiiten. Sie begannen Briefe an Imam al-Hussein (a) mit ihren Klagen und ihrer Bereitschaft zu kämpfen zu schreiben, wobei der erste Brief am Zehnten des heiligen Monats Ramadan ankam113. Unter anderem schrieben sie: „Wir erkennen das Kalifat Yazids nicht an und wollen nur dich (d. h. Imam al-Hussein (a)) als unseren Imam … In Kufa sind Hunderttausend Mann, die mit dem Schwert umzugehen vermögen, bereit, dich zu unterstützen. Wenn du unserer Einladung nicht folgst und dich nicht zum Schutze der Religion erhebst, hast du dies vor Gott zu verantworten.“ Einige Historiker berichten von tausenden Briefen, die an den Imam (a) adressiert wurden.114

Der Imam (a) beantwortete diese Briefe mit den Zeilen: „… Ich schicke meinen Vetter Muslim, dem ich vertraue, zu euch, damit er sich über die Situation bei euch in eurer Stadt informiert und mich darüber in Kenntnis setzt. Wenn das, was ihr mir schreibt, stimmt, werde ich zu euch kommen.“115 Er (a) wandte sich persönlich an Muslim ibn A’qil (r) und schickte ihn daraufhin mit diesem Schreiben nach Kufa.

Solange Imam al-Hussein (a) in Mekka war, gab es keinen militärischen Versuch, von Seiten Yazids, gegen ihn (a) vorzugehen. Dies kann mehrere Gründe gehabt haben, wie z. B. aufgrund der hohen Anzahl an Menschen in Mekka zur Zeit der Pilgerfahrt und ein anderer Grund kann auch gewesen sein, dass der Imam (a) mit höchster Sicherheit von seiner Familie (a) und treuen Gefolgsleuten (r) beschützt wurde. Trotz alledem gibt es historische Befunde, dass Bani Umayyah unfähig war Imam al-Hussein (a) in Mekka zu ermorden.116

Wie gesagt machte sich Muslim ibn Aqil (a), mit dem Brief Imam al-Husseins (a), am 15. des heiligen Monats Ramadan auf den Weg nach Kufa. Er war für seine Stärke und Männlichkeit bekannt, denn schon unter der Führerschaft von Imam Ali (a) zählte er zu den wichtigsten Generälen in der Schlacht von „Siffin“.117 Am 5. Shawwaal118 kam er in Kufa an.119 Die Leute Kufas hießen ihn willkommen. Er schätzte die Lage als sicher ein und schrieb seinem Imam (a), dass die Leute Kufas ihm (a) folgen und auf seine (a) Ankunft warten würden. Aus einigen Überlieferungen geht sogar hervor, dass sie, als sie die Botschaft Imam al-Husseins (a) gelesen hatten, anfingen zu weinen.120 Täglich stieg die Zahl in Kufa, die sich dem Weg Imam Husseins (a) anschließen wollten, bis sich eine Anzahl von 18000 Mann angesammelt hatte, die ihm (a) den Treueid schwuren.121 Die niedrigste Zahl derjenigen, die ihm (a) den Treueid schwuren, die in den historischen Werken genannt wird, lieg bei 12000, jedoch erwähnen die meisten Historiker die genannte Zahl von 18000.

Jedoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Aufgabe Muslims, sich nicht nur auf die Überbringung der Botschaft des Imams (a) beschränkte, sondern sollte er auch das Volk von Kufa gegen Bani Umayyah stimmen, so wie aus einigen historischen Belegen hervorgeht.122 Trotz der Sympathien der Leute Kufas für Imam al-Hussein (a) hat das noch nicht geheißen, dass sie alle in den Widerstand mitziehen würden. Schnell wurde ersichtlich, dass sie zwar Liebe für die Wahrheit hatten, jedoch nicht bereit waren dafür ihr Leben zu lassen. Aus den historischen Werken geht hervor, dass aus all denjenigen, die noch vor der Revolution für den Weg des Imams (a) gestimmt hatten, lediglich drei Männer waren, die das Martyrium in Kerbala erfuhren.123 Hieran kann man sehen, dass das Einstehen für die Wahrheit ein sehr großes Unterfangen ist und nur ganz wenigen Menschen gelingt, vor allem, wenn der Preis dafür Armut oder gar das Leben ist. Es benötigt einen starken Charakter, ein großes Maß an Menschlichkeit und eine starke, fundierte Überzeugung. Genau diese Eigenschaften besaß Muslim ibn A’qil (r), denn es war ersichtlich, dass die Aufgabe Muslims mit seinem Martyrium enden würde.

Imam Hussein (a) geht in Richtung Kufa

Nachdem der Imam (a) die Zeilen seines Cousins, Muslim ibn A’qil (a), gelesen hatte, machte er (a) sich mit seiner Familie (Frauen und Kinder) und treuen Gefolgsleuten (r) auf den Weg nach Kufa.

Gleichzeitig wusste Yazid durch seine Spitzel, wohin der Imam (a) gehen wollte. Er beriet sich mit seinem Berater Surjuun ibn Mansuur, der ihm ein christlicher Berater nach byzantinischem Vorbilde war. Auf dessen Anraten schickte Yazid seinen Gouverneur aus Basra U’baydullah ibn Ziyaad nach Kufa. Hier sei erwähnt, dass Surjuun dies anhand eines Briefes von Muawiyah, den er vor seinem Tode verfasst haben soll, begründete. Wenn dies stimmen würde, d. h., dass dieser Brief tatsächlich von Muawiyah stammte, so wäre der Mordplan an Imam Hussein (a) schon zu Zeiten Muawiyahs bewiesen. Wenn der Brief aber in Wirklichkeit von Surjuun verfasst bzw. erfunden war, so wäre dies ein schlimmer Eingriff in das Schicksal der Muslime durch Surjunn selbst.

U‘baydullahs‘ Hauptauftrag in Kufa war: Muslim ibn Aqil (a) aufzuhalten oder ihn zu töten. In Kufa angekommen, brauchte U’baydullah ibn Ziyaad nicht lange, um die Namenhaften des Volkes auf seine Seite zu ziehen, denn er kannte die Leute von Kufa sehr gut, noch aus der Regierungszeit seines Vaters – Ibn Ziyaad – in Kufa. Außerdem sollten die „Schiiten“, d. h. diejenigen, die sich auf der Seite Imam Hussains (a) befanden eingesperrt bzw. getötet werden. Darunter war auch Maitham at-Tammaar, der zusammen mit neun anderen, brutal ermordet wurde. Mit Hilfe von einem Spitzel, konnte das Versteck Muslims sehr schnell ausfindig gemacht werden, der sich bei Hani ibn U’rwa (r) aufhielt. Hani (r) wurde festgenommen und eingesperrt. Muslim jedoch, erhob sich zum Widerstand, denn zuvor schrieben die Leute von Kufa noch, dass sie zu Hunderttausenden bereit wären zu kämpfen. Davon war keine Spur mehr. Noch am gleichen Abend haben die Leute von Kufa, Muslim im Stich gelassen. Hani und Muslim fanden den Märtyrertod. Die Angesehenen von Kufa blieben still in ihren Häusern.

Auf dem Weg nach Kufa, in einer Ortschaft namens Bustaan Bani A’amer, traf Imam al-Hussein (a) den Dichter al-Farazdaq, der auf eine Frage des Imams wie folgt antwortete: „Ihre Herzen sind mit dir und ihre Schwerter auf dir …“ Was so viel bedeutet wie: Die Herzen der Leute aus Kufa sind mit dir, jedoch ihre Schwerter auf dir. D. h. sie sympathisieren mit dem Imam (a), sind jedoch zu schwach ihr Weltliches aufzugeben und werden dich daher im Stich lassen bzw. töten. Woraufhin der Imam (a) sagte: „Ich stimme zu. Die Menschen sind dem Hab ihr Diener …“124 Weitere Leute traf Imam Hussein (a) auf seinem Weg nach Kufa, die ihm dasselbe sagten. Aber, dass er von Anfang an zu al-Farazdaq sagte „Ich stimme zu“ zeigt, dass der Imam (a) an sich schon wusste, wie die Menschen in Kufa eingestellt waren und dass auf ihn das Martyrium warten würde. Dennoch hat dem Enkelsohn des Propheten Mohammad (s) nichts davon abgebracht, sich weiterhin auf seine Bestimmung zu konzentrieren: gen Kufa zu gehen. Es ist außerdem aufschlussreich, dass der Imam (a) mehrere auf dem Wege nach Kufa traf, jedoch bis dahin sich ihm niemand angeschlossen hatte, wie z. B. al-Farazdaq und Bishr ibn Ghaalib, von dem das berühmte Bittgebet vom Tage von A’rafat überliefert wurde und als Sympathisant für die Ahlul Bayt (a) galt. Jedoch gab es einen, der sich dem Imam (a) und seiner Anhängerschaft anschloss. Es war Zuhayr ibn al-Qain (r).

In dem Ort Ath-Tha’labiyah angekommen, das ungefähr zwei Drittel des Weges von Mekka nach Kufa betrug, erfuhr Imam al-Hussein (a) von dem schrecklichen Vorfall in Kufa, dass Muslim ibn A’qil und Hani ibn U’rwah ermordet wurden. Der Imam (a) informierte seine Gefolgsleute von dem Vorfall und stellte es ihnen frei, ob sie nun mit ihm (a) weitergehen oder umkehren wollen. Einige gingen zurück, wie manche schreiben, jedoch seine Familie und seine engen, treuen und gottesfürchtigen Freunde, blieben alle tapfer an seiner Seite.

Imam al-Hussein (a) und seine Anhängerschaft, d. h. die Männer, Frauen und Kinder, wurden dann von H’orr ibn Yazid ar-Riyaah‘iy, einem Offizier der Armee Kufas, angehalten. Eine Armee von tausend Mann stand vor einer Hand voll tapferer Leute. Die politische Situation in Kufa war nun den Umständen entsprechend zugunsten Yazids eingestellt, da U’baydullah zuvor Muslim ibn A’qil (r) und weitere Anhänger Imam al-Husseins (a) kaltblütig ermordete, wodurch die Leute von Kufa eingeschüchtert wurden und ihren Imam (a) wieder einmal im Stich ließen. Dennoch hatte die Führung Bani Umayyahs Angst vor einem Eintritt Imam Husseins (a) in Kufa, da sich dort dennoch die meisten Schiiten des Landes aufhielten. H’orrs Ziel war es, dass dem Imam (a) und seinen Leuten (r) der Weg nach Kufa versperrt werden würde und so einen anderen Weg einschlagen müssten. Er stellte den Imam (a) vor zwei Entscheidungsmöglichkeiten: 1. er würde mit H’orr als Gefangener nach Kufa gehen, um so an U’baydullah bin Ziyad ausgeliefert zu werden oder 2. er würde einen anderen Weg einschlagen, mit der Bewachung von H’orr. Der Imam (a) wollte nicht als Gefangener in Kufa eintreten, jedoch hat er nicht auf die Belange H’orrs reagiert, sondern setzte sich auf sein Pferd und wartete bis all seine Gefolgsleute ihre Pferde bestiegen hatten und ritt los. Der Imam (a) wusste, dass er in beiden Fällen ermordet werden würde, dennoch selbst hier entschied er sich als freier Mensch zu handeln und schließlich zu sterben. So gingen sie, in Bewachung H‘orrs, in eine andere Richtung und machten nach einer Weile an einem Ort halt.

Dann fragte der Imam nach dem Namen dieses Ortes. Es wurde ihm gesagt, dass er Al-Ghaderiyah heiße. Dann fragte er, ob es noch einen anderen Namen hätte, worauf gesagt wurde, dass es auch Naynawa heiße. Dann fragte der Imam (a): „Hat es einen anderen Namen als dieses?“ Sie sagten: „Das Ufer des Euphrats.“ Der Imam (a) fragte: „Hat es noch einen anderen Namen?“ Woraufhin sie sagten: „Es heißt Kerbala.“ Imam al-Hussein (a) seufzte und sagte: „Lasst uns an diesem Orte anhalten. Hier ist das Ziel unserer Reise. Hier wird unser Blut vergossen. Hier werden unsere Frauen verschmäht. Hier, bei Allah, werden unsere Männer getötet. Hier, bei Allah, werden unsere Kinder geschlachtet. Hier werden unsere Grabstätten aufgesucht. Diese Erde hat mir mein Großvater, der Gesandte Allahs, versprochen und sein Wort ändert sich nie.“

Am 2. Muharram 61 n. H.: Angekommen an dem Ort, von dem schon sein Großvater, das beste Geschöpf, dass es je gab und geben wird, Prophet Mohammad (s) sprach. Als U’baydullah ibn Ziyaad darüber informiert wurde, schickte er ein teuflisches Heer unter Kommando von Omar ibn Sa’d dort hin. Yazid beauftragte U’baydullah damit, den Imam (a) zum Treueid zu drängen und falls dieser nicht geleistet werden würde, so solle er ihn (a) umbringen lassen.

Imam al-Hussain (a) und seine Anhänger (r) entschieden sich für die Freiheit und gegen die Unterdrückung. Der Pfad der Freiheit sollte am 10. Muharram 61 n. H. seinen Höhepunkt mit dem Martyrium Imam Hussains (a) erreichen.

Fußnoten:

97 Außerdem stand in der vertraglichen Übereinkunft zwischen Imam al-Hassan (a) und Muawiyah, wenn Muawiyah sterben würde, dass Imam al-Hassan (a) bzw. bei dessen Tod, Imam al-Hussein (a) das Kalifat übernehmen werde.

98 Obwohl Omar von Abu Bakr schriftlich als sein Nachfolger bestimmt wurde, meinten einige, dass dies jedoch nur eine Empfehlung Abu Bakrs war.

99 Al-Hus’niy, Muntakhabaat at-Tawaarikh li Dimashq, S. 81; Al-Balaazeri, Ansaab al-Ashraaf, B. 2, S. 147

100 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 225

101 Sein Grab liegt in Damaskus (Syrien) und ähnelt einem Müllberg. Wogegen der Schrein Imam Husseins (a) in Kerbala von höchster Erscheinung ist und mit 14 Millionen Menschen besucht wird und damit den Rekord für die größte Versammlung von Menschen besitzt.

102 A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 44, S. 309

103 Al-Bidayah wan-Nihayah, Band 2, S. 258

104 Ibn A’saakir, Tarikh ibn A’saakir, Band 7, S. 372; as-Suyuti, Tarikh al-Khulafaa‘, S. 81; u.v.m.; Aber sicher hat er nicht nur aufgrund des Alkoholkonsums das Gebet unterlassen.

105 Jawaahir al-Mataalib, S. 143; Muruj az‘-Z’ahab wa Maa’adin al-Jawhar, Band 2, S. 95

106 Al-Ya’qubi, Tarikh al-Ya’qubi, Band 2, S. 230

107 Al-Bidayah wan-Nihayah, Band 8, S. 192; Ansaab al-Ashraaf, Band 2, S. 2

108 Als Abdullah ibn Zubayr mitbekommen hatte, dass er Yazid den Treueid geben sollte, verschwand er in unauffälliger Form nach Mekka.

109 A‘llaamah al-Majlilsi, Bih‘aar al-Anwaar, B. 44, S. 328

110 Al-Bidayah wan-Nihayah, S. 160; I’laam al-Waraa, S. 223

111 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 4, S. 104

112 Sulaiman bin Sard al-Khazaa‘i war ein im Jahre 28 v. H. geborener Jeminite und durch den heiligen Propheten Mohammad (s) zum Islam konvertierte. Er nahm u. a. an der Khandaq- und Siffin-Schlacht teil. In der letzteren war er ein großer General auf der Seite Imam Alis (a), die gegen Muawiyah kämpften. Nach der Rückkehr des Propheten (s) zu seinem Herrn (swt) hat sich Sulaiman bin Sard in Kufa abgesetzt. Zur Zeit des Kalifat Uthmans hat er Briefe an ihn geschrieben, die seine Klagen über das unislamische Verhalten des damaligen Gouverneurs in Kufa beinhalteten.

113 Al-Mufid, al-Irshad, S. 202; Tarikh al-Umam wal-Muluk, B. 3, S. 277

114 Al-Luhuuf, S. 105

115 Al-Futuuh’, B. 5, S. 35; Al-Mufid, al-Irshad, S. 204; Tarikh al-Umam wal-Muluuk, B. 3, S. 278

116 Shaikh al-Mufid, Kitab al-Irshaad, S. 201; al-Ya’quubi, Tarikh al-Ya’quubi, Band 2, S. 248-249; u.v.m.

117 Ansaab al-Ashraaf, B. 2. S. 836; A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 42, S. 93

118 Muruuj az‘-Z’ahab, Band 3, S. 55

119 D.h. seine Reise dauerte 20 Tage

120 Tarikh al-Umam wal-Muluuk, Band 3, S. 279

121 Al-Akhbaar at‘-T’iwaal, S. 235; Rawd’ah al-Waa’iz‘‘iin, S. 173

122 Al-Futuuh‘, Band 5, S. 35; Maqtal al-Khawaarzamiy, B. 1, S. 195-196

123 Tarikh al-Umam wal-Muluuk, B. 3, S. 279

124 Al-Mah’ajjatul-Bayd’aa, B. 4, S. 228

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Wie kam es zu „Aschura“? https://bufib.de/wie-kam-es-zu-aschura/ Wed, 14 Oct 2015 21:59:08 +0000 http://bufib.de/?p=1667 Diese Reihe von Artikeln sind aus dem Buch „Pfad der Freiheit – Der Weg bis Aschura“ – einer Publikation von „Bund für islamische Bildung“. Da die erste Auflage dieses Buches leider vergriffen ist und bis dato keine zweite gedruckt wurde, begnügen wir uns mit der Online-Ausgabe des Inhaltes:

  • Vorwort
  • Einleitung
  • I. Der Rang Imam Husseins (a) beim Propheten  (s)
    • Weshalb wurden wir erschaffen?
    • Gottesdienst = Freiheit
    • Gottesdienst mit den Gefühlen
    • Die Lieblinge
    • Die Liebe zu Imam al-Hussein (a)
    • Der Prophet (s) weinte um Imam al-Hussein (a)
  • II. Die politische Lage
    • Teil 1:
    • Nach dem Propheten (s) – Erste Probleme
    • Muawiyah und Bani Umayyah
    • Muawiyahs Vormachtstellung in Schaam
    • Kalifat Uthmans – Hochsaison der Umayyaden
    • Opposition gegen Uthman
    • Nach Uthman
    • „Uthman – der unterdrückte Kalif“
    • Teil 2:
    • Unterschied zwischen „Kalifat“ und „Führerschaft“
    • Die Kamelschlacht
    • Neue Spannungen bahnen sich an
    • Schiedsspruch ins Verderben
    • Dritter innermuslimischer Konflikt
    • Letzte Intrige in Imam Alis (a) Leben
    • Traum der Umayyaden wird wahr
    • Teil 3:
    • Muawiyahs Problem: Imam al-Hassan (a)
    • Öffentliche Verfälschung der Religion
    • Muawiyah führte eine neue Staatsform ein
    • Islam – Mittel zum Zweck
    • Imam Hassans (a) Schritt zur Vermeidung des Blutvergießens
    • Inhalt des Abkommens
    • Imam al-Hassan (a) wird vergiftet
    • Teil 4:
    • Zur Person Yazids
    • Ziel Yazids
    • Herangehensweise Imam Husseins (a)
    • Imam Hussein (a) geht nach Mekka
    • Vorbereitung zur Revolution
    • Imam Hussein (a) geht in Richtung Kufa
  • Epilog
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Politische Lage (Teil 3) https://bufib.de/politische-lage-teil-3/ Wed, 14 Oct 2015 21:57:13 +0000 http://bufib.de/?p=1675 Muawiyahs Problem: Imam al-Hassan (a)

Imam al-Hassan (a) war Muawiyah ein Dorn im Auge, denn Muawiyah wollte die alleinige Herrschaft. Mit weiteren materiellen Geschenken verblendete er die Bevölkerung, so dass sich immer mehr auf seine Seite schlugen. Imam al-Hassan (a) hatte es sehr schwierig, da er wenig aufopferungsvolle, gottesfürchtige und treue Gefolgsleute hatte, vor allem in den weiter entfernteren Gebieten waren sie knapp, um sie dort als seine Gouverneure einzusetzen. Zudem gab es viele verschiedene politische Gruppierungen, von denen meistens kein echter Rückhalt zu erwarten war. Die Einzigen, die sich zu Imam al-Hassan (a) bekannten, waren jene, die sich „Schia“ nannten, d. h. die Partei Alis (a)68. Selbst von ihnen gab es einige, die sich von den materiellen Verführungen anderer verleiten ließen, wieder ihren Imam (a) im Stich zu lassen, so wie sie es mit Imam Ali (a), dem Vater Imam al-Hassans (a), gemacht hatten. Der Islam war für sie nichts anderes, außer Mittel zum Zweck.

Trotz des Treueids der Iraker für Imam Hassan (a) zeichneten sich Probleme ab. Der Imam (a) musste die Lage in Kufa beruhigen und in den restlichen Gebieten, bis auf Damaskus, da dort Muawiayah (unrechtmäßig) regierte, Gouverneure entsenden. Zudem musste er den Machenschaften Muawiyahs ein Ende setzen. Dies am besten, indem er ihn entmachtet, jedoch mindestens seinen Einfluss auf den Irak unterbinden. Die Lage, in der sich nun Imam Hassan (a) befand, war eine andere, als die, in der Imam Ali (a) lebte. Denn Muawiyah hat sich nun als den absoluten Herrscher über alle Muslime und der islamischen Welt verstanden, was zur Zeit Imam Alis (a) noch nicht der Fall war.

Zuvor erwähnten wir aber, dass die Gruppierungen, die sich bildeten, kein Rückhalt für Imam Hassan (a) darstellten. Wie sollte der Imam (a) nun vorgehen? Genügend Truppen für einen Niederschlag Muawiyahs und dessen treue Gefolgsleute standen nicht zur Verfügung. Vor allem muss man sich vor Augen halten, dass es sehr viele Iraker zur Zeit Imam Alis (a) gab, die anfangs den Anschein erweckten, ihm (a) treu und bedingungslos zu folgen, doch dann gegen ihn (a) aufstanden.

Öffentliche Verfälschung der Religion

Dazu kam, dass Muawiyah nichts ausließ, um seine Macht auszuweiten. Seine Vertreter in den verschiedenen Gebieten, wie Hijaz, Jemen, Ägypten und selbst im Irak waren aktiv dabei, ihre Intrigen und List auszuspielen. Leute die ihnen nicht gehorchten, wurden kaltblütig ermordet und außerdem brachten sie viele Gerüchte in den Umlauf. Nämlich priesen sie Muawiyah in den höchsten Tönen, wie z. B., dass er sehr großzügig sei und eine bevölkerungsfreundliche Landespolitik verfolge. Zudem brachte er erlogene Überlieferungen in Umlauf, wie z. B., dass er einen sehr hohen Stand beim Propheten (s) hätte und vor allem führte Muawiyah ein, dass es verpflichtet sei, Imam Ali (a) zu beschimpfen. Damit wollte er vor allem die Iraker gegen ihren Imam (a) und die gesamte Familie des Propheten (s) hetzen. Als er seinen Gouverneur nach Kufa schickte, sagte er zu ihm: „Ich erwarte von dir, dass du folgende Punkte genau beachtest. Nämlich, dass du niemals aufhörst, Ali zu beschimpfen und (niemals aufhörst) die Gnade Gottes für Uthman zu erbitten. Zudem, dass du die Freunde und Sympathisanten Alis in Verruf bringst.“69 Sodann beschimpften die Prediger Imam Ali (a) öffentlich auf den Kanzeln bei jedem Gebet. Außerdem wurde die hohe Stellung Imam Alis (a), bei Allah (swt) und Seinem Propheten (s), von Muaqiyah und seinen Leuten in Frage gestellt und erfundene Überlieferungen, die vom reinen Munde des Propheten Mohammad (s) stammen sollten, erzählt und aufgeschrieben. Dem war aber nicht genug. Dazu sollten noch Überlieferungen in den Umlauf gebracht werden, wie hoch Bani Umayyah doch beim Propheten (s) stand. Wer etwas dagegen sagte, wurde gepeinigt, gequält und sogar auf schlimmste Art und Weise ermordet. Wie es zum Beispiel einem gottesfürchtigen Mann erging, als er Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) in der Moschee hörte und sich daraufhin erhob. Ziyad, Muawiyahs rechte Hand in Kufa, benachrichtige seinen Herrscher daraufhin in Damaskus, was geschehen war. Muawiyah befahl ihn, den Mann nach Damaskus zu bringen. Daraufhin wurden er und andere, die es nicht befürworteten Imam Ali (a) zu beschimpfen, in Richtung Damaskus gebracht. Auf dem Weg jedoch wurde ihnen ihr Kopf abgeschlagen.

Muawiyah führte eine neue Staatsform ein

Wir könnten nun noch eine Reihe von Untaten Muawiyahs und seiner Leute aufzählen, da es uns aber nur um das Wesentliche geht, wollen wir uns darauf vorerst beschränken. Dennoch sollte ein essentieller Punkt erwähnt werden. Zuvor hatten wir über zwei Unterschiedliche Ansichten in Bezug auf das Kalifat bzw. Führerschaft gesprochen. Muawiyah dagegen führte nun eine dritte Art ein. Diese sollte den Islam nicht nur in seinen moralischen Grundwerten und Gerechtigkeit vernichten, sondern wurde nun auch das politische Konzept der Religion angegriffen. Vom Kalifat änderte Muawiyah die Staatsform in eine absolute Herrschaft70, die wir auch als eine Form der absoluten Monarchie betiteln könnten.71 Dies kann man nicht nur daran erkennen, dass er das (familiäre) Erbprinzip einführte, sondern vor allem daran, dass er sich das Byzantinische Reich zum Vorbild machte.72 Zum ersten Mal in der jungen Geschichte des Islams gab es eine Trennung der Moschee von der Regierung, d. h. Staat und Religion wurden separat behandelt, wobei die Moschee und somit die Religion an sich, stetig an Signifikanz verlor.

Und nicht nur das. Neben der Einführung vieler byzantinischer Formen der Reichsführung73 und Übernahme einiger kultureller Werte der Byzantiner in Schaam74, setzte Muawiyah auch Personen des byzantinischen Kulturraumes ein, die unter anderem auch administrative Positionen zugesprochen bekamen. Sie halfen ihm in der Leitung des Staates, in der Exekutive und in wirtschaftlichen Fragen. Neben der Tatsache, dass Muawiyahs Frau eine syrische Christin von der Familie „Bani Bajdal“ aus dem Stamme „Kalb“ war75, spielten seine Schwager eine wichtige Rolle in der politisch-religiösen Entwicklung des Reiches von Muawiyah. Ebenfalls war ein syrischer Christ zuständig für einige Angelegenheiten der Staatskasse76 der Muslime (bayt maal al-muslimiin) und der private Arzt Muawiyahs. Hier soll nicht negativ darüber gesprochen werden, dass Christen an sich an der Regierung teilnahmen, sondern dass es byzantinisch geprägte Christen waren. Im Duden lesen wir, dass „byzantinisch“ schmeichlerisch und kriecherisch bedeutet. Dies geht darauf zurück, dass sich ein bestimmtes Verhalten (bzw. um genauer zu sein: ein Hofzeremoniell) um den Byzantinischen Kaiser entwickelt hatte, das durch absoluter Unterwerfung gekennzeichnet war. Es war zum Beispiel üblich, dass die Untertanen, wenn sie sich ihrem Kaiser näherten, flach auf den Boden werfen mussten, um ihre Unterwürfigkeit zu beweisen. Es war beinahe eine Art der Anbetung des Kaisers. Auf dieser Grundlage stütze Muawiyah seine sozio-politische Philosophie. Das Christentum in seiner eigentlichen Ursprungsform hat mit solchen Werten absolut nichts zu tun.

Der Islam und sein Fundament wurden komplett aus den Köpfen der Menschen verdrängt. Von Gerechtigkeit, Moral, Empathie77 und politischer Partizipation, geschweige denn von Menschlichkeit, war keine Spur mehr. Wie wir schon zuvor gesehen haben, wurde Kritik und Meinungsfreiheit zum absoluten Tabu. Den Leuten war nun klar, wie sie sich am besten verhalten sollten, um von der Folter und Ermordung verschont zu bleiben. Nämlich nur noch das zu tun, was dem Herrscher und seinen Gouverneuren zufrieden stellte, nicht aber Gott (swt). Wenn sie wiederum gläubige, gottesfürchtige Menschen waren, so zogen sie sich zurück und blieben still. Wie z. B. Ah’naf ibn Qays‘, als Muawiyah wissen wollte wie er und die Leute über seinen „Thronfolger“ Yazid, der Muawiyahs Sohn war, dachten. Muawiyah warf die Frage in die Runde, jedoch Ah’naf schwieg. Muawiyah fragte ihn darauf, weshalb er nichts sagte. Darauf antwortete Ah‘naf: „Wenn ich aufrichtig spreche, werde ich deinen Zorn auf mich ziehen, und wenn ich lüge, den göttlichen (Zorn).“78

Schließlich hat Muawiyah mit seiner Umayyaden-Dynastie den Islam missbraucht und zu einer terroristischen, unmenschlichen und machtbesessenen „Missgeburt“ gemacht. Es war ersichtlich, dass solch eine Machtfigur auch eine Armee brauchte, wie es die arabischen Stämme noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Tatsächlich sollte dies unter Muawiyahs Herrschaft der Fall sein. Die „Armee der Umayyaden“ wurde zur blutrünstigsten und stärksten, die die Araber je gekannt hatten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass dies die Geburtsstunde eines sogenannten ‚‚islamistischen‘‘ Terrorismus war und somit das Vorbild für die heutigen Gräueltaten von Terrororganisationen mit ‚‚islamischem‘‘ Bekenntnis wurde. Aber wie der Leser bzw. Leserin schon sah und noch sehen wird, kann man ehrlicherweise nicht vom „islamischen“ Terrorismus sprechen, da es im Grunde nichts mit dem ursprünglichen und einzigen Islam zu tun hatte bzw. hat. Es ist eher Muawiyahs politische List und die Verblendung des Volkes durch materielle Reichtürmer gewesen, die noch über 1000 Jahre danach auf einige Gruppierungen Einfluss nehmen sollte.

Islam – Mittel zum Zweck

Im Islam gibt es einen fundamentalen Grundsatz: Gutes gebieten und Schlechtes verwehren (amr bil-ma’ruuf wa nahy a’n al-munkar). Dieser historische Beweis, nämlich die Aussage Ah’naf ibn Qays‘, ist neben vielen, eine totale Untergrabung dieser elementaren Grundlage im Islam. Es gab keinen Respekt, geschweige denn eine Vollziehung, des islamischen Gesetzes mehr. Nach außen zwar, zeigte sich Muawiyah als Moslem, was sich jedoch auf die Beschaffenheit der religiösen Zugehörigkeit der meisten Menschen im „Reiche“ zurückführen lässt. Denn würde er sich nicht als „Moslem“ geben, wenn auch heuchlerisch, so wäre Muawiyah anfangs nicht akzeptiert worden.

Neben Veränderungen der politischen und moralischen Grundlagen des (wahren) Islams, d. h. des ursprünglichen Islams des Propheten Mohammad (s), wurden auch Änderungen an rechtlichen Grundlagen des Islams vorgenommen. Muawiyah war zum Beispiel der Erste, der sich einen abgetrennten Bereich in der Moschee einrichtete79, so dass er von den Mitbetenden getrennt ist, um seine höhere Stellung über das Volk selbst im Gebet zu symbolisieren. Er war der Erste, der seine Ansprachen in der Moschee sitzend vollzog, was in den Freitags- und Festgebeten verboten ist. Außerdem hat Muawiyah das Freitagsgebet, eines Tages, an einem Mittwoch verrichtet, um den Menschen und vor allem, um dem Imam (a) zu zeigen, dass ihm seine Anhänger, im Gegensatz zu denen des Imams (a), treue und blinde Befolger sind.

Es wird überliefert, dass Muawiyah Alkohol trank.80 Zusätzlich benutzte er silberne und goldene Gefäße, um daraus zu essen und zu trinken, was im Islam verboten ist. Weiter erlaubte er den Wucherzins (ar-riba)81, parfümierte sich im Weihezustand (ih’raam) und noch vieles mehr.

Wie erwähnt, lies Muawiyah viele falsche, erlogene Überlieferungen in den Umlauf bringen. Jedoch nicht nur solche, die seine (erfundene) hohe Stellung darstellen sollten, sondern vor allem auch Überlieferungen, die den erhabenen Stand der Ahlul Bayt (a) in Frage stellen sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Muawiyah versprach jemanden von seinen Leuten 400.000 Dirham, wenn dieser in einer Ansprache an die Leute von Schaam sage, dass sich folgender Vers aus dem Heiligen Koran auf Imam Ali (a) beziehe: „Unter den Leuten ist einer, dessen Rede über dieses Leben dir gefallen möchte, und er nimmt Allah zum Zeugen für das, was in seinem Herzen ist, und doch ist er der streitsüchtigste Zänker.“82 Er hat dies getan und bekam als Gegenleistung dafür eine stattliche Summe aus der Staatskasse.83 In Wirklichkeit gibt es aber keinen Exegeten des Heiligen Koran, der dies behauptet, sondern ist dieser heilige Vers in Wirklichkeit, in Bezug auf einen Heuchler namens Al-Akhnaf bin Sharif herabgesandt worden.84 Außerdem erwähnten wir, dass Muawiyah den Leuten vorgeschrieben hatte, Imam Ali (a) öffentlich zu beschimpfen und zu verfluchen. Dies ging jedoch so weit, dass als Omar ibn Abd al-A’ziz im Jahre 717 n. Chr. die Regierung übernahm und den öffentlichen Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) ein Ende setze, die Menschen sagten: „Er hat die Tradition (sunnah) unterlassen!“85 Woran man erkennen konnte, dass die Menschen dachten, dies sei etwas ganz ‚‚Normales‘‘, gar Gutes.

Imam Hassans (a) Schritt zur Vermeidung des Blutvergießens

Die Ahlul Bayt (a), über die wir im Heiligen Koran gelesen haben, dass wir sie lieben sollen86, wurde beschimpft und verflucht. Zudem wurden die Schiiten und alle, die sich öffentlich gegen Muawiyah stellten, gefoltert und getötet. Noch schlimmer aber war, dass sich der wahre Islam dem Ende neigte. Entweder waren die Menschen zu schwach und ergaben sich dem materialistischen Wahn oder sie waren ängstlich und schauten zu, wie der Islam vor ihren Augen mit den Füßen getreten wurde. Dazu kam noch, dass Muawiyah nicht locker ließ und seine Machenschaften fortsetzte. Dem Islam schien die Luft auszugehen. Doch blieb noch ein Lichtblick: Imam al-Hassan (a). Was sollte er (a) tun? Wie konnte er (a) den Islam wiederbeleben?

All das, was wir zuvor über die sozio-politische Lage vermittelten, deutet daraufhin, dass eine Wiederbelebung unmöglich schien. Der Imam (a) wusste, dass er in seinen Reihen nicht genügend aufopferungsvolle, gottesfürchtige Leute hatte, um Widerstand zu leisten, geschweige denn eine Revolution starten zu können. Außerdem wusste Imam al-Hassan (a), dass wenn er mit ein paar Männern militärisch vorgegangen wäre, dass sie sich entweder wieder zurückziehen würden oder ihn sogar dem größten Feind des Islams, Muawiyah, ausliefern würden. Diese Annahme stammt nicht von irgendwo her, sondern ist eine historische Tatsache. Muawiyah wusste, dass der einzige, der noch eine Gefahr darstellte, Imam al-Hassan (a) war. Er brach nach Irak auf, um den heiligen Imam (a) anzugreifen. Der Imam (a) wusste darüber Bescheid und reagierte darauf, indem er (a) jemanden schickte, um der Heeresführung Anweisungen zu geben. Wie vorauszusehen war, schlossen sich ihm nur sehr wenige an. Der Imam (a) und ein paar Leute, ritten nach Mada-in. Es gab unterschiedliche Menschen in der Truppe des Imams (a). Einige waren treu, dies waren aber nur sehr wenige, wiederum die anderen waren von materiellen Gedanken beeinflusst. Täglich ereignete sich etwas im Heer. An einem Ort namens Sabat machten sie Rast und übernachteten dort. Am nächsten Morgen wollte Imam al-Hassan (a) seine Leute prüfen, um unterscheiden zu können, wer ein Freund und wer ein Feind sei. In Wirklichkeit wusste es der Imam (a), aber er wollte den Menschen zur damaligen Zeit und den Menschen nach ihm (a) eine Lehre erteilen. Er wollte ihnen zeigen, in was für einer Lage er und der Islam sich befanden. Der heilige Imam (a) stand auf der Kanzel und sprach: „Alles Lob gebührt Allah, wann immer Ihn jemand lobpreist. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, wenn immer jemand (dies) bezeugt, und ich bezeuge, dass Mohammad (s.) Sein Diener und Gesandter ist, den Er mit der Wahrheit sandte und den Er mit Offenbarung betraute, möge Allah ihn und seine Familie segnen.“ Er fuhr fort: „Bei Allah, ich hoffe, dass ich immer mit der Lobpreisung Allahs sein werde und mit Seiner Gnade. Von Allahs Geschöpfen bin ich der aufrichtigste Ratgeber für sie, ich bin keiner geworden, der gegen irgendeinen Muslim Hass hegt oder ihm Übel oder Unheil wünscht. In der Tat, das, was euch an der Gemeinsamkeit87 missfällt, ist besser für euch als das, was euch an der Spaltung gefällt. Ich sehe besser als ihr, was für euch am besten ist, so wendet euch nicht gegen meinen Befehl und lehnt mein Urteil nicht ab. Möge Allah mir und euch vergeben, und möge Er mich und euch zu dem rechtleiten, worin Seine Liebe und Wohlgefallen liegt.“

Die Leute, die andere Ziele als die des Islams verfolgten, haben ihn (a) bezichtigt, einen Frieden mit Muawiyah schließen zu wollen und warfen ihm (a) Feigheit und Unglauben vor. Etliche stürmten das Zelt des Imams (a) und plünderten alles, was sie in die Hände bekommen konnten. Selbst seine Sitzunterlage und seinen Schal rissen sie ihm (a) von seinen Schultern. Die treuen Anhänger Imam al-Hassans (a) hielten sie daraufhin von ihm (a) fern, so dass sie ihn nicht angreifen konnten. Als der Imam (a) dann am Abend im Orte lief, wurde er angegriffen und man sagte ihm (a): „Allah ist der Größte, du bist ein Götzendiener geworden, Hassan, wie auch dein Vater ein Götzendiener vor dir wurde.“ Dann stach er dem Imam (a) in sein Bein. Der Imam (a) wurde nach Mada-in zu Sa’d ibn Mas’ud ath-Thaqafiy gebracht, der schon unter Imam Ali (a), als Gouverneur von Mada-in eingesetzt und von Imam al-Hassan (a) in seinem Amt bestätigt wurde88, gebracht. An dieser Stelle berichten nun einige, dass eine Person89 zu Sa’d ibn Mas’ud sagte: „Willst du zu Reichtum und Ansehen kommen?“ Sa’d fragte: „Wie?“ Er sagte: „Nimm Hassan fest und liefere ihn Muawiyah aus. Alles, was du willst, wird er dir geben …“ Sa’d, der Gouverneur Imam al-Hassans (a) in Mada-in sagte: „Möge dich der Fluch Gottes treffen! Was bist du doch für ein Halunke! Wie könnte ich den Sohn der Tochter des Propheten seinem Feind ausliefern?!“

Auch wenn es Historiker gibt, die genau diesen (eben beschriebenen) Vorfall als wissenschaftlich unbewiesen erklären, zeigt es doch eine ganz bestimmte Realität, in der sich der Imam (a) befunden hatte. Als der Imam (a) noch verletzt im Hause Sa’ds war, kam heraus, dass Leute aus seinen (a) eigenen Reihen, heimlich an Muawiyah Briefe schrieben, aus denen hervorging, dass sie auf Muawiyahs Seite seien und Imam al-Hassan (a) verraten würden. Der Imam (a) erfuhr davon aus einem Brief von Qays ibn Sa’d ibn Ibaadah. Letzterer wurde mit Ubaidullah ibn Abbas vorausgeschickt, um Muawiyahs Truppen, die in Richtung Kufa ritten, aufzuhalten. Muawiyah bot Ubaidullah sehr viel Geld90, so dass dieser sich Muawiyah anschließe. Er ging diesem Angebot nach.

Es ist unnötig noch weitere Beispiele zu erwähnen. Klar war, dass es militärisch gesehen, keine Möglichkeit gab, um Muawiyahs Treiben ein Ende zu setzen. Der Imam (a) hatte es zwar versucht, jedoch sahen wir, dass sie sich, bis auf eine Hand voll, von Muawiyah verführen ließen und den Imam (a) sogar ausgeliefert hätten. Zudem war er (a) verletzt und vor allem musste ein Weg gefunden werden, um dem Überleben des Islam Luft zu verschaffen. Wäre der Imam (a) trotz dieser Lage militärisch vorgegangen, so sähe es ganz stark nach einer Niederlage aus. Der einzige Weg, der trotz großer Überwindung noch übrig blieb, war, dass man es irgendwie hinbekommen müsste, eine annähernde Einheit unter den Menschen zu schaffen. So blieb nichts anderes übrig, als dass es letztendlich zu einem vertraglichen Abkommen kommen musste. Der Imam (a) erklärte die Notwendigkeit eines solchen Vertrages wie folgt: „Ich schwöre bei Allah, hätte das Volk treu zu mir gestanden und mich unterstützt, so hätte der Himmel Glück und Segen kommen lassen wie Regen, und die Erde hätte ihre Gaben verschwenderisch an sie ausgeteilt, – und Muawiyah hätte nicht so gierig nach dem Kalifat verlangt. Der Prophet des Islam musste von Mekka Abschied nehmen und seine Anhänger suchten Zuflucht in einer Höhle. Hätte man ihn unterstützt, nie hätte er Mekka verlassen und sich in die Höhle geflüchtet. Von der Zeit an (nach dem Propheten (s)), ist die islamische Nation anderer gefolgt und hat uns verlassen, uns blieb nur der Vertrag als Pflicht.“91

Schließlich kam es dann nach nur sieben Monaten und sieben Tagen des Kalifats Imam Hassans (a) zur vertraglichen Übereinkunft, d. h. im Jahre 41 n. H.92 Muawiyah übernahm damit die Regierung. Dies geschah nicht durch eine Wahl, nicht durch eine einheitliche Benennung und auch nicht durch eine Beratung (schura), sondern allein durch Waffengewalt, der schließlich durch ein Abkommen gebeugt werden musste.93

Inhalt des Abkommens

Vom Tage des Vertragsschlusses bis zur Niederschrift in Buchform liegen mehr als 200 Jahre. Und wie nicht anders zu erwarten war, bearbeiteten die Umayyaden die Geschichts- und Hadithschreibung enorm. Daher ist es sehr schwierig genau festzustellen, woraus der genannte Vertrag bestand. Dennoch, um uns kurz zu halten, können wir an dieser Stelle Punkte aufzählen, worin sich die Historiker einig sind und auch mit der damaligen Lage im Einklang stehen:

  • Muawiyah habe nach dem Buche Gottes (swt) und der Lebensweise des Propheten (s) zu handeln.
  • Muawiyah ist nicht befugt, seinen Nachfolger zu bestimmen.
  • Wenn Muawiyah stirbt, wird Imam Al-Hassan (a) bzw. bei Todesfall Imam Al-Hassans (a), wird Imam Al-Hussein (a) das Kalifat übernehmen.
  • Schaffung von Sicherheit für Leben, Eigentum und Nachkommen des Volkes.
  • Muawiyah durfte Imam Ali (a) nicht mehr beschimpfen und beschimpfen lassen.
  • Muawiyah durfte sich nicht als „Fürsten der Gläubigen“ nennen.
  • Er durfte weder öffentlich, noch insgeheim Imam Hassan (a), seinen (a) Bruder Imam al-Hussein (a) oder aber jemanden aus seinem (a) Hause attackieren oder unter Druck setzen.94

Für Muawiyah war es auch gelegen ein Abkommen zu machen, da er unter militärischen Folgen finanziell unter Druck geraten könnte. Jedoch vor allem wollte er sich damit Ruhe vor Imam al-Hassan (a) verschaffen. Wie gesagt, würde es zu genannter „Ruhe“ für Muawiyah nicht kommen, wenn das Volk „treu“ zum Imam (a) gewesen wäre. Von Anfang an war aber klar, dass Muawiyah die vertraglichen Bedingungen nicht einhalten würde. Wenn er göttliche Bedingungen nicht einhalten würde, so auch nicht weltliche. Dies macht auch folgender Ausspruch Muawiyahs deutlich: „Bei Allah, ich habe nicht gegen euch gekämpft, damit ihr beten, fasten, die Pilgerfahrt machen und Zakat zahlen könnt, denn all das beachtet ihr ja schon – ich aber habe mit euch einzig und allein um die Herrschaft gekämpft. Mein Plan war erfolgreich und nun erkläre ich feierlich, dass alle Abmachungen des Vertrages, den ich mit Hassan abgeschlossen habe, nichtig sind: Ich zertrample sie mit meinen Füßen. Ich werde sie nie erfüllen.“95

Durch die Machtergreifung Muawiyahs wurde Damaskus das neue Zentrum der Macht und Kufa verlor immer mehr an politischer Bedeutung, die noch vor den Umayyaden die islamische Regierungshauptstadt war. Medina wurde neben Mekka zu einem nahezu reinen religiösen Wallfahrtsort und verlor ebenso an politischer Bedeutung.

Neben der Missachtung Muawiyahs der vertraglichen Bedingungen, machte sich ein breit verbreitetes Unbehagen in der Bevölkerung des Iraks breit. Die „Pseudo“-Muslime, ließen Imam al-Hassan (a) ein zweites Mal im Stich, nachdem sie ihm schon bei einem möglichen militärischen Schlag gegen Muawiyah im Stich gelassen hatten und selbst Imam Ali (a) dies antaten. Sie dachten, dass er nun mit Muawiyahs Politik und Machenschaften einverstanden sei und ihm sich feige beugen wolle. Einige entgegneten dem heiligen Imam (a) mit absoluter Abtrünnigkeit. Sie bezeichneten ihn (a) als Verräter und Ungläubigen. Einige meinten, dass er die Muslime mit diesem Abkommen erniedrigt hätte. Darauf antwortete Imam al-Hassan (a): „Ich gehöre einem Hause an, das, sobald es die Wahrheit weiß, diese nicht mehr aufgibt. Darauf, dass dieser Tag kommen würde, machte schon mein Großvater aufmerksam. Mein Großvater, der Prophet (s), sagte: ‚Ich sah im Traum, dass die Bani Umayyah meine Kanzel besteigen.‘“96

Die Person, die dies zum Imam (a) sagte, war noch vor dem Abschluss des Vertrages, ein treuer Gefolgsmann des Imams (a). Man kann deutlich erkennen, dass die Menschen zu seiner Zeit, den Imam (a) und die Führerschaft nicht verstanden haben. Einige sagten zum Imam (a) sogar anstatt „Salaamun A‘laikum“ „Sammun A‘laikum“, d. h. – im Deutschen – anstatt „der Friede sei mit Euch“, sagten sie „mögt Ihr dem Gift ausgesetzt sein“. Was für eine Verblendung mussten diese Menschen nur erlitten haben?! Der Imam (a), der der wissendste, gottesfürchtigste und beste Mensch zu seiner Zeit war, wurde auf solch eine erniedrigende Art behandelt. Sie waren unzufrieden mit dem Abkommen, richtig, aber was würden sie machen, wenn es zum Krieg und dann zur Niederlage gekommen wäre? Es ist schade, damals wie heute, dass der Mensch in schwierigen Situationen den Kampf gegen seine materiellen Vorlieben und seiner Unwissenheit verliert.

Imam al-Hassan (a) wird vergiftet

Der Imam (a) blieb in Medina. Muawiyah, wie sollte es auch anders sein, konnte seinen Hass und Neid gegenüber der Familie des Propheten (s) nicht überwinden und schmiedete eine Intrige gegen Imam al-Hassan (a). Der Feind des Islams, Muawiyah, ließ eine Ehefrau des Imams (a), namens Djuda bint al-Asha‘th ibn Qais, zu sich rufen, um sie dazu zu bringen, den Imam (a) zu vergiften. Er bot ihr Geld und die Verheiratung mit seinem Sohn, Yazid, an. Sie willigte ein und verabreichte ihrem Ehemann, dem Enkelsohn des heiligen Propheten Mohammad (s) das Gift als Getränk (wie es überliefert wird). Sie bekam zwar das Geld, aber Yazid sollte sie nicht heiraten. Was für eine Erniedrigung! Sie hatte die Ehre, die Ehefrau des zweiten Imams (a) zu sein. Selbst sie hatte den Imam (a) hintergangen. Da war es nicht weit hergeholt, dass das Volk dies auch tun würde. Imam al-Hassan (a) erkrankte, erlag der Vergiftung einige Zeit später und fand am 28. Safar 50 n. H. (670 n. Chr.) das Martyrium.

Fußnoten:

68 Sie wurden so genannt, weil sie seit dem Dahinscheiden des heiligen Propheten Mohammad (s), auf der Seite des durch ihn (s) ernannten Nachfolger Imam Ali (s) standen.

69 Tarikh Ibn Athir, B. 3, S. 472

70 As-Suyuti, Tarikh al-Khulafaa‘, S. 199

71 Ibn Khalduun, al-Muqaddimah, S. 169 ff.; Al-Ya’quubi, B. 2, S. 257

72 Die Byzantiner waren vor dem zweiten Kalifen Omar in den Gebieten Schaams ansässig. Jedoch in der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 n. Chr. unterlagen die Byzantiner einem Heer Omars und der ganze Südosten des Byzantinischen Reiches, einschließlich Syriens und Palästinas ging verloren. (Quelle: eslam.de)

73 Al-Hus’ni, Muntakhabaat at-Tawaarikh li Dimashq, S. 81

74 Al-Balaz’iriy, Ansaab alAshraaf, Band 2, S. 147

75 Demselben Stamm gehörte auch die Ehefrau des dritten Kalifen Uthman ibn Affan an.

76 Die Führung der Staatskasse war nach der Führung des Heeres, die wichtigste Aufgabe im Lande.

77 Mitgefühl anderer Menschen gegenüber

78 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 228

79 Al-Ya’qubi, Tarikh al-Ya’qubi, Band 2, S. 265; at-Tabari, Band 2, S 70; ad-Dainuriy, S. 229

80 Ahmad ibn Hanbal, Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 5, S. 347

81 An-Nisa-iy, Sunan an-Nisa-iy, Band 7, S. 279

82 Sure 2, Vers 204

83 Dass dies geschehen ist, können wir aus folgender Quelle entnehmen, d. h. aber nicht, dass der Autor dem Inhalt zustimmt, sondern nur, dass Muawiyah diese Schandtat begangen hatte: Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 4, S. 73

84 Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Tafsir al-Amthal, Band 2, S. 44-45 & 49

85 Al-Mazandaraani, Sharh‘ Us’uul al-Kafi, B. 11, S. 292; A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, B. 22, S. 214; Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 2, S. 102

86 Siehe z.B.: Sure 42, Vers 23

87 Er (a) meint damit die Einheit unter den Menschen.

88 Ibrahim bin Mohammad ath-Thaqafi al-Kufi, al-Ghaaraat, B. 1, S. 51 ff.

89 Einige, wie at-Tabari, meinen, dass diese Person der Neffe Sa’ds war, der Mokhtar hieß, der ca. 25 Jahre später gegen die Mörder Imam al-Husseins (a) gekämpft und verfolgt hatte.

90 Einige meinen, dass es eine Million Dirham waren.

91 A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 44, S. 23

92 Khalifah bin Khayyat’, B. 1, S. 224; at-Tabari, B. 6, S. 94; Ibn al-Athir al-Kaamil, B. 2, S. 406

93 Tarikh al-Khulafaa’, S. 71

94 Baqir al-Qarashi, H‘ayaat Al-Imam Al-Hassan bin Ali, B. 2, S. 221-227

95 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 16, S. 46

96 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 3, S. 407

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Politische Lage (Teil 2) https://bufib.de/politische-lage-teil-2/ Wed, 14 Oct 2015 21:54:44 +0000 http://bufib.de/?p=1674 Unterschied zwischen „Kalifat“ und „Führerschaft“

Wie wir wissen, gibt es verschiedene ideologische Richtungen im Islam. An dieser Stelle möchten wir in keine tiefgründige Diskussion eingehen, sondern nur den Kern des Unterschiedes erläutern. Das Verständnis der Nachfolgschaft des Propheten Mohammad (s) ist der Kernunterschied zwischen Sunniten und Schiiten. Die Schiiten sehen die Nachfolge des heiligen Propheten (s) als eine von Allah (swt) vorbestimmte Instanz, die die „Führerschaft“ (al-imaamah) über die Muslime darstellt. Die Sunniten dagegen sehen die Nachfolge, als ein durch ein (menschliches) Gremium gewähltes Amt an, das als „Kalifat“ bezeichnet wird (al-khilaafah)52. D. h. im Groben, wir haben zwei Meinungen: 1. göttlich erwählt und 2. menschlich gewählt. Im Endeffekt aber, bedeutet es bei beiden, dass derjenige, der diese Verantwortung übernimmt, der Nachfolger des Propheten Mohammad (s) auf Erden ist. Der Unterschied liegt also an sich nicht im Ergebnis, sondern in der Art und Weise des Weges, wie dieser bestimmt wird. Dies bringt jedoch entscheidende Folgen mit sich. Während die schiitische Sicht einen von Gott (swt) erwählten Führer hat, braucht sich der Gottesfürchtige keine Sorgen machen, dass dieser unislamisch handelt, denn Allah (swt) ist All-Weise (h’akiim) und All-Wissend (a’liim). Das Letztere, d. h. die All-Weisheit Gottes (swt) ist von allen Richtungen im Islam anerkannt. Und die All-Weisheit verlangt, dass diese auch den weisesten und gottesfürchtigsten Führer unter den Menschen erwählt. Wiederum, wenn das Amt des Nachfolgers des Propheten Mohammad (s), durch ein menschliches Gremium gewählt werden würde, so kann man nicht mehr von einer unmöglichen Fehlentscheidung sprechen. Ein Mensch kann weise sein, jedoch nicht All-Weise, so wie es einzig und allein Allah, der Erhabene, ist. Vereinfacht heißt dies, dass es im zweiten Fall sein könnte, zumindest wenn man sich dies logisch vorstellt, dass die Muslime einen Frevler als Oberhaupt bekommen. Dies wäre, wie gesagt, im ersten Fall (göttliche Ernennung), selbst logisch gesehen, unmöglich (mah’aal), denn wenn dies der Fall wäre, so wäre es ein logischer Widerspruch in sich selbst. Vereinfacht gesagt würde dies heißen, d. h. wenn der Nachfolger des Propheten (s) von Gott (swt) erwählt wäre und dennoch ein Frevler ist, dass Allah (swt) zur gleichen Zeit All-Weise und nicht All-Weise wäre und das ist unmöglich.

Wie gesagt, kann es im zweiten Fall sein, d. h., wenn Menschen den Nachfolger wählen, dass dieser, im Logischen betrachtet, ein Frevler sein kann. Dies zeigt sich auch in einigen sunnitischen Quellen. Wie z. B. in „Sahih Muslim“ wird von Huzayfah bin al-Yamaan überliefert, dass der Prophet (s) gesagt habe: „Nach mir wird es eine Gesellschaft geben, die nicht durch meine Rechtleitung geleitet sind und nicht nach meiner Lebensweise (sunnati) handeln und es werden unter ihnen Männer herrschen, dessen Herzen, die Herzen der Teufel sind im Körper eines Menschen.“ Daraufhin frage Huzayfah den Propheten (s), was denn getan werden solle, wenn man diesen (zeitlich) begegnet. Der Prophet (s) habe, im Wortlaut dieser Erzählung, geantwortet: „Gehorchet und seiet dem Fürsten (al-amir) loyal gegenüber, selbst wenn ihr auf euren Rücken geschlagen werdet und euer Hab und Gut genommen wird, so gehorchet und zeigt Loyalität.“53

Dem Kalifen, der hier Fürst genannt wurde, muss ausnahmslos gehorcht werden. Das Widersprechen gegen einen (solchen) Kalifen wäre Ungehorsam und sündhaftes Verhalten, wie wir in einer weiteren sunnitischen Überlieferung erkennen können. Folgende Überlieferung lesen wir in „Sahih al-Bukhari“: Es wird von Ibn Abbas überliefert, dass der Prophet (s) gesagt haben soll: „Wer etwas an seinem Fürsten verabscheut, so geduldige man sich, denn wahrlich, wer (nur) eine Spannbreite gegen den Sultan vorgeht, der stirbt den Tod eines Unwissenden.“54

Einige haben später versucht die Inhalte solcher Überlieferungen zu erklären, um ein gemäßigteres Bild davon zu bekommen. Wie dem auch sei, die Wirklichkeit, mindestens zur damaligen Zeit, sah genauso aus. Aber wenn man ehrlich sein will, dann sehen wir diese verkehrte Weltanschauung noch heute. Wie zum Beispiel der Großmufti und stellvertretende Justizminister des Königreiches Saudi Arabien – Abd al-Aziz bin Abdullah Aal ash-Shaikh – sagte in der TV-Sendung „Mit dem verehrten Mufti“ (ma‘ samaah’at al-mufti) auf dem TV-Sender „al-Majd“, dass der Treueid Yazid dem Sohne Muawiyahs, ein rechtmäßiger wäre und somit, wer gegen ihn vorgeht, sei sündig und al-Hussein ibn Ali (a) ging gegen Yazid vor. Weiter sagte er: „Die Ahl as-Sunnah sind sich darüber einig, dass, wenn sich die Menschen auf jemanden einigen, den sie den Treueid geben, so ist es den Menschen verpflichtend diesem auch zu gehorchen und loyal zu sein und das Vorgehen gegen ihn ist verboten. Al-Hussain hat sich nicht daran gehalten, so wurde er – möge Allah mit ihm zufrieden sein – getötet … Es war Al-Hussein eine Verpflichtung Yazid den Treueid zu geben …“ Am Ende sagte er: „Wir bitten Allah, dass Er al-Hussain (r) vergibt.“

An dieser Stelle wollen wir noch nicht auf Yazid ibn Muawiyah eingehen, jedoch erkennt man daran, vor allem weil dies von dem höchsten Mufti des Königreiches Saudi Arabien stammt, dass man dem Kalifen, egal was für Eigenschaften dieser besitzt, gehorsam sein muss. Und in einigen Überlieferungen lesen wir sogar, dass derjenige, der gegen den Kalifen aufsteht bzw. rebelliert, ein Ungläubiger ist. Da dies auch aus den sunnitischen Überlieferungen zu entnehmen ist, ist hier auch wieder das zweite Verständnis des Kalifats gemeint.

Die Kamelschlacht

Kommen wir wieder zurück zum Geschehen. Wie gesagt, es zeichneten sich innermuslimische Spannungen ab. Auf der einen Seite waren die Anhänger Imam Alis (a), den die Muslime rechtmäßig zum (vierten) Kalifen gewählt hatten, indem sie ihm (a) den Treueid geleistet haben. Auf der anderen Seite waren die von Hass und Neid erfüllten Umayyaden, die ebenfalls Leute auf ihre Seite ziehen konnten und dies vor allem mit dem Slogan: „Rächer des unterdrückten Kalifen Uthman“. Unter ihnen waren Persönlichkeiten wie Talh’a und Zubayr, der anfangs, d. h. direkt nach dem Dahinscheiden des geliebten Propheten Mohammad (s), noch auf der Seite Imam Alis (a) stand. Ebenfalls hat sich A’ischa, die Gattin des Propheten (s), auf ihre Seite geschlagen. Sie trafen sich in Basra, um einen Krieg gegen Imam Ali (a), dem (vierten) Kalifen, anzuzetteln. Es gab nun eine wirkliche Bedrohung für die Regierung und die Muslime an sich. Daraufhin gab es auch Schlichtungsgespräche vom Gouverneur des Gebietes Hijaz, jedoch waren die Oppositionellen, wenn man sie so nennen darf, so engstirnig, dass all dies nichts brachte. Es kam schließlich, nicht einmal fünf Monate nach dem Tode Uthmans, zum Kampf. Dieser wurde im Raume Basra ausgetragen und wurde unter dem Namen „Kamelschlacht“ bekannt, weil A’ischa auf einem Kamel sitzend anwesend war.

Es wird berichtet, dass etwa 10.000 Menschen in dieser Schlacht ihr Leben verloren hatten. Die Truppen Imam Alis (a) gewannen diese Schlacht und der Bruder A’ischas, Mohammad ibn Abi Bakr, holte sie von ihrem Kamel herunter und brachte sie anschließend in ihr Haus in Medina55. Imam Ali (a) erließ im Anschluss einen allgemeinen Straferlass (Generalamnestie), so dass ein eventueller Aussöhnungsprozess begünstigt werden könne. Dies bedeutete, dass niemand von den Kriegstreibern und ihren Anhängern bestraft werden wird. Viele, vor allem Anhänger der Bani Umayyah, gingen nach Schaam und verbündeten sich mit Muawiyah.

Neue Spannungen bahnen sich an

Zuvor hat Muawiyah zwar politische Intrigen gegen Imam Ali (a) gefördert und publiziert, jedoch war er militärisch nicht der direkte Drahtzieher. Einige berichten, dass er zwar bei der Kamelschlacht dabei war, aber eher als Zuschauer von außen. Wie dem auch sei. Nachdem die Umayyaden, Talh’a, Zubayr und A’ischa, die Kamelschlacht verloren hatten, flohen viele von den Gegnern Imam Alis (a) nach Damaskus, das Muawiyahs Machtzentrale darstellte. Obwohl Imam Ali (a) der rechtmäßige Kalif jener Zeit war, konnte es Muawiyah, neben den alten Rivalitäten und Neid, die er gegenüber Bani Haschim hatte, nicht verkraften, dass er seines Amtes enthoben wurde. Außerdem brachte die Niederlage der Kamelschlacht seine Machtaspirationen noch mehr in Bedrängnis. Ihm blieb nichts anderes übrig, als selbst, unter seiner Führung, zu kämpfen. Nun wollte auch er militärisch gegen den anerkannten Kalifen rebellieren. Muawiyah hat der Islam an sich nicht interessiert, sondern nur das, was er mit diesem erreichen konnte, und zwar Macht. Er wusste, dass die Machtposition zur damaligen Zeit das Kalifat war und diesem gehorcht werden müsse.56 Es passierte das, was schon absehbar war. Muawiyah mobilisierte ein Heer, das gegen Imam Ali (a) und seine Anhänger kämpfen sollten. Die Schlacht fand, nur etwa acht Monate nach der Kamelschlacht, in einem Gebiet namens „Siffin“57 statt. Die Heere beider trafen aufeinander. Es wird berichtet, dass Imam Alis (a) Heer aus ca. 80.000 Mann bestand und Muawiyahs aus ca. 120.000. Imam Alis (a) Feldherr war Malik al-Aschtar (r) und Muawiyahs Feldherr war A’mr ibn al-A’as.

Gegen Ende des Krieges wurde offenkundig, dass Muawiyah den Krieg verlieren wird, so hatte A’mr ibn al-A’as eine heimtückische Idee, die einen großen Effekt zeigen sollte. Er sagte den wichtigen Persönlichkeiten von Damaskus, dass sie alle den Heiligen Koran auf ihre Lanzen stecken sollen und so gerüstet das Heer Imam Alis (a) entgegnen. Ihre Forderung war, dass sie den Krieg beenden und ein Schiedsgericht eingeholt werden soll. Jedoch gab es einige Heuchler (munaafiquun), die dieser Intrige zustimmten und viele andere sind darauf reingefallen. Obwohl Imam Ali (a) sie zuvor warnte und sagte: „Oh Leute, tappt nicht in diese Falle von Täuschung und Trickserei. Sie greifen zu diesem Mittel, um die schmähliche Niederlage zu vermeiden. Ich kenne den Charakter jedes Einzelnen von ihnen. Sie sind weder Anhänger des Koran, noch haben sie irgendetwas mit Glauben oder Religion zu tun. Der Sinn unseres Kampfes bestand darin, dass sie dem Koran folgen und gemäß dessen Befehlen handeln sollten. Um Allahs Willen, fallt nicht auf ihr Täuschungsmanöver herein. Schreitet voran mit Entschlossenheit und Mut und lasst erst ab, wenn ihr den untergehenden Gegner besiegt habt.“58

Trotz dieser Worte wollten sich die Menschen nicht besinnen. Sie drohten ihm (a): „Oh Ali, wenn du nicht auf den Ruf des Korans hörst, dann werden wir mit dir so verfahren, wie wir mit Uthman verfahren sind. Beende die Schlacht und beuge dich dem Richtspruch des Koran!“59 Das heißt, sie drohten ihm (a) mit dem Tod. Somit wäre das Kalifat wieder ins Wanken gekommen und Imam Ali (a) wusste, was das für die Muslime heißen würde: Unterdrückung durch Muawiyah.

Imam Ali (a) sah sich, dem Wohle der Muslime zugunsten, gezwungen, ihrer Forderung nachzukommen. Muawiyah, der nichts mit dem Islam am Hut hatte und keinen Funken islamischer Moral besaß, hatte all diese Menschen verblendet. Daran kann man auch sehen, wie ungebildet die Menschen auf der Seite Imam Alis (a) waren, die sich heuchlerisch verhalten hatten. Muawiyahs und A’mrs List war aufgegangen, Imam Alis (a) Heer war zerstritten und die militärische Niederlage Muawiyahs und somit sein Untergang, wurden damit aufgehoben.

Schiedsspruch ins Verderben

Beide Parteien sollten eine Schiedsrichter ernennen, so dass diese die Angelegenheit des Kalifats mit dem Koran richten. Muawiyah legte, wie konnte es auch anders sein, die Intrige in Person A’mr ibn al-A’as als seinen Schiedsrichter fest. Die Leute auf der anderen Seite riefen nach Abu Musa al-Ascha’riy. Jedoch sah Imam Ali (a) ihn nicht als vertrauenswürdig an und schlug Malik al-Aschtar und Abdullah ibn Abbas vor. Sie sollten sich einen von beiden aussuchen. Sie waren jedoch so auf Abu Musa verbissen, dass sie niemanden anderes wollten, außer ihn. Imam Ali (a) sagte daraufhin: „So tut, was ihr wollt. Der Tag, an dem ihr eure eigenen Hände durch eure Missetaten abschneiden werdet, ist nicht fern.“60

Um es kurz zu halten: A’mr ibn al-A’as, der Schiedsrichter Muawiyahs, überlistete Abu Musa al-Ascha’riy, nämlich indem A’mr ihn überzeugte, dass beide, d.h. Muawiyah und Imam Ali (a), als Kalifen nicht in Frage kommen würden, so dass die Muslime einen neuen Kalifen wählen müssten. A’mr ibn al-A’as forderte Abu Musa auf, als erstes die Kanzel zu besteigen und ihr Ergebnis kundzutun. Daraufhin betrat Abu Musa die Kanzel und sprach, wie vereinbart: „Ich nehme beiden, Ali und Muawiyah, ihr Amt und bekräftige dies, indem ich mir nun diesen Ring hier, den ich trage, vom Finger ziehe …“. Er zog sich den Ring vom Finger und stieg von der Kanzel. Nun war A’mr an der Reihe. Er verkündete: „Auch ich erkenne Ali das Kalifenamt ab und betraue Muawiyah mit dem Kalifat.“ Abu Musa war empört, wie er ihn überlisten konnte: „Wir hatten doch etwas anderes abgemacht, wie konntest du nur so handeln?!“. Doch die Entscheidung war gefallen. Die Kämpfer an Imam Alis (a) Seite, die sich im Kampfe überlistet lassen haben, die zum größten Teil alle aus dem Irak stammten, waren ebenfalls empört und begriffen nun was geschehen war. Sie forderten Imam Ali (a) auf, gegen Muawiyah zu kämpfen. Doch dies kam nun zu spät, denn es gab einen (aufgezwungenen) einjährigen Waffenstillstand mit Damaskus.

Es sollte ein Schiedsspruch nach dem Heiligen Koran sein. Wo finden wir diesen wieder? Gab es nur einen Funken von islamischem Brauch bei diesem Schiedsspruch? All dies spiegelte die Politik und Vorgehensweise der Bani Umayyah und ihrer Schoßhündchen wieder.

Trotz dieser offenkundigen Intrige, wodurch klar wurde, dass diese Menschen keine Gottesfurcht besaßen und den Islam für ihre egoistischen Ziele ausnutzten, wurden weitere Leute, die sich noch auf der Seite Imam Alis (a) befanden, verblendet. Sie meinten zu ihnen, dass Muawiyah und Imam Ali (a) kein Recht dazu haben Schiedsrichter zu wählen und ihnen die Entscheidung zu überlassen. Dies sei allein Allahs (swt) Angelegenheit. Ihre Worte zeigten Wirkung, denn ihre Aussage war in sich korrekt, jedoch missbrauchten sie diese für ihre eigenen Machenschaften. Sie selbst wollten sich nicht dem Richtspruch Allahs (swt) unterordnen, sondern Imam Ali (a) als Kalifen absetzen, so dass sie (wieder) in Saus und Braus leben konnten. Obwohl es zuvor schon schwierig war für Imam Ali (a), fing nun die komplizierteste Periode für ihn (a). Viele seiner Gefolgsleute, die noch vorher auf seiner Seite standen, sagten ihm (a) die Gefolgschaft ab und brachten dasselbe Argument, mit dem auch sie überlistet wurden: ‚Was gibt dir das Recht, dich mit dem Schiedsgericht einverstanden zu erklären, denn dies gebührt allein Allah (swt).‘ Einige betitelten ihn (a) damit, dass er (Gott, der Erhabene bewahre) Unglauben (kuffr) begangen hätte. Imam Ali (a) erklärte ihnen den wahren Sachverhalt der Dinge und ermahnte sie mehrmals. Hier ein Ausschnitt aus seinen Worten gegen diejenigen, die sich von ihm (a) abschieden: „Möge euch ein Sturm ereilen, während euch kein Überlieferer mehr übrig ist! Soll ich denn nach meiner Überzeugung über Allah und meinem Kampf (an der Seite) mit Allahs Gesandten (s) gegen mich selbst Unglauben bezeugen? Ich würde sonst wahrlich irregehen und wäre nicht unter den Rechtgeleiteten. So kehrt dann zurück zu den üblen Heimstätten und kehrt um, auf die Spuren der Fersen! Wehe euch, ihr werdet nach mir umfassende Demütigung erfahren und scharfe Schwerter und Traditionen, welche die Unterdrücker als Gewohnheit gegen euch annehmen werden.“61

Dennoch hielten die Meisten an ihren Argumenten fest, verließen ihn (a) und gingen nach Nahrawaan62. Da sie sich von ihrem Imam (a) trennten, nennt man diese auch in der islamischen Geschichte „Khawarij“. Sie sagten, dass sobald Imam Ali (a) nach Damaskus reise, würden sie Kufa angreifen. Die Khawarij fingen an, sich eigene Vorstellungen vom Islam zu formulieren, wie z. B. dass es niemanden geben dürfe, der die Befehlsgewalt über sie hätte, außer Allah (swt). D. h., dass Imam Ali (a) in ihren Augen ein Sündiger sei. Imam Ali (a) sandte einige seiner Leute zu ihnen und später auch reiste er persönlich zu ihnen, um seine (a) Position zu erläutern. Die Khawarij kehrten nicht von ihrem Standpunkt ab und forderten Imam Ali (a) auf, sein Amt als Kalif niederzulegen. Er (a) aber sagte ihnen, dass das entscheidende Merkmal einer islamischen Führung nicht die Herrschaft sei, sondern die Wahrhaftigkeit. Die Khawarij waren engstirnig und nahmen seine Worte nicht an, so dass sie sich für eine Revolte gegen ihn (a) entschieden, und betitelten Imam Ali (a) als ein vom Glauben Abgefallener.

Dritter innermuslimischer Konflikt

Die Gegner Imam Alis (a) schlugen ihre Zelte in Nahrawan auf, um von dort aus ihre Revolte zu starten. Sie brachten den Gouverneur von Nahrawan, dessen Frau und Kind um. Daraufhin schickte Imam Ali (a) einen Vertreter, um die Lage zu prüfen. Dieser wurde ebenfalls von den Khawarij umgebracht. Nun war es wieder so weit. Ein dritter innermuslimischer Krieg wurde entfacht. Imam Ali (a) schickte seine Truppen gen Nahrawan. Dort angekommen, forderte er (a) die Auslieferung der Mörder des Gouverneurs und seiner Familie und des Vertreters. Die Khawarij weigerten sich und meinten, dass sie alle gemeinsam dafür verantwortlich seien. Der Imam (a) und rechtmäßige Kalif Ali ibn Abi Talib (a) bat ihnen an, sich vom Schlachtfeld zu entfernen und würde ihnen dafür eine Straferlass geben. Einige von den Khawarij nahmen dieses Angebot an und verschwanden, wiederum einige schlossen sich sogar Imam Ali (a) an, da sie seine (a) Wahrhaftigkeit wiedererkannt hatten. Dennoch standen in etwa 1800 Mann weiterhin auf dem Schlachtfeld, um gegen den Imam (a) ihrer Zeit zu kämpfen. Imam Ali (a) sagte zu den Khawarij: „Ich bin ein Warner für euch, auf dass ihr nicht zu Boden gestreckt werdet am Laufe dieses Flusses und in den Niederungen dieser Tiefebenen und ihr keine Beweise von eurem Herrn noch eine klare Ermächtigung habt. Ihr kamt aus euren Häusern gestürzt und dann fing euch das (göttliche) Schicksal. Ich hatte euch von diesem Schiedsgericht abhalten wollen, doch ihr habt euch mir verweigert in der Art von Gehorsamsverweigerung und Gegnern, bis ich meine Gedanken nach eurem Geschmack änderte. Ihr seid Zeitgenossen bar jeglichen Verstandes, von törichtem Urteilsvermögen. Ich habe euch – mögt ihr keinen Vater haben (d. h.: wehe euch) – nichts Schlechtes über euch gebracht, noch wollte ich euch Schaden zufügen.“63

Noch vor dem Krieg sagte Imam Ali (a) folgendes zu seinem Heer: „Ihr (d. h. die Khawarij) Untergang ist ohne (von) Tropfen (berührt zu werden), und bei Allah, nicht zehn von ihnen werden entkommen, während von euch nicht mal zehn umkommen werden.“64

Die Khawarij griffen Imam Alis (a) Truppen an und erlagen mit absoluter Unterlegenheit. Tatsächlich, wie es schon Imam Ali (a) prophezeit hatte, fielen alle, bis auf neun Personen und in den Reihen Imam Alis (a) kamen nur acht ums Leben.

Letzte Intrige in Imam Alis (a) Leben

Die Khawarij hörten mit ihrer Engstirnigkeit nicht auf. Die Überlebenden von ihnen entsandten Mörder, um drei Personen umbringen zu lassen: Muawiyah, A’mr ibn al-A’as und Imam Ali (a). In der Frühe, am 19. des heiligen Monats Ramadan 661 n. Chr65., wurde Imam Ali (a), der mitten im Frühgebet vertieft war, von Abd ar-Rahman ibn Muljam niedergeschlagen. Zwei Tage später, d.h. am 21. des Monats Ramadan erlag der heilige Imam (a), der Fürst der Gläubigen, das Erbe des Wissens des Propheten Mohammad (s), seiner Verletzung und fand das Martyrium.

Es gibt jedoch ein großes Fragezeichen unter den Historikern, wer nun wirklich hinter dem Mord steckte. Waren es die Khawarij? War es Muawiyah? Einige behaupten sogar, dass es nicht stimmte, dass neben Imam Ali (a) auch Muawiyah umgebracht werden sollte. Wie dem auch sei, es gibt sehr große Indizien dafür, dass Muawiyah zumindest an dem Komplott gegen Imam Ali (a) beteiligt war.

Traum der Umayyaden wird wahr

Imam Ali (a), der den Menschen den Islam wahrhaftig zu Herzen bringen wollte, der wieder Gerechtigkeit walten lassen wollte, der den Intrigen und gesellschaftlicher Ungleichheit ein Ende bereiten wollte, wurde ermordet. Nun war endlich der Traum der Umayyaden Wirklichkeit geworden. Doch ein Problem hatten sie noch: Imam al-Hassan (a), dem die Leute in Kufa (Irak) den Treueid schwuren, und somit rechtmäßig zum fünften Kalifen gewählt wurde.

Trotz dessen ernannte sich Muawiyah noch in derselben Zeit, d. h. im Jahre 40 n. H.66, selbst zum Herrscher über die Muslime und die gesamte islamische Welt. Dadurch konnte der Rest Tugend, der noch übrig geblieben war, komplett zerstört werden und ein egozentrischer, machtgieriger Herrschaftsstil walten. Muawiyah ging sogar so weit, dass er sich als den „Fürsten der Gläubigen“ bezeichnen ließ.67 Die Menschen in Damaskus lagen Muawiyah zu Füßen. Er hat sie mit Gewalt unterdrückt oder mit schmackhaften Geschenken unmündig gemacht. Es war schon für Imam Ali (a) schwierig gegen sie anzukommen, jedoch desto mehr man sich zeitlich von der Zeit des Propheten Mohammad (s) entfernte, desto prekärer wurde die Lage. Außerdem kam nun noch hinzu, dass Muawiyah sich selbst zum Kalifen erklärte. Dies verschaffte eine problematische Situation, denn man hatte nun nicht mehr nur einen Kalifen vor sich, sondern zwei, wenn auch einer davon unrechtmäßig war. In der Zeit nach dem Tode Uthmans, hatten die meisten Leute Imam Ali (a) den Treueid ausgesprochen und niemand anderes wagte sich gegen Imam Ali (a) zu kandidieren, da sie seinen erhabenen Stand kannten.

Fußnoten:

52 Im koranischen Verständnis hat das „Kalifat“ jedoch noch andere Bedeutungen.

53 Muslim ibn al-Hajjaaj, Sahih Muslim, Buch 34, Kapitel „Das Emirat“ (al-imaarah), Hadith 4891

54 Al-Bukhari, Sahih al-Bukhari, Buch 93, Hadith 7140; ähnliche Überlieferungen auch in Sahih Muslim, Buch 34, Hadith 4897; at-Tirmizi, Buch 1, Hadith 673

55 Dies geschah, weil der Prophet (s) vor seiner Rückkehr zu seinem Herrn (swt) seine Frauen befohlen hatte, in ihren Häusern zu bleiben.

56 Wie wir schon zuvor in den Überlieferungen und Ansichten gesehen haben.

57 Ein frühere byzantinische Siedlung am Euphrat (Irak), heute wird diese unter anderem als „Abu Hurayra“ bezeichnet, der auch auf der Seite Muawiyahs gegen Imam Ali (a) gekämpft hat.

58 Scharif Radhi Muhammad ibn Hussain, Pfad der Eloquenz (nahj al-balaaghah), dt. Übersetzung: Fatima Özogus, m-haditec, Band 1, S. 145

59 ebd, Band 1, S. 146

60 ebd, Band 1, S. 147

61 ebd, Band 1, S. 174

62 Ort in der Nähe von Bagdad

63 ebd, Band 1, S. 149

64 ebd, Band 1, S. 176

65 Dies entspricht: 40 n.H.

66 At-Tabari, Band 2, S. 4; Qabil al-Masu’usiy, Band 5, S. 14

67 Ibn Athir, al-Kamil fit-Tarikh, Beirut, Band 3, S. 403

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Politische Lage (Teil 1) https://bufib.de/politische-lage-teil-1/ Wed, 14 Oct 2015 21:52:12 +0000 http://bufib.de/?p=1672 Die politische Lage

Nachdem wir über die besondere Stellung Imam al-Husseins (a) bei Allah (swt) und Seinem Gesandten (s) gesprochen haben, sollten wir nun die politische Lage der damaligen Zeit behandeln, so dass man sich ein Bild davon machen kann, weshalb es zur Tragödie in Kerbala kommen musste.

Wenn wir die politisch-gesellschaftliche Lage, in der sich Imam Hussein (a) befand, verstehen wollen, so dürfen wir nicht im Jahre 60 n. H. beginnen, sondern benötigen noch einige Vorkenntnisse in der islamischen Geschichte. Es ist klar, dass wir in diesem Umfang keine ausführliche politische Analyse aller historischen Ereignisse darlegen können, jedoch sollten wir versuchen, den Kern der Problematik zu verstehen, um uns etwas in die Lage hinein versetzen zu können.

Nach dem Propheten (s) – Erste Probleme

Schon nachdem der heilige Prophet Mohammad (s) zu seinem Schöpfer (swt) zurückgekehrt ist zeichneten sich Probleme ab. Da sich aber das Thema „Aschura“ sehr stark mit dem Thema der Umayyaden40 auseinandersetzt, möchtet wir uns im Besonderen darauf begrenzen. Omar ibn al-Khattab41, der zweite Kalif, war zu Zeiten des ersten Kalifen Abu Bakr42 dessen engster Berater. Kurz vor dem Ableben Abu Bakrs, ernannte er Omar zum zweiten Kalifen. Im Jahre 634 n. Chr. übernahm er dann das Amt des Kalifen über die Muslime. Nach nur kurzer Zeit erweiterte Omar sein Kalifat zu einer Großmacht und Vormachtstellung im Nahen Osten. So wurden Palästina (634 n. Chr.) und Ägypten (639-642 n. Chr.) durch A’mr ibn al-A’as erobert. Syrien wurde durch Khalid bin Walid und der Irak durch Sa’d ibn Abi Waqqas im Jahre 636 n. Chr. erobert. Es gab also enorme Expansionen und Eroberungen, die oft durch vertragliche Regelungen erleichtert wurden. Dies verlangte von Omar, dass er verschiedene Statthalter und Gouverneure in den unterschiedlichen, eroberten Regionen einsetzen musste, so dass dort seine Politik weiterhin standhalten könne. Eine der relevantesten Provinzen der Muslime war die in Schaam mit Verwaltungssitz in Damaskus. Schaam war eine Provinz, die sich nicht nur auf Syrien beschränkte, wie es heute einige Historiker fälschlicherweise behaupten. Schaam umfasste neben Syrien, auch den gesamten Libanon, Palästina und große Teile Jordaniens und einige meinen sogar, dass gesamt Jordanien dazugehörte. Im Jahre 639 n. Chr. hat Omar, mit der Bemerkung, dass es viele Gefährten des Propheten (s) gab, Muawiyah ibn Abi Sufyaan als Gouverneur von Schaam eingesetzt. Muawiyah errichtete sich daraufhin einen prächtigen Palast in Damaskus. Wir können heute sagen, dass die Ernennung Muawiyahs als Gouverneur, egal in welcher Region, eine der größte Fehlentscheidung in der Geschichte der Muslime war.

Muawiyah und Bani Umayyah

Kommen wir kurz zur Person Muawiah, bevor wir uns wieder der politischen Lage widmen. Muawiyah ibn Abi Sufyan wurde im Jahre 603 n. Chr. in Mekka geboren und gehörte, neben seinem Vater Abu Sufyan, zum Stamm der „Bani Umayyah“. Beide gehörten lange Jahre zu den größten Feinden des Propheten Mohammad (s) und des Islams an sich. Selbst bei der Befreiung Mekkas, als sein Vater Abu Sufyan, wenn auch nur äußerlich, den Islam annahm, weigerte sich Muawiyah und verließ die Stadt. Erst als er gesehen hatte, dass es keinen anderen Ausweg mehr gab und er dadurch persönliche Vorteile erkannt hatte, nahm er den Islam im Jahre 630 n. Chr. an. Die Mutter von Muawiyah war Hind bint U’tbah, die dafür bekannt war, dass sie in der Schlacht von Uh‘ud, als die Bani Quraisch gegen die Muslime zu Felde zogen, das Herz Hamzas (r), dem Onkel des Propheten (s), herausreißen lies und wie ein wildes Tier fraß. Außerdem war Hind bint U’tbah für Ehebruch bekannt und von daher gibt es auch einige, die berichten, dass es nicht bekannt sei, wer tatsächlich der Vater Muawiyahs sei.

Es scheint eine uralte Familientradition der Bani Umayyah gewesen zu sein, die Haschim-Familie zu hassen. Schon der Großvater von Muawiyah, Umayyah hegte gegenüber seinen Onkel Haschim starke Hassgefühle. Genauso tat es auch Abu Sufyan gegenüber dem Propheten Mohammad (s) und Muawiyah dann gegenüber Imam Ali (a). Wir halten also fest, dass es einen eingeprägten Hass der Bani Umayyah gegenüber Bani Haschim gab.

Muawiyahs Vormachtstellung im Schaam 

Wie dem auch sei. Muawiyah konnte seine politische Machtstellung in Schaam noch unter Omar und auch unter dem dritten Kalifen, Uthman ibn Affan43, wahren. Muawiyah war eine sehr listige Persönlichkeit, denn er spielte schon länger mit dem Gedanken, die komplette „Herrschaft“44 an sich zu reißen, so dass die Bani Umayyah die Oberhand über die Muslime erreichen könne. Nachdem Uthman im Jahre 656 n. Chr. ermordet wurde, sah er die Zeit für sich gekommen dies zu tun.

Wie konnte es aber so weit kommen? Zuvor sagte wir schon, dass der Grundstein dafür von Omar ibn al-Khattab gelegt wurde, indem er Muawiyah in Schaam einen Gouverneursposten zuschrieb. Als Omar jedoch im Jahre 644 n. Chr. gestorben ist, änderte sich sehr viel für „Bani Umayyah“. Bevor Omar gestorben ist, bestimmte er ein Gremium, das aus sechs Personen bestand, die miteinander beraten und innerhalb von drei Tagen aus ihrer Mitte den Kalifen nach ihm bestimmen sollten. Diese sechs Personen waren: Imam Ali (a), Uthman ibn Affan, Zubayr ibn Awwam, Sa’d ibn Abi Waqqas, Abd ar-Rah’man ibn A’wf und Talh’a ibn U’baydullah. Von Anfang an war ersichtlich, dass sich die Auswahl auf Imam Ali (a) und Uthman beschränkte. Die Umayyaden waren jedoch mit Imam Ali (a) nicht einverstanden. Ebenfalls war Abd ar-Rah’man ibn A’wf auf der Seite von Uthman. Nach langen Diskussionen und Beratungen fragte Abd ar-Rah’man Imam Ali (a): „Wenn wir für dich stimmen, wirst du versprechen, gemäß dem Buche Gottes, der Tradition des Propheten und dem Vorgehen der beiden ‚Shaikhayn‘ (d.h. Abu Bakr und Omar) zu handeln?“. Es war absolut klar, dass Imam Ali (a) die letzte der drei Bedingungen nicht zustimmen wird, denn innerhalb der zwölf Jahre, nach der Rückkehr des Propheten (s) zu Seinem Schöpfer (swt), gab es allerlei Abweichungen von der Lebensweise des Propheten Mohammad (s). Und angenommen es gab keine Abweichungen, dann gab es aber noch das Problem, dass es unter beiden Kalifen, Abu Bakr und Omar, zu gleichen Sachverhalten verschiedene Handlungsweisen gab, die sich gegenseitig widersprachen. So antwortete Imam Ali (a) darauf: „Ich werde dem Buche Gottes, der Tradition des Propheten und meinem Wissen gemäß vorgehen.“ Uthman wiederum willigte auf alle drei Bedingungen ein, worauf sie sich dann für ihn (Uthman) entschieden.

An sich kann man sich nun viele Fragen in Bezug auf die Art und Weise des Vorgehens dieser „Wahl“ stellen. Wieso waren nur „Muhajirin“45 bei dieser Wahl anwesend, obwohl schon Abu Bakr zu seiner Zeit gesagt hatte, dass die „Ansaar“46 die Minister stellen sollen und ihnen absolutes politisches Mitspracherecht zugebilligt hatte? Und wenn es ein Gremium sein soll, das den Kalifen der Muslime wählen soll, weshalb waren es nur sechs Personen? Und wieso gab es die dritte Bedingung: „nach dem Vorgehen von Abu Bakr und Omar zu handeln“? War es etwa nicht essentiell nach dem Buche Gottes (swt) und der Tradition des Propheten Mohammad (s) zu handeln? Wie dem auch sei. Schließlich wurde Uthman ibn Affan zum neuen Kalifen ernannt. Was für unsere Untersuchung wichtig ist, ist dass Uthman nach und nach, den Leuten der Bani Umayyah, immer mehr politische Positionen und Ämter zuschrieb. Dies hatte zur Folge, dass die Ansar immer mehr aus dem politischen Geschehen verdrängt wurden.

Wenngleich sich Uthman damit einverstanden erklärte, die wichtigen Träger des Kalifats unter Omar auch in Zukunft in ihren Ämtern zu belassen, dauerte es jedoch nicht lang , bis er sie alle entließ und diese Ämter mit Personen aus seinem Stamm Bani Umayyah besetzte. Sicherlich war es nicht allein Uthman der den Antrieb dazu gab, sondern neben ihm auch seine Berater, wie Marwan ibn al-Hakam, den Uthman zum Gouverneur von Medina ernannte. Marwan ibn al-Hakam selbst gehörte ebenfalls zum Stamme der Umayyaden und war gleichzeitig Neffe und Schwiegersohn Uthmans. Er spielte eine ganz entscheidende Rolle in der anschleichenden Machtübernahme der Umayyaden. Somit wurde er Gouverneur der Stadt, aus der ihn der Prophet Mohammad (s) vertrieben hatte. Marwan und sein Vater al-Hakam waren hasserfüllte Feinde des Propheten (s) und seiner Ahlul Bayt (a), das von niemandem geleugnet werden kann.

Einige Jahre später wurde das Kalifat immer mehr zu einem profitbringenden Amt. Es war nun wesentlich, die Macht über Menschen zu haben und Ansehen zu besitzen. So wurde es zumindest von vielen betrachtet. Außerdem kann man sagen, dass es auch gar nicht verwunderlich war, denn viele Gouverneure in den Städten spiegelten nichts anderes wieder. Im Ursprung ist der Islam eine Religion, die Gleichberechtigung und Gerechtigkeit verlangt, was wir vor allem auch anhand der Verfassung von Medina erkennen können, die eine Art Gesellschaftsvertrag darstellte. So zum Beispiel Bilal, ein dunkelhäutiger Abbesinier47. Obwohl er die arabische Sprache keinesfalls so beherrschte und aussprach wie die ansässigen Araber, so wurde er zum Gebetsrufer der Muslime erwählt. Außerdem war er ein Sohn eines Sklaven und dennoch beauftragte man ihm mit dem Kommando über das islamische Heer. Unter seiner Führung waren hochangesehene Persönlichkeiten der Muhajirin und Ansar. Jeder Muslim war dem anderen Muslim gleichgestellt.

Kalifat Uthmans – Hochsaison der Umayyaden

Vor allem unter der Führung Uthmans änderte sich einiges in diesem Prinzip. Die Ämter wichtiger Städte und Provinzen wurden neu besetzt. Auffällig ist, dass diese Posten seiner eigenen Familienangehörigen, nämlich Bani Umayyah, übergeben wurden. Zum Beispiel nahm Uthman Sa’d ibn Abi Waqqas die Führung über Kufa und setzte dort Walid ibn U’qbah ibn Abi Mu’it ein, der ebenfalls, wie Uthman ibn Affan, dem Stamme Bani Umayyah angehörte. Es wird berichtet, dass obwohl nun drei der wichtigsten und größten Gebiete, nämlich Schaam, Kufa und Ägypten, in der Hand der Umayyaden war, dass einer der Umayyaden darüber empört war, dass Basra48, von einem Nicht-Umayyaden regiert wurde und zwar von dem Jeminiten Abu Musa al-Asha’riy. Erzürnt ging er zu Uthman und hielt ihm vor: „Wie, gibt es denn in deiner Umgebung nicht mal mehr ein einziges (Umayyaden-)Kind, das du nach Basra schicken könntest? Wie lange willst du denn diesen Greis (d.h. Abu Musa al-Asha’riy) noch in Kufa halten?!“49

Viele Muslime, die neu konvertiert waren, hatte der Gerechtigkeitssinn und das Gleichheitsprinzip im Islam imponiert. Jedoch verbitterte diese neue Lage, wie mit der Verteilung der Ämter umgegangen wurde, viele dieser Muslime. Man kann sagen, dass nun die islamischen Prinzipien stetig verschwommen und wieder das alte Arabertum und die damit verbundene Vetternwirtschaft, immer mehr zum Vorschein kam. Die Bani Umayyah gewannen kontinuierlich die Oberhand, indem sie sich die wichtigsten Gouverneursposten zusicherten, bzw. von Uthman zugesichert bekamen. Wenn man sich auch nur mal die Persönlichkeiten, die diese Positionen bekamen, genauer anschaut, so wird man erkennen, dass sie alle keine weiße Weste trugen. Das Erscheinen des wahrhaftigen Lichts, das Erscheinen der absoluten menschlichen Glückseligkeit – und zwar das Erleuchten des Islam – begann fortab trübe zu werden und zu erlöschen. Die Gedanken und Traditionen der vorislamischen Zeit wiederum erwachten auf ein Neues. Außerdem stieg eine stark materielle Einstellung immer mehr empor. Zur Zeit des heiligen Propheten Mohammad (s) hielten sich viele Muslime noch an ihr Vorbild, dem Führer der Menschheit, Prophet Mohammad (s), der in absoluter Bescheidenheit und Selbstlosigkeit lebte und dies auch predigte und vorlebte. In der Epoche von Uthman jedoch, änderte sich diese Lebenseinstellung unter den Menschen. Schon unter Omar ist die Staatskasse (bayt al-maal) zu einer beträchtlichen Summe angestiegen. Außerdem wurde das Gehaltsprinzip der „Staatsdiener“ (d. h. Gouverneure und sonstige Verantwortungspositionen) neu geregelt. Wenn man sich nur den Charakter der Verteilung der Ämter anschaut, dann wird sehr leicht ersichtlich, wie diese Verteilung der Gelder ausgesehen hatte. Es gab eine immer größere Veränderung der finanziellen Verhältnisse. Mit den Worten des 21. Jahrhunderts nennt man dies „die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“. Von daher hat auch Abu Z’arr al-Ghaffari (r), ein gottesfürchtiger Gefährte des Gesandten Gottes (s), gesagt: „Das, was ihr aus den eroberten Gebieten einnehmt, ist nicht euer persönliches Eigentum, sondern gehört in die Staatskasse (bayt al-maal) und steht allen Muslimen zu. Wer für den islamischen Staat etwas tut, hat Anspruch auf den ihm zustehenden Teil aus der Staatskasse. Und zwar in der Höhe, wie er wirklich benötigt. Was übrig bleibt, ist auf dem Wege Gottes zu verwenden.“

Den Umayyaden, wie soll es auch anders sein, denn sie waren die ersten Profiteure dieser neuen Politik, gefiel diese Kritik nicht und beschwerten sich bei Uthman. Sie meinten, er hetze die Bevölkerung gegen sie auf. Daraufhin wurde Abu Z’arr (r) nach Damaskus verbannt. Aber weil er ein Mensch war, der nach der Wahrheit strebte und sich nicht davor scheute, tat er auch dort Kritik an Muawiyah, der dort Gouverneur war. Man verordnete ihn nach Medina, wo er dann nach Rabadha50 verbannt wurde.

Selbstsucht und Profitgier unter den Beratern Uthmans, Übergriffe Muawiyahs auf größere Städte und unrechtmäßiges Entnehmen von Geldern aus der Staatskasse machte die Lage der Bevölkerung immer prekärer. Das Volk begann zu protestieren und im Heer machte sich Unzufriedenheit breit. Sie sagten: „Die Einnahmen aus den eroberten Ländern sowie auch aus denen, die mit uns einen Friedensvertrag geschlossen haben, stehen uns zu.“ Man konnte daran schon die ersten Formen einer Demonstration erkennen. Wie könnte es auch anders sein, denn die Gouverneure unter Uthman, sahen die Einkünfte als ihr persönliches Eigentum. Folgendes Beispiel verdeutlicht etwas das damalige politische Leben. Eines Abends saß Sa’id ibn A’as, der Gouverneur von Kufa, mit seinen Leuten zusammen und sagte: „Irak gehört den Quraisch.“ Daraufhin wand Aschtar Nakha’i, ein Jeminite, ein: „Wir haben dieses Gebiet durch Kampf erobert. Wieso soll es daher den Quraischis gehören?“ Abd ar-Rah‘man Asadi, Chef der Stadtpolizei, entgegnete ihm: „Du widersprichst dem Emir?“ Er gab daraufhin seinen Leuten ein Zeichen und sie fielen über den Jeminiten her und schlugen ihn.

Die Korruption und Verdorbenheit der politischen Landschaft wurde nun immer klarer. Anstelle korrekter und moralischer Ratschläge der Berater an Uthman gab es immer stärkeren Ausbau des unrechtmäßigen Profits aus der Staatskasse, Vetternwirtschaft und vor allem verschwanden stetig die Grundprinzipien des Islam. Das erstaunliche daran ist, dass sie behaupten streng gläubige Muslime zu sein und prahlten damit, Gefährten des Propheten (s) zu sein. Was ist aber in ihren Köpfen hängen geblieben? Die Gegebenheit ihrer politischen Machenschaften reicht als Antwort.

Opposition gegen Uthman

Dies führte zu großen Unruhen im Staat. Es bildete sich eine Opposition gegen Uthman und seine Berater, die ihre Zentren in Ägypten und in dem Irak hatten, denn unter anderem fand dort eine sehr umstrittene Verteilung der Gelder für den Staat und das Heer statt. Neben A’ischa, der Tochter von Abu Bakr und gleichzeitig Witwe des Propheten Mohammad (s), fochten auch Talh’a ibn U’baydillah und Zubair ibn Awwam, die beide in dem Gremium waren, aus dem der Nachfolger Omars gewählt werden sollte, die Herrschaft Uthmans an. Die Regierungsgewalt Uthmans und sein Leben wurden nun von mehreren Seiten bedroht. Uthman versprach zwar den Unzufriedenen zu ihrem Recht zu verhelfen, jedoch kamen ihm seine Berater immer wieder zuvor und hielten ihn davon ab. Wie zum Beispiel hatten die Leute in Kufa ein großes Problem mit ihrem Gouverneur, Walid ibn U’qbah. Dieser war ein Alkoholiker. Eines Tages betrat er die Moschee im betrunkenen Zustand und betete das Morgengebt vier Gebetsabschnitte, anstatt zwei. Dann drehte er sich zu den Mitbetenden und fragte, ob er das Gebet noch weiter ausweiten solle. Die Leute in Kufa wandten sich an Malik al-Aschtar. Eine Delegation unter seiner Führung ging zu Uthman, um die Absetzung seines trunksüchtigen Halbbruders, Walid ibn U’qbah, zu fordern. Dies wiederum wurde von Uthman abgelehnt. Daraufhin ging die Delegation zu Imam Ali (a). Er (a) ging zu Uthman, um ihn vor seiner Fehlentscheidung zu warnen, seinen Halbbruder im Amte zu lassen. Wie bereits erwähnt, versprach Uthman seinen Fehler zu korrigieren, jedoch mischten sich seine Berater immer wieder in seine politischen Entscheidungen ein. In diesem Fall war es Marwan ibn al-Hakam, der ihn umgestimmte hatte, Walid ibn U’qbah vom Gouverneursposten in Kufa abzusetzen.

Dies und die allgemeine politische Lage, veranlasste das Volk zu immer stärkerer Aufruhr und schließlich zur Rebellion. Es ist ein ganz natürlicher Verlauf den das Volk durchgemacht hatte. Wir können dies selbst in unserer heutigen Zeit sehen. Vor allem in der arabischen Welt. Völker waren mit der Unterdrückung und selbstsüchtigen, korrupten Politik der „Herrscher“ nicht mehr zufrieden und rebellierten. Menschenleben mussten dafür ausgelöscht werden und in manchen Fällen wurde das Staatsoberhaupt abgesetzt oder sogar getötet. Damals war es nicht anders als heute.

Die Rebellion begann damals zuerst in den Grenzgebieten und griff schließlich über in die Mitte des Geschehens. Schließlich passierte das, worüber uns in der Geschichte berichtet wird: Uthman, der Kalif der Muslime wurde von Muslimen umgebracht.

Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist, dass Bani Umayyah nicht wahrhaben wollten, dass der Kern der Probleme und der Grund der Aufruhr im Lande, ihr eigenes Werk war. Sie waren so verblendet vor Hass und Machtgier, dass sie die Ermordung Uthmans auf familiären Rivalitäten begründeten. Um genauer zu sein, sie nahmen an, dass Bani Haschim, der Stamm des Propheten Mohammad (s) und seiner Ahlul Bayt (a), die Drahtzieher für die Ermordung Uthmans gewesen seien, um sich dadurch an die Umayyaden zu rächen. Am Tage des Mordes sagte Walid ibn U’qbah, der trunksüchtige Halbbruder Uthmans: „Ihr Bani Haschim, was wollt ihr von uns? Das Schwert Uthmans und sein Hab und Gut sind nun in eurer Hand. Ihr Bani Haschim, gebt die Waffe eures Neffen zurück! Raubt sie nicht, das geziemt sich nicht für euch! Oh Bani Haschim, wie sollten wir mild und freundlich zu euch sein, da doch Uthmans Rüstung und Pferde nun in Alis Hand sind … Wenn auch jemand das (kostbare) Wasser, das er in seinem Leben trank, vergessen sollte, so werde ich doch Uthman und seine Ermordung niemals vergessen.“

In diesen Worten, die nur um die 25 Jahre nach dem Dahinscheiden des Propheten Mohammads (s) gesprochen wurden, finden wir keinen einzigen Funken mehr von muslimischem Brauch und Verhalten. Das Zentrum der islamischen Aufklärung – Medina – hatte nun einen sehr negativen Wandel erfahren. Der Islam stand seinem Ende nahe. Aus jenen Worten können wir nichts anderes erkennen, außer Rivalität, Missgunst und Gehässigkeit gegenüber dem Stamme Bani Haschim. Wie bereits erwähnt, gab es schon zur Zeit von den Urvätern der Bani Umayyah Neid und Hass gegenüber Bani Haschim. Nichts änderte sich daran. Es war allgemein bekannt, dass Bani Umayyah den Leuten der Bani Haschim gegenüber hasserfüllt waren, weil der Prophet (s) aus ihren Reihen kam. Von islamischen Verstand wahrhaftig keine Spur, wie der Heilige Koran schon Jahre zuvor deutlich sprach: „Und Mohammed ist nur ein Gesandter. Vor ihm sind Gesandte dahingegangen. Wenn er nun stirbt oder getötet wird, werdet ihr umkehren auf euren Fersen? Und wer auf seinen Fersen umkehrt, der fügt Allah nicht den mindesten Schaden zu. Und Allah wird die Dankbaren belohnen.“51 Wahrlich, die Bani Umayyah kehrten zurück „auf ihren Fersen“, zurück in die Dunkelheit der vorislamischen Unwissenheit.

Nach Uthman

Nach dem Tode Uthmans war die allgemeine Aufruhr und Rebellion abgeklungen. Es war nun jedoch die Zeit gekommen, einen neuen Kalifen zu wählen. Nun gab es viele, die auf das Amt des Kalifen über die Muslime schielten und auf dieses Amt aspirierten. Wie z.B. Talh’a und Zubayr. Die Aufständischen, die zuvor mit der Politik Uthmans und den Machenschaften seiner Berater unzufrieden waren, stimmten zum Großteil für Imam Ali (a). Es gab in der Zeit unter der Kalifschaft Uthmans sehr viele Spannungen und Aufruhr in der Gesellschaft, so dass es nun sehr schwierig war wieder Gerechtigkeit einzuführen. Einige Historiker berichten, dass Imam Ali (a) nicht sofort das Kalifat annahm und meinte, dass sie doch einen anderen für dieses Amt verpflichten sollen. Imam Ali (a) wusste wie angespannt die Lage war und dass es sehr schnell zu einem Putsch kommen könnte. Die Bevölkerung allerdings sah, dass er (a) der Einzige für dieses Amt sei und leisteten ihm (a) den Treueid (baya’h) und damit wurde er offiziell zum neuen Kalifen der Muslime ernannt.

Es war keine leichte Aufgabe für Imam Ali (a) in dieser Situation wieder Normalität einkehren zu lassen. Ein großes Problem stellten auch die noch eingesetzten Gouverneure von Uthman, die die Menschen wieder auf die Fersen der vorislamischen Zeiten gebracht hatten. Diese wollten einen Kalifen, der ihnen eine offene Hand hat und zu Vetternwirtschaft und Korruption bereit ist. Dass Imam Ali (a) dem nicht entsprechen würde, war allen klar. Er (a) wollte keine privilegierte Schicht. Sein Ziel war soziale Gerechtigkeit und plädierte für einen schlichten und islamischen Lebensstil, d. h. nach dem Vorbilde des heiligen Propheten Mohammad (s). Wirtschaftlich gesehen verteilte Imam Ali (a) die Staatskasse gerecht, was den zuvor Privilegierten der Bani Umayyah ein Dorn im Auge war.

Außerdem setzte Imam Ali (a) die korrupten und verdorbenen Gouverneure Uthmans ab und entsandte neue in die Provinzen und Städte. Dass dies auf Widerspruch und sogar Feindschaft stoßen würde, war ersichtlich, aber dennoch konnte man deswegen nicht ihre Machenschaften weiter unterstützen. Vor allem das Amt des Kalifen, es ist mit größter Verantwortung vor Allah (swt) verbunden, was jedoch anscheinend nur Imam Ali (a) wahrhaftig erkannt hat, denn sonst gäbe es nicht solche Vertreter des Kalifen in den muslimischen Provinzen.

Wie vorherzusehen, kam es zum Widerstand der Ex-Beamten des Kalifat Uthmans. Es wurde für Zwiespalt in ihren Regionen gesorgt. So zum Beispiel sollte Sahl ibn Hunaif in Schaam eingesetzt werden, um Muawiyah ibn Abi Sufyan zu ersetzen. Dies konnte aber nicht geschehen, weil Muawiyah Leute entsandte, um den neuen Gouverneur von Schaam, Sahl ibn Hunaif, auf seinem Weg zu stoppen. Sie zwangen ihn gewaltsam zur Rückkehr.

Es haben sich nun Oppositionelle und Gegengruppierungen gebildet, die aus dem Lager Uthmans stammten und vor allem Bani Umayyah. Auch Talh’a und Zubayr, die selbst Bestrebungen für das Amt des Kalifen hegten und auch nachdem sie es nicht wurden, hatten sie weiterhin die Hoffnung nicht aufgegeben, Gouverneure in Kufa und Basra zu werden. Dies verbitterte sie sehr und daraufhin verließen sie Medina aus Protest.

„Uthman – der unterdrückte Kalif“

Nun zeichnete sich ein ganz neuer Vorwurf ab. Es war klar, die Opposition musste sich einen politischen Slogan ausdenken, so dass sie wieder zurück in die Ämter gelangen könnten. Ihr einziger Gedanke lag in der Staatskasse und Macht. Ihr Slogan war „Uthman – der unterdrückte Kalif“. Der Erste, der diesen Spruch öffentlich äußerte, war, wie konnte es auch anders sein, Muawiyah. Er hatte in Damaskus seine Machtstellung gefestigt. Obwohl Muawiyah Uthman in seiner schwierigsten Zeit nicht zur Seite stand, obgleich er sein Vertreter in Schaam war, nahm Muawiyah nun Partei für ihn ein. Nach seiner Ermordung nannte er Uthman den „unterdrückten Kalifen“. Muawiyah rief dazu auf das Blut Uthmans zu rächen, jedoch war er von listiger Natur und ein überaus linker Stratege in politischen Angelegenheiten. Er wusste, dass Imam Ali (a) von allen als ein Gottesfürchtiger und für seine hohen Tugenden bekannt war. So war es klar, dass er ihn (a) nicht als den Mörder Uthmans betiteln konnte. Hätte er dies gemacht, so gäbe es sicherlich eine starke Gegenreaktion. Was hat Muawiyah gemacht? Er schrieb an Imam Ali (a) einen Brief, in dem er ihn (a) aufforderte, ihm die Mörder Uthmans, die sich in seinen (Imam Alis (a)) Reihen befänden, auszuliefern, so dass er an ihnen Vergeltung übe und sich dann Imam Ali (a) unterordne. Einige fielen auf diese politische Intrige rein. Anfangs nahm man nicht an, dass diese Opposition so verbissen vorgehen würde. Es häufte sich jedoch die Anzahl derer, die kurz vorher noch Imam Ali (a) den Treueid gaben, aber nun, durch Muawiyahs Intrige, sich gegen Imam Ali (a) stellten. Sogar A’ischa, die Gattin des Propheten Mohammad (s), die zu Zeiten Uthmans eine Gegnerin seiner Politik war, stand nun auf der Seite, die meinten, dass Uthman ein „unterdrückter Kalif“ gewesen sei. Damit stand sie ganz öffentlich gegen Imam Ali (a).

Es zeichnete sich zum ersten Mal in der kurzen Geschichte der Muslime, ein echter innermuslimischer Kampf ab. Aber es sei angemerkt, dass dieser allein von einer Seite ausging, nämlich von der Seite der Umayyaden aus und denen, die sie mit sich ziehen konnten. Bevor wir aber auf den weiteren Verlauf des Vorgehens gegen das Kalifat Imam Alis (a) eingehen, sollten wir kurz auf das allgemeine Verständnis des „Kalifats“ unter den muslimischen Richtungen eingehen.

Fußnoten:

40 Zurückzuführen auf „Bani Umayyah“. Die Umayyaden-Dynastie fing mit Muawiyah ibn Abu Sufyan im Jahre 660 n.Chr. an und endete in Damaskus mit Marwan II. ibn Muhammad ibn Marwan im Jahre 750 n.Chr.

41 Omar ibn al-Khattab (592-644 n.Chr), wurde 592 in Mekka als Sohn des Stammes „Bani Adi“ geboren. Adi ist der Bruder von Murrah.

42 Abu Bakr (572-634 n.Chr.), wurde 572 n. Chr. in Mekka als Sohn von Abi Quh’afah geboren und gehört dem Stamm „Banu Taim“ an. Taim war ein Sohn von Murrah und Bruder von Kilab.

43 Uthman ibn Affan (574-656 n.Chr.), wurde 574 in Mekka geboren und stammt, genau wie Muawiyah, von Umayyah ab und ist somit von Bani Umayyah

44 Im Anschluss werden wir uns mit dem Machtprinzip von Muawiyah beschäftigen, denn seine Vorstellung vom Kalifat war eine andere, als die von Bani Haschim, die das Prinzip der gerechten Führerschaft (al-imaamah) ansahen

45 Diejenigen, die mit dem Propheten (s) nach Medina ausgewandert sind oder nach ihm (s) hinterher kamen.

46 Diejenigen, die die Bewohner Medinas waren, die den Propheten Mohammad (s) in ihre Stadt eingeladen haben und herzlich willkommen geheißen haben.

47 Bilal stammt aus Abbesinien, das heute Äthiopien genannt wird.

48 Ort im Irak

49 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 165

50 Eine Wüste bei Medina.

51 Sure 3, Vers 144

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I. Der Rang Imam Husseins (a) beim Propheten (s) https://bufib.de/i-der-rang-imam-husseins-a-beim-propheten-s/ Wed, 14 Oct 2015 21:30:09 +0000 http://bufib.de/?p=1670 Weshalb wurden wir erschaffen?

Eine Frage beschäftigt den Menschen schon seit je her: „Wieso wurde ich erschaffen?“ Bzw., wenn man nicht an eine Schöpfung glaubt: „Wieso bin ich?“ Da wir hier keine theologischen Fragen aufgreifen und behandeln wollen, geht es uns um die erste Frage. Obwohl wir an den All-Mächtigen Schöpfer, Allah (swt)9, glauben, ja von Ihm absolut überzeugt sind, stellt sich uns diese Frage tagtäglich. Die Antwort darauf würde unser gesamten Leben beeinflussen und uns unserem wahren Ziel – nämlich der Vollkommenheit10 – näher kommen lassen. Der Heilige Koran gibt die Antwort darauf: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen.“11

Aber wenn wir uns näher mit dem Heiligen Koran auseinandersetzen, so werden wir sehen, dass es einen bestimmten Zweck hinter dem Gottesdienst gibt: „Und diene deinem Herren, bis die Gewissheit (Erkenntnis) zu dir kommt.“12 Das heißt nicht, dass man, sobald man die Gewissheit (al-yaqiin) erreicht hat, den Gottesdienst beenden soll. Nein, es heißt, dass es die absolute Gewissheit über Allah (swt) ist, die wir in unserem Leben erreichen sollen, so dass wir unsere (menschliche) Vollkommenheit erreichen können. Die Grundlage der Erlangung einer solchen, ist ein demütiger, wahrhaftiger Gottesdienst.

Somit finden wir im Gottesdienst die menschliche Vollkommenheit und Glückseligkeit. Aber es ist nicht der leblose Gottesdienst, der uns routiniert in unserem Leben „verfolgt“, sondern ein Gottesdienst, der sich auf all unsere Sinne und Lebenslagen bezieht, so dass man dadurch die koranische Bezeichnung verdient ein „Statthalter auf Erden“13 (khaliifatullah a’lal-ard‘) zu sein. Die demütige Verehrung Gottes (swt) ist die ehrenvollste Eigenschaft, die einem Menschen zugeschrieben werden kann, von daher kann man auch unser tägliches Bezeugen im Gebet verstehen, in dem wir bekanntlich die Eigenschaft des Gottesdienstes des Propheten Mohammad (s) vor seiner Gesandtschaft (ar-risaalah) bezeugen:

„Ich bezeuge, dass Mohammad Dein Diener und Gesandter ist.“

(ash-hadu anna moh’ammadan a’bduhu wa rasuuluh“)

Gottesdienst = Freiheit

Gottesdienst bedeutet, sich von den teuflischen Einflüssen und den Schlingen der eigenen Seele und Triebe zu befreien. Zwar wird das Wort „Freiheit“ (al-h’oriyyah) im alltäglichen Gebrauch für etwas anderes benutzt, nämlich, dass man „frei“ von Unterdrückung und Zwang ist, und dies meistens in der persönlichen Entwicklung und Entscheidung. Diese Art der Definition von Freiheit finden wir auch im Heiligen Koran: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“14 Aber uns geht es an dieser Stelle um die absolute Freiheit, die Freiheit, die Allah (swt) als die Vervollkommnung des Menschen ansieht. Es bedeutet, dass man sich von den tierischen Trieben, den teuflischen Einflüsterungen und dem Festhalten an dem Materiellen „befreit“. Dies geschieht einzig und allein über den wahrhaftigen Gottesdienst.

An dieser Stelle können wir zur Verdeutlichung die Geschichte von Bischr al-H‘aafi15 erwähnen. Bischr war jemand, der große Sünden machte, wie z.B. war er damit beschäftigt verbotene Musik zu hören, Alkohol zu trinken und vertrieb seine Zeit mit Glücksspielen und verbotenem Vergnügen (lahu). Eines Tages war er mit seinem Dienstmädchen zu Hause und vergnügte sich mit nicht erlaubter Musik. Imam Musa al-Kazim (a)16 kam an seinem Haus vorbei und hörte, was in darin passiert. Er (a) sah das Dienstmädchen an der Tür des Hauses und sagte zu ihr: „Ist dein Gebieter (also Bischr) ein Freier oder ein Diener?“ Darauf sagte sie: „Ein Freier.“ Der Imam (a) sagte: „Ich stimme dir zu, denn wenn dein Gebieter ein Diener wäre, so würde er sich dem (angemessenen) Gottesdienst annehmen und Allah (swt) fürchten.“ Daraufhin ging sie in das Haus und berichtete Bischr, was vorgefallen war. Er war so betroffen von den Worten des Imams (a), dass er barfüßig hinter Imam Musa al-Kazim (a) hinterher rannte, bis er ihn (a) erreichte und auf seine Knie fiel, sehr stark weinte und seine Taten bereute. Bis zu seinem Lebensende blieb Bischr barfüßig, von daher auch der Zusatz „al-H’aafi“, d. h. „der Barfüßige“.17

Wir können hier erkennen, dass der Imam (a) den Gottesdienst als die wahre Freiheit ansieht und das, was wir im Alltag als „frei“ bezeichnen, in Wirklichkeit Unterdrückung und gefesselt sein bedeutet. Im tiefsten Inneren wusste Bischr, dass er etwas falsch machte, denn sonst würden die Worte des Imams (a) nicht eine solche Wirkung auf ihn haben, würde daraufhin nicht bereuen und würde nicht bis an sein Lebensende barfüßig bleiben. Es ist eine Lehre für uns. Durch die Sünden, die wir täglich begehen, liefern wir uns nur noch mehr den Trieben unserer Seele aus. Allah (swt), unserem Schöpfer, zu dienen ist es, das uns von diesen Fesseln befreit und uns zur wahrhaftigen Freiheit, Glückseligkeit und menschlichen Vollkommenheit führt.

Gottesdienst mit den Gefühlen

Der Gottesdienst des Menschen beschränkt sich nicht allein auf den Körper, sondern es gibt auch einen Gottesdienst mit dem Herzen. So dass der Mensch mit seinem Herzen dienen kann, muss er sich sein Herz für Allah (swt) öffnen und sich seinen Gefühlen für Ihn (swt) bewusst sein. Dies bedeutet aber unter anderem, dass man nur den liebt, den auch Allah (swt) liebt und den verabscheut, den Allah (swt) erlaubt zu verabscheuen. Von daher wird im gleichen Sinne vom heiligen Propheten Mohammad (s) folgendes überliefert: „Vertraue, die Stütze des Glaubens ist, dass man für Allah (swt) liebt und für Allah (swt) verabscheut.“18

Auf dieser Grundlage werden die Lieblinge von Allah (swt) festgelegt, für die wir nach Allah (swt) unser Herz öffnen müssen.

Die Lieblinge

Wer sind diese Lieblinge? An allererster Stelle, natürlich nach Allah (swt), denn wir sprechen hier von den Lieblingen Allahs (swt), steht der heilige Prophet Mohammad (s), denn es wird überliefert: „Keiner glaubt von euch, bis ich ihm lieber bin, als seine Kinder und seinem Vater und allen Menschen.“19

Der heilige Koran spricht von einer ganz konkreten Liebe. Der Prophet Mohammad (s) hat der gesamten Menschheit, ja dem gesamten Universum, mit seiner Existenz und Verkündung der abschließenden Religion, dem Islam, das größte Geschenk gemacht. Daraufhin sagt Allah (swt) im heiligen Quran: „Dies ist es, wovon Allah die frohe Botschaft gibt Seinen Dienern, die glauben und gute Werke tun. Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“20. Zu Recht fragt sich der ein oder andere, wer mit „den Verwandten“ gemeint ist und zugleich muss man sich diese Frage stellen, nämlich aus dem Grund, weil es ein Befehl Allahs (swt) an die Menschheit ist, dass wir diese „Verwandten“ lieben. Da es aus schiitischer Sicht eindeutig ist, wer damit gemeint wird, werden wir aus nicht-schiitischen Büchern zitieren, was darüber geschrieben wurde. In einer Überlieferung, die auf Ibn Abbas zurückgeht, wird folgendes gesagt: „Weshalb wurde dieser Vers herabgesandt: „Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“? Es wurde gefragt: ‚Oh Gesandter Allahs, wer sind diese Verwandten, für die es (uns) verpflichtet ist, sie zu lieben?‘ Der Prophet (s) sprach: ‚Ali und Fatima und ihre Nachkommenschaft.‘“21 An anderen Stellen heißt es: ‚Ali (a), Fatima(a), Hassan (a) und Hussein (a).‘ Es ist also klar, wer damit gemeint wird.

Außerdem gibt es eine Reihe von Überlieferungen des Propheten Mohammad (s) höchstpersönlich, die sich auf die Liebe zur Ahlul Bayt (a) beziehen und in denen er (s) den Muslimen sogar sagt, dass sie ihre Herzen an sie binden sollen, so dass sie dadurch eine Tür zur Ergebung gegenüber Allah (swt) öffnen.

Ein Beispiel darauf kommt von Fakhr ar-Razi22 selbst, der einer der berühmtesten Koranexegeten unserer sunnitischen Geschwister ist. In seinem „Tafsir al-Kabir“ schreibt er, dass der Prophet Mohammad (s) gesagt hat: „Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt als Märtyrer. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit der Vergebung. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit (einer akzeptierten) Reue. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt glaubend, mit einem vervollständigten Glauben. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem wird der Todesengel die frohe Botschaft des Paradieses übermitteln, so wie danach Munkar und Nakir23. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der wird in das Paradies geführt, so wie die Braut in das Haus ihres Ehemannes gebracht wird. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem werden in seinem Grabe zwei Türen des Paradieses geöffnet. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt nach der Lebensweise (des Propheten (s)) und der Gemeinschaft24 …“25

Neben der Verpflichtung durch Allah (swt) zur Liebe der Ahlul Bayt (a), sagt der Prophet Mohammad (s) in einer Überlieferung, dass der Mensch am Jüngsten Tag sogar darüber befragt wird, d. h. über unsere Liebe zur Ahlul Bayt (a).26 Weiter spricht der Prophet (s) davon, dass diejenigen, die die Ahlul Bayt (a) (wahrhaftig) lieben, dieselbe paradiesische Stufe, wie die des Propheten (s) zugeschrieben bekommen werden. Diese Überlieferung finden wir von Ahmad ibn H’anbal27 und Al-Tirmizi28 (beide sind sehr große Gelehrte unserer sunnitischen Geschwister). Es heißt dort: „Der Prophet (s) nahm die Hände von Hassan (a) und Hussein (a) und sagte: ‚Wer mich, diese Beiden, ihren Vater und ihre Mutter liebt, wird mit mir am Jüngsten Tag auf meiner Stufe sein‘“.29

Ebenfalls wird uns in Bezug auf die Liebe zu Imam Ali (a) folgendes überliefert: „Oh Ali, wenn ein Diener, Allah, gerühmt und erhaben sei Er, so viel tun würde, wie Noah für sein Volk getan hat und so viel Gold hätte, wie der Uh’ud-Berg groß ist und all dieses auf dem Wege Allahs spenden würde und sein Leben so lang wäre, so dass er eintausend Mal zu Fuß pilgern (nach Mekka zum Hajj) würde und dann zwischen Safa und Marwa unterdrückt (ungerecht) getötet werden würde und dabei dir nicht folgt (d.h. deine Führerschaft nicht anerkennt), oh Ali, so wird dieser (Diener) nicht den Geruch des Paradieses riechen und nicht darin eintreten.“30

Die Liebe zu Imam al-Hussein (a)

Wir könnten diese Liste noch seitenlang füllen, allein wenn wir nur die Überlieferungen erwähnen würden, die von der Liebe zum Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (a) sprechen. Da es jedoch erstens den Rahmen sprengen würde und zweitens wir uns auf Imam al-Hussein (a) begrenzen wollen, werden wir uns darauf beschränken und nun zu ihm (a) kommen.

Der Prophet Mohammad (s) hat ganz speziell – neben Imam Ali (a) – über die Liebe zu Imam al-Hussein (a) gesprochen. Wie z. B. die folgende Überlieferung, die unter allen Muslimen bekannt ist: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“31 Dass Imam al-Hussein (a) vom Propheten Mohammad (s) ist, das ist klar, denn er (a) ist der Enkelsohn des Propheten Mohammad (s). Die anschließende Stelle dieser Überlieferung ist jedoch auffällig, denn es heißt „… und ich bin von Hussein …“. Was wird damit gemeint? Der heilige Prophet Mohammad (s) deutet damit auf die besondere göttliche Aufgabe von Imam al-Hussein (a) in Kerbala, wodurch der Imam (a) den Islam nicht nur am Leben gelassen hat, sondern auch wiederbelebt hat. Von daher folgt darauf dann auch der Satz des Propheten: „… Allah liebt den, der Hussein liebt.“

Nun könnte jemand sagen, dass dieses nur Aussprüche seien, aber was lässt uns daran festhalten, dass wir auch so handeln müssen? Darauf hat der Heilige Koran direkt eine Antwort: „Euer Gefährte (d. h. Mohammad) ist weder verirrt, noch ist er im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Es ist (vielmehr) eine Offenbarung, die (ihm) offenbart wird.“32 Wir können daran sehen, dass jedes Wort, das der Prophet (s) spricht eine Offenbarung von Allah (swt) ist. Das, was der Prophet (s) sagt, das sagt Allah, der Erhabene. Wenn der Prophet (s) also sagt, dass wir Imam al-Hussein (a) lieben sollen, so sagt dies in aller erster Linie Allah (swt), denn alles, was der Prophet (s) spricht „ist eine Offenbarung, die offenbart wurde.“

Nachdem wir also diese wichtige und essentielle Voraussetzung geklärt haben, kommen wir nun zu einigen Quellen der genannten Überlieferung: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“. Gibt es diese eindeutige Überlieferung nur bei den Schiiten oder auch bei den anderen Rechts- bzw. Denkschulen? Ohne großen Aufwand sehen wir, dass diese Überlieferung bei allen Muslimen, d. h. neben den Schiiten, auch in den anderen Richtungen, eine anerkannte Überlieferung ist. Wie z. B. at-Tirmizi33 und Imam Ahmad ibn Hanbal34 berichten diese Überlieferung über Ya’la bin Murrah. At-Tirmizi und al-Albaani haben diese Überlieferung als eine „gute“ bewertet und somit ist sie nach ihren wissenschaftlichen Grundlagen anzunehmen. Da der Bekanntheitsgrad dieser Überlieferung unter allen Muslimen so hoch ist, benötigt es keiner tieferen Verdeutlichung.

Der Prophet (s) weinte um Imam al-Hussein (a)

Außerdem können wir sehen, dass es nicht nur Aussprüche des Propheten Mohammad (s) bezüglich der Liebe zu Imam al-Hussein (a) gibt, sondern auch Taten und Geschehnisse, die dies belegen. Da diese ebenfalls sehr viele sind, möchten wir uns auf eine ganz bestimmte Form des prophetischen Ausdrucks in Bezug auf Imam al-Hussein (a) eingehen: das Weinen des Propheten (s) um Imam al-Hussein (a).

Imam Ahmad ibn Hanbal berichtet in seinem bekannten und von unseren sunnitischen Geschwistern anerkannten „Musnad“, dass Ali (a) rief: „Gedulde dich Aba Abdillah! Gedulde dich Aba Abdillah am Ufer des Euphrats!“ daraufhin wurde er (a) gefragt: ‚Weshalb?‘ Er (a) sagte: ‚Eines Tages trat ich beim Propheten (s) (in sein Haus) ein und seine Augen tränten. Ich sagte: Oh Prophet Allahs, hat dich jemand erbost? Weshalb tränen deine Augen?‘ Er (s) sagte: ‚Ja. Gerade ist Jibra-il von mir gegangen und berichtete mir, dass Hussein am Ufer des Euphrats getötet wird.‘ Er (Jibra-il) sagte: ‚Möchtest du, dass ich dich etwas von seiner Erde (d. h. vom Ort an dem Imam Hussein (a) getötet werden wird) riechen lasse?‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Imam Ali (a) sagte: ‚Daraufhin streckte er (s) seine Hand aus und nahm Etwas von der Erde und gab sie mir. Ich konnte meine Auge nicht aufhalten, dass sie anfingen zu tränen.‘“35 36

Eine ähnliche Überlieferung berichtet auch at‘-T’abaraani, jedoch überlieferte es diesmal nicht Imam Ali (a), sondern A’ishah: „Der Gesandte Gottes (s) setzte Hussein auf seinen Schenkel (Schoß). Daraufhin kam Jibra-il (a) und sagte: ‚Das ist dein Sohn?‘ Er (s) sagte: ‚Ja‘. Er (Jibra-il) sagte: ‚Deine Gemeinschaft wird ihn nach dir (nach dem Tode des Propheten (s)) töten.‘ Die Augen des Gesandten Gottes (s) tränten. Er (Jibra-il) sagte: ‚Wenn du möchtest, zeige ich dir die Erde des Bodens, auf dem er getötet werden wird.‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Daraufhin brachte Jibra-il ihm (s) etwas Erde von at‘-T’aff37.‘“38

Außerdem können wir aus der Geschichte des heiligen Propheten Mohammad (s) im Groben entnehmen, dass er (s) selbst an drei Stellen um seinen geliebten Enkelsohn Imam Al-Hussein (a) geweint hatte. Als Erstes: Als der Imam (a) geboren wurde. Als Zweites: Als der Imam (a) noch ein Kleinkind war und in Medina gespielt hat. Der Prophet (s) hat ihn (a) zu sich genommen, küsste ihn und sagte zu ihm: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“ Woraufhin der Prophet (s) um Imam al-Hussein (a) weinte. Als Drittes: Einige Tage vor dem Austritt des heiligen Propheten Mohammad (s) aus dieser Welt. Der Imam (a) war gerade mal um die sieben Jahre alt. Imam al-Hussein (a) setzte sich auf die Brust seines Großvaters Mohammad (s). Der Prophet (s) schaute ihn (a) an und fing an zu weinen. Es muss ein sehr schwieriger Moment für unseren geliebten Propheten gewesen sein. Wie wir in den Überlieferungen gesehen haben, wusste er (s) von der Tragödie, die seinem Enkelsohn Hussain (a) widerfahren wird. Er (s) wusste, dass er nicht da sein kann, um ihn (a) zu beschützen. Und dazu kommt noch die gewaltige Liebe, die der Prophet (s) für Imam al-Hussein (a) empfand (und immer noch empfindet). Der Prophet (s) weinte. Umm Salama (r), die Frau des Propheten (s), kam zu ihm (s) und fragte: „Oh Gesandter Gottes, was ist geschehen? Weshalb weinst du?“. Der Prophet (s) sagte: „Oh Umm Salama! Wahrlich, dieses, mein Kind, wird von den Rebellen getötet und sie erhoffen sich am Jüngsten Tag meine Fürsprache. Möge Allah ihnen nie meine Fürsprache zuteil kommen lassen.“

Neben der Liebe Allahs (swt), des Propheten Mohammad (s) und der gesamten Ahlul Bayt (a) für Imam al-Hussein (a), sehen wir also, dass das Weinen um ihn (a) eine Lebensweise (sunnah) des Propheten (s) war. Auch die anderen Imame (a) haben um Imam al-Hussein (a) geweint, wie z. B. Imam ar-Rida (a). Er sagte, dass wenn der Monat Muharram eingetreten war, er (a) seinen Vater (Imam Musa al-Kazim (a)) niemals lächelnd gesehen hat. Imam ar-Rida (a) sagte, dass wenn der 10. Muharram erreicht war, war es ein Tag der Trauer und des Weinens. Imam al-Mahdi (af)39 sagte: „Oh Großvater! Ich weine (klage) um dich morgens und abends!“

Es ist also eine historische Tatsache, dass der Prophet (a) und die Imame (a) um Imam al-Hussein (a) geweint haben und ihn (a) liebten. Und sogar noch mehr: der Prophet (s) hat die Menschheit dazu aufgefordert Imam al-Hussein (a) zu lieben, denn Allah (swt) liebt ihn (a).

Zusammenfassend können wir folgende Ergebnisse ziehen:

  • Ziel der Erschaffung des Menschen ist das Erkennen und die Gewissheit über Allah (swt), das uns zur menschlichen Vollkommenheit und Glückseligkeit führt.
  • Dies kann man nur über den Gottesdienst erreichen.
  • Neben dem körperlichen Gottesdienst gibt es noch den Gottesdienst mit dem Herzen, d. h. die zu lieben, die auch Allah (swt) liebt.
  • Die Liebsten bei Allah (swt) nach dem Propheten Mohammad (s) sind die restliche Ahlul Bayt (a) und darunter fällt auch Imam al-Hussein (a).
  • Imam al-Hussein (a) hat eine ganz besondere Stellung beim Propheten (s) und das, was der Prophet (s) sagt, stammt von Allah (swt) wie wir aus Sure 53, Vers 2 – 4 erkennen können. Somit hat Imam al-Hussein (a) bei Allah (swt) eine ganz besondere Stellung.
  • Der Prophet (s) und die Imame (a) weinten um Imam al-Hussein (a).

Fußnoten:

9 Abk. für: „subh’aanahu wa ta’aala“ (gepriesen und erhaben sei Er)

10 Vollkommenheit im menschlichen Sinne

11 Sure 51, Vers 56

12 Sure 15, Vers 99

13 Siehe dazu: Sure 2, Vers 30; Tafsir al-Amthal, Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Band 1, S. 105-108

14 Sure 2, Vers 256

15 Bischr „al-H‘aafi“: sein richtiger Name: Bischr bin al-H‘aarith bin A’bd ar-Rah’maan; wurde im Jahre 152 n.H. in Bagdad (Irak) geboren; am 10. Muharram 227 n.H. in Bagdad gestorben. „al-H’aafi“ bedeutet „der Barfüßige“.

16 Der siebte Imam (a)

17 Al-Amin, Aa’yaan ash-Shi-a’h, Band 3, S. 579

18 Ar-Rishahri, Mizan al-Hikmah, Dar al-Islamiah, Beirut, Band 2, S. 233

19 ebd., S. 237

20 Sure 42, Vers 23

21 As-Suyuuti, ad-Durr al-Manthur, Band 6, S. 7; Ahmad ibn Hanbal, Fadaa-il as-Sahaabah, Band 2, S. 669, Nr. 1141; al-Mustadrak a’las-Sah’ih’ayn, Band 3, Seite 172; al-H’askaani, Shawaahid at-Tanzil, Band 2, S. 130; ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Manshuraat Maktab al-I’laam al-Islaamiy, Band 27, S. 166; u.v.m.

22 Abu Abdullah Muhammad ibn Umar ibn Husain al-Razi, (1149 – 1209 n. Chr.)

23 Zwei Engel, die den Toten im Grabe befragen werden

24 Im Arabischen: Sunnah wal-Jamaa’h

25 ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Band 37, S. 165 – 166; Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, Manshuraat ar-Radhi, Qom, S. 49 – 50

26 siehe: Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 7, S. 259

27 Ahmad ibn Mohammad ibn Hanbal, (780 – 855 n. Chr.), er ist der Gründer der H’anbalitischen (sunnitischen) Rechtsschule

28 Abu Isa Muhammad ibn Isa ibn Musa ibn ad-Dahhak as-Sulami at-Tirmizi, (824 – 892 n. Chr.), er ist ein sehr bedeutender Sammler von Überlieferungen bei den sunnitischen Geschwistern, von ihm stammt unter Anderem das Werk „Sunan at-Tirmizi“, dass zu den sechs authentischen Büchern (al-kutub as-sittah) der Sunniten gehört

29 Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, S. 49

30 Al-Khawazimi, al-Manaaqib, Tah’qiiq al-Mah’muudi, Mu-assash an-Nashr al-Islaamiy, S. 68

31 Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 43, S. 316

32 Sure 53, Vers 2 – 4

33 in Hadith-Nummer: 3775

34 in Hadith-Nummer: 17111

35 Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 1, S. 85; al-Mu’jam al-Kabir, Nr. 2811; Tahz’ib al-Kamaal, Band 6, S. 406; Tarikh Dimashq, Band 14, S. 187; und noch in vielen anderen Quellen

36 Die Überlieferungen, die wir hier nennen sind alle nach den wissenschaftlichen Grundlagen der sunnitischen Rechtsschulen als mindestens „gut“ (hassan) eingestuft.

37 At-T’aff wird hier der Ort Kerbala gemeint und um genau zu sein: das Ufer des Euphrats an dem die Tragödie in Kerbala stattgefunden hat.

38 Al-Mu’jam al-Aws’at‘, Band 6, S. 249

39 Abk. für: „a’jalallahu ta’aala farajahush-sharif“ (möge Allah, der Erhabene, seine wertvolle Erlösung beschleunigen)

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Einleitung https://bufib.de/einleitung/ Wed, 14 Oct 2015 21:25:03 +0000 http://bufib.de/?p=1669 Übereinstimmend unter allen islamischen Wissenschaftlern fand die Tragödie von Kerbala am 10. Muharram im Jahre 61 nach der Hijrah5 (n. H.) statt. Ein Ereignis, das die Gefühle eines jeden Muslims in dieser Welt bewegt. Es ist der Tag, an dem der dritte Imam, Imam al-Hussein (a)6, der Enkelsohn des heiligen Propheten Mohammad (s)7 und Sohn von Imam Ali (a) und der Tochter des Propheten Sayyida Fatima az-Zahraa (a), das Martyrium erfuhr und ein Teil seiner Familie und treuen Anhänger (r)8. Wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen, reicht es dann aus, direkt beim Ereignis anzufangen und zu berichten, was geschah? Oder müssen wir erst die politischen Hintergründe verstehen, so dass man daraufhin erst den Grund für das Aufstehen des heiligen Imam (a) nachvollziehen kann? Mit Sicherheit das Zweite. Es reicht nicht, einfach nur historische Fakten und Daten zu kennen und auswendig zu lernen. Ein Muslim, der den Islam ergründen und begreifen möchte, muss sich mit den Hintergründen und der politischen Lage auseinandersetzen, so dass er bzw. sie ein gründliches Verständnis von seiner bzw. ihrer Religion bekommt und so dann erst die Religion verteidigen kann.

Sicherlich, es würde den Rahmen sprengen, wenn wir über jedes Detail sprechen würden, das mit dem Ereignis „Aschura“ direkt und indirekt zusammenhängt. Es bräuchte eigentlich viele islamwissenschaftliche Vorkenntnisse, um ein vollständiges und fundiertes Wissen darüber zu erlangen. Wie z. B. müsste man die Führerschaft (al-imaamaah) im schiitischen und nicht-schiitischen Kontext verstehen. Außerdem bräuchte man ein solides Wissen über das Prophetentum (an-nubuwwah), so dass man zum Einen die Aufgaben eines Propheten (a) verstehen kann und zum Anderen die juristische Verbindlichkeit der Rede (qawl), der Tat (fe’l) und der Duldung (taqriir) des Propheten (s).

Wie dem auch sei. Wir wollen an dieser Stelle auf zwei grundsätzliche Dinge eingehen:

  1. Der gewichtige Stand des Imam Husseins (a) beim heiligen Propheten Mohammad (s) und daraufhin bei Allah, dem Erhabenen
  2. Die politische Lage zur Zeit vor Aschura

Nachdem uns diese beiden Tatsachen bekannt sind, wird uns die Lage des Imams (a) und der islamischen Weltgemeinschaft (al-ummah al-islamiyah) ersichtlich. Dadurch wird uns annähernd klar, weshalb es die einzige Möglichkeit war: zu revolutionieren.

5 Die islamischen Ereignisse werden (meistens) nach dem islamischen Mondkalender datiert.

6 arab.: salaamullah a‘layh (der Friede Gottes sei mit ihm)

7 arab.: s‘alallahu a‘layhi wa aalih (der Friede Gottes sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft)

8 arab.: rid‘waanullahi ta‘aala a‘layhim (die Zufriedenheit Gottes sei mit ihnen)

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Vorwort https://bufib.de/vorwort/ Wed, 14 Oct 2015 21:22:46 +0000 http://bufib.de/?p=1668

Die historischen Ereignisse von Aschura1 sind in der islamischen Welt von den Wissenschaftlern detailliert behandelt worden. Jedoch sehen wir, dass es im deutschsprachigen Raum weiterhin viele Lücken diesbezüglich gibt und der im Westen lebende Muslim – geschweige denn der Nicht-Muslim – leider ein ungenügendes Verständnis von den Ursachen, die zu den Ereignissen der Tragödie in Kerbala2 führten, besitzt. Obwohl man sagen muss, dass über dieses Geschehnis an sich3, relativ gesehen, die meisten Informationen bei den schiitischen Muslimen im Westen gibt. Wie dem auch sei, es gibt dennoch enormen Nachholbedarf in diesem Bereich, was sicherlich auch an fehlenden Kenntnissen in der arabischen Sprache bei den, im Westen lebenden, Muslimen liegt. Von daher versuchen wir, mit Allahs, des Erhabenen, Hilfe, auf einige Punkte in Bezug auf die Ursachen für Aschura einzugehen und diese dem deutschsprachigen Leser bzw. Leserin näherzubringen.

Da uns klar ist, dass sich die Jugendlichen des 21. Jahrhunderts, und vor allem, wenn sie sich normalerweise nicht mit historischen Hintergründen beschäftigen, nicht in die damalige Zeit hineinversetzen können und wohlmöglich fehlende Fachkenntnisse in einigen mit der Historik verbundenen Wissenschaften4 haben, versuchen wir in einer der Zeit angepassten Sprache zu schreiben. Auch wenn dies eine unkonventionelle Technik einer historischen Untersuchung ist, denken wir, dass das eigentliche Ziel dieses Textes, keiner wissenschaftlichen Natur entspringt, sondern ein bestimmtes Verständnis und Mitgefühl erreicht werden soll, so dass sich der Leser bzw. die Leserin ein Bild von der Ursache der Tragödie in Kerbala machen kann.

Ein oft gesehenes Phänomen in unserer Gesellschaft ist, dass sich viele Muslime Informationen über ihre Religion aus Blogs und Foren aneignen und dann mit auswendiggelernten Fakten, die sie nicht wissenschaftlich auf ihre Richtigkeit überprüfen, mit anderen darüber diskutieren und als endgültige Wahrheit anerkennen. Es liegt sicher auch daran, dass im deutschsprachigen Raum ein großer Bedarf an islamischer Aufklärung herrscht, wiederum ein Mangel an Angebot besteht. Dieser positive Durst der Geschwister nach islamischem Wissen, wird dann leider von einigen negativ ausgenutzt, so dass sie die islamischen Plattformen mit vielen falschen Informationen und irreführenden Gedanken „vollposten“.

Wir behaupten mit dieser kleinen Arbeit keine absolute Wissenschaftlichkeit, was schließlich auch nicht unser Ziel ist. Eher wollen wir versuchen, den Grund für die Tragödie von Kerbala verständlich zu machen und diesem Ereignis, im deutschsprachigen Raum, Leben einzuhauchen.

23. Z’ul-H’ijjah 1433 / 8. November 2012

Mehdi Khalil

Fußnoten:

1 Abgeleitet vom arabischen Wort „al-a’aashir“ (der Zehnte), was auf den zehnten Tag im Monat Muharram hindeutet.

2 Stadt im Irak, die ca. 105 km südwestlich von Bagdad liegt

3 Nicht die Ursachen, wie es dazu kommen konnte.

4 Wie z. B. die Hadithwissenschaft (i’lm al-h’adith), die Tradentenwissenschaft (i’lm al-rijaal) und die Geschichtswissenschaft an sich

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Beginn von Muharram 1437 https://bufib.de/beginn-von-muharram-1437/ Wed, 14 Oct 2015 20:37:38 +0000 http://bufib.de/?p=1665 Am Donnerstag, den 15. Oktober 2015, beginnt das neue islamische Mondjahr (1437) und somit auch die Trauerzeit um Imam Hussein (a) und seine treuen Gefährten und Gefährtinnen. Wir sprechen Euch allen unser tiefstes Beileid aus. 

 

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Lifestyle https://bufib.de/lifestyle/ Wed, 14 Oct 2015 19:26:25 +0000 http://bufib.de/?p=1356 Wir möchten unter dem Titel „Lifestyle“ eine neue Reihe starten, die sich mit der Etikette des Lebens auseinandersetzt. Hier geht es darum, so weit wie möglich, die Benimmregeln aller möglichen Situationen und Taten im Leben zu nennen. Die Quelle dieser Beiträge ist: „Mir’ât al-Kamâl“ von Ayatollah Shaikh Abdullah Al-Mâmaqâni (q). 

Vorgehensweise

Es werden einzelne Artikel mit den entsprechenden Themen hochgeladen, d.h. der Titel wird z.B. „Lifestyle – Essen“ heißen. Mit der Zeit werden die einzelnen Kategorien immer wieder aktualisiert.

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Prophet Mohammad (s): „Der Glaube desjenigen ist vollständiger, der einen besseren Charakter aufweist.“
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Das Bittgebet https://bufib.de/das-bittgebet/ Wed, 14 Oct 2015 18:41:42 +0000 http://bufib.de/?p=1656 Das Bittgebet [arab. ad-du’aa – الدعاء] ist in seinen verschiedensten Formen nichts anderes als ein Ausdruck und Eingeständnis der Schwäche und Unvollkommenheit des Menschen gegenüber seinem vollkommenen, allmächtigen Schöpfer. Diese enge und tiefsinnige Beziehung des Menschen zu seinem Herrn kann verschiedene Gestalten und Formen annehmen. Bittgebete enthalten für üblich Lobpreisungen und Danksagungen an den erhabenen Herrn und sind gefüllt mit Bitten und Flehen für die Erfüllung gewisser Wünsche und Bedürfnisse sowohl im Dies- als auch im Jenseits.

Je nach Zeit, Ereignis und Wunsch, gibt es verschiedene Bittgebete durch die der Gläubige sich Allah, dem Erhabenen nähern kann. Beispielsweise gibt es spezielle Bittgebete, die nach jedem Pflichtgebet rezitiert werden sollen, oder gar mitten im Gebet nach dem zweiten Gebetsabschnitt im sogenannten „qunuut“. Weiterhin gibt es Bittgebete an gewissen Tagen, wie z.B. Wochentagsbittgebete, zu bestimmten Ereignissen und an festgelegten Nächten, wie z.B. in der Nacht der Bestimmung oder aber für die Erfüllung spezieller Wünsche, wie z.B. dem Stärken des Gedächtnisses oder für die Heilung einer Krankheit.

Ein Bittgebet oder eine Anrufung ist grundsätzlich nicht unbedingt an eine gewisse Form gebunden und kann auch frei, basierend auf den inneren Bedürfnissen des Bittenden, gesprochen werden. Allerdings da der Mensch nicht fähig ist, in einer solch ehrhaften und würdigen Art mit Allah, dem Erhabenen zu sprechen, wie der Propheten (s.) und seine reine Familie (a.), wurden uns durch sie viele Bittgebete übermittelt. Zu den bekanntesten Bittgebeten zählt Dua Kumayl . Dieses Bittgebet stammt in Wirklichkeit vom Fürsten der Gläubigen Imam Ali (a.), der es seinem treuen Gefährten Kumayl ibn Ziyad vorgetragen hat, wodurch es später unter dem Namen „Bittgebet von Kumayl“ bekannt wurde.

Grundsätzlich ist es möglich ein Bittgebet in jeder vorhandenen Sprache zu äußern, wodurch dem Gläubigen eine größere Möglichkeit geboten ist, seine Bedürfnisse auf die Art anzusprechen, die ihm am besten passt und das was er von sich gibt auch richtig zu verstehen und verinnerlichen zu können.

Zu den einleitenden Handlungen, die vor dem Beginn der Rezitation eines Bittgebets erfolgen sollten, um dadurch diese empfohlenen Taten zu veredeln, zählen folgende:

a. Die rituelle Waschung (al-Wudhu).

b. Die Zuwendung Richtung Kaaba (al-Qibla).

c. Mit der Rezitation der Basmalah sowie dem Segensspruch auf den Propheten (s.) und seine reine Familie (a.) – dem Salawat – zu beginnen und mit Letzterem auch abzuschließen.

d. Die Reue und Bitte um Vergebung der Sünden.

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Die Persönlichkeit von Mohammed – haben wir ihr Unrecht getan? Was ist unsere Pflicht ihr gegenüber? https://bufib.de/die-persoenlichkeit-von-mohammed-haben-wir-ihr-unrecht-getan/ Sun, 18 Jan 2015 13:08:27 +0000 http://bufib.de/?p=1647 Der Prophet Mohammed (der Friede Gottes sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft), Sohn von Abdullah, ist die großartigste Persönlichkeit im Islam. Er ist der Träger der göttlichen Botschaft, der Verkünder im Namen Gottes, der Wegweiser zur himmlischen Welt und der Pfad zur göttlichen Offenbarung. Seine Handlungsweise (Sunna) dient heute noch der Argumentation in unterschiedlichen Angelegenheiten, seine Biographie inspiriert die Völker von Generation zu Generation. Er ist ein bedeutendes Symbol der Humanität, der die Weltgeschichte veränderte und viele Geschehnisse beeinflusste.

Offensichtlich war die Persönlichkeit dieses großen Propheten oft umstritten, insbesondere in den Debatten mit den unterschiedlichen Religionsanhängern. Einige davon, die seine Prophetie leugneten, nahmen negative Stellungen zu ihm und verurteilten ihn als Lügner, Verleumder und Betrüger. Andere äußerten sich in einer etwas milderen Kritik zu seinen Taten, sahen jedoch darin keine Aufrichtigkeit gegenüber seiner Gesellschaft, sondern vielmehr eine Irrung.

Bis auf die Gegenwart vermehrten sich diese Debatten um den Islam und dessen Propheten. Ein Beispiel hierfür ist das Buch „Die satanischen Verse“ (The Satanic Verses) mit seiner schlechten Darstellung des Gottesgesandten (s).  Danach folgten die Karikaturen von 2006, die den Islam und die Muslime weltweit profund beleidigten sowie eine breite Welle der Aggression ausbreitete.

1) In folgender Darlegung möchte ich mit keinem polemischen Stil fortführen, sondern eher eine Selbstkritik ausüben. Denn andere zu kritisieren ist nur die eine Seite der Medaille. Berechtigt gilt aber die Frage: haben wir der Persönlichkeit des Gottesgesandten (s) Unrecht getan? Sind wir an der falschen Darstellung seines Bildes, gewiss oder ungewiss, beteiligt? Was ist unsere Pflicht gegenüber diesem großen Propheten?

Es ist zweifellos, dass viele muslimische Wissenschaftler sich seiner Persönlichkeit, Biographie und Handlungsweise in ihren Schreibwerken widmeten. Trotzdem stellt sich dabei die Frage: haben diese Wissenschaftler die Persönlichkeit des Propheten (s) in einer interkulturellen oder eher in einer innerislamischen Form dargestellt?

Diese ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Fragen, insbesondere wenn man sich mit den Veröffentlichungen über den Propheten näher beschäftigt. So schrieb der Jurist ʿIyāḍ b. Mūsā al-Yaḥṣubī (gest. 544 n. H./1149 n.Chr.) sein Buch „Kitāb aš-Šifāʾ fī taʿrīf ḥuqūq al-Muṣṭafā “ und so schrieben andere im gleichen Zusammenhang. Aber warum hat der Jurist ʿIyāḍ – als Beispiel für andere Schriftsteller – uns den Propheten als Symbol der Muslime und lediglich unsere Pflichten ihm gegenüber beschrieben? War es nicht in seinem Sinne, ihn als ein Prophet der Menschheit darzustellen? Wäre es nicht sinnvoller, dass er sich bei seiner Beschreibung an die Menschen wendet, die nicht an den Propheten glauben? Wäre es nicht besser, anstatt der bloßen weltanschaulichen Wahrnehmung, den Propheten als einen großartigen Menschen in erster Linie zu präsentieren? Hätte es nicht zur Akzeptanz seines Verhaltens und seiner Taten (bei Außenstehenden) geführt?

Vielen von uns – den Muslimen – fällt es schwer, sich den Propheten aus einer interkulturellen Sichtweise vorzustellen bzw. anderen zu beschreiben; gemeint ist hiermit, über die innerislamische Sichtweise hinauszublicken, um diesen Mann für alle Menschen vorzustellen. Im Gegenteil fokussiert man sich vielmehr auf die glaubensrelevanten Themen, wie z.B. im Buch „die großen Wundertaten“ von As-Suyūṭī (gest. 911 n.H./1505 n. Chr.) oder in den ersten Studien über das Vermählungsgesetz in der islamischen Lehre.

Es wird immer relevanter, den Charakter des Propheten (s) aus einer glaubensneutralen Sichtweise zu betrachten, indem man über die religiösen Interpretationen hinwegschaut. Dies ist heutzutage ein maßgeblicher Meilenstein für den interkulturellen Dialog, den die Muslime und deren Wissenschaftler verstärkt in Betracht nehmen müssen.

2) In vielen Schreibwerken fehlt uns die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der  Persönlichkeit des Gottesgesandten (s), dessen Geschichte und Biographie. Vielmehr ist die uns bekannte Literatur in einer Erzählungsform verfasst mit seltenem Bezug zur historischen bzw. modernen Erörterung. Selten begegnet man eine kritische Analyse des Charakters oder der Anweisungen dieses Mannes, so dass man sich von seiner Persönlichkeit ein Bild gemäß rationaler und historischer Fakten machen kann.

Obwohl es diverse Versuche in dieser Richtung gibt, stellt jedoch diese Art der Interpretation noch keinen Standard dar, um die Biographie des Propheten zu beschreiben. Hingegen findet man zahlreiche juristische oder philosophische Forschungen, die den Charakter des Propheten aus einem bestimmten Betrachtungswinkel behandeln. Eine wissenschaftliche und neutrale Betrachtung, ohne Redekunst oder Emotionen, ist daher seltener zu finden.

Aus diesem Hintergrund entsteht der unabdingbare Bedarf an einer wissenschaftlichen Rezension der Persönlichkeit des Gottesgesandten (s). Daraus soll sich eine neue Kultur für die Muslime entwickeln, um den Propheten richtig zu erkennen und seine Persönlichkeit sinnvoll wahrzunehmen.

3) Betrachten wir dieses Thema aus schiitischer Perspektive, so begegnet uns die scharfe Kritik, dass die Schiiten den Propheten (s) zweitrangig betrachten und wenig Literatur zu seiner Persönlichkeit und Biographie besäßen. Es wird behauptet, dass der Prophet bei den Schiiten deswegen vernachlässigt wäre, da sie sich eher auf den Glaubensansatz des Imamats fokussieren würden, welches von einigen Kritikern sogar als Abweichung von der islamischen Glaubensüberzeugung interpretiert wird.

Anders betrachtet waren die Schiiten möglicherweise zu bestimmten Perioden gemüßigt, sich auf die Persönlichkeiten der Imame (die Nachkommen aus dem Prophetenhaus) mehr als jene des Propheten zu fokussieren. Denn im Zuge der ideologischen Debatten mit Anhängern anderer islamischen Glaubensrichtungen war es wichtig, das Prinzip des Imamats und dessen Bedeutung standhaft zu machen. Desto häufiger waren die Imame im Fokus, als die Schiiten in den zahlreichen Überlieferungen, wie die vom Imam Al-Baqir (a) oder Imam Al-Sadiq (a), eine nutzbare Anwendung zwecks Studien und Argumentationen erkannt haben.

Zugegeben ist dies keine Rechtfertigung für den geäußerten weltanschaulichen Verdacht gegenüber den Schiiten. Vielmehr sollen die Schiiten aber dadurch aufgefordert werden, um zur richtigen Beschreibung der Persönlichkeit des Propheten beizutragen. Damit würden sie einerseits jede ungerechte Kritik abweisen, sich gegen tendenziöse Aussagen abwehren und andererseits einige Lücken ergänzen.

Die Lehre über die Persönlichkeit, Geschichte und Überlieferungen des Gottesgesandten (s) soll zunehmend in allen Klassen der schiitischen Gesellschaft aktiviert werden. Zudem sollen die Werte dieser Lehren im Alltag und in der wissenschaftlichen Forschung erneut hervorgerufen werden, um das Wesen des Propheten – sowie er immer ist – im Bewusstsein und Unbewusstsein der Individuen und Gruppen existent zu haben.

Es ist derzeit ein schiitischer Wiederaufstieg notwendig, um das Leben des Gottesgesandten (s) und alle dazu relevanten Themen genauer einzustudieren. Es soll dabei jede Quelle aus der schiitischen Kultur herangezogen und eruiert werden, jede Studie von schiitischen Gelehrten soll gesammelt werden. Dies soll den schiitischen Beitrag zur Untersuchung der Persönlichkeit des Propheten aufzeigen.

Ebenfalls soll die Wahrnehmung des Gottesgesandten (s) verstärkt werden, die Forschungen sollen, wie im Gebiet der Koran- und Exegese-Studien, qualitativ fortschreiten. Denn dort gab es eine ernsthafte schiitische Aufklärung, um den koranischen Text zu interpretieren und mehr faktisch zu machen. Somit konnten sich die Schiiten ebenfalls gegen viele Vorurteile hinsichtlich ihres Glaubens an den Koran abwehren.

4) Das negativ beschriebene Bild des Propheten (s) durch einige Forscher oder westliche Schriftsteller beruht auf dem Mangel der vollständigen und zuverlässigen islamischen Studien in diesem Themengebiet. Dies hatte zur Folge, dass einige falsche Erzählungen über die Moral und den Umgang des Gesandten (s) mit seinen Ehefrauen verbreitet wurden, um ein entstelltes Bild von ihm zu generieren.

Es besteht daher notwendig, die Hadith-Bücher von allen Legenden oder Unwahrheiten zu filtrieren. Auch sollte man den Mut haben, diese Filtrierung kundzutun, um den Missbrauch völlig zu vermeiden.

Es soll offensichtlich sein, dass eine solche Herausfilterung der Texte nicht aus Angst vor anderen erfolgen soll, sondern vielmehr aus einer wissenschaftlichen und kritischen Grundlage hervorgehen. Es soll mehr Erkenntnis und Bereitschaft erzielt werden, um die Persönlichkeit des Propheten (s) zu verteidigen.

Widrigenfalls sind wir nicht gezwungen, unsere Ressourcen mit der Rechtfertigung von invaliden und unwahren Dingen auszuschöpfen, da sie keiner wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen wurde, welche wir verantworten können.

Auch sind wir nicht gemüßigt, das Bild des Propheten zu fälschen, wie es einige tun, um das Bild des einen oder anderen seiner Gefährten zu beschönigen, bzw. die Würdigkeit eines bestimmten Imams herauszustellen. 

Da diese Leute zweifellos ihren respektvollen Wert haben, sollen die ideologischen (innerislamischen) Unterschiede uns nicht dazu bringen, unsere Theorien zuungunsten des Respekts vor dem großen Gottesgesandten (s) durchzusetzen. Dies ist leider in vielen Fällen ersichtlich, wenn man sich mit den islamischen Überlieferungen auseinandersetzt.

5) Folglich, das humane Bild des Propheten (s), seine edle Moral, seine tiefsinnige Barmherzigkeit und Toleranz, sein Umgang mit anderen sollen wahrheitsgemäß wiedergegeben werden. Dazu findet man im koranischen Wort eine unterschiedliche Darstellung als jene, die auf Erzählungen – teilweise unauthentische – zurückgeht.

Anders wird der Prophet (s) im Koran wie folgt beschrieben: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“ (Das Schreibrohr/Al-Qalam:4). Auch unter den nichtmuslimischen Arabern hatte keiner seinen edlen Charakter geleugnet, daher die Beschreibung: „Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinanderlaufen.“ (Die Sippe Imrans/Ãl-Omran: 159). In diesem Vers wird verdeutlicht, wie barmherzig, nachsichtvoll, mitfühlend und großartig der Gesandte Gottes (s) ist. 

Es wird ersichtlich, dass der Koran als Grundlage zum Studieren der Biografie des Propheten (s) und seiner Eigenschaften unabdingbar ist. Denn für uns stellt der Koran eine unanfechtbare Quelle dar, die vieles über den Propheten beinhaltet. Der koranische Text ist deswegen als einer der maßgeblichsten Mittel heranzuziehen, um die Lebensweise des Propheten nachzuforschen. Im Vergleich zu den Geschichts- und Hadithbüchern ist der Koran die Norm, an dem die Validität dieser historischen Werke evaluiert werden muss.

Aus der obigen Schilderung resultiert der Aufruf, die Biographie des Propheten gemäß der koranischen Darstellung neu zu schreiben; diese soll für jeden Moslem standhafter sein als aus je anderer Quelle. Des Weiteren soll im Betracht des Prophetencharakters immer geltend gemacht werden, mit welcher Handlungsweise er sich für jede Zeit verewigt und mit welcher er seinem Lebensumstand entsprechend handeln musste.

Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des „Baḥṭ al-Khāriǧ“. 

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Geburtstag des Propheten (s) & Imam Jaafar as-Sadiq (a) https://bufib.de/geburtstag-des-propheten-s-imam-jaafar-as-sadiq-a/ Fri, 09 Jan 2015 13:48:37 +0000 http://bufib.de/?p=1632 Wir gratulieren zum Geburtstag des heiligen Propheten Mohammad (s) und seines reinen Urenkels Imam Java as-Sadiq (a). Wir wünschen allen Menschen auf dieser Welt den Seelenfrieden dieses großartigen Menschen, der von Gott auserwählt wurde, um Barmherzigkeit auf der Welt zu verbreiten.  

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Die Sichtung der Neumondsichel https://bufib.de/die-sichtung-der-neumondsichel/ Thu, 24 Jul 2014 18:25:42 +0000 http://bufib.de/?p=1621 Im Islam beginnt ein neuer Monat (des Hijri-Kalenders) mit der Sichtung der Neumondsichel (ru-yah al-hilâl). Juristisch gesehen gibt es jedoch verschiedene Ansichten in Bezug auf die „Sichtung“, was einen Unterschied im Beginn des Monats mit sich bringen kann. Wir möchten an dieser Stelle die vier bekanntesten Rechtsmeinungen in kurzer Form vorstellen:

  1. Die globale Sichtung (mit bloßem Auge)
  2. Die globale Sichtung (mit optischen Hilfsmitteln)
  3. Die lokale Sichtung (mit bloßem Auge)
  4. Die lokale Sichtung (mit optischen Hilfsmitteln)

 Unter der „globalen Sichtung“ versteht man die Sichtung der Neumondsichel an irgendeinem Ort auf der Erde. Für alle Orte, die (mindestens) einen Teil der Nacht mit der Nacht des Sichtungsortes teilen, gilt damit der Beginn des neuen Monats. D.h. z.B., wenn in Südamerika die Neumondsichel gesichtet wurde und ein Teil der Nacht, auch ein Teil der Nacht in Deutschland ist, so wäre dies, in Bezug auf die Rechtsmeinung der „globalen Sichtung“, auch der Beginn des Monats in Deutschland.   

 Die „lokale Sichtung“ ist, wie die Bezeichnung schon verrät, „lokal“ beschränkt. D.h. durch die Sichtung der Neumondsichel am selben Ort wird der Beginn eines Monats festgestellt. „Am selben Ort“ bedeutet juristisch folgendes: Entweder es gibt eine tatsächliche (direkte) Sichtung der Neumondsichel am Standort oder es gibt eine Abhängigkeit zwischen der Sichtung der Neumondsichel in einem Ort und die Möglichkeit ihrer Sichtung in dem anderen Ort. Wie z.B., wenn man in Polen die Neumondsichel sichtet, so wäre dies ausreichend für die Feststellung des Beginns des Monats in Deutschland.

Ein weiter Unterschied in den Rechtsmeinungen ist, ob man die Neumondsichel mit dem „bloßen Auge“ sichten muss oder ob man auch „optische Hilfsmittel“, wie z.B. ein Teleskop hinzuziehen darf, um die Sichtung festzustellen.

 Hier ein paar Vertreter der jeweiligen Ansichten:

  1. Die globale Sicht mit bloßem Auge: wie z.B. Sayyed al-Kho-i (r)   
  2. Die globale Sichtung mit optischen Hilfsmitteln: wie z.B. Sayyed Al-Hâshemi Ash-Shahrûdi (h)
  3. Die lokale Sichtung mit bloßem Auge: wie z.B. Sayyed Ali As-Sistâni (h) und Imam Khomeini (r)
  4. Die lokale Sichtung mit optischen Hilfsmitteln: wie z.B. Sayyed Ali Al-Khâmenei (h)

 Dies soll nur zur allgemeinen Übersicht dienen, denn selbst in den einzelnen Rechtsmeinungen gibt es noch facettenreiche Einzelheiten, die hier nicht erwähnt wurden.

 Jede einzelne Rechtsmeinung ist zu respektieren und beruht auf einer gründlichen juristischen Analyse.

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Fehler bei anderen finden https://bufib.de/fehler-bei-anderen-finden/ Mon, 21 Jul 2014 14:34:53 +0000 http://bufib.de/?p=1618 Der Islam legt großen Wert auf jeden Einzelnen unter Berücksichtigung der eigenen Handlungen. Am Ende des Tages sich ein wenig Zeit zu nehmen und sich selber zu beurteilen und an unseren Schwachstellen zu arbeiten, ist sehr empfehlenswert und  einer der besten Methoden, um sich selbst zu verbessern. Die Kehrseite ist jedoch, dass es Menschen gibt, die eher Fehler der anderen bewerten, anstatt die eigenen. Vielleicht können Sie keine Fehler in Ihrem eigenen Verhalten finden, so versuchen Sie auch für andere Fehler zu finden. Auf jeden Fall wird im Islam stark darauf herabgesehen, wenn man sich selbst mit den Fehlern der anderen abgibt. Es gibt Verse im Koran, die besonders darüber sprechen, sowie eine große Anzahl von Traditionen, aus den Hadithbüchern, die dies bestätigen.

Heute gibt es ehrliche Menschen, die die Menschen im privaten Rahmen wissen lassen, dass sie auf dem falschen Weg sind, und versuchen sie auf den bestmöglichen Weg zu führen.

Imam Ali (der Friede sei mit ihm) sagte dazu: „Lass die nach deiner Schätzung besten Person die Person sein, die dir deine Fehler und Mängel aufzeigt und dir als Geschenk präsentiert.“ Fehler finden als Sünde, finden auf sie keine Anwendung, da sie das Prinzip »Gutes gewähren und Schlechtes verwehren« (al-amr bil-ma´ruf wan-nahi a‘nil-munkar) korrekt anwenden.

Sich selbst damit zu beschäftigen Fehler in anderen zu finden, kann zu vielen Sünden führen. Der Islam lehrt uns die Sünden und Fehler von anderen zu übersehen, so wie Allah, der Erhabene, unsere Sünden und Fehler übersieht und sie nicht öffentlich macht. Zuerst einmal ist das Sehen oder Wissen, dass jemand eine Sünde begeht, nicht ausreichend, um sie zu beschuldigen. Wir sind nicht allwissend und sollten nicht vorgeben es zu sein. Imam Ali sagte: „Akzeptiere die Entschuldigung deines muslimischen Bruders (bzw. Schwester) und wenn er keine hat, erfinde eine für ihn“.  Wenn es eine vernünftige Erklärung gibt, warum jemand eine Sünde begangen hat oder einen Fehler gemacht hat, sollten wir es akzeptieren und es darauf beruhen lassen. Das ist einer der Gründe, warum Fehler bei anderen zu suchen selbst eine Sünde ist.

In Vers 11 der Sura al-Hujarat (49) sagte Allah (swt): „O ihr, die ihr glaubt! Lasst nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren – das sind die Ungerechten.“

Dieser Vers zeigt unter anderem, warum Fehler bei anderen zu suchen ein schrecklicher Akt ist, was zu Feindlichkeit und Demütigung für Menschen in der Gemeinde führt. Diejenigen, die solche Dinge tun, werden »ungerecht« von Gott genannt und das zu Recht. Diese Aktion kann die Gemeinde in kürzester Zeit zweiteilen. Imam Muhammad al-Bâqir (der Friede sei mit ihm) sagte: „Es ist für jeden Muslim vorgeschrieben 70 große Fehler seines muslimischen Bruders zu verstecken (um sein Ansehen zu retten).“ Er sagte auch: „Die schlimmste Art des Betrugs ist die Offenlegung von vertraulichen Informationen.“ Das Ansehen eines muslimischen Kollegen zu verletzen, ist ein schmerzlicher Akt, denn manchmal kann es das Einzige sein, was eine Person hat. Allah (swt) hat es vielleicht leicht für andere gemacht, unsere wahre Identität zu kennen, aber er hat unsere Sünden und Fehler vor anderen versteckt. Den guten Ruf unserer muslimischen Geschwister aufrecht zu erhalten ist wichtig für die Gemeinde, es hilft gegenseitigen Respekt zu erhalten und ermöglicht der Gemeinde sich weiter zu entwickeln.

Letztendlich ist es ein triftiger Grund nicht neugierig die Fehler der anderen anzuschauen, da es einen davon abhält, sich selbst weiterzuentwickeln und einen in Wirklichkeit noch tiefer sinken lassen kann. Es gibt viele Erzählungen, die dies beweisen. Imam Ali (der Friede sei mit ihm) sagte: »Jemand, der seine eigenen Fehler überdenkt, ist zu beschäftigt, Fehler in anderen zu suchen …«

Diese unaufrichtigen Menschen finden Fehler bei anderen, ohne auf ihre eigenen zu schauen, ein vergiftendes Element in der Gesellschaft. Es verdirbt nicht nur ihre eigene Seele, sondern es sät auch die Samen der Feindlichkeit innerhalb der Gemeinde und verursacht öffentliche Demütigung und Verlegenheit. Wir sollten natürlich sichergehen, dass wir keine Fehler in uns haben, aber wir sollten auch versuchen, uns von solchen Menschen in unserer Gemeinde fernzuhalten und ihnen keine Glaubwürdigkeit schenken.

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Geburtstag von Imam al-Hassan (a) https://bufib.de/geburtstag-von-imam-al-hassan-a/ Sun, 13 Jul 2014 07:16:21 +0000 http://bufib.de/?p=1611 Im Namen des Erhabenen.

Wir beglückwünschen Euch zum Gedenktag des Geburtstages von Imam al-Hassan al-Mujtaba (a).

Möge Allah (swt) Euren heutigen Tag und den Rest des heiligen Monats Ramadan segnen.

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Hijri-Kalender https://bufib.de/hijri-kalender-2/ Thu, 03 Jul 2014 13:57:48 +0000 http://bufib.de/?p=1608 ]]> Die Ereignisse vom Monat Muharram bis Dhul-Hijjah, d.h. des gesamten Hijri-Jahres, sind von nun an aktualisiert. Man kann sich im Hijri-Kalender durch die Monate klicken und indem man die Maus über ein markiertes Datum hält, erscheint das entsprechende Ereignis für den jeweiligen Tag.

Viel Spaß! /p>

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Geburtstag von Imam al-Mahdi (af) https://bufib.de/geburtstag-von-imam-al-mahdi-af/ Fri, 13 Jun 2014 23:28:38 +0000 http://bufib.de/?p=1594 Im Namen des Erhabenen

Wir beglückwünschen Euch und die gesamte Menschheit zum Geburtstag des zwölften Imams, Imam al-Mahdi (af)

“Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen Oh Allah, segne Mohammad und die Familie Mohammads. Oh Allah, sei für Deinen Vertrauten, dem (beweiskräftigen) Argument, Sohn des Hassan (al-Askari) – Deine Segnungen seien auf ihm und auf seinen Vätern – sowohl in dieser Stunde als auch in jeder Stunde, ein Vertrauter und ein Hüter, ein Führer und ein Siegesbringer, ein Wegweiser und Vorausschauer, bis Du ihn schließlich) in Deine Erde gütig einziehen lässt, in der Du ihm (dann) lange Genuss gewährst.” 

Wir wünschen einen gesegneten Feiertag.

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Der heilige Monat Sha’bân https://bufib.de/der-heilige-monat-shaban/ Fri, 30 May 2014 18:52:51 +0000 http://bufib.de/?p=1588 Der heilige Monat Sha‘bân ist der zweite von den drei heiligsten Monat des gesamten Jahres. Außerdem ist es der Monat des gesegneten Propheten Mohammad (s) und über die Vorzüglichkeit dieses heiligen Monats gibt es sehr viele Überlieferungen. Zudem wurde dieser großartige Monat mit mehreren Geburten einiger der reinen Imame (a) geschmückt.

Tag Ereignis
3 Geburtstag von Imam al-Hussain (a)
4 Geburtstag von Abi Fadl al-Abbas (a)
5 Geburtstag von Imam Zain al-Abidîn (a)
11 Geburtstag von Ali al-Akbar (a)
15 Geburtstag von Imam al-Mahdi (a)
23 Beginn der „Moscheewoche“

 

Gottesdienste

Es gibt mehrere Gottesdienste, die empfohlen sind, in diesem Monat zu verrichten. In diesem Flyer werden wir einen kleinen Ausschnitt dieser Handlungen wiedergeben, wogegen die Einzelheiten den entsprechenden Werken, wie „Mafâtîh‘ al-Jinân“, zu entnehmen sind. 

1. Fasten:
Prophet Mohammad (s): „Sha‘bân ist mein Monat und es ist der beste nach dem Monat Ramadân, so, wer darin einen Tag fastet, dessen Fürsprecher werde ich am Jüngsten Tag sein.
2. Spende:
Imam as-Sadiq (a): „Spendet in diesem Monat, selbst wenn es (nur) eine halbe Dattel wäre.
3. Segensgrüße auf den Propheten und seine reine Nachkommenschaft. D.h.: „Allahumma s‘alli a‘la Mohammad wa Âli Mohammad
4. Allah (swt) um Vergebung bitten (al-istighfâr):
Imam Ali ar-Rida (a): „Wer Allah, erhaben ist Er, jeden Tag im Monat Sha‘bân 70 Mal um Vergebung bittet, so vergibt Allah ihm seine Sünden, selbst dann, wenn diese so viele, wie es Sterne (am Himmel) gibt, wären.
5. Allah (swt) gedenken:
Aus mehreren Überlieferungen wird deutlich, dass viele Handlungen, die man in diesem Monat macht, höher als in anderen Monaten angerechnet wird, wie z.B. folgendes zu sagen: „Es gibt keinen Gott, außer Allah.
(Lâ ilâha illallah)
6. Spezielles Gebet:
Imam as-Sadiq (a): „Wer an jedem Donnerstag im Monat Sha‘bân zwei Raka‘ (Gebetsabschnitte) betet mit je: einmal die Sure al-Fâtiha (1. Sure) und 100-mal die Sure al-Ichlas (112. Sure) zu rezitieren und nach dem Gebet 100-mal den Gesandten Gottes und seiner reinen Familie den Segen zu wünschen, dem wird jeder religiöse und weltliche Wunsch erfüllt.

15. Sha‘bân

Manchmal gehen Tage, Wochen oder gar Monate vorbei, an denen man nicht dem 12. Imam (af) gedenkt oder sogar grüßt. Umgekehrt sind wir mit so vielen anderen Dingen beschäftigt, die uns wichtiger erscheinen. Der 15. Sha‘bân, der Geburtstag des heiligen, erwarteten Imams (a) – Imam al-Mahdi (af) – ist eine passende Gelegenheit für uns, unsere Prioritäten neu zu setzen. Die Nacht zum 15. Sha‘bân ist die heiligste Nacht, nach Laylatul-Qadr, die es im Jahr gibt. Es wird folgendes überliefert: „Dies ist eine Nacht, in der keine Person zu Allah betet, ohne dass ihre Gebete angenommen werden. Keiner fleht um etwas, ohne dass es ihm gewährt wird. Niemand fleht Allah um Vergebung, ohne dass Er ihm seine Sünden vergibt. Niemand wendet sich Allah reuig zu, ohne dass Er seine Reue nicht akzeptiert. Jemand, der sich der Güte dieser Nacht entzieht, hat sich definitiv von etwas Großartigem entzogen.

Es ist empfohlen, diese heilige Nacht im Gebet und Andacht bis zum Sonnenaufgang zu verbleiben.

Eines der Gebete des heiligen Propheten (s), das in der Nacht zum 15. Sha‘bân rezitiert werden sollte, lautet folgendermaßen: „O Gott! Gib uns Gottesfurcht, damit sie zwischen uns und dem Bösen stehe; und gib uns Gottesknechtschaft, damit sie uns zu deinem Paradiese führe; und gib uns Gottesglauben, sodass wir mit Leichtigkeit die Härten dieser Welt tragen.” 

Außerdem ist es empfohlen, in dieser Nacht “Dua Kumayl“ zu rezitieren.

Am Tage des 15. Sha‘bân ist folgendes empfohlen: Fasten, rituelle Ganzkörperwaschung (ghussl) und die Ziyârah von Imam Hussein (a) und Imam al-Mahdi (af) zu rezitieren.

Wie gesagt, der 15. Sha‘bân ist der Geburtstag des heiligen, erwarteten Imams, Imam al-Mahdi (af). Dieser Tag ist ihm gewidmet und so sollten wir uns auch verhalten. Die Wohnungen und Moscheen sollten dementsprechend geschmückt sein. Ab dem Kleinkindesalter sollten wir schon versuchen, unseren Kleinen einen Bezug zu unserem Imam der Zeit (af) zu verschaffen. Daher möchten wir an dieser Stelle, neben den Gottesdiensten, ein paar Vorschläge machen, wie man diesen Tag gestalten könnte: 

  • Fröhlichkeit unter den Menschen verbreiten
  • Über das Leben von Imam al-Mahdi (af) lesen
  • Eurer Familie und Freunden gratulieren (sei es auch nur über eine Kurznachricht)
  • Anwesenheit bei den Festveranstaltungen in den Moscheen
  • Den Kindern Geschenke machen und sie aufklären, was für ein besonderer Tag der Geburtstag von Imam al-Mahdi (af) ist
  • Süßigkeiten verteilen
  • An diesem Tag fasten und jemanden zum Fastenbrechen einladen
  • Gemeinsam das Bittgebet „Allahumma Kun li-Waliyyik…“ rezitieren: 

„Im Namen Gottes des Erbarmers, des Barmherzigen Oh Allah, segne Mohammad und die Familie Mohammads. Oh Allah, sei für Deinen Vertrauten, dem (beweiskräftigen) Argument, Sohn des Hassan (al-Askari) – Deine Segnungen seien auf ihm und auf seinen Vätern – sowohl in dieser Stunde als auch in jeder Stunde, ein Vertrauter und ein Hüter, ein Führer und ein Siegesbringer, ein Wegweiser und Vorausschauer, bis Du ihn schließlich) in Deine Erde gütig einziehen lässt, in der Du ihm (dann) lange Genuss gewährst.“ 

Moscheewoche

Die letzte Woche vom heiligen Monat Sha‘bân ist die „Moscheewoche“, d.h. es ist eine Zeit, in der wir uns wieder der Priorität und Wichtiggkeit der Moscheen bewusst werden sollten. Die Moschee ist ein Ort der inneren Ausgeglichenheit, der innigen Verbindung zu Allah (swt) und auch ein Ort der Zusammenkunft, der eine gesunde, verbundene Gesellschaft formt. Außerdem ist die Moschee ein Ort des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. „In der Gemeinschaft in der Moschee zu sitzen ist für mich besser, als im Paradies zu sitzen, denn wenn ich im Paradies sitze, bin ich zufrieden, wenn ich jedoch in einer Moschee sitze, ist mein Herr zufrieden.” Imam Ali (a)

Hier kannst Du unseren aktuellen Flyer zum heiligen Monat Sha’bân als PDF herunterladen: [button link=“https://bufib.de/wp-content/uploads/2014/05/Shaban-1435a.pdf“ preset=“green“]Download[/button]

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Beginn vom Monat Sha’bân https://bufib.de/beginn-vom-monat-shaban/ Fri, 30 May 2014 18:25:27 +0000 http://bufib.de/?p=1585 Im Namen des Erhabenen.

Hiermit teilen wir mit, dass der heilige Monat Sha’bân, gemäß der lokalen Neumondsichelsichtung, morgen, d.h. am 31. Mai 2014 (in Europa) beginnt. Gemäß der globalen Neumondsichelsichtung hat der heilige Monat Sha’bân heute begonnen.

Wir wünschen eine gesegnete Zeit. Möge Allah, der Erhabene, Eure aufrichtigen Gebete akzeptieren.

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Berufung des Propheten Mohammad (s) https://bufib.de/berufung-des-propheten-mohammad-s/ Tue, 27 May 2014 15:47:07 +0000 http://bufib.de/?p=1581 Wir beglückwünschen zum Gedenktag der Berufung des heiligen Propheten Mohammad (s). An diesem Tag, dem 27. Rajab, wurden dem gesegneten Propheten Mohammad (s) mit 40 Jahren die ersten Verse (einzeln) offenbart: 

„Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen. Lies, denn dein Herr ist Allgütig, Der mit dem Schreibrohr lehrt, lehrt den Menschen, was er nicht wusste.“ (96:1-5)

Mit diesen göttlichen Wörtern begann die Prophetie des Propheten Mohammad (s), der zugleich der abschließende aller Propheten (a) sein sollte. Es ist ein Tag der Barmherzigkeit, was auch den eigentliche Grund der Berufung des Propheten Mohammad darstellt: „Und Wir haben dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten gesandt.“ (21:107).  Der 27. Rajab ist damit ein signifikantes Ereignis in der Menschheitsgeschichte und der Anfang der jüngsten monotheistischen Religion: dem Islam. Möge Allah, der Erhabene, Euch eine segensreiche Zeit bescheren.

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Was gelehrt werden sollte (Teil 4) https://bufib.de/was-gelehrt-werden-sollte-teil-4/ Thu, 22 May 2014 15:02:12 +0000 http://bufib.de/?p=1576 Was gelehrt wird: Robert Boyle rief im 17. Jahrhundert die Wissenschaft der Chemie ins Leben.

Was gelehrt werden sollte: Eine Vielzahl muslimischer Chemiker, einschließlich ar-Razi, al-Biruni und al-Kindi, führten in der Chemie rund 700 Jahre vor Boyle wissenschaftliche Experimente durch. Durant schreibt, dass die Muslime die experimentelle Methode in diese Wissenschaft einführten. Humboldt betrachtet die Muslime als die Begründer der Chemie.

Was gelehrt wird: Leonardo da Vinci (16. Jahrhundert) brachte die Wissenschaft der Geologie hervor, als er bemerkte, dass die auf den Bergen gefundenen Fossilien auf eine wässrige Entstehung der Erde hinwiesen.

Was gelehrt werden sollte: Al-Biruni (11. Jahrhundert) macht genau diese Beobachtung und nahm noch viel hinzu, darunter ein riesiges Buch über die Geologie, und zwar bereits hunderte von Jahren vor der Geburt von Da Vinci. Auch Ibn Sina nahm das zur Kenntnis. Es ist wahrscheinlich, dass Da Vinci diese Vorstellung zunächst von lateinischen Übersetzungen der islamischen Bücher erhielt. Er fügte nichts Besonderes zu ihren Ergebnissen hinzu.

Was gelehrt wird: Die erste Erwähnung der geologischen Formation der Täler stammt aus dem Jahre 1756, als Nicolas Desmarest vorschlug, dass diese über einen längeren Zeitraum von Wasserläufen gebildet wurden.

Was gelehrt werden sollte:  Ibn Sina und al-Biruni machten im 11. Jahrhundert genau diese Entdeckung, also ganze 700 Jahre vor Desmarest.

Was gelehrt wird: Galileo (17. Jahrhundert) war weltweit der erste große Experimentator.

Was gelehrt werden sollte: Al-Biruni (gest. 1050) war weltweit der erste große Experimentator. Er schrieb mehr als 200 Bücher, von denen viele seine präzisen Experimente erörtern. Seine literarische Produktion in den Wissenschaften beträgt rund 13.000 Seiten, also weit über dem, was von Galileo geschrieben wurde, oder was das betrifft, von Galilei und Newton zusammen niedergeschrieben wurde.

Was gelehrt wird: Der Italiener Giovanni Morgagni wird als der Vater der Pathologie angesehen, weil er der erste war, der die Natur der Krankheiten richtig beschrieb.

Was gelehrt werden sollte: Islamische Chirurgen waren die ersten Pathologen. Sie realisierten die Natur der Krankheiten in vollem Umfang und beschrieben eine Vielzahl von Krankheiten anhand fortschrittlicher Einzelheiten. Ibn Zuhr beschrieb die Natur der Rippenfellentzündung, der Tuberkulose und der Herzbeutelentzündung auf korrekte Art und Weise. Az-Zahrawi dokumentierte die Pathologie des Hydrocephalus (des Wasserkopfes) und anderer angeborener Erkrankungen akkurat. Ibn al-Quff und Ibn an-Nafs lieferten perfekte Beschreibungen der Kreislaufkrankheiten. Andere muslimische Chirurgen gaben die ersten genauen Beschreibungen von bestimmten malignen Erkrankungen, einschließlich von Magen-, Darm- und Speiseröhrenkrebs. Diese Chirurgen waren die Begründer Pathologie, nicht Giovanni Morgagni.

Was gelehrt wird: Paul Ehrlich (19. Jahrhundert) ist der Begründer der Chemotherapie, bei der bestimmte Medikamente verwendet werden, um die Mikroben zu töten.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Ärzte verwendeten eine Vielzahl spezifischer Substanzen, um Mikroben zu zerstören. Sie wendeten Schwefel lokal, um speziell die Milben auf der Krätze zu töten. Ar-Razi (10. Jahrhundert) verwendete Quecksilberverbindungen als topische Antiseptika.

Was gelehrt wird: Gereinigter, durch Destillation hergestellter Alkohol wurde im Jahr 1300 erstmalig von Arnau de Villanova, einem spanischen Alchemisten, hergestellt.

Was gelehrt werden sollte: Zahlreiche muslimische Chemiker produzierten mittels Destillation bereits im 10. Jahrhundert Alkohol für medizinische Zwecke und stellten im großen Maßstab erste Destillationsgeräte für den Einsatz in der Chemie her. Sie verwendeten Alkohol als Lösungsmittel und Antiseptikum.

Was gelehrt wird: Die erste, unter Inhalationsnarkose durchgeführte Operation fand unter CW Long, einem Amerikaner im Jahr 1845 statt.

Was gelehrt werden sollte:  Sechshundert Jahre vor Long, führten die aus dem islamischen Spanien stammenden Chirurgen Az-Zahrawi und Ibn Zuhr unter anderen muslimischen Chirurgen hunderte von Operationen unter Inhalationsnarkose unter dem Gebrauch von mit Betäubungsmitteln getränkten Schwämmen, die über das Gesicht gelegt wurden, durch.

Was gelehrt wird: Während des 16. Jahrhunderts erfand Paracelsus die Verwendung von Opium-Extrakten für die Anästhesie.

Was gelehrt werden sollte:  Muslimische Ärzte führten den anästhetischen Wert von Opium-Derivaten im Mittelalter ein. Opium wurde ursprünglich von den Griechen als Narkosemittel verwendet. Paracelsus war ein Schüler von Ibn Sinas Werken und es ist fast sicher, dass er diese Idee von dort abgeleitet hat.

Was gelehrt wird: Die moderne Anästhesie wurde im 19. Jahrhundert von Humphrey Davy und Horace Wells erfunden.

Was gelehrt werden sollte:  Die moderne Anästhesie wurde von muslimischen Anästhesisten bereits 900 Jahre vor dem Aufkommen von Davy und Wells entdeckt, gemeistert und perfektioniert. Sie verwendeten sowohl orale als auch inhalante Narkosemittel.

Fortsetzung folgt …

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Rassismus https://bufib.de/rassismus/ Sun, 04 May 2014 18:01:02 +0000 http://bufib.de/?p=1567 „Gib Rassismus keine Chance!“ So werden die Plakate bedruckt und aufgehangen, Flyer sind in jedem Café zu finden, in den Einkaufsstraßen stehen Aktivisten und klären auf. Sie kämpfen für dich, suchen den Dialog. Ja, wirklich, sie hängen, liegen und stehen überall. Geht durch die Straßen und schaut sie euch an, habt ihr sie denn nicht gesehen? NEIN?! Macht nichts… ich nämlich auch nicht!

Rassismus ein vergessenes Wort in der Gesellschaft.

Früher war es aktuell, heißt es, … es haben ja auch mehr „schwarze“ Menschen hier gelebt sagte mir jemand ins Gesicht, das Zugabteil lachte. Als ich ihn nach einigen Witze unterbrach und fragte: „Wieso bist du so rassistisch?“ „Ja Ja, komm, das war doch nur Spaß“, erwiderte er, hob seine Flasche und trank noch einen kräftigen Schluck.

Rassismus liegt in der Luft.

Vergessen ist er ja doch nicht und aktuell ist er zu jeder Zeit an jedem Ort, es spricht nur keiner darüber bzw. bezeichnet es nicht mehr als „Rassismus“. Wenn, dann nur zum „Spaß“. Wir werden schon gar nicht mehr aufmerksam gemacht, wenn jemand einen „rassistischen Witz“ macht oder was kommt euch in den Sinn?

„Du Osama? Du Bimbo? Du Japse? Du Zigeuner?“ … tolle Witze.

 Sei ehrlich mit dir selbst, kam dir nicht einer dieser oder ähnlichen Begriffe in den Sinn? Lustig, oder?! Nein, ganz und gar nicht.

 Rassismus ist nicht nur ein Wort, sondern Realität. Verbunden mit den Vorurteilen, die der Mensch mit der Zeit geschaffen hat, ist es zu einer Krankheit des Verstandes und Denkens gekommen.  

 „Die wollen sich einfach nicht integrieren.“. Wer sind denn „die“? Na die Deutschen, wohin kommen wir denn da, dass wir uns integrieren sollen? Wir sind die Mehrheitsgesellschaft, also sind wir im Recht, wir haben uns schon integriert. Sie müssen auf uns zu gehen. Und wer sind denn nun „sie“? Na die Ausländer. Wer sind denn die Ausländer? Na die, die nicht deutsch aussehen.

 STOP!!! / DENKPAUSE

 Wer hat festgelegt, wie wir „Deutsche“ auszusehen haben? Rassismus ist allgegenwärtig und beruht sich nicht nur auf eine einzige ethnische Gruppe. Der Rassismus ist viel mehr eine Idee, ein Gedanke, der sich manifestiert.

 Zeigt Zivilcourage, erstickt Rassismus im Keim. Verliert nicht euren Mut zur Wahrheit, ermutigt eure Mitmenschen. Der Islam sagt „Nein“ zum Rassismus, es gibt keinen Platz dafür, nein zur Gewalt,  ja zur Integration und ja zum Dialog.

 „Oh ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt.“ (Heiliger Qur’an, 49:13)

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Die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit (Audio) https://bufib.de/die-meinungsfreiheit-und-die-religionsfreiheit/ Sun, 04 May 2014 17:16:00 +0000 http://bufib.de/?p=1564 https://dl.dropboxusercontent.com/s/ywt9pt9fsatbpzz/Die%20Meinungsfreiheit%20und%20die%20Religionsfreiheit.mp3

Die Meinungsfreiheit und die Religionsfreiheit sind grundlegende Menschenrechte, die im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen haben. In allen modernen Demokratien sind die Meinungs- und die Religionsfreiheit in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fest verankert und damit ein Grundpfeiler eines jeden Rechtsstaates. Auch in internationalen Verträgen und Konventionen sind grundlegende Regeln zur Meinungsfreiheit und zur Religionsfreiheit festgelegt. Da es sich bei der Meinungs- und Religionsfreiheit um Grundrechte handelt, sind sie so gut wie unerschütterlich. Doch gibt es in einem demokratischen Rechtsstaat keine uneingeschränkte Ausübung der Meinungs- oder Religionsfreiheit. Wann eines dieser Grundrechte eingeschränkt werden darf, ist gesetzlich geregelt, allerdings nicht eindeutig. Immer wieder gibt es Diskussionen und auch gerichtliche Auseinandersetzungen darüber, wann die Ausübung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit oder Religionsfreiheit des einen, genau diese Grundrechte des anderen einschränkt. 

Die Meinungsfreiheit

Die Meinungsfreiheit oder Meinungsäußerungsfreiheit oder Redefreiheit steht jedem das Recht zu, seine Meinung kund zu tun und sie anderen mündlich oder schriftlich mitzuteilen. Die Meinungsfreiheit ist im deutschen Grundgesetz in Art. 5 Abs. 1 gesetzlich geregelt. Demnach hat jeder Mensch das Recht „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Zusätzlich ist die Meinungsfreiheit durch das Zensurverbot in Art. 5 Abs. 1 Satz 3 geschützt. Im Gegensatz zu Diktaturen ist nämlich in einer Demokratie die Informationskontrolle mittels Zensur strengstens verboten. Die Meinungsfreiheit ist ein Grundpfeiler der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Sie sieht vor, dass sich Menschen auch mit unterschiedlichen Ansichten miteinander auseinandersetzen können müssen. Denn nur über den öffentlichen Diskurs ist es möglich, zu einer öffentlichen Meinung zu gelangen und politische Willensbildung zu erreichen. Zudem ist die Informationsfreiheit ein wichtiger Bestandteil der Meinungsfreiheit. Ohne den freien Zugang zu Quellen und Informationen ist eine freie und kritische Meinungsbildung nicht möglich. Eng verbunden mit der Meinungsfreiheit sind die Versammlungsfreiheit, die Demonstrationsfreiheit, die Pressefreiheit, die Kunstfreiheit und die Lehrfreiheit. Die Meinungsfreiheit schützt die Bürger vor allem gegen eine willkürliche Staatsgewalt. Sie soll es jedem Einzelnen ermöglichen, sich mit der Regierung und der Gesetzgebung eines Landes kritisch auseinandersetzen zu können, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Allerdings ist die Meinungsfreiheit nicht uneingeschränkt. Gemäß Art. 5 Abs. 2 des Grundgesetzes findet sie ihre „Schranken“ unter anderem in den Jugendschutzbestimmungen, oder wenn die persönliche Ehre eines Menschen verletzt wird. Zudem können „allgemeine Gesetze“ Schranken der Meinungsfreiheit darstellen. Dies gilt zum Beispiel dann, wenn verbotene nationalsozialistische Propaganda betrieben wird. Insgesamt ist es jedoch schwierig durch ein Gericht die Meinungsfreiheit einschränken zu lassen. Da die Meinungsfreiheit ein Grundrecht ist, ist sie im Zweifelsfall immer höher zu bewerten als ein allgemeines Gesetz. Die Meinungsfreiheit wurde nach der Französischen Revolution 1789 in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich in Art. 11 niedergeschrieben und dort als „eines der kostbarsten Rechte des Menschen“ beschrieben. Heute ist die Meinungsfreiheit ein Element eines jeden demokratischen Rechtsstaates.  

Auch verschiedene internationale Konventionen definieren die Meinungsfreiheit als ein Grundrecht eines jeden Menschen. So ist die Meinungsfreiheit durch die Vereinten Nationen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Art. 19 gewährleistet. Die Europäische Menschenrechtskonvention legt in Art. 10 das Recht auf Meinungsfreiheit für alle Mitgliedsstaaten des Europarats fest, und die Europäische Union garantiert die Meinungsfreiheit in Art. 11 der Charta der Grundrechte.   

Die Religionsfreiheit

Die Religionsfreiheit ist in Deutschland Kraft des Grundgesetzes in Art. 4 Abs. 1 und 2 gewährleistet. Geschützt werden sowohl Religionen als auch Weltanschauungen. Daneben ist die Religionsfreiheit in den sogenannten Religionsartikeln der Weimarer Verfassung garantiert, die gemäß Art. 140 des Grundgesetzes Bestandteil des Grundgesetzes sind. Das Grundgesetz unterscheidet die positive und die negative Religionsfreiheit. Die positive Religionsfreiheit bedeutet, dass es jedem Menschen frei steht, eine religiöse oder weltanschauliche Ansicht zu leben. Die negative Religionsfreiheit beinhaltet, dass der Staat niemanden dazu verpflichten kann, eine bestimmte Religion oder Weltanschauung anzunehmen oder ihm verbieten darf, ohne Religion zu leben. Genauso wie für jeden religiösen Menschen die freie Religionsausübung ein Grundrecht ist, steht es jedem frei, keiner Religion anzugehören. Auch die Areligösität muss seitens gläubiger Menschen akzeptiert werden und umgekehrt. Dies ergibt sich auch aus dem Grundrecht der Meinungsfreiheit. Aus Art. 4 des Grundgesetzes geht zudem hervor, dass der Staat zu religiöser Neutralität verpflichtet ist. Allerdings gilt dies nur für den Staat. So wäre zum Beispiel ein Kopftuchverbot für Schülerinnen verfassungswidrig, da dies gegen die Religionsfreiheit der Mädchen verstoßen würde. Verbeamtete Lehrerinnen hingegen sind Vertreter des Staates und müssen, wenn sie in ihrer Funktion als Lehrer auftreten, die religiöse Neutralität waren. Allerdings ist in der Öffentlichkeit bis heute strittig, ob zum Beispiel muslimischen Lehrerinnen das Tragen eines Kopftuches im Unterricht verboten werden darf oder nicht. Genauso gibt es keine Einigkeit darüber, ob in einem Klassenzimmer, wenn es sich um eine staatliche Schule handelt, ein Kreuz hängen darf. Häufig wird kritisiert, dass der deutsche Staat, obwohl er sich Religionen gegenüber neutral verhalten muss, den christlichen Glauben bevorzugt. So sind so gut wie alle Feiertage in Deutschland auf den christlichen Glauben zurückzuführen. Dies wäre aufgrund der historischen Entwicklung Deutschland absolut kein Problem, jedoch könnte man darüber diskutieren, ob dies der eigentlichen Neutralitätspflicht gegenüber Religionen widerspräche. Verletzt der Staat seine Neutralitätspflicht gegenüber Religionen, können die Angehörigen dieser Religion Verfassungsklage erheben. Genauso darf der Staat eingreifen, wenn die Ausübung der Religionsfreiheit mit einem anderem Verfassungsrecht kollidiert. Die Religionsfreiheit geht, in Bezug auf den Westen, auf die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert zurück. Damals wurde erstmalig über die Trennung von Staat und Kirche und von öffentlich und privat diskutiert. In Bezug auf die Religionsfreiheit bedeutet dies, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben muss, eine Religion frei zu wählen, ohne irgendwelchen Zwängen von außen unterworfen zu sein. Damit ist die Angehörigkeit einer Glaubensgemeinschaft und die Areligiösität eine Privatangelegenheit, in die der Staat nicht eingreifen darf. Dieses Recht hat sich im Laufe der Säkularisierung des Staates im 19. Jahrhundert verfestigt. In Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen ist die Religionsfreiheit garantiert. Demnach hat jeder das Recht die Religion „allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden“. Dies beschränkt die Ausübung der Religion nicht nur auf den privaten Bereich sondern erlaubt es jedem, die Religion auch in der Öffentlichkeit zu leben. In der Europäischen Menschenrechtskonvention ist die Religionsfreiheit in Artikel 9 geregelt. In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union ist die Religionsfreiheit in Artikel 10 verankert. 

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Föderalismus in der BRD (Audio) https://bufib.de/foederalismus-in-der-brd/ Sun, 04 May 2014 17:06:18 +0000 http://bufib.de/?p=1561 https://dl.dropboxusercontent.com/s/3t96of55soyfnn6/F%C3%B6deralismus.mp3

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderalistisches Land. Das bedeutet, dass sich der Staat in Bund und Länder gliedert. Der Föderalismus gilt als eines der Standbeine der Demokratie in Deutschland. Er soll dazu beitragen, dass die Macht sich nicht auf eine zentrale Stelle konzentriert, sondern verteilt wird.

Bundeszentrale für politische Bildung, 2009, 222.bpb.de - Lizenz Creative Commons by-nc-nd/3.0/de
Bundeszentrale für politische Bildung, 2009, www.bpb.de – Lizenz Creative Commons by-nc-nd/3.0/de

Historischer Hintergrund der Entstehung der Bundesländer

Schon das Heilige Römische Reich deutscher Nation (800 – 1806) bestand aus verschiedenen, unabhängigen Territorialstaaten zusammen. Diese sollten es ermöglichen, den Frieden im Land zu sichern und die bestehenden Gesetze umzusetzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte der Föderalismus verhindern, dass erneut ein totalitärer Einheitsstaat entstehen und das demokratische Prinzip beeinträchtigen könne. Seit ihrer Wiedervereinigung im Jahr 1990 setzt sich die Bundesrepublik Deutschland aus insgesamt sechzehn Bundesländern zusammen, Bremen, Brandenburg, Bayern, Schleswig-Holstein, Hamburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Die „Deutschen“ sind stark mit ihren Bundesländern verbunden, sprechen regional unterschiedliche Dialekte und verfolgen entsprechend ihres Bundeslandes unterschiedliche Interessen. Ziel des Föderalismus ist es, regionale Unterschiede bestehen zu lassen und dennoch in einem Staat zusammenzuleben. Die gesellschaftliche und politische Vielfalt auf einen Nenner zu bekommen, ist Aufgabe des Bundes. Wie die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern verteilt sind, ist ebenso veränderlich, wie die Anzahl der Bundesländer selbst. So war das Saarland beispielsweise nicht immer ein eigenständiges Bundesland. Der Föderalismus an sich jedoch, ist durch das Grundgesetz geschützt.

Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern

Den Föderalismus prägt die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern. Während der Bund überwiegend für das Gesetzgebungsverfahren zuständig ist, übernehmen die Länder den Großteil der Verwaltungsaufgaben. Auf Bundes- und EU-Ebene wirken die Länder mit. Die Vertretung der Länder ist der Bundesrat. Ein weiterer großer Aufgabenbereich der Länder liegt neben der Verwaltung in der Kulturpolitik. Die Länder besitzen die sogenannte Kulturhoheit. Sie sind in kulturellen Angelegenheiten eigenverantwortlich. Das bleibt nicht immer unumstritten. Immer wieder kommt es in der Politik zu Diskussionen über die unterschiedlichen Schulsysteme, über den Sinn zentraler Prüfungen und Abschlüsse. Um Vereinheitlichungen zu erwirken, finden Konferenzen zwischen den Landesministern statt oder es werden Staatsverträge geschlossen.

Vorteile und Nachteile des Föderalismus

Der Föderalismus hat den Vorteil, dass die einzelnen Bundesländer freier in den Entscheidungen sind, die ihre Region, ihr eigenes Bundesland und die darin lebenden Menschen sind. Sie können leichter Reformen bewirken, wenn diese notwendig sind und die Bürgerbeteiligung ist höher. Schließlich haben die Einwohner eher das Gefühl, wirklich etwas erreichen zu können, einen Ansprechpartner in der Nähe zu haben und sich an Entscheidungen, die ihre direkte Heimat betrifft, mitwirken zu können. Kritiker des Föderalismus sehen einen Nachteil in seiner Kleinteiligkeit. Sie befürchten, der Föderalismus verlangsame beziehungsweise erschwere gesamtgesellschaftliche Veränderungen und sei in einer Zeit der Globalisierung überholt. Zu häufigen Diskussionen führen die Finanzen. Hart umkämpft ist beispielsweise die Verteilung des Steuereinkommens. Probleme bei der Aufgabenverteilung zwischen Bund und Ländern haben im Laufe der Zeit immer wieder zu Reformen geführt. Eine der bedeutendsten Föderalismusreformen war die aus dem Jahr 2006. Sie sollte der Entwicklung entgegenwirken, dass die Zuständigkeiten von Bund und Ländern häufig verflochten sind und dementsprechend für mehr Klarheit sorgen.

Quellen:

  •  Bundeszentrale für politische Bildung: Föderalismus in Deutschland, Informationen zur politischen Bildung, Heft 318, 2013.
  •  Fisch, Heinrich (Hrsg.): Sozialwissenschaften. Gesellschaft – Staat – Wirtschaft – Recht. Fischer Verlag, 1985.
  •  Baumann, Herbert: Staat, Gesellschaft, Wirtschaft. Stam Verlag, 1995.
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Was gelehrt werden sollte (Teil 3) https://bufib.de/was-gelehrt-werden-sollte-teil-3/ Sun, 04 May 2014 16:38:28 +0000 http://bufib.de/?p=1556 Was gelehrt wird: Im Jahre 1614 erfand John Napier Logarithmen und logarithmische Tabellen.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Mathematiker erfanden Logarithmen und produzierten logarithmische Tabellen bereits mehrere Jahrhunderte zuvor. Solche Tabellen waren in der islamischen Welt bereits im 13. Jahrhundert verbreitet.

Was gelehrt wird: Während des 17. Jahrhunderts machte Rene Descartes die Entdeckung, dass die Algebra verwendet werden könnte, um geometrische Probleme zu lösen. Dadurch erweiterte er die Wissenschaft der Geometrie deutlich. 

Was gelehrt werden sollte: Mathematiker des islamischen Reiches bewerkstelligten genau dies schon im 9. Jahrhundert n. Chr.. Thabit bin Qurrah war der Erste, dem dies gelang und auf ihn folgte Abu’l Wafa, dessen Buch aus dem 10. Jahrhundert sich die Algebra zu Nutze machte, um die Geometrie zu einer exakten und vereinfachten Wissenschaft voranzutreiben.

Was gelehrt wird: Isaac Newton entwickelte im Laufe des 17. Jahrhunderts den binomischen Lehrsatz, der eine entscheidende Komponente für das Studium der Algebra darstellt.

Was gelehrt werden sollte: Hunderte muslimischer Mathematiker nutzten und perfektionierten den binomischen Lehrsatz. Sie initiierten seine Verwendung für die systematische Lösung der algebraischen Probleme, die im 10. Jahrhundert (oder zuvor) bestanden.

Was gelehrt wird: In der Antike bis zum Mittelalter, bis zum 13. Jahrhundert, wurde in der Astronomie in Bezug auf die Planeten kein Fortschritt gemacht. Dann erfand Alfonso der Weise von Kastilien (mittleres Spanien) die alfonsischen Tafeln, die genauer als die von Ptolemäus waren.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Astronomen nahmen bereits im 9. Jahrhundert zahlreiche Verbesserungen bei Ptolemäus Erkenntnissen vor. Sie waren die ersten Astronomen, die seine archaischen Vorstellungen bestritten. In ihrer Kritik an den Griechen wiesen sie in synthetisierter Form nach, dass die Sonne das Zentrum des Sonnensystems ist und dass die Umlaufbahnen der Erde und anderer Planeten elliptisch sein könnten.

Was gelehrt wird: Der englische Gelehrte Roger Bacon (gest. 1292) erwähnte erstmals Glaslinsen zur Verbesserung des Sehvermögens. Fast zur gleichen Zeit waren Brillen in China und Europa im Einsatz.

Was gelehrt werden sollte: Der aus dem islamischen Spanien stammende Ibn Firnas erfand im Laufe des 9. Jahrhunderts Augengläser, und sie wurden zwei Jahrhunderte lang in Spanien hergestellt und verkauft. Jede Erwähnung von Augengläsern durch Roger Bacon war einfach eine Regurgitation der Arbeit von al-Haytham (gest. 1039), auf dessen Forschung sich Speck häufig bezog.

Was gelehrt wird: Der Kompass wurde von Chinesen erfunden, die die ersten gewesen sein könnten, die ihn für Navigationszwecke irgendwann zwischen 1000 und 1100 n. Chr. nutzten. Der früheste Hinweis auf seine Verwendung im Bereich der Navigation stammt von dem Engländer Alexander Neckam (1157-1217).

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Geographen und Seefahrer erfuhren von der Magnetnadel, möglicherweise von den Chinesen, und waren die ersten, die Magnetnadeln in der Navigation verwendeten. Sie erfanden den Kompass und gaben die Kenntnisse seiner Verwendung in der Navigation an den Westen weiter. Europäische Seefahrer stützten sich bei der Erkundung unbekannter Gebiete auf muslimische Piloten und ihre Instrumente. Gustav Le Bon behauptet, dass die Magnetnadel und Kompass vollständig von den Muslimen erfunden wurden und dass die Chinesen wenig damit zu tun hatten. Neckam, ebenso wie die Chinesen, erfuhr wahrscheinlich von muslimischen Händlern davon. Es ist erwähnenswert, dass die Chinesen ihr Fachwissen im Bereich der Navigation zu verbessern bagannen, nachdem sie im Laufe des 8. Jahrhunderts begannen, mit den Muslimen zu kommunizieren. 

Was gelehrt wird: Die Wissenschaft der Geographie wurde während des 15., 16. und 17. Jahrhunderts wieder belebt, als die alten Werke von Ptolemäus entdeckt wurden. Die Kreuzzüge und die portugiesischen / spanischen Expeditionen trugen ebenfalls zu dieser Wiedererweckung bei. Die erste wissenschaftlich fundierte Abhandlung über die Geographie wurde in dieser Zeit von den europäischen Gelehrten angefertigt.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Geographen haben vom 8. bis 15. Jahrhundert ungezählte Bücher über die Geographie von Afrika, Asien, Indien, China und Indien verfasst. Diese Schriften enthielten die weltweit ersten geographischen Lexika, Almanache und Straßenkarten. Ibn Battutahs Meisterwerk aus dem 14. Jahrhundert bietet einen detaillierten Blick auf die Geographie der antiken Welt. Die muslimischen Geographen des 10. bis 15. Jahrhunderts übertrafen die Ausgabe der Europäer in Bezug auf die Geographie dieser Regionen bis weit in das 18. Jahrhundert. Die Kreuzzüge führten zur Zerstörung von Bildungseinrichtungen, sowie der Vernichtung ihrer Gelehrten und Bücher. Sie brachten in Bezug auf die Geographie nichts Wesentliches für die westliche Welt.

Fortsetzung folgt …

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Bundestag (Audio) https://bufib.de/bundestag/ Sat, 03 May 2014 22:02:03 +0000 http://bufib.de/?p=1276 https://dl.dropboxusercontent.com/s/2mj6aa0gal4vnxy/Der%20Bundestag.mp3

Die Bundestagsabgeordneten sind Vertreter des ganzen Volkes. Im Parlament sind sie in Ausschüssen und Fraktionen organisiert. Sie sind nicht an Aufträge und Weisungen ihrer Wähler oder Partei gebunden, sondern nur ihrem Gewissen verpflichtet. 

Artikel 20
(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. 

Art. 20 Abs. 2 GG legt für die Staatsordnung der Bundesrepublik Deutschland den Grundsatz der repräsentativen Demokratie fest. Das Volk übt die Staatsgewalt nicht direkt aus, sondern überträgt sie auf gewählte Körperschaften, die Parlamente, für den Gesamtstaat auf den Bundestag, für die Länder auf die Landtage, für Kreise, Städte und Gemeinden auf kommunale Selbstverwaltungskörperschaften. Die Parlamente sind die einzigen Verfassungsorgane, die vom Volk direkt gewählt werden. Das verleiht ihnen eine besondere Legitimation. 

Die übrigen Verfassungsorgane werden von den Parlamenten bestellt. So wählen die Parlamente die Regierungschefs, der Bundestag den Bundeskanzler und die Landtage die Ministerpräsidenten. Der Bundestag wählt – zusammen mit dem Bundesrat – die Richter des Bundesverfassungsgerichts und – zusammen mit Delegierten aus den Landesparlamenten in der Bundesversammlung – den Bundespräsidenten. 

Übersicht vom Plenum des Deutschen Bundestags (© AP)
Übersicht vom Plenum des Deutschen Bundestags (© AP)

Abgeordnete

Artikel 38
(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. 

Freies Mandat 

In der Bundesrepublik Deutschland gilt, wie in allen anderen repräsentativen Demokratien, der Grundsatz des freien Mandats. Die Abgeordneten gelten als Vertreter des ganzen Volkes. Sie sind daher nicht an Aufträge und Weisungen ihrer Wähler und ihrer Partei gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. 

Das Gegenteil des freien Mandats ist das imperative Mandat, wie es in den Ständeversammlungen bis ins 19. Jahrhundert hinein üblich war. Dort waren die Ständevertreter ihren Wählern Rechenschaft schuldig und konnten abberufen werden, wenn sie deren Weisungen nicht nachkamen. Ein imperatives Mandat führt dazu, dass Abgeordnete in allen Entscheidungen von der „Basis“ abhängen. Sie müssen jedes Mal darauf achten, dass ihr Stimmverhalten die Zustimmung ihrer Wähler findet. Damit werden Kompromisse erschwert oder unmöglich gemacht. 

Der Grundsatz des freien Mandats steht in einem Spannungsverhältnis zu der in Art. 21 GG verankerten Rolle der Parteien als wesentlichen Trägern der politischen Willensbildung. Im Parteienstaat ist das Parlament, so könnte man argumentieren, auch von der Verfassung her ein Parteienparlament. Abgeordnete, die als Angehörige einer Partei gewählt wurden, wären dann an die Anweisungen ihrer Partei gebunden. Dagegen schützt sie Art. 38 GG. 

Das freie Mandat bedeutet nicht, dass Abgeordnete nach Belieben und ohne Rücksicht auf ihre Wähler, ihre Partei oder Fraktion abstimmen können. Es bewahrt sie jedoch davor, bei einem Konflikt mit ihrer Fraktion ihr Mandat zu verlieren. Das von den Grünen 1987 vereinbarte, aber bald gescheiterte „Rotationsprinzip“ – ihre Abgeordneten sollten nach der Hälfte der Legislaturperiode ihr Bundestagsmandat niederlegen und Nachfolgern Platz machen – ist nur auf freiwilliger Basis erlaubt, ein Zwang wäre verfassungswidrig. 

Artikel 46
(1) Ein Abgeordneter darf zu keiner Zeit wegen seiner Abstimmung oder wegen einer Äußerung, die er im Bundestage oder in einem seiner Ausschüsse getan hat, gerichtlich oder dienstlich verfolgt oder sonst außerhalb des Bundestages zur Verantwortung gezogen werden. Dies gilt nicht für verleumderische Beleidigungen. (2) Wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung darf ein Abgeordneter nur mit Genehmigung des Bundestages zur Verantwortung gezogen oder verhaftet werden, es sei denn, daß er bei Begehung der Tat oder im Laufe des folgenden Tages festgenommen wird. 

Artikel 47
Die Abgeordneten sind berechtigt, über Personen, die ihnen in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete oder denen sie in dieser Eigenschaft Tatsachen anvertraut haben, sowie über diese Tatsachen selbst das Zeugnis zu verweigern. Soweit dieses Zeugnisverweigerungsrecht reicht, ist die Beschlagnahme von Schriftstücken unzulässig. 

Rechte 

Die Unabhängigkeit der Abgeordneten wird durch eine Reihe von Vorrechten geschützt, die im Grundgesetz verankert sind:

  • Indemnität: Abgeordnete dürfen nach Art. 46 Abs. 1 GG wegen ihres Abstimmungsverhaltens oder wegen Äußerungen im Bundestag – außer „für verleumderische Beleidigungen“ – nicht verfolgt oder belangt werden. Die Indemnität dauert auch nach Beendigung des Mandats fort und kann nicht aufgehoben werden. Sie garantiert, dass Abgeordnete ihrem Gewissen folgen und von ihrer Redefreiheit Gebrauch machen können, ohne Nachteile befürchten zu müssen.
  • Immunität: Abgeordnete sind – zunächst – vor Strafverfolgung geschützt. Nach Art. 46 Abs. 2 GG dürfen sie für Straftaten nur dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn der Bundestag dem zustimmt. Die Immunität besteht nur, solange die Abgeordneten ihr Mandat ausüben.
  • Zeugnisverweigerungsrecht: Abgeordnete brauchen nach Art. 47 GG über Personen, die ihnen vertrauliche Mitteilungen gemacht haben, keine Auskunft zu geben.

Diäten 

Die Abgeordneten des Bundestages und zumeist auch der Landtage beziehen für ihre Tätigkeit ein Einkommen. Sie sind Berufspolitiker, die eine Ganztagsbeschäftigung ausüben und einen Anspruch auf eine angemessene Entlohnung haben. Diese Entlohnung muss „für sie und ihre Familien eine ausreichende Existenzgrundlage abgeben können. Sie muss außerdem der Bedeutung des Amtes unter Berücksichtigung der damit verbundenen Verantwortung und Belastung und des diesem Amt im Verfassungsgefüge zukommenden Ranges gerecht werden“(„Diätenurteil“ des BVerfG, 1975). 

Als vergleichbar mit Bundestagsabgeordneten wurden Bürgermeister von Gemeinden mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern und Richter an einem obersten Gerichtshof des Bundes angesehen. Die Jahresbezüge dieser Personengruppen wurden bisher nicht erreicht. Die Abgeordnetenentschädigung betrug seit dem 1. Januar 2008 monatlich 7.339 Euro und beträgt seit dem 1. Januar 2009 7.668 Euro. Die Entschädigungen sind einkommensteuerpflichtig. 

Darüber hinaus erhalten die Abgeordneten eine steuerfreie Kostenpauschale. Davon sind vor allem die Kosten für das Büro im Wahlkreis sowie für die Zweitwohnung und den Lebensunterhalt am Parlamentssitz zu bestreiten. Die Pauschale wird jährlich zum 1. Januar an die Lebenshaltungskosten angepasst. Sie belief sich im Jahr 2009 auf 3868 Euro im Monat. Dem Abgeordneten stehen überdies monatlich 14.712 Euro zu, um Mitarbeiter (Assistenten, Hilfskräfte) zu bezahlen. Der Abgeordnete erhält diese Summe nicht selbst, sondern die Bundestagsverwaltung bezahlt die von den Abgeordneten eingestellten Mitarbeiter unmittelbar. 

Die Einkünfte der Abgeordneten werden in der Öffentlichkeit immer wieder kritisiert. Unbestritten ist, dass die Abgeordneten einen Anspruch auf Entlohnung haben. Umstritten ist jedoch die Höhe der Einkünfte und die Tatsache, dass die Abgeordneten sie selbst beschließen. Letzteres ist jedoch in dem „Diätenurteil“ vom Bundesverfassungsgericht festgelegt worden. Die Entlohnung liegt weit über dem Durchschnittseinkommen, reicht aber nicht an die vieler freier Berufe (Ärzte, Rechtsanwälte) und von Angehörigen des mittleren Managements in der Wirtschaft (Abteilungsleiter, Leiter einer Bankfiliale) heran. Eine unabhängige Kommission kam 1990 zu dem Ergebnis, dass Entschädigung und Pauschale um 30–40 Prozent unter dem angemessenen Betrag liegen. Die Entschädigung ist von 1977 (7.500 DM) bis 2008 (7.339 Euro) um 91 Prozent erhöht worden; dieser Anstieg blieb hinter der allgemeinen Entwicklung der Einkommen zurück.

]]> Der Sozialstaat (Audio) https://bufib.de/der-sozialstaat/ Sat, 03 May 2014 22:01:43 +0000 http://bufib.de/?p=1446 https://dl.dropboxusercontent.com/s/2e4hhr6r5s0bt59/Der%20Sozialstaat.mp3

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Sozialstaat. Dies ist in Artikel 20 des Grundgesetzes geregelt: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat“. Der Sozialstaat ist neben der Menschenwürde und den Menschenrechten ein Grundpfeiler der „Freiheitlich Demokratischen Grundordnung“. Nach dem Sozialstaatsprinzip handelt es sich bei der Bundesrepublik Deutschland um einen demokratischen Staat, in dem sich Menschen zusammengeschlossen haben, um gemeinsam für Wohlstand und soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Jeder Bürger soll damit auch die Möglichkeit haben, sich aktiv an politischen und gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

Der Sozialstaat deckt alle für die Menschen wichtigen Lebensbereiche ab: Chancengleichheit, Armutsbekämpfung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit oder Kindererziehung. Um das Wohlergehen der Menschen in diesen Lebensbereichen sicherstellen zu können, muss der Staat finanzielle Mittel aufbringen. Einen Großteil dieses Geldes wird aus Steuereinnahmen finanziert, die die Bürger durch ihre Arbeitsleistung selbst aufbringen. Der Sozialstaat lebt vom Prinzip der Solidargemeinschaft. Er funktioniert nur, wenn die Bürger auch in schwierigen Zeiten füreinander einstehen. Der Staat sorgt dann dafür, dass die Mittel möglichst gerecht verteilt werden.

Der deutsche Sozialstaat: Beispiele des Leistungsspektrums Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Der deutsche Sozialstaat: Beispiele des Leistungsspektrums Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Geschichte des modernen Sozialstaates

Die Ursprünge des deutschen Sozialstaates liegen im 19. Jahrhundert. Der Begriff „Sozialstaat“ wurde jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg gebräuchlich. Im Zuge der Industrialisierung fand im 19. Jahrhundert eine große Abwanderung der Bevölkerung vom Land in die Städte statt. In den Städten wurden viele Arbeitskräfte benötigt. Obwohl die Industrialisierung einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeutete, profitierten nur die wenigsten Menschen davon. Für die Arbeiter verbesserten sich die Lebensumstände kaum. Sie mussten zwölf oder mehr Stunden am Tag arbeiten, lebten unter erbärmlichen Bedingungen, hatten keine geregelten Arbeitszeiten, und sogar Kinderarbeit war an der Tagesordnung. In den 1830er Jahren begannen sich die Arbeiter gegen ihre Arbeitsbedingungen aufzulehnen. Damit es nicht zu weiteren großen Aufständen kam, sorgte Reichskanzler Otto von Bismarck in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dafür, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter verbesserten, indem er eine Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung einführte. Die Kinderarbeit wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgeschafft, und 1927 eine Arbeitslosenversicherung eingeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Sozialstaat in seiner heutigen Bedeutung seine Verankerung im Grundgesetz. Doch spätestens in den 1980er Jahren zeigte sich, dass aufgrund verschiedener wirtschaftlicher, demografischer und sozialer Entwicklungen das System des Sozialstaates nicht mehr so aufrecht gehalten werden kann, wie ursprünglich gedacht. Eine dauerhafte hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Geburtenraten, die Wiedervereinigung, eine größere Zahl an Ein-Kind Familien, sowie auf internationalem Niveau der europäische Binnenmarkt und die Globalisierung brachten Löcher im Sozialstaat zu Tage. Diese konnte das System, wie 1949 erdacht, nicht mehr auffüllen. Darum wurden in den 1990er Jahren verschiedene Versuche unternommen, den Sozialstaat zu reformieren, unter anderem mit der Erhöhung der Krankenversicherungs- und Rentenbeiträge. Ende der 1990er Jahre fand schließlich mit der Einführung der Hartz-IV-Gesetze eine tief greifende Umwandlung des Sozialsystems statt. Seitdem haben sich zum Beispiel die Bedingungen verschärft, wann einem arbeitslosen Menschen Sozialleistungen zustehen und wann nicht.   

Rechtliche Grundlagen des Sozialstaates

Der Sozialstaat ist eine allgemeine Staatszielbestimmung in der Bundesrepublik Deutschland. Er ist in Art. 20 Abs. 1 mit „sozialer Bundesstaat“ und in Art. 20 Abs. 2 mit „sozialer Rechtsstaat“ benannt. Die Rechtsbegriffe „soziale Gerechtigkeit“ und „soziale Sicherheit“ definieren den Sozialstaat darüber hinaus noch genauer. Weitere Artikel des Grundgesetzes, die für den Sozialstaat relevant sind, betreffen Art. 1 Abs. 1 die Unantastbarkeit der Würde des Menschen, Art. 3 Abs. 1 das Recht auf Sozialleistungen und Art. 6 Abs. 1 der Schutz von Ehe und Familie. Daneben gibt es die drei Kernprinzipien der sozialen Sicherungssysteme: „Versicherungsprinzip“, „Fürsorgeprinzip“ und „Versorgungsprinzip“. Diese regeln die Rechte und Pflichten der Bürger gegenüber dem Staat und andersherum, die die Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates betreffen. Schließlich gibt es das Prinzip der „Subsidiarität“. Sie definiert das Verhältnis zwischen der Verantwortung des Individuums und der Verantwortung des Staates. Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie der Sozialstaat gestaltet werden sollte. Der deutsche Sozialstaat ist ein eher „konservativer“ Wohlfahrtsstaat. Charakteristisch für den konservativen Wohlfahrtsstaat ist, dass der Staat nur kurzfristig oder aus wichtigen politischen Gründen in die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Belange eingreift. Im „sozialdemokratischen“ Wohlfahrtsmodell, wie es in Skandinavien zu finden ist, kommt dem Staat eine viel größere Rolle zu, soziale Gerechtigkeit und eine niedrige Arbeitslosigkeit herzustellen. Im „liberalen“ Wohlfahrtsmodell hingegen, das vor allem in Nordamerika vorherrscht, hält sich der Staat möglichst aus der Wirtschaft und gesellschaftlichen Belangen heraus.

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Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland (Audio) https://bufib.de/die-freiheitlich-demokratische-grundordnung-der-bundesrepublik-deutschland/ Sat, 03 May 2014 22:00:08 +0000 http://bufib.de/?p=877 https://dl.dropboxusercontent.com/s/03it70anu5rr1up/Die%20freiheitlich-demokratische%20Grundordnung%20der%20Demokratie.mp3

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderaler Bundesstaat mit einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist fester Bestandteil des deutschen Grundgesetzes und wird sowohl in Art. 18 als auch in Art. 21 Abs. 2 des Grundgesetzes erwähnt. Deutschland versteht sich als ein Rechtsstaat mit einer „streitbaren“ oder „wehrhaften“ Demokratie, in der jeder Einzelne oder eine politische Partei sich für seine oder ihre Ziele einsetzen und sein/ihr Recht verteidigen darf, insofern er/ sie nicht die Grundrechte anderer beschneidet. Wichtige Bestandteile der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland sind die Achtung der Menschenrechte, die Unabhängigkeit der Gerichte, die Gewaltenteilung, das Mehrparteiensystem, die Verantwortlichkeit der Regierung gegenüber dem gesamten Volk und die Souveränität des Volkes.       

Geschichte der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung 

Die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland beruht auf den Erfahrungen der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Parlamentarische Rat, der 1948/49 für die Entstehung des Grundgesetzes verantwortlich war, bezog sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf die Aushöhlung des demokratischen Systems der Weimarer Republik, was schließlich in die Errichtung einer nationalsozialistischen Diktatur mündete. Diese geschichtlichen Entwicklungen sollten sich in der neu gegründeten Bundesrepublik auf keinen Fall wiederholen können. Das Prinzip der „wehrhaften“ Demokratie, die sich gegen alle anti-demokratischen Bestrebungen von Einzelnen oder Gruppen zur Wehr setzt, ist damit zum Grundpfeiler der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland geworden.

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Die Verteidigung der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung

Wenn es um die Wehrhaftigkeit der Demokratie in Deutschland geht, ist damit zumeist das Thema Parteienverbot gemeint. Dies klingt Paradox, ist doch das Parteienverbot vor allem eine Maßnahme, die in Diktaturen ergriffen wird. Es ist also nicht ein typisch demokratisches Mittel, um die Freiheit und Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Bisher wurde das Parteienverbot in der Bundesrepublik Deutschland zweimal angewandt. Erstmalig war das im Jahr 1952, als das Bundesverfassungericht ein Verbot der Sozialistischen Reichspartei (SRP) aussprach. Die SRP wurde als Nachfolgepartei der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands (NSDAP) gesehen und galt damit schon in ihrer Natur als verfassungswidrig. Eine weitere Partei, die verboten wurde, war die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) im Jahr 1956. Zur Zeit wird bereits zum wiederholten Male über ein mögliches Verbot der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) diskutiert. Weitaus häufiger als zu einem Parteienverbot ist es seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland zu Vereinigungsverboten gekommen. In Deutschland wurden seit 1951 über 100 rechtsextreme und religiös-extremistische Vereine verboten.

Freiheit und Sicherheit in der Demokratie

Bis heute gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie viel Freiheit eine „wehrhafte“ Demokratie ihren Bürgern zugestehen, und in wieweit die Freiheit des Einzelnen zum Vorteil der Sicherheit der Gemeinschaft beschnitten werden darf. Die einen meinen, dass eine Demokratie auch extreme Positionen wie Rechtsextremismus, religiösen Extremismus oder eine Leugnung des Holocausts aushalten können muss, da sie andernfalls nicht besser als eine Diktatur sei. Die anderen sehen das demokratische System selbst in Gefahr, wenn extreme, verfassungsfeindliche Positionen in einem Rechtsstaat zugelassen werden. Sie argumentieren, dass die Grundrechte des demokratischen Systems nicht dazu verwendet werden dürfen, genau dieses System zu unterlaufen. In den vergangenen Jahren ist das Thema, wie sich Freiheit und Sicherheit in der freiheitlich-demokratischen Grundordnung miteinander vereinbaren lassen, immer wieder Teil erhitzter Diskussionen gewesen. So haben zum Beispiel die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York zu den umstrittenen Sicherheitsgesetzen in Deutschland geführt, die mit umfangreichen Maßnahmen wie der Terrorismusabwehr, der Anti-Terror Datei, des biometrischen Reisepasses oder der Vorratsdatenspeicherung verbunden sind. Die einen sehen diese Sicherheitsgesetzte als einen wichtigen Schritt, die Sicherheit der Bürger in Deutschland zu verbessern. Die anderen sind der Meinung, dass sie durch diese Sicherheitsgesetze in ihren individuellen Freiheitsrechten beschnitten werden und lehnen sie deshalb ab. So ist zum Beispiel seit der Affäre um die Abhör- und Datenspeichermethoden der National Security Agency (NSA) in den USA, das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung auf den Prüfstand geraten.

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Die erste Nacht zum Freitag im heiligen Monat Rajab (Laylat al-Raghâ-ib) https://bufib.de/die-erste-nacht-zum-freitag-im-heiligen-monat-rajab-laylat-al-ragha-ib-heute/ Thu, 01 May 2014 14:18:55 +0000 http://bufib.de/?p=1550 Eine der heiligsten Nächte im Jahr ist die erste Nacht zum Freitag im heiligen Monat Rajab. Es ist eine Nacht der „Hoffnung und Wünsche“. Es ist eine Nacht der Bitte um Vergebung und eine besondere Zeit, um einen entschiedenen Schnitt im eigenen Leben zu machen, d.h. man sollte versuchen, sich in dieser Nacht zurückzuziehen, um die eigenen Sünden zu bereuen, eine spirituelle, innere Ruhe zu finden und dann sich selbst geloben, dass man den Makel ablegen und nur noch von dem Lichte der göttlichen Liebe kosten möchte.

Speziell für diese Nacht gibt es bestimmte überlieferte Handlungen, die man nicht verpassen sollte. 

Es ist empfohlen zwölf Gebetsabschnitte (rika’h) zu beten, d.h. sechs Gebete mit je zwei Gebetsabschnitten (ähnlich wie sechs Frühgebete). In jedem Gebetsabschnitt rezitiert man nach der Fatiha drei Mal die Sure al-Qadr (Sure 97; „Inna anzalnahu fi laylatil Qadr“) und zwölf Mal Sure al-Ikhlâs‘ (Sure 112, „Qul HuwAllahu Ah’ad“). Nach dem Beenden aller sechs Gebete (d.h. nach den zwölf Gebetsabschnitten) sollte man folgendes rezitieren, während man sitzen bleibt:

  • 70-mal„Allahumma S’alli a’la Muhammadinin-nabiyyil-ummiyi wa a’la Aalih“
  • Dann in der Niederwerfung (as-sujûd) rezitiert man 70-mal„Subbûh’un Quddûs rabbul malâ-ikati war-rûh’“
  • 70-mal im Sitzen„Rabbighfir war-h’am wa tajaawaz a’mmaa taa’-lam innaka antal a’lliyul aa’-z’am“
  • 70-mal in der Niederwerfung„Subbûh’un Quddûs rabbul malâ-ikati war-rûh’“

Damit wäre dieses Gebet beendet. Möge Allah, der Erhaben, Deine Gebete annehmen. 

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Bittgebete für jeden Tag im heiligen Monat Rajab https://bufib.de/bittgebete-fuer-jeden-tag-im-heiligen-monat-rajab/ Thu, 01 May 2014 12:46:02 +0000 http://bufib.de/?p=1546  Die folgenden Handlungen sind allgemeine, die für jeden Tag im heiligen Monat Rajab bestimmt sind:

1. Das folgende Bittgebet hat, gemäß der Überlieferung, Imam Zain al-A’bidîn (a) täglich in diesem heiligen Monat rezitiert:

Deutsch

„Im Namen Allahs des Gnädigen, des Barmherzigen. O! Derjenige, der die Herrschaft über die Erfüllung der Begehren derjeniger, die Dich anflehen hat! Und Der weiß was in den Herzen derjeniger ist, welche ruhig bleiben. Jede Bitte wird durch Dich erfüllt und für dessen Antwort ist vorgesorgt. O Allah! Deine Versprechen sind wahr, Deine Segen reiclich, und Deine Barmherzigkeit allumfassend. So flehe ich Dich an, segne Muhammad und die Familie von Muhammad und erfülle meine Begehren in dieser Welt und in der Welt die danach kommt. Wahrlich, Du hast die Macht über alles.

Transliteration

„BISMILLA HIR RAHMA NIR RAHIM „Ya man yamliku hawa2ijas-sa2ilina wa ya3lamu damiras-samitina. Li kulli mas2alatin minka sam3un hadirun wa jawabun 3ateedun Allahumma wa mawa3idukas sadiqatu wa ayadikal fadilato wa rahmatukal wase3atu fa 2as2aluka an tusalliya 3ala Muhammadin wa Aale Muhammadin wa an taqdiya hawa2ji liddunya wal Achirati innaka 3ala kulli schaiy2in Qadir.


2. Dieses Bittgebet hat Imam as-Sâdiq (a) täglich im heiligen Monat Rajab rezitiert:

Transliteration 

BISMILLA HIR RAHMA NIR RAHIM

Khabal Wafedoona `ala ghaireka wa khaseral muta arrezoona illa laka waza`al mullimmoona illa beka wa ajdabal muntaje`oona illa man intaja`a fazlaka baboka maftoohun lir raghebeena wa khairoka mabzoolun littalebeena wa fazloka mubahun lis-sa`eleena wa nailoka mutabun lil `aameleena wa rizqoka mabsootun leman  `asaka wa hilmoka mo`tarezun leman nawaka adatokal ehsano ilal musi-eena wa sabeelokal ibqa`o alal mo `tadeena.  Allahumma fadeni hudal mohtadeena warzuqni ijtehadal mujtahedeena wa la taj`alni minal ghafeleenal mub `adeena waghfirli yaumaddeen.


3. Dieses Bittgebet wird ebenfalls von Imam as-Sâdiq (a) überliefert: 

Deutsch

Im Namen Allahs des Gnädigen des Barmherzigen

O mein Allah! Ich flehe Dich um die Haltung und Selbstbeherrschung der Dankbaren, um die Bereitschaft der Behutsamen in Ehrfurcht vor der Ehrerbietung dir gegenüber, um den sicheren, gewissen Einsatz der Anbeter.

O mein Allah! Du bist der allmächtigste und ich bin Dein Diener, ein armer, elender Bedürftiger, Du bist der lobenswerte der genug hat, und über allen Bedürfnissen steht, und ich bin der bedeutungslose, unwichtige Abhängige.

O Allah, sende Segnungen auf Muhammad und auf die Kinder von Muhammad, zeige Deine Gnade und gewähre mir Deine Unterstützung, aufgrund Deiner grenzenlosen Zulänglichkeit in meiner Not; aufgrund Deiner Nachsicht bei meiner Unwissenheit; aufgrund Deiner Macht bei meiner Schwäche, O Mächtiger! O Allmächtiger! O mein Allah, sende Segnungen auf Muhammad und seine Nachkommenschaft, die anerkannten, lobenswerten Nachfolger und befreie mich von dem was mein Herz bricht und mich trübt mit Sorgen in weltlichen Angelegenheiten und über mein Schicksal am Tag des jüngsten Gerichts, o Allbarmherziger!

Transliteration

Bismillah al rahman al rahim. Allahumma inni as-aluka sabrasch-schakirina laka, wa 3amalal cha2ifina minka, wa yaqina al 3abidina laka. allahumma anta al 3aliyul 3azimu, wa-ana 3abduka alba2isul faqiru, anta alghaniyul hamidu, wa-ana al 3abdu althalilu. allahumma salli 3ala muhammadin wa-alihi wamnun bighinaka 3ala faqri, wabihilmika 3alai jahli, wabiquwwatika 3ala da3fi, ya qawiyyu ya 3azizu. allahumma salli 3ala muhammadin wa-alihi al-awsiya3il-mardiyyina, wak-fini ma ahammani min amrid-dunya wal 2akhirati ya arhama arrahimina.


4. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


5. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


6. Folgendes Bittgebet ist empfohlen jeden Tag im heiligen Monat Rajab zu rezitieren:


7. Von Imam as-Sâdiq (a) wird überliefert, dass man folgendes Bittgebet jeden Morgen und Abend und nach jedem Gebet im heiligen Monat Rajab rezitieren sollte:

Transliteration

BISMILLAHIR-RAHMAANIR-RAHEEM.  ALLAHUMMA SWALLI `ALAA MUHAMMADINW WA-AALI MUHAMMAD.

YAA MAN ARJOOHOO LIKULLI KHAYR WA-AAMANU SAKHATAHOO `INDA KULLI SHARR YAA MANYU`TIL-KATHEERA BIL-QALEEL YAA MANYU`TEE MAN SA-ALAH YAA MANYU`TEE MAN LAM YAS-ALHU WA-MAL-LAM YA`RIFHU TAHANNUNAM MINHU WARAHMAH A`TINEE BIMASALATEE IYYAAK JAMEE`A KHAYRID-DUNYAA WAJAMEE`A KHAYRIL-AAKHIRAH WASRIF `ANNEE BIMAS-ALATEE IYYAAK JAMEE`A SHARRID-DUNYAA WASHARRIL AAKHIRAH FAINNAHOO GHAYRU MANQOOSIN MAA A`TAYT WAZIDNEE MIN FADHLIKA YAA KAREEM

YAA DHALJALAALI WALIKRAAM    YADHANNI`MAAI WALJOOD   YADHAL-MANNI WATTAWL   HARRIM SHAYBATEE `ALAN-NAAR.


8. Mindestens 100 mal folgendes sagen:

„Astaghfirulaahallad’ee Laa ilaaha illaa huwa Wah’dahoo laa shareeka lahoo wa atoobu ilayh“


9. Folgendes 1000 mal im heiligen Monat Rajab sagen:

„Laa ilâha illAllah“


10. Folgendes 1000 mal im heiligen Monat sagen:

„Astaghfirullaha z’al-jalâli wal-ikrâm, min jamî‘ az‘-z’unûbi wal-âthâm“

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Europa 2014: Einführung in das Wahlsystem https://bufib.de/europa-2014-einfuehrung-in-das-wahlsystem/ Mon, 28 Apr 2014 18:25:08 +0000 http://bufib.de/?p=1537 Auch bei der achten Wahl zum EP gibt es kein einheitliches Wahlsystem in allen Mitgliedsstaaten, denn nach wie vor ist das Wahlrecht im Wesentlichen national geregelt. Es gelten nur ein paar wenige einheitliche Vorschriften, welche die Mitgliedsländer beachten müssen. 

Das heutige Europäische Parlament (EP) geht auf die Gemeinsame Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) zurück, begründet durch den 1951 unterzeichneten Vertrag von Paris. Die 78 Mitglieder der Versammlung bildeten die „Vertreter der Völker der in der Gemeinschaft zusammengeschlossenen Staaten“ (Art.21, 3 EGKSV), die von den Parlamenten der Mitgliedsstaaten entsandt wurden. 

Im EWG-Vertrag (unterzeichnet 1957) wurde im Art. 138 die Versammlung der sechs Mitgliedsstaaten damit beauftragt, „Entwürfe für allgemeine unmittelbare Wahlen nach einem einheitlichen Verfahren in allen Mitgliedsstaaten auszuarbeiten“. Aufgrund dieser Vorgaben verabschiedete die Versammlung bereits 1960 einen „Entwurf eines Abkommens betreffend die Wahl des EP in allgemeiner unmittelbarer Wahl“ und legte im Januar 1975 einen neuen Entwurf eines „Vertrags zur Einführung allgemeiner unmittelbarer Wahlen der Mitglieder des Europäischen Parlaments“ vor. 
Doch es sollte noch bis 1976 dauern, ehe der Rat im September den Rechtsakt über die Einführung allgemeiner unmittelbarer Wahlen zum EP erließ. Darin übernahm der Rat einige Vorstellungen aus den Entwürfen des Parlaments und harmonisierte die Bestimmungen vor allem in folgenden Punkten:

  • Die Mandatsdauer beträgt fünf Jahre;
  • es besteht das freie Mandat;
  • die Wahl der Abgeordneten zur Versammlung (EP) erfolgt zu einem festgelegten Termin, der für alle Mitgliedsstaaten in einem festgelegten Zeitraum von Donnerstagmorgen und dem unmittelbar nachfolgenden Sonntag liegt;
  • die Ermittlung des Wahlergebnisses erfolgt nach Abschluss der Wahl in allen Mitgliedsstaaten;
  • die konstituierende Sitzung des EP ist am ersten Dienstag einen Monat nach der Wahl;
  • es gibt eine generelle Unvereinbarkeit von Abgeordnetenmandat mit der Mitgliedschaft in der Regierung eines Mitgliedsstaats und von politischen Ämtern oder Verwaltungsämtern bei Institutionen der Gemeinschaft;
  • und es gibt eine prinzipielle Vereinbarkeit von europäischen Mandat und nationalem Mandat (Doppelmandat).

Wahlen zum EP: Frei, direkt, aber nicht gleich

Die Zielsetzung eines einheitlichen Wahlverfahrens blieb zwar bestehen, doch wurde faktisch mit dem Ratsbeschluss der individuellen Wahl jedes Mitgliedsstaats Rechnung getragen. Man suchte nach einem Wahlsystem, das im Interesse eines möglichst gleichen Stimmengewichts ein Höchstmaß an Einheitlichkeit gewährleisten, der politischen Kultur der Mitgliedsländer entsprechen und eine unmittelbare Beziehung zwischen Wählern und Gewählten herstellen sollte. 

Nachdem Großbritannien auch von seinem zunächst praktizierten Mehrheitswahlsystem abgerückt war, kamen die EG-Mitglieder zwar überein, das Verhältniswahlsystem anzuwenden. Dieses wird jedoch nach unterschiedlichen nationalen Anwendungsregeln praktiziert. 

So kennt das Wahlrecht in den Mitgliedsstaaten die Grundsätze allgemein, frei, geheim und direkt seit den ersten Direktwahlen 1979, den Wahlrechtsgrundsatz der Gleichheit erfüllt es jedoch nicht. Das aktive Wahlrecht setzt in fast allen Ländern mit 18 Jahren ein (in Österreich schon ab 16), während die Gewährung des passiven Wahlalters zwischen 18 und 25 Jahren differiert. Die Gleichheit scheitert an der Zusammensetzung des EP, das gemäß der „degressiven Proportionalität“ gestaltet ist. Staaten mit einer relativ geringen Einwohnerzahl sind überproportional stark im EP vertreten, während die Länder mit den höchsten Bevölkerungsanteilen unterrepräsentiert sind. 

Änderungen durch Reformen

Der EU-Vertrag, der die Unionsbürgerschaft begründet, garantiert den Unionsbürgern in Artikel 8 b Absatz 2 das Recht auf Teilnahme an den Wahlen zum EP in dem Mitgliedsstaat, in dem sie ihren Wohnsitz haben, ohne dessen Staatsangehörigkeit zu besitzen. Somit wurde erstmals für die vierten Direktwahlen zum EP 1994 den Unionsbürgern die Gelegenheit gegeben, ihre neuen Rechte wahrzunehmen und sich der EU durch den Wahlakt bewusst zu werden. Die Richtlinie 93/109/EG des Rats vom 6. Dezember 1993 regelt die Einzelheiten der Ausübung des aktiven und passiven Wahlrechts bei den Wahlen zum EP für Unionsbürger mit Wohnsitz in einem Mitgliedsstaat, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen. 

Die Richtlinie legt auch die erforderlichen Bedingungen für den Inhaber des aktiven und passiven Wahlrechts im Wohnsitzmitgliedsstaat fest: Unionsbürgerschaft, Wohnsitz am Ort der Wahl oder der Kandidatur; und die Erfüllung der für die Staatsangehörigen geltenden Bestimmungen des Wohnsitzmitgliedsstaats für das aktive und passive Wahlrecht. 

Inhaltlich zielt der Vorschlag darauf ab, den betroffenen Bürgern die Ausübung dieser Rechte zu erleichtern und geht von folgenden politischen Orientierungen aus: eine Minimalregelung, die sich jeglicher Harmonisierung der nationalen Rechtsvorschriften enthält; der Grundsatz der Nichtdiskriminierung zwischen in- und ausländischen Wählern bzw. Kandidaten; der Grundsatz der freien Auswahl des Mitgliedsstaats, in dem die betroffenen Unionsbürger ihr aktives und passives Wahlrecht ausüben; die Vermeidung doppelter Stimmabgabe und doppelter Kandidatur und die gegenseitige Anerkennung der Gründe für den Ausschluss vom Wahlrecht. 

Bestimmungen von Maastricht, Nizza und Lissabon

Auch der Maastrichter Vertrag sah in Art. 190 Abs. 4 EGV vor, dass das EP einen Entwurf für allgemeine, unmittelbare Wahlen nach einheitlichem Verfahren in allen Mitgliedstaaten ausarbeiten sollte. Doch mehrere vom EP vorgelegte Entwürfe scheiterten am Rat. 2002 änderte der Rat auf Vorschlag des EP die Bestimmungen über den Wahlakt von 1976, so dass für die Europawahlen von 2004 erstmals ein Verfahren nach gemeinsamen Grundsätzen galt: Einheitlich waren der Termin, das Verhältniswahlsystem auf der Grundlage von Listen (Ausnahme Nordirland und Irland, wo das Verhältniswahlsystem mit übertragbaren Einzelstimmen Anwendung fand) und die Bestimmungen über die Unvereinbarkeit eines Mandats im EP mit einem nationalen Mandat (Ausnahmeregelung für Großbritannien und Irland bis 2009). Regionalen Besonderheiten, z.B. sprachlichen Minderheiten, konnte durch Sonderbestimmungen Rechnung getragen werden. 

Die Mehrzahl der Regeln für Stimmabgabe und Wahl ist somit nach wie vor von Land zu Land verschieden.Dies betrifft zum Beispiel die Wahltermine und -zeiten, die Einteilung der Wahlkreise, die Bedingungen für das aktive Wahlrecht, die Frage der Altersgrenze für die Wählbarkeit der Kandidaten und die Sperrklauseln für die Parteien. Die Mehrzahl der Mitgliedsstaaten hat sich für einen einzigen Wahlkreis auf ihrem Staatsgebiet entschieden. 

Seit der Europawahl im Juni 2004 saßen bis Januar 2007 736 Abgeordnete aus den 25 Mitgliedsstaaten im Europäischen Parlament. Mit dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien am 1. Januar 2007 erhöhte sich die Gesamtzahl der EU-Abgeordneten bis zur Europawahl 2009 auf insgesamt 785. Entsprechend des Vertrags von Nizza reduziert sich die Zahl der Sitze im EP von derzeit 785 (2007) auf 736 (2009) für die 27 EU-Länder. Mit dem Breitritt Kroatiens 2013 erhöhte sich die Abgeordnetenzahl noch einmal auf 766 Mandate. Der Vertrag von Lissabon – der im Dezember 2009 in Kraft trat – sieht 751 Abgeordnete vor, wobei ein Staat mindestens mit sechs und höchstens mit 96 Repräsentanten vertreten sein kann.

aus: Bundeszentrale für politische Bildung, www.bpb.de

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Die Gaben Gottes an die Menschen (Kinder) https://bufib.de/die-gaben-gottes-an-die-menschen/ Sun, 27 Apr 2014 17:07:11 +0000 http://bufib.de/?p=1535 Es sagte einmal ein Lehrer zu den Schülern: „Wir wissen alle, dass Gott zu uns sehr gütig ist und Er hat uns alles, was wir im Leben brauchen, gegeben. Jetzt sagt mir: „Welches ist die wertvollste Gabe Gottes?“ 

Ein Schüler sagte: „Die Erschaffung der Luft, weil wir ohne Luft nicht leben können.“ Ein anderer sagte: „Die Erschaffung des Wassers, weil wir ohne Wasser nicht leben können.“ Ein dritter sagte: „Die Erschaffung der Nahrung, weil wir ohne Nahrung nicht leben können.“ Der vierte sagte: „Die Erschaffung der lieben Eltern, die sich um uns kümmern und sich für unser Wohl einsetzen.“ 

Der Lehrer sagte: „Ihr habt alle richtig geantwortet, dies alles ist Gottes Gabe. Aber es gibt über allem eines, das ist die Sendung Seiner Gesandten. Gott hat sie uns gesandt, um den Menschen die Gotteslehre zu bringen und ihnen den richtigen Weg des Lebens zu zeigen. Wenn die Menschen den Worten des Gesandten folgen, werden sie im Leben glücklich. Gott hat uns mit der Sendung Seiner Gesandten die größte Gabe erwiesen.“

Die wichtigsten Gesandten

  1. Noah (Nûh)
  2. Abraham (Ibrahîm)
  3. Moses (Mûsa)
  4. Jesus (Isa)
  5. Mohammad

Der Friede Gottes sei mit ihnen allen. Der Prophet Mohammad (s) ist der abschließende Prophet und hat die höchste Stellung unter allen Propheten und ist das beste Geschöpf.

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„Oh, lieber Gott“ (Bittgebet für Kinder) https://bufib.de/oh-lieber-gott-bittgebet-fuer-kinder/ Sun, 27 Apr 2014 16:21:17 +0000 http://bufib.de/?p=1518 Oh, lieber Gott, der Du uns geschaffen hast und uns viel Gutes geschenkt hast.

Oh, allwissender und allmächtiger Gott, Du bist zu allen lieb. 

Um die Mensch zu führen, hast Du ihnen viele Gesandte und Bücher gegeben. Du hast den Menschen vorgeschrieben, Gutes zu tun, um glücklich leben zu können.

Oh, Gott, Dich haben wir lieb, wir befolgen die Gebote Deiner Gesandten, Dich allein beten wir an, und Dich bitten wir um Hilfe.

Oh, Gott, hilf uns Gutes zu tun.

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Was gelehrt werden sollte (Teil 2) https://bufib.de/was-gelehrt-werden-sollte-teil-2/ Sun, 27 Apr 2014 14:35:45 +0000 http://bufib.de/?p=1513 Was gelehrt wird: Der Mobilletterdruck und die Druckmaschine wurden im 15. Jahrhundert im Westen von Johannes Gutenberg aus Deutschland erfunden.

Was gelehrt werden sollte: 1454 entwickelte Gutenberg die modernste Druckmaschine des Mittelalters. Der erste bewegliche Typ aus Messing war jedoch 100 Jahre zuvor im islamischen Spanien im Einsatz, und das ist dort, wo die ersten westlichen Druckgeräte hergestellt wurden. 

Was gelehrt wird: Isaac Newton’s Studie zu Linsen, Licht und Prismen aus dem 17. Jahrhundert bildet die Grundlage der modernen Wissenschaft der Optik.

Was gelehrt werden sollte: Im 11. Jahrhundert bestimmte al-Haitham (latinisiert auch als „Alhazen“ bekannt) praktisch alles, was Newton bezüglich der Optik früherer Jahrhunderte ergänzte, und wird von zahlreichen Instanzen als der „Gründer der Optik” angesehen. Es gibt ein wenig Zweifel daran, dass Newton von ihm beeinflusst wurde. Al-Haytham war der meist zitierte Physiker des Mittelalters. Seine Werke wurden im 16. Und 17. Jahrhundert von einer größeren Anzahl europäischer Gelehrter genutzt und zitiert, als dies bei denen von Newton und Galileo zusammen der Fall war.

Was gelehrt wird: Isaac Newton entdeckte im 17. Jahrhundert, dass weißes Licht aus verschiedenen farbigen Lichtstrahlen besteht.

Was gelehrt werden sollte: Diese Entdeckung wurde in ihrer Gesamtheit von al-Haytham (11. Jahrhundert) und Kamal ad-Din (14. Jahrhundert) gemacht. Newton sind zwar ursprüngliche (neue) Entdeckungen zuzuschreiben, aber dies war keine von ihnen.

Was gelehrt wird: Das Konzept der Massenerhaltung wurde erstmals von Antoine Lavoisier im 18. Jahrhundert eingeführt. Er entdeckte, dass, obwohl die Materie ihre Form oder Gestalt ändern kann, ihre Masse jedoch stets gleich bleibt. Wenn zum Beispiel Wasser zu Dampf erhitzt, Salz in Wasser gelöst oder ein Holzstück zu Asche verbrannt wird, bleibt die Gesamtmasse unverändert.

Was gelehrt werden sollte: Die Prinzipien dieser Entdeckung wurden zuvor vom großen muslimischen Gelehrten aus Persien „al-Biruni“ (gest. 1050) ausgearbeitet. Lavoisier war ein Schüler muslimischer Chemiker und Physiker und verwies häufig auf ihre Bücher.

Was gelehrt wird: Die Griechen waren die Entwickler der Trigonometrie.

Was gelehrt werden sollte:  Die Trigonometrie blieb bei den Griechen weitgehend eine theoretische Wissenschaft. Sie wurde von muslimischen Gelehrten auf ein Niveau moderner Perfektion gehoben, obwohl der bedeutende Anteil der Auszeichnung an al-Battani weitergereicht werden muss. Die Worte, die die Grundfunktionen dieser Wissenschaft beschreiben, Sinus, Cosinus und Tangens, wurden alle von arabischen Bezeichnungen abgeleitet.

Was gelehrt wird: Die tägliche Verwendung von Dezimalzahlen in Mathematik wurde zuerst von dem Holländer Simon Stevin im Jahr 1589 entwickelt. Er half den mathematischen Wissenschaften voran, indem er umständliche Brüche wie beispielsweise 1/2 mit Dezimalzahlen wie beispielsweise 0,5 ersetzte.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Mathematiker waren die ersten, die Dezimalzahlen anstelle von Brüchen in großem Maßstab nutzten. Al-Kashi‘s Buch, der Schlüssel zur Arithmetik, wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts geschrieben und war der Impuls für die systematische Anwendung der Nachkommastellen anstelle ganzer Zahlen und Brüche. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Stevin die Idee von al-Kashi’s Werk nach Europa brachte.

Was gelehrt wird: Der erste Mann, der algebraische Symbole verwendete, war der französische Mathematiker Francois Vieta. Im Jahre 1591 schrieb er ein Algebra-Buch, das Gleichungen mit Buchstaben wie den inzwischen bekannten x- und y-Variablen beschreibt. Asimov sagt, dass diese Entdeckung Auswirkungen hatte, die dem Fortschreiten von römischen Ziffern zu arabischen Zahlen ähnelt.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Mathematiker, die Erfinder der Algebra, führten das Konzept der Verwendung von Buchstaben für unbekannte Variablen in den Gleichungen bereits im 9. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung ein. Durch dieses System lösten sie eine Vielzahl komplexer Gleichungen, einschließlich von quadratischen und kubischen Gleichungen. Sie verwendeten Symbole, um den binomischen Lehrsatz zu entwickeln und zu perfektionieren.

Was gelehrt wird: Die schwierigen kubischen Gleichungen (x in der dritten Potenz) blieben bis zum 16. Jahrhundert ungelöst, bis Niccolo Tartaglia, ein italienischer Mathematiker sie löste.

Was gelehrt werden sollte: Kubische Gleichungen sowie zahlreiche Gleichungen noch höheren Grades wurden schon im 10. Jahrhundert von muslimischen Mathematikern gelöst.

Was gelehrt wird: Das Konzept, dass man mit Zahlen kleiner als Null rechnen kann war bis 1545, als Geronimo Cardano die Idee einführte, unbekannt.

Was gelehrt werden sollte: Muslimische Mathematiker führten negative Zahlen für den praktischen Einsatz in einer Vielzahl von Rechenfunktionen mindestens 400 Jahre vor Cardano ein.

Fortsetzung folgt…

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Das Gebet https://bufib.de/das-gebet/ Fri, 25 Apr 2014 16:01:59 +0000 http://bufib.de/?p=1496 Unter den Muslimen herrscht ein Konsens darüber, dass das „rituelle Gebet“ (as-salât) ein obligatorischer Bestandteil in den Gottesdiensten (al-i’badât) ist. Der Islam sieht, genauso wie die anderen monotheistischen Religionen, dass der Kern des Lebens die Verbindung zum Schöpfer ist. Ohne eine solche Verbindung kann der Mensch seinem eigentlichen Ziel: „der menschlichen Vervollkommnung“ nicht nachgehen. Eine Verbindung muss jedoch „gepflegt“ werden, sodass diese nicht unterbricht. Im Heiligen Quran heißt es daher auch in Bezug auf das Gebet: „… verrichte das Gebet, um Meiner zu Gedenken.“ (20:14). Das heißt nicht, dass Gott das Gebet des Menschen „nötig“ hätte, sondern im Gegenteil: der Mensch braucht das Gebet, so dass er wahrhaftig „leben“ kann. 

Das rituelle Pflichtgebet (as-salât al-wâjibah) ist folgendermaßen aufzuteilen:

  1. Das tägliche Gebet (as-salât al-yawmiyyah): Früh (al-fajr oder auch as‘-s’ubh‘), Mittag (al-dhuhr), Nachmittag (al-a’s’r), Abend (al-maghrib) und Spätabend (al-i’shâ´)
  2. Das Naturphänomen-Gebet (salât al-âyât)
  3. Das Gebet nach der Umrundung der Kabah (salât al-tawâf)
  4. Das Gebet des (älteren) Sohnes für die (verstorbenen) Eltern
  5. Das Totengebet (salât al-mayyit)
  6. Das Gebet, das durch einen Schwur (a’hd), Gelübde (naz’r) oder Eid (yamîn) verpflichtend wurde
  7. Das Nachholgebet (salât al-qad’â´), das durch das Versäumen, eines der verpflichtenden Gebete verpflichtend geworden ist.
  8. Das Freitagsgebet (salât al-jumu-a’h), wenn man es anstatt des Mittagsgebetes am Freitag verrichtet. Hier ist angemerkt, dass das Freitagsgebet ein „Wahlpflichtgebet“ ist, d.h. am Freitag kann man wählen, ob man das Freitagsgebet (mit den erforderlichen Voraussetzungen) verrichtet oder das Mittagsgebet (salât al-dhuhr)

Neben den rituellen Pflichtgebeten gibt es noch die empfohlenen (freiwilligen) Ritualgebete (as-salawât al-mustah’abbah), die, wie es der Name schon besagt, keine religiöse Verpflichtung (wujûb) haben, jedoch enormen Lohn (thawâb) beinhalten. Die freiwilligen, empfohlenen Gebete sind an sich nahezu unzählig, da sie entweder von Zeit (z.B. am Anfang eines Monats), Ort (z.B. beim Besuch einer Moschee) oder Begebenheit (z.B. bei dem Ersuchen einer bestimmten Angelegenheit) abhängig sind. Jedoch gibt es speziell überlieferte freiwillige Gebete, die in Verbindung zu den täglichen rituellen Gebeten stehen, die man auch als „Nafilah“ bezeichnet. Diese werden folgendermaßen verrichtet:

  1. Vor dem Frühgebet: zwei Gebetsabschnitte
  2. Vor dem Mittagsgebet: acht Gebetsabschnitte
  3. Vor dem Nachmittagsgebet: acht Gebetsabschnitte
  4. Nach dem Abendgebet: vier Gebetsabschnitte
  5. Nach dem Spätabendgebet: zwei Gebetsabschnitte (im Sitzen)
  6. In der Nacht, das sogenannte „Nachtgebet“ (salât al-layl): elf Gebetsabschnitte

Es werden immer jeweils zwei Gebetsabschnitte zusammen verrichtet und dann beendet. Wenn man also z.B. acht Gebetsabschnitte verrichten möchte, so verrichtet man vier Gebete mit jeweils zwei Gebetsabschnitten. 

  

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Barmherzigkeit für die Menschen: Beiträge zu den Menschenrechten im Islam
 https://bufib.de/barmherzigkeit-fuer-die-menschen-beitraege-zu-den-menschenrechten-im-islam%e2%80%a8/ Thu, 24 Apr 2014 12:44:00 +0000 http://bufib.de/?p=1488 In einem bekannten Bittgebet, welches von vielen Muslimen in den Abenden und Nächten des Fastenmonats Ramadan im Anschluss an das Pflichtgebet rezitiert wird, heißt es:

Oh Allah, erfreue die Leute der Gräber. Oh Allah, bereichere jeden Bedürftigen. Oh Allah, stille
den Hunger jedes Hungrigen. Oh Allah, bekleide jeden Unbekleideten. Oh Allah, tilge die
Schulden jedes Schuldners. Oh Allah, erleichtere jeden Bekümmerten. Oh Allah, lasse jeden
Fremden (Reisenden) zurückkehren (in seine Heimat). Oh Allah, befreie jeden Gefangenen. Oh
Allah, Verbessere jeden Fehler in den Angelegenheiten der Muslime. Oh Allah, heile jeden
Kranken! Oh Allah, stille unsere Armut durch Deinen Reichtum. Oh Allah, ändere unseren
schlechten Zustand zu einem Guten durch Deine Vorzüglichkeit. Oh Allah, erleichtere uns von
den Schulden, und hilf uns gegen Armut, wahrlich, Du bist zu allem fähig.


Die Überlieferungskette dieses Bittgebets führt zum Propheten des Islam, Mohammed ibn Abdullah, der dieses Bittgebet nicht nur niederschrieb, sondern auch selbst rezitierte und die Menschen zur Nachahmung aufforderte. Es ist somit Teil des mohammedanischen Erbes. Zu betonen ist, dass eine vom Propheten Mohammed selbst angeordnete, vorgenommene oder empfohlene Handlung islamischen Rechtscharakter erhält und unter eine der beiden islamischen Rechtsebenen, namentlich der Sunna, fällt. Die andere Ebene ist die durch den Propheten Mohammed verkündete göttliche Offenbarung, der Qur’an. Dieser kurze gedankliche Spaziergang in die Grundlagen des islamischen Rechts soll verdeutlichen, dass dem islamischen Bittgebet und (wegen) seiner Inhalte eine beachtliche Bedeutung zuzumessen ist. Durch das Bittgebet soll der Betende u.A. über sich, seine Existenz, seine täglichen Handlungsweisen, sein Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt, und seinem Verhältnis zu seinem Schöpfer reflektieren. Das Bittgebet stellt folglich eine seelische Stütze für den Betenden dar, der als Mensch aus seiner natürlichen Veranlagung getrieben, stets bemüht ist, die nächsthöhere Stufe im individuellen menschlichen Seinsprozess zu erreichen. In den Bittgebeten, wie in diesem Beispiel verdeutlicht, wendet sich der Betende nicht nur im Eigeninteresse an Gott: Er bittet um Abwendung des Schlechten, des Bösen, der Krankheit, der Gefangenschaft, der Flucht und des Hungers auch von anderen-von allen anderen. Der Betende richtet das Gebet in Stellvertreterschaft aller, ohne Einschränkungen! Dies ist ein Indiz von vielen für die Seele und den Charakter der mohammedanischen Botschaft, die die Muslime prägt, und ihrem Schatten und von ihr angetrieben, die Muslime in
homogenen als auch in kulturell, religiös und ethnisch vielfältigen Umwelten agieren sollten. Die mohammedanische Lehre formt den Menschen zum Beihelfer und Unterstützer aller Unterdrückten dieser Welt!

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Warum sucht man eine Religion? https://bufib.de/warum-sucht-man-eine-religion/ Wed, 23 Apr 2014 15:08:54 +0000 http://bufib.de/?p=1481 Die Frage, die einem sicher als erstes in den Kopf kommt ist: Warum sollten wir über eine Religion oder über Gott nachdenken und wie können wir mehr über „Ihn“ kennen lernen?

Wir alle wollen schon seit eh und je die Wahrheit darüber wissen, was es mit dieser Welt, diesen unzähligen, wunderschönen Sternen, den unterschiedlichsten Kreaturen, den verschiedenen Vogelarten, unterschiedlichen Fischen, Seen, Meeren, Blumen und Pflanzen auf sich hat.

Sind all diese Dinge aufgrund ihres freien Willens entstanden oder sind all diese schönen Dinge von einem Experten, einem mächtigen „Zeichner“ gemalt worden?

Die ersten Fragen, die uns dazu in den Sinn kommen sind: Woher kommen wir? Wo sind wir? Wohin gehen wir? Wie glücklich wären wir doch, wenn wir eine Antwort auf diese drei Fragen hätten. Unser „Ich“ sagt uns, dass wir uns selber auf den Weg machen müssen, um diese Fragen zu beantworten.

Am folgenden Beispiel, kann man diese Situation sehr gut nachempfinden. Man stelle sich vor, jemand hat einen Autounfall und diese Person verletzt sich und wird daraufhin ohnmächtig. Um diese Person zu retten, bringt man sie ins Krankenhaus, so dass die verletzte Person versorgt werden kann. Wenn Person dann aufwacht und sich ein wenig erholt hat, ist das erste was sie sich fragt: „Wo bin ich? Warum wurde ich hierher gebracht? Wann werde ich diesen Ort verlassen?“

Genauso, wie diese Person, fragt sich der Mensch auf dieser Welt dieselben Fragen. Es liegt in der Natur des Menschen, nach diesen Antworten zu suchen. Einige Wissenschaftler und Psychologen meinen, dass die Religiosität ein natürlicher Trieb des Menschen sei. Sie nennen diesen Trieb „religiöses Bewusstsein“. Jedoch kann sich der ein oder andere die Frage stellen, weshalb dann nicht alle Menschen „religiös“ sind oder an den einen Gott glauben. Mit diesem Trieb bzw. dieser angeborenen Veranlagung des Menschen, ist nicht gemeint, dass sich diese auch bei jedem Menschen entfaltet und verwirklicht. Zum Beispiel kann jemand das Talent der Mathematik haben, aber d.h. noch lange nicht, dass diese Person ein großer Mathematiker wird und vielleicht den Nobelpreis gewinnt. Es kann nämlich sein, dass diese Veranlagung verschüttet, verloren und vergessen im Inneren dieser Person bleibt und unentwickelt verschwindet. Aber warum? Einige Gründe wären z.B. schlechte soziale, pädagogische und andere negative Einflüsse. Jedoch ist es oft so, dass sich der Mensch selbst, wie möglicherweise aus Faul- oder Trägheit, von diesem Weg abwendet.

Man stelle sich nun vor, man ist bei einem Ausflug und man kommt an eine Kreuzung einer Straße, bei der einem alle warnen dort stehen zu bleiben, weil bekannt ist, dass es dort sehr gefährlich ist. Jeder lädt dazu ein, seinen Weg zu gehen, weil dieser der sicherste sei. Eine Gruppe sagt, der östliche sei der sicherste Weg nach Hause zu kommen, eine andere Gruppe sagt, dass der westliche der beste sei, dass dies der einzige Weg sei, der zu Sicherheit führe und dies der schnellste Weg sei, um das warme und friedliche Zuhause erreichen zu können.

Würde diese Person einen Weg wählen, ohne diese genau zu studieren? Würde unser „Ich“ es gestatten einfach stehen zu bleiben, ohne einen dieser Wege auszuwählen? Mit Sicherheit nicht.

Unser „Ich“ und unser Verstand würden uns sagen, dass wir sofort damit beginnen müssen, die Gruppen genau anzuhören und den Weg aussuchen, der die meistens logischen und korrekten Gründe (Beweise) aufzeigt, um das „Zuhause“ sicher zu erreichen. Man würde der Gruppe glauben, die die Wahrheit spricht und die überzeugendsten Gründe nennt seinen Weg zu gehen.

In dieser Welt haben wir dieselben Bedingungen. Wir haben genauso verschiedene Religionen und Denkschulen, die uns dazu einladen ihren Weg zu gehen, jedoch hängt es ganz von dem Studieren dieser Wege ab, ob man eine richtige oder falsche Wahl trifft.

Der Mensch ist regelrecht dazu verpflichtet einen Weg auszuwählen, um sicher „nach Hause“ zu kommen, denn wenn nicht, würde man vielleicht von einem anfahrenden Auto an der Kreuzung verletzt oder sogar überfahren werden. Dies ist ein weiterer Grund, was den Menschen dazu einlädt bzw. veranlasst nach dem mächtigen „Zeichner“ der Welt, dem Schöpfer von allem zu suchen.

Im Koran steht: „…So gib frohe Botschaft Meinen Dienern, die auf das Wort hören und dann dem Besten davon folgen. Das sind diejenigen, die Allah recht leitet und das sind diejenigen, die Verstand besitzen.“ (Sure 39, Vers 17-18)

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Was ist Religion? https://bufib.de/was-ist-religion/ Wed, 23 Apr 2014 14:46:05 +0000 http://bufib.de/?p=1479 Um besser zu verstehen was der Islam ist, sollte zu aller erst geklärt werden was Religion an sich bedeutet.

Schon seit Urzeiten hat der Mensch an etwas „Übernatürliches“ geglaubt, an das er sich festhalten kann in Gefahrensituationen, in Situationen der Angst oder bei schlechter Ernte. Dieses „Phänomen“ können wir nicht erst seit der Zeit der großen philosophischen Denker wie Aristoteles, Sokrates, Voltaire, Descartes oder Kant feststellen, sondern schon seit den frühsten Urkulturen, die nichts anderes im Kopf hatten, außer das Überleben. Jedoch nennen die Wissenschaftler diese Erscheinungen nicht Religion, sondern Natur-Religionen oder primitive Religionen.

Das arabische Wort für Religion ist „deen“ und ist gleichbedeutend mit Gehorsam („ta-a`h“) und Belohnung („jaza‘“). Fachwörtlich kann man sagen, dass Religion, „der Glaube an den Schöpfer von Mensch und Universum und an die Lehren und praktischen Bestimmungen, die an diesen Glauben gebunden sind“.

Religion bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die himmlischen Religionen wie das Judentum, das Christentum oder der Islam, sondern bezieht sich auch auf menschliche Erfindungen, wie zum Beispiel der Konfuzianismus oder der Buddhismus. Im Koran wird dieses auch sehr deutlich erwähnt:

Euch eure Religion und mir meine Religion.“ (Sure 109, Vers 6)

Es gibt zwar viele Religionen und Weltanschauungen auf dieser Welt, jedoch kann man sie alle in zwei Hauptkategorien unterteilen:

  • göttliche Weltanschauungen
  • materialistische Weltanschauungen

 Und aus der Sicht des Islam kann man noch spezifischer in zwei unterteilen:

  • monotheistische Religionen (al-adyan al-tawh’idiyyah)
  • beigesellende (polytheistische) Religionen (al-adyan al-muschrikah)

 Die monotheistischen Religionen sind die ursprünglichen und wirklich himmlischen Religionen. Es gibt drei universelle Gemeinsamkeiten:

  •  Glauben an den einen Gott
  • Glauben an ein ewiges Leben im Jenseits mit Vergeltung der Taten, die man in diesem Leben vollbracht hat
  • Glauben an die Erweckung der Propheten und Gesandten

Wogegen die beigesellenden Religionen ein Ergebnis der Menschen sind. Es ist eine Entstellung der himmlischen Religionen und eine Ausübung individueller Begierden.  Letztendlich kann man sagen, dass im Zentrum aller Religionen etwas „Übermenschliches“, ein Heiliger oder Gott im Mittelpunkt steht.

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Was gelehrt werden sollte! (Teil 1) – Audio https://bufib.de/was-gelehrt-werden-sollte-teil1/ Tue, 22 Apr 2014 22:25:48 +0000 http://bufib.de/?p=1468 Hier geht es zur Einleitung der Reihe „Was gelehrt werden sollte“.

 

Was gelehrt wird: Die erste Erwähnung eines Mannes beim Flug stammt von Roger Bacon, der Flugapparate zeichnete. Auch Leonardo da Vinci stellte sich den Lufttransport vor und zeichnete verschiedene Prototypen. Und Eilmer von Malmesbury (11. Jahrhundert n. Chr.) soll der erste Flug gelungen sein.

Was gelehrt werden sollte: Der aus dem islamischen Spanien stammende Abbas ibn Firnâs erfand, konstruierte und testete im 9. Jahrhundert n. Chr. eine Flugmaschine. Roger Bacon erfuhr aus arabischen Verweisen auf Ibn Firnâs Maschine von Flugmaschinen. Deren Erfindung ging der von Bacon rund 500 Jahre und der von da Vinci rund 700 Jahre voraus.

Interessant an dieser Geschichte ist folgendes: Abbas ibn Firnâs, der um 810 n. Chr. geboren und um 888 n. Chr. gestorben ist, hat einen Flugapparat gebaut, mit dem er von einem Hügel in Córdoba (Spanien) einige hundert Meter geflogen ist. Bei dem Versuch der Landung hat Ibn Firnâs sich beide Beine gebrochen und hat die „Bruchlandung“ auf eine fehlende Schwanzfeder in der Konstruktion zurückgeführt. Ok. Nun zur „Erfindung“ von Eilmer von Malmesbury. Was wird uns da überliefert? Um das 11. Jahrhundert soll er ebenfalls ein paar hundert Meter geflogen sein, wobei er sich auch „beide Beine“ brach. Genauso wie bei Ibn Firnâs. Auch Malmesbury findet den Übeltäter seiner Bruchlandung: ein fehlender „Heckflügel“. Ein fast identisches „Schicksal“, nur dass die westlichen Wissenschaftler meinen, dass Abbas ibn Firnâs sehr „unwahrscheinlich“ das Vorbild für den Flugversuch Eilmer von Malmesburys gewesen wäre. Das Schmunzeln überlassen wir dem Leser.

Was gelehrt wird: Spiegel aus Glas wurden erstmals im Jahr 1291 in Venedig produziert.

Was gelehrt werden sollte:  Spiegel aus Glas waren im islamischen Spanien schon im 11. Jahrhundert im Einsatz. Die Venezianer lernten die Kunst der edlen Glasproduktion im 9. und 10. Jahrhundert von syrischen Handwerkern.

Was gelehrt wird: Bis zum 14. Jahrhundert war der einzig verfügbare Uhrentyp eine Wasseruhr. Im Jahr 1335 wurde eine riesige mechanische Uhr in Mailand in Italien aufgestellt. Diese war möglicherweise die erste Gewichtsuhr.

Was gelehrt werden sollte: Eine Vielzahl mechanischer Uhren wurde von spanischen muslimischen Ingenieuren sowohl in kleiner als auch großer Ausführung produziert, und dieses Wissen gelangte durch lateinische Übersetzungen islamischer Bücher über die Mechanik nach Europa. Diese Uhren wurden von Gewichten angetrieben. Das Design und Illustrationen von Planetengetrieben und Segmentverzahnungen standen zur Verfügung. Eine solche Uhr enthielt eine Quecksilberhemmung. Letztere wurde im 15. Jahrhundert direkt von den Europäern kopiert. Außerdem erfand der aus dem islamischen Spanien stammende Ibn Firnas laut Will Durant im 9. Jahrhundert ein uhrenähnliches Gerät, das akkurat den Takt hielt. Die Muslime konstruierten für den Einsatz in ihren Observatorien auch eine Vielzahl höchst präziser astronomischer Uhren.

Was gelehrt wird: Im 17. Jahrhundert entwickelte Galileo im Teenageralter das Pendel. Er nahm das Schwanken eines Kronleuchters wahr, der sich aufgrund des wehenden Windes bewegte. Infolgedessen ging er nach Hause und erfand das Pendel.

Was gelehrt werden sollte: Das Pendel wurde im 10. Jahrhundert von Ibn Yunus al-Masri entdeckt, der als Erster dessen Schwingungsbewegung studierte und dokumentierte. Sein Wert für den Einsatz in Uhren wurde im 15. Jahrhundert von muslimischen Physikern präsentiert.

Fortsetzung folgt…

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Das Wunder der muslimischen Wissenschaftler: „Was gelehrt werden sollte!“ (Einleitung) – Audio https://bufib.de/das-wunder-der-muslimischen-wissenschaftler-einleitung/ Tue, 22 Apr 2014 22:20:11 +0000 http://bufib.de/?p=1465 https://dl.dropboxusercontent.com/s/ujehxutm1210b90/Was%20gelehrt%20werden%20sollte_Einleitung.mp3

Der Gedanke, dass die Wissenschaften wie Medizin, Chemie, Biologie, Mathematik, Physik, Astronomie und viele mehr, ausschließlich Produkte westlicher Denkweisen und Wissenschaftler sind, wird von den meisten Menschen nicht in Frage gestellt. Eine Überprüfung eines beliebigen „Standardtextes“, ein Blick in eine beliebige Enzyklopädie zur Geschichte der Wissenschaft oder einfach nur das Durchblättern eines gewöhnlichen Schulbuches, das sogar den curricularen Vorschriften entspricht, würde diese Auffassung unterstützen. Beim Durchlesen dieser Bücher wird offensichtlich, dass fast ausnahmslos die einzigen Mitwirkenden „Erfinder“ Europäer oder Amerikaner sind. Es ist wohl kaum notwendig, die oft erwähnten Namen zu wiederholen: Galileo, Kopernikus, Kepler, Bacon, Newton, da Vinci, Benjamin Franklin, usw. Die unvermeidbare Schlussfolgerung ist, dass der Umfang maßgeblicher Beiträge anderer Kulturen zur Entwicklung der modernen Wissenschaften gering ist. Die meisten Texte erwähnen die Fortschritte, die durch die alten indischen, chinesischen oder insbesondere muslimischen Gelehrten erzielt wurden, kaum oder überhaupt nicht. Die westliche Zivilisation hat natürlich auch unschätzbare Beiträge zur Entwicklung der Wissenschaften geleistet, dagegen ist nichts auszusetzen. Allerdings haben dies auch zahlreiche andere Kulturen getan. Was an dieser Stelle jedoch zu bedauern ist, ist die Tatsache, dass sehr viele Namen, die wir aus dem Schulunterricht oder aus TV-Dokumentationen kennen, eigentlich nicht die ursprünglichen Entdecker „ihrer“ Erfindungen waren, sondern nur von den Entdeckungen und Schlüssen der vielen muslimischen Wissenschaftlern, die weit vor jenen gelebt hatten, profitierten. Folglich wurden viele Grundlagenwissenschaften von Nicht-Europäern erfunden bzw. revolutioniert. George Sarton erklärt beispielsweise, dass die moderne westliche Medizin nicht aus Europa stammt, sondern ihren Ursprung im (muslimischen) Orient hat.   

Die Angaben in dieser Reihe über Daten, Namen und Themen der westlichen Fortschritte wurde aus drei Quellen abgeleitet: World Book Encyclopedia, der Encyclopædia Britannica und Isaac Asimovs Buch „Chronology of Science and Discovery“ (übersetzt: Chronologie der Wissenschaft und Entdeckung).

Und nun viel Spaß mit der neuen Reihe „Was gelehrt werden sollte!“

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Verloren – Gefunden (Audio) https://bufib.de/verloren-gefunden/ Tue, 22 Apr 2014 22:14:27 +0000 http://bufib.de/?p=1135

Zur Hadschzeit ging es in Mekka besonders bunt und turbulent zu. Von nah und fern kamen Leute in die Stadt. Es wurde gekauft und verkauft, die Händler machten gute Geschäfte, Versammlungen fanden statt, Liederabende und Dichterwettbewerbe, Reden und Vorträge wurden gehalten, ganz abgesehen vom Besuch der Kaaba, der allen ein selbstverständliches Anliegen war.

Nun gab es in Mekka Regelungen, die von allen zu respektieren waren, ebenso wie in der Steppe die verschiedenen Stammessitten und Bräuche herrschten, die unbedingt eingehalten werden mussten. Während der Hadsch-Tage waren zum Beispiel Krieg und Kampf verboten und keiner durfte in dieser Zeit eine Fehde mit anderen austragen. Das war allgemein bekannt. Dennoch war es nicht so einfach, für Sicherheit und Ruhe in der Stadt zu sorgen. Wie an jenem Tag…

Morgens war noch alles friedlich, Abdul Mutalib und die anderen waren im Rafadah Verein mit ihren Arbeiten beschäftigt. Mit einem Male drang von irgendwo vom Marktplatz her Gelärme zu ihnen herüber. Ein Mann rief mit lauter Stimme nach Abdul Mutalib und beschwerte sich über etwas. Einige, die nichts Wichtigeres zu tun hatten, drängten sich um ihn. Man führte ihn zu den Rafadah- Leuten. Er ging kurzerhand nach vorn, vor Abdul Mutalib saß und sagte: „Guten Tag! Guten Tag, ihr Männer von Mekka. Mir wurde gesagt, dass ihr zu den Großen der Stadt gehört. Aber, aber…. Was geht hier bei euch vor?! Was? Ich soll mich nicht so aufregen? Wie kann ich das, frage ich euch! Wie kann ich schweigen und meine Ruhe bewahren?! Ich bin aus der Steppe und weit von meinem Stamm und meiner Familie entfernt! Niemand ist hier, der mir bestünde! Abdul Mutalib rief ihn freundlich zu sich heran und sprach: „Es kommt alles in Ordnung! Mach dir keine Sorgen! Nur, sag mir jetzt, worum es geht, damit ich dir helfen kann!“

Der Mann entgegnete aufgebracht: „Worum es geht? Was geschehen ist? Was soll schon geschehen sein! Diebe in eurer Stadt haben mich bestohlen und mir mein gesamtes Hab geraubt. Nun sitzen sie da in ihrem Versteck und lachen sich ins Fäustchen! Jawohl, meinen Geldbeutel haben sie entrissen, und nun stehe ich völlig mittellos da! Ich wollte ein paar Geschenke für meine Kinder kaufen, doch nun habe ich nichts mehr, nicht mal mehr soviel, dass ich meinen Hunger hier in der Fremde stillen kann! Oh, ich armer Schlucker! Ich weiß nicht, Mekka muss voller Diebe sein! Wir beschützen draußen in der Steppe eure Karawanen, ihr aber lasst uns in euer Stadt das Hemd vom Leibe fortstehlen!“

Abdul Mutalib entgegnete ruhig, aber energisch: „Erstens bist du in unserer Stadt unser Gast, und wir kommen für dich auf solange du hier bei uns bleibst. Zweitens: Unsere Stadt ist nicht voller Diebe! Rede nicht so dreist daher! Es ist nicht notwendig, dass du schlecht über uns redest. Es ist dir Geld gestohlen worden. Nun gut, doch du weißt selbst, dass wir nicht für jeden Geldbeutel einen Wächter abstellen können. Soviel Leute stehen uns gar nicht zur Verfügung! Ein jeder muss selbst auf seine Sachen aufpassen. Allerdings…, wir bemühen uns, die Diebe zu finden und zu bestrafen. Ein Dieb ist gewöhnlich jemand, den die Leute als solchen nicht kennen und der normalerweise nicht ein Schild um den Hals hängen hat, auf dem steht: Leute! Aufgepasst! Ich bin ein Dieb! Es ist also nicht unsere Schuld, dass dir was gestohlen wurde. Dennoch, wenn dein Geld nicht gefunden wird, werden wird dir den Verlust ersetzen…. Selbstverständlich wollen wir keinen Diebstahl in unserer Stadt, doch was können wir machen?! In jeder Stadt gibt es Diebe. Ich weiß nicht, welchem Stamm du angehörst, hier aber gehört alles allen! In diesen Hadschtagen sind alle – Freunde und Feinde – unsere Gäste. Doch nun sag, wie dein Geldbeutel aussieht? Woran ist er zu erkennen? Wie viel Geld war in ihm und welcher Art war es?“

Der Mann aus der Steppe antwortete: „Ich bin ganz ausgetrocknet! Gäbe es doch ein wenig Wasser hier!“

Die Männer lachten und sagten: „Trinkwasser möchtest du? Natürlich kannst du Wasser haben! Wir schlachten Hunderte von Kamele für die Leute und versorgen alle mit Brot und Fleisch, da wird ja wohl auch an Wasser für sie gedacht worden sein! Sei unbesorgt, wir werden dir sofort Wasser bringen!“

Muhammad war zu jener Zeit sieben Jahre alt. Er lief und holte schnell eine Schale mit Wasser herbei, die er dem Mann reichte. Diese trank und meinte: „Das hast du gut gemacht, Junge! Mögest du lange leben! Was aber mein Geld anbelangt, so wisset: Es befand sich in einem gewebten Säckchen aus gelber Wolle, das ich oben mit einem schwarzen Band verschlossen hatte. Siebzig Gold Dinar befanden sich in ihm, hundert Silber – Dirham und ein wenig Kleingeld. Gestern Abend hatte ich es noch. Der Geldbeutel steckte in der Tasche meines Gewandes, und geschlafen habe ich neben meinem Kamel. Ich weiß nicht, wer mich bestohlen hat, ich jedenfalls habe nichts von dem Diebstahl bemerkt!“

„Es kann durchaus sein, dass dein Geldbeutel nicht gestohlen wurde, sondern du ihn verloren hast“, entgegnete Abdul Mutalib. „Rede nicht dauernd von Diebstahl und Dieben, denke stattdessen genauer nach! Wir werden jedenfalls etwas unternehmen, sei unbesorgt! Geht nun dort ins Gasthaus, iss dich satt und ruhe dich aus. Morgen komm wieder her zu uns. Wir werden sehen, was wir inzwischen machen können. Auf jeden Fall lassen wir dich nicht mit leeren Händen heimreisen!“

Der Mann beruhigte sich. Der kleine Muhammad aber begann unruhig zu werden. Er meinte, den Geldbeutel irgendwo gesehen zu haben, konnte ich sich aber nicht daran erinnern, wo und an welcher Stelle. Am frühen Morgen, als er das Haus verlassen hatte und mit einigen Kindern zum Bazar gegangen war, hatte einer der Jungen etwas vom Boden aufgehoben und schnell in die Tasche seines Hemdes gesteckt. Es schien von gelber Farbe gewesen zu sein. Doch sicher war Muhammad sich nicht, dass es sich um den Geldbeutel dieses Mannes gehandelt hatte. Jedenfalls sah er sich nun verpflichtet, der Sache auf den Grund zu gehen. Von seinem Großvater Abdul Mutalib erhielt er die Erlaubnis dazu, und so machte er sich auf dem Weg zum Hause des besagten Jungen. Aus dem Haus drang der Lärm spielender Kinder zu ihm her. Muhammad rief den Jungen. Er hieß Maad. Als er kam, fragte er ihn ganz leise: „Maad, weißt du was? Ein Mann aus der Steppe hat seinen Geldbeutel verloren und diesen Verlust dem Rafadah Verein gemeldet. Maad, ich habe nichts gesagt, aber es ist möglich, dass das, was der Mann verloren hat, genau das ist, was du heute Morgen gefunden hast.“ Maad antwortete stotternd: „ Aber ich habe doch gar nichts gefunden! Überhaupt, ich bin den ganzen Tag noch nicht draußen gewesen! Was sagst du da eigentlich?“ Er machte eine kleine Pause, dann meinte er verlegen:

„Weißt du, Muhammad, das, was ich heute Morgen fand, war ein kleines Beutelchen mit Geld. Komm, du sollst auch etwas davon bekommen.“

„Nein“, erwiderte Muhammad, „Maad, wie kannst du nur solch einen Vorschlag machen! Das wäre sehr hässlich von uns, wenn wir das täten! Wir können doch nicht etwas für uns behalten, was uns gar nicht gehört! Wenn das Geld von jenem Mann ist, so müssen wir es ihm zurückgeben, und wenn es nicht von ihm ist, so heißt das, das wir den rechtmäßigen Besitzer finden müssen!“

Erregt und besorgt – man spürte ganz deutlich, dass er ein schlechtes Gewissen hatte -meinte Maad: „Ich bin bereit, die Hälfte des Geldes dir zu geben, allerdings nur unter der Bedingung, dass du niemanden davon erzählst!“

„Nein, das kann ich nicht“ rief Muhammad, „was anderen gehört, gehört nicht uns! Willst du, dass ich lüge und bei deinem Betrug mitmache? Das ist unmöglich! So etwas dürfen wir nicht tun! Ich werde alles, was ich weiß meinem Großvater sagen!“ Inzwischen waren die anderen Kinder ebenfalls hinzugekommen. Sie sagten: „Muhammad, was willst du von uns? Willst du Streit anfangen? Wer hat dich überhaupt gefragt, ob du etwas weißt oder nicht? Misch dich gefälligst nicht in Angelegenheiten an, die dich nichts angehen! Oder ist dir das Geldsäckchen anvertraut worden? Wenn du etwas haben willst von dem gefunden Geld…, die Hälfte oder auch alles, so sag es ruhig. Überhaupt, du kannst alles haben, wir werden es dir überlassen, und du kannst uns dann soviel abgeben, wie du möchtest! Alles andere ist deins! Mach nur kein Geschrei! Halte den Mund und erzähle bloß nichts weiter!“

Muhammad entgegnete: „Nein, ich bin nicht einverstanden. Wir müssen feststellen von wem der Geldbeutel ist! Wenn wir etwas finden, was uns nicht gehört, so haben wir es dem Eigentümer zurückzugeben!“ Da drohten die Jungen: „ Nun, wenn das so ist, so verlass dich darauf: Wir haben nichts gesehen und wissen von nichts! Mach, was du willst! Und überhaupt: Wenn du Streit mit uns haben möchtest, so stehen wir zur Verfügung. Glaub nicht, dass wir uns gegen dich nicht behaupten können! So lahm, wie du wohl glaubst, sind wir noch lange nicht! Wenn es dir Spaß macht, werden wir alle gegen dich aufhetzen!“

„Nein, es macht mir keinen Spaß“ , entgegnete Muhammad. „Überhaupt, ich will keinen Streit mit euch! Nur, richtig ist, dass wir alle uns gut verhalten! Lasst doch den Unsinn und gebt das, was ihr gefunden habt, seinem Eigentümer zurück!“ Nun war Maad richtig wütend geworden! Er schrie: „Ich habe nichts gesehen und nichts gefunden! Verschwinde jetzt! Wenn nicht, werde ich meinen großen Bruder rufen, der wird dir dann Beine machen!“

„Du kannst tun, was du willst“ meinte Muhammad, „aber ich bleibe hier, bis ihr mir das Geldbeutelchen gegeben habt, damit ich sehe, was in ihm ist. Wenn in ihm das steckt, was der Mann aus der Steppe gesagt hat, so bedeutet das, dass das Geldbeutelchen ihm gehört. Wenn sich etwas anderes in ihm befindet, als er sagte, so sieht die Sache anders aus. Dann müssen wir den Eigentümer ausfindig machen.“

Da packte Maad Muhammad beim Kragen und begann laut zu schreien, und Muhammad ergriff Maads Handgelenk. Die meisten Kinder standen auf der Seite Maads, nur einige wenige gaben Muhammad Recht. Es entstand ein wilder Tumult. Hausbewohner, Nachbarn und Vorübergehende kamen hinzu. Sagten: „Was ist los hier? Warum streitet ihr euch?“ Als sie von der Sache erfuhren, spalteten sie sich, ebenso wie die Kinder, in zwei Gruppen: Pro und Contra Muhammad! Die Angelegenheit spitzte sich zu. Da, im letzen Augenblick, kam der Ausrufer der Stadt vorbei und rief: „Leute! Hört her! Ein Gast unserer Stadt hat seinen Geldbeutel verloren. Dem, der ihn seinem Eigentümer zurückbringt, sei unser Dank!“ Niemand sprach etwas. Alle schwiegen. Muhammad aber rief den Ausrufer zu sich und sagte: „Dort drüben ist etwas gefunden worden. Vielleicht ist es das, was gesucht wird?“ Erneutes Lärmen und Rufen. Jeder sagte etwas, – die einen protestierten, die anderen pflichteten Muhammad bei. Es ging hin und her. Abdul Mutalib erfuhr von dem Tumult. Er schickte Hamzah, seinen Sohn – ein Onkel Muhammads – hin zu jenem Haus, vor dem die Leute standen und diskutierten. Hamzah kannte alle, und alle wussten, dass er aufrichtig und zuverlässig war und bereit, sich um der Gerechtigkeit willen selber aufzuopfern. Als sie ihn kommen sahen, wurden sie still. Hamzah meinte: „Uns ist so einiges zu Ohren gekommen, aber über die Einzelheiten wissen wir nicht Bescheid. Jedenfalls: Muhammad ist aufrichtig und gewissenhaft. Was er sagt, stimmt! Niemals lügt er!

Wer das bestreitet, ist im Unrecht. Jedenfalls: Entweder bringt ihr das Geldsäckchen freiwillig her, damit ich sehe, ob es von jenem Mann ist oder nicht…. Oder ich werde andere Seiten aufziehen! Wir dürfen das Recht nicht mit Füßen treten. Dem Eigentümer ist das zu geben, was ihm gehört. Wer mir von euch zustimmt, soll sich hier zu mir stellen! Die Mutter Maads, die das Treiben auf der Straße durch einen Spalt in der Haustür mit angesehen hatte, war besorgt, dass es zu einem Handgemenge kommen könnte. Sie holte den Geldbeutel und warf ihn Hamzah zu. Dabei sagte sie: „ Streit ist nicht notwendig. Es sind Kinder. Kinder wissen nicht, was sie tun. Mein Junge hat keine Schuld! Den Geldbeutel hast du nun, – alle Jungen haben ihn gefunden, nicht nur meiner. Sieh nun nach, wem das Geld gehört und gib es dem Eigentümer zurück! Wir wollen keinen Streit!“ Der Mann aus der Steppe wurde geholt. Als Hamzah ihm dem Geldbeutel zeigte, sagte er: „Ja, das ist er. Das ist meiner. Seht nur, in ihm sind 70 Gold- Dinar, 100 Silber – Dirham und ein wenig Kleingeld, so wie ich es gemeldet habe!“ Niemand sprach etwas. Sie sahen den Mann an und wussten, dass er die Wahrheit sprach. Als ihm sein Geldbeutel ausgehändigt wurde, meinte er: „Ich danke euch allen! Auch ich bin nun zu etwas verpflichtet. Schließlich weiß ich, was sich gehört! Wie viel Kinder waren es, die den Geldbeutel fanden?“ Man zählte sie, es waren sechsundzwanzig. Muhammad sagte: „Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich habe das Beutelchen nicht gefunden, sondern nur gesehen, dass es gefunden wurde. Dass ich hier bin, ist nur deswegen, weil ich das Recht verteidigen wollte!“ Der Mann aus der Steppe gab jedem der fünfundzwanzig Kinder einen Dinar und einen Dirham als Belohnung und war froh und zufrieden. Muhammad ergriff nun Maad bei der Hand uns bat: „Sei nicht böse auf mich, Maad. Ich möchte, dass wir Freunde sind, gute Freunde. Gute Freunde aber sind aufrichtig! Ist die Sache nicht gut ausgegangen? Oder wäre es dir anders lieber gewesen?!“ Maad antwortete: „Doch, es ist gut so, wie es gekommen ist. Wir haben Geld bekommen, und der Mann ist ebenfalls zufrieden und glücklich. Das, was wir bekommen haben, ist uns „halal“ (erlaubt), das heißt, wir brauchen uns deswegen nicht zu schämen. Ich bin froh, dass du standhaft geblieben bist!“ Der Mann aus der Steppe und Hamzah gingen zurück zu Abdul Mutalib und erzählten ihm alles. Abdul Mutalib bestätigte, dass Muhammad in allen Dingen ehrlich und zuverlässig sei… 

Abends, zu Hause, wollte er Muhammad loben. Dieser aber bat: „Eines müssen wir noch tun!“ „Was denn?“, fragte sein Großvater. Er: „Wir wollen Haleh bitten, eine leckere Süßspeise zu kochen, die wir dann zu Maads Mutter bringen, damit sie, Maad und seine Familie sich freuen. Die Mutter von Maad hat gut gehandelt. Obwohl sie das Geld brauchen konnte, war es ihr dennoch lieber, darauf zu verzichten. Sie wusste, was sie zu tun hatte.

Haleh, die Frau von Abdul Mutalib, meinte freundlich: „Gut, Muhammad, das will ich gerne tun!“ Noch am gleichen Abend bereitete sie eine leckere Süßspeise zu, die sie am nächsten Morgen zu Maads Mutter bringen wollten. Der Morgen kam. Wieder hatten sich die Nachbarskinder im Hause Maads eingefunden und spielten. Maad sagte zu ihnen: „Gott sei dank ist die Sache gestern gut abgelaufen. Wenn wir das Geld für uns behalten hätten, würden wir dauernd ein schlechtes Gewissen haben und uns vor allen schämen, nicht war? Wirklich! Muhammad ist ein prima Freund!“ Indem er das sagte, klopfte es an der Haustür. Haleh, Muhammad und einige Freundinnen Halehs waren mit einer großen Schüssel Halwah (arabische Süßspeise) gekommen und sagten: „Wir möchten diese Halwah der Mutter Maads bringen, weil sie eine so einsichtige Frau ist.“ Froh setzten sie sich alle zusammen und ließen es sich gut schmecken… Alle in der Stadt erfuhren von diese Geschichte, und zwei Worten waren es, die seit jenem Tage dem Namen des kleinen Muhammads hinzugefügt wurden: „Aufrichtig und vertrauenswürdig“, das heißt im Arabischen: „Sâdiq“ und „Amîn“. 

aus: Gute Geschichten von Mehdi Adaryazdi

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Bund für islamische Bildung – Intro (VIDEO) https://bufib.de/bund-fuer-islamische-bildung-intro/ Sun, 20 Apr 2014 15:45:41 +0000 http://bufib.de/?p=1458 Herzlich Willkommen auf unserer neuen Internetpräsenz! Hier siehst Du ein Intro vom „Bund für islamische Bildung“. Wir wünschen Dir viel Spaß auf unseren Seiten. 

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Hijri-Kalender https://bufib.de/hijri-kalender/ Sun, 20 Apr 2014 00:12:29 +0000 http://bufib.de/?p=1454 Auf bufib.de/staging stellen wir Dir einen Kalender bereit, auf dem Du das normale (gregorianische) Datum und das Datum des islamischen Mondkaleders (Hijri) ablesen kannst. Wir versuchen, so aktuell wie möglich, den Kalender immer an die entsprechende Neumondsichel-Sichtung anzupassen. Damit ist es nun bequemer und sicherer das islamische Datum herauszufinden. Wann ist welches Ereignis? Wann ist dieser und jener Tag? All diese Fragen haben nun ein Ende. Klick Dich einfach durch! Und bei Fragen: kontaktiere uns einfach

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Herzlichen Glückwunsch! https://bufib.de/herzlichen-glueckwunsch/ Sat, 19 Apr 2014 22:02:08 +0000 http://bufib.de/?p=1442 Im Namen Allah, des Gnädigen, des Barmherzigen

<<Wahrlich, Wir haben dir „die Fülle des Guten“ (al-Kauthar) gegeben>> (108:1)

Der Bund für islamische Bildung gratuliert recht herzlich zum Geburtstag der edelsten aller Frauen, der Tochter des Propheten, Sayyida Fatima az-Zahraa (a) und ihres Nachkommens, dem Lichte des 20. Jahrhunderts, Imam Ruhullah al-Khomeini (r). 

Anlässlich dieses gesegneten Tages, ist es uns eine Ehre Euch das Webportal vom Bund für islamische Bildung öffentlich bereitzustellen. Möge Allah, der Erhabene, Euch und diese Seiten mit dem Geiste „der Fülle des Guten“ reichlich segnen. 

Euer bufib.de/staging – Team

Prophet Mohammad (s): „Die von mir Meistgeliebte meiner Familie ist Fatima.“ 

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Bittgebet des Traurigen (Dua al-Hazîn) https://bufib.de/bittgebet-des-traurigen-dua-al-hazin/ Sat, 19 Apr 2014 19:54:37 +0000 http://bufib.de/?p=1441 https://dl.dropboxusercontent.com/s/dmfeeqe7j00fhu1/Dua%20Al-Hazin.mp3

Deutsch

Im Namen Allahs, des Gnädigen, dem Barmherzigen
Oh Allah, segne Mohammed und seine (reine) Familie 

Ich flüstere zu Dir, oh Einer, welcher an jedem Ort anwesend ist, sodass Du meinen Ruf hören mögest, denn gewiss ist meine Sünde überhöht und mein Scham ist geringer, mein Herr, oh mein Herr, an welchen der erschreckenden Zustände soll ich mich erinnern und welche soll ich vergessen, wenn es nichts außer dem Tod gibt, würde es ausreichend sein, was ist dann nach dem Tod größer und schlimmer?

Mein Herr, oh mein Herr bis wann und wie lange werde ich sagen, ich bin schuld, wieder und wieder, aber dann findest Du keine Wahrheit oder Treue in mir?

Ich rufe um Hilfe, oh Allah von Verlangen, welche sich auf mich Stürzten und von der Welt, welche mich anzieht und von der Seele, welche zum Übel führt, ausgeschlossen, womit mein Gebieter Gnade hat (12:53).

Mein Herr, oh mein Herr, wenn Du Gnade mit meinereins gehabt hast, dann habe Gnade mit mir und wenn Du meinereins angenommen hast, dann nimm von mir an.

Oh Einer, welcher die frühen Morgengebete annimmt, nimm mich an. 

Oh Einer, welcher ich kenne immer noch nur Gutes von Ihm, oh Einer, welcher mich morgens und abends mit Segnungen erleuchtet, habe Gnade mit mir wenn ich zu Dir allein komme. Mein Streifblick fixierte sich auf Dich.

Meine Taten getragen auf meinem Hals. Wenn sich alle der Geschöpfe von mir zurückziehen werden ja, sogar mein Vater und meine Mutter und jene, für welche ich gearbeitet und gekämpft habe, wenn Du dann keine Gnade mit mir hast, wer wird dann mit mir Gnade haben? Wer wird mir Trost spenden von der Einsamkeit des Grabes und wer wird mich sprechen lassen, wenn ich allein mit meinen Taten bin und wann wirst Du mich befragen, worüber Du besser bescheid weißt als ich? Dann wenn ich ja sage (zu meinen Sünden), wo wird das Entkommen deiner Gerechtigkeit sein? Und wenn ich sage, dass ich es nicht begangen habe, wirst Du sagen, war Ich nicht ein Zeuge über dir? So (ersuch ich) Deine Vergebung, Deine Begnadigung, Oh mein Herr, vor dem Tragen der Kleider der Hölle, Deine Vergebung, Deine Begnadigung, oh mein Herr, vor der Hölle und dem Feuer, Deine Vergebung, Deine Vergebung, Oh mein Herr, vor den zu den Hälsen gefesselten Händen, oh der Gnädigste und der Beste der Vergebenden.

Übersetzung von: www.mustahab.de

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Rechtsfragen stellen https://bufib.de/rechtsfragen-stellen/ Sat, 19 Apr 2014 17:15:56 +0000 http://bufib.de/?p=1428 Der heilige Prophet Mohammad (s) sagte: „Strebt nach Wissen von der Wiege bis zur Bahre.“ Anknüpfend, an diesen Ausspruch des Propheten (s), habt Ihr auf bufib.de/staging die Möglichkeit Eure Rechtsfragen zu stellen. Alle Fragen, die hier gestellt werden, bleiben anonym und werden vertraulich behandelt. Gerne könnt Ihr unser Fragen & Antworten Portal für Eure Fragen nutzen oder auch direkt über ein Frage-Formular.

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Bittgebet des Morgens (Dua as-Sabâh) https://bufib.de/bittgebet-des-morgens-dua-as-sa/ Sat, 19 Apr 2014 15:36:27 +0000 http://bufib.de/?p=1419 https://dl.dropboxusercontent.com/s/r0ca1zs6l6gpthz/Dua%20as-Sabah%20%28der%20Morgen%29.mp3

O Allah, 

O Du, der die Zunge des Morgens durch die Äußerung Seines Lichtes ausstreckte. 
Und die Muster der dunklen Nacht durch die Finsternisse ihrer Wellen losschickte .
und den sich drehenden Himmelskörper mit den Maßen seiner Erscheinungen vollkommen aufbaute 
und das Licht der Sonne mit dem Licht Seiner gewaltigen Anwesenheit mischte

O Du, 
der zu sich Selbst mit sich Selbst rechtleitete.
Zu erhaben, dass Er Seinen Geschöpfen gleichartig wäre.
Zu majestätisch, dass man Seine Art nachahmen würde

O Du, 
der zu den Gedanken des Herzens sich näherte
und von den Blicken sich entfernte
und das, was war, bevor es ist, wusste.

O Du, 
der mich im Bett Seiner Sicherheit und Geborgenheit schlafen ließ
und mich zu dem, was Er mich an Gaben und Güte schenkte, erweckte 
Und mich vor den Händen des Bösen mit Seiner Hand und Macht schützte.

Segne, O Allah, den Führer zu Dir in den Nächten der Finsternisse,
den, der unter all Deine Pfade, das Seil mit der längsten Ehre im Griff hat..
den, der die deutliche ehrenhafte Herkunft an der Spitze der gewaltigen Säule besitzt
den, dessen Schritt in allen schweren Prüfungen der frühen Zeit fest und aufrecht war.
und seine Familie die Guten die Auserwählten die Gütigen.

Öffne mir, o Allah, die Tore des Morgens mit den Schlüsseln der Gnade und des Erfolgs
Und bekleide mich, o Allah, mit der besten Rechtleitung und der besten Rechtschaffenheit.
Und pflanze, o Allah, mit Deiner Allmacht im Trank meines Herzen die Quellen der Demut 
und lass, o Allah, vor Ehrfurcht aus den Enden meiner Augen die Tränen fließen.
und belehre, o Allah, die Leichtfertigkeit und die Dummheit in mir mit den Seilen des demütigen Bittgebets.

O mein Gott, wenn Deine Gnade mir nicht anfangs den guten Erfolg beschert,
wer wird mich dann auf dem klaren Weg zu Dir führen?
und wenn deine Langmut mich zur Hoffnung und zu den Wünschen übergibt
wer würde meine Fehlschritte vor den Irreführungen der Gelüste schützen?
Und wenn Deine Hilfe mich bei dem Kampf gegen die Seele und den Satan nicht beistehen würde
So würde mich Dein Verlassen zur Anstrengung und zur Armut überlassen 

O Allah, siehst du mich nicht zu Dir kommend, 
wegen der Hoffnung die Du in mir angeboren hast 
Siehst Du mich nicht an den Enden deiner Seile festhaltend 
nachdem mich meine Sünden von der Gegend der Verbundenheit entfernt haben.
Wehe dem Reittier, das meine Seele geritten hat, wegen ihrer Gelüste
Wehe ihr, was ihre Vermutungen und Wünsche ihr eingeredet haben.
Wehe ihr, da sie sich traute, sich gegen ihren Herrn und Führer aufzulehnen

O Allah ich habe die Türe Deiner Gnade mit der Hand meiner Hoffnung geklopft-
und ich flüchtete zu Dir, Deine Unterkunft suchend, die mich vor den großen Gelüsten schützt.
und ich befestigte an den Enden Deiner Seilen die Finger meiner Zugehörigkeit zu Dir.
Vergebe mir o Allah, was ich verbrach mit meinen Fehltritten und Vergehen.
und hüte mich davor, das Gewand (der Gottesfurcht) auszuziehen.
Denn Du bist mein Herr, mein Führer, meine Hilfe und meine Hoffnung
Und Du bist das Ende meines Verlangens und mein Wunsch im Jenseits, in dem meine Unterkunft sein Wird

O Allah, wie schmeißt Du einen Armen weg, 
der flüchtend vor der Sünde bei Dir eine Unterkunft sucht,
Wie enttäuschst Du einen, der die Rechtleitung und Deine Nähe mit großer Anstrengung sucht
Wie weist Du einen Durstenden ab, der zu Deinen Becken eilte, um seinen Durst zu stillen
Nein (das machst du nicht), wo Deine Becken in den Zeiten der Trockenheit voll sind 
und Deine Tür offen ist, für das Verlangen und für das Eintreten
und Du bist das Ziel der Bitten und das Ende des Erhofften

O Mein Gott, das sind die Seilen meiner Seele, ich habe sie am Ring deines Willen angehängt.
und das sind die Lasten meiner Sünde, ich habe sie mit Deiner Vergebung und Deiner Gnade bereinigt
Und das sind meine irreführenden Gelüste, die ich Deiner Feinheit und Verzeihung überließ
So mach, o Allah meinen Morgen, diesen, einer der mir das Licht der Rechtleitung herab sendet 
und den Schutz in der Religion und im Weltlichen
und mach meinen Abend zu einer Entfernung vom Plan der Feinde 
und zu einem Schutz vom Totschlag der Gelüste
Du kannst tun, was Du willst, Du gibst die Herrschaft, wem Du willst
und nimmst die Herrschaft, von wem Du willst
Du würdigst, wen Du möchtest und erniedrigst, wen Du möchtest
In deiner Hand ist das Gute und Du bist allem mächtig 
Du führst die Nacht in den Tag ein und den Tag in die Nacht 
und Du holst das Lebendige vom Toten raus und das Tote vom Lebendigen
Und Du versorgst, wen Du möchtest ohne Ende

O Allah, es gibt keinen Gott außer Dir, Gepriesen seiest Du und aller Lob gebührt Dir.
wer kennt Deine Stellung, ohne Angst vor Dir zu haben 
wer weiß, wer Du bist, ohne Ehrfurcht zu haben
Du brachtest mit Deiner Macht die getrennten Gruppen zusammen
und Du spaltest mit deiner Feinheit den Morgen
und Du hast mit Deiner Großzügigkeit die Dunkelheiten des frühen Abends beleuchtet
und Du brachtest das Wasser aus den stummen Felsen zum Laufen, 
Teils wohlschmeckend süß und Teils salzig bitter 
und sandtest von den Wolken starken Regen herab
und machtest die Sonne und den Mond für die Geschöpfe zu leuchtenden Lampen
ohne das Du dadurch müde wurdest noch das du etwas nachstellen musstest

O Du, der durch die Würde und das Bestehen eins ist 
und Seine Diener mit dem Tod und der Vernichtung bezwingt
Schenke Friede, o Allah, auf Mohammed und seine gottesfürchtige Familie
und höre meinen Ruf
und erhöre mein Bittgebet
und erfülle mit Deiner Güte meine Hoffnung und meinen Wunsch

O Du, der der Beste ist, der zum Entfernen der Krankheit gerufen wird
und in dem in jeder Schwere und jedem Leichten die Hoffnung ist
Bei Dir habe ich meinen Bedürfnissen Unterkunft gegeben
so verbiete es mir nicht, an Deinen höchsten Gaben teilzuhaben, 
so dass ich diese nicht enttäuscht verlasse.
O Großzügiger! O Großzügiger! O Großzügiger!
Bei Deiner Gnade, O Du Gnädigster aller Gnädigen
Und möge Allah seinen Segen auf sein bestes Geschöpf Mohammed und all seine Familie schenken.

Dann wirfst du dich nieder und du sagst:

Mein Herr, mein Herz ist mit Schleiern umhüllt und meine Seele ist makelhaft, 
mein Verstand ist bezwungen und meine Gelüste bezwingen (mich), 
mein Gehorsam ist winzig und mein Ungehorsam groß und meine Zunge gibt die Sünden ständig zu. 
Was ist also mein Ausweg, o Wissender des Verborgenen 
O Vergeber der Sünden, 
O der, der die Fehler versteckt. 
Vergib mir all meine Sünden. 
O Vergeber! O Vergeber! O Vergeber! 
O du mit der schwersten Bestrafung! 
O Vergeber! O Gnädiger! O Langmütiger! O Großzügiger! 
Erfülle mir meine Bedürfnisse im Rechte des großen Korans und des edlen Propheten… 
Und möge Allah seine Segen auf Mohammed und all seine reine und gütige Familie schenken

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Ziyârat Aâli Ya Sîn https://bufib.de/ziyarat-aali-ya-sin/ Sat, 19 Apr 2014 09:54:15 +0000 http://bufib.de/?p=1412 Diese Ziyâra ist dem zwölften, erwarteten Imam Mahdi (af) gewidmet.

 Deutsch

Im Namen Allahs, des All-Erbarmers, des Barmherzigen

Friede sei auf der Familie von Ya-Sin (Prophet Mohammad s.)

Friede sei mit dir, oh Botschafter Allahs und der Besitzer Seiner Zeichen.

Friede sei mit dir, oh Tor der Gnade Allahs und Behüter Seiner Religion.

Friede sei mit dir, oh Statthalter Allahs und Helfer Seiner Wahrheit.

Friede sei mit dir, oh Beweis Allahs (Hujjatallah) und der Wegweiser Seines Willens.

Friede sei mit dir, oh Rezitator und Interpret vom Buche Allahs.

Friede sei mit dir im letzten Teil der Nacht und im letzten Teil des Tages.

Friede sei mit dir, oh letztes verbliebenes Zeichen Allahs auf Seiner Erde.

Friede sei mit dir, oh Eid Allahs, den sie Ihm geschworen und versichert haben.

Friede sei mit dir, oh Versprechen Allahs, für das Er bürgt.

Friede sei mit dir, oh aufgestellter Banner und sich ergießendes Wissen

und Zuflucht (der Ummah) und die vielumfassende Barmherzigkeit und das eindeutige Versprechen Allahs.

Friede sei mit dir, wenn du aufstehst. Friede sei mit dir, wenn du dich hinsetzt. 

Friede sei mit dir, wenn du liest und deutest. Friede sei mit dir, wenn du betest und das Verzweiflungsbittgebet (Qunuut) machst.

Friede sei mit dir, wenn du dich verbeugst und niederwirfst.

Friede sei mit dir, wenn du „Laa ilaaha ilallah“ und „Allahu akbar“ sagst.

Friede sei mit dir, wenn du Dankbarkeit aussprichst und um Vergebung bittest.

Friede sei mit dir, wenn du am Morgen bist und am Abend.

Friede sei mit dir, in der Nacht, wenn sie sich herabsenkt und am Tage, wenn er erstrahlt.

Friede sei mit dir, oh vertrauenswürdiger Führer.

Friede sei mit dir, oh hoffnungsgebender Führer.

Friede sei mit dir bei der Gesamtheit des Friedens.

Ich nehme dich als Zeugen, oh mein Führer, dass ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, Der Einzig ist und keinen Teilhaber hat

und dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist, kein Liebling außer ihm und seine (reine) Nachkommenschaft.

Und ich nehme dich als Zeugen, oh mein Führer, dass der Fürst der Gläubigen (Imam Ali a.) Sein Beweis ist 

und dass al-Hassan Sein Beweis ist

und dass al-Hussain Sein Beweis ist

und dass Ali der Sohn al-Hussains Sein Beweis ist

und dass Mohammad der Sohn Alis Sein Beweis ist

und dass Jaafar der Sohn Mohammads Sein Beweis ist

und dass Musa der Sohn Jaafars Sein Beweis ist

und dass Ali der Sohn Musas Sein Beweis ist

und dass Mohammad der Sohn Alis Sein Beweis ist

und dass Ali der Sohn Mohammads Sein Beweis ist

und dass al-Hassan der Sohn Alis Sein Beweis ist.

Und ich bezeuge, dass du der Beweis Allahs bist.

Ihr seid der Erste und der Letzte.

Und dass in eurer Rückkehr wahrlich kein Zweifel ist,

am Tage an dem niemanden sein Glaube nützt, wenn er nicht vorher geglaubt oder in seinem Glauben Gutes erworben hat.

Und dass der Tod wahr ist und dass Naakir und Nakiir (zwei Engel, die den Menschen im Grabe befragen werden) wahr sind.

Und ich bezeuge, dass die Auferstehung wahr ist und dass die Auferweckung wahr ist

und dass wahrlich der Weg (Brücke im Jenseits) wahr ist

und dass die Wacht wahr ist und dass die Waage (vom Guten und Bösen) wahr ist

und dass die Versammlung (nach dem Tode) wahr ist und dass die Abrechnung wahr ist

und dass die Hölle und das Paradies wahr sind und dass die Versprechung und die Drohung (in sich) wahr sind.

Oh mein Führer, unglücklich seien die, die von euch abweichen und glücklich seien die, die euch gehorchen.

Somit bezeuge, worauf ich dich als Zeuge genommen habe und ich bin dein Befolger und frei von deinen Feinden.

Die Wahrheit, ist womit ihr einverstanden seid und die Falschheit ist, worüber ihr zornig se

Und das Gute ist das, was ihr befehlt und das Schlechte ist das, was ihr verwehrt.

Meine Seele ist gläubig an Allah, Der Einzig ist und keinen Teilhaber hat.

Und an Seinen Gesandten und an den Fürsten der Gläubigen und an euch, oh mein Führer, eurem Ersten und (bis zu) eurem Letzten

Und meine Hilfe steht euch bereit und meine Liebe zu euch ist aufrichtig.

Amen, Amen.

 

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Kurz: Was ist eine Ziyâra? https://bufib.de/was-ist-eine-ziyara/ Sat, 19 Apr 2014 08:58:09 +0000 http://bufib.de/?p=1411  

Das arabische Wort „Ziyâra“ stammt vom Wort „zâra“, was so viel bedeutet wie: besuchen, heimsuchen. In unserem Zusammenhang können wir zwei Bedeutungen festhalten: Zum einen der physische Besuch einer heiligen Stätte, d.h. man geht, fährt oder fliegt persönlich an einen heiligen Ort, um dort überlieferte Handlungen zu tun. Zum anderen ist die „Ziyara“ ein „Besuch“ mit dem Herzen, d.h. man spricht die Liebe zu einer bestimmten Person oder Personengruppe aus. Dies tut man entweder direkt in der Nähe der Person oder aber auch aus der Ferne. Die bekannteste Einleitung einer „Ziyara“ ist, nachdem man mit dem Namen Allah, des Erhabenen, begonnen hat, dass man sagt: „As-Salamu A’layk ….“, d.h. „Der Friede sei auf/mit dir …“. Wir wünschen damit jener Person den Frieden und Segen Gottes.

 

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Dua Kumail https://bufib.de/dua-kumail/ Tue, 15 Apr 2014 16:36:15 +0000 http://bufib.de/?p=1395 Audio (zum Anhören):

Shaikh Ali Slîm

Hajj Hussein Ghrayyeb

Sayyed Walid al-Mazidi

Deutsche Übersetzung

O Gott, ich bitte Dich bei Deiner Barmherzigkeit, die alle Dinge umfasst; bei Deiner Stärke, mit der Du alles beherrschst; der sich alles unterworfen und vor der alles demütig ist; bei Deiner Allmacht, mit der Du alles überwältigst; bei Deiner Macht, der nichts widerstehen kann; bei Deiner Erhabenheit, die alles ausfüllt; bei Deiner Herrschaft; die sich über alles erhebt; bei Deinem Antlitz, das nach der Verrichtung aller Dinge fortbestehen; bei Deinem Namen, die die Winkel von allem füllen; bei Deinem Wissen, das alle Dinge umfasst und bei dem Licht Deines Antlitzes durch das alles erhellt wird.

O Licht , O Allerheiliger! O Erster der Ersten und Letzter der Letzten. O Gott, vergib mir die Sünden, die die schützenden Verhüllungen zerreißen! O Gott. vergib mir die Sünden, die Strafen nach sich ziehen! O Gott, vergib mir die Sünden, die die Gaben abändern! O Gott, vergib mir die Sünden, die die Bittgebete zurückhalten! O Gott, vergib mir die Sünden, die die Hoffnungen zerschlagen! O Gott, vergib mir die Sünden, die Drangsal nach sich ziehen! O Gott, vergib mir jede Sünde, die ich begangen und jeden Fehler, den ich gemacht habe! O Gott, wahrlich, ich strebe nach Deiner Nähe durch das Gedenken an Dich und nehme Dich als meinen Führsprecher bei Dir und bitte Dich, bei Deiner Freigebigkeit, mich Deiner Nähe nahe zu bringend, mich zur Dankbarkeit Dir gegenüber anzuhalten und mich zu beseelen, Dir zu gedenken.

O Gott, wahrlich, ich bitte Dich mit der Bitte eines unterwürfigen, demütigen und sich verneigenden Menschen, mir Nachsicht und Barmherzigkeit zu erweisen, und mich erfüllt und zufrieden zu machen mit dem, was Du mir zugeteilt hast, und gib mir Bescheidenheit in jedem Zustand.

O Gott, ich bitte Dich ferner mit der Bitte eines Menschen, dessen Bedürftigkeit sich verschlimmert hat, der Dir in Schwierigkeiten sein Bedürfnis dargelegt hat und dessen Wunsch nach dem, was bei Dir ist, groß wurde,

O Gott, Deine Herrschaft ist erhaben. Deine Stellung ist hoch, Deine Planung ist verborgen. Dein Befehl ist offenbar, Deine Herrschaft ist überwältigend, Deine Macht ist unbehindert und von Deiner Herrschaft ist das Entkommen unmöglich.

O Gott, ich finde keinen, der meine Sünden vergibt; keinen, der meine hässlichen Eigenschaften verhüllt und nur eine meiner hässlichen Taten in eine schöne verkehrt, außer Dir. Kein Gott ist außer Dir! Gepriesen und gelobt seiest Du. Ich habe mir selbst unrecht getan. Ich war kühn und meiner Unwissenheit und habe mich auf Dein früheres Gedenken an mich und Deine Gunst mir gegenüber verlassen.

O Gott, o mein Beschützer! Wie viel Hässliches hast Du verhüllt! Wie viel bedrücktes Leiden hast Du behoben! Wie oft hast Du ein Straucheln aufgefangen! Wie viele Unglücke hast Du abgewendet und wie viel schönes Lob, dessen ich nicht wert war, hast Du verbreitet!

O Gott, mein Unglück hat sich verschlimmert, mein schlechter Zustand ist bedrückend, meine Werke sind zu gering, meine Fesseln halten mich zurück, meine weit hergeholten Hoffnungen auf ein langes Leben und auf dieser Welt mit ihren Illusionen haben mich von meinem Gewinn zurückgehalten, meine Seele mit ihren Vergehen und mein Hinhalten haben mich getäuscht.

O mein Herr, so bitte ich Dich bei Deiner Macht, nicht zuzulassen, dass meine schlechten Werke und Vergehen mein demütiges Flehen vor Dir verschleiert; beschäme mich nicht meinen verborgenen Dingen, die Du von mir kennst, und eile nicht mit Deiner Bestrafung für das, was ich in meinen einsamen Stunden begangen habe: sei es ein schändliches Verhalten, eine schlechte Tat, meine fortgesetzte Nachlässigkeit, meine Unwissenheit, meine mannigfaltigen Begierden oder meine Unachtsamkeit.

Und bei Deiner Macht, O Gott, erbarme Dich meiner in jedem Fall und sei mir in jeder Angelegenheit gnädig.

Mein Gott und mein Herr! Wen hab ich außer Dir, den ich um die Beseitigung meiner Nöte und um die Beachtung meiner Angelegenheit Bitte?

O mein Gott und mein Beschützer!

Du hast mir einen Befehl vorgeschrieben, bei dem ich in der Laune meiner eigenen Seele gefolgt bin und dem gegenüber ich bei der Verschönerung meines Feindes nicht wachsam blieb. So verleitete er mich, der Laune meiner Seele zu folgen und darin begünstigte ihn außerdem das Schicksal, indem ich durch das, was bei mir in Kraft gesetzt wurde, einige Deiner Gesetze verletzt habe und gegen einiger Deiner Gebote ungehorsam war. So hast Du diesen Beweise gegen mich, ohne das ich irgendein Argument habe in dem, was mir durch Deine Bestimmung widerfahren ist, noch in dem, was Dein Erlass und Deine Heimsuchung mir auferlegt haben.

Und ich komme nun zu Dir, O mein Gott, nach meiner Unzulänglichkeit und meiner Unmäßigkeit gegenüber mir selbst, meine Entschuldigung anbietend, bedauernd, gebrochen, entschuldigend, um Verzeihung bittend, bereuend, zugebend, unterwürfig, eingestehend.

Ich finde keine Zuflucht vor dem, was durch mich geschehen ist, und keinen Schutz, zu dem, ich mich mit meiner Angelegenheit wenden könnte es sei denn, Du nimmst meine Entschuldigung an und nimmst mich in die Fülle Deiner Barmherzigkeit auf.

O mein Gott, so nimm meine Entschuldigung an, sei gnädig zu mir in meiner unheilvollen Not, und befreie mich von der Enge meiner Fesseln.

O Herr erbarme Dich der Schwäche meines Körpers, der Zartheit meiner Haut und der Feinheit meiner Knochen.

O Du, der den Antrieb gab, zu meiner Schöpfung, meiner Gedenken. mich zu erziehen, zu mir gütig zu sein und mich zu ernähren, überlasse mich Deiner von Dir angefangenen Güte und Deiner vorausgegangenen Wohltat zu mir.

O mein Gott, mein Gebieter und mein Herr!

Wirst Du mich denn mit Deinem Feuer quälen, nachdem ich mich zu Deiner Einheit bekannt habe und nachdem die Erkenntnis von Dir mein Herz ergriffen, meine Zunge beständig Deiner gedacht und mein Gemüt sich in Liebe zu Dir an Dich geklammert hat und nach aufrichtigem Bekenntnis und demütigem Flehen mich Deiner Herrschaft ergebend?

Wie fern ist das von Dir! Du bist viel zu gütig, um einen, den Du erzogen hast, verloren gehen zu lassen, einen, den Du in Deiner Nähe gebracht hast, wieder von Dir zu entfernen, einen, dem Du Wohnstätte gegeben hast, wieder zu vertreiben, oder einen, dem Du Genüge und Gnade erwiesen hast, dem Unglück zu überlassen.

O wüsste ich doch, mein Gott, mein Gebieter, mein Herrscher ob Du das Feuer herrschen lässt über Gesichter, die sich vor Deiner Erhabenheit unterwürfig niedergeworfen haben, über Zungen, die aufrichtig das Bekenntnis Deiner Einheit zum Ausdruck bringen und Dir Lob danken, über Herzen, die deine Gottheit mit tiefer Überzeugung anerkannt haben, auf Gemüter, die soviel an Wissen von Dir umfassen, bis sie demütig geworden sind und über Körperglieder, die in Gehorsam zu den Orten deiner Verehrung eilen und sich unterwerfen um Deine Vergebung gebeten haben?

Dies entspricht nicht unseren Erwartungen von Dir, und nicht dem, was uns über Deine Huld berichtet wurde , O Großmütiger !

Mein Herr, und Du lenkst meine Schwächen gegenüber den wenigen Unglücksfällen dieser Welt und deren Bestrafungen und jenen Unannehmlichkeiten, die ihren Bewohnern zustoßen, obwohl es sich um ein Unglück und eine Widrigkeit von minimalem Verbleib, geringem Bestehen und kurzer Dauer handelt.

Wie sollte ich also das Unglück des Jenseits und die gewaltigen Unannehmlichkeiten in ihm ertragen können?

Denn es handelt sich um ein Unglück, dessen Dauer lang, dessen Verbleib unendlich ist und dessen Erleider keine Erleichterung gewährt wird, denn es resultiert aus Deinem Zorn. Deiner Vergeltung und Deiner Wut, denen die Himmel und die Erde nicht widerstehen können.

O mein Herr, wie sollte ich also!

Denn ich bin Dein schwacher, demütiger, niederer, elender, unterwürfige Diener.

O mein Gott. mein Gebieter, mein Herr und mein Beschützer!

Über welche Dinge soll ich bei Dir klagen, und über welche von ihnen soll ich lamentieren und weinen? Über die Leiden und die Schwere der Qual oder über die lange und dauerhafte Drangsal ?

Wenn Du mich mit Deinem Feinden zusammen den Strafen aussetzt und mich mit denjenigen zusammenbringst, die Deiner Drangsal überlassen worden sind und mich von Deinen Freunden und Deiner geliebten Dienern trennst und angenommen würde, O mein Gott und mein Beschützer, ich wäre fähig, Deiner Bestrafung zu ertragen, wie sollte ich dann die Trennung von Dir ertragen?

Und angenommen, ich könnte die Hitze Deines Feuers erdulden, wie sollte ich es ertragen, nicht auf Deiner Großzügigkeit zu schauen?

Oder wie sollte ich in Deinem Feuer wohnen, da meine Hoffnung Deine Vergebung ist?

So schwöre ich aufrichtig bei Deiner Macht, O mein Herr und Beschützer, wenn Du mir die Sprache lässt, das ich aus der Mitte der Bewohner des Feuers mit den Wehklagen der Hoffnungsvollen lamentieren werde.

Ich werde zu Dir mit dem Geschrei der um Hilfe Schreienden schreien, mit dem Weinen der Beraubten zu Dir weinen, und Dich anrufen, „wo bist Du“, O Du Freund der Gläubigen, O Du Ziel der Hoffnungen der Dich Erkennenden, O Du Helfer jener, Die Hilfe suchen, O Du Geliebter der Herzen der Aufrichtigen und O Gott aller Weltbewohner.

Kannst Du, -gepriesen seiest Du, O mein Gott, und Dir ist das Lob- die Stimme eines Dir ergebenen Dieners hören, der in Deinem Feuer gefangen ist wegen seiner Verfehlungen und der wegen seines Ungehorsams den Geschmack seiner Qual zu schmecken bekommt und der wegen seiner Verbrechen und vergehen in seinen Schichten gefangen ist, während er zu Dir mit dem Lamentieren eines auf Deine Gnade Hoffenden Lamentiert und Dich mit der Sprache derjenigen, die sich zu Deiner Einheit bekennen ruft und Dich bei Deiner Herrschaft anfleht?

Mein Beschützer, sollte er dann in der Qual verbleiben, da er Hoffnung hat auf Deiner frühere Milde?

Oder wie sollte ihm das Feuer Schmerzen bereiten, da er auf Deine Güte und Gnade hofft?

Oder wie sollten ihn seine Flammen verbrennen, da Du seine Stimme hörst und seinen Zustand siehst?

Oder wie sollte ihn sein Ächzen umhüllen, da Du seine Schwäche kennst?

Oder wie sollte er zwischen seinen Schichten geschüttelt werden, da Du seine Wahrhaftigkeit kennst?

Oder wie soll er auf Deine Gnade hoffen, ihn aus ihm zu befreien, da Du ihn preisgegeben hast?

Fern sei es von Dir!

Das ist nicht, was von Dir erwartet wird, noch das, was von Deiner Freigebigkeit bekannt ist, noch ähnelt es Deiner Güte und Freundlichkeit, die Du jenen erwiesen hast, die sich zu Deiner Einheit bekennen.

So behaupte ich mit Gewissheit, das , wäre es nicht um dessentwillen , was Du bezüglich der Bestrafung der Dich Leugnenden befohlen und bezüglich des ewigen Heims jener, die sich hartnäckig widersetzen, vorherbestimmt hast. Du das ganze Feuer in Kühle und Sicherheit verwandeln würdest und niemand fände darin einen Platz zum Ausruhen oder Verweilen.

Aber Du , heilig sind Deine Namen, hast geschworen, das Du es mit den Ungläubigen, beide Dschinn und Menschen, füllen wirst, und das Du jene, die hartnäckig widerstehen, ewig darin verweilen lässt.

Und Du , erhaben sei Dein Lob, hast am Anfang gesprochen und warst freigiebig durch Deine Gunst:

„Ist denn einer, der gläubig ist, dem gleich, der gottlos ist? Nein, sie sind nicht gleich.“

Mein Gott, mein Herr!

So bitte ich Dich bei der Macht, die Du Dir zugeteilt hast und der Entscheidung, die Du bestimmt und auferlegt hast, und mit der Du den überwältigt hast, gegen den Du sie in Kraft gesetzt hast, das Du mir in dieser Nacht und zu dieser Stunde jedes Vergehen, das ich begangen habe, und jede Sünde, die ich gemacht habe, und jede Hässlichkeit, die ich verborgen habe, und jede Torheit, die ich stattfinden ließ, gleich ob ich sie verborgen oder kundgetan habe, ob ich sie versteckt oder offenbart habe und jede schlechte Tat vergibst, die Du den edlen Schreibern befohlen hast, niederzuschreiben, jene, die Du dazu bestimmt hast, aufzupassen was von mir erscheint und die Du zu Zeugen zusammen mit meinen Körpergliedern gegen mich gemacht hast.

Und Du bist selbst hinter ihnen Wächter über mich und der Zeuge dessen, was ihnen verborgen ist; doch durch Deine Gnade hast Du es verborgen und durch Deine Güte verhüllt.

Und ich bitte Dich, das Du mir einen reichlichen Anteil gewährst an allem Guten, das Du herabsendest, an jene Güte, die Du verleist, an jeder Wohltätigkeit, die Du entfaltest, an jeder Versorgung, die Du ausbreitest, an jeder Vergebung einer Sünde, an jeder Verhüllung eines Fehlers.

Mein Herr, mein Herr, mein Herr, mein Gott, mein Gebieter, mein Beschützer“

Besitzer meiner Knechtschaft!

O Er, in dessen Hand mein Schicksal liegt,

O Er , der meine Not und mein Elend kennt,

O Er, der über meine Armut und meine Bedürftigkeit kundig ist.

Mein Herr, mein Herr, mein Herr !

Ich bitte Dich bei Deiner Wahrheit, Deiner Heiligkeit und den größten Deiner Eigenschaften und Namen, das Du meine Zeit in der Nacht und am Tag mit dem Gedenken an Dich ausfüllst, und sie durch den Dienst für Dich verbindest, und meine Werke annehmbar machst für Dich, so das alle meine Werke und Litanei eine einzige Litanei sein können und meine Beschäftigung mit dem Dienst für Dich ewig.

Mein Herr, O der, auf Den ich angewiesen bin, O der, Dem ich meine Zustände klage!

Mein Herr, mein Herr, mein Herr!

Stärke meine Körperglieder in Deinem Dienst und bekräftige mein Inneres in festen Willen und verleihe mir die Ernsthaftigkeit in meiner Furcht vor Dir und Stetigkeit in meiner Verbundensein mit dem Dienst für Dich, so das ich mich leicht zu Dir bewege in den Arenen der Wetteifernden, zu Dir eile zwischen den Herausragenden, und deine Nähe glühend begehre unter den glühend Begehrenden und mich Dir nähere, mit der Nähe des Aufrichtigen, Dich fürchte mit der Furcht jener, die absolute Gewissheit haben und mich mit den Gläubigen in Deiner Nähe sammle.

O Gott, wer mir Böses will, beschließe Du es für ihn!

Und wer gegen mich intrigiert, gegen den intrigiere Du.

Mache mich zu einem Deiner Diener, mit dem besten Anteil an Dir, zum Nächsten von ihnen in der Stellung zu Dir, zum Auserwähltesten von ihnen in der Nähe zu Dir, denn dies alles kann nicht erreicht werden, außer durch Deine Huld.

Gewähre mir großzügig bei Deiner Freigebigkeit; und wende Dich mir zu bei Deiner Gnade; und lasse meine Zunge Deiner Gedenken ohne Unterlass und mein Herz bezaubert sein von Deiner Liebe!

Sei mir gnädig durch Deine günstige Erwiderung, und habe meine Fehler auf, und vergib mir meine Versehen. Du hast Deine Anbetung Deiner Diener vorgeschrieben, und ihnen befohlen, Dich demütig anzuflehen, und ihnen versichert, das sie erwidert werden.

So hab ich zu Dir, mein Herr, mein Gesicht gewandt und zu Dir mein Herr, habe ich meine Hand ausgestreckt.

So erfülle mein Gebet, in Deiner Macht, und lasse mich meine Wünsche erlangen, und zerstöre mir nicht meine Hoffnung, und erspare mir das Böse von meinen Feinden unter den Dschinn und den Menschen.

O Er, dessen Zufriedenheit schnell erreicht ist, vergib dem, der nichts besitzt außer demütigem Flehen, denn Du tust , was Du willst.

O Er, dessen Name Heilmittel und dessen Gedenken Heilung und dessen Gehorsam Reichtum ist. Sei gnädig zu dem, dessen Kapital die Hoffnung und dessen Waffe Tränen sind.

O Du, dessen Segen reich bemessen ist!

O Du Zurückweiser der Missgeschicke!

O Du licht jener, die in der Dunkelheit einsam sind!

O Du Wissender, Der niemals gelehrt wurde,

segne Muhammad und die Familienangehörigen Muhammads

und tue mit mir, was Deiner würdig ist.

Und Gott segne Seinen Gesandten und die heiligen Imame seiner Familie und schenke ihnen reichlich Frieden.

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Der Islam beschert Menschenrechte und Freiheit https://bufib.de/der-islam-beschert-menschenrechte-und-freiheit/ Mon, 14 Apr 2014 12:12:05 +0000 http://bufib.de/?p=1389 Im Gegensatz zur verbreiteten Ansicht ist der Kampf um allgemein gültige Menschenrechte kein modernes Phänomen. Auch wenn es die Behauptung gibt, dass das Konzept oder die Ideologie der Menschenrechte aus dem Westen stammt, so war der Islam eine der ersten „Institutionen“, die solche Rechte wie die allgemeine Gleichbehandlung und Frauenrechte befürwortete. Tatsächlich hat der Islam die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte über 1300 Jahre vor der Verkündung dieser durch die Vereinten Nationen vorangetrieben. Natürlich ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ ein exzellenter Schritt in Richtung der Akzeptanz dieser auf einem weltweiten politischen und juristischen Level, doch wird sie oft ignoriert, da sie in der Realität keine Regierung zur Einhaltung dieser Rechte verpflichtet. Der Islam limitiert die Menschenrechte hingegen nicht nur auf ein politisches und juristisches Niveau.

Der Islam befürwortet die Menschenrechte als Teil eines Lebensstils. Die Menschenrechte sind untrennbar vom Islam und der Islam verlangt, im Gegenzug, dass diese Menschenrechte von allen Muslimen respektiert und anerkannt werden. Aus realistischer Betrachtungsweise wurde das Konzept der Menschenrechte bereits im 7. Jahrhundert erdacht, wobei es zu dieser Zeit der Menschheitsgeschichte nicht ernst genommen wurde. Bevor der Islam auf der globalen Bühne auftrat, standen Unterdrückungen an der Tagesordnung. Frauen wurden in vielen Teilen der Welt als Eigentum betrachtet und das Recht auf einen fairen und öffentlichen Prozess wurde nicht stattgegeben. Wenn wir die Standards einer Zivilisation anhand der umgesetzten Menschenrechte definieren, wird eine geschichtliche Betrachtungsweise ergeben, dass die Menschheit vor dem Einzug des Islam nicht sonderlich zivilisiert war.

Es gab viele wundervolle Völker noch vor dem Islam, doch diese erlangten ihr Ansehen zumeist durch ihre Beiträge im Bereich der Kunst oder der Wissenschaft und damit im Bereich der Menschlichkeit. Leider waren eben diese Völker auch oftmals in der brutalen Unterdrückung vieler Menschenrechte beteiligt. Wenn es bürgerliche, wirtschaftliche oder auch menschenrechtliche Fortschritte gab, so waren diese abhängig von dem zu diesem Zeitpunkt herrschenden Führer oder der herrschenden Regierung. Diese Entwicklungen mussten nicht zwingend von den Nachfolgern getragen werden, die andere Vorstellungen einer Regierungsform haben konnten. Dann verbreitete sich die Nachricht innerhalb – und außerhalb – seiner Grenzen mit enormer Geschwindigkeit. Die Geschichte an sich bestätigt den Anspruch des Islams, eine Nachricht für alle Menschen zu sein.
Der Islam wurde dem Propheten Mohammad (s) gegenüber als barmherzige und ewige Religion offenbart, die allen Zeiten entspricht. Wenn ein Mensch sich während seines Lebens dem Willen Allahs unterwirft, so kann er sich sein Leben lang und am Tag des Urteils auf die Gnade Allahs verlassen.

 „Und nicht haben wir dich entsandt außer als Gnade für die Welten.“ (21:107) 

Der Prophet Mohammad (s) sagte: „Wahrlich, ich kam als Gnade.

Der Islam erhöht den Selbstrespekt eines jeden: er erschafft eine wahre und einzige Gleichheit für den Menschen. Diese Gleichheit gibt jedem die Chance, seinen Platz in der Gesellschaft ohne Berücksichtigung der Herkunft, der Hautfarbe oder der politischen Gesinnung zu finden. Jeder ist sein eigener „Herr“. Der Islam ist eine Religion, welche die Menschenrechte zutiefst respektiert. Sie regelt jedes Detail des persönlichen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der Gleichheit aller. Der Islam ist der Hüter der Gleichheit vor Allah – sein erster und überragender Gedanke ist die Einigkeit. Es wird niemand ausgeschlossen – auch wenn einige sich selbst ausschließen: niemand wird abgelehnt – auch wenn einige sich selbst demgegenüber ablehnen. Es gibt keine Unterschiede – auch wenn manche sich unterschiedlich vorkommen. Die Freiheit, die der Islam vorantreibt, basiert auf das Mitwirken und Verantwortungsbewusstsein, ohne welches keine wahre Freiheit genossen werden kann.

Die Freiheit ohne Regeln führt zum Zusammenbruch und zur moralischen und sozialen Korruption der Gesellschaft. Allah sagt: 

“Sprich: Oh Angehörige der Schrift, kommt her zu einem ebenbürtigen Wort zwischen uns und zwischen euch, dass wir Allah dienen und das wir ihm nicht etwas beigesellen und dass nicht einige von uns andere zu Herren annehmen unter Ausschluss Allahs. Dann falls sie sich abwenden, so sprecht: Bezeugt, dass wir Ergebene sind.” (3:64)

Heute benötigt die Menschheit verzweifelt Einheit, Gerechtigkeit und Freiheit. Sie wollen von der Ausbeutung und von den Kriegen gerettet werden. Sie irren verloren herum, wie Schafe ohne Herde. Lass sie sich doch dem Sonnenschein des Islam zuwenden. Unter der gemeinsamen Sonne sind alle gleich – schwarz, weiß, rot und gelb. Alle genießen Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit. Für den Islam liegt die wahre Güte nicht in dem Reichtum oder dem handwerklichen Können eines Einzelnen, sondern in der Gottesfurcht (taqwa) Allahs gegenüber. Dies betrifft alle gleich, ganz gleichgültig welche anderen Talente sie besitzen mögen. Allah sagt: 

“Oh ihr Menschen, wir haben euch erschaffen aus Männlichem und Weiblichem und euch zu Volksbereiche und Stämmen errichtet, damit ihr einander erkennt. Wahrlich, bei Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissender, Kundiger.” (49:13)

Der Prophet Mohammad (s) sagte: „Araber sind nicht privilegierter als Nicht-Araber, weder weiß noch schwarz. Die spirituelle Güte und die wahre Gottesfurcht ist das einzige Unterscheidungsmerkmal, das von Allah gesehen wird.

Die Unterwerfung, den Willen und den Regeln Allahs gegenüber ist der Kern der Freiheit. Es befreit die Gedanken, die Seele und das Verhalten von teuflischen, weltlichen Einflüssen. Es hilft der Menschheit tyrannische Unterdrücker, ungerechte Gesetze und Gelüste zu überkommen. Die wahre Ergebung Allahs gegenüber bedeutet für einen Menschen, sich für ein Leben zu entscheiden, das in moralischer und aufrechter Weise geführt wird.

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Strömungen der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts: Klassik, Romantik, Vormärz und Biedermeier https://bufib.de/stroemungen-der-deutschen-literatur-des-19-jahrhunderts-klassik-romantik-vormaerz-und-biedermeier/ Sun, 13 Apr 2014 17:20:05 +0000 http://bufib.de/?p=1387 Geprägt von Schiller und Goethe – die Weimarer Klassik

Das 19. Jahrhundert ist in der deutschen Literatur vor allem das Jahrhundert von Schiller und Goethe. Sie gelten als die wichtigsten Vertreter der Klassik, deren Zeitspanne umstritten ist. Die meisten Literaturhistoriker sind sich über den Beginn der Klassik einig. Sie datieren ihn auf 1786, das Jahr der ersten Italienreise Johann Wolfgang von Goethes. Wann die auch als Weimarer Klassik bezeichnete Epoche endet, ist je nach Definition unterschiedlich. Für manche endet sie mit dem Tod Schillers im Jahr 1805, für andere mit dem Tod Goethes im Jahr 1832. Wiederum andere Definitionen nennen als Eckpunkte für die Epoche der Klassik die Jahre 1780 bis 1830, wobei sie sich auf die Überwindung des Sturm und Drang und den Beginn der Romantik beziehen. Der Stil des klassischen Altertums wird in der Klassik als Ideal betrachtet. Ziel war es, den Menschen zu entwickeln, ihn zu vervollkommnen und das Ideal der „Harmonie“ zu erfüllen. Im klassischen Altertum sahen die Vertreter der Klassik ihre Vorstellungen verwirklicht. Dementsprechend ist die wichtigste literarische Gattung das Drama. Goethe war laut Grundmann (2001, S. 135) überzeugt, dass „der Mensch universal, also sowohl ein rationales wie auch ein emotionales Wesen ist und zudem zur Humanität geboren ist“. Im Weltbild der Klassik galten Gefühl und Vernunft nicht mehr als gegensätzlich. Schiller als Vertreter der Klassik gilt als der „Dichter der Freiheit“. Ihm war es besonders wichtig, Vorbilder zu schaffen, die für Freiheit kämpfen und sich gegen Willkür und Unterdrückung wehren, wie zum Beispiel sein „Räuber“.

Literatur der Romantik (1798 bis 1830)

Parallel zur Epoche der Weimarer Klassik verlief die der Romantik. Nach dem Tod Schillers löste sie die Klassik als führende literarische Strömung ab. Die Hinwendung zur Natur, zum Übersinnlichen und Phantastischen und die „Sehnsucht nach dem Unendlichen“ (Grundmann 2001, S. 263) kennzeichnen die Romantik. Anders als die Vertreter der deutschen Klassik war für die Romantiker eine Vereinbarkeit von Vernunft und Gefühl nicht möglich, obgleich sie sich nach der Überwindung dieser Spaltung sehnten. Frühe Vertreter der Romantik sind die Brüder Schlegel, Tieck und Novalis. Hochromantische Dichter waren Brentano, Ludwig Achim von Arnim, Joseph von Eichendorff, aber auch die Brüder Grimm. Anders als viele andere geistige Strömungen, hat die Romantik nicht nur die Literatur beeinflusst, sondern wirkte sich auf sämtliche Künste aus. So ist sie in der Musik und in der Malerei ebenso zu finden, wie in der Literatur.

Biedermeier und Vormärz als weitere Strömungen

Zwischen Romantik und Realismus verortet werden die Strömungen des Biedermeier und des Vormärz. Zum Wandel des Bildes des romantischen, realitätsfernen Menschen trugen dramatische gesellschaftliche Ereignisse wie die Französische und die Industrielle Revolution bei. Während sich die Schriftsteller des Biedermeier, unter ihnen Annette von Droste-Hülshoff, Eduard Mörike und Johann Nestroy, dem häuslichen Leben zuwandten, nach Gemütlichkeit und Zurückgezogenheit suchten, handelte es sich bei den Vertretern des Vormärz um fortschrittliche, politische Dichter. Den Höhepunkt der Vormärzdichtung markierte Heinrich Heine mit seinem Werk „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Reaktionäres Streben, das Fordern politischer Umbrüche kennzeichnen die Dichtung des Vormärz, jedoch stimmen die Schriftsteller nicht zugleich in ihren Forderungen überein. Die revolutionären Bestrebungen des Vormärz sowie die gesellschaftlichen Umbrüche des 19. Jahrhunderts sind es, die die Entstehung des Berufes Schriftsteller ermöglichten und die ganz entschieden zu einer Veränderung des Buchmarktes und der Entstehung von Literatur beitrugen.

 


Quellen:

  • Grundmann, Hilmar: Deutsche Literaturgeschichte für Lehrer. Stuttgart 2001.
  • http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/16/thema-literatur-der-romantik-1798-1835/
  • http://www.literaturwelt.com/epochen/vormaerz.html
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Strömungen der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts https://bufib.de/stroemungen-der-deutschen-literatur-des-18-jahrhunderts/ Sun, 13 Apr 2014 16:14:51 +0000 http://bufib.de/?p=1373 In der deutschen Literatur ist das 18. Jahrhundert geprägt von einem Nebeneinander literarischer Strömungen. Mehrere literarische Epochen existieren gleichzeitig. Die ihnen zugeordneten Werke unterscheiden sich hinsichtlich ihres Inhaltes, aber auch hinsichtlich ihrer Ästhetik.

Die Aufklärung kommt nach Deutschland

DescartesDie Epoche des Barock wird im 18. Jahrhundert abgelöst von der Aufklärung. Bei ihr stehen Vernunft und Denken im Mittelpunkt, die sich stark von dem Glauben und der kritiklosen Hingabe abgrenzen. Geschichtlich bereiteten einerseits die Glaubenskriege und ihre verheerenden Folgen der Aufklärung in Deutschland den Weg. Andererseits verbreiteten sich die Auffassungen des französischen Philosophen René Descartes. Er stellt die Vernunft in den Mittelpunkt. Sie sollte das menschliche Handeln bestimmen und sie allein war Maßstab des Guten in der Welt. Europa war zu dieser Zeit jedoch nicht allein vom französischen Rationalismus geprägt. Auch die Bewegung des englischen Empirismus mit Bacon, Hobbes, Locke und Hume als wichtigsten Vertretern prägte die deutschen Gelehrten. Anders als beim französischen Rationalismus stand nicht allein die Vernunft an vorderster Stelle, sondern die Empirie, also die Erfahrung und das Erlebte, sowie die eigene Sinneswahrnehmung. Zum wichtigsten Vertreter der deutschen Aufklärung wurde in der Philosophie Immanuel Kant mit seiner Aufforderung; sich seines „eigenen Verstandes zu bedienen“.

Als einer der berühmtesten Aufklärer gilt Gotthold Ephraim Lessing. Neben seinen Fabeln dichtete er vor allem Dramen. Vor allem die vier Dramen „Miß Sara Sampson“, „Nathan der Weise“, „Emilia Galotti“ und „Minna von Barnhelm“ werden noch heute mit Begeisterung aufgeführt und gelesen. „Miß Sara Sampson“ war das erste deutsche bürgerliche Trauerspiel, in dessen Mittelpunkt nicht Adlige, sondern Bürgerliche standen. Vorlage des deutschen bürgerlichen Trauerspiels gelten die beiden Romane „Pamela“ und „Clarissa“ des englischen Dichters Samuel Richardson. So spielt auch Lessings Stück „Miss Sara Sampson“ in England und ist durch Konflikte innerhalb der bürgerlichen Familie gekennzeichnet.

Physikotheologie und Anakreontik

Ein bedeutender Vertreter der Lyrik der deutschen Frühaufklärung war der Dichter Barthold Heinrich Brockes. Sein „Irdisches Vergnügen in Gott“ ist ein bedeutendes Werk der Physikotheologie, die keinen Gegensatz zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und theologischem Glauben sieht, sondern beides miteinander in Einklang zu bringen vermag. Obwohl die Physikotheologen laut D’Aprile und Siebers ihrer religiösen Weltanschauung treu blieben, öffneten sie sich durch ihre empirischen Beobachtungen der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Eine weitere Strömung des 18. Jahrhunderts stellt die Anakreontik dar. Ihr fehlt der Ernst der aufklärerischen Dichtung. In ihr geht es vielmehr darum, sinnlichen Genuss und Lebensfreude auszudrücken. Ein Vertreter der Anakreontik beziehungsweise des literarischen Rokoko war Friedrich von Hagedorn, der für eine besonders formenreiche Lyrik bekannt ist und großen Anklang bei seinen Zeitgenossen fand.

Klopstock und die Empfindsamkeit

Als einer der bedeutendsten Dichter des 18. Jahrhunderts gilt neben den berühmten Aufklärern Lessing, Goethe, Herder u. a. Friedrich Gottlieb Klopstock. Klopstock vertritt die Strömung der Empfindsamkeit und war zugleich Pietist. Neben religiösen Aspekten wurden Werke wie „Der Messias“ getragen von einer Betonung der Gefühle und des Seelenlebens.

Sturm und Drang – eine Gegenbewegung zur Aufklärung?

Die Strömung des Sturm und Drang wird in der deutschen Literaturgeschichte ganz unterschiedlich bewertet. Während manche sie als Teil der Aufklärung betrachten, gilt sie anderen als Fortführung oder als Gegenbewegung. Fest steht, dass sie eine Revolution darstellte und besonders von jungen Autoren geprägt war, die sich gegen die bestehende Ordnung wandten. Eines der bedeutendsten Werke des Sturm und Drang ist Goethes „Die Leiden des jungen Werther“, das Ulrich Plenzdorf als Vorlage für „Die neuen Leiden des jungen W.“ diente, welches 1972 erstmals in der DDR aufgeführt wurde.

 


Quellen:

  •  Alt, Peter-André: Aufklärung. Stuttgart/Weimar 1996.
  •  D’Aprile, Iwan-Michelangelo / Siebers, Winfried: Das 18. Jahrhundert. Zeitalter der Aufklärung. Berlin 2008.
  •  Grundmann, Hilmar: Deutsche Literaturgeschichte für Lehrer. Stuttgart 2001.
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Etikette: Essen https://bufib.de/etikette-essen/ Sun, 13 Apr 2014 01:53:06 +0000 http://bufib.de/?p=1367 In diesem Artikel möchten wir über die Etikette des Essens berichten. Wir teilen in „empfohlen“ (mustahabb) und „verpönt“ (makruh) auf. Am Ende werden wir noch ein paar verbotene Dinge nennen, die sich auf das Essen beziehen. 

Empfohlen

  • Das Mittagessen früh einnehmen. (D.h. nicht erst am Nachmittag). Es heißt, dass es das Leben verlängert.
  • Das Abendbrot nach dem Spätabendgebet (s’alât al-i’shâ‘) einnehmen. 
  • Die Hände vor und nach dem Essen waschen. Egal, ob man nur mit einer oder beiden Händen gegessen hat und ebenso spielt es keine Rolle, ob man mit der Hand oder einem Gegenstand (wie einen Löffel) gegessen hat.
  • Der Hausherr wäscht sich – vor Beginn des Essens – vor seinem Besuch die Hände und dann der, der rechts von ihm sitzt und immer so weiter bis der letzte Besucher an der Reihe war. Nach dem Essen beginnt nicht der Hausherr, sondern derjenige, der links von ihm sitzt und immer so weiter bis dann schließlich der Hausherr, der letzte ist, der sich die Hände nach dem Essen wäscht. Einige Überlieferungen scheinen jedoch eine Ausnahme dabei zu machen: Wenn ein Rechtsgelehrter anwesend ist, denn dann beginnt dieser vor dem Hausherrn und den anderen Besuchern.  
  • Der Hausherr beginnt vor allen anderen mit dem Essen und hört als letzter auf. (Anmerkung: Dies kann daran liegen, dass der Besuch sich eventuell schämt mit dem Essen anzufangen bzw. sich schämt noch weiter zu essen, vor allem wenn der Besucher der einzige ist, der noch isst. Von daher fühlt sich der Besuch mit dieser Etikette beim Essen „wohler“.)
  • Vor dem Beginn des Essens mit der „Basmala“ (Bismillahir-Rah’mânir-Rah’îm) beginnen und außerdem gibt es noch bestimmte Bittgebete, die man rezitieren kann. 
  • Bei jedem neuen Bissen die „Basmala“ rezitieren. Auch dann, wenn man es vergessen hat am Anfang zu tun, so sollte man es tun, sobald es einem wieder einfällt beim Essen.
  • Nach der „Basmala“ auch direkt „Al-H’amdulillahi Rabbil A’âlamîn“ (Dank sei Allah, dem Herrn der Welten) sagen. Es heißt, wenn man dieses sagt, d.h. „Bismillah wal-H’amdulillahi Rabbil A’âlamîn“, bevor der Bissen noch im Mund ist, so wird Allah, der Erhabene, diesem Menschen seine Sünden, noch bevor er diesen Bissen in seinem Mund hat, verzeihen.
  • Beim Essen sollte man in einer demütigen Haltung sein. Es wird überliefert, dass der heilige Prophet Mohammad (s) beim Essen, so wie in der „Tashahhud Position“ gegessen hatte und dabei seinen rechten Fußrücken auf seine linke Fußsohle lag.
  • Vor dem Essen mit etwas Salz oder Essig beginnen und auch mit einem von beiden beenden. Es heißt, wenn man mit Salz beginnt und damit auch das Essen wieder beendet, so wird man von 72 Arten von Plagen verschont (wie z.B. Vitiligo, Lepra, Verrücktheit, Hals-, Zahn- und Bauchschmerzen). Und es wird überliefert, dass, wenn man mit Essig beginnt, es das Gehirn und den Verstand stärkt. Außerdem wird überliefert, dass die Imame (a) mit Salz begannen und mit Essig das Essen beendeten. 
  • Mit der rechten Hand essen, wenn man kann. Es ist jedoch überliefert, dass folgende zwei Dinge mit beiden Händen gegessen wird: die Weintrauben und der Granatapfel.
  • Das Essen klein kauen.
  • So wenig wie möglich in die Gesichter der anderen Essenden schauen.
  • Schuhe ausziehen.
  • Länger am Esstisch bleiben und dabei Dankpreisungen sprechen. Dies sollte auch mit (lauterer) Stimme passieren, d.h. so dass man es hören kann.
  • Mit mindestens drei Fingern essen (Daumen, Zeige- und Mittelfinger). Noch besser wäre es mit allen Fingern zu essen.
  • Dem Gläubigen vom Essen, Trinken und Süßigkeiten abgeben.
  • Wenn das Brot auf dem Esstisch liegt, so nicht auf den Rest des Essens warten.
  • Das Brot mit der Hand zerteilen.
  • Das Essen abkühlen lassen, jedoch nicht komplett, sondern bis es noch bis kurz davor, bevor es komplett abgekühlt ist. 
  • Nach dem Essen den Dank an Allah (swt) aussprechen und es werden weitere Bittgebete dafür überliefert. Eine Form der Danksagung wäre z.B.: „Al-H’amdulillahil-laz’i yut‘-i’mu wa lâ yut‘-a’m“ (Dank sei Allah, Dem, Der ernährt und nicht ernährt wird).
  • Nach dem Essen für den Hausherren (wenn man bei jemanden zu Besuch war) beten.
  • Nach dem Essen und vor dem Waschen, die Finger „ablecken“. (Es wird gesagt, dass es wissenschaftlich bewiesen sei, dass dadurch die Produktion von Amylase bzw. Speichel-Amylase (α-Amylase 1) unterstützt wird, was die Verdauung anregt und eine Flatulenz (Blähungen) verhindert.)
  • Wie zuvor beschrieben: Sich nach dem Essen die Hände waschen. Mit der restlichen Feuchtigkeit sich über das Gesicht, den Kopf und die Augenbrauen streifen. Und den Rest der Feuchtigkeit mit einem Tuch abtrocknen (jedoch nur beim Waschen nach dem Essen und nicht davor).
  • Nach dem Essen und Waschen: sich den Mund mit Cyperus (as-su’d) ausspülen. (Heute, im 21. Jhd. wird in vielen Mundspülungen „Cyperus rotundus“ benutzt, da man herausgefunden hat, dass es eine positive Wirkung im Mund und Körper dadurch gibt.) Man soll den Mund damit wirklich nur ausspülen und nicht herunterschlucken, da dies dann negative Auswirkungen hat.
  • Nach dem Essen sich die Zähne putzen.
  • Nach dem Essen – besonders das Mittagessen – sich ausruhen, indem man sich auf dem Rücken legt und das rechte Bein auf das linke legt.  
  • Nach dem Aufstoßen „Al-H’amdulillah“ (Lob sei Allah) zu sagen. Wenn es geht, so sollte man das Aufstoßen verkürzen.
  • Versammlung beim Essen, d.h. dass man mit mehreren zusammen isst. Und dass der Mann mit seiner Familie (Frau und Kinder) zusammen isst. Wenn man Arbeiter und Dienstleute hat, so sollen diese am selben Platz, wie alle anderen auch sitzen.

Verpönt

  • Das Abendessen zu unterlassen, besonders an den Abenden zum Samstag und Sonntag. Es heißt, dass, wenn man es unterlässt, dadurch eine Stärke schwindet, die vierzig Tage nicht wiederkehrt.
  • Im Schneidersitz oder sich mit dem Rücken anlehnend essen.
  • Auf dem „Markt“ (as-sûq) essen. (Anmerkung: Damit ist nicht nur der „Marktplatz“ im Besonderen gemeint, sondern im Allgemeinen, wie z.B. Einkaufszentren.
  • Beim Gehen essen, außer es liegt eine Dringlichkeit dazu vor.
  • Bei Völlegefühl essen. (Das heißt nur bei Hungergefühl essen.)
  • Mit zwei Fingern essen.
  • Beim Essen ein Tuch auf den Schoß legen.
  • Das Brot unter den Teller legen.
  • Das Brot mit dem Messer schneiden oder mit den Zähnen zerreißen. 
  • Sehr heißes Essen verzehren.
  • Auf das Essen (und Trinken) „pusten“. Jedoch wird erwähnt, dass es kein Problem ist, wenn es zum Abkühlen ist. Wiederum kann man dies in Bezug auf den Fall der Dringlichkeit (ad‘-d’arûrah) beziehen. 
  • Sich „vollessen“. Es wird überliefert, dass man dem Teufel am nähsten ist, wenn man den „Bauch“ voll hat. Außerdem wird überliefert, dass Allah (swt) es verabscheut, wenn Sein Diener einen überfüllten „Bauch“ hat.   
  • Sich vor dem Waschen, das nach dem Essen gemacht werden soll, die Hände mit einem Tuch abwischen.
  • Das Essen mit dem Fuß zu Tisch „schieben“ und es kann sogar verboten (h’arâm) sein, wenn es als Verhöhnung (ihânah) gemeint ist.
  • Beim Aufstoßen den Kopf gen Himmel zu erhöhen.
  • Den Dienstleuten einen anderen Platz zum Essen geben.
  • Allein essen.
  • Das nicht Aufgegessene oder nicht Ausgetrunkene ohne Deckel zu lassen. 

 Verboten (h’arâm)

  • An einem Tisch/Platz sitzen, an dem auch Alkohol oder andere Rauschmittel sind. Selbst dann, wenn man selbst keinen Alkohol trinkt oder sonstige verbotene Dinge zu sich nimmt. 
  • Das Essen und das Trinken aus goldenen oder silbernen Behältern (Tassen, Teller).

 

Allgemein zur Zeit

Wenn die Gebetszeit eingetreten ist: Wenn man die vorzügliche Zeit (waqt al-fad’îlah) des Gebetes nicht verpasst und nicht träge für das Gebet wird, so isst man vorher, sonst betet man vor dem Essen.


Wir beanspruchen keine Vollständigkeit der Auflistung. Bei Tippfehlern bitten wir um eine Benachrichtigung an info@bufib.de – Vielen Dank –

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Was ist der Unterschied zwischen dem „Adhân“ und der „Iqâmah“? https://bufib.de/was-ist-der-unterschied-zwischen-dem-adhan-und-der-iqamah/ Sat, 12 Apr 2014 21:32:35 +0000 http://bufib.de/?p=1357 Den meisten Muslimen ist der Gebetsruf bekannt, wo der Muezzin (Ausrufer zum Gebet) die Menschen zum Gebet ruft, d.h. dadurch werden sie in einer speziellen Form an das (zeitlich) eingetretene Gebet erinnert. In der islamischen Geschichte wird der Abessinier Bilal al-Habashi als der erste Gebetsrufer verzeichnet.

Islamisch rechtlich (fiqhiyan) muss man jedoch zwischen  zwei Arten des Rufes zum Gebet unterscheiden:

1. Adhân (Gebetsruf)

2. Iqâmah (Gebetsaufruf)

Der Adhân ist grob gesagt der Gebetsruf, der die Menschen daran erinnern soll, dass nun die Gebetszeit eingetreten ist. Die Iqâmah ist der Gebetsaufruf, der vom Betenden bzw. Vorbeter direkt vor dem Beginn des rituellen Gebetes rezitiert wird und dieser findet im Gegenteil zum Adhân nicht nach Außen statt.

Hier die jeweilige Form des Adhâns und der Iqâmah:

Adhân

zwei Audiobeispiele eines Gebetsrufes:

Arabisch

Deutsch

Anzahl

الله اكبر
Allahu-akbar

Allah ist am größten 4 x

اشهد ان لا اله الا الله
Ashhadu an lâ ilâha il-lallah

Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah

2 x

اشهد ان محمدا الرسول الله
Ashhadu anna Muhammadan rasûl-Allah

Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist

2 x

اشهد ان عليا ولي الله
Ashhadu anna A’liyan waliyullah

Ich bezeuge, dass Ali der Statthalter Allahs ist

2 x

حي على الصلاة
H’ayya a’la-salâ(h)

Eilt zum Gebet 2 x

حي على الفلاح
H’ayya a’lal- falâh‘

Eilt zur Erlösung

2 x

حي على خير العمل
H’ayya a’la chayril-a’mal

Eilt zur allerbesten Handlung

2 x

الله اكبر
Allahu-akbar

Allah ist am größten

2 x

لا اله الا الله
Lâ ilâha il-lallah

Es gibt keinen Gott außer Allah

2 x

 Iqâmah

Arabisch

Deutsch

Anzahl

الله اكبر
Allahu-akbar

Allah ist am größten 2 x

اشهد ان لا اله الا الله
Ashhadu an lâ ilâha il-lallah

Ich bezeuge, es gibt keinen Gott außer Allah

2 x

اشهد ان محمدا الرسول الله
Ashhadu anna Muhammadan rasûl-Allah

Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Allahs ist

2 x

اشهد ان عليا ولي الله
Ashhadu anna A’liyan waliyullah

Ich bezeuge, dass Ali der Statthalter Allahs ist

2 x

حي على الصلاة
H’ayya a’la-salâ(h)

Eilt zum Gebet 2 x

حي على الفلاح
H’ayya a’lal- falâh‘

Eilt zur Erlösung

2 x

حي على خير العمل
H’ayya a’la chayril-a’mal

Eilt zur allerbesten Handlung

2 x

قد قامت الصلاة
Qad qamat-is-salat

Steht auf zum Gebet

2 x

الله اكبر
Allahu-akbar

Allah ist am größten

2 x

لا اله الا الله
Lâ ilâha il-lallah

Es gibt keinen Gott außer Allah

1 x

 

Hier noch ein Video mit dem Adhân und der Iqâmah:

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Mama (Anasheed) https://bufib.de/mama-anasheed/ https://bufib.de/mama-anasheed/#comments Thu, 10 Apr 2014 21:41:20 +0000 http://bufib.de/?p=1329

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https://bufib.de/mama-anasheed/feed/ 2
Qumu (Latmiyah) https://bufib.de/qumu-latmiyah/ Thu, 10 Apr 2014 21:36:25 +0000 http://bufib.de/?p=1326

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Ana A’sfurah (Kleinkinder) https://bufib.de/ana-asfurah-kleinkinder/ Thu, 10 Apr 2014 21:34:47 +0000 http://bufib.de/?p=1323

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Shams al-Hidayah (Anasheed) https://bufib.de/shams-al-hidayah-anasheed/ Thu, 10 Apr 2014 21:32:41 +0000 http://bufib.de/?p=1320

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Ya Qa-im Aali Mohammad (Anasheed) https://bufib.de/ya-qa-im-aali-mohammad-anasheed/ Thu, 10 Apr 2014 21:29:00 +0000 http://bufib.de/?p=1314 http://www.youtube.com/watch?v=8Uz3NBqV2cE

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Qaddamtu laka Ruhi (Latmiyah) https://bufib.de/qaddamtu-laka-ruhi-latmiyah/ Thu, 10 Apr 2014 21:26:54 +0000 http://bufib.de/?p=1310

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Zainab tandub Hussain (Latmiyah) https://bufib.de/zainab-tandub-hussain-latmiyah/ Thu, 10 Apr 2014 21:24:52 +0000 http://bufib.de/?p=1306

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Saqi al-U’tâsh https://bufib.de/saqi-al-utaash/ Thu, 10 Apr 2014 17:12:20 +0000 http://bufib.de/?p=1290

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Kurze Bittgebete nach jedem Gebet https://bufib.de/kurze-bittgebete-nach-jedem-gebet/ https://bufib.de/kurze-bittgebete-nach-jedem-gebet/#comments Thu, 10 Apr 2014 02:46:34 +0000 http://bufib.de/?p=1257 [tabs ]
[tab title=“Frühgebet (fajr)“]

[/tab]
[tab title=“Mittagsgebet (dhuhr)“]

[/tab]
[tab title=“Nachmittagsgebet (a’sr)“]

[/tab]
[tab title=“Abendgebet (maghrib)“]

[/tab]
[tab title=“Spätabendgebet (i’sha)“]

[/tab]
[/tabs]

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https://bufib.de/kurze-bittgebete-nach-jedem-gebet/feed/ 2
Bittgebet für den Montag https://bufib.de/bittgebet-fuer-den-montag/ Wed, 09 Apr 2014 07:00:16 +0000 http://bufib.de/?p=1174 https://dl.dropboxusercontent.com/s/sz0gpi5wt2gsxx7/Bittgebet%20Montag.mp3

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen 

Aller Lobpreis gebührt Allah, 
Der niemanden zugestand, zu bezeugen, 
wie Er die Himmel und die Erde erschuf, 
und der keinen Helfer nahm, 
als Er die Seelen zustande brachte. 
Er hat keinen Gefährten in der Göttlichkeit 
und keinen Unterstützer in der Einheit. 

Zungen verstummen angesichts der Grenzen, Ihn zu beschreiben; 
Intellekte versagen vor dem Kern der Kenntnis von Ihm; 
Tyrannen fallen nieder aus Ehrfurcht vor Ihm; 
Gesichter werden demütig aus Furcht vor Ihm, 
und alles Mächtige gibt Seiner Mächtigkeit nach. 

So gebührt Dir die Lobpreisung 
immer wieder, gut bemessen, fortdauernd, planmäßig. 
Und mögen Seine Segnungen unaufhörlich auf Seinem Gesandten sein, 
Sein Gruß immerwährend, ewig! 

Oh Allah, 
Lasse den Beginn meines Tages Rechtschaffenheit sein, 
seine Mitte Wohlstand 
und sein Ausgang Erfolg! 
Ich suche Zuflucht bei Dir vor einem Tag, 
dessen Beginn Angst ist, 
dessen Mitte Besorgnis 
und dessen Ausgang Schmerz ist! 

Oh Allah, 
ich erbitte Vergebung von Dir 
Für jedes Gelübte, das ich gelobt habe, 
für jedes Versprechen ,das ich versprochen habe, 
und für jeden Treueeid, den ich geschworen habe, 
und die ich dann versäumt habe, für Dich einzuhalten. 

Ich bitte Dich 
bezüglich der Klagen Deiner Diener über mich: 
Wenn es einen Diener gibt unter Deinen Dienern 
oder einen Handlanger unter Deinen Handlangern, 
der eine Klage gegen mich hat, 
weil ich ihm Unrecht getan habe 
hinsichtlich seiner selbst, seines Rufes, seines Besitzes, 
seiner Frau oder seines Kindes, 
ich in seiner Abwesenheit schlecht über ihn gesprochen habe, 
eine Belastung für ihn war aufgrund von Neigung, Laune, Verachtung, 
Eifer ,falschem Anschein, Frömmelei, 
gleich ob er anwesend oder abwesend, tot oder lebendig war, 
so dass meine Hände ihn nicht erreichen 
und meine Fähigkeit zu beschränkt war, um ihn zu entschädigen 
oder meine Verpflichtung ihm gegenüber aufzuheben. 

Ich bitte Dich, 
Oh Er, Der alle Objekte der Bedürftigkeit besitzt, 
die von Seinem Willen gewährt werden 
und nach Seinem Wunsch sich eilen, 
dass Du Mohammad und die Familie Mohammads segnest, 
denjenigen (dem ich Unrecht getan habe) mit mir 
zufrieden sein lässt auf die Art und Weise, die Du willst, 
und mir von Dir Gnade gewährst! 
Vergebung bedeutet für Dich keine Abnahme 
und Geben schadet Dir nicht, 
oh Gnädigster der Gnädigen! 

Oh Allah, 
gewähre mir an jedem Montag zwei Segnungen von Dir: 
Die Glückseligkeit, Dir an seinem Anbeginn zu gehorchen, 
und die Segnung Deiner Vergebung an seinem Abschluss. 

Oh Er, 
der Gott ist, 
und außer Dem niemand Vergebung für Sünden gewährt.

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Bittgebet für den Dienstag https://bufib.de/bittgebet-fuer-den-dienstag/ Wed, 09 Apr 2014 06:00:53 +0000 http://bufib.de/?p=1197 https://dl.dropboxusercontent.com/s/8btggjiiy9s28w6/Bittgebet%20Dienstag.mp3

اَلْحَمْدُ للهِ وَالْحَمْدُ حَقُّهُ كَما يَسْتَحِقُّهُ حَمْداً كَثيراً وَاَعُوذُ بِهِ مِنْ شَرِّ نَفْسى اِنَّ النَّفْسَ لاََمّارَةٌ بِالسُّوءِ اِلاّ ما رَحِمَ رَبّى وَاَعُوذُ بِهِ مِنْ شَرِّ الشَّيْطانِ الَّذى يَزيدُنى ذَنْباً اِلى ذَنْبى وَاَحْتَرِزُ بِهِ مِنْ كُلِّ جَبّار فاجِر وَسُلْطان جائِر وَعَدُوّ قاهِر اَللّـهُمَّ اجْعَلْنى مِنْ جُنْدِكَ فَاِنَّ جُنْدَكَ هُمُ الْغالِبُونَ وَاجْعَلْنى مِنْ حِزْبِكَ فَاِنَّ حِزْبَكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ وَاجْعَلْنى مِنْ اَوْلِيآئِكَ فَاِنَّ أولياءك لا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلا هُمْ يَحْزَنُونَ اَللّـهُمَّ اَصْلِحْ لى دينى فَاِنَّهُ عِصْمَةُ اَمْرى وَاَصْلِحْ لى اخِرَتى فَاِنَّها دارُ مَقَرّى وَاِلَيْها مِنْ مُجاوَرَةِ اللِّئامِ مَفَرّى وَاجْعَلِ الْحَيوةَ زِيادَةً لى فى كُلِّ خَيْر وَالْوَفاةَ راحَةً لى مِنْ كُلِّ شَرٍّ اَللّـهُمَّ صَلِّ عَلى مُحَمَّد خاتَمِ النَّبِيّينَ وَ تَمامِ عِدَّةِ الْمُرْسَلينَ وَعَلى آلِهِ الطَّيِّبينَ الطّاهِرينَ وَاَصْحابِهِ الْمُنْتَجَبينَ وَهَبْ لى فِى الثُّلاثاءِ ثَلاثاً لا تَدَعْ لى ذَنْباً اِلاّ غَفَرْتَهُ وَلا غَمّاً اِلاّ اَذْهَبْتَهُ وَلا عَدُوّاً اِلاّ دَفَعْتَهُ بِبِسْمِ اللهِ خَيْرِ الاَْسْماءِ بِسْمِ اللهِ رَبِّ الاَْرْضِ وَالسَّماءِ اَسْتَدْفِعُ كُلَّ مَكْروه اَوَّلُهُ سَخَطُهُ وَاَسْتَجْلِبُ كُلَّ مَحْبُوب اَوَّلُهُ رِضاهُ فَاخْتِمْ لى مِنْكَ بِالْغُفْرانِ يا وَلِيَّ الاِْحْسان.

[tabs ]
[tab title=“Deutsch“]Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Oh Allah, segne Mohammad und die (reine) Nachkommenschaft Mohammads

Aller Lobpreis gebührt Allah,
und der Lobpreis ist Sein Recht,
weil Er allein ihn verdient,
Lobpreis in Hülle und Fülle.
Ich suche Zuflucht bei Ihm vor der Schlechtigkeit meiner Seele,
„denn die Seele gebietet oft Böses; davon sind jene ausgenommen,
derer mein Herr sich erbarmt.“

Ich suche Zuflucht bei Ihm vor dem Übel des Satans,
der Sünden zu meinen Sünden hinzufügt.
Ich suche Schutz bei Ihm vor jedem elenden Tyrannen,
ungerechten Herrscher,
und bezwingenden Feind.

Oh Allah,
lass‘ mich zu Deiner Heerschar gehören,
denn Deine Heerschar wird sicher siegreich sein.
Lass‘ mich zu deiner Partei gehören,
denn Deine Partei ist die erfolgreiche.
Und lass‘ mich zu Deinen Freunden gehören,
denn über Deine Freunde wird keine Furcht kommen,
noch sollen sie traurig sein.

Oh Allah,
lasse für mich meine Religion in Ordnung sein,
denn sie ist das schützende Band meiner Angelegenheit,
lasse für mich mein Jenseits in Ordnung sein,
denn es ist die Heimstätte meiner dauerhaften Bleibe
und dorthin fliehe ich
aus der Nachbarschaft des Abscheulichen!

Lasse das Leben ein Zuwachs an allem Guten für mich sein
und den Tod eine Verringerung von jedem Übel!

Oh Allah,
segne Mohammad,
das Siegel der Propheten,
und die Vervollständigung der Zahl der Gesandten,
seine Familie, die Guten, die Reinen,
und seine Gefährten, die Auserwählten,
und gewähre mir am Dienstag dreierlei:

Lasse
keine Sünde für mich übrig,
es sei denn, Du vergibst sie,
kein Leid für mich übrig,
es sei denn, Du nimmst es hinweg,
keinen Feind für mich,
es sei denn, Du wehrst ihn ab.

Mittels „im Namen Allahs“, dem besten der Namen,
im Namen Allahs,
Herr von Erde und Himmel,
strebe ich danach,
alles Verhasste abzuwehren,
und das erste davon ist Sein Zorn,
und ich strebe danach,
alles Liebenswerte anzuziehen,
und das erste davon ist Sein Wohlgefallen!

So besiegle (mein Schicksal) mit Vergebung von Dir,
oh Schutzherr der Wohltätigkeit![/tab]
[tab title=“Transliteration“]Bismillaahir-rah’maanir-rah’eem

Allaahumma s’alli a’laa muh’ammadin’w wa aali muh’ammad

Alh’amdu lillaahi wal h’amdu h’aqquhoo kamaa yastah’iqquhoo h’amdan katheeraa wa a-o’od’u bihee min sharri nafsee innan nafsa la-ammaaratun bis-sooo-i illaa maa rah’ima rabbee wa a-o’od’u bihee min sharrish shayt’aanil lad’ee yazeedunee d’amban ilaa d’ambee wa ah’tarizu bihee min kulli jabbaarin faajirin wa sult’aanin jaa-irin wa a’duwwin qaahir allahummaj-a’lnee min jundika fa-inna jundaka humul ghaaliboon waj-a’lnee min hizbika fa-inna h’izbaka humul muflih’oon waj-a’lnee min awliyaa-ika fa-inna awliyaaa-aka laa khawfun a’layhim wa laa hum yah’zanoon

allaahumma as’lih’ lee deenee fa-innahoo i’s’matu amree wa as’lih’lee aakhiratee fa-innahaa daaru maqarree wa ilayhaa min mujaawaratil li-aami mafarree waj-a’lil h’ayaata ziyaaddatan lee fee kulli khayr wal wafaata raah’atan lee min kulli sharr

allaahumma s’alli a’laa muh’ammadin khaatamin nabiyyeen wa tamaami i’ddatil mursaleen wa a’laa aalihit’ t’ayyibeenat’ t’aahireen wa as’h’aabihil muntajabeen wa hab lee fith thulathaaa-i thalaathaa laa tadaa’-lee d’amban illaa ghafartahoo wa laa ghamman illaa ad’habtahoo wa laa a’duwwan illaa dafaa’-tahoo bi-bismillaahi khayril asmaaa-i bismillaahi rabbil arz’’i was-samaaa-i astadfi-u’kulla makroohin awwalahoo sakhat’uhoo wa astajlibu kulla mah’boobin awwaluhoo riz’’aahu fakh-tim lee minka bil ghufraani yaa waliyyal ih’saan

allaahumma s’alli a’laa muh’ammadin’w wa aali muh’ammad[/tab]
[/tabs]

]]> Bittgebet für Mittwoch https://bufib.de/bittgebet-fuer-mittwoch/ Wed, 09 Apr 2014 05:00:54 +0000 http://bufib.de/?p=1199 https://dl.dropboxusercontent.com/s/tu965s3slg3dn91/Bittgebet%20Mittwoch.mp3

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Allah, 
Der euch die Nacht zu einer Verhüllung 
und den Schlaf zur Ruhe 
und den Tag zum Aufstehen gemacht hat. 

Dir gebührt Lobpreis, 
denn Du hast mich aus meinem Schlaf erweckt, 
-und hättest Du es gewollt, 
hättest Du ihn immerwährend sein lassen- 
ein immerwährender Lobpreis, 
der niemals unterbrochen wird 
und dessen Zahl 
die Geschöpfe niemals zählen werden! 

Oh Gott, 
Dir gebührt Lobpreis, 
denn Du hast erschaffen, 
dann wohlgestaltet, 
verfügt und beschlossen, 
den Tod gebracht und Leben geschenkt 
krank gemacht und geheilt, 
froh gestimmt und heimgesucht 
auf dem Thron gesessen 
und das Königreich umfasst. 

Ich flehe Dich inständig an, 
mit dem Flehen desjenigen, 
dessen Mittel schwach sind, 
dessen Strategien unterbunden wurden, 
dessen Termin nahe gerückt ist, 
dessen Erwartung in diese Welt geschrumpft ist, 
dessen Bedürftigkeit nach Deiner Gnade sich verstärkt hat, 
dessen Reue über seine Nachlässigkeit groß geworden ist, 
dessen Ausrutschen und Straucheln viel geworden ist, 
und dessen Reue aufrichtig Deinem Antlitz geweiht ist. 

So segne Mohammad, 
das Siegel der Propheten, 
und seine Familie, die Guten, die Reinen, 
und gewähre mir die Fürsprache Mohammads 
(Gott segne ihn und seine Familie) 
und beraube mich nicht seiner Gesellschaft! 
Wahrlich, Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen! 

Oh Gott, 
verfüge am Mittwoch vier Dinge für mich: 

Bringe mich dazu, 
im Gehorsam Dir gegenüber stark zu sein, 
bei Deiner Anbetung froh zu sein, 
Deine Belohnung zu wünschen, 
und mich dem zu enthalten, was mir Deine 
schmerzliche Bestrafung zueignen würde. 

Du bist sanft zu wem Du willst.

 

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Bittgebet für Donnerstag https://bufib.de/bittgebet-fuer-donnerstag/ Wed, 09 Apr 2014 04:00:46 +0000 http://bufib.de/?p=1202 https://dl.dropboxusercontent.com/s/8dg7aapxgfqprvm/Bittgebet%20Donnerstag.mp3

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Lobpreis gebührt Allah,
Der in Seiner Macht die dunkle Nacht hinweg genommen hat
und in Seiner Gnade den Sicht gebenden Tag gebracht hat.
Er hat mich in Seiner Helligkeit bekleidet
und mir Seinen Segen gewährt.

Oh Gott,
gerade so wie Du mich an diesem Tag verschont hast,
so verschone mich auch an seinesgleichen,
segne den Propheten Mohammad und seine Familie,
quäle mich nicht an ihm und in anderen Nächten
und an anderen Tagen,
indem Du mir erlaubst,
unerlaubte Handlungen zu begehen
und mich in Sünden zu kleiden;
gewähre mir sein Gutes,
das Gute von allem an ihm,
und das Gute von allem nach ihm;
und wende sein Übel von mir ab,
das Übel von allem an ihm,
und das Übel von allem nach ihm!

Oh Gott,
beim schützenden Vertrag des Islam,
suche ich das Gespräch mit Dir!
Bei der Unverletzlichkeit des Qur’an
vertraue ich auf Dich!
Bei Mohammad, dem Erwählten, (Gott segne ihn und seine Familie)
suche ich die Fürsprache bei Dir!
So anerkenne meinen schützenden Vertrag,
durch den mein Bedarf hoffentlich gewährt wird,
oh Barmherzigster aller Barmherzigen!

Oh Gott,
verfüge für mich am Donnerstag fünferlei
was niemand umfasst außer Deiner Großzügigkeit
und niemand unterstützt außer Deinen Gnadenerweisen:
Gesundheit,
durch die ich die Kraft habe, Dir gehorsam zu sein,
Anbetung,
durch die ich Deine reichliche Belohnung verdienen kann,
Reichtum in meinem Zustand
durch erlaubte Versorgung
und dass Du mich sicher sein lässt an den Orten der Furcht
durch Deine Sicherheit,
und mich in Deine Festung lässt
vor dem Angriff von Befürchtungen und Sorgen!
Segne Mohammad und seine Familie,
und lasse mich seine Fürsprache suchen als ein
Fürsprecher, der am Tag der Auferstehung von Nutzen ist.

Wahrlich, Du bist der Barmherzigste aller Barmherzigen!

 

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Bittgebet für Freitag https://bufib.de/bittgebet-fuer-freitag/ Wed, 09 Apr 2014 03:00:50 +0000 http://bufib.de/?p=1204 https://dl.dropboxusercontent.com/s/g9nnwn6yh7u1y62/Bittgebet%20Freitag.mp3

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Aller Lobpreis gebührt Allah, 
dem Ersten 
vor dem Hervorbringen und Schenken von Leben, 
und dem Letzten 
nach der Vernichtung aller Dinge, 
dem Allwissenden, Der 
nicht den vergisst, der Seiner gedenkt, 
den nicht erniedrigt ,der Ihm dankt, 
den nicht enttäuscht, der Ihn anbetet 
und dem nicht die Hoffnungen unterbindet, 
der seine Hoffnungen in Ihn setzt! 

Oh Gott, 
ich rufe Dich zum Zeugen, 
und Du genügst als Zeuge, 
und ich rufe zu Zeugen 
alle Deine Engel 
die Bewohner Deiner Himmel, 
die Träger Deines Thrones 
Deine Propheten und 
Deine Gesandten, die Du entsandt hast, 
dass ich bezeuge, dass Du Gott bist, 
es keinen Gott gibt außer Dir, Dir allein, 
Der keinen Gefährten hat noch Seinesgleichen, 
Dein Wort keinen Mangel hat 
noch irgendeine Veränderung erfährt; 
Mohammad (Gott segne ihn und seine Familie) 
Dein Diener und Gesandter ist, 
Er hat den Dienern das überbracht, 
was Du ihm aufgetragen hast, 
Er eiferte für Gott wie es Ihm gebührt, 
Er brachte die gute Nachricht von der Wahrheit der Belohnung 
und Er warnte vor der Wahrhaftigkeit der Bestrafung. 

Oh Gott, 
mache mich standhaft in Deiner Religion, 
so lange Du mich am Leben hältst, 
lasse mein Herz nicht abweichen, 
nachdem Du mich geleitet hast, 
und gewähre mir Deine Gnade, 
wahrlich, Du bist der unablässig Gebende. 

Segne Mohammad und die Familie Mohammads, 
mache mich zu einem seiner Anhänger und Parteigänger, 
versammle mich in seiner Gruppe, 
und gewähre mir den Erfolg, 
die Pflichtgebote des Freitags zu erledigen, 
die Du mir an ihm aufgetragen hast, 
und die Segnung zu erlangen, 
die Du seinem Volk zugeteilt hast 
am Tag der Vergeltung! 

Wahrlich, Du bist allmächtig, allweise.

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Bittgebet für Samstag https://bufib.de/bittgebet-fuer-samstag/ Wed, 09 Apr 2014 02:00:20 +0000 http://bufib.de/?p=1208 https://dl.dropboxusercontent.com/s/vtrxhq4f64pliet/Bitgebet%20Samstag%20-%20Ghrayyeb.mp3

بِسْمِ اللهِ كَلِمَةُ الْمُعْتَصِمينَ وَمَقالَةُ الْمُتَحَرِّزينَ وَاَعُوذُ بِاللهِ تَعالى مِنْ جَوْرِ الْجائِرينَ وَكَيْدِ الْحاسِدينَ وَبَغْيِ الظّالِمينَ وَاَحْمَدُهُ فَوْقَ حَمْدِ الْحامِدينَ اَللّـهُمَّ اَنْتَ الْواحِدُ بِلا شَريكِ وَالْمَلِكُ بِلا تَمْليك لا تُضادُّ فى حُكْمِكَ وَلا تُنازَعُ فى مُلْكِكَ أَسْأَلُكَ اَنْ تُصَلِّيَ عَلى مُحَمَّد عَبْدِكَ وَرَسُولِكَ وَاَنْ تُوزِعَنى مِنْ شُكْرِ نُعْماكَ ما تَبْلُغُ بى غايَةَ رِضاكَ وَاَنْ تُعينَنى عَلى طاعَتِكَ وَلُزُومِ عِبادَتِكَ وَاسْتِحْقاقِ مَثُوبَتِكَ بِلُطْفِ عِنايَتِكَ وَتَرْحَمَني بِصَدّى عَنْ مَعاصيكَ ما اَحْيَيْتَنى وَتُوَفِّقَنى لِما يَنْفَعُني ما اَبْقَيْتَني وَاَنْ تَشْرَحَ بِكِتابِكَ صَدْري وَتَحُطَّ بِتِلاوَتِهِ وِزْري وَتَمْنَحَنِيَ السَّلامَةَ فى دينى وَنَفْسى وَلا تُوحِشَ بى اَهْلَ اُنْسي وَتُتِمَّ اِحْسانَكَ فيما بَقِىَ مِنْ عُمْرى كَما اَحْسَنْتَ فيما مَضى مِنْهُ يا اَرْحَمَ الرّاحِمين.

[tabs ]
[tab title=“Deutsch“]Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

„Im Namen Allahs“,
die Worte derer, die an Ihm festhalten,
die Rede derer, die Seinen Schutz suchen!

Ich suche Zuflucht bei Gott (hoch erhaben ist Er)
vor der Ungerechtigkeit der Ungerechten,
der Betrügerei der Neidischen
und der Unterdrückung der Missetäter.

Und ich lobpreise Ihn
über den Lobpreis der Lobpreisenden hinaus!

Oh Gott,
Du bist der Eine ohne Gefährten,
und der König,
ohne zum Herrscher gemacht worden zu sein;
niemand widersetzt sich Dir in Deinem Erlass
und niemand konkurriert mit Dir
in Deinem Königtum!

Ich bitte Dich,
segne Mohammad und seine Familie,
Deinen Diener und Deinen Gesandten,
erfülle mich mit einer Dankbarkeit für Deine Gunsterweise,
die mich bis an die äußerste Grenze Deines
Wohlgefallens gelangen lässt.

Hilf‘ mir durch den Sanftmut Deines Alleinseins,
Dir gehorsam zu sein,
daran festzuhalten, Dich anzubeten,
und Deine Belohnung zu verdienen.

Sei mir gnädig,
schließe mich von Handlungen des Ungehorsams Dir gegenüber aus
solange Du mich am Leben hältst.

Gewähre mir Erfolg in dem, was mir nutzt,
solange Du mich verschonst.

Weite meine Brust mit Deinem Buch,
vermindere meine Bürde durch seine Lesung.

Verleihe mir Wohlergehen
in meiner Religion und meiner Seele.

Entfremde mir nicht meine Vertrauten,
und vervollständige Deine Wohltätigkeit in der mir
noch verbliebenen Lebenszeit,
grade so, wie Du Mildtätigkeit in der vergangenen
(Lebenszeit) gezeigt hast.

Oh Barmherzigster aller Barmherzigen![/tab]
[tab title=“Transliteration“]BISMILLAAHIR-RAH’MAANIR-RAH’EEM

ALLAHUMA S’ALLI A’LAA MUHA’AMMADIN’W WA AALI MUHAMMAD

BISMILLAH KALIMATUL MUA’ TAS’IMEENA WA MAQAALATUL MUTAH’ARRIZEEN WA A-O’OD’U BILLAAHI TA-A’ALAA MIN JAWRIL JAAA- IREENA WA KAYDIL H’AASIDEENA WA BAGHYIZ’ ZAALIMEEN WA AH’MADUHOO FAWQA H’AMDIL HAAMIDEEN ALLAHUMMA ANTAL WAAH’IDU BILAA SHAREEKIN WAL MALIKU BILAA TAMLEEKIN LAA TUZ”AADDU FEE HUKMIKA WA LAA TUNAAZA-U’ FEE MULKIKA AS-ALUKA AN TUS’ALLIYA A’LAA MUH’AMMADIN A’BDIKA WA RASOOLIKA WA AN TOOZI-A’NEE MIN SHUKRI NUA’- MAAKA MAA TABLUGHU BEE GHAAYATA RIZ”AAKA WA AN TU-E’ENANEE A’LAA T’AA-A’TIKA WA LUZOOMI I’BADATIKA WAS TIH’QAAQI MATHOOBATIKA BI LUT’FI I’NAAYATIKA WA TARH’AMANEE BI S’ADEE A’N MA-A’AS’EEKA MAA AH’YAYTANEE WA TUWAFIQANEE LIMAA YANFA-UNEE MAA ABQAYTANEE WA AN TASHRAH’A BIKITAABIKA S’ADREE WA TAH’UTTA BI – TILAAWATIHEE WIZREE WA TAMNAH’NIS SALAAMATA FEE DEENEE WA NAFSEE WA LAA TOOH’ISHA BEE AHLA UNSEE WA TUTIMMA IH’SAANAKA FEEMAA BAQIYA MIN U’MREE KAMAAA AH’SANTA FEEMAA MAZ”AA MINHU YAA ARH’AMAR RAAH’IMEEN ALLHUMMA S’ALLI ALAA MUH’AMMADIN W WA AALI MUHAMMAD[/tab]
[/tabs]

 

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

„Im Namen Allahs“, 
die Worte derer, die an Ihm festhalten, 
die Rede derer, die Seinen Schutz suchen! 

Ich suche Zuflucht bei Gott (hoch erhaben ist Er) 
vor der Ungerechtigkeit der Ungerechten, 
der Betrügerei der Neidischen 
und der Unterdrückung der Missetäter. 

Und ich lobpreise Ihn 
über den Lobpreis der Lobpreisenden hinaus! 

Oh Gott, 
Du bist der Eine ohne Gefährten, 
und der König, 
ohne zum Herrscher gemacht worden zu sein; 
niemand widersetzt sich Dir in Deinem Erlass 
und niemand konkurriert mit Dir 
in Deinem Königtum! 

Ich bitte Dich, 
segne Mohammad und seine Familie, 
Deinen Diener und Deinen Gesandten, 
erfülle mich mit einer Dankbarkeit für Deine Gunsterweise, 
die mich bis an die äußerste Grenze Deines 
Wohlgefallens gelangen lässt. 

Hilf‘ mir durch den Sanftmut Deines Alleinseins, 
Dir gehorsam zu sein, 
daran festzuhalten, Dich anzubeten, 
und Deine Belohnung zu verdienen. 

Sei mir gnädig, 
schließe mich von Handlungen des Ungehorsams Dir gegenüber aus 
solange Du mich am Leben hältst. 

Gewähre mir Erfolg in dem, was mir nutzt, 
solange Du mich verschonst. 

Weite meine Brust mit Deinem Buch, 
vermindere meine Bürde durch seine Lesung. 

Verleihe mir Wohlergehen 
in meiner Religion und meiner Seele. 

Entfremde mir nicht meine Vertrauten, 
und vervollständige Deine Wohltätigkeit in der mir 
noch verbliebenen Lebenszeit, 
grade so, wie Du Mildtätigkeit in der vergangenen 
(Lebenszeit) gezeigt hast. 

Oh Barmherzigster aller Barmherzigen!

 

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Bittgebet für den Sonntag https://bufib.de/bittgebet-fuer-den-sonntag-2/ Wed, 09 Apr 2014 01:00:07 +0000 http://bufib.de/?p=1170

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Im Namen Allahs, von dem ich nichts erhoffe als Freigebigkeit
und von Dem ich nichts fürchte als Gerechtigkeit!

Ich vertraue auf Sein Wort, und ich klammere mich nur an Sein Seil!
In Dir suche ich Schutz -Oh Besitzer von Gnade und gutem Wunsch –
vor Falschheit und Feindschaft,
vor den veränderungen der Zeit,
und der Wiederkehr von Sorgen,
vor dem Treffen von Unglücken,
und vor dem Ablauf meiner Frist bevor ich vorbereitet und bereit bin.

Von Dir suche ich Rechtleitung zu dem,
was Rechtschaffenheit und in Ordnung bringen enthält.
Von Dir suche ich Hilfe bei dem,
was verbunden ist mit Erfolg und einer günstigen Antwort.
Von Dir erflehe ich das Gewand des Wohlergehens
und seine Vervollkommnung
und die Decke der Gesundheit und deren Bestand.

Ich suche Zuflucht bei Dir, mein Herr, vor dem stacheln der Satane,
und ich suche Schutz in Deiner Macht vor der Ungerechtigkeit der Mächtigen.

So nimm meine geleisteten Gebete und Fasten an
und lasse mein morgen und was danach kommt besser sein für mich
als meine gegenwärtige Stunde und mein Heute!
Erhöhe mich innerhalb meiner Sippe und meinem Volk
und beschütze mich beim Wachen und Schlafen!
Denn Du bist Gott, der beste Beschützer,
und Du bist der barmherzigste Erbarmer.

Oh Gott, ich höre auf damit , Dir an diesem Tag und an allen Sonntagen die ihm folgen,
andere beizugesellen und mit der Ketzerei,
und aufrichtig widme ich Dir mein demütiges Flehen,
ich wende mich an Deine Antwort.

So segne Mohammad und die Familie Mohammads,
den Besten Deiner Schöpfung,
den Aufrufer zu Deiner Wahrheit,
erhöhe mich mit Deiner Erhebung, die niemals Verlust erleiden muss,
schütze mich mit Deinem Auge, das niemals schläft;
Und besiegle meine Lage in dem Du mich von allem loslöst außer Dir,
und mein leben mit Vergebung.

Wahrlich, Du bist der Allverzeihende, der Allbarmherzige.

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Islam in kürze https://bufib.de/islam-in-kuerze/ Tue, 08 Apr 2014 23:19:06 +0000 http://bufib.de/?p=1147 Der Islam ist die letzte, abschließende und „kompletteste“ der himmlischen Religionen…, das vollendete Wort Gottes. Das besagt, mit dem Kommen des Islam erübrigen sich die vorherigen  Religionen, weil angesichts des Vollendeten Unvollendetes nicht mehr benötigt wird. Der Islam wurde durch unseren verehrten Propheten Muhammad Ibn Abdullah (s.a.a.s.) den Menschen gesandt. Dieser kam und öffnete das Tor zu Glück und Errettung. Und zwar zu einem Zeit, als die menschliche Gesellschaft Stadien „und Epochen geistiger Unreife hinter sich gebracht hatte und fähig geworden war, zu reiferer Menschlichkeit hinzufinden, höheres Wissen über Gott und religiöse Themen aufzunehmen, zu erfassen und sich dementsprechend zu verhallten bzw. zu berichtigen. Der Islam offenbart all die Wahrheiten, die einem objektiven, real denkenden Menschen verständlich und begreiflich sind. Er klärt über jene gottwohlgefällige Gesinnung und Moral auf, die eines Menschen würdig ist und ihn als „Mensch“ zu erkennen gibt. Zudem gab er sämtliche Bereiche des menschlichen Daseins betreffende Weisungen – allgemeine und detaillierte – an die Hand, die, so sie beachtet und eingehalten werden, dem individuellen als auch gesellschaftlichen Leben eine konstruktive Ordnung geben und die Gesellschaft in die Lage versetzt, sich zu entfalten und zu vervollkommnen. Der Islam ist eine universale, die gesamte Menschheit ansprechende Religion, allzeit aktuell und von immerwährender Gültigkeit. Er beinhaltet eine Reihe Überzeugungsansichten, ethische Maxime und praktische Hinweise und Gebote zu denen er aufruft, und die – wie gesagt – des Menschen Wohl und Glück in dieser als auch jener Welt garantieren.

Die islamischen Regelungen und Bestimmungen sind dargestellt, dass eine jede Gesellschaft, die sich ihrer bedient, in die Lage versetzt wird, höchstmögliche Entfaltung bzw. Fortschritte zu erreichen. Die islamische Religion öffnet sich jedem und lässt einen jeden, der will, an ihrem Segen teilhaben. Unterschiedslos, klein und groß, alt und jung, ob gebildet oder nicht, Mann und Frau, weiß oder schwarz, östlich oder westlich, alle können teilhaben an dem Segen dieser Religion. Können aus ihr schöpfen und ihren Erfordernissen genüge tun. Dieses ist deswegen möglich, da der Islam mit der menschlichen Schöpfung, das heißt des Menschen
Wesen und Beschaffenheit konform geht. Weil er seine Probleme und Nöte heilen möchte. Da sich das Wesen des Menschen – dessen reines „Urwesen“, mit dem der Islam voll und ganz harmoniert – nicht ändert, verliert diese letzte und abschießende der göttlichen Botschaften niemals ihre Gültigkeit und ist allzeit aktuell. Sie spricht bis in alle Zeiten hinein einen jeden der menschlichen Gesellschaft an…, einen jeden in Ost und West, in Nord und Süd, ob Mann oder Frau, jung oder alt, welcher Herkunft und Nationalität auch immer. Sie alle gehören zur Familie, zur Gattung „Mensch“ und sind vom Islam angesprochen. Anders formuliert: Die artspezifischen Besonderheiten, Charakteristika und Bedürfnisse dieser Gattung sind allen, die ihr angehören, gemeinsam. Die kommenden Generationen, das heißt der Mensch von morgen, der „Kind“ und „Nachkomme“ des heutigen und gestrigen ist, wird daher, als Erbe seiner Väter und Vorväter, die gleichen Wesensmerkmale aufweisen wie sie. Dem Islam aber, der auf das unveränderliche, reine menschliche Urwesen „abgestimmt“, ist es daran gelegen ist, den echten, wesensbedingten Notwendigkeiten des Menschen Genüge zu tun. Er wird immer sein, lebendig, aktuell und voll ausreichend. Genau das ist der Grund, weshalb der Erhabene Gott den Islam als „Din al-fitra“, das heißt „dem menschlichen Wesen entsprechende Religion“ bezeichnet und dazu aufruft, das „menschliche Wesen“ zu schützen und zu bewahren. Wie die Großen unserer
Religion sagen: Der Islam ist eine unkomplizierte Religion, die dem Menschen keine Härten auferlegt und ihm das Dasein erleichtert.

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Dialog geht jeden an https://bufib.de/dialog-geht-jeden-an/ Tue, 08 Apr 2014 23:07:10 +0000 http://bufib.de/?p=1144 Die Verflechtung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme unserer Zeit macht deutlich, wie sehr die Menschen aufeinander angewiesen sind. Die weltweite Krise kann nicht mehr von einem Teil der Menschheit allein gelöst werden. Ein Bewußtsein der gemeinsamen Verantwortung und eine Verständigung zwischen den Menschen ist nötiger denn je.
Einen Ansatz hierzu eröffnet der interreligiöse Dialog, und zwar nicht im engeren Sinne einer Gegenüberstellung theologischer Aussagen unter Fachleuten allein, sondern als Teil einer lebendigen Beziehung von Menschen, die verschiedenen Religionen angehören und aus ihrem Glauben heraus zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen. Denn jede Religion versteht sich letztendlich nicht einfach als privates Gedankengut, sondert fordert auf zum Zeugnis mit Wort und Tat und zur verantwortlichen Mitgestaltung des Weltgeschehens.
Während Judentum, Christentum und Islam aus derselben abrahamitischen Wurzel stammen, war in der Geschichte die Beziehung zwischen Christen und Muslimen oft von Konflikt und Rivalität geprägt. Deswegen erschweren leider bis heute gegenseitige Unkenntnis und Vorurteile ein Zusammenleben und -wirken in Respekt und Vertrauen, so daß oft ein ganz neuer Ansatz für die Begegnung miteinander gefunden werden muß.

Einander kennenlernen

Einander wirklich kennenlernen bedeutet, unvoreingenommen auf den anderen zuzugehen und von ihm selbst etwas zu erfahren über seinen Glauben, seine Gedankenwelt, seine Wertvorstellungen, seinen Alltag, seine Ideale und seine Probleme, und selbst offen zu sein und ihm Einblick zu geben in die eigene Überzeugung.
Unvoreingenommen sein heißt, dem anderen in erster Linie als Menschen zu begegnen, nicht mit vorgefaßten Vorstellungen über „den Christen“ bzw. „den Muslim“. Gerade wir Muslime sind aufgefordert, unsere Mitmenschen als Geschöpfe des einen Gottes zu sehen und unsere Verschiedenheiten als göttliche Offenbarung zu betrachten:
Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden. (Sura 30:32)
Auf diese Weise lernen wir den anderen nicht nur kennen, sondern auch, den eigenen Standpunkt zu überdenken und Unterschiede zu akzeptieren. Möglicherweise werden wir auch angeregt, uns mit unserem eigenen Glauben gründlicher zu beschäftigen und so zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wollen wir über dieses gegenseitige Kennenlernen hinaus zu einer wirklich konstruktiven Beziehung gelangen, so dürfen wir nicht bei einer bloßen Bestandsaufnahme und desinteressierter Toleranz unserer Verschiedenheiten stehenbleiben, sondern sollten voneinander lernen und als Voraussetzung unseres Zusammenlebens und gemeinsamen Handelns das uns Verbindende suchen.

Gemeinsamkeiten finden

Der Qur’an fordert uns zum Dialog mit Angehörigen anderer Schriftreligionen auf:
O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: daß wir keinen anbeten außer Gott und Ihm keinen Partner zur Seite stellen, und daß nicht die einen unter uns die anderen zu Herren annehmen statt Gott. Doch wenn sie sich abkehren, dann sprecht: Bezeugt, daß wir uns Gott ergeben haben. (Sura 3:65)
Tatsächlich ist es nicht schwierig, zwischen den Religionen der abrahamitischen Tradition (Judentum, Christentum, Islam) Gemeinsamkeiten und Parallelen zu finden, stimmen doch ihre Kernaussagen weitgehend überein:
– Wir glauben an denselben Gott, der uns geschaffen hat, der sich uns auf verschiedene Weise offenbart und uns führt und leitet, um uns zu vervollkommnen und Seinen Plan mit uns zu verwirklichen.
– Wir haben gemeinsame historische Wurzeln und leiten unseren Glauben aus derselben prophetischen Tradition her.
– Wir kennen von daher unsere besondere menschliche Verantwortung als „Statthalter Gottes auf Erden“.
– Wir haben dieselben ethischen Ideale und Wertvorstellungen und bemühen uns, diese zu verwirklichen. Dazu gehört unter anderem die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Harmonie in der Menschheit und in der übrigen Schöpfung und Liebe als Vervollkommnung all dessen.
– Wir sind uns bewußt, daß wir schließlich vor Gott Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen, und hoffen auf Seine Barmherzigkeit.
All das faßt der Qur’an in Sura 42:14-16 zusammen, wo der Prophet Muhammad (s.a.w.) angesprochen wird: Er verordnete für euch eine Glaubenslehre, die Er Noah anbefahl und die Wir dir offenbarten und die Wir Abraham und Moses und Jesus auf die Seele banden: nämlich bleibet standhaft im Gehorsam und seid nicht gespalten darin. Hart ist für die Heiden das, wozu du sie aufrufst. Gott wählt dazu aus, wen Er will, und leitet dazu den, der sich bekehrt. Und sie zerfielen erst dann in Spaltung, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus selbstsüchtigem Neid untereinander. Und wäre nicht bereits ein Wort von deinem Herrn ergangen für eine bestimmte Frist – gewiß wäre zwischen ihnen entschieden worden. Wahrlich jene, denen Wir nach ihnen das Buch zum Erbe gegeben haben, sind in beunruhigendem Zweifel darüber. Zu diesem also rufe sie auf. Und bleibe standhaft, wie dir geheißen ward, und folge ihren bösen Gelüsten nicht, sondern sprich: Ich glaube an das, was Gott an Schrift herabgesandt hat, und mir ist befohlen, gerecht zwischen euch zu richten. Gott ist unser Herr und euer Herr. Für uns unsere Werke und für euch eure Werke! Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenbringen, und zu Ihm ist die Heimkehr.
Über das Verhältnis der Religionen der abrahamitischen Tradition heißt es in Sura 5:45-49:
Wir hatten die Thora hinabgesandt, in der Führung und Licht war. Damit hatten die Propheten, die immer gehorsam waren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissenden und Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Gottes zu bewahren, und sie waren seine Hüter. Darum fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich; und gebt nicht Meine Zeichen hin um geringen Preis. Wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat – das sind die Ungläubigen … Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Führung und Licht war, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war, eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Es soll das Volk des Evangeliums richten nach dem, was Gott darin offenbart hat; wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat – das sind die Ungerechten. Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber. Richte darum zwischen ihnen nach dem, was Gott hinabgesandt hat, und folge nicht ihren bösen Neigungen gegen die Wahrheit, die zu dir gekommen ist. Einem jeden von euch haben Wir eine klare Satzung und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott gewollt, Er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht, doch Er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was Er euch gegeben. Wetteifert darum miteinander in guten Werken. Zu Gott ist euer aller Heimkehr; dann wird Er euch aufklären über das, worüber ihr uneinig wart.
Weder für Christen noch für Muslime erschöpft sich Glaube im Fürwahrhalten metaphysischer und theologischer Aussagen, sondern fordert auf, die Glaubenswahrheiten zu erforschen und zu erfahren. Die Gläubigen sollen Zeugnis in Wort und Tat ablegen und somit die Ideale und Werte verwirklichen. Sobald wir also auf diese Weise eine gemeinsame Basis gefunden haben, können wir die uns gestellten Aufgaben in Angriff nehmen und durch konstruktive Zusammenarbeit nicht nur theoretische Lösungsmöglichkeiten, sondern auch praktische Vorgehensweisen finden.

Gemeinsam handeln

Gott läßt unser Streben nach dem Guten nicht verlorengehen:
Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer wahrhaft an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut – sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen noch sollen sie trauern. (Sura 2:63)
Es kann hier selbstverständlich nicht darum gehen, die Religionen miteinander zu vermischen oder Unterschiede zu verneinen. Gerade an so zentralen Punkten wie z.B. der Wirklichkeit Jesu und Mohammeds (Friede sei mit ihnen) wird man den Dialogpartner in seiner Eigenart akzeptieren können. Der Qur’an gibt uns Hinweise für unser Verhalten in solchen Kontroversen:
Und debattiert mit dem Volk der Schrift nicht anders als auf die beste Art, mit Ausnahme derer, die ungerecht sind. Und sprecht: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde, und unser Gott und euer Gott ist einer, und Ihm sind wir ergeben. (Sura 29:47) 

aus: Faltblattserie des Islamischen Zentrums Hamburg

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Die gläubige Frau https://bufib.de/die-glaeubige-frau/ Tue, 08 Apr 2014 23:01:03 +0000 http://bufib.de/?p=1141 „Wer immer gute Taten vollbringt, sei es Mann oder Frau, wenn er nur gläubig ist, den wollen Wir zu einem guten Leben erwecken und wollen ihn belohnen für seine besten Werke.“ (Qur’an 16:97)

Gläubig auf Arabisch heißt ‚mumin‘ und bedeutet wörtlich soviel wie ‚die Wahrheit verinnerlichen‘, wobei ‚Verinnerlichung‘ drei Stufen umfasst: Das Herz erfasst die Wahrheit, die Zunge bezeugt sie, und die anderen menschlichen Sinne verleihen ihr Ausdruck. Wenn ‚gläubig sein‘ bedeutet, die Wahrheit zu erfassen und in die Tat umzusetzen, dann wird sich nach dieser Auslegung eine gläubige Frau von einem gläubigen Mann in nichts unterscheiden.

Das Glaubensbekenntnis der Muslime gilt für beide Geschlechter gleichermaßen und die Gebote des Glaubens wie Beten, Fasten, Entrichten der Sozialsteuer, Pilgerfahrt usw. sind für Mann und Frau in gleichem Maße gültig. In der 66. Sure des Qur’an, erfahren wir Näheres über ‚die gläubige Frau‘:

„Und es stellt Allah ein Gleichnis für die Gläubigen auf: Die Frau Pharaos, die sprach: ‚Mein Herr, baue mir bei Dir ein Haus im Paradiese und rette mich vor Pharao und seinem Tun, und rette mich vor dem Volk der Ungerechten.‘ Und Maryam (Maria), Imran’s Tochter, die ihre Keuschheit wahrte und der Wir Unseren Geist einhauchten; sie glaubte an die Worte ihres Herrn und Seine Schriften und war eine der Demütigen.“ (Qur’an 66:11,12)

Asieh

Es ist hier zunächst die Rede von der Frau des Pharao, der den Unterdrücker schlechthin verkörpert und sinnbildhaft für Arroganz, Gewalt und Falschheit steht. Dennoch gelang es Asieh, sich den Glauben an den einen Gott zu erhalten, unberührt von der sie umgebenden korrupten Umwelt. Asieh war es schließlich, die dem kleinen Baby Moses das Leben rettete. Sie erreichte es dank ihres Glaubens, ihren Mann zu überreden, den kleinen Jungen nicht wie die anderen Söhne der Israeliten töten zu lassen. Asieh sorgte für Moses so gut sie konnte. Als Moses von der Wanderschaft zurückkam und dem allgewaltigen Pharao seine Botschaft von dem Glauben an den Schöpfer und Erhalter des Daseins kundtat, wusste Asieh, daß Moses die Wahrheit sprach. Ihr Mann, der Pharao, stellte sie zur Rede. Asieh kann ihm ihr Geheimnis nicht länger verschweigen. Sie gibt ihm zu verstehen, was sie von seiner Herrschaft hält, daß sie durchschaut hat, wie er mit seinen Fürsten und Götzenpriestern das Volk die ganzen Jahre betrogen und unterdrückt hatte. Ihre Liebe gehöre allein dem Allgütigen und Allbarmherzigen. Vielleicht wählte Asieh für ihr Geständnis gerade diesen Zeitpunkt, da sie spürte, daß Moses ihren Widerstand fortsetzen und ihn zum Sieg über Hochmut und Gewalt führen würde. Nur wer Gott sehr nahe steht, dem beschert Gott den Segen, als Märtyrer und Zeuge für Wahrheit und Gerechtigkeit zu sterben. Asieh hatte diese Stufe der Gottergebenheit erreicht. Sie betet zu Gott um Aufnahme in sein Reich: „Mein Herr, baue mir bei Dir ein Haus im Paradies.“ Aus Überlieferungen wissen wir, daß Pharao Asieh festnehmen und kreuzigen ließ.

Maryam

Der Qur’an erhebt eine weitere Frau aus der Geschichte zum Vorbild für alle Gläubigen: Es ist die Jungfrau Maria, der auch im Christentum besonders in ihrer Funktion als mütterlich-helfende Retterin große Verehrung zukommt. Mit dem Namen Maryam verbindet sich etwas Heiliges. Neben sechs weiteren Propheten wurde eine ganze Sure nicht etwa nach Jesus, sondern mit dem Namen der Jungfrau Maria benannt. Der Name des Propheten Jesus (arabisch ‚Isa‘) wird stets im Zusammenhang mit Maryam erwähnt: ‚Isa ibn Maryam‘, d.h. Jesus, Sohn der Maria, die die Voraussetzung für die Erscheinung dieser von Güte und Nächstenliebe durchdrungenen Gestalt verkörpert.

„O Maryam, Allah hat dich auserwählt und gereinigt und erwählt vor den Frauen der Welten.“ (Sure 3, Vers 41)

Nur wer wahrhaft demütig ist, kann den Glauben verwirklichen. Maria war es. Gottes Wille war ihr Befehl. Als der Bote Gottes ihr von dem Wunder ihrer Empfängnis berichtet, fragt sie nicht viel. Sie geht fort und wartet auf die Geburt des kleinen Jesu. Sie steht in ständiger Verbindung zu ihrem Herrn und befolgt Gottes Geheiß Schritt für Schritt:

„So iss und trink und kühle dein Auge! Und wenn du von den Menschen jemanden siehst, so sage: ‚Ich habe dem Allgütigen ein Fasten gelobt, darum werde ich mit keinem Menschen sprechen.“ (Sure ‚Maryam‘, Vers 26)

Maria nahm das Baby auf den Arm und ging zurück zu ihrer Gemeinde: Was für eine Schandtat, eine Tempelhüterin, hatte sie es gewagt! Alle diese Vorwürfe würden sie nicht berühren. Maryam war wahrhaft eine Frau von tiefer mystischer Einsicht, der es gelungen war, sich von den Schranken des irdischen Lebens zu befreien und der absoluten Vollkommenheit nahezukommen. Und in der Tat, ihr Baby fing bald an zu sprechen und entlastete sie von allen Anschuldigungen, wie ihr Herr es versprochen hatte.

‚Wahrlich, Gott hat für die Frauen der Welten vier Frauen (zum Vorbild) auserwählt: Asieh, die Frau des Pharao, Maryam, Khadija und Fatima.‘ (Überlieferungen des Propheten)

Asieh steht symbolhaft für Widerstand und Mut; Maryam für Reinheit und absolute Gottergebenheit; Khadija, die Frau des Propheten Mohammad verkörpert die revolutionäre Frau und ideale Lebenspartnerin; die Tochter Mohammeds, Fatima, vereint alle diese Tugenden in sich: sie ist vorbildhafte Tochter, Ehefrau und Mutter und eine Frau in der Gesellschaft im Einsatz für Gerechtigkeit und die Verwirklichung der göttlichen Werte.

Khadija

Es war Khadija, die Mohammad, ihrem musterhaften Angestellten, zu verstehen gab, dass sie bereit sei, seine Frau zu werden. Allein diese Tatsache ist revolutionär genug, vor allem wenn man die damaligen Verhältnisse auf der Arabischen Halbinsel bedenkt, als Unwissenheit und Aberglauben die Gesellschaft prägten, wo neugeborene Mädchen lebendig begraben wurden, nur aufgrund der Tatsache, dass sie Mädchen waren. Khadija hatte ein großes Vermögen und sich unter den Kaufleuten einen Namen gemacht. Viele Männer rangen um ihre Zuneigung. Aber Khadija hatte sich eigene, von ihrer Umwelt verschiedene Maßstäbe gesetzt. Die Wahrhaftigkeit Mohammads, der deshalb unter den Arabern den Beinamen ‚Al-Amîn‘, d.h. der Aufrichtige trug, imponierte ihr, nicht seine Stellung, Herkunft oder sein Besitz. Vielleicht ahnte sie gar schon zu der Zeit, dass es nur Mohammad sein konnte, der ihre revolutionären Gedanken von einer gerechten Gesellschaft verstehen und ihnen Gestalt verleihen könnte. Wie wir aus der Geschichte wissen, ist es Khadija, die als erste Frau in den Glauben an den Einen eintrat. Vom ersten Tag der Offenbarung bis zum Ende ihres Lebens begleitete sie den Propheten mit Liebe, Vertrauen und Opferbereitschaft. An seiner Seite stand sie tapfer alle physischen und psychischen Verfolgungen der ersten Jahre durch. Ihr ganzes Vermögen gab sie aus, um die Not der Armen lindern zu helfen. Das Jahr, in dem sie starb, ernannte Mohammad zum ‚Jahr des Trauer‘. ‚Niemals hat mir Gott einen besseren Partner gegeben als Khadija‘. hörte man ihn sagen:

‚Sie glaubte an meinen Auftrag zu einer Zeit, wo jeder mich verlachte, sie gab mir unumschränktes Vertrauen, als niemand mich verstand. Sie schenkte mir neuen Lebensmut, wenn ich schweren Herzens war und öffnete mir ihr Herz, wenn ich einsam und verlassen war. Wie kann ich sie je vergessen?‘

Fatima

Als kleines Mädchen war Fatima ihrem Vater Schritt für Schritt auf den Straßen der Stadt gefolgt. Sie war Zeuge, wie ihr Vater von Hasserfüllten Menschen Beschimpft, verspottet, und gequält wurde. Sie war immer zu Stelle, wenn der Vater angegriffen wurde, verband seine Wunden und hatte ihn mit lieben Worten zu trösten versucht. Als ihre Mutter ihr kurz vor dem Tode sagte, sie mache sich Sorgen um sie, weil sie es im Leben schwer haben werde, soll sie geantwortet haben:

‚Mach dir meinetwegen keine Sorgen; sei versichert, daß die Götzendiener das Stammesvolk zum Aufruhr treiben werden. Sie werden in ihrer Grausamkeit bei der Unterdrückung der Muslime noch viel weiter gehen. Aber die Muslime werden dieses Martyrium bereitwillig auf sich nehmen. In dem Maße, wie ich für würdig befunden wurde, die Tochter des Propheten zu sein, werde ich die Qualen durchstehen.‘

Fatimas Leben war in der Tat voller Entbehrungen und Prüfungen. Aber die Schwierigkeiten halfen, sie in ihrem Glauben noch weiter zu stärken. Auch nach ihrer Heirat mit Ali lebte Fatima in der unmittelbaren Nähe ihres Vaters. Sie war Ali eine vorbildliche Ehefrau, die immer für ihn da war, wenn er sie brauchte. Sie gab sich viel Mühe, den Kindern im schlichten Heim so viel Freude und Herzlichkeit zu geben wir nur möglich. Durch zusätzliche Arbeit am Spinnrad versuchte sie, zum Lebensunterhalt der Familie etwas beizusteuern. Darüber hinaus war sie bemüht, das Leid und die Sorgen der Armen zu teilen. Salman, ein Gefährte des Propheten Mohammad sagte einmal über sie: ‚Fatima führte das Leben einer armen Arbeiterfrau. Hätte sie nur ein Zehntel von dem, was sie täglich an andere verteilte, für sich ausgegeben, hätte sie ein unbeschwerliches Leben führen können.‘

Wir erleben Fatima ebenso an der Front, wie sie die Soldaten mit Essen versorgt und die Verletzungen behandelt. Aber Fatimas gesellschaftspolitisches Engagement zeigt sich in aller Deutlichkeit, als der geliebte Vater gestorben ist, und sie mit aller ihr zur Verfügung stehender Kraft, die Gefahren abzuwenden versuchte, die sie auf die Zukunft der muslimischen Gemeinschaft zukommen sah. Sie spürte, wie das Schicksal der Muslime der Politik und der Macht überlassen werden würde. Als Gefährten des Propheten wie Salman, Abu Dharr und Ammar und selbst ihr Ehemann Ali es vorziehen zu schweigen und sich aus dem Gesellschaftsleben zurückzuziehen, will Fatima weiterkämpfen. Sie will sich unter keinen Umständen dem Unrecht, wie sie es nennt, beugen. Sie war der festen Überzeugung, Ali könnte die muslimische Gemeinschaft vor der Zerstörung von innen bewahren, und sie kämpfte für ihre Überzeugung, auch als alle Männer um sie herum längst aufgegeben hatten. Sie startete eine Kampagne für Ali. Nacht für Nacht ließ sie sich von ihrem Mann zu den Stammesführern reiten und sprach zu ihnen. Fatima starb in sehr jungen Jahren. Auf eigenen Wunsch wurde sie nachts an einem geheimen Ort begraben, worüber sie noch zu Lebzeiten verfügt hatte.

Im Qur’an ist noch von vielen weiteren gläubigen Frauen die Rede, so von:

Hajar, der schwarzafrikanischen Magd, die als Ehefrau des betagten Propheten Ibrahim (Abraham) den Sohn Ismael gebar. Hajar hatte absolutes Gottvertrauen mit höchstem Einsatz zu vereinen gewusst. Als sie auf Gottes Geheiß mit ihrem Baby Ismael in der heißen Wüste alleingelassen war, hatte sie fest auf Gottes Hilfe vertrauend nicht aufgegeben, nach Wasser für den dürstenden Jungen zu suchen. Tatsächlich wurde Hajars Bemühen und Ausdauer von Gott belohnt: Genau zu Füßen des kleinen Ismaels sprudelte eine Wasserquelle hervor.

Bilqis, die Königin von Saba wird ebenfalls im Qur’an erwähnt. Sie muss um das zehnte Jahrhundert vor Christus regiert haben. Sie wird als kluge, verständige, sehr um das Wohl des Volkes bedachte Regentin vorgestellt, die aufgrund ihrer gerechten Herrschaft das Vertrauen des Volkes und das ihrer Berater genoss.

Das Bild, das uns der Qur’an vom Prototyp ‚der gläubigen Frau‘ zeichnet, ist umfassend und vielschichtig: Frauen unterschiedlicher Herkunft und Gesellschaftsschichten betraut mit unterschiedlichen Aufgaben werden vorgeführt. Die qur’anische Aussage zum Thema ist unmissverständlich: Alle Tore sind der Frau geöffnet, sich ihren Veranlagungen und Interessen gemäß zu entfalten, nur muss gewährleistet sein, dass alles, was sie tut bzw. lässt, in Ergebenheit und Dankbarkeit ihrem Schöpfer gegenüber geschieht.

aus: Faltblattserie des Islamischen Zentrums in Hamburg

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Religion https://bufib.de/religion/ Tue, 08 Apr 2014 22:03:14 +0000 http://bufib.de/?p=1122 Religion ist – vereinfacht gesagt – ein Gefüge aus weltanschaulichen Überzeugungen und glaubensgesetzlichen, gottesdienstlichen als auch ethischen Weisungen, mit denen Gott die Propheten ausrüstete, auf das sie sie dem Menschen, zu dessen Rechtleitung und Wohlergehen, Übermittelten. Der “praktizierte Glaube” an die göttliche Botschaft ist ein großes Plus…, in dieser und jener Welt. Darum: Wenn wir uns an unserer Religion orientieren und gemäß der göttlichen Empfehlungen und Gebote, die uns der Gesandte Gottes brachte, leben, werden wir sowohl in unserem Erdenleben zufrieden und glücklich sein als auch in der Ewigkeit.
Möglicherweise wendet nun der eine oder andere ein: “Glück” und “glücklich” sind dehnbare Begriffe. Was ist denn nun wirklich darunter zu verstehen!? Wir meinen: Jener ist als glücklich zu betrachten, der ein gutes, rechtes Ziel anstrebt und nicht auf Irrwegen Umherstolpert, der sich durch eine positive Gesinnung auszeichnet und gute Werke tut. Jemand, der in diesem hektischen Erdenleben ausgeglichen, gefestigt und Zukunftsfroh ist…, mit einem Herzen voller Ruhe und Zuversicht. Zu einer solch beglückenden Ruhe aber verhilft uns nur die Religion. Gleich “geheimen Beobachtern” haben ihre Maximen in unserem Herzen Raum gefunden und begleiten uns auf Schritt und Tritt. Sie halten uns – so wir “wachen Herzens” sind – von Hässlichkeiten zurück und motivieren uns zu gutem, rechten Verhalten. 
Ganz abgesehen davon ist der Glaube der stärkste und unerschütterlichste Halt im menschlichen Leben. Wer tief und fest an Gott und Sein Wort glaubt, wird sich von all den Hochs und Tiefs, die ihm begegnen, nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen. Angst, Traurigkeit und Mutlosigkeit Übermannen ihn nicht, und kein noch so erschütterndes Ereignis wird ihn zu Boden zwingen oder in Verzweiflung treiben.

Darum, weil er sich der Allmacht Gottes, des Schöpfers und Herrn der Welten, gewiss ist. Immer, in allen Situationen. Und genau das ist es, was ihm innere Ruhe und Festigkeit schenkt. Zudem weist die Religion uns an, “an uns zu arbeiten”, unser Verhalten zu berichtigen und uns um eine menschenwürdige Gesinnung zu bemühen. Sie beinhaltet also folgende drei Themenkomplexe: 

a) Weltanschauliches, Ideologisches
b) Moral
c)Praxis

Erstens: Weltanschauliches, Ideologisches

Bei ein wenig intensiverem und vorurteilsfreiem Nachdenken wird uns klar, das das Universum mit der erstaunlichen Ordnung und Harmonie, die ihm gegeben ist, nicht aus sich selbst, so ganz von allein, entstanden sein kann. Uns leuchtet ein, dass diese imposante perfekte Schöpfungsordnung nicht zufällig hervorgehen konnte. Dass jemand da sein muss, der sie schuf und erhält. Jemand, der in seiner Allmacht und grenzenlosen, unvorstellbaren Weisheit und Kenntnis den gewaltigen Kosmos mit allem, was in ihm ist, entstehen ließ. Der Gesetzmäßigkeiten gab, an denen nicht zu rütteln ist und die in ihrer Unabänderlichkeit der gesamten Welt des Seins Ordnung, Regelung und ein exakt koordiniertes Gefüge geben. Nichts ist sinnlos erschaffen worden. Und nichts, das existiert, steht außerhalb dieser in der großen, weiten Welt gegebenen Ordnung und Gesetzmäßigkeit. Wie könnte es denkbar sein, dass dieser Gütige, Sich Erbarmende Gott, der Seiner Kreatur so wohlgesonnen ist und für sie bereitstellte, was sie benötigt, den Menschen die “Krone”, das “Meisterwerk der Schöpfung” – sich selbst überlassen haben sollte. Dass Er ihn allein ließe mit seinem bisschen Verstand, den er zudem mehr oder weniger seinen Trieben und Begierden unterordnet, weshalb er sich so leicht in Verirrungen verstrickt und in Verelendung hineintaumelt. Die Antwort auf eine solche Frage ist eindeutig… Deswegen, weil Gott den Menschen bzw. die menschliche Gesellschaft nicht sich selbst Überlässt, hat Er die Propheten geschickt. Das heißt Seine Gesandten, die “immun” sind gegen Ungutes, Niedriges, gegen Fehl und Irrtum und der Menschheit das Wort Gottes verkünden. Damit diese die himmlische Botschaft beherzigt, befolgt und auf diese Weise zu Wohl und Glück findet. Nun ist es aber so, das in dieser Welt das erfreuliche Resultat – d.h. die beglückende Auswirkung eines religionsbewussten Lebens, eines Lebens gemäß dem Worte Gottes – nicht voll und ganz in Erscheinung tritt. Weder die Guten erfahren auf Erden ihre volle “Belohnung” für ihr gottwohlgefälliges Walten und Schalten noch die Schlechten. Das aber bedeutet, das noch eine andere Welt sein muß, in der des Menschen Tun und Lassen geprüft und beurteilt wird. Eine Welt, in der die guten als auch hässlichen Werke “entlohnt” werden. 

Zu einem solchen Denken, einer solchen Überzeugung ruft die Religion auf. Dazu und zu weiteren weltanschaulichen Gewißheiten, über die wir noch sprechen werden. Kurz, sie weckt uns auf aus Ahnungslosigkeit und Torheit.
 

Zweitens: Moral

 Die Religion appelliert an uns, uns um gutes Verhalten zu bemühen…, um menschenwürdige Eigenschaften, die wir in uns zur Entfaltung bringen. Dazu zahlen Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, Wohlwollen für die Mitmenschen, Güte, Nachsicht, Treue und Hilfsbereitschaft. Auch, das wir unser Recht verteidigen, unsere Rechte und Grenzen jedoch nicht überschreiten und Leben, Gut und Ehre anderer nicht antasten. Unermüdliches, aufrichtiges Streben nach Wissen, Fortschritt und einer guten Gesinnung gehören ebenfalls dazu, Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit auf dem Wege Gottes, Wahrheits- und Gerechtigkeitsliebe sowie das
getreuliche Einhalten der “goldenen Mitte”, wo und wann auch immer. Das heißt, extremes Verhalten, Über- oder Untertreibungen sind zu vermeiden.  
 

Drittens: Lebenspraxis

Die Religion sagt uns, unser Leben so einzurichten und uns so zu verhalten, dass sowohl unserem eigenen Wohl als auch das der Gesellschaft damit gedient ist. Dass wir Hässlichkeiten meiden und “Gottesanbetung” – das Gebet und alles, das unsere Gottesdienerschaft zum Ausdruck bringt – nicht auf die leichte Schulter nehmen. Zu all diesem ruft die Religion auf. Wir sehen also, das das, wozu sie uns einlädt, sowohl Anschauung und Überzeugung als auch Ethik, Gesinnung und folglich unsere “Lebenspraxis’ betrifft. Der einzige Weg aber, der zu wahrem Glück führt ist, dass wir uns an ihre Maximen und Weisungen halten.
 
aus: Das ABC des Islam, A’lâmah Sayyed Mohammad Hussein At-Tabatabai (r)
]]> Islamische Medizin: 1000 Jahre ihrer Zeit voraus https://bufib.de/islamische-medizin-1000-jahre-ihrer-zeit-voraus/ Tue, 08 Apr 2014 17:06:58 +0000 http://bufib.de/?p=1094

von: Dr. Ibrahim B. Sayed

Zusammenfassung

 
islamische medizin5Innerhalb eines Jahrhunderts nach dem Tod des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft) eroberten die Muslime nicht nur neue Gebiete, sondern entwickelten sich zu wissenschaftlichen Wegbereitern, die sich durch Originalität und Produktivität auszeichneten. Sie warfen sozusagen den „Ball des Wissens“ über den Zaun nach Europa. Bereits im neunten Jahrhundert hatte sich die islamische Medizinpraxis von Talismanen und der Theologie entfernt und es gab Krankenhäuser mit Krankenstationen, Ärzten, die Prüfungen absolvieren mussten und  technische Terminologie. Das damalige allgemeine Krankenhaus in Bagdad setzte Innovationen ein, die unglaublich modern waren. Springbrunnen kühlten die Luft in den Krankenstationen, in denen Fieberpatienten behandelt wurden, geisteskranke Menschen wurden mit größter Behutsamkeit behandelt und nachts beruhigte sanfte Musik und Geschichtenerzählen die Patienten, die vor lauter Schmerz nicht schlafen konnten. Prinz und Bettelknabe erhielten die gleiche Aufmerksamkeit, Mittellosen wurde bei ihrer Entlassung fünf Goldstücke übergeben, die den Lebensunterhalt während ihrer Genesung sichern sollten. Während Paris und London damals aus schlammigen Straßen und Hütten bestanden, gab es in Bagdad, Kairo und Córdoba schon Hospitale, die sowohl männlichen als auch weiblichen Patienten zugänglich waren und auch Mitarbeiter beider Geschlechter beschäftigten. Diese medizinischen Zentren beheimateten Bibliotheken und Apotheken und setzten Assistenzärzte, Praktikanten und Krankenschwestern ein. Es gab mobile Kliniken, um vollständig körperbehinderte und benachteiligte Menschen oder Patienten in entlegenen Regionen zu besuchen. Auch medizinische Qualitätskontrollvorschriften fanden damals Anwendung. Apotheker entwickelten sich zu lizenzierten Fachkräften und verpflichteten sich, den Rezepten des Arztes zu folgen. Der Umfang, in dem die islamische Medizin die Bereiche medizinische Ausbildung, Krankenhäuser, Bakteriologie, Medikamente, Anästhesie, Chirurgie, Pharmakologie, Augenheilkunde, Psychotherapie und psychosomatische Krankheiten voranbrachte, wird nachfolgend kurz dargestellt.

 Einführung

Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft), der in dem Buch „The 100: The Most Influential Persons in History” von Michael H. Hart auf Platz eins steht, gelang es, die arabischen Stämme zu vereinen, deren Schicksal durch Vergeltungstaten, Konkurrenzkampf und interne Auseinandersetzungen besiegelt zu sein schien, und brachte eine starke Nation hervor, die er annahm und sie gleichzeitig regierte: die beiden bekanntesten Reiche der damaligen Zeit: das persische und das byzantinische Reich. Das islamische Reich erstreckte sich vom Atlantischen Ozean im Westen bis an die Grenzen zu China im Osten. Nur 80 Jahre nach dem Tod des Propheten, machten sich die Muslime nach Europa auf, um für mehr als 700 Jahre Spanien zu beherrschen. Sie bewahrten die Kultur der eroberten Länder. Doch als das islamische Reich schwächer wurde, fielen die meisten der islamischen Beiträge zur Wissenschaft der Zerstörung zum Opfer. Die Mongolen verbrannten Bagdad (1258 n. Chr.) aus schierer Barbarei und die Spanier zerstörten hasserfüllt das meiste ihres islamischen Erbes. Das islamische Reich war für mehr als 1.000 Jahre die hochentwickeltste und zivilisierteste Nation der Welt. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass der Islam die Wichtigkeit des Lernens und den ihm gebührenden Respekt hervorhob, keine Zerstörung duldete und den Respekt vor Autoritäten und Disziplin sowie Toleranz anderen Religionen gegenüber unter den Muslimen förderte. Die Muslime waren bereit, hervorragende Leistungen anzuerkennen, und erwiesen sich als äußerst wissbegierig, ja geradezu begeistert von der Weisheit der Welt von Galen, Hippokrates, Rufus von Ephesus, Oribasius, Diskorides und Paul von Ägina. Im 10. Jahrhundert führte ihr Eifer und Enthusiasmus für das Lernen dazu, dass alle wichtigen griechischen Medizin-Manuskripte in Damaskus, Kairo und Bagdad ins Arabische übersetzt wurden. Arabisch wurde zur internationalen Sprache des Studierens und der Diplomatie. Das Zentrum der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der wissenschaftlichen Aktivitäten verschob sich nach Osten, und Bagdad wurde zur Hauptstadt der wissenschaftlichen Welt. Die Muslime entwickelten sich zu wissenschaftlichen Wegbereitern, die sich durch Originalität und Produktivität auszeichnete. Die islamische Medizin gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Facetten der islamischen Zivilisation, die alles Vergleichbare übertraf. Die Muslime waren die großen Vorreiter in der internationalen Wissenschaftsforschung. Sie warfen sozusagen den „Ball des Wissens“ über den Zaun nach Europa. Mit den Worten von Campbell: „Das europäische Medizinsystem ist arabisch, nicht nur dem Ursprung, sondern auch seiner Struktur nach. Die Araber sind die intellektuellen Vorreiter der Europäer.“ Das Ziel dieses Papiers liegt darin, nachzuweisen, dass die islamische Medizin ihrer Zeit 1.000 Jahre voraus war. Die Abhandlung deckt Bereiche wie medizinische Ausbildung, Krankenhäuser, Bakteriologie, Medikamente, Anästhesie, Chirurgie, Augenheilkunde, Pharmazie und Psychotherapie ab.

 Medizinische Ausbildung

gundischapurIm Jahr 636 n. Chr. wurde die persische Stadt Gundischapur, was ursprünglich so viel wie schöner Garten bedeutete, mit ihrer großartigen Universität und ihrem intakten Krankenhaus von den Muslimen übernommen. Später wurden die islamischen Medizinschulen nach Vorlage von Gundischapur konzipiert. Die medizinische Ausbildung war sehr seriös und wurde systematisch absolviert. Basierend auf dem Prinzip einer praktischen Lehre,  wurde der Unterricht durch Vorlesungen und Besuche in der Klinik abgerundet. Der Rat, den der Perser Ali Ibnul-Abbâs (Haly Abbâs: um 990 n. Chr. verstorben) seinen Medizinstudenten gab, gilt damals wie heute: „Und dem Studenten dieser Kunst (Medizin) soll es obliegen, dass er immerfort die Hospitale und Krankenhäuser aufsuche; er möge unaufhörlich zusammen mit den klügsten Professoren der Medizin auf den Zustand und die Lage der Insassen achten,  mehrfach nach der Verfassung der Patienten und den Symptomen, die er an ihnen sieht, fragen und sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, was er über diese Krankheitsvarianten gelesen hat und ob sie Gutes oder Schlechtes bedeuten.“ Râzi (Rhazes: 854-925 n. Chr.) riet den Medizinstudenten, dass sie sich bei der Visite eines Patienten die klassischen Symptome einer Krankheit aus den Textbüchern vor Augen rufen und diese mit dem Gesehenen vergleichen sollten (6). Die fähigsten Mediziner unter ihnen, wie z. B. Râzi (Rhazes), Ibn-Sîna (Avicenna: 980-1037 n. Chr.) und Ibn Zuhr (Avenzoar: 1094-1162 n. Chr.) erfüllten gleichzeitig die Aufgabe eines Krankenhausdirektors und eines Schulleiters an einer medizinischen Fakultät. Sie untersuchten die Patienten und bereiteten sie für Studentenbesuche vor. Ferner wurden klinische Berichte verfasst und zu Schulungszwecken aufbewahrt. Es wurden auch Akten geführt.

Ausbildung in den Grundlagenwissenschaften

Lediglich Gundischapur und Bagdad verfügten über separate Schulen für das Studium der Grundlagenwissenschaften. Kandidaten, die für das Medizinstudium in Frage kamen, erhielten eine grundlegende Vorbereitung von privaten Tutoren in Form von privaten Vorlesungen und Selbststudium. In Bagdad wurde Anatomie anhand der Sezierung von Affen, Untersuchungen an Skeletten und Didaktik gelehrt. Andere medizinische Schulen lehrten Anatomie mithilfe von Vorlesungen und Illustrationen. Alchemie war eine der Voraussetzungen für die Annahme an einer medizinischen Schule. Das Studium von medizinischen Kräutern und die pharmazeutische Biologie rundeten das Grundstudium ab. Manche Krankenhäuser unterhielten Kräutergärten, um daraus Medikamente für Patienten herzustellen und den Studenten den praktischen Umgang mit den Kräutern zu zeigen. Nachdem das Grundstudium abgeschlossen war und der Kandidat als Auszubildender in einem Krankenhaus angenommen wurde, teilte man ihn in einer größeren Gruppe einem jungen Arzt, einleitenden Vorlesungen und die Gewöhnung an Bibliotheksvorgänge und die Bibliotheksnutzung zu. Während dieses präklinischen Zeitraums drehten sich die meisten Vorlesungen um Pharmakologie, Toxikologie und die Verwendung von Gegengiften.

Klinische Ausbildung

Der nächste Schritt für die Studenten war die umfassende klinische Ausbildung. Während dieser Phase wurden sie in kleinen Gruppen renommierten Ärzten und erfahrenen Ausbildern zugewiesen. Sie begleiteten sie auf ihren Rundgängen in den Krankensälen, diskutierten mit ihnen, hörten ihren Vorlesungen zu und ihre Leistungen wurden überprüft. In dieser Phase kamen die Studenten bereits früh mit der Therapeutik und der Pathologie in Kontakt. Die Betonung lag auf der klinischen Einweisung, und manche muslimische Ärzte konnten auf diese Weise einige brillante Beobachtungen beisteuern,  die sich über die Jahre bewährten. Während ihres fortschreitenden Studiums wurden die Studenten immer mehr mit Diagnose und Beurteilung konfrontiert. Schwerpunktmäßig wurde die klinische Beobachtung und körperliche Untersuchung geübt. Studenten (Klinikmitarbeiter) wurden gebeten, einen Patienten zu untersuchen und eine Krankheitsdiagnose zu stellen. Nur wenn ein Student falsch lag, machte der Professor die Diagnose selbst.

islamische medizinWährend der körperlichen Untersuchung wurden die Studenten aufgefordert, sechs wichtige Faktoren zu untersuchen und anschließend eine Stellungnahme abzugeben: die Reaktionen des Patienten, seine Exkremente, die Natur und die Position des Schmerzes, sowie Körperschwellungen und -ausdünstungen. Außerdem wurde die Farbe und Oberfläche der Haut untersucht – heiß, kalt, feucht, trocken, schlaff. Gelbheit im Weiß der Augen (Gelbsucht) und ob ein Patient seinen Rücken krümmen konnte (Lungenkrankheiten) wurde ebenso als wichtig erachtet (8).
Nach der klinischen Ausbildung kamen Studenten in den ambulanten Bereich. Nach der Untersuchung der Patienten berichteten sie ihrem Ausbilder, was sie gefunden hatten. Man legte sich nach einer Diskussion auf eine Behandlungsmethode fest und verschrieb die notwendigen Medikamente. Patienten, die zu krank waren, wurden als stationäre Patienten aufgenommen. Die Führung einer Akte für jeden Patienten lag in der Verantwortlichkeit der Studenten.  

Stundenplan

Die Stundenpläne der verschiedenen Medizinschulen unterschieden sich zum Teil stark voneinander; jedoch bestand der Hauptteil immer aus der inneren Medizin. Es wurde großen Wert auf eine klare und kurze Beschreibung einer Krankheit und eine Separierung jeder Einheit gelegt. Bis zur Zeit des Ibn Sîna war die Beschreibung von Meningitis mit „akuter Infektion, begleitet von einem Delirium“ recht verwirrend. Ibn Sîna beschrieb die Symptome von Meningitis mit einer solchen Klarheit und Kürze, dass nach 1.000 Jahren nur sehr wenig noch hinzugefügt werden musste. Auch Chirurgie stand auf dem Stundenplan. Nach Abschluss der Kurse spezialisierten sich einige Studenten unter renommierten Spezialisten. Wieder andere spezialisierten sich während der klinischen Ausbildung. Laut Elgood (9) erforderten chirurgische Eingriffe wie Amputation, die Entfernung von Krampfadern und Hämorriden entsprechendes Fachwissen. Die Orthopädie wurde umfangreich gelehrt  und die Anwendung eines Gipsverbandes nach der Reduktion von Frakturen wurde den Studenten routinemäßig beigebracht. Diese Methode für die Behandlung wurde im Jahre 1852 im Westen wiederentdeckt. Obwohl die Augenheilkunde in großem Umfang praktiziert wurde, war sie nicht regulärer Bestandteil des Stundenplans. Eine Ausbildung bei einem Augenarzt war der bevorzugte Weg, um sich auf Augenheilkunde zu spezialisieren. Die chirurgische Behandlung von grauem Star war nichts Ungewöhnliches. Die Geburtshilfe wurde den Hebammen überlassen. Medizinische Fachmänner konsultierten untereinander und mit Spezialisten. Ibn Sîna und Râzi praktizierten und lehrten beide Psychotherapie in weitgehendem Umfang. Nach Abschluss seines Studiums durfte der Absolvent jedoch erst praktizieren, wenn er die Approbationsprüfung bestand. Es sollte auch unbedingt erwähnt werden, dass es eine wissenschaftliche Vereinigung gab, die im Hospital von Mayyafariqin (auch Silvan genannt) gegründet wurde, um den Zustand und die Krankheiten der Patienten zu erörtern.

Approbation von Ärzten

Im Jahre 931 n. Chr. erfuhr Kalif Al-Muqtadir, dass ein Patient als Ergebnis eines Ärztefehlers starb. Daraufhin befahl er seinem Hofarzt Sinân-ibn Thabit bin Qurrah all diejenigen zu prüfen, die die Kunst des Heilens ausübten. Im ersten Jahr, als die Verfügung in Kraft getreten war, wurden allein in Bagdad 860 Heiler geprüft. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Absolvierung einer Approbationsprüfung erforderlich, welche an verschiedenen Orten stattfanden. Approbationsausschüsse wurden unter einem Regierungsbeamten mit der Bezeichnung „Muhtasib” oder allgemeiner Inspektor eingesetzt. Der Muhtasib inspizierte darüber hinaus auch die Gewichte und Maßeinheiten der Händler und Apotheker. Apotheker wurden darüber hinaus auch als Inspektoren eingesetzt, um Medikamente zu untersuchen und so die Qualität der in Apotheken verkauften Arzneimittel zu gewährleisten. Was heute die Lebensmittel- und Arzneimittel-Überwachungsbehörde (FDA) in Amerika erledigt, existierte bereits vor 1.000 Jahren in der islamischen Medizin. Der Chefarzt wohnte mündlichen und praktischen Prüfungen bei und wenn der junge Arzt erfolgreich war, nahm ihm der Muhtasib den hippokratischen Eid ab und stellte die Approbation aus. Nach 1.000 Jahren wurde die Approbation von Ärzten auch im Westen eingeführt, in Amerika kümmert sich darum der staatliche Medizin-Approbationsausschuss. Für Spezialisten gibt es den amerikanischen Ausschuss für medizinische Spezialgebiete wie Arzneimittel, Chirurgie, Radiologie, usw. Europäische Schulen folgen dem von islamischen Schulen vorgegeben Muster und noch im frühen 19. Jahrhundert durften Studenten an der Universität Sorbonne nicht graduieren, ohne Ibn Sînas Qanun (Kanon) gelesen zu haben. Laut Râzi musste ein Arzt zwei Bedingungen erfüllen, um ausgewählt zu werden: Erstens musste er in vollem Umfang mit der neuen und der alten Medizinliteratur vertraut sein und zweitens musste er in einem Krankenhaus als Hausarzt tätig gewesen sein.

Krankenhäuser

Die Entwicklung effizienter Krankenhäuser gehört zu den herausragendsten Errungenschaften in der islamischen Medizin (7). Islamische Krankenhäuser waren für alle Patienten kostenlos verfügbar, unabhängig von deren Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Alter oder sozialen Status. Die Krankenhäuser wurden von der Regierung betrieben und von Ärzten geleitet. Es gab separate Krankenstationen für männliche und weibliche Patienten. Jede Station hatte ein eigenes Pflegepersonal und Träger, die jeweils vom gleichen Geschlecht wie die behandelten Patienten waren. Verschiedene Beschwerden wie Fieber, Wunden, Infektionen, Wahnsinn, Augenkrankheiten, Erkältungskrankheiten, Durchfall und Frauenbeschwerden wurden in jeweils verschiedenen Krankenstationen behandelt. Die Genesungsstation war ebenfalls in verschiedene Bereiche unterteilt. Die Krankenhäuser verfügten über eine unbegrenzte Wasserversorgung und Badeeinrichtungen. Nur qualifizierte und approbierte Ärzten durften Medizin praktizieren. Die Krankenhäuser erfüllten auch ihren Lehrauftrag, indem sie Studenten unterrichteten. Es gab Wohnräume für Studenten sowie dazugehöriges Hauspersonal. Hauseigene Apotheken verteilten kostenlose Arzneimittel an die Patienten. Die Krankenhäuser verfügten zudem über eigene Konferenzräume und umfangreiche Bibliotheken mit den aktuellsten Büchern.

daarLaut Haddâd umfasste die Bibliothek des Tulun-Hospitals, das 872 n. Chr. in Kairo gegründet wurde, etwa 100.000 Bücher. Universitäten, Städte und Krankenhäuser richteten große Bibliotheken ein (die Mustansiriyya-Universität in Bagdad hatte 80.000 Bände; die Bibliothek von Córdoba umfasste 600.000 Bände; die Bibliothek von Kairo hatte 2.000.000 und die Bibliothek von Tripoli nannte 3.000.000 Bücher ihr Eigen), Ärzte hatten ihre eigene, oft sehr umfangreiche Büchersammlung und das zu einer Zeit, in der der Buchdruck noch nicht erfunden war und die Buchvervielfältigung von versierten und spezialisierten Schreibern in langwieriger Handarbeit erledigt wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte führten diese Krankenhäuser Akten mit Informationen zur Pflege des jeweiligen Patienten. Aus Behandlungsperspektive waren die Krankenhäuser in ambulante und stationäre Bereiche unterteilt. Das System der stationären Behandlung unterscheidet sich nur geringfügig vom heutigen System. Im Tulun-Hospital erhielten Patienten nach Zustimmung spezielle Kleidung, wobei ihre eigenen Kleider, ihr Geld und ihre Wertsachen während ihres Aufenthalts sicher verwahrt wurden. Nach Entlassung erhielt jeder Patient fünf Goldstücke, damit sein Lebensunterhalt gesichert war, bis er wieder arbeiten konnte. Das Krankenhaus und die Medizinschule in Damaskus verfügten über elegante Räume und eine umfangreiche Bibliothek. Gesunde sollen eine Krankheit vorgetäuscht haben, um in den Genuss der Krankenhausküche zu kommen. In Damaskus gab es auch ein separates Krankenhaus für Lepra-Kranke, während diese in Europa noch sechs Jahrhunderte später auf königlichen Erlass verbrannt wurden. Das Qayrawan-Hospital (erbaut im Jahr 830 n. Chr. in Tunesien) zeichnete sich durch geräumige, getrennte Krankenstationen, Warteräume für Besucher und Patienten sowie weibliche Krankenschwestern aus dem Sudan aus; hier findet die Krankenpflege in der arabischen Geschichte erstmalig Erwähnung. Das Krankenhaus bot auch Gebetseinrichtungen an. Das Al-Adudi-Hospital (erbaut im Jahr 981 n.Chr. in Bagdad) wurde mit der zur damaligen Zeit bestmöglichen Ausstattung eingerichtet. Ärzte im Praktikum, approbierte Ärzte und 24 Berater gingen dort ihrer beruflichen Tätigkeit nach. Ein abbasidischer Minister, Ali ibn Isa, bat den Hofarzt Sinân ibn Thâbit, regelmäßige Besuche in Gefängnissen durch medizinische Aufseher vornehmen zu lassen  (14). Während Paris und London damals aus schlammigen Straßen und Hütten bestanden, gab es in Bagdad, Kairo und Córdoba schon Hospitale, die unglaublich moderne Innovationen einsetzten. Vor allem jedoch hoben sich die islamischen Krankenhäuser durch die Menschlichkeit bei der Pflege der Patienten ab. Direkt neben der Krankenstation, in der die Fieberpatienten untergebracht waren, kühlten Springbrunnen die Luft; geisteskranke Menschen wurden mit großer Behutsamkeit behandelt; und nachts beruhigte sanfte Musik und Geschichtenerzählen die Patienten.

Die Krankenhäuser existierten in zwei Ausführungen – die festen und mobilen Hospitale. Die mobilen Krankenhäuser wurden durch Lastentiere transportiert und nach Bedarf aufgestellt. Die Ärzte in den mobilen Krankenhäusern hatten dieselbe Stellung wie ihre Kollegen in festen Krankenhäusern. Ähnliche mobile Hospitale begleiteten die Armee auf dem Schlachtfeld. Die Feldlazarette waren gut mit Medikamenten, Instrumenten, Zelten und Personal, bestehend aus Ärzten, Krankenschwestern und Bediensteten, ausgestattet. Die reisenden Kliniken halfen den vollkommen Gelähmten, den benachteiligten Patienten und denjenigen,  die in entlegenen Gegenden ansässig waren. Diese Krankenhäuser wurden auch von Gefangenen und von der Allgemeinheit in Anspruch genommen, vor allem bei Seuchen.

Bakteriologie

Al-Râzi wurde bei seiner Ankunft in Bagdad gebeten, einen Standort für das neue Hospital zu finden. Zuerst versuchte er herauszufinden, welche Gegend am hygienischsten war, indem er beobachtete, in welchen Stadteilen sich die aufgehängten, frischen Fleischstücke am längsten hielten. Ibn Sîna gab explizit an, dass die körperlichen Ausscheidungen von einem irdischen Fremdkörper kontaminiert werden, bevor sie infektiös werden. Ibn Khatima behauptete, dass der Mensch von winzigen Körpern umgeben sei, die in das menschliche System eindrangen und Krankheiten verursachten. Mitte des 14. Jahrhunderts suchte der „Schwarze Tod“ Europa heim, während Christen hilflos zuschauen mussten und als Ursache der Seuche eine höhere Gewalt vermuteten. Zu dieser Zeit verfasste Ibn al Khatîb von Granada eine Abhandlung über die Verteidigung seiner Infektionstheorie, die wie folgt lautete: Denjenigen, die sagen: „Wie können wir die Möglichkeit einer Infektion in Betracht ziehen, wenn die Religion diese bestreitet?“ antworten wir, dass die Existenz einer ansteckenden Seuche durch Erfahrung, Forschung und Zeugnis der Sinne sowie verlässlichen Berichten belegt ist. Diese Tatsachen sind ein stichfestes Argument. Die Realität einer Infektion wird dem Beobachter klar, der bemerkt, wie derjenige, der Kontakt zu Betroffenen sucht, ebenfalls erkrankt, während derjenige, der sich dem Kontakt entzieht, gesund bleibt; ferner wird er den Zusammenhang der Infektion mit Kleidung, Schiffen und Ohrringen erkennen. Râzi verfasste auch die erste medizinische Beschreibung von Pocken und Masern – zwei der wichtigsten Infektionskrankheiten. Er umriss die klinischen Unterschiede zwischen den beiden Krankheiten so lebhaft, dass seither nicht weiter hinzugefügt wurde. Ibn Sina unterstellte die übertragbare Natur von Tuberkulose. Er soll der erste Arzt gewesen sein, der die Zubereitung und Inhaltsstoffe von Schwefelsäure und Alkohol beschrieb. Seine Empfehlung, Wundverbände aus Wein herzustellen, war in der mittelalterlichen Praxis sehr beliebt. Râzi war dagegen der Erste, der Seidenfäden und Alkohol zur Blutstillung einsetzte. Er verwendete auch erstmalig Alkohol als Antiseptikum.

Anästhesie

ibn-sinaIbn Sîna erfand die Anwendung von oralen Betäubungsmitteln. Er erkannte Opium als das stärkste Rauschmittel (mukhaddir). Zu den schwächeren Betäubungsmitteln zählten Mandragora, Mohn, Schierling, Bilsenkraut (Hyoscyamus), Tollkirsche (Belladonna), Salatsamen und Schnee oder eiskaltes Wasser. Die Araber erfanden den soporösen Schwamm, der Vorläufer der modernden Anästhesie. Es handelte sich dabei um einen Schwamm, der mit Aromastoffen und Narkosemitteln vollgesogen unter die Nase des Patienten gehalten wurde. Die Anästhesie ist einer der Gründe, warum die Chirurgie in der islamischen Welt den Rang eines anerkannten Spezialgebiets einnahm, während diese in Europa belächelt und dem Metier von Barbieren und Quacksalbern zugerechnet wurde. Der Rat von Tour entschied 1163 n. Chr., dass die Chirurgie aus allen Medizinschulen und von allen anständigen Ärzten verbannt werden solle. Burton gab an, dass „Jahrhunderte, bevor Äther oder Chloroform in der zivilisierten, westlichen Welt modern wurden, bereits Betäubungsmittel bei Operationen im Morgenland eingesetzt wurden.“

Chirurgie

Al-Râzi soll der Erste gewesen sein, der den „Seton“ während einer Operation und Tierdarm als Faden verwendet haben soll. Abu al-Qâsim Khalaf Ibn Abbâs Al-Zahrawi (930-1013 n. Chr.), dem Westen auch als Abulcasis oder Bucasis bekannt, wird als der berühmteste Chirurg der islamischen Medizin gehandelt. In seinem Buch Al-Tasrîf beschreibt er erstmalig in der Geschichte der Medizin die Hämophilie. Das Buch enthält eine Beschreibung und eine Illustration von über 200 chirurgischen Instrumenten, von denen viele von Zahrawi persönlich entwickelt wurden. Darin betont Zahrawi die Wichtigkeit des Anatomiestudiums als eine grundlegende Voraussetzung für die Chirurgie. Er beschreibt die Einsetzung eines herausgebrochenen Zahns und die Anwendung einer dentalen Prothese, die aus einem Kuhknochen gefertigt wird, eine klare Verbesserung gegenüber dem hölzernen Zahnersatz des ersten Präsidenten von Amerika, George Washington, sieben Jahrhunderte später. Zahrawi schien der erste Chirurg gewesen zu sein, der Baumwolle (cotton im Ursprung ein arabisches Wort) für chirurgische Verbände zur Blutungskontrolle, als Polster beim Schienen von Brüchen des Schambeins und bei der Zahnheilkunde einsetzte. Er entfernte Nierensteine, indem er in die Harnblase schnitt. Er war der Erste, der die Steinschnittlage bei vaginalen Operationen anwandte. Er beschrieb den Luftröhrenschnitt, unterschied zwischen einem Kropf und Schilddrüsenkrebs und erklärte seine Erfindung des Kauters (Instrument zum Kauterisieren), das er ebenfalls zur Blutungskontrolle einsetzte. Seine Beschreibung über das Herauslösen von Krampfadern entspricht auch nach zehn Jahrhunderten der modernen Chirurgie.

islamische medizin toolsIn der orthopädischen Chirurgie machte er die heute als Koch‘sche Methode bezeichnete Reduzierung der Schultergelenkverrenkung (Luxation) und die Patellektomie (operatives Entfernen der Kniescheibe) bekannt, 1.000 Jahre, bevor diese von Brooke im Jahr 1937 wiederentdeckt wurde. Ibn Sînas Beschreibung der chirurgischen Krebsbehandlung gilt noch heute, 1.000 Jahre später. Er sagt, dass die Exzision breit und großflächig vorgenommen werden muss; alle Venen, die zum Tumor führen, müssen amputiert werden. Falls dies nicht ausreichend ist, muss der betreffende Bereich kauterisiert werden. Die islamischen Chirurgen praktizierten drei Arten der Chirurgie: vaskulär, allgemein und orthopädisch. Ophthalmische Chirurgie stellte ein eigenes Fachgebiet dar, was sich sehr von der allgemeinen Medizin und Chirurgie unterschied. Sie öffneten den Bauch und dränierten die Bauchhöhle in der anerkannten, modernen Art und Weise. Einem unbekannten Chirurgen aus Shirâz ist die erste Kolostomie-Operation gelungen. Leberabszesse wurden durch Punktion und Sondierung behandelt. Chirurgen auf der ganzen Welt wenden heutzutage chirurgische Praktiken an, ohne zu wissen, dass Zahrawi sich diese bereits vor 1.000 Jahren zunutze machte.

Medikamente

Der brillanteste Beitrag auf diesem Gebiet wurde von Râzi geleistet, der klar zwischen Pocken und Masern unterschied, zwei Krankheiten, die bis zu dieser Zeit für ein und dieselbe Krankheit gehalten wurden. Er zeichnete sich durch weitere Leistungen aus, denn er war der Erste, der von der echten Destillation, Glasretorten und Verkitten, korrosivem Sublimat, Arsen, Kupfersulfat, Eisensulfat, Salpeter und Borax im Zusammenhang mit der Behandlung von Krankheiten sprach. Er verschrieb Quecksilber-Präparate als Abführmittel (nachdem er sie an Affen getestet hatte), Quecksilbersalbe und Bleisalbe. Seine Interessen im Bereich der Urologie konzentrierten sich auf Probleme beim Urinieren, Geschlechtskrankheiten, Nierenabszesse sowie Nieren- und Blasensteine. Er beschrieb Heuschnupfen und allergische Rhinitis. Zu den arabischen Leistungen zählen auch die Entdeckung der Krätzmilbe durch Ibn Zuhr, des Milzbrands, das Hakenwurms und des Guinea-Wurms durch Ibn Sîna und der Schlafkrankheit durch Qalqashandy. Sie beschäftigen sich mit dem Abszess des Mittelfellraumes (mediastinum). Außerdem kannten sie sich mit Tuberkulose und Perikarditis aus. Al Ash’ath demonstrierte die Magenphysiologie, indem er Wasser in das Maul eines betäubten Löwen goss und so die Dehnbarkeit und die Bewegungen des Magens nachwies, und somit Beaumont 1.000 Jahre zuvorkam. Abu Shâl al-Masihi erklärte, dass die Nahrungsverdauung zum größten Teil im Darm stattfindet anstatt im Magen. Ibn Zuhr erfand die künstliche Ernährung durch einen Magenschlauch oder einen Nährstoff-Einlauf. Mithilfe des Magenschlauches führten arabische Ärzte im Falle einer Vergiftung eine Magenentleerung durch. Ibn Al-Nâfis entdecke als Erster den Lungenkreislauf. Ibn Sîna nahm in seinem Meisterwerk Al-Qanûn (Kanon), der über eine Million Worte enthält, vollständige Studien der Physiologie, Pathologie und Hygiene auf. Er äußert sich umfangreich über Brustkrebs, Gifte, Hautkrankheiten, Tollwut, Schlaflosigkeit, Kindsgeburt und die Verwendung von Geburtszangen, Meningitis, Gedächtnisschwund, Magengeschwüre, Tuberkulose als ansteckende Krankheit, Gesichtszuckungen, Aderlass, Tumore, Nierenkrankheiten und Altenpflege.

Augenheilkunde

islamische medizin4Die Ärzte des Islams legten ein hohes Maß an Professionalität an den Tag und waren sicherlich Vorreiter in der Behandlung von Krankheiten. Wörter wie Netzhaut und grauer Star sind arabischen Ursprungs. Im Bereich Augenheilkunde und Optik verfasste lbn al-Haytham (965-1039 n. Chr. ), im Westen auch bekannt als Alhazen, den Optischen Thesaurus, aus dem Berühmtheiten wie Roger Bacon, Leonardo da Vinci und Johannes Kepler ihre eigenen Theorien ableiteten. In diesem Thesaurus stellte er unter anderem dar, dass die Art und Weise, wie Licht auf die Augennetzhaut fällt, der Methode ähnelt, wie Licht in einem abgedunkelten Raum durch eine kleine Öffnung auf eine Oberfläche fällt. Er bewies, dass das Auge nur sehen kann,  wenn Lichtstrahlen von Objekten in Richtung des Auges abgestrahlt werden, und nicht wie von den Griechen vermutet, diese Lichtstrahlen vom Auge ausgehen. Er führte Experimente durch, um die Einfallwinkel und die Reflexion zu testen, und verfasste seine Theorie für Vergrößerungsgläser (erst drei Jahrhunderte später wurden diese in Italien hergestellt). Er lehrte, dass das Bild auf der Netzhaut über den Sehnerv ans Gehirn weitergeleitet wird. Râzi war der Erste, dem die Reaktion der Pupille auf Licht auffiel und Ibn Sîna beschrieb erstmals die genaue Anzahl der extrinsischen Muskeln des Augapfels, nämlich sechs.  Doch der wichtigste Beitrag, den die islamische Medizin auf dem Gebiet der Augenheilkunde leistete, bezieht sich auf den grauen Star. Ammâr bin Ali aus Mosul führte eine hohle Metallnadel in die Verkrustung des Auges und zog die Linse durch Ansaugen heraus. Europa entdeckte diese Methode erst im 19. Jahrhundert.

Pharmakologie

Die Wurzeln der islamischen Pharmakologie gehen auf das neunte Jahrhundert zurück. Johanna bin Masawayh (777-857 n. Chr.) begann mit der wissenschaftlichen und systematischen Anwendung von Therapiemaßnahmen in der abbasidischen Hauptstadt. Sein Schüler Hunayn bin Is-hâq al-lbâdi (809-874 n. Chr.) und seine Partner etablierten während des neunten Jahrhunderts eine stabile Basis für die arabische Medizin und arabische Therapiemaßnahmen. In seinem Buch „al-Masâ-il“ beschreibt Hunayn Methoden, um die pharmazeutische Wirkung von Medikamenten nachzuweisen, indem er sie an Menschen testet. Er betont darüber hinaus die Wichtigkeit von Prognose und Diagnose für eine bessere und effektivere Behandlung. Pharmazie entwickelte sich zu einer unabhängigen und von der Medizin und Alchemie getrennten Profession. Aufgrund der unkontrollierten Verbreitung von Arzneimittel-Geschäften waren Regulierungen notwendig und wurden zu Qualitätssicherungszwecken entsprechend umgesetzt. Die arabischen Apotheker wurden regelmäßig von einem Syndikus (Muhtasib) kontrolliert, der den Händlern mit erniedrigenden, körperlichen Strafen drohte, sollten sie Medikamente verfälschen. Bereits zu Zeiten von al-Ma-mûn und al-Mu‘tasim mussten Apotheker  Prüfungen absolvieren, um eine Lizenz zu erhalten, und verpflichteten sich, die Rezepte des Arztes stets einzuhalten. Außerdem wurden Ärzten einschränkende Maßnahmen auferlegt, keinerlei pharmazeutische Mittel zu besitzen oder zu lagern. Die Extrahierung und die Herstellung von Arzneimittel wurde zu einer hohen Kunst, und die dazu notwendigen Techniken wie Destillation, Kristallisation, Lösungen, Sublimation, Reduktion und Kalzination entwickelten sich zu Grundlagenprozessen in der Pharmazie und der Chemie. Mithilfe dieser Techniken erfanden die Apotheker (Saydalânis) neue Arzneimittel wie Kampfer, Senna, Sandelholz, Rhabarber, Moschus, Myrrhe, Kassia, Tamarinde, Muskatnuss, Alaun, Nelken, Kokosnuss, Brechnuss (nux-vomika), Cubeba, Eisenhut, Amber und Quecksilber. Die wichtige Rolle der Muslime bei der Entwicklung der modernen Pharmazie und Chemie ist an der signifikanten Anzahl an aktuellen pharmazeutischen und chemischen Begriffe zu erkennen, die aus dem Arabischen stammen: Medikament, Alkali, Alkohol, Aldehyd, Retorte und Elixier, um nur einige wenige zu nennen. Sie erfanden Geschmacksextrakte aus Rosenwasser, Orangenblüten, Zitronenschalen, Tragant und aus anderen attraktiven Inhaltsstoffen. Aus Platzgründen können wir  bedauerlicherweise nicht alle Errungenschaften von Râzi, Zahrawi, Birûni, Ibn Butlân und Tamîmi auf dem Gebiet der Pharmakologie und Therapie aufführen.   

Psychotherapie

Von Sommersprossen-Lotion bis hin zur Psychotherapie – der Behandlungsumfang der islamischen Ärzte reichte weit. Obwohl Sommersprossen nach wie vor die Haut des ein oder anderen Menschen aus dem 20. Jahrhundert sprenkeln, erreichten sowohl Râzi als auch Ibn Sîna auf dem Gebiet der psychosomatischen Krankheiten dramatische Durchbrüche und kamen dabei sowohl Freud als auch Jung um tausend Jahre zuvor. Als Râzi zum Oberarzt des Bagdad-Hospitals ernannt wurde, macht er es zum ersten Krankenhaus mit einer eigenen Krankenstation für geisteskranke Menschen. Râzi kombinierte psychologische und physiologische Erklärungen für die Krankheiten und wendete Psychotherapie auf dynamische Weise an. Râzi wurde eines Tages zu einem berühmten Kalifen gerufen, der unter starker Arthritis litt. Er empfahl ein heißes Bad, und während der Kalif badete, bedrohte Râzi ihn mit einem Messer und gab vor, ihn töten zu wollen. Diese bewusste Provokation verstärkte die natürliche Wärme, die auf diese Weise stark genug war, um die bereits aufgeweichten Säfte zu lösen, weshalb der Kalif sich von den Knien in seinem Bad erhob und hinter Râzi her rannte. Eine Frau, die solche Krämpfe in ihren Gliedmaßen hatte, dass sie nicht aufstehen konnte, kurierte ein Arzt, indem er ihr den Rock hochzog und sie auf diese Weise beschämte. „Ein Hitzestoß wurde in ihr erzeugt, der die rheumatischen Säfte auflöste.“ Die Araber sorgten auch für eine erfrischende, objektive Klarheit im Feld der Psychiatrie. Sie enthielten sich jeglicher Dämonologie, wie sie in der christlichen Welt sehr verbreitet war, und waren so in der Lage, gestochen scharfe, klinische Beobachtungen von geisteskranken Menschen zu machen. Râzis Zeitgenosse Najab-du-dîn Muhammad hinterließ viele hervorragende Beschreibungen der verschiedensten Geisteskrankheiten. Seine umsichtig gesammelten Beobachtungen von realen Patienten stellte die bis dahin vollständigste Klassifikation von Geisteskrankheiten dar. Najab beschrieb die aufgeregte Depression, zwanghafte Arten der Neurose, Nafkhae Malikholia (Kombination aus Priapismus und sexueller Impotenz), Kutrib (eine Form des Verfolgungswahns) und Dual-Kulb (eine Form der Manie). Ibn Sina erkannte die „physiologische Psychologie“, indem er Krankheiten in Zusammenhang mit Emotionen brachte.

islamische medizin2Aus der klinischen Perspektive entwickelte Ibn Sina ein System, das eine Verbindung des Pulsschlags mit inneren Gefühlen herstellt, ein Vorläufer des Wort-Assoziierungstests von Jung. Er soll einen sehr kranken Patienten behandelt haben, indem er seinen Puls fühlte und ihm laut die Namen von Provinzen, Distrikten, Städten, Straße und Menschen vorsagte. Als Ibn Sîna bemerkte, wie sich der Puls des Patienten bei der Nennung bestimmter Namen beschleunigte, fand er heraus, dass sein Patient sich in ein Mädchen verliebt hatte, dessen Heimat er dadurch ebenfalls herausbekam. Der Mann nahm Ibn Sînas Rat an, heiratete das Mädchen und konnte sich von seiner Krankheit erholen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass in Fez, Marokko, im 8. Jahrhundert ein Heim für geisteskranke Menschen erbaut wurde. Es folgten im Jahr 705 n. Chr. Bagdad und 800 n. Chr. Kairo sowie im Jahr 1270 n. Chr. Damaskus und Aleppo. Zusätzlich zu Bädern, Arzneimitteln sowie liebevoller und wohlwollender Behandlung kam den geisteskranken Menschen auch eine Musik- und Ergotherapie zugute. Diese Therapien waren damals schon hoch entwickelt. Spezielle Chöre und Live-Musikgruppen trugen täglich zur Unterhaltung der Patienten bei, indem sie sangen und musikalische Vorführungen zum Besten gaben. Auch Komödianten wurden eingeladen.

Fazit

Vor 1.000 Jahren war die islamische Medizin die fortschrittlichste der ganzen Welt. Auch nach zehn Jahrhunderten sehen die Errungenschaften der arabischen Medizin noch verblüffend modern aus. Vor 1.000 Jahren waren die Muslime die großen Vorreiter der internationalen Wissenschaftsforschung. Studenten und Fachpersonal gleichermaßen in den Ländern außerhalb des islamischen Reiches strebten und sehnten sich danach, ja träumten sogar davon, eine islamische Universität besuchen zu dürfen, um ein angenehmes Leben in einer wohlhabenden und zivilisierten Gesellschaft zu führen und dort lernen und praktizieren zu dürfen. Heute, im 20. Jahrhundert, nehmen die Vereinigten Staaten von Amerika diese Position ein. Das Pendel kann jedoch auch wieder zurückschwingen. Glücklicherweise hat Allah vielen islamischen Ländern ein Geschenk gemacht – ein Einkommen von mehr als 100 Milliarden Dollar pro Jahr. Somit haben die islamischen Länder die Möglichkeit und die Ressourcen, die islamische Wissenschaft und Medizin wieder zur weltweiten Nummer eins zu machen.


QUELLENANGABEN

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Sayyid Mahdi Bahrul Uloom https://bufib.de/sayyid-mahdi-bahrul-uloom/ Sat, 05 Apr 2014 14:24:47 +0000 http://bufib.de/?p=1021 Sayyid Jawad al-Ameli wollte sich gerade an den Abendbrottisch setzen als ein Bote vom Haus seines Lehrers eintraf und ihn aufforderte ihm zu folgen. Sayyid Jawad stand sofort auf und folgte dem Boten zum Haus seines Lehrers, wo er seinen Lehrer mit missbilligender Miene antraf. „Sayyid Jawad!“ sagte der Lehrer zu ihm. „Hast du keine Angst vor Allah?“ Er bemühte sich, sich zu erinnern, ob er kürzlich etwas getan hatte, dass ihm das Missfallen seines Lehrers eingebracht hatte. „Es ist jetzt eine Woche“, sagte der Lehrer „und dein Nachbar und seine Familie sind ohne Weizen und Reis.“ „Bei Gott, ich hatte keine Kenntnis“, antwortete Sayyid Jawad. „Das ist noch schlimmer“, sagte sein Lehrer. „Wie können sieben Tage vergehen und du weißt nichts von der Not deines Nachbarn? In der Tat, wenn du davon gewusst hättest und es absichtlich ignoriert hättest, dann wärst du noch nicht einmal ein Muslim!“ Sayyid Jawad ließ seinen Kopf in Scham sinken, aber sein Lehrer fuhr fort: „ Nimm dieses Essen hier mit zum Haus deines Nachbarn. Iss mit ihm, damit er keine Scham empfindet und lege diese Summe Geld unter sein Kopfkissen oder unter seinen Teppich, für seine zukünftigen Ausgaben. Informiere mich, wenn diese Aufgabe erledigt ist, denn bevor du es getan hast werde ich mich weigern selbst etwas zu essen!“

Als ein Leuchtfeuer der Tugend und Frömmigkeit so war er, Sayyid Mohammad Mahdi ibn Sayyid Murthadha Tabatabai in Karbala, im Irak am 1. Schawwaal im Jahre 1155 n. H. (12. November 1742 n. Chr.) geboren. Sein Vater war selbst ein berühmter Gelehrter. Berühmt für seine Frömmigkeit und seine Traditionen sprach sein Vater über eine Erscheinung von Imam Ali ar-Rida (a). In seinem Traum hatte er ihm eine hell erleuchtete Kerze gegeben, die das Licht des Wissens und der Führung, die sein Sohn in die Welt bringen und repräsentieren sollte. Er studierte in Karbala unter seinem Vater und diversen örtlichen Gelehrten. In 1186 n. H., reiste er nach Isfahan, wo er Philosophie unter Sayyid Mohammad Mahdi Isfahani, einem bekannten Gelehrten und Philosophen studierte. Eines Tages war sein Lehrer so von seinem Wissen und seiner Intelligenz beeindruckt, dass er bemerkte: „Wahrlich, du bist Bahrul Uloom (ein Meer des Wissens)!“ Nach diesem Ereignis war er fortan unter diesem Titel bekannt.

Nach seiner Rückkehr nach Karbala setzte Sayyid Mahdi Bahrul Uloom sein Studium unter Scheich Yusuf Bahrani, einem berühmten Gelehrten fort. Jedoch wurde er, so wie auch viele seiner Kollegen, bald von den Vorträgen von Shaikh Wahid Behbahani beeinflusst, der für die Usuli Methodik und den Gebrauch von Vernunft und Verstand anstatt dem eklatanten Buchstabenglaube der Akhbaris stand. Zusammen mit Muhaqqiq an-Naraqi  und Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita, verzichtete Sayyid Mahdi bald auf seine ehemaligen Akhbari Ideen und folgte Allama Behbahani in seinem Kampf die Gedanken der Usulis wieder herzustellen.

Nach dem Untergang seines Mentors wurde Sayyid Mahdi als eine religiöse Autorität in der schiitischen Welt anerkannt. Er schrieb ausführlich über Fragen des Ijtihads (die selbstständige Rechtsfindung), der Rechtswissenschaft (i’lm al-fiqh) und seine Schriften „Fawaid Rijaliya“ und „Fawaid Usuliya“ gelten als extrem wichtige Werke der Rechtsprechung. Zu seinen Schülern gehörten die großen Gelehrten jener Zeit, einschließlich Muhaqqiq al-Naraqi und Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita, der entgegen seiner Zeitgenossen den Unterricht besuchte und sein umfangreiches Wissen anerkannte. In der Tat zeiget Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita seinen Respekt und seine Bewunderung für Sayyid Mahdi, indem er dessen Schuhe mit dem Ende seines Turbans abwischte!

bahr al uloom

Neben seinem Wissen war Sayyid Mahdi bekannt für seine Frömmigkeit und seinen hohen geistigen Status. In der Tat haben Gelehrte ihn aufgrund seiner großen Gläubigkeit direkt hinter der Ahlul Bayt (a) und den Propheten (a)platziert.  Er war dafür bekannt den 12. Imam (möge Allah seine Wiederkehr beschleunigen) mehrmals getroffen zu haben und längere Gespräche über komplexe Themen der  Rechtswissenschaft mit ihm geführt und seinen Rat gesucht zu haben. Mehrere Augenzeugen bestätigen, dass wann immer er sich dem Schrein von Amir al-Momineen Imam Ali (a) in Najaf zum Zeitpunkt der Morgendämmerung näherte, sich die Türen des Schreins geheimnisvollerweise für ihn öffneten. Im heißen Sommer von Karbala, wann immer er durch die Straßen ging, waren Wolken zu sehen, die ihm Schatten spendeten. Seine Studenten schrieben seinen hohen spirituellen Status seiner Frömmigkeit, Gläubigkeit und der strengen Einhaltung der Gesetze der Scharia zu.

Im Jahre 1212 n. H. im heiligen Monat Rajab verließ diese Quelle der Weisheit, Erkenntnis und Frömmigkeit die Welt. Er wurde im „Masjid at-Tusi“ in Najaf zur letzten Ruhe gebettet.

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Muslime und die Astronomie https://bufib.de/muslime-und-die-astronomie/ Sat, 05 Apr 2014 13:27:47 +0000 http://bufib.de/?p=1004 Die beiden Stärken der muslimischen Wissenschaftler im Mittelalter waren einerseits die präzise Beobachtung des Himmels und andererseits die Fähigkeit, neue mathematische Lösungen zu alten Problemen zu finden. Die Kartierung des Himmels erfolgte aus einem religiösen Hintergrund: es mussten die exakten Koordinaten einer jeden Stadt ausfindig gemacht werden, sodass Muslime die Richtung der Ka’bah bestimmen konnten, wonach sie sich bei den fünf täglichen Gebeten richten (Gebetsrichtung = Qiblah). Dies führte zu bedeutenden wissenschaftlichen Entwicklungen im Bereich der Trigonometrie, einer fundamentale Basis zur Kartierung der Erde, aber auch in der Berechnung von den Planetenumlaufbahnen. Die mittelalterlichen Qiblah-Tafeln waren oft bis auf ein oder zwei Grad genau.

astronomie

Die muslimischen Wissenschaftler waren die ersten, die Zweifel an vielen Details des geozentrischen Weltbildes äußerten. Al-Battani (neuntes Jahrhundert) zeigte im Gegensatz zu Ptolemäus, dass ringförmige Verfinsterungen möglich waren und dass der Winkeldurchmesser der Sonne Veränderungen unterlag. Ebenso brachte er Theorien zu den Sichtbarkeitsverhältnissen des Neumondes hervor. Der großartigste muslimische Physiker Ibn al-Haytham (Alhazen) argumentierte trotz Aristoteles’ Ansichten, dass die Milchstraße in weiter Entfernung zur Erde stünde und dass die Höhe der Erdatmosphäre bei etwa 32 Meilen liege. Damit lag er den 31 Meilen, von denen wir heute wissen, sehr nahe. Die Araber waren auch ausgezeichnete Hersteller astronomischer Instrumente – besonders bekannt waren Sie für Sternhöhenmesser, die der Navigation dienten, aber auch zur Bestimmung von Sternenpositionen genutzt wurden.
Den islamischen Wissenschaftlern des goldenen Zeitalters – deren unerschrockene Gedanken das Grundwerk der heutigen Raumfahrt darstellen – wäre der Satellit sicherlich erstaunlich vorgekommen; aber die fotografischen und anderartigen Aufgaben dieses Prinzipes wären ihnen nicht unbekannt gewesen. Auch sie kannten sich mit der Optik und der Astronomie aus und waren insbesondere Experten für Ephemeriden – Tafeln, die die Positionen von Sternenbildern für bestimmten Daten zeigen.

Die Beobachtung des Mondes zum Beispiel war, und ist noch immer, sehr wichtig für Muslime. So folgen die Muslime aus religiösen Motiven einem Mondkalender [zwölf Monate], wobei die Sichtung der Neumondsichel den Beginn und auch das Ende der islamischen Monate darstellt. Ebenso bestimmt dieser das Datum für die Pilgerfahrt nach Mekka – dem Hadsch und den Beginn der Fastenzeit im heiligen Monat Ramadan.

Auch wenn die Beobachtung des Mondes und die Bestimmung Mekkas aus heutiger Sicht nüchtern erscheinen mag, so waren es solche alltäglichen Phänomene, die zu wissenschaftlichen Fortschritten führten.
Die mathematische Bestimmung Mekkas war zum Beispiel eines der größten Probleme im Bereich der Himmelskunde, denen sich mittelalterliche Astronomen und Mathematiker widmeten. Die ausgeklügelte trigonometrische Lösung brachte schließlich ein Ende dieses Problems. Die Trigonometrie an sich, größtenteils eine arabische Entwicklung, ist die Grundlage zur Berechnung planetarer Umlaufbahnen sowie der irdischen Kartierung. Folglich erlangten mittelalterliche Qiblah-Tafeln oft höchste Genauigkeit. Die des im 14. Jahrhundert in Syrien schreibenden al-Khalili (Shams ad-Din al-Khalili, 1320-1380 n. Chr.) bietet die genauen Koordinaten vieler Städte, die bis auf ein oder zwei Grad genau berechnet worden sind.
Es könnte daher durchaus argumentiert werden, dass die präzise Beobachtung und die Fähigkeit, neue mathematische Lösungen zu alten Problemen zu finden, die beiden Hauptstärken der muslimischen Wissenschaftler im Mittelalter waren. Und dennoch waren diese, ebenso wie ihre europäischen Gegenspieler, nie ganz von den Gedanken Aristoteles‘ und Ptolemäus‘ befreit, deren Modelle der irdischen Geografie und der Himmelskunde in den Köpfen der Menschen festzuliegen schien. Dies änderte sich erst mit der Veröffentlichung der Newtonschen Gesetzen im Jahre 1687.

Die muslimischen Wissenschaftler waren die ersten, die zu vielen Details des geozentrischen Weltbildes Kritik äußerten. In der Tat basierte diese Kritik auf der Beobachtung der Diskrepanz zwischen dem theoretischen Model des geozentrischen Systems und den angesammelten Entdeckungen von Wissenschaftlern wie Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe oder Johannes Kepler im 15. bis 17. Jahrhundert, die die in den Werken arabischer Wissenschaftler niedergeschriebene Kritik über spanische Übersetzungen im 12. bis 13. Jahrhundert überliefert bekamen.
Al-Battani, der von den europäischen Übersetzern Albategni[us] genannt wurde, war hierbei herausragend. Er schrieb im neunten Jahrhundert über eine große Anzahl an wissenschaftlichen Themen, wobei sich einige dieser an dem traditionellen geozentrischen Dogma störten. Im Gegensatz zu Ptolemäus, erwies er beispielsweise, dass ringförmige Eklipsen – in denen ein Lichtring den verdunkelten Abschnitt umgibt – möglich waren. Zudem bewies er auch, dass der Winkeldurchmesser der Sonne Veränderungen unterlag. Er zeigte – wieder im Gegensatz zu Ptolemäus –, dass die Erdferne der Sonne abhängig von den Kreisbewegungen der Tagundnachtgleiche ist. So korrigierte er nicht zuletzt auch eine nicht unerhebliche Anzahl an Planetumlaufbahnen, wie die der Sonne. Durch das Interesse des Sultans an der Beobachtung des Neumondes brachte al-Battani auch Theorien zu den Sichtbarkeitsverhältnissen des Neumondes hervor.

Uleg_Bek_astronomer_Samarkand

Auch andere muslimische Astronomen hatten den Daten Ptolemäus’ etwas entgegenzusetzen. Der vermutlich großartigste muslimische Physiker, Ibn al-Haytham oder auch als Alhazen im mittelalterlichen Westen bekannt, war einer von ihnen. Al-Haytham argumentierte gegensätzlich zu Aristoteles, dass die Milchstraße in großer Entfernung zur Erde stand und dass die Höhe der Erdatmosphäre etwa 52.000 Schritten beträgt, wobei ein Schritt in etwa einem Meter entspricht. Al-Haytham schlussfolgerte dies aus seinen Beobachtungen als er merkte, dass der Sonnenaufgang beginnt, wenn die negative Höhe der Sonne 19 Grad erreicht. Da die Atmosphäre gut 50 Kilometer hoch ist (31 Meilen) und 52.000 Schritte gut 52 Kilometern (32 Meilen) ähneln, lag Ibn al-Haytham mit seiner Berechnung sehr nahe an der Realität.

Eingang zum Ulugh Bek Observatorium (heute Museum) in Samarkand
Eingang zum Ulugh Bek Observatorium (heute Museum) in Samarkand

Vor dem Teleskopzeitalter wurden astronomische Beobachtungen selbstverständlich mit dem einfachen Auge durchgeführt. In einigen Orten perfektionierten muslimische Wissenschaftler diese Beobachtungen jedoch, Maragha (im Iran) und Samarkand (in Usbekistan) sind hierfür sehr bekannt. An diesen Observatorien versammelten sich Astronomen, um Ptolemäus’ Sternkoordinaten neu zu bestimmen und um seinen Sternenkatalog letztendlich zu korrigieren. Der Katalog ließ Schlussfolgerung zur Position, zur Größe und zur Helligkeit von 1.022 Sternen zu, so wie es auch in heutiger Zeit gehandhabt wird. Dieser Katalog wurde im 10. Jahrhundert umfangreich vom Astronomen Abd al-Rahman al-Sufi (in der westlichen Welt als Azophi bekannt) überarbeitet, dessen Buch über die feststehenden Sterne das früheste bekannte illustrierte astronomische Manuskript darstellt. Die Kopie in der Bodleian Library (Hauptbibliothek der Universität Oxford) stammt von dem Sohn des Autoren und ist auf das Jahr 1009 datiert. Es wird darin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Zeichnungen auf Beobachtungen des Sternenglobus basieren.

Es gibt eine sogar noch frühere Darstellung des Himmels in einer Jagdhütte der Umayyaden aus dem Jahre 715 n. Chr., die sich im heutigen Jordanien befindet. Die Darstellung trägt den Namen Qasr al-‚Amra und ist als Deckengemälde im Badehaus des Jagdhauses zu finden. Das Fresko zeigt etwa 400 Sterne und 37 Sternkonstellationen, die auf einer stereografischen Projektion aufgetragen wurde – was einer gewissen Vertrautheit mit Ptolemäus’ Planisphärum (Sternhöhenmesser oder auch Astrolabium genannt) zu dieser doch frühen Zeit gleichkommt.

Die Araber waren ebenso geschickte Handwerker und stellten astronomische Instrumente her – besonders bekannt sind die Sternhöhenmesser, die zur Bestimmung der Sternenpositionen, aber auch zur Lösungsfindung von Problemen in der sphärischen Astronomie dienten. Es gab drei Arten von Sternhöhenmessern: plan sphärisch, geradlinig und rund. Diese wurden an den Observatorien von Maragha und Samarkand genutzt und wurden auch später von den europäischen Astronomen bis zur Erfindung des Teleskopes angewandt.

Das Observatorium von Maragha wurde im Jahre 1259, ein Jahr nach der Machtübernahme Bagdads durch die Mongolen, vom berühmten Mathematiker Nasir al-Din al-Tusi gegründet. Da die mongolische Invasion in islamische Ländereien zu einer Landroute nach China führte, konnten muslimische Astronomen mit ihren chinesischen Gegenspielern schließlich zusammenarbeiten.

Ibn al-Shatir (Abu l-Hasan ʿAla' ad-Din ibn ʿAli ibn Ibrahim ibn Muhammad)
Ibn al-Shatir (Abu l-Hasan ʿAla‘ ad-Din ibn ʿAli ibn Ibrahim ibn Muhammad)

Die hauptsächlich theoretische Arbeit, die an diesem Observatorium durchgeführt wurde, bestand darin, das ptolemäische Modell zu vereinfachen und es mit dem aristotelischen Modell in Einklang zu bringen, welches gleichmäßig runde Umlaufbahnen für Planeten voraussetzte. Auch wenn die dort arbeitenden Astronomen häufig der falschen Spur folgten, machten sie dennoch sehr wichtige Entdeckungen. So brachte Ibn al-Shatir (Abul-Hassan Ali Ibn Ibrahim Ibn al-Shatir, 1304-1375 n. Chr.) Modelle für die Bewegungen des Mondes und des Merkurs hervor, die denen von Kopernikus (1473-1543 n. Chr.) auffallend ähnlich sehen.

Das Observatorium von Ulugh Beg (1394-1449 n. Chr.) in Samarkand, welches zwischen 1420 und 1437 erbaut wurde, wurde genutzt, um die Sternenpositionen aus Ptolemäus’ Katalog neu zu berechnen und es gibt nur wenig Zweifel darüber, dass die Organisation des Observatoriums und dessen Instrumente Tycho Brahes berühmte Observatorien in Uraniborg und Stjerneborg beeinflusst haben. Ein anderes Observatorium, von dem geglaubt wird, dass es Tycho Brahe beeinflusst habe, wurde in Istanbul vorgeschlagen und schließlich im 16. Jahrhundert errichtet. Im Jahre 1571 schlug Taqi al-Din Mohammed ibn Ma’ruf (1526-1585 n. Chr.), ehemaliger ägyptischer Richter und Autor vieler astronomischer Bücher, den Bau eines Observatoriums in Istanbul vor, nachdem er von dem Ottomanischen Reich als Hauptastronom angestellt worden war. Er wollte damit beginnen, die dringenden Arbeiten zur Aktualisierung der astronomischen Tafeln durchzuführen, die die Bewegungen der Planeten, die der Sonne und die des Mondes darstellten. Seine Bitte wurde vom Großwesir und Gönner der Wissenschaft, Sokullu Muhammad, positiv aufgenommen. In den Jahren 1571 bis 1574 mussten die Ottomanen jedoch gegen nicht weniger als drei der Hauptmächte Europas, Venedig, Spanien und Portugal, kämpfen, sodass der Bau nicht vor Mitte des Jahre 1577 fertiggestellt werden konnte.

Taqi al-Dins Observatorium bestand aus zwei wunderschönen Gebäuden, die sich hoch auf einem Hügel befanden, von wo aus der europäische Teil Istanbuls überblickt werden konnte und von wo sich ein ungehinderter Blick in den nächtlichen Himmel bot. Wie in einer modernen Institution befanden sich die Bibliothek und die Wohnräume im Hauptgebäude, wohingegen im kleineren Gebäude von Taqi al-Din selbst gefertigte beeindruckende Instrumente gelagert wurden. Diese beinhalteten auch eine Armillarsphäre und eine mechanische Uhr, um sowohl die Position als auch die Geschwindigkeit der Planeten zu bestimmen. Da er sich dessen bewusst war, dass Europa sich im Bereich der Astronomie weiterentwickeln würde, wollte er sich der Astronomie der islamischen Welt erst nach deren unangefochtenen Übermacht widmen.

Taqi_al_din

Einige Monate später, in einer kalten Novembernacht, die auch die erste Nacht des heiligen Monats Ramadan darstellte, wurde unerwartet ein Komet mit einem enormen Schweif hinter sich gesichtet, der eine Kontroverse entfachen sollte, die das Ende seines Traumes bedeuten sollte – und seines Observatoriums. Drehend und wirbelnd wurde der Komet immer heller und wurde schließlich nach 40 Tagen zu einem Feuerball ähnlich der Sonne, der die Beobachter auf der Welt fürchten ließ.

Einer dieser Beobachter war Sultan Murad III., dessen Vater Sultan Selim kurz nach der Sichtung eines anderen Kometen starb. Murad III. war gerade dabei, eine Offensive gegen Persien und seine Verbündeten im Kaukasus zu beginnen und verlangte so von Taqi al-Din eine Prognose des Kometen. Dieser arbeitete Tag und Nacht ohne Nahrungsaufnahme an dieser Prognose, wobei seine letztendlichen Vorhersagen nicht unbedingt eintrafen. Obwohl die persischen Armeen im Krieg besiegt wurden, erfuhren die Ottomanen einige Rückschläge, wie den Ausbruch der Pest in einigen Teilen des Reiches und den Tod vieler berühmter Persönlichkeiten. Schon bald sollte das ottomanische Gericht dem Observatorium mit Ärger drohen.
Während die eine Fraktion des Großwesirs Sokullu die Institution weiterhin unterstützte, sagten seine politischen Rivalen, dass die Forschung eine Verschwendung von Mitteln sei.

Für eine kurze Zeitspanne überwog Sokullu und Taqi al-Din stürzte sich für zwei Jahre in seine astronomischen Forschungen. Doch dann wurde Sokullu umgebracht und eine Artillerieeinheit der Marine tauchte auf, dessen Kommandant den Abriss des Observatoriums befahl, da es seit dessen Bestehen nur Unglück für die Ottomanen brachte.

Federzeichnung einer Camera Obscura
Federzeichnung einer Camera Obscura

Ein anderes der Astronomie angelehntes, wissenschaftliches Fachgebiet, an dem die muslimischen Wissenschaftler interessiert waren – und für das sie wichtige Entdeckungen beitrugen – war die Optik.
Daher kann gesagt werden, dass selbst Newtons Optikgesetze aus dem Jahre 1704 eine lange Reihe an vorherigen Experimenten hinter sich hatten. Klassische Theorien über die Sehkraft gingen davon aus, dass die Sicht ein Ergebnis von aus den Augen austretenden Strahlen war und nicht etwa die Reflexion des Lichtes des betrachteten Objektes. Es war erneut Ibn al-Haytham, der dieser klassischen Theorie den Rücken kehrte und eine neue Theorie mit mathematischen Beweisen lieferte, die seine Theorie stützten. Seine Arbeit mit der Camera obscura und seine Entdeckungen der mathematischen Prinzipien hinter dem Phänomen des Regenbogens waren wichtige Schritte bei der Entwicklung optischer Instrumente – auch wenn die Erklärung der Regenbogenfarben bis auf Newton warten musste.

 

Andere muslimische Wissenschafter, wie Mohammad al-Biruni (973-1048 n. Chr.), trugen ebenfalls wichtige Beiträge dazu. Einer der Wissenschaftler des Maragha Observatoriums, Kamal al-Din Hassan al-Farisi (1267-1319 n. Chr.), schrieb einen wichtigen Kommentar über die optischen Aufsätze von Ibn al-Haytham, in welchem er die Ergebnisse faszinierender Experimentreihen mit der Camera obscura beschreibt.
Männer wie diese wären davon fasziniert gewesen, die Erde aus dem Weltraum zu fotografieren und die dahintersteckenden Theorien zu erfahren, die dies ermöglicht haben. Dies sind zum Teil auch solche Theorien, die ihren eigenen Beobachtungen zu Grunde liegen. Es ist bewundernswert, wie sich diese und andere Wissenschaftler für den Fortschritt der Wissenschaft und Technologie einsetzten. Viele der größten und wichtigsten Entdeckungen der Menschheit beruhen auf muslimische Wissenschaftler. Möge Allah, der Erhabene, uns Muslimen von heute und dem Westen das Herz und den Verstand öffnen, so dass wir wieder an die damalige Wissenschaftlich- und Sachlichkeit anknüpfen können.

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Mulla Sadra: Kurzer Einblick https://bufib.de/mulla-sadra-kurzer-einblick/ Fri, 04 Apr 2014 21:20:49 +0000 http://bufib.de/?p=973 Mulla Sadra war ein iranischer, muslimischer Philosoph, der die kulturelle, iranische Wiedergeburt im 17. Jahrhundert anführte. Iraner feiern anlässlich seines Geburtstages am 22. Mai den „Mulla Sadra“ Tag.

Laut Wikipedia gilt Mulla Sadra als der größte iranische Philosoph und vielleicht sogar als der einflussreichste Philosoph der muslimischen Welt in den letzten 400 Jahren. Er brachte eine neue philosophische Erkenntnis im Umgang mit der Natur der Realität und schuf einen wichtigen Übergang vom Existentialismus zum Existentialismus in der islamischen Philosophie, auch wenn sein Existentialismus nicht zu eng mit dem des Westens verglichen werden sollte.

Mulla Sadras Philosophie basierte auf dem Dasein als dem alleinigen Baustein der Realität und lehnte jede Form von Wesen in der äußeren Welt ab. Von diesem grundlegenden Ausgangspunkt war er in der Lage ursprüngliche Lösungen für viele der logischen, metaphysischen und theologischen Schwierigkeiten zu finden, die er von seinen Vorgängern geerbt hatte.

Mulla Sadra schrieb über 45 Arbeiten. Sein Hauptwerk ist „Asfaar al-Arba‘a“ (Die vier Reisen). Hier verarbeitet er seine philosophischen Ideen. Heute wird das Werk in neun Bänden herausgegeben.

Biographie

1572 n. Chr. in Shiraz in der Provinz Fars geboren, gehörte er zu einer Familie von Gerichtsbeamten. Im Jahr 1591 zog Mulla Sadra erstmalig nach Qazwin und dann nach Isfahan, um eine traditionelle und institutionelle Ausbildung in Philosophie, Theologie, Traditionen und Hermeneutik zu erhalten. Er war ein Anhänger der Schule der Ahlul-Bayt (a). Sein kompletter Name: Sadr ad-Din Mohmmad ash-Shirazi, er wird auch „Mulla Sadra“ oder „Sadr al-Muta-allihin“ genannt.

Jede Stadt war eine nachfolgende Hauptstadt der Safawiden-Dynastie und zu dieser Zeit Zentrum schiitisch-religiöser Studien. Unter seinen Lehrern fanden sich auch Mir Damaad und Baha-u-din al-Ameli (aus dem Libanon stammend). Mulla Sadra beendete seine Ausbildung in Isfahan, dem führenden kulturellen und intellektuellem Zentrum dieser Tage. Er begann die unorthodoxen Doktrinen zu erforschen und wurde dadurch von einigen schiitischen Theologen sowohl verurteilt als auch gebannt.

Er setzte sich dann für längere Zeit in einer Stadt namens Kahak in der Nähe von Qom zur Ruhe, wo er sich mit besinnenden Tätigkeiten beschäftigte. Während er in Kahak war, schrieb er eine Reihe von kleineren Werken. Im Jahr 1612 wurde Mulla Sadra vom mächtigen Stadthalter von Fars, Allahverdi Khan um die Beendigung seiner Ruhesetzung gebeten. Er wurde ersucht eine neue Schule in Shiraz zu leiten, die den Geisteswissenschaften gewidmet war. Während dieser Zeit begann er Abhandlungen zu schreiben, die weitreichende Stränge der islamischen Denkschulen darstellten.

Mulla Sadra verstarb in Basra nachdem er vom Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) zurückkehrte. Im Jahr 1640 wurde er in der Stadt Nadschaf im Irak begraben.

Auch wenn Mulla Sadras Einfluss für Generationen nicht zu spüren war, stieg er während des 19. Jahrhunderts beachtlich. In jüngster Zeit wurden seine Werke im Iran, den USA und Europa studiert.

Verursachung

Mulla Sadra argumentierte, dass alle bedingten Wesen eine Ursache erfordern. Dies verschiebt die Waage der Existenz und Nicht-Existenz in Richtung des ursprünglichen Denkens; nichts (Bedingtes) kann ohne Ursache entstehen.

Da die Welt von diesem ersten Akt abhängt, muss Gott nicht nur existieren, sondern ist auch für diesen ersten Akt der Erschaffung verantwortlich.

Mulla Sadra glaubte auch, dass eine kausale Bildung von Umständen unmöglich war, da die Kausalkette nur in Angelegenheiten mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende funktionieren konnte. Dies beinhaltete eine reine Ursache am Anfang, eine reine Wirkung am Ende und eine Verknüpfung von Ursache und Wirkung.

Die kausale Verknüpfung von Mulla Sadra war eine Form der existenziellen Ontologie, in einem kosmischen Rahmen, den der Islam unterstützt.

Für Mulla Sadra, ist das kausale Ende so rein wie der entsprechende Ursprung. Diese Lehre sieht Gott sowohl am Anfang als auch am Ende des schöpferischen Aktes.

Gottes Fähigkeit, die Intensität der existenziellen Realität durch die Messung von ursächlichen Dynamiken zu bestimmen, beruht auf der Erkenntnis einer Beziehung zwischen den Ursprüngen bezogen auf ihre Wirkungen. So war es wichtig für die islamischen Verbündeten akzeptable Rahmen für Gottes Bewertung der Realität zu finden, ohne sich in verdorbenen Angaben zu verlieren.

Dies war eine geniale Lösung für eine Frage, die die islamische Philosophie seit fast 1000 Jahren gejagt hatte: Wie kann Gott Sünde beurteilen ohne Sünde zu kennen?

Das Konzept der Wahrheit

Für Mulla Sadra, ist eine wahre Aussage wahr in Bezug auf die konkreten Fakten der Existenz. Er hatte eine metaphysische und keine formale Idee der Wahrheit. Er behauptete, dass die Welt aus geistesunabhängigen Objekten besteht, die immer wahr sind und wahr ist nicht, was rational in einer bestimmten Theorie der Beschreibung akzeptiert ist.

Aus Mulla Sadras Sicht, kann man keinen Zugriff auf die Wirklichkeit des Seins haben. Nur eine sprachliche Zerlegung ist möglich.

Diese Theorie der Wahrheit hat zwei Ebenen: Die Behauptung, dass ein Satz wahr ist, sofern er sich auf Dinge in der Realität bezieht und dass ein Satz wahr sein kann, wenn er der eigentlichen Sache entspricht.

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Die Würde der Gelehrten (Ulama) https://bufib.de/die-wuerde-der-gelehrten-ulama/ Fri, 04 Apr 2014 17:48:46 +0000 http://bufib.de/?p=957 Imam as-Sadiq (a) sagte: „Die Könige sind die Herrscher über das Volk und die Gelehrten sind die Herrscher über die Könige“. (Quelle: Mizân al-H‘ikmah)

Es gibt keinen Zweifel, dass die wahren und rechtschaffenen Gelehrten schon immer einen besseren Status als alle Könige und Herrscher zusammen genossen haben. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Weltherrscher sich schon immer respektvoll vor den Gelehrten verbeugt haben oder sie haben Wege und Mittel gefunden, sie entweder von der Gesellschaft zu isolieren oder sie zu töten, da sie sie als Bedrohung betrachtet hatten.

„Sprich: «Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?» Allein nur die mit Verstand Begabten lassen sich warnen.“ (39:9)

Es wird berichtet:

Es gab einen großen Gelehrten zur Zeit des zehnten Imams, Imam al-Hadi (a). Einst hatte ein Feind der Ahlul-Bayt (a) eine Debatte mit diesem Gelehrten und der Gelehrte übertrumpfte ihn mit Koranversen und prophetischen Traditionen. Eines Tages kam dieser Gelehrte in eine Versammlung, welche hauptsächlich aus Muslimen des Stammes Bani Haschim bestand und auch Imam Al-Hadi (a) war anwesend. Im Zentrum dieser Versammlung saß der Imam (a) und an diesem Ort lag auch ein großes Kissen. Sobald der Imam (a) diesen Gelehrten sah, erhob er (a) sich von seinem Platz und bat den Gelehrten nach vorne zu kommen und der Imam (a) brachte ihn schließlich dazu, sich neben ihn zu setzen und bat ihm das Kissen zum Ausruhen an. Ein alter Mann, der dem Stamme der Bani Haschim angehörte gefiel dies nicht. Deswegen beschwerte er sich, indem er sagte: „Oh Sohn des Propheten! Wie kannst du eine gewöhnliche Person vor einem Sayyid, der der Nachkommenschaft des Abu Talib und Abbas angehört, bevorzugen?“ Als unser Imam (a) dies hörte, war er sehr verärgert über diese Worte und begann Verse des Heiligen Korans zu rezitieren, um die Stellung eines Gelehrten gegenüber jeden anderen zu belegen. Imam al-Hadi (a) fragte die anwesenden Leute: „Glaubt ihr an die Gebote Allahs im Heiligen Koran?“ Alle sagten: „Ja!“ Dann sagte der Imam (a): „Hat Allah, der Erhabene, nicht gesagt: Allah wird die unter euch, die gläubig sind, und die, denen Wissen gegeben ward, in Rängen erhöhen. Und Allah ist wohl kundig dessen, was ihr tut. (58:11). Denn wisse, Allah liebt einen Gläubigen mit Wissen mehr als einen Gläubigen ohne Wissen. (Nun sage mir) hat Allah, der Erhabene, nicht auch gesagt: Sprich: «Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?» Allein nur die mit Verstand Begabten lassen sich warnen. (39:9)

Also warum versucht ihr Leute mich daran zu hindern jemanden die Ehre zu erweisen, der von Allah, der Glorreichen, bevorzugt wurde? Dieser Gelehrte hat sein Wissen verwendet, mit dem Allah ihn gesegnet hat und unseren Feind damit übertrumpft. Diese Handlung ist in meinen Augen besser als jede Familienbande und Beziehungen“. (Quelle: Al-Ih’tijâj)

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Entdeckungsreisen der Muslime https://bufib.de/entdeckungsreisen-der-muslime/ Fri, 04 Apr 2014 16:27:49 +0000 http://bufib.de/?p=924 Durch die geographischen Gegebenheiten der kargen Halbinsel Arabien waren ihre Bewohner schon immer abhängig von ausländischen Lieferungen für die Notwendigkeiten des Lebens. Daher mussten sie Reisen in ferne Länder wie Ägypten, Abessinien, Syrien, Persien und den Irak unternehmen. Es war eine arabische Karawane, die Prophet Joseph nach Ägypten brachte. Darüber hinaus lagen die fruchtbaren Gebiete Arabiens, einschließlich dem Jemen, Yamama, Oman, Bahrain und Hadari-Maut an der Küste und die Araber als Seefahrervolk nahmen Seewege, um diese Orte zu erreichen und ihre kommerziellen Interessen zu erfüllen.

Die Geburt des Islam eröffnete eine neue Perspektive für ihre Unternehmen und die ausgedehnten Eroberungen der Araber während der frühen Jahrzehnte der islamischen Geschichte, dienten als neue Impulse. Die Geschichten der berühmten arabischen Nächte, darunter die von Sindbad dem Seefahrer, geben einen Einblick in die Abenteuer der furchtlosen Araber. Es bietet sich eine farbenfrohes Bild großer Reisen von arabischen Seeleuten, die schon im ersten Jahrhundert nach der Hijrah, unerschrocken vor den unterwegs lauernden Gefahren, die stürmische See durchstreiften und solch ferne Länder wie Ceylon, Sansibar, die Malediven, Malaysia, Java und Sumatra bereisten.

Hadsch - Entdeckungsreisen der MuslimeDie Hadsch, d. h. die heilige Pilgerfahrt nach Mekka, war ein weiterer Einfluss der zur Entwicklung ihres geographischen und kommerziellen Wissens beitrug. Durch die Bildung von sozialen Kontakten unter den Muslimen aus den verschiedensten Ländern, die jedes Jahr Mekka besuchten, fand ein reger Austausch statt. Diese Wallfahrt stelle nicht nur ein Mittel für die Förderung der religiösen Einheit dar, sondern trug auch zur Stärkung der Handelsbeziehungen zwischen den muslimischen Ländern bei und führte zum Austausch von Meinungen und Neuigkeiten unter den Menschen weit entfernter Länder. Die Hadsch stellt in der Tat jedes Jahr die Möglichkeit für eine große, internationale Versammlung und ebnete den Weg für den muslimischen Handel und geografische Geschäftsunternehmungen.

Die Erfindung des Kompasses öffnete Ozeane für unternehmerische Reisen. Die meisten europäischen Autoren haben die Erfindung des Kompass den Chinesen gutgeschrieben, aber nach Berichten des berühmten Orientalisten George Sarton, waren die Araber die ersten, die von ihm praktischen Gebrauch  machten. Eine Tatsache, die von den Chinesen selbst zugestanden wurde. Ein anderer gefeierter Orientalist, Philip K. Hitti, hat die Ansicht von George Sarton ebenfalls bestätigt.

kompass-ibn-majidNach Aussage von Sir Richard F. Burton scheint es sogar, dass Ibn Majid im vergangenen Jahrhundert an der afrikanischen Küste als Erfinder des Kompasses verehrt wurde. Wie auch immer, der praktische Einsatz des Kompasses hat enorm zu den weiten Reisen der arabischen Seefahrer, die bis dato auf Küstenfahrten beschränkt waren, beigetragen. Sie reisten nun in den offenen Ozean und durchstreiften den Atlantik sowie auch den Pazifik, umkreisten den afrikanischen Kontinent und berührten sogar die Küsten der neuen Welt. Die zerbrechlichen Boote wurden durch größere Segelschiffe ersetzt und mit Hilfe von Kompassen und anderen Schifffahrtsinstrumenten trotzten die tapferen Araber der stürmischen See.

Das goldene Zeitalter der muslimischen Geographie, Reisen und Erkundungen läuft vom 9. bis zum 14. Jahrhundert n. Chr. In dieser Zeit wurde ein großer Teil von Reise- und geographischer Literatur produziert. Diese Literatur ebnete letztlich den Weg für spätere Erkundungen und Entdeckungen des christlichen Westens.

Über das Erbe des Islam schreibend, besagt Johannes H. Kramers: „Europa muss sie (die Muslime) als ihre kulturellen Vorfahren im Bereich der geographischen Erkenntnisse, der Entdeckungen und des Welthandels betrachten. Der Einfluss, den der Islam im Bereich des Handels auf unsere moderne Zivilisation ausgeübt hat, findet sich in der Terminologie des Handels und der Navigation in vielen Begriffen mit arabischer Herkunft wieder. Das Maß des Einflusses kann nur durch das Erforschen der geschichtlichen Entwicklung der Bereiche bewiesen werden, über die sich unsere tatsächlichen geographischen Kenntnisse erstrecken.“

Theoretiker

Die Werke griechischer Schriftsteller, besonders die Almagest von Ptolemäus, lieferten den Grundstein für arabische Geographen. Al-Khwarizmi, der bedeutende arabische Wissenschaftler, der seine Blüte während der Regierungszeit des Ma-mun ar-Rashid hatte, verarbeitete einige der Ideen aus der Almagest in seiner geographischen Abhandlung „Buch über das Bild der Erde“ (Kitab Surat al-Ard‘). Das Buch, das sich heut in Straßburg befindet, wurde zusammen mit einer lateinischen Übersetzung von Nallino bearbeitet.

Die einfache geographische Beschreibung von zahlreichen Ländern, darunter Merkmale wie die physikalischen Eigenschaften, die klimatischen Konditionen und das soziale Leben der Menschen, bildeten den Gegenstand der Abhandlungen, die von früheren muslimischen Geographen zusammengestellt wurden; Ibn Khurdabaih (820-912 n. Chr.) mit seinem Werk „Buch der Wege und der Königreiche“ (Kitabal-Masâlik wal-Mamâlik); Al-Yaqûbi (gest. 897 n. Chr.) und Ibn al-Faqih al-Hamadani (lebte im zehnten Jahrhundert n. Chr.), die das „Buch der Länder“ (Kitab al-Buldân) verfassten und Ibn Rustah (zehntes Jahrhundert n. Chr.), der seine Arbeit „Kitâb al-A’laq al-Nafisa“ nannte. Diese Bücher enthielten Fakten über die Länder, um praktische Bedürfnisse der Reisenden in solche Länder zu befriedigen. Der führende Autor von den hiesigen geografischen Abhandlungen dieser Zeit war Abu Zaid Al-Balkhi (850-934 n.Chr.), ein bedeutender Gelehrter am Hofe des Herrschers von Khorasân. Er besitzt die Auszeichnung ein Autor von nicht weniger als 43 Büchern zu sein, darunter seine „Bilder der Regionen“ (Suwarul-Aqâlîm) eine geografische Arbeit von großem Wert, die derzeit nicht verfügbar ist. Das Buch leitete spätere Autoren zu diesem Thema an.

Abu Yahya Zakariya Ibn Mohammad al-Qazwini (1203 – 1283 n. Chr.) schrieb ein Buch mit dem Titel „Wunder der Lebewesen und seltsame Dinge“ (Ajâ-ib- ul-Makhluqât wal-Gharâ-ib-ul-Maujûdât). Bei diesem Werk handelt es sich um eine sehr systematische, kosmografische Arbeit, die nach M. Streck „als ein Werk von grundlegender Wichtigkeit angesehen werden muss und welches so ziemlich das wichtigste Buch darstellt, das das arabische Mittelalter uns in diesem Bereich überliefert hat“. Al-Qazwini hat sich in seiner geografischen Abhandlung mit dem Namen „Monument der Orte und Geschichte der Diener (Gottes)“ (Athâr-ul-Bilad wa-akhbâr-ul-I’bad) mit der Beschreibung der Erde und ihren sieben Klimaregionen befasst. Das Buch enthält auch Angaben über die klimatischen Regionen, sowie körperlichen Merkmale und das Leben und die Geschichte der damaligen Menschen in den jeweiligen Ländern.

Die umfangreiche geografische Arbeit des spanischen Autoren Al-Bakri, geschrieben 1067 n. Chr., enthält meist umfassende Informationen über Häfen und Küsten.

Ein anderer bedeutender Geograf ist Hamdullah Mastaufi, der sich mit Naturgeschichte, Anthropologie und Geographie beschäftigt. Sein Werk (Nuzhat ul-Qulûb) hat dem Autoren Guy Le Strange beim Schreiben seines Buches „The Lands of the Eastern Caliphate“ geholfen.

Forscher, Reisende und Schriftsteller

Abul Qasim Ibn Hauqal (gest. 977 n. Chr.) ist der erste erwähnenswerte Reisende. Beginnend in Bagdad unternahm er 943 n. Chr. eine ausgedehnte Tour durch die islamischen Länder und verarbeitete seine Erfahrungen bei seiner Rückkehr in der geographischen Abhandlung „Buch der Wege und Länder“ (Kitâb al-Masâik wal-Mamâlik).

Ein anderer berühmter Reisender dieser Zeit ist Shamsuddin Abu Abdullah al-Moqaddasi (947-990 n.Chr.). Mit Ausnahme von Spanien und Sindh, reiste auch Moqaddasi durch die Längen und Breiten der islamischen Welt. Er hat seine Reiseerlebnisse in seinem berühmten geografischen Werk „Die beste Unterteilung in der Wissenschaft der Regionen“ (Ahsan at-Taqasîm fi Marifat al-Aqâlîm) niedergeschrieben; ein seltenes Buch seiner Art. Aloys Sprenger, der bekannte österreichische Orientalist, hat ihn zum größten Geographen aller Zeiten erkoren. Die asiatische Gemeinschaft von Bengal, veröffentlichte die englischen Übersetzungen  seiner berühmten Arbeit in vier Bänden, zwischen 1897 und 1910 n. Chr.

Abul-Hassan Ali Ibn al-Hussain al-Mas-ûdi (um 895-957 n. Chr.) einer der vielseitigsten Persönlichkeiten der islamischen Welt. Er ist ein berühmter Autor und Entdecker des Ostens. Er war noch sehr jung als er durch Persien reiste und sich für ein Jahr in Istakhar aufhielt. Von Bagdad aus ging er nach Indien, um Multan und Mansura  zu besuchen, kehrte zurück nach Persien, bereiste dann Kerman und ging anschließend zurück nach Indien.

Während er durch Cambay, Dekkan und Ceylon reiste, segelte er zusammen mit einigen Händlern nach Indochina und China. Auf seiner Rückfahrt besuchte er Madagaskar, Sansibar, den Oman und erreichte schließlich Basra, wo er sich später niederließ und sein großes Werk „Die Goldwiesen und Edelsteinminen“ (Muruj-al-Dhahab wa Ma-âsdin al-Jawhar) schrieb, in dem er zur Freude des Lesers seine reichen Erfahrungen in fröhlicher Manier erzählt. Al-Mas-ûdi besuchte auch das südliche Ufer des kaspischen Meeres und reiste durch Zentralasien und Turkestan. Im Ruhestand in Fusat (altes Kairo), schrieb er seine umfangreiche Arbeit „Spiegel der Zeit“ (Mir-ât-uz-Zamân), welche 30 Bände umfasst. Er beschreibt hier ausführlich die Geographie, Geschichte und das Leben der Menschen in den Ländern, die er besucht hat.

Unter den großen Seefahrern des 10. und 11. Jahrhunderts n. Chr. besetzten Sulaiman al-Mahri und Shahabuddin Ibn Majid herausragende Positionen. Sie durchstreiften nicht nur den indischen, pazifischen und atlantischen Ozean, sondern bewegten sich auch rund um den afrikanischen Kontinent und berührten wahrscheinlich sogar die Küsten der „Neuen Welt“. Sulaiman reiste bis zur Beringstraße und schrieb seine wertvollen Erfahrungen in einer Reihe von Büchern nieder.

Der andere Seefahrer, Ibn Majid, wurde als einer der vier Seelöwen seiner Zeit betrachtet. Sayyed Sulaiman Nadvi zählt in seinem Werk mit dem Titel “Die Navigation der Araber” fünfzehn Bücher auf, die von Ibn Majid über Navigation geschrieben wurden.

Laut einer westlichen Überlieferung, ist Ibn Majid einer der frühsten Autoren von nautischen Führern und seine ausführlichen geografischen Erkenntnisse über die Rote See konnten bis heute nicht übertroffen werden.

Ibn Faldan war ein Reisender des zehnten Jahrhunderts n. Chr. Entsandt vom abbasidischen Kalifen Al-Muqtadir im Jahre 921 n. Chr., leitete er eine Botschaft zu dem bulgarischen Monarchen. Er integrierte seine Erfahrungen in der „Risâlah“, einer der frühsten, regionalen Werke über Russland. Während des elften Jahrhunderts n. Chr., besuchte Abu Raihan al-Biruni, der berühmte Denker des Islams, Indien und blieb dort für einige Jahre. Er lernte Sanskrit und beschrieb die Geografie und das Leben von Indien in seinem denkwürdigen Werk „Ein Buch zur Geschichte Indiens“ (Kitab Tarîkh al-Hind).

Während dieser Zeit wurden auch regionale Geografien geschrieben. Berühmt unter ihnen war die Beschreibung der arabischen Halbinsel von Al-Hamdani und von Indien von Al-Biruni. Die Arbeiten von Reisenden wie Ibn Jubayr, Al-Mazini und Ibn Batuta bieten Quellen von geographischem Wissen. Al-Mazini (1080 – 1170 n. Chr.), der Russland besuchte schrieb „Tuhfat-al-balad“. Der brillanteste Autor dieser Zeit ist Al-Idrisi (1099 – 1166 n. Chr.), der am Hofe des christlichen Königs von Sizilien beschäftigt war. Sein Buch „Reise des Sehnsüchtigen, um die Horizonte zu durchqueren“ (Nuzhat-ul-Mushtâq fi Ikhtirâqil-Afâq) enthielt 70 Karten. In der zweiten Kurzausgabe von Idrisis Buch findet man acht Klimazonen statt sieben, die südlich vom Äquator zu finden waren. Die Weltkarte, die von Idrisi gezeichnet wurde, ist von der traditionellen runden Art und die erste Übersetzung seines Buches wurde in Rom im Jahr 1619 n. Chr. veröffentlicht.

Mujam_al_BuldanYaqut al-Hamavi (1179 – 1229 n. Chr.) erstellte ein großes geografisches Wörterbuch namens „Mu‘jam al-Buldan“, dass alle geografischen Namen in alphabetischer Reihenfolge enthielt. Es wurde zwischen 1666 und 1673 n. Chr. in sechs Ausgaben in Leipzig veröffentlicht. Beim Schreiben der Einleitung zur Geschichte der Wissenschaft bemerkte George Sarton: „Mu‘jam al Buldan ist eines der wichtigsten Werke der arabischen Literatur. Es ist eine Quelle von Informationen nicht nur in punkto Geografie, sondern auch in Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte. Vorangestellt ist eine Einleitung, die sich mit Mathematik, Physik, politischer Geographie, der Größe der Erde, sieben Klimazonen, usw. befasst.“

Der spanische Reisende, Ibn Jubayr (1145-1217 n. Chr.) besuchte Mekka und den Irak in 1183 n. Chr und Persien um 1191 n. Chr. Er schrieb sein bekanntes Buch der Reisen mit dem Namen „Rih‘lat ul-Kinani“, bei dem es sich in der arabischen Literatur um ein einzigartiges Werk seiner Art handelt.

Yabar-IbnJubair-Reise

Abu Abdullah Muhammad (1304 – 1378 n. Chr.), besser bekannt als Ibn Batuta, war der größte muslimische Reisende. Geboren in Tanglers, begann er seine Reisen im Alter von 20 und kehrte erst mit 51 nach Hause zurück. Während dieser 31 Jahre bereiste er etwa 120.000 km, was in etwa drei Reisen um den gesamten Globus entspricht. Kein Entdecker oder Reisender während des Mittelalters hat in seiner Lebenszeit so viele Kilometer durchlaufen wie Ibn Batuta. Von Tanglers aus reiste er nach Ägypten, Abessinien, Nord-und Ostafrika bis Mombasa. Er durchquerte die große Sahara (Wüste) und erreichte Timbuktu. Er beschreibt eine Oase in der Sahara (Wüste), wo Menschen Häuser aus Steinsalz mit Kamelhautüberdachungen bauten. In Europa besuchte er Spanien, das oströmische Reich und Südrussland. Er segelte im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. In Asien gab es kaum ein muslimisches Land das Ibn Batuta nicht gesehen hatte. Er machte viele Touren in den arabischen Ländern und führte vier Mal die Hadsch (heilige Pilgerfahrt nach Mekka) durch. Außerdem bereiste er Persien, Turkestan, Afghanistan, Indien, die Malediven, Ceylon, Ostindien, Indo-China und China. Nach seiner Überlieferung war Aden in diesen Tagen ein großes wirtschaftliches Zentrum und besaß ein effizientes System für die Wasserversorgung. Er reiste soweit nördlich wie Bolghar (54 Grad Nord) in Sibirien, um die Kürze der Sommernächte zu sehen und wollte in das Land der Finsternis (hoher Norden von Russland) reisen. Aus bestimmten Gründen musste er diesen Besuch jedoch aufgeben. Er blieb für acht Jahre in Indien, im Staat Qazi von Mohammed Tughlaq in Delhi aber er musste nach Dekkan fliehen, um sich vor der Empörung des Kaisers zu retten. Er nahm an der Eroberung von Goa teil und besuchte die Malediven, wo er zum Direktor ernannt wurde.

Erkundungen und Entdeckungen

Muslime tragen ihren Anteil an der Erforschung der weiten Ozeane und der Entdeckung von fernen Ländern. Aber die Schwierigkeit ist, dass die Errungenschaften der Muslime in diesem Bereich menschlicher Aktivität oft nicht in der ganzen Welt bekannt sind. Die größte Ansammlung von literarischen und künstlerischen Schätzen, die sich in den fünf Jahrhunderten der islamischen Herrschaft angesammelt haben, verschwand während der Zeit des Falles von Bagdad. Die unschätzbar wertvollen Manuskripte wurden von Hulagu Khan und seinen mongolischen Horden zu Asche verbrannt. Eine ebenfalls sehr fortgeschrittene muslimische Zivilisation traf ein ähnliches Schicksal: in Spanien. Die moderne Forschung hat nun begonnen den Schleier vom Gesicht des Mittelalters zu lüften und die Errungenschaften der Muslime werden nun in all ihrer Herrlichkeit offen gelegt. „Zu einer Zeit zu der Europa fest an die Erde als Scheibe glaubte“, so Amer Ali, „und zu der Europa jede falschgläubige Person mit einer anderen Meinung verbrannt hätte, lehrten die Araber Geographie bereits mit Hilfe von Globussen“. Ihr Fortschritt in mathematischer Geografie war nicht weniger bemerkenswert. Die Arbeiten von Ibn Hauqal, Makrizi Istakhri, Mas‘udi, Biruni, Idrisi, Qazwini, Wardi und Abul Fida enthalten Quellen von geografischem Wissen über diesen speziellen Zweig der Wissenschaft, der von ihnen „Rasnul Ard“ genannt wurde.

Erdrotation

Die Achsen- und Kugelform der Erde wurde von den muslimischen Geographen des Mittelalters diskutiert und bewiesen. Das „Kitab Kalimat ul-A‘in“ befasst sich mit der Rotation der Erde, die durch Tag und Nacht bewirkt wird. Muslimische Astronomen bewiesen auch, dass die Erde eine Kugel ist und eine Form wie ein „Pfirsich“ hat. In arabischen Schulen des Mittelalters wurden häufig Globen verwendet, die von den Muslimen entwickelte Auffassung der Kugelgestalt der Erde bezeugten. Die Geografie der Welt wurde auch im maurischen Spanien mit Hilfe der Globen unterrichtet.

Die Kenntnis der Meere

Arabische Seefahrer und Entdecker hatten ein sehr breites Wissen über die Meere und Ozeane. Die größte Entdeckung der Araber war, dass die Ozeane miteinander verbunden sind und eine kompakte ozeanische Welt formen. Der erste Seeweg, der von Sulaiman al-Mahri (1480-1550) beschrieben wurde, begann im indischen Ozean , führte durch den Pazifik, das Beringmeer, den arktischen Ozean und den Atlantik und trat durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer ein. Der andere Weg war leichter. Beginnend im indischen Ozean führte er durch die Abessinische See, den Mosambik-Kanal, umkreisend das Kap der guten Hoffnung und trat in den Atlantischen Ozean ein. Er lief weiter durch die Straße von Gibraltar und führte dann ins Mittelmeer. Das war die Route, die von Vasco da Gama im Jahre 1498 n. Chr. genommen wurde. Dies zeigt, dass die Araber Meister der Meere waren und Karten von Meeren und Ozeanen besaßen, die sie frei in ihren Reisen verwendeten.

Ibn Khaldun hat die Länge der Roten See mit 1.400 Meilen angegeben. Nach heutigen Karten misst sie 1310 Meilen. Dies zeigt, dass die Berechnungen der arabischen Geografen sehr nahe an der heutigen moderne Forschung liegen.

Die Beringstraße

Bering_Sea_LocationDie Beringstraße und das Beringmeer waren den Arabern bekannt. Der von Sulaiman al Mahri beschriebene Weg führte vom Pazifischen Ozean zum Atlantischen Ozean, wobei er die Beringstraße durchquerte. Der berühmte Entdecker Al-Mas‘udi erwähnte die Beringsee ebenfalls in seinen Werken. Unter den Arabern war sie als „Warang Meer“ bekannt. Laut der Enzyklopädie von Amerika, waren die Geografie des äquatorialen Afrikas, sowie der Ursprung des Flusses Nil, den Arabern für eine lange Zeit bekannt.

Der arabische Steuermann von Vasco Da Gama

Im Jahre 1498 n. Chr. entdeckte Vasco da Gama einen neuen Weg nach Indien, der durch das Kap der Guten Hoffnung führte. Prinz Henry von Portugal hatte seine nautische Akademie unter der Leitung von arabischen und jüdischen Lehrern am Cape St. Vincent gegründet. Diese lieferte den Ursprung für die Erkundungen von Vasco da Gama. Es ist nun eine bekannte Tatsache, dass ein Araber sein Schiff nach Indien führte. In seinem Werk „Erben des Islam“ schreibt J. H. Kramers: „Als Vasco da Gama nach seiner Afrika-Umrundung im Jahr 1498 Melinde an der afrikanischen Ostküste erreichte, war es ein arabischer Steuermann, der ihm den Weg nach Indien zeigte.“

Vasco_da_Gama_Indien

Nach portugiesischen Quellen war dieser Steuermann im Besitz einer sehr guten Meereskarte und anderen maritimen Instrumenten. Arabische Quellen dieser Zeit kennen diese Geschichte ebenfalls; sie sagen aus, dass der Steuermann Ahmad Ibn Majid hieß. Bares, ein Mitglied der Mannschaft von Vasco da Gama schreibt in seiner Berichterstattung, der Enzyklopädie des Islam: „Als Vasco da Gama Melinde erreichte, rief ein arabischer Muslim nach ihm aus. Er fühlte sich sehr wohl in unserer Gesellschaft und mit der Idee, die Gunst des Königs zu gewinnen, welcher einen Steuermann für das portugiesische Schiff suchte, stimmte der Araber zu unser Schiff nach Indien zu steuern.“

Nach dem Autor der Enzyklopädie Britannica, hatte eine lokale Hand das Schiff von Vasco da Gama nach Indien geführt. Entweder ist er zu schüchtern den Namen eines Muslims mit den viel umwogenden Erkundungen von Vasco da Gama zu assoziieren oder er ignoriert eine so fundamentale Tatsache, was von einem Autor einer so großartigen Arbeit kaum erwartet werden kann.

Die Entdeckung von Amerika

Die moderne Forschung hat zweifellos bewiesen, dass die Araber Amerika entdeckten. Muslimische Geografen und Astronomen glaubten an die Kugelform der Erde. Die trigonometrischen Tabellen von Khwarizmi wurden von Adelard, Vath, Gerard von Cremona und Roger Bacon übersetzt. Das berühmte Buch „Bild Mundi“, veröffentlicht im Jahre 1410 n. Chr. integrierte die Theorie aus der Übersetzung von Khwarizmi. Columbus erfuhr aus diesem Buch, dass die Erde birnenförmig ist und dass es Anhöhen auf der anderen Seite geben muss, welche er zu entdecken beschloss. „Daher kann die islamische, geografische Theorie einen Teil der Entdeckung der neuen Welt ihr eigen nennen“, so J. H. Kramers.

Die moderne Forschung zu diesem Thema ging noch einen Schritt weiter und stellte fest, dass die Araber Amerika fünf Jahrhunderte vor Columbus entdeckten. Die folgende wichtige Nachricht wurde in führenden indischen Zeitungen, wie dem Delhi Express am 11. August 1952 veröffentlicht: „ Ein führender südafrikanischer Anthropologe sagt aus, dass die Araber und nicht Christopher Columbus Amerika entdeckten. Die Araber erzielten einen Sieg von fast 500 Jahren über Columbus“, so Dr. Jeffreys, Dozent für Sozialanthropologie an der Witwatersand Universität. Dr. Jeffreys begründet seine Behauptung auf einer Entdeckung von negro-hamitischen Schädeln im Rio Grande vor 18 Monaten. Der Professor sagte weiter, „rätselhafte, zuvor unerklärliche Dinge ergeben plötzlich einen Sinn und passen ins Puzzle“. Dr. Jeffreys denkt, dass die Araber um 1000 n. Chr. bereits das Mittelmeer beherrschten, an der Westküste von Afrika etabliert waren und Amerika besetzt hatten. Auch Columbus fand kleine Kolonien von Farbigen im Darian Isthumus, bei denen es sich laut Dr. Jeffreys um Nachkommen von arabischen Sklaven handelte“. Er sagt, dass „die Entdeckung hamitischer Schädel in Höhlen auf den Bahamas und afrikanischen Hülsenfrüchte in der Karibik diese Theorie bestärken“.

Der Artikel des berühmten Anthropologen von Südafrika, Professor M.D.W. Jeffreys wurde in verschiedenen Fachzeitschriften auf der Welt veröffentlicht. Dies liefert Beweise dafür, dass die Araber Amerika entdeckten und sich auf den karibischen Inseln niederließen, bevor es Columbus tat. Jeffreys sagt weiter: „wenn die Portugiesen die Küsten von Guinea (Westafrika) unter König Johann II, der 1495 verstarb, erkundeten, gab es eine alte portugiesische Tradition. Diese Entdecker brachten Mais, eine amerikanische Pflanze, von Guinea nach Portugal. Da Mais Guinea von Amerika aus erreicht haben musste, um ihn in Portugal einzuführen noch bevor Columbus von Spanien nach Amerika segelte, steht fest, dass jemand den Mais von Amerika mitgebracht haben musste, und ich behaupte, dies waren die Araber“.

In der gleichen Weise wurde die Banane von Arabern in die Karibik und auf amerikanisches Festland gebracht. Peter Nartyr, ein Freund von Kolumbus, veröffentlichte seine erste Dekade vor 1504 n. Chr. In diesem Werk beschreibt er die Banane, wie sie in Westindien auftauchte als die Spanier eintrafen. Er schreibt: „Sie (die Banane) wurde von einem Teil Äthiopiens, Guinea genannt gebracht, wo sie wild wächst, wie in ihrem Herkunftsland“. Es waren die Araber, die die Banane in Guinea (Westafrika) einführten und sie von da aus zu den karibischen Inseln und zum amerikanischen Festland brachten.

Reynold schreibt: „Die Araber waren maßgeblich an der Verteilung der Banane in Äquatorialafrika beteiligt. Nur dadurch konnte sie sich gut an der Küste Guineas etablieren als die Portugiesen sie erstmalig  in den Jahren 1469 n. Chr. entdeckten.“ Darüber hinaus waren die atlantischen Inseln lange vor der Entdeckung durch Columbus bekannt. Die arabischen Namen dieser Inseln, in der Geografie von einem Franziskanermönch im Jahr 1350 veröffentlicht beweisen, dass die meisten der Inseln von den Arabern und ihren Nachkommen bewohnt wurden, die verlorenen Inseln wurden z. B. Kalidat genannt und Teneriffa hieß Elburd. Auch das Wort Brasilien hat arabische Wurzeln. Armando Cortesao, ehemaliger Berater für Geschichte und Naturwissenschaften bei der UNESCO, hat ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Die Seekarte von 1424“, in welchem er mehrere Inseln nennt, die arabische Wurzeln haben; z.B. Antilia, Saya und Ymana.

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Der berühmte muslimische Wissenschaftler Idrisi (1100-1166 n. Chr.) hat sein bekanntes geografisches Werk „Nuzhat-al-Mushtâq“ (deutsch: Reise des Sehnsüchtigen) ca. 1151 n. Chr. veröffentlicht. Idrisi gibt in seiner Geografie einen Hinweis, dass die Araber die Amerikaner kannten. Der westliche Orientalist Glas, der im Jahr 1764 n. Chr. von Idrisi, den er den nubischen Geografen nannte übernahm, gibt zu: „Jeder, der mit Aufmerksamkeit den ersten Teil des dritten Bandes vom nubischen Geografen liest, wird stark geneigt sein zu glauben, dass die Araber sogar einiges Wissen über Amerika und die westindischen Inseln hatten“.

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Kindheit und Jugend des Heiligen Propheten (s) https://bufib.de/kindheit-und-jugend-des-heiligen-propheten-s/ Fri, 04 Apr 2014 12:31:03 +0000 http://bufib.de/?p=922 Mohammad Al-Mustafa (s), der heilige Prophet des Islam, wurde nach Sonnenaufgang am Freitag den 17. (manche meinen auch am 12.) Rabiul Awwal 570 n. H. (nach der Hijrah) in Mekka geboren. Er wurde im Jahr des Elefanten geboren, als Ibraha versuchte die Heilige Ka’ba zu zerstören.

Die Eltern des heiligen Propheten (s) waren Abdullah Sohn von Abdul Muttalib und Aamina Tochter von Wahab. Abdullah starb zwei Monate bevor sein Sohn geboren war und wurde in Medina begraben. Der heilige Prophet (s) gehörte zu der respektierten Familie der Banu Hashim vom Stamm der Quraish.

Abdul Muttalib entschied, den heiligen Propheten (S) selbst großzuziehen. Am siebten Tag nach der Geburt seines Enkels opferte er ein Schaf, um Allah seine Dankbarkeit zu zeigen, dass Er ihn mit einem gesunden Enkel gesegnet hatte. Viele Leute wurden eingeladen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

In dieser Versammlung verkündete Abdul Muttalib den Leuten, dass er das Kind „Mohammad“ nennen würde, was „jemand, der des Lobpreises würdig ist“ bedeutet. Als die Quraishis ihn fragten, warum er so einen ungewöhnlichen Namen erhalten würde, antwortete er, dass er wolle, dass sein Enkel sowohl im Himmel als auch auf der Erde gepriesen werden solle.

Vor diesem Ereignis hatte die Mutter des heiligen Propheten (s) ihn schon „Ahmad“ genannt. Allah hat ihn im Heiligen Koran mit beiden Namen bezeichnet.

Der heilige Prophet (s) wurde von seiner eigenen Mutter Aamina nur drei Tage lang gestillt. Wie es damals der Brauch war, wurde er dann zu einer Amme gegeben, die ihn pflegte. Zwei Frauen hatten diese Ehre.

Sie hießen:

Suwayba. Sie war eine Sklavin von Abu Lahab und pflegte den heiligen Propheten (s) vier Monate lang. Der heilige Prophet (s) und seine Frau Sayyida Khadija (a) standen ihr während ihres ganzen Lebens immer sehr wohlwollend gegenüber. Als der gesandte Gottes (s) von der Schlacht von Khaybar zurückkehrte, erfuhr er von ihrem Tod und war sehr traurig darüber.

Halimah. Sie gehörte zum Stamm der Saad bin Bakr. Sie brachte den heiligen Propheten (s) außerhalb der Stadt Mekka in die Wüste. Hier wuchs er zu einem starken und gesunden Jungen heran und lernte die reine arabische Sprache der Wüste. Er blieb dort für fünf Jahre bei ihr.

Die Kindheit des heiligen Propheten (s)

Der Gesandte (s) lebte zusammen mit Halimah fünf Jahre lang in der Wüste und sie passte sehr gut auf ihn auf. Während dieser Zeit lernte er den Umgang mit Tieren und übte sich auch im Bogenschießen. In dieser glücklichen Atmosphäre wuchs er stark und gesund auf. Halimah betrachtete ihn als etwas sehr Besonderes, da sie seitdem er unter ihrer Obhut hergekommen war, vom Segen Allahs überschüttet wurde und sie reich wurde.

Als er fünf Jahre alt war, brachte Halimah den Propheten (s) zu seiner Mutter Aamina zurück. Der kleine Junge war sehr lieb zu seinem Großvater Abdul Muttalib, weil er ihn an seinen Sohn Abdullah erinnerte. Aamina entschloss nach Medina zu gehen, um das Grab ihres Ehemannes Abdullah und auch einige ihrer Verwandten zu besuchen. Sie nahm den kleinen Mohammad (s) mit und blieb dort einen Monat lang. Auf dem Weg nach Mekka zurück wurde Aamina an einem Ort genannt Abwa krank. Nach kurzer Zeit starb sie und wurde dort begraben.

Der heilige Prophet (s) war nun ein Waisenkind und Abdul Muttalib nahm ihn zu sich. Er liebte seinen Enkel sehr und sorgte dafür, dass er nicht das Gefühl hatte unerwünscht zu sein.

Der heilige Prophet (s) war erst acht Jahre alt, als er seinen Großvater verlor. Vor seinen Tod machte Abdul Muttalib seinen Sohn Abu Talib dafür verantwortlich, auf das kleine Kind aufzupassen.

Dies war eine Pflicht, welche Abu Talib für den Rest seines Lebens vollständig erfüllte.

Der Verlust von Abdul Muttalib machte den heiligen Propheten (s) sehr traurig und er trauerte um ihn bis zu seinem Tod und vergaß nie seine Güte. Es gab viele Gründe, warum Abdul Muttalib Abu Talib als Hüter des heiligen Propheten (s) wählte. Abu Talib und Abdullah wurden von derselben Mutter geboren. Er war auch bekannt für seine großzügige Natur. Er behandelte den heiligen Propheten (s) besser als seine eigenen Söhne und achtete darauf, dass er sich nie einsam fühlte.

Als der Prophet Mohammad (s) zwölf Jahre alt war, nahm ihn Abu Talib mit einer Karawane der Quraish mit auf eine Handelsreise nach Syrien. Auf der Reise passierten sie Madyan, das Quratal und das Land von Samud und sahen die wunderschöne Landschaft von Syrien. Der heilige Prophet (s) pflegte zu sagen, dass dies eine der schönsten Reisen seines Lebens gewesen war.

Bei Basra hielt die Karawane an, um sich mit Vorräten für den Rest der Reise zu versorgen. Dort gab es einen alten christlichen Mönch, dessen Name Bahira war, der in einem alten Kloster in Basra lebte. Der Mönch pflegte nicht zu sprechen, aber als er den heiligen Propheten (s) sah, brach er sein Schweigen und fragte, „Wer ist dieser Junge?“ Abu Talib antwortete, dass er sein Neffe sei. Bahira sagte dann: „Dieser Junge hat eine brillante Zukunft. Er ist derselbe Prophet, dessen Kommen in den himmlischen Büchern vorhergesagt worden ist. Seine Religion wird sich über die ganze Welt verbreiten.“.

Einige Historiker sagen, dass Abu Talib nach dieser Warnung seine Reise nicht fortführen wollte und mit dem heiligen Propheten (s) nach Mekka zurückkehrte, während andere sagen, dass er nach Syrien weiterging, aber fortan noch mehr auf die Sicherheit des heiligen Propheten (s) bedacht war.

Auf jeden Fall war Abu Talib mit der Sicherheit seines Neffen vorsichtiger als zuvor.

Einige Historiker haben geschrieben, dass der heilige Prophet (s) durch den christlichen Mönch Kenntnis über die Geschichten der Propheten bekam und was im Heiligen Koran steht ebenfalls von ihm stamme. Dies ist eine schändliche Lüge. Es ist schwierig für jemanden zu glauben, dass der heilige Prophet (s) alle Geschichten aus seinem kurzen Treffen mit dem Mönch kannte und es schaffte sich alles 28 Jahre lang zu merken und dann vorgab, dass der Heilige Koran ihm im Alter von 40 Jahren offenbart wurde. Das Treffen mit Bahira diente keinem wirklichen Zweck, mit Ausnahme Abu Talib bewusst zu machen, dass sein Neffe eine sehr besondere Person war. Wie dem auch sei, man könnte hier noch viele Beweise vorbringen, dass das prophetische Wissen Mohammads (s) nicht von jenem Mönch stammte, was hier aber den Rahmen sprengen würde.

Also wuchs der heilige Prophet (s) geliebt und von allen geschätzt im Haushalt von Abu Talib auf. Seine Tante, Fatima bint Asad, die Frau von Abu Talib und Mutter von Imam Ali (a) sorgten für ihn, als ob er ihr eigener Sohn wäre.

Abu Talib und der heilige Prophet (s)

Zum Zeitpunkt seines Todes überlies Abdul Muttalib den heiligen Propheten (s) in der Obhut seines Sohnes Abu Talib. Abu Talib und Abdullah, der Vater des heiligen Propheten (s) waren Brüder, geboren von der gleichen Mutter. Abu Talib nahm den heiligen Propheten (s) mit in sein Haus und behandelte den Jungen, der nur acht Jahre alt war, wie seinen eigenen Sohn. Seine Frau Fatima bint Asad, liebte den heiligen Propheten (s) innig und er betrachtet sie als seine Mutter.

Seit der Zeit als er eine Weissagung von dem Mönch Bahira erhalten hatte, war Abu Talib sehr vorsichtig mit der persönlichen Sicherheit seines Neffen.

Als der heilige Prophet (s) aufwuchs, stand er immer unter dem Schutz seines geliebten Onkels, der einer der angesehensten Führer der Quraishis war. Als der heilige Prophet (s) älter war, war es Abu Talib, der ihn ermutigte am Geschäft der Handelskarawanen teilzunehmen. Er arrangierte für seinen Neffen, dass er in den Dienst von Khadija bint Khuwaylid eingeführt werden würde. Diese Einführung sollte zu der Heirat des heiligen Propheten (s) mit dieser edlen Dame führen. Auf der Hochzeit war es Abu Talib, der die Predigt rezitierte und die Zeremonie durchführte.

Als die Zeit für den heiligen Propheten (s) herangebrochen war, um seine Mission der Prophetie zu verkündigen, war Abu Talib einer seiner stärksten Befürworter. Während er unter dem mächtigen Schutz seines Onkels stand, wagten die Quraishis nicht den heiligen Propheten (s) zu schaden. Als die Quraishis die Muslime aus Mekka verbannten, lebten sie drei Jahre lang in einem Tal bekannt als das „Tal von Abu Talib“. Zu dieser Zeit ging er durch die gleichen Schwierigkeiten wie der heilige Prophet (s), obwohl er einfach nach Mekka zurückkehren hätte können, wo er immer noch von den Quraishis geschätzt und geehrt wurde.

Obwohl einige ignorante Leute schreiben, dass Abu Talib kein Muslim war, gibt es viele Gründe, warum das nicht wahr sein kann. Zuerst führte Abu Talib die Heirat des Heiligen Propheten (s) selbst durch und eine Person, die kein Muslim ist, kann nicht die Heirat eines anderen Muslims durchführen.

Zweitens war Fatima bint Asad dafür bekannt, dass sie ein Muslima war und sie war auch bis sie starb, die Frau von Abu Talib. Eine muslimische Frau kann nicht mit einem Mann verheiratet bleiben, der nicht ein Muslim ist.

Drittens weinte der heilige Prophet Mohammad (s) beim Tod von Abu Talib  eine lange Zeit und betete dann für ihn. Alle diese und viele andere Gründe beweisen ohne Zweifel, dass auch wenn er es nicht offen erklärte, dass Abu Talib ein Muslim mit einem starken Glauben war.  In seinem Testament beauftragte Abu Talib seine Kinder immer zu dem heiligen Propheten (s) zu stehen und ihn nie zu verlassen. Er riet ihnen auch, dem Islam zu folgen, sodass sie erfolgreich sein würden.

Der Tod seines Onkels nach einem Leben der Freundschaft machte den heiligen Propheten (s) sehr traurig. Im gleichen Jahr verlor er auch seine liebe Frau Sayyida Khadija (a). Aus diesen Gründen nannte der Heilige Prophet (S) dieses Jahr „A‘amul H‘uzn“ (Jahr der Trauer)

Die Jugend des heiligen Propheten (s)

Als der heilige Prophet (s) heranwuchs, erkannten die Leute um ihn herum, dass dieser junge Mann nicht wie die anderen aus seinem Alter war. Die Leute bewunderten seinen Charakter und seinen Mut und alle Quraishis mochten ihn.

In seiner Jugendzeit begleitete der heilige Prophet (s) seinen Onkel Abu Talib auf Handelsreisen nach Syrien und Jemen. Er gewann einen guten Ruf in Mekka für seinen guten Geschäftssinn, seine Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit.

Die Menschen waren so beeindruckt von den Qualitäten des heiligen Propheten (s), dass sie begannen, ihn as-Sadiq (der Wahrhaftige) und al-Ameen (der Vertrauenswürdige) zu rufen.

Wenn der heilige Prophet (s) ihnen begegnen würde, würden die Leute sagen:

„Dort ist der junge Mann, der mit den Starken und mit den Schwachen gleich gut umgeht. Er ist rücksichtsvoll mit seinesgleichen, respektiert die Älteren und ist immer sehr liebevoll und gefühlvoll im Umgang mit Kindern. Er lügt nie und missbraucht nichts, was ihm anvertraut wurde. Er hat Frauen gegenüber nie böse Absichten und ist nie unhöflich. Er lästert nie und verbringt seine Zeit nie damit, bei anderen Menschen nach Fehlern zu suchen.“

So war der Charakter unseres heiligen Propheten (s) und in späteren Jahren wollten sogar seine Feinde ihr persönliches Habe bei ihm zur Aufbewahrung lassen, wenn sie auf eine Reise nach Mekka gingen. Einmal kam ein Mann nach Mekka und wurde von einem Händler auf dem Markt betrogen. Er beschwerte sich bei den Quraish, dass er betrogen worden war. Zu jener Zeit bildeten einige führende Bürger einen Ausschuss, der derartige Zwischenfälle untersuchen wollte und versuchten den Menschen, die ungerecht behandelt wurden, zu helfen.

Sie beschlossen, dass die Hauptstämme der Quraishis eine Vereinbarung treffen sollten, die die Rechte der Menschen schützen würden. Dieser wichtige Bund hieß „Hilful Fudhool” oder “Vereinbarung über die guten Sitten”. Der heilige Prophet (s) trat dieser Vereinbarung bei und war ein aktives Mitglied des Hilful Fudhool.

Der heilige Prophet (s) verbrachte auch einen Teil seiner Jugend als Hirte.

Folglich hatte sich der Heilige Prophet (S) als er 25 Jahre alt war einen guten Ruf in Mekka erworben und hatte sich das Vertrauen und die Zuneigung der Leute aus seiner Umgebung verdient.

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Die Ankunft des edelsten aller Menschen: der Gesandte Mohammad (s) https://bufib.de/die-ankunft-des-edelsten-aller-menschen-der-gesandte-mohammad-s/ Fri, 04 Apr 2014 11:06:02 +0000 http://bufib.de/?p=919 Mit Augen, so hell wie die strahlende Sonne, ein Lächeln auf den Lippen strahlender als das Licht der Sonne, ein Herz frischer als die Blumen aus den Gärten von Yathrib und Taif, Sitten und Gebräuche anständiger als die Mondscheinnächte der Hijaz, ein Geist lebhafter als die starken Winde, eine bezaubernde Zunge, ein Herz voll himmlischer Freude, feste Entschlossenheit, wie eine scharfe Klinge und himmlischen Worten auf der Zunge – so war Muhammad der Sohn von Abdullah, der Prophet für alle Welten, der Prophet, der die Götzen zerstörte. Er brach nicht nur den Glauben an die falschen Götter aus Holz und Stein, sondern er brach auch die Idole des Reichtums, unanständige Lebensgewohnheiten und die Unmenschlichkeit.

Die einzige Sache, die sich die feigen Qurayschis wünschten war, dass das Geld aus den Händen der nomadischen Araber in ihre eigenen Taschen fließen sollte. Die einzige Bedeutung, die das Leben für sie besaß war, das sie um Geld zu verdienen auf den Rücken der Kamele unter extremen Nöten durch die Wüste reisen mussten und dann zu ihrer Heimatstadt Mekka zurückkehrten – das gleiche Mekka, welches die Stadt der Götzenanbetung war und wo das Geld die einzige Sache war, was zählte.

Plötzlich hörten sie eine Stimme, die ihre Nerven erschütterte. Ihre Hoffnungen waren zerstört. Die Welt wandte sich von ihnen ab, indem sie sagte „Der Wert des Menschen ist nicht der gleiche, wie ihr ihm beigemessen habt und der Sinn der Erschaffung des nomadischen Arabers ist nicht der gleiche, wie ihr es denkt“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Banu Asad und Banu Tamim waren so verirrt und ignorant, dass sie ihre Töchter lebendig begruben. Es gab keine Rechtfertigung für ihr Tun, außer dass es ein Brauch war, der bei ihnen überlebt hatte. Sie sprachen sich gegen den göttlichen Willen aus. Sie hassten die Schönheit der Natur. Und sie hörten eine Stimme, welche mit leidenschaftlicher Liebe und Mitgefühl mit den Menschen sagte: „Beerdigt eure Töchter nicht lebendig. Die Töchter wurden genauso von Gott erschaffen, wie die Söhne. Kein menschliches Wesen hat das Recht anderen das Leben zu rauben. Nur Gott erschafft die Menschen und lässt sie wieder sterben“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Die Araber kämpften ständig. Sie kämpften und verschütteten jahrelang Blut aufgrund von trivialen Dingen. Sie töteten ihre eigenen Brüder und freuten sich dann darüber und verherrlichten sich selber dafür. Ihre Lieben für das Wohl ihrer eigenen Unwissenheit zu opfern, war etwas ganz gewöhnliches für sie. Die Kinder weinten und schrien und wuchsen in Bedingungen auf, welche nicht förderlich waren für die Schaffung von Liebe und Sympathie gegenüber irgendjemandem in ihren Gedanken. Unter diesen Umständen hörten sie eine andere Stimme, welche sagte „Was macht ihr? Ihr tötet euch, obwohl ihr Brüder seid, weil ihr alle von Gott erschaffen wurdet. Zwietracht ist etwas teuflisches. Friede und Freundschaft sind vorteilhafter für euch. Der Segen, um den ihr kämpft, kann nicht anders erreicht werden, wie durch den Frieden“.

Dies war auch die Stimme von Mohammad.

Die Araber waren die stolzesten und egoistischsten Leute. Sie betrachteten die nicht-Araber als unterlegen. Zusätzlich waren die nicht-Araber für sie keine menschlichen Wesen. Mohammad konnte diese Einstellung der Araber überhaupt nicht leiden. Indem er diese stolzen Menschen ansprach, sagte er: „Kein Araber ist mehr wert, wie ein nicht-Araber solange er nicht frommer ist. Ob du es hören willst oder nicht, alle menschlichen Lebewesen sind Geschwister“.

Sie waren unterdrückte, obdachlose und hilflose Personen, deren Gesichter von den heißen Winden versengt worden waren. Die Gesellschaft hatte sie verstoßen und ihr Leben unerträglich gemacht. Sie waren in den Augen der Leute einfacher wie Sandkörner und ihr Leben war nichts wert. Und das waren die wahren Freunde des Propheten des Islam, so wie die Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft die Freunde von Jesus Christus und anderen großen Männern der Welt waren. Es waren gerade diese Menschen, um dessen Gunst der Prophet des Islam bemüht war, um die Schaffung der Diktatur und unerlaubten Sklaverei zu verhindern. Er befreite den Menschen aus den Ketten der Knechtschaft und gründete die Staatskasse, damit alle von ihr ohne Diskriminierung profitieren könnten.

Er leitete die Bemühungen der Menschen um öffentliche Wohlfahrt. Er bestand darauf, dass die Qurayschis, die seine Verwandte waren, auf Schritt und Tritt ihr Verhalten verbessern sollten, gute Taten tun und ihre Aufmerksamkeit mit ganzem Herzen Gott widmen sollten, der die zerstreute Schöpfung wieder zu einem einzigen Ganzen verbunden hatte.

Die Qurayschis jedoch, stifteten die unwissenden Leute, genauso wie ihre Kinder, dazu an, ihn zu steinigen und zu verspotten.

Die hilflosen, unterdrückten und heimatlosen Sklaven unter denen sich auch Bilal befand, der der Muezzin des Propheten war, waren voller Freude als sie folgendes hörten: „Alle menschlichen Wesen werden von Gott gespeist. Er mag den am meisten, der zu seinen Geschöpfen hilfsbereit ist“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Jene, die seine Feinde waren und ihn steinigten und verspotteten, hörten diese animierende Stimme: „Wenn du (Mohammad) streng und hartherzig gewesen wärst, hätten sie dich alle schon vor langer Zeit verlassen. Vergib ihnen und bitte Gott um Vergebung (ihrer Sünden)  und berate dich mit ihnen in dieser bestimmten Angelegenheit. Aber wenn du zu einer Entscheidung gekommen bist, dann vertraue auf Gott. Gott liebt die, die vertrauen“.

Dies war die Stimme Mohammads

Die folgenden reinen Worte hinterließen tiefe Spuren bei denen, die bestrebt waren nach dem Willen Gottes ein besseres Leben zu leben und welche bereit waren ihn (Mohammad) in seinem Unterfangen gegen Götzendienst und Missetaten zu unterstützen und Angst hatten, dass ihre Rechte und gute Führung in einem Schlachtfeld verschwendet werden könnte.

„Denk daran! Sei nicht untreu. Begehe keinen Vertrauensbruch. Töte weder ein Kind oder eine Frau oder einen alten Mann oder einen Mönch in einem Kloster. Verbrenne keine Dattelpalmen und schneide keinen Baum noch reiße ein Gebäude nieder“.

Diese Stimme war die Stimme Mohammads.

Die Araber hörten diese himmlische Stimme von Mohammad und verbreiteten es in alle vier Himmelsrichtungen. Sie gaben es an mächtige Herrscher und Könige weiter, etablierten Brüderlichkeit und den einen Glauben unter den Menschen und erschufen eine Beziehung zwischen Mensch und Gott (swt).

Der Schatten von Mohammad verbreitete sich so stark, dass er die ganze Alte Welt überschattete und das Land vom Osten bis zum Westen damit begann die Früchte von Güte, Wissen, Friede und Freundschaft zu tragen. Der Prophet des Islam streckte seine Hand aus und säte die Samen der Freundschaft und Brüderlichkeit in der ganzen Welt. Diese Hand ist immer noch ausgestreckt und damit beschäftigt die Samen zusähen. Daher gibt es keinen Teil der Welt, in dem sich die Anhänger von Mohammad nicht finden lassen. Der eine möge sich in Pakistan befinden und der andere möge in Spanien sein, aber abgesehen davon verhalten sich beide nach einer und dergleichen Norm.

Diese Stimme des heiligen Propheten war ein Aufruf nach menschlicher Geschwisterlichkeit. Sie hinderte die Hände der Herrscher daran, nach dem Besitz der Untergebenen zu greifen und gab allen menschlichen Wesen gleiche Rechte. In seiner Religion gibt es keine Diskriminierung zwischen einem gewöhnlichen Mann, einem Herrscher und einem Untergebenen und einem Araber und einem Nicht-Araber, weil alle menschlichen Wesen die Diener Gottes sind und Er ist es, der allen Nahrung gibt.

Diese Stimme emanzipierte Frauen von der Unterdrückung der Männer, befreite die Arbeiter von der Ungerechtigkeit der Kapitalisten und befreite die Diener aus der erniedrigenden Unterwerfung unter ihren Meistern. Im Gegensatz zu Platon und anderen Philosophen, die die Arbeiter ihren sozialen Rechten berauben aufgrund ihrer hauptsächlichen Beschäftigung und die die Gesellschaft in mehrere Klassen unterteilt haben, hat der Prophet des Islam alle menschlichen Wesen an den Angelegenheiten der Regierung teilhaben lassen. Er verbot auch Wucher und Ausbeutung eines Menschen durch einen anderen.

Dies ist und bleibt die Stimme des heiligen Propheten Mohammad (s).

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Drei große muslimische Wissenschaftler https://bufib.de/drei-grosse-muslimische-wissenschaftler/ Fri, 04 Apr 2014 10:38:09 +0000 http://bufib.de/?p=885 Abu Rayhan al-Biruni, der große muslimische Wissenschaftler

Am 4. September im Jahr 973 n. Chr., wurde Abu Rayhan Mohammad Ibn Ahmad al-Biruni, der bekannte iranisch-islamische Wissenschaftler in Kath geboren. Kath lag im iranischen Land der Choresmier (Khawarezm), einer Grenzregion zum Aralsee, der heute in der zentralasiatischen Republik von Usbekistan liegt. Er war ein vielseitiges Genie und schrieb zahlreiche Schriften über Geschichte, Geografie, Mathematik, Astronomie, Mineralogie und verschiedene andere Themen.

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Er schrieb über 180 Bücher. Seine Arbeit über Geometrie, Arithmetik, Trigonometrie und Algebra, in der er das Gewicht von Objekten berechnet, trägt den Titel „al-Tafhim“. Biruni, der ein Anhänger des Propheten (s) und seiner Ahlul-Bayt (a) war, schrieb über die Kugelgestalt der Erde und ihre Achsendrehung während sie um die Sonne kreist, mehrere Jahrhunderte bevor die Europäer diese Merkmale entdeckten.

Er war bewandert in Arabisch, Persisch, Griechisch und Sanskrit und nachdem er Indien besuchte und mehrere Monate in der Gesellschaft von indischen Weisen verbrachte, schrieb er das wertvolle Buch „Tahqiq ma lil-Hind“. Von seinen wichtigsten Zusammenstellungen sollten „Kitab at-Tafhim li-Awa’il Sina‘at at-Tanjim” (Das Buch über die Elemente in der Kunst der Astonomie) und „Kitab al-Aathaar al-Baqiyah an-il-Quruun al-Khaliya” (Buch der Hinterlassenschaften früherer Jahrhunderte), einer vergleichenden Studie über die Kalender der verschiedenen Kulturen und Zivilisationen, verflochten mit mathematischen, astronomischen und historischen Informationen erwähnt werden.

Er schrieb auch die „Qanun al Mas‘udi“, eine umfangreiche Enzyklopädie über Astronomie, Geografie und Technik. Im Jahre 1048 n. Chr. verstarb er in Ghazni, einer Stadt im heutigen Afghanistan, nachdem er dem Hof des türkischen Eroberers, Sultan Mahmud und seinem Sohn Mas‘ud angeschlossen wurde.

Der berühmte iranische Arzt, Mathematiker, Physiker, Astronom, Dichter und Philosoph Mulla Qotb Shirazi

Im Jahre 710 der islamischen Zeitrechnung (1311 n. Chr.) verstarb Qotb ad-Din Mahmud bin Masud ash-Shirazi, im Volksmund bekannt als Mulla Qotb Shirazi, der berühmte iranische, Mathematiker, Physiker, Astronom und Dichter. Er studierte unter seinem Vater Medizin, welcher am Mozaffari Krankenhaus in Shiraz praktizierte und Medizin lehrte.

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Er studierte auch die „al-Qanoun fi´t-Tibb“ – d. h.  „Fibel der Medizin“ – des iranisch-islamischen Genies Abu Ali ibn Sina, zusammen mit seinen Kommentaren. Insbesondere las er die Anmerkungen zu diesem Buch, die von Fakhr ad-Din ar-Razi verfasst wurden und brachte auch selbst viele Fragen auf.

Dies führte zu seinem Entschluss seinen eigenen Kommentar zu schreiben, indem er viele der offenen Fragen des Buches löste. Er arbeitete vor allem in der Gesellschaft von Khwaja Naseer ad-Din Tusi, dem berühmten Genie seiner Zeit, welcher die Sternwarte in Maragha im Nordwesten des Iran gründete.

Zehn Jahre später, kündigte er seinen Arztberuf und kam nach Maragha, um seine Zeit der weiteren Ausbildung unter der Führung von Naseer ad-Din Tusi zu widmen, der ihm neben dem Meisterwerk der Anmerkungen und Ermahnungen von Ibn Sina mit dem Titel „al-Isharaat wa´ l-Tanbihaat“, Astronomie lehrte. Eines der wichtigen wissenschaftlichen Projekte war die Fertigstellung der neuen astronomischen Tabelle. Qotb ad-Din Shirazi reiste anschließend in der Gesellschaft von Naseer ad-Din Tusi nach Khorasan, wo er verblieb, um unter Najm ad-Din Katebi Qazwini in der Stadt Jovayn zu studieren und sein Assistent zu werden. Später reiste er nach Qazwin, Isfahan, Bagdad und Qonya in Anatolien, der heutigen Türkei, wo er mit Sadr ad-Din Qonaviy den „Jame‘ al-Usul“ von Ibn al-Athîr studierte. Der Gouverneur von Qonya ernannte ihn zum Richter der Städte Sivas und Malatya. Während dieser Zeit stellte er die Bücher „Miftah al-Miftah“ über arabische Grammatik und Rhetorik und „Ikhtiyaraat al Mozaffariya“, über Astronomie zusammen.

Später wurde er dann von Ahmad Takudar, dem ilkhaniden Herrschers des Irans und Iraks als Gesandter zu Sayf ad-Din Qalawun, dem mamlukkischen Herrscher von Ägypten geschickt.

Während seines Aufenthaltes in Ägypten, sammelte er verschiedene Anmerkungen und Kommentare zu Ibn Sina´s „Qanun“ und verwendete sie in seinem „Kommentar zum Kulliyaat”. Der letzte Teil von Qotb ad-Din Shirazi´s aktiver Karriere war das Lehren des „Qanun“ und der „Kitab ash-Shifâ‘”, das philosophische Hauptwerkes von Ibn Sina in Syrien. Später brach er nach Tabriz auf und verstarb kurz darauf.

Er schrieb sowohl auf Arabisch als auch auf Persisch über eine Vielzahl von Themen wie Medizin, Astronomie, Geografie, Mathematik, Philosophie und Religion. Zu seinen Werken zählt, „Nihayat al Idraak fi Dirayaat al-Aflaak“, ein Buch über die Bewegung der Planeten. Außerdem identifizierte er Beobachtungen von Ibn Sina über den Transit von Venus und Merkur, Jahrhunderte vor europäischen Wissenschaftlern.

Der gefeierte muslimische Physiker, Mathematiker und Astronom Ibn al- Haytham

Am 13. des islamischen Monates Jumada ath-Thani im Jahr 430 des islamischen Kalenders (1039 n. Chr.), verstarb der gefeierte muslimische Physiker, Mathematiker und Astronom, Abu Ali Hassan ibn al-Hassan ibn al-Haytham in Kairo, im Alter von 76 Jahren. Er wurde in der Stadt Basra, in der damaligen iranischen Provinz Bouzid geboren, die heute zum Irak gehört. Er war ebenfalls eine Größe im Bereich der Medizin, Philosophie und Theologie, nachdem er während des goldenen Zeitalters der islamischen Zivilisation in Basra und Bagdad studiert hatte.

alhazen

Er führte umfangreiche Forschungen auf dem Gebiet der Lichtstrahlen. Sein Einfluss auf die Naturwissenschaften im Allgemeinen, sowie auf das Gebiet der Optik im Besonderen, wird in Ehren gehalten. Er hat in der Tat eine neue Ära der optischen Forschung eingeleitet, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Dem mittelalterlichen Europa bekannt als „Alhazen“, übte die lateinische Übersetzung seines Hauptwerkes „Kitab al-Manazer“ (Buch der Optik) einen großen Einfluss auf die westliche Wissenschaft aus, z. B. auf die Arbeiten von Roger Bacon, der ihn namentlich zitiert, und auf Johannes Kepler und Galileo. Seine Forschung in Katoptrik (der Lehre von optischen Systemen mit Hilfe von Spiegeln) ist zentriert auf kugelförmige und parabolische Spiegel und kugelförmige Abweichung. Er machte die Beobachtung, dass das Verhältnis zwischen dem Einfallswinkel und der Lichtbrechung nicht konstant bleibt und untersuchte die Vergrößerungskraft einer Linse. Er zog nach Ägypten, das zu dieser Zeit von der schiitisch-ismailiten fatimiden-Dynastie regiert wurde und führte mehrere Großprojekte durch, wie z. B. die Bemühungen die jährlichen Fluten vom Fluss Nil zu regulieren. Er ist der Erfinder des Teleskopes, welches er Jahrhunderte vor den Europäern einführte. Außerdem kann man seinen Büchern entnehmen, dass er die Form der Erde bereits als kugelförmig bestimmte.

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Freiheit und ihre Schranken im rechtsstaatlichen Sinne https://bufib.de/freiheit-und-ihre-schranken-im-rechtsstaatlichen-sinne/ Fri, 04 Apr 2014 09:48:41 +0000 http://bufib.de/?p=883 Der Begriff Freiheit bedeutet, dass ein Mensch seinen Willen und sein Handeln selbst bestimmen kann und er keinem Zwang von Außen unterworfen ist. Die Freiheit des Einzelnen ist ein Grund- und Menschenrecht einer jeden modernen Demokratie. Doch gibt es in einer Demokratie keine absolute Freiheit. Denn würde jeder Einzelne nur noch das tun, was er selbst für richtig hält und sich an keine Gesetze mehr halten, spräche man von einer Anarchie. In einem demokratischen, politischen System endet die Freiheit des einen an dem Punkt, an dem er durch die Ausübung der eigenen Freiheit die Freiheit eines anderen beschneidet. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und im Grundgesetz gesetzlich geregelt. In Art. 2 Abs. 1 heißt es, dass jeder „das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit“ hat „soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt“. Gemäß Art. 2 Abs. 2 des Grundgesetzes hat jeder „das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“. In diese Rechte darf nur mittels eines Gesetzes eingegriffen werden. Der moderne Freiheitsgedanke ist noch gar nicht so alt. Er findet seinen Ursprung in der Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Da es bei dem Freiheitsgedanken nicht um eine absolute Freiheit geht, sondern die Freiheit des Einzelnen immer im Verhältnis zur Freiheit der Gemeinschaft gesehen werden muss, ist der Freiheitsbegriff auch heute noch Thema vieler Diskussionen. Vor allem, wenn es um das Verhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit oder um Freiheit und Gleichheit geht, sind die Meinungen, wie weit der Freiheitsbegriff gefasst werden darf, sehr unterschiedlich.   

Die Geschichte des modernen Freiheitsbegriffs

Der Begriff der Freiheit, so wie wir ihn heute in der Bundesrepublik Deutschland verstehen, geht auf die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert zurück. Eine Errungenschaft der Aufklärung war es, die vormodernen Gesellschaftsstrukturen zu hinterfragen. Dabei wurden vor allem Konzepte wie die Trennung von Staat und Kirche, die Begrenzung der Machtausübung des Staates und die Gewaltenteilung diskutiert. In der amerikanischen Verfassung von 1787 kam es erstmalig zu einer Verankerung der Freiheit aller Menschen als Verfassungsgrundsatz. Die Freiheit war auch einer der drei Grundpfeiler der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit oder liberté, égalité, fraternité). Die Trennung von Staat und Kirche wurde in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 in Frankreich vollzogen. In Deutschland kam es erstmalig während der Frankfurter Nationalversammlung 1848 zu einer Berücksichtigung der Menschen- und Bürgerrechte im Reichsgesetz. Damit wurden Freiheitsrechte, wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, im Gesetz festgeschrieben. Während des deutschen Kaiserreichs von 1871-1918 trafen die traditionellen monarchistischen Kräfte und die modernen demokratischen Kräfte in Deutschland aufeinander. Dies hemmte eine zügige Entwicklung im Deutschen Reich hin zu einem demokratischen Rechtsstaat. Die wohl größte Errungenschaft des Reichskanzlers Otto von Bismarck in dieser Zeit war die Einführung eines umfangreichen Versicherungssystems, wie der Kranken-, Unfall- oder Altersversicherung, das als einer der Grundlagen des heutigen Sozialstaates gilt. Die Weimarer Republik (1918-1933) wird als erstes demokratisches politisches System in Deutschland gesehen. Doch das System war instabil, denn auch hier rangen die traditionellen und modernen Kräfte miteinander um die Macht. Die Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) schaffte alle demokratischen Grundrechte der deutschen Bürger ab und setzte anstelle der parlamentarischen Demokratie einen autoritären Führerstaat. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Teilung des deutschen Staates. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) (1949-1990) wurde ein sozialistischer Staat eingerichtet, der sich dem Führerprinzip Lenins unterwarf. Zeitgleich entstand im Jahr 1949 die Bundesrepublik Deutschland. Mit der Verabschiedung des Grundgesetzes am 8. Mai 1949 stellte der Parlamentarische Rat die Weichen für die Einführung eines parlamentarischen Regierungssystems. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei.

Freiheit und Sicherheit

Wenn wir von Freiheit in einem demokratischen System sprechen, geht es in der Regel um die politische Freiheit des Einzelnen. Nach dem Prinzip der politischen Freiheit hat jeder Bürger das Recht, sich am demokratischen Diskurs zu beteiligen und seine Interessen zu vertreten. Doch wie schon gesagt, ist die Freiheit des Einzelnen in einer Demokratie nicht absolut. Nutzt zum Beispiel ein Bürger sein Recht auf freie Meinungsäußerung, um die Freiheit eines anderen zu beschneiden, ist es die Aufgabe des Staates einzuschreiten, um für die Sicherheit desjenigen zu sorgen, dessen Freiheitsrechte eingeschränkt werden. Die Vereinbarkeit von Freiheit und Sicherheit in einer Demokratie ist in diesem Zusammenhang ein immer wieder diskutiertes Thema. Wie verhalten sich Freiheit und Sicherheit in einer Demokratie zueinander? Sind es zwei Pole, die völlig gegensätzlich und unvereinbar sind? Das heißt, können Freiheit oder Sicherheit nur zu Lasteten des anderen gewährleistet sein? Oder ist die Sicherheit der Bürger eine Grundvoraussetzung, damit sie ihre Freiheitsrechte ausleben können? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein Bürger sich sicher fühlen können muss, wenn er seine Freiheitsrechte in Anspruch nimmt. Gleichzeitig muss der Staat dafür sorgen, dass die Freiheit in einer Demokratie gesichert ist. Ziel des Diskurses um das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit sollte also immer sein, wie sich Freiheit und Sicherheit in einer Demokratie miteinander vereinbaren lassen.

Freiheit und Gleichheit 

Gleichheit in einem demokratischen System bedeutet, dass vor dem Gesetz alle Menschen gleich sind. Dies gewährleistet der Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes Art. 3 Abs. 1. Wenn es allerdings um das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit geht, ist mit Gleichheit zumeist die Gleichheit im wirtschaftlichen Sinne gemeint. Die soziale Marktwirtschaft steht für wirtschaftliche Freiheit in einer demokratischen Wirtschaftsordnung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Unternehmen auf dem Wirtschaftsmarkt ohne jegliche staatliche Kontrolle agieren können. So ist es zum Beispiel Aufgabe des Staates einzugreifen, wenn ein Unternehmen durch eine Monopolherrschaft den Wettbewerb auf dem freien Markt untergräbt. Doch auch auf anderen Ebenen steht das Gleichheitsprinzip im Verhältnis zur Freiheit zur Diskussion. Zum Beispiel wenn es um die Frage geht, ob Schüler Schulkleidung tragen sollten, ob das Tragen von religiösen Symbolen in Schulen oder öffentlichen Räumen erlaubt sein sollte oder ob es in einer christlich geprägten Kultur erwünscht ist, auch anderen Religionen ihre Religionsausübung zuzulassen, zum Beispiel durch den Bau von Moscheen oder Synagogen. Dieser letzte Punkt trifft ein grundsätzliches Problem von der Vereinbarkeit von Freiheit und Gleichheit in einer Demokratie, nämlich wie sich ein säkularer Staat zur Religion im Allgemeinen und der Religionsausübung im Besonderen verhalten soll.

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Allgemeines zu den 16 deutschen Bundesländern https://bufib.de/allgemeines-zu-den-16-bundeslaendern/ Thu, 03 Apr 2014 18:59:27 +0000 http://bufib.de/?p=871 Deutschlands 16 Bundesländer haben ihren Ursprung im Jahre 1947. Zum damaligen Zeitpunkt wurden sie mit den Landesgrenzen des damaligen, deutschen Reiches eingeteilt, welche auf den Strukturen des Mittelalters zurückzuführen sind. Die heutigen Bundesländer wurden nach dem zweiten Weltkrieg neu gegliedert. Deutschland sollte ein föderaler Staat mit hohem politischen Gewicht werden. Die fünf neuen Bundesländer haben sich mit der Wiedervereinigung Deutschlands heraus kristallisiert. In der damaligen DDR existierende Strukturen wurden aufgehoben. Nach der Aufhebung Preußens Ende des 2. Weltkrieges entstanden durch die  Besatzungsmächte die heutigen Bundesländer mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Nach Kriegsende teilten die Alliierten die Länder neu auf, berücksichtigten frühere, historische Grenzen, Hessen und Bayern waren davon betroffen. Andere wurden zusammengefasst, dafür ist Baden Württemberg ein Beispiel.

Bundesländer

Preußen wurde zerschlagen, um der De-Militarisierung Deutschlands einen festeren Grundstein zu geben. Einige Grenzen sind bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückzuverfolgen, andere wurden durch die deutsche Teilung während des Krieges neu verlegt. Die heutigen, neuen, deutschen Bundesländer sind nach den Grenzen der ehemaligen DDR eingeteilt worden. Die älteren Staaten bis 1919 verloren durch Hitlers Führung bereits in der Nazi Zeit ihre Bedeutung. Aus heutiger Sicht ist die Aufteilung und Zuordnung der 16 deutschen Bundesländer auf Grund der zwei Weltkriege und der Wiedervereinigung 1990 entstanden.

Heutige Bundesländer sind Sachsen, Brandenburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bremen, Berlin, Hessen und Baden-Württemberg. Sie stellen den Bund Deutschlands dar, sind keine reine Verwaltungseinheit.  Unterteilt vom Staat in Länder, darunter liegend in Regierungsbezirke, Städte, Gemeinden und Kreisen. Viele der  heutigen Bundesländer haben ihren Namen von geographischen Eigenschaften bekommen, Beispiel: der Bayerische Wald –  Bundesland Bayern. Bereits aus der Weimarer Republik, welche aus den Bundesstaaten des Kaiserreichs entstand, kommt der Begriff „Länder“. Ob Bundesland oder Freistaat, aus rechtlicher Sicht haben beide denselben Status. Die Bundesländer verfügen über eine eigene Staatlichkeit und Entscheidungsgewalt. Politische Inhalte können sie selbst gestalten. Deutschland ist ein föderaler Staat, in dem gleichberechtige Bundesländer in ihrem Zusammenschluss zusammen wirken. Jedes Bundesland hat eine eigene Hauptstadt, eine eigene Flagge mit eigenem Wappen. Dargestellt wird die traditionelle Vielfalt in der Region. Die einzelnen Länder werden als Gliedstaaten bezeichnet, Zentralstaat ist der Bund Deutschlands. Alle Bundesländer wurden 1949 bzw. 1990 in das Grundgesetz integriert.

Deutschland_FlaggeBerlin war das einzige inoffizielle Bundesland vor 1990 ohne Stimmrecht im Bundesrat und Bundestag. Erst nach der Wiedervereinigung bekam Berlin den 100%-igen Status eines Bundeslandes mit all seinen Rechten und Pflichten. Alle Bundesländer haben eine Regierung, ein Parlament und eine eigene Verfassung. Zu jedem Bundesland gibt es eine Hauptstadt mit eigenem Ministerpräsidenten (bzw. Bürgermeister). Deutschland selbst ist seit 1949 ein demokratisch, parlamentarischer Bundesstaat. Von allen 16 Bundesländern sind Bayern und Niedersachsen die zwei flächenmäßig größten Gebiete. Jedes Bundesland hat eine eigene Geschichte, geographische Grundlagen, verschiedene Traditionen, diverse Wirtschafts- und Sozialstrukturen, politische Parteien, eigene Wahlen und einen separaten Verwaltungsapparat. Staatliche Befugnisse sowie die Erfüllung staatlicher Aufgaben ist Aufgabe der Länder, laut deutschem Grundgesetz. Kulturelle und organisatorische Vielfältigkeit obliegt den Ländern untereinander. Alle 16 Bundesländer und der deutsche Föderalismus bilden die Einheit Deutschlands.

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4 muslimische Erfindungen, die die Welt veränderten https://bufib.de/4-muslimische-erfindungen-die-die-welt-veraenderten/ Thu, 03 Apr 2014 15:30:31 +0000 http://bufib.de/?p=867 Kaffee 

Jeden Tag werden weltweit etwa 1,6 Milliarden Tassen Kaffee getrunken. Für Milliarden von Menschen ist es ein Teil ihrer täglichen Routine. Und doch sind sich nur sehr wenige Menschen des muslimischen Ursprungs, dieses allgegenwärtigen Getränks bewusst.

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Nach historischen Aufzeichnungen, wurde Kaffee im 15. Jahrhundert  bei Muslimen der südlich-arabischen Halbinsel Jemen, zu einem sehr beliebten Getränk. Einer Legende zufolge, soll einem Hirten (manche sagen in Jemen, andere sagen in Äthiopien) aufgefallen sein, dass seine Ziegen sehr energisch und sprunghaft wurden, wenn sie Bohnen von einem bestimmten „Baum“ aßen. Er war mutig genug, diese selbst auszuprobieren und stellte fest, dass sie ihm einen Energieschub gaben. Im Laufe der Zeit entstand die Tradition, die Bohnen zu Rösten und in Wasser zu tauchen und so wurde ein bitteres, aber leistungsfähiges Getränk entwickelt und der Kaffee war geboren.

Unabhängig davon, ob die Geschichte des Hirten stimmt oder nicht, fand der Kaffee seinen Weg von dem Hochland des Jemen zum restlichen osmanischen Reich, dem führenden muslimischen Reich des 15. Jahrhunderts. Kaffeehäuser, die sich auf das neue Getränk spezialisierten, sprossen in den Hauptstädten der muslimischen Welt: Kairo, Istanbul, Damaskus, Bagdad. Durch die große Handelsstadt Venedig, fand das Getränk seinen Weg nach Europa. Auch wenn Kaffee zunächst als das „muslimische Getränk“ verunglimpft wurde, so wurde es doch zu einem Teil von Europas Kultur. Im 17. Jahrhundert waren Kaffeehäuser die Orte, an denen Philosophen über Menschenrechte, die Rolle der Regierung und Demokratie diskutierten. Diese mit Kaffee geführten Diskussionen, brachten hervor, was später die Aufklärung, eines der mächtigsten geistigen Strömungen der modernen Welt wurde. Von einem Hirten zu der Gestaltung des europäischen Denkens mit über einer Milliarde Tassen pro Tag, ist Kaffee eines der meistkonsumierten muslimischen Erfindungen der menschlichen Geschichte.

Algebra

Während sich manche Abiturienten durch den Mathematikunterricht kämpfen und die Bedeutung von Algebra eventuell nicht zu schätzen wissen, ist Algebra doch eines der wichtigsten Beiträge des muslimischen goldenen Zeitalters, zur modernen Welt. Es wurde von dem großen Wissenschaftler und Mathematiker Muhammad ibn Musa al-Khawarizmi entwickelt, welcher von 780 n. Chr. bis 850 in Persien und Irak lebte.

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In seinem monumentalen Buch, Al-Kitāb al-Mukhtasar fī Hisâb al-Jabr wa-l-Muqâbala (Deutsch: Rechnen durch Ergänzung und Ausgleich), setzte er weitere Grundlagen der algebraischen Gleichungen. Der Titel des Buches enthält das arabische Wort „al-jabr“, was wiederum zu dem – im Westen – bekannten Wort „Algebra“ umgeformt wurde. In dem Buch erklärt al-Khawarzimi, wie man Gleichungen mit unbekannten Variablen verwendet, um Probleme aus dem Alltag zu lösen, wie die Zakât-Berechnungen oder die Erbteilung. Ein einzigartiger Aspekt seiner Weiterentwicklung von Algebra, war der Wunsch, die Berechnungen von alltäglichen Problemen zu vereinfachen und das in einer Welt ohne Taschenrechner und Computer. Al-Khawarzimi´s Bücher wurden im 11. und 12. Jahrhundert, in denen er als Algoritmi (das Wort Algorithmus basiert auf seinen Namen und seine mathematischen Arbeiten) bekannt war, in Europa in das Lateinische übersetzt. Ohne seine Weiterentwicklung der Algebra, wären moderne praktische Anwendungen der Mathematik, wie Ingenieurwesen, nicht möglich gewesen. Seine Werke wurden als Lehrbücher Jahrhunderte lang nach seinen Tod an Universitäten verwendet und gelehrt.

Universitätsabschlüsse

Da gerade das Thema Universitäten angesprochen wurde, auch diese sind Einrichtungen, die durch die muslimische Welt möglich geworden sind. Schon in der frühen islamischen Geschichte wurden Moscheen auch als Schulen genutzt. Dieselben Menschen, die die Gebete führten, lehrten auch Gruppen von Studenten über islamische Wissenschaften, wie den Heiligen Koran, Jurisprudenz (fiqh) und Hadith. Als die muslimische Welt heranwuchs, wurden jedoch formale Institutionen nötig, diese sind als Koranschulen bekannt und widmen sich der Ausbildung der Studenten. Die Qarawiyin Universität, damals auch „Madrassa“ genannt, war die erste offizielle Koranschule, sie wurde im Jahr 859 von Fatima al-Fihri, in Fes, Marokko gegründet. Ihre Schule zog einige der führenden Gelehrten Nordafrikas, sowie die klügsten Studenten des Landes an. In der Qarawiyin Universität wurden Studenten von Lehrern über einige Jahre in verschiedenen Wissenschaften, von weltlichen bis zu religiösen, unterrichtet. Am Ende der Schulzeit und wenn die Lehrer ihre Schüler als qualifiziert erachteten, erhielten diese ein Zertifikat, welches als „Ijâza“ bekannt ist. Das Zertifikat zeichnete den Schüler dazu aus, dass dieser das gelernte Material verstanden hat und nun berechtigt ist, dieses selbst zu unterrichten.

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Diese Universität mit dem Abschlusszertifikat verbreitete sich schnell in der gesamten muslimischen Welt. Im Jahr 970 wurde die Al-Azhar Universität in Kairo gegründet und die Seldschuken errichteten im 11. Jahrhundert dutzende Koranschulen im mittleren Osten. Das Konzept von Instituten, die Zertifikate für Abschlüsse mit akademischen Grad ausstellt, verbreitete sich durch europäische Studenten, die zum Studieren in das muslimische Spanien reisten. Die Universitäten von Bologna in Italien und Oxford in England wurden im 11. und 12. Jahrhundert gegründet und führten die muslimische Tradition fort, Studenten Zertifikate auszustellen, die diese verdient hatten und benutzen diese ebenso, um Personen in einem bestimmten Thema beurteilen zu können.

Kameras

Es ist schwer sich eine Welt ohne Fotografie vorzustellen. Milliarden-Dollar-Unternehmen wie Instagram und Canon basieren auf der Idee, Licht von einer Szene zu erfassen, davon ein Bild zu schaffen und dieses wiederzugeben. Aber dies wäre nicht möglich, ohne die bahnbrechende Arbeit des muslimischen Wissenschaftlers Ibn al-Haytham, im elften Jahrhundert, der das Gebiet der Optik entwickelte und beschrieb wie die ersten Kameras arbeiteten.

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In der Kaiserstadt Kairo arbeitend, war Ibn al-Haytham im frühen elften Jahrhundert einer der größten Wissenschaftler aller Zeiten. Um wissenschaftliche Fortschritte zu regeln, entwickelte er die Methode, den grundlegenden Prozess mit dem die ganze wissenschaftliche Forschung durchgeführt wird. Als er von dem Fatimiden-Herrscher al-Hakim (*985; gest. 1021) unter Hausarrest gestellt wurde, hatte er Zeit und die Möglichkeit zu studieren, wie Licht funktioniert. Teilweise konzentrierte sich seine Forschung darauf, wie die Lochkamera funktioniert. Ibn al-Haytham war der erste Wissenschaftler der erkannte, dass ein winziges Loch auf einer Seite eines lichtdichten Kastens, Lichtstrahlen von außen, durch diese Lochblende in den Kasten auf die Rückwand projiziert. Er erkannte, dass je kleiner die Lochblende (Blende) ist, desto schärfer ist die Qualität des Bildes, dies gab ihm die Fähigkeit Kameras zu bauen, die bei der Aufnahme des Bildes unglaublich scharf und präzise waren. Ibn al-Haythams Entdeckungen in Bezug auf Kameras und auf das Projizieren und Einfangen von Bildern führte zur modernen Entwicklung von Kameras der gleichen Konzept. Ohne seine Erkenntnisse würden die modernen Mechanismen aller Kameras nicht existieren.

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Familienleben im Islam https://bufib.de/familienleben-im-islam-2/ Thu, 03 Apr 2014 15:09:11 +0000 http://bufib.de/?p=863 1. Einführung

Eine sinnvolle und ausgewogene Familie ist die Grundlage eines glücklichen Lebens. Tatsächlich ist sie die Wurzel einer fortschrittlichen Zivilisation. Die Religion bringt den Menschen näher zu Allah. Deshalb sollte der Mensch eine Atmosphäre schaffen, die günstig für dieses Ideal ist, da er sein Ziel sonst nicht erreichen kann. Keine Religion kann als abgeschlossen betrachtet werden, wenn es keine gut definierten Gesetze für das Familienleben gibt, die ausdrücklich die genaue Rolle und die Verantwortung jedes Mitglieds der Familie beschreiben. Die Familie ist eine eng verknüpfte Einheit der menschlichen Gesellschaft, und diese Nähe schafft Reibungs- und Konfliktgefahr, wenn jedem Mitglied in eindeutigen Worten mitgeteilt wird, was seine Pflichten und Rechte sind.

Der Islam ist eine umfassende Religion mit Ratschlägen für jeden Aspekt des menschlichen Lebens. In den folgenden Lektionen, werden Sie etwas über das Familienleben im Islam erfahren.

2. Groß- und Kernfamilie

Menschliche Familiensysteme sind in der Regel in zwei Typen unterteilt: die Großfamilie (oder erweiterte Familie) und die Kernfamilie (auch Kleinfamilie genannt).

 Großfamilie

Darin leben alle Familienmitglieder zusammen: Vater, Mutter, Söhne, Brüder, Schwestern, Onkeln, Neffen und andere. Das Einkommen des Einzelnen wird nicht als sein persönliches Eigentum behandelt, sondern es gehört der Familie und die Ausgaben aller Mitglieder werden aus dem „Familien- oder kollektiven Einkommen“ erfüllt. Dieses System will das Zusammenleben, gegenseitiges Vertrauen und die Kooperation zwischen den Familienmitgliedern fördern. Allerdings bildet dieses System auch Trägheit und Abhängigkeit bei einigen Familienmitgliedern, und als Folge schwächt es auch den Willen ab, u. a. härter zu arbeiten. (Zum Beispiel ist die hinduistische Gesellschaft auf der Großfamilie aufgebaut)

Kernfamilie :

Darin ist jeder nur für seine unmittelbaren Angehörigen verantwortlich. Sein Einkommen gehört ihm und nicht der „Familie“. Ihr fehlen die Nachteile der Großfamilie, aber sie führt auch zu Egoismus und Selbstsucht.

 3. Die islamische Ansicht

Was bevorzugt der Islam? Das Familienbild, das der Islam vertritt, kombiniert die Vorteile der beiden oben genannten Systeme und vermeidet ihre Nachteile.

Auf der einen Seite vertritt der Islam den Aufbau der Kern- (oder Klein-) Familie, da er eindeutig die Menschen, für deren Wohl Sie sorgen müssen, definiert. Auf der anderen Seite betont er stark die Frage des silatur-rahm (wobei das Band der Beziehung intakt bleibt), indem er die Förderung der Tugend der verwandtschaftlichen Unterstützung fördert.

Im Islam kann eine Familie die folgenden zwei Formen annehmen: ein Paar und seine Kinder oder ein Paar, die jeweiligen Schwiegereltern und die Kinder des Paares.

Diese Definition basiert auf dem Gesetz, das die Personen, deren Unterhalt ihre Verpflichtung ist, definiert: Deine Frau, deine Eltern und deine Kinder. Diese Menschen sind von dir abhängig, daher bist du verpflichtet, für sie zu sorgen.

Was die Cousins und Cousinen sowie Onkels und Tanten angeht, sind diese ebenso „Verwandte“, aber sie sind von dir nicht abhängig. Das heißt, es ist keine Pflicht, für sie zu sorgen. Dennoch ist es im Islam wichtig, gute Beziehungen zu den Verwandten zu haben, sie zu lieben, zu respektieren und ihnen zu helfen. Imam as-Sadiq (a.s.) sagt: „Und die fünf dringend empfohlenen Ausgaben sind: Das Engagement des ewigen Geschenks, seinen Verwandten und anderen Gläubigen Gutes zu tun, die empfohlene Nächstenliebe und die Befreiung der Sklaven.“

Beide Aspekte der islamischen Sicht ergeben sich klar aus Vers 24:61:

„Kein Vorwurf trifft … euch selbst, wenn ihr in euren eigenen Häusern eßt oder den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer Vatersbrüder oder den Häusern eurer Vatersschwestern oder den Häusern eurer Mutterbrüder oder den Häusern eurer Mutterschwestern oder in einem (Haus), dessen Schlüssel in eurer Obhut sind, oder (in dem Haus) eures Freundes.“

Einerseits erwähnt der Vers klar getrennte Häuser für Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Onkel und andere Verwandte, was darauf schließen lässt, dass man nicht die Last seiner Angehörigen, den Eltern oder andere Familienmitglieder für immer überlassen, sondern selbstständig sein und seinen Unterhalt selbst bestreiten sollte.

Andererseits, um Einheit, Liebe und Freundschaft zu fördern und sich auch der jeweiligen Situation jedes einzelnen bewusst sein, erlaubt Ihnen der Vers, in die Häuser ihrer entfernten Familienmitglieder ohne vorherige Genehmigung zu gehen und dort zu essen.

4. Beispiele aus der Geschichte

Wir finden auch viele Beispiele in dem Leben des heiligen Propheten und seiner Ahlul-Bayt, die beweisen, dass sie getrennt von ihren entfernten Familienmitglieder lebten.

Es gab in Mekka eine Hungersnot (etwa 35 Jahre nach der Geburt des Propheten). Abu Talib, der Onkel des Propheten, hatte viele Kinder und in dieser Zeit waren seine finanziellen Mittel beschränkt. Der heilige Prophet, der selbst durch Abu Talib erzogen worden war, spürte, dass sein Onkel finanzielle Schwierigkeiten hatte. Er hat daher seinem anderen Onkel Abbas (der damals wohlhabend war) vorgeschlagen, Abu Talib zu helfen. Abbas ging mit dem Propheten zu Abu Talib. Nach einer Diskussion beschlossen sie, die Ausgaben für die Söhne von Abu Talib zu teilen: Ali sollte bei dem Propheten, Jaafar bei Abbas leben und Aqil bei Abu Talib bleiben.

Dies zeigt, dass das Haus des Propheten von Abu Talib getrennt war, trotz der engen Beziehung zwischen Abu Talib und dem Propheten Mohammad. Dieses Ereignis ist auch ein Beispiel für silatur-rahm.

Während des letzten Monats Ramadan seines Lebens hatte Imam Ali die Gewohnheit, einen Tag im Haus des Imam Hassan, den nächsten Tag im Haus des Imam Hussein und am dritten Tag im Haus seines Schwiegersohns, Abdullah bin Jaafar, das Fasten zu brechen. Das zeigt zwei Dinge: Unsere Imame hatten getrennte Häuser mit ihrer eigenen Familie, aber gleichzeitig erfüllten sie die Pflege der Familienbeziehung, d.h. des silatur-rahm.

Diese beiden Beispiele sind ausreichend, um die Muslime in ihrem täglichen Leben anzuleiten. Sollte ein Muslim von diesem geraden Weg abweichen, kann er nicht mehr auf dem wahrhaftigen Weg des Islam bleiben. Nur wenn die Menschheit diesem islamischen Gesetz folgt, kann sie Geistesfrieden in dieser Welt und ewiges Glück im Jenseits erreichen.

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Kurzer Einblick: Prophet Mohammad (s) https://bufib.de/kurzer-einblick-prophet-mohammad-s/ Thu, 03 Apr 2014 15:00:11 +0000 http://bufib.de/?p=860 Abstammung

Der älteste und erhabenste Stamm von ganz Arabien war „Bani Hâshim“. Sie waren die Nachfahren von dem Propheten Abraham durch seinen Sohn Ismail. Die Araber respektierten und liebten sie für ihre Güte, Wissen und ihren Mut.

Abdul-Muttalib war das Oberhaupt der Bani Hashims und er war auch der Hüter der Kabah. Abdullah, einer seiner zehn Söhne, war der Vater des heiligen Propheten Mohammad (s).

Mohammad (s)

Der kleine Junge Mohammad wurde in Mekka am 17. Rabi‘ al-Awwal, 570 n. Chr. geboren. Sein Vater Abdullah, Sohn von Abdul-Muttalib starb bevor er geboren war und als er sechs war, verlor er seine liebevolle Mutter Aminah bint al-Wahab. Sein Großvater Abdul-Muttalib übernahm die Verantwortung das Waisenkind großzuziehen. Im Alter von zehn Jahren wurde er seines ehrwürdigen Großvaters beraubt. An seinem Totenbett ernannte er seinen Sohn Abu Talib zum Erziehungsberechtigten von Mohammad. Der sanfte, leise sprechende, große und hübsche Junge Mohammad begleitete die Handelskarawane von Abu Talib durch die Wüsten, welche ihm einen tiefen Einblick in die Natur und den Menschen gaben.

Khadijah

Die wohlhabende, edle Frau Khadijah, welche nach einem Betreuer für ihre reiche Handelskarawane suchte, wählte Mohammad als diesen. Da er talentiert und fair handeln konnte, war Mohammad ein großer Erfolg. Khadijah, die ihn schon immer bewundert hatte, machte ihm ein Heiratsangebot.  Mohammad war fünfundzwanzig Jahre. Diese Ehe war auf Liebe und Barmherzigkeit gestützt und beide waren sehr glücklich miteinander.

Der Prophet

Nachdem er die Natur liebte und sehr besorgt über die Leiden der Menschheit war, zog sich Mohammed sehr oft zum Berg Hira zurück, um zu beten und dabei innere Ruhe zu finden. Eines Nachts wandte sich eine Stimme an ihn und befahl „Lies im Namen deines Herren.“ Der Prophet Mohammad (s) ging nach Hause zu seiner Frau Khadijah. Diese hörte ihm aufmerksam zu und sagte: „Ich bezeuge, dass du der gesandte Gottes bist.“ Nach einiger Zeit sprach die Stimme vom Himmel erneut: „Oh du, der in Seinem Mantel gehüllt ist, geh zu den Leuten und warne sie und preise deinen Herrn.“

Dies war ein Signal für ihn, um damit zu beginnen, die Botschaft der Wahrheit, dass es nur einen Gott gibt, zu predigen. Um den neuen Glauben zu akzeptieren, lud Mohammed am Anfang nur die Leute aus seiner Umgebung ein. Die erste Frau, die den Islam annahm war Khadijah und der erste Mann war Ali, der Sohn von Abu Taleb. Bald danach gab es immer mehr Bekenner des neuen Glaubens. Drei Jahre lang arbeitete er fromm, um sein Volk von der Anbetung der Götzen zu entwöhnen.

Schließlich entschied Mohammad, mit Gottes Befehl, öffentlich an die Öffentlichkeit zu appellieren, um die Anbetung der Götzen aufzugeben und zum Islam zu konvertieren.

Der neue Glaube ist einfach, ohne Komplikationen, praktisch und nützlich für den Alltag. Er ordnet an zu glauben und Gutes zu tun, das Gebet zu verrichten und Almosen zu zahlen.

Mehrere Male kamen die Ältesten zu Abu Talib, dem Onkel des Propheten Mohammad, und sagten: „Wir respektieren dein Alter und deinen Rang, aber wir haben keine Geduld mehr mit deinem Neffen. Stoppe ihn oder wir werden dich bekämpfen.“ Abu Talib hat dies seinem Neffen überbracht, woraufhin der Gesandte Gottes mit Tränen in den Augen antwortete: „Oh mein Onkel! Auch wenn sie mir die Sonne in meine Rechte und den Mond in meine Linke geben würden, um mich zu zwingen meine Mission abzubrechen, werde ich nicht aufhören bis Gott sich dazu äußert oder ich bei dem Versuch untergehen werde.“

Tragödien

In einer Zeit der Schwierigkeiten, Prüfungen und Beschwerlichkeiten quälten Mohammed zwei größere Tragödien. Zuerst starb sein ehrenwerter Onkel Abu Talib und kurz danach starb auch seine edle Frau Khadija. Sie hinterließ ihre Tochter Fatima (Friede sei mit ihr), die ihrem Vater so ähnlich war, dass der Prophet sie Umm Abîha nannte (die Mutter ihres Vaters).

Die muslimische Epoche

Mit dem Tod des großen Abu Talib, planten die Mekkaner den Propheten zu beseitigen. Unter göttlicher Führung hat Ali in dem Bett des Propheten geschlafen, um die Feinde damit zu täuschen. Während die Mörder Ali mit dem Propheten verwechselten, ging der heilige Prophet des Islam nach Medina.

Die muslimische Epoche der Auswanderung wird nach diesem Vorfall vom 17. Rabi‘ al-Awwwal 622 n. Chr. als „Hijrah“ bezeichnet.

Von dem Zeitpunkt an als er nach Medina kam, war er die großartigste Figur, auf welche das Licht der Geschichte jemals geschienen hatte. Der Prediger, der ohne Brot ging, war mächtiger als die mächtigsten Herrscher der Erde. Keinem Kaiser wurde so gehorcht, wie diesem Mann mit einem Mantel aus seinen eigenen Kleidern.

Er setzte den Grundstein des muslimischen Reiches und stellte eine Verfassung auf. Ein überragender Denker, nicht nur in seinem Zeitalter, sondern von allen Epochen.

Uhud

Im nächsten Jahr griff Abu Sufyan, der berühmte langjährige Feind des Islam die Muslime in Uhud wieder an. Hamzah der erste Fahnenträger des Islam und Onkel des Propheten wurde im Kampf getötet. Trotz strenger Anweisungen durch den Propheten verließen ein paar muslimische Soldaten ihre Posten, als der Sieg in Sicht war. Dies veränderte den Kurs des Kampfes. Khalid ibn al-Walid griff den Propheten an und die ernste Situation wurde erst durch die rechtzeitige Ankunft von Ali gerettet. Die Feinde rannten fort und der Fall war entschieden. Mohammed war tief betrübt über den Tod von Hamzah.

Hudaybiyyah

Die Muslime befanden sich seit sechs Jahren im Selbstexil und begannen sich nach ihrem Heimatland Mekka zu sehen. Der Prophet wünschte, eine Pilgerfahrt zur Kabah durchzuführen. Als er seine Heimatstadt verließ, war er schwach, aber als er zurückkehren wollte, war er stark. Er verwendete seine Stärke nicht, um einen Einzug in die Heilige Stadt zu erzwingen. Nachdem ihm die Quraischis feindlich gesinnt waren, schloss Mohammed einen Vertrag, bekannt als der Friede von Hudaybiyyah, welcher nicht sehr vorteilhaft für die Muslime erschien, aber den islamischen Charakter von Mäßigung und Großmut offenbarte. Denn die starke Zurückhaltung und Toleranz ist die wahre Tapferkeit. Ihre Herzen waren von Sehnsucht überschwemmt, als sie bis an die Türen ihres Geburtsortes gelangt waren.

Mekka

Im achten Jahr nach der Hijrah brachen die Quraischis den Frieden von Hudaybiyyah, indem sie die Muslime angriffen. Die Muslime konnten sich jedoch erfolgreich verteidigen. Der Prophet, der Mekka als Flüchtling verlassen hatte, kehrte nun wieder zurück. Jedoch nicht mit der Waffe in der Hand, sondern ohne nur einen Tropfen Blut zu vergießen, kamen die Muslime wieder zurück in ihre Geburtsstätte. Der Prophet der Barmherzigkeit kam mit den restlichen Muslimen in die Stadt und befahl eine allgemeine Amnestie anstelle eines Massenmassakers für ihre Verfolger und Feinde.

Letzte Pilgerfahrt

Unter der göttlichen Führung seines nahen Endes, bereitete Mohammad (s) sich vor, um seine Abschiedspilgerfahrt zu verrichten. Bevor er alle Zeremonien der Hajj durchgeführt hatte, sprach er am 8. Dhul-Hijjah im Jahre 11 nach der Hijrah von der Spitze des Berges Arafah eine große Vielzahl an, mit Worten, die immer in der Atmosphäre erklingen und leben werden.

Nachdem er die Hajj beendet hatte, ging der heilige Prophet nach Medina. Auf seinem Weg in Ghadir Khumm rief eine Stimme vom Himmel: „Oh du Gesandter! Verkünde, was dir von deinem Herrn herabgesandt worden ist und wenn du es nicht tust, hast du Seine Nachricht nicht verkündet. Und Allah wird dich vor den Leuten beschützen. Wahrlich, Allah weist den ungläubigen Leuten nicht den Weg.“ (5:67). Mohammed befahl Bilal sofort die Muslime zu rufen, um sich zu versammeln. Der berühmte Berichterstatter und Exeget Fakhr ad-Din ar-Razi schreibt in seinem At-Tafsir al-Kabir (Bd. 11, S. 53), dass der Prophet Ali bei der Hand nahm und sagte: „Wessen Führer ich bin, dessen Führer ist auch Ali. Oh Allah! Liebe den, der Ali liebt und sei der Feind der Feinde von Ali; helfe dem, der Ali hilft und verlasse den, der Ali verlässt.“

Tod

Bei der Rückkehr nach Medina beschäftigte er sich mit der Organisation der Provinzen und der Stämme, welche den Islam angenommen hatten. Seine heilige Seele, welches vom ersten bis zum letzten Atem dem Dienst von Gott und der Menschheit gewidmet war, kehrte am 28. Safar im Jahre 11 nach der Hijrah zu ihrem Herrn zurück.

Der Prophet des Islams spornte nicht nur zur Ehrfurcht an, sondern auch zur Liebe, Barmherzigkeit, Demut, Reinheit, Bildung und Weiterentwicklung.

Er inspirierte alle, die mit ihm in Kontakt kamen. Er teilte seine spärliche Nahrung; er begann seine Mahlzeiten im Namen Allahs und beendete sie, indem er Dank aussprach. Er liebte die Armen und respektierte sie, er ging die Kranken besuchen und die mit gebrochenem Herzen trösten. Er behandelte seine stärksten Feinde mit Milde und Nachsicht, aber die Verbrecher der Gesellschaft bekamen Gerechtigkeit; sein intellektueller Geist war bemerkenswert und fortschrittlich und er sagte, dass der Mensch nicht ohne ständige Bemühungen existieren könne.

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