Politische Lage (Teil 3)

Muawiyahs Problem: Imam al-Hassan (a)

Imam al-Hassan (a) war Muawiyah ein Dorn im Auge, denn Muawiyah wollte die alleinige Herrschaft. Mit weiteren materiellen Geschenken verblendete er die Bevölkerung, so dass sich immer mehr auf seine Seite schlugen. Imam al-Hassan (a) hatte es sehr schwierig, da er wenig aufopferungsvolle, gottesfürchtige und treue Gefolgsleute hatte, vor allem in den weiter entfernteren Gebieten waren sie knapp, um sie dort als seine Gouverneure einzusetzen. Zudem gab es viele verschiedene politische Gruppierungen, von denen meistens kein echter Rückhalt zu erwarten war. Die Einzigen, die sich zu Imam al-Hassan (a) bekannten, waren jene, die sich „Schia“ nannten, d. h. die Partei Alis (a)68. Selbst von ihnen gab es einige, die sich von den materiellen Verführungen anderer verleiten ließen, wieder ihren Imam (a) im Stich zu lassen, so wie sie es mit Imam Ali (a), dem Vater Imam al-Hassans (a), gemacht hatten. Der Islam war für sie nichts anderes, außer Mittel zum Zweck.

Trotz des Treueids der Iraker für Imam Hassan (a) zeichneten sich Probleme ab. Der Imam (a) musste die Lage in Kufa beruhigen und in den restlichen Gebieten, bis auf Damaskus, da dort Muawiayah (unrechtmäßig) regierte, Gouverneure entsenden. Zudem musste er den Machenschaften Muawiyahs ein Ende setzen. Dies am besten, indem er ihn entmachtet, jedoch mindestens seinen Einfluss auf den Irak unterbinden. Die Lage, in der sich nun Imam Hassan (a) befand, war eine andere, als die, in der Imam Ali (a) lebte. Denn Muawiyah hat sich nun als den absoluten Herrscher über alle Muslime und der islamischen Welt verstanden, was zur Zeit Imam Alis (a) noch nicht der Fall war.

Zuvor erwähnten wir aber, dass die Gruppierungen, die sich bildeten, kein Rückhalt für Imam Hassan (a) darstellten. Wie sollte der Imam (a) nun vorgehen? Genügend Truppen für einen Niederschlag Muawiyahs und dessen treue Gefolgsleute standen nicht zur Verfügung. Vor allem muss man sich vor Augen halten, dass es sehr viele Iraker zur Zeit Imam Alis (a) gab, die anfangs den Anschein erweckten, ihm (a) treu und bedingungslos zu folgen, doch dann gegen ihn (a) aufstanden.

Öffentliche Verfälschung der Religion

Dazu kam, dass Muawiyah nichts ausließ, um seine Macht auszuweiten. Seine Vertreter in den verschiedenen Gebieten, wie Hijaz, Jemen, Ägypten und selbst im Irak waren aktiv dabei, ihre Intrigen und List auszuspielen. Leute die ihnen nicht gehorchten, wurden kaltblütig ermordet und außerdem brachten sie viele Gerüchte in den Umlauf. Nämlich priesen sie Muawiyah in den höchsten Tönen, wie z. B., dass er sehr großzügig sei und eine bevölkerungsfreundliche Landespolitik verfolge. Zudem brachte er erlogene Überlieferungen in Umlauf, wie z. B., dass er einen sehr hohen Stand beim Propheten (s) hätte und vor allem führte Muawiyah ein, dass es verpflichtet sei, Imam Ali (a) zu beschimpfen. Damit wollte er vor allem die Iraker gegen ihren Imam (a) und die gesamte Familie des Propheten (s) hetzen. Als er seinen Gouverneur nach Kufa schickte, sagte er zu ihm: „Ich erwarte von dir, dass du folgende Punkte genau beachtest. Nämlich, dass du niemals aufhörst, Ali zu beschimpfen und (niemals aufhörst) die Gnade Gottes für Uthman zu erbitten. Zudem, dass du die Freunde und Sympathisanten Alis in Verruf bringst.“69 Sodann beschimpften die Prediger Imam Ali (a) öffentlich auf den Kanzeln bei jedem Gebet. Außerdem wurde die hohe Stellung Imam Alis (a), bei Allah (swt) und Seinem Propheten (s), von Muaqiyah und seinen Leuten in Frage gestellt und erfundene Überlieferungen, die vom reinen Munde des Propheten Mohammad (s) stammen sollten, erzählt und aufgeschrieben. Dem war aber nicht genug. Dazu sollten noch Überlieferungen in den Umlauf gebracht werden, wie hoch Bani Umayyah doch beim Propheten (s) stand. Wer etwas dagegen sagte, wurde gepeinigt, gequält und sogar auf schlimmste Art und Weise ermordet. Wie es zum Beispiel einem gottesfürchtigen Mann erging, als er Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) in der Moschee hörte und sich daraufhin erhob. Ziyad, Muawiyahs rechte Hand in Kufa, benachrichtige seinen Herrscher daraufhin in Damaskus, was geschehen war. Muawiyah befahl ihn, den Mann nach Damaskus zu bringen. Daraufhin wurden er und andere, die es nicht befürworteten Imam Ali (a) zu beschimpfen, in Richtung Damaskus gebracht. Auf dem Weg jedoch wurde ihnen ihr Kopf abgeschlagen.

Muawiyah führte eine neue Staatsform ein

Wir könnten nun noch eine Reihe von Untaten Muawiyahs und seiner Leute aufzählen, da es uns aber nur um das Wesentliche geht, wollen wir uns darauf vorerst beschränken. Dennoch sollte ein essentieller Punkt erwähnt werden. Zuvor hatten wir über zwei Unterschiedliche Ansichten in Bezug auf das Kalifat bzw. Führerschaft gesprochen. Muawiyah dagegen führte nun eine dritte Art ein. Diese sollte den Islam nicht nur in seinen moralischen Grundwerten und Gerechtigkeit vernichten, sondern wurde nun auch das politische Konzept der Religion angegriffen. Vom Kalifat änderte Muawiyah die Staatsform in eine absolute Herrschaft70, die wir auch als eine Form der absoluten Monarchie betiteln könnten.71 Dies kann man nicht nur daran erkennen, dass er das (familiäre) Erbprinzip einführte, sondern vor allem daran, dass er sich das Byzantinische Reich zum Vorbild machte.72 Zum ersten Mal in der jungen Geschichte des Islams gab es eine Trennung der Moschee von der Regierung, d. h. Staat und Religion wurden separat behandelt, wobei die Moschee und somit die Religion an sich, stetig an Signifikanz verlor.

Und nicht nur das. Neben der Einführung vieler byzantinischer Formen der Reichsführung73 und Übernahme einiger kultureller Werte der Byzantiner in Schaam74, setzte Muawiyah auch Personen des byzantinischen Kulturraumes ein, die unter anderem auch administrative Positionen zugesprochen bekamen. Sie halfen ihm in der Leitung des Staates, in der Exekutive und in wirtschaftlichen Fragen. Neben der Tatsache, dass Muawiyahs Frau eine syrische Christin von der Familie „Bani Bajdal“ aus dem Stamme „Kalb“ war75, spielten seine Schwager eine wichtige Rolle in der politisch-religiösen Entwicklung des Reiches von Muawiyah. Ebenfalls war ein syrischer Christ zuständig für einige Angelegenheiten der Staatskasse76 der Muslime (bayt maal al-muslimiin) und der private Arzt Muawiyahs. Hier soll nicht negativ darüber gesprochen werden, dass Christen an sich an der Regierung teilnahmen, sondern dass es byzantinisch geprägte Christen waren. Im Duden lesen wir, dass „byzantinisch“ schmeichlerisch und kriecherisch bedeutet. Dies geht darauf zurück, dass sich ein bestimmtes Verhalten (bzw. um genauer zu sein: ein Hofzeremoniell) um den Byzantinischen Kaiser entwickelt hatte, das durch absoluter Unterwerfung gekennzeichnet war. Es war zum Beispiel üblich, dass die Untertanen, wenn sie sich ihrem Kaiser näherten, flach auf den Boden werfen mussten, um ihre Unterwürfigkeit zu beweisen. Es war beinahe eine Art der Anbetung des Kaisers. Auf dieser Grundlage stütze Muawiyah seine sozio-politische Philosophie. Das Christentum in seiner eigentlichen Ursprungsform hat mit solchen Werten absolut nichts zu tun.

Der Islam und sein Fundament wurden komplett aus den Köpfen der Menschen verdrängt. Von Gerechtigkeit, Moral, Empathie77 und politischer Partizipation, geschweige denn von Menschlichkeit, war keine Spur mehr. Wie wir schon zuvor gesehen haben, wurde Kritik und Meinungsfreiheit zum absoluten Tabu. Den Leuten war nun klar, wie sie sich am besten verhalten sollten, um von der Folter und Ermordung verschont zu bleiben. Nämlich nur noch das zu tun, was dem Herrscher und seinen Gouverneuren zufrieden stellte, nicht aber Gott (swt). Wenn sie wiederum gläubige, gottesfürchtige Menschen waren, so zogen sie sich zurück und blieben still. Wie z. B. Ah’naf ibn Qays‘, als Muawiyah wissen wollte wie er und die Leute über seinen „Thronfolger“ Yazid, der Muawiyahs Sohn war, dachten. Muawiyah warf die Frage in die Runde, jedoch Ah’naf schwieg. Muawiyah fragte ihn darauf, weshalb er nichts sagte. Darauf antwortete Ah‘naf: „Wenn ich aufrichtig spreche, werde ich deinen Zorn auf mich ziehen, und wenn ich lüge, den göttlichen (Zorn).“78

Schließlich hat Muawiyah mit seiner Umayyaden-Dynastie den Islam missbraucht und zu einer terroristischen, unmenschlichen und machtbesessenen „Missgeburt“ gemacht. Es war ersichtlich, dass solch eine Machtfigur auch eine Armee brauchte, wie es die arabischen Stämme noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Tatsächlich sollte dies unter Muawiyahs Herrschaft der Fall sein. Die „Armee der Umayyaden“ wurde zur blutrünstigsten und stärksten, die die Araber je gekannt hatten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass dies die Geburtsstunde eines sogenannten ‚‚islamistischen‘‘ Terrorismus war und somit das Vorbild für die heutigen Gräueltaten von Terrororganisationen mit ‚‚islamischem‘‘ Bekenntnis wurde. Aber wie der Leser bzw. Leserin schon sah und noch sehen wird, kann man ehrlicherweise nicht vom „islamischen“ Terrorismus sprechen, da es im Grunde nichts mit dem ursprünglichen und einzigen Islam zu tun hatte bzw. hat. Es ist eher Muawiyahs politische List und die Verblendung des Volkes durch materielle Reichtürmer gewesen, die noch über 1000 Jahre danach auf einige Gruppierungen Einfluss nehmen sollte.

Islam – Mittel zum Zweck

Im Islam gibt es einen fundamentalen Grundsatz: Gutes gebieten und Schlechtes verwehren (amr bil-ma’ruuf wa nahy a’n al-munkar). Dieser historische Beweis, nämlich die Aussage Ah’naf ibn Qays‘, ist neben vielen, eine totale Untergrabung dieser elementaren Grundlage im Islam. Es gab keinen Respekt, geschweige denn eine Vollziehung, des islamischen Gesetzes mehr. Nach außen zwar, zeigte sich Muawiyah als Moslem, was sich jedoch auf die Beschaffenheit der religiösen Zugehörigkeit der meisten Menschen im „Reiche“ zurückführen lässt. Denn würde er sich nicht als „Moslem“ geben, wenn auch heuchlerisch, so wäre Muawiyah anfangs nicht akzeptiert worden.

Neben Veränderungen der politischen und moralischen Grundlagen des (wahren) Islams, d. h. des ursprünglichen Islams des Propheten Mohammad (s), wurden auch Änderungen an rechtlichen Grundlagen des Islams vorgenommen. Muawiyah war zum Beispiel der Erste, der sich einen abgetrennten Bereich in der Moschee einrichtete79, so dass er von den Mitbetenden getrennt ist, um seine höhere Stellung über das Volk selbst im Gebet zu symbolisieren. Er war der Erste, der seine Ansprachen in der Moschee sitzend vollzog, was in den Freitags- und Festgebeten verboten ist. Außerdem hat Muawiyah das Freitagsgebet, eines Tages, an einem Mittwoch verrichtet, um den Menschen und vor allem, um dem Imam (a) zu zeigen, dass ihm seine Anhänger, im Gegensatz zu denen des Imams (a), treue und blinde Befolger sind.

Es wird überliefert, dass Muawiyah Alkohol trank.80 Zusätzlich benutzte er silberne und goldene Gefäße, um daraus zu essen und zu trinken, was im Islam verboten ist. Weiter erlaubte er den Wucherzins (ar-riba)81, parfümierte sich im Weihezustand (ih’raam) und noch vieles mehr.

Wie erwähnt, lies Muawiyah viele falsche, erlogene Überlieferungen in den Umlauf bringen. Jedoch nicht nur solche, die seine (erfundene) hohe Stellung darstellen sollten, sondern vor allem auch Überlieferungen, die den erhabenen Stand der Ahlul Bayt (a) in Frage stellen sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Muawiyah versprach jemanden von seinen Leuten 400.000 Dirham, wenn dieser in einer Ansprache an die Leute von Schaam sage, dass sich folgender Vers aus dem Heiligen Koran auf Imam Ali (a) beziehe: „Unter den Leuten ist einer, dessen Rede über dieses Leben dir gefallen möchte, und er nimmt Allah zum Zeugen für das, was in seinem Herzen ist, und doch ist er der streitsüchtigste Zänker.“82 Er hat dies getan und bekam als Gegenleistung dafür eine stattliche Summe aus der Staatskasse.83 In Wirklichkeit gibt es aber keinen Exegeten des Heiligen Koran, der dies behauptet, sondern ist dieser heilige Vers in Wirklichkeit, in Bezug auf einen Heuchler namens Al-Akhnaf bin Sharif herabgesandt worden.84 Außerdem erwähnten wir, dass Muawiyah den Leuten vorgeschrieben hatte, Imam Ali (a) öffentlich zu beschimpfen und zu verfluchen. Dies ging jedoch so weit, dass als Omar ibn Abd al-A’ziz im Jahre 717 n. Chr. die Regierung übernahm und den öffentlichen Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) ein Ende setze, die Menschen sagten: „Er hat die Tradition (sunnah) unterlassen!“85 Woran man erkennen konnte, dass die Menschen dachten, dies sei etwas ganz ‚‚Normales‘‘, gar Gutes.

Imam Hassans (a) Schritt zur Vermeidung des Blutvergießens

Die Ahlul Bayt (a), über die wir im Heiligen Koran gelesen haben, dass wir sie lieben sollen86, wurde beschimpft und verflucht. Zudem wurden die Schiiten und alle, die sich öffentlich gegen Muawiyah stellten, gefoltert und getötet. Noch schlimmer aber war, dass sich der wahre Islam dem Ende neigte. Entweder waren die Menschen zu schwach und ergaben sich dem materialistischen Wahn oder sie waren ängstlich und schauten zu, wie der Islam vor ihren Augen mit den Füßen getreten wurde. Dazu kam noch, dass Muawiyah nicht locker ließ und seine Machenschaften fortsetzte. Dem Islam schien die Luft auszugehen. Doch blieb noch ein Lichtblick: Imam al-Hassan (a). Was sollte er (a) tun? Wie konnte er (a) den Islam wiederbeleben?

All das, was wir zuvor über die sozio-politische Lage vermittelten, deutet daraufhin, dass eine Wiederbelebung unmöglich schien. Der Imam (a) wusste, dass er in seinen Reihen nicht genügend aufopferungsvolle, gottesfürchtige Leute hatte, um Widerstand zu leisten, geschweige denn eine Revolution starten zu können. Außerdem wusste Imam al-Hassan (a), dass wenn er mit ein paar Männern militärisch vorgegangen wäre, dass sie sich entweder wieder zurückziehen würden oder ihn sogar dem größten Feind des Islams, Muawiyah, ausliefern würden. Diese Annahme stammt nicht von irgendwo her, sondern ist eine historische Tatsache. Muawiyah wusste, dass der einzige, der noch eine Gefahr darstellte, Imam al-Hassan (a) war. Er brach nach Irak auf, um den heiligen Imam (a) anzugreifen. Der Imam (a) wusste darüber Bescheid und reagierte darauf, indem er (a) jemanden schickte, um der Heeresführung Anweisungen zu geben. Wie vorauszusehen war, schlossen sich ihm nur sehr wenige an. Der Imam (a) und ein paar Leute, ritten nach Mada-in. Es gab unterschiedliche Menschen in der Truppe des Imams (a). Einige waren treu, dies waren aber nur sehr wenige, wiederum die anderen waren von materiellen Gedanken beeinflusst. Täglich ereignete sich etwas im Heer. An einem Ort namens Sabat machten sie Rast und übernachteten dort. Am nächsten Morgen wollte Imam al-Hassan (a) seine Leute prüfen, um unterscheiden zu können, wer ein Freund und wer ein Feind sei. In Wirklichkeit wusste es der Imam (a), aber er wollte den Menschen zur damaligen Zeit und den Menschen nach ihm (a) eine Lehre erteilen. Er wollte ihnen zeigen, in was für einer Lage er und der Islam sich befanden. Der heilige Imam (a) stand auf der Kanzel und sprach: „Alles Lob gebührt Allah, wann immer Ihn jemand lobpreist. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, wenn immer jemand (dies) bezeugt, und ich bezeuge, dass Mohammad (s.) Sein Diener und Gesandter ist, den Er mit der Wahrheit sandte und den Er mit Offenbarung betraute, möge Allah ihn und seine Familie segnen.“ Er fuhr fort: „Bei Allah, ich hoffe, dass ich immer mit der Lobpreisung Allahs sein werde und mit Seiner Gnade. Von Allahs Geschöpfen bin ich der aufrichtigste Ratgeber für sie, ich bin keiner geworden, der gegen irgendeinen Muslim Hass hegt oder ihm Übel oder Unheil wünscht. In der Tat, das, was euch an der Gemeinsamkeit87 missfällt, ist besser für euch als das, was euch an der Spaltung gefällt. Ich sehe besser als ihr, was für euch am besten ist, so wendet euch nicht gegen meinen Befehl und lehnt mein Urteil nicht ab. Möge Allah mir und euch vergeben, und möge Er mich und euch zu dem rechtleiten, worin Seine Liebe und Wohlgefallen liegt.“

Die Leute, die andere Ziele als die des Islams verfolgten, haben ihn (a) bezichtigt, einen Frieden mit Muawiyah schließen zu wollen und warfen ihm (a) Feigheit und Unglauben vor. Etliche stürmten das Zelt des Imams (a) und plünderten alles, was sie in die Hände bekommen konnten. Selbst seine Sitzunterlage und seinen Schal rissen sie ihm (a) von seinen Schultern. Die treuen Anhänger Imam al-Hassans (a) hielten sie daraufhin von ihm (a) fern, so dass sie ihn nicht angreifen konnten. Als der Imam (a) dann am Abend im Orte lief, wurde er angegriffen und man sagte ihm (a): „Allah ist der Größte, du bist ein Götzendiener geworden, Hassan, wie auch dein Vater ein Götzendiener vor dir wurde.“ Dann stach er dem Imam (a) in sein Bein. Der Imam (a) wurde nach Mada-in zu Sa’d ibn Mas’ud ath-Thaqafiy gebracht, der schon unter Imam Ali (a), als Gouverneur von Mada-in eingesetzt und von Imam al-Hassan (a) in seinem Amt bestätigt wurde88, gebracht. An dieser Stelle berichten nun einige, dass eine Person89 zu Sa’d ibn Mas’ud sagte: „Willst du zu Reichtum und Ansehen kommen?“ Sa’d fragte: „Wie?“ Er sagte: „Nimm Hassan fest und liefere ihn Muawiyah aus. Alles, was du willst, wird er dir geben …“ Sa’d, der Gouverneur Imam al-Hassans (a) in Mada-in sagte: „Möge dich der Fluch Gottes treffen! Was bist du doch für ein Halunke! Wie könnte ich den Sohn der Tochter des Propheten seinem Feind ausliefern?!“

Auch wenn es Historiker gibt, die genau diesen (eben beschriebenen) Vorfall als wissenschaftlich unbewiesen erklären, zeigt es doch eine ganz bestimmte Realität, in der sich der Imam (a) befunden hatte. Als der Imam (a) noch verletzt im Hause Sa’ds war, kam heraus, dass Leute aus seinen (a) eigenen Reihen, heimlich an Muawiyah Briefe schrieben, aus denen hervorging, dass sie auf Muawiyahs Seite seien und Imam al-Hassan (a) verraten würden. Der Imam (a) erfuhr davon aus einem Brief von Qays ibn Sa’d ibn Ibaadah. Letzterer wurde mit Ubaidullah ibn Abbas vorausgeschickt, um Muawiyahs Truppen, die in Richtung Kufa ritten, aufzuhalten. Muawiyah bot Ubaidullah sehr viel Geld90, so dass dieser sich Muawiyah anschließe. Er ging diesem Angebot nach.

Es ist unnötig noch weitere Beispiele zu erwähnen. Klar war, dass es militärisch gesehen, keine Möglichkeit gab, um Muawiyahs Treiben ein Ende zu setzen. Der Imam (a) hatte es zwar versucht, jedoch sahen wir, dass sie sich, bis auf eine Hand voll, von Muawiyah verführen ließen und den Imam (a) sogar ausgeliefert hätten. Zudem war er (a) verletzt und vor allem musste ein Weg gefunden werden, um dem Überleben des Islam Luft zu verschaffen. Wäre der Imam (a) trotz dieser Lage militärisch vorgegangen, so sähe es ganz stark nach einer Niederlage aus. Der einzige Weg, der trotz großer Überwindung noch übrig blieb, war, dass man es irgendwie hinbekommen müsste, eine annähernde Einheit unter den Menschen zu schaffen. So blieb nichts anderes übrig, als dass es letztendlich zu einem vertraglichen Abkommen kommen musste. Der Imam (a) erklärte die Notwendigkeit eines solchen Vertrages wie folgt: „Ich schwöre bei Allah, hätte das Volk treu zu mir gestanden und mich unterstützt, so hätte der Himmel Glück und Segen kommen lassen wie Regen, und die Erde hätte ihre Gaben verschwenderisch an sie ausgeteilt, – und Muawiyah hätte nicht so gierig nach dem Kalifat verlangt. Der Prophet des Islam musste von Mekka Abschied nehmen und seine Anhänger suchten Zuflucht in einer Höhle. Hätte man ihn unterstützt, nie hätte er Mekka verlassen und sich in die Höhle geflüchtet. Von der Zeit an (nach dem Propheten (s)), ist die islamische Nation anderer gefolgt und hat uns verlassen, uns blieb nur der Vertrag als Pflicht.“91

Schließlich kam es dann nach nur sieben Monaten und sieben Tagen des Kalifats Imam Hassans (a) zur vertraglichen Übereinkunft, d. h. im Jahre 41 n. H.92 Muawiyah übernahm damit die Regierung. Dies geschah nicht durch eine Wahl, nicht durch eine einheitliche Benennung und auch nicht durch eine Beratung (schura), sondern allein durch Waffengewalt, der schließlich durch ein Abkommen gebeugt werden musste.93

Inhalt des Abkommens

Vom Tage des Vertragsschlusses bis zur Niederschrift in Buchform liegen mehr als 200 Jahre. Und wie nicht anders zu erwarten war, bearbeiteten die Umayyaden die Geschichts- und Hadithschreibung enorm. Daher ist es sehr schwierig genau festzustellen, woraus der genannte Vertrag bestand. Dennoch, um uns kurz zu halten, können wir an dieser Stelle Punkte aufzählen, worin sich die Historiker einig sind und auch mit der damaligen Lage im Einklang stehen:

  • Muawiyah habe nach dem Buche Gottes (swt) und der Lebensweise des Propheten (s) zu handeln.
  • Muawiyah ist nicht befugt, seinen Nachfolger zu bestimmen.
  • Wenn Muawiyah stirbt, wird Imam Al-Hassan (a) bzw. bei Todesfall Imam Al-Hassans (a), wird Imam Al-Hussein (a) das Kalifat übernehmen.
  • Schaffung von Sicherheit für Leben, Eigentum und Nachkommen des Volkes.
  • Muawiyah durfte Imam Ali (a) nicht mehr beschimpfen und beschimpfen lassen.
  • Muawiyah durfte sich nicht als „Fürsten der Gläubigen“ nennen.
  • Er durfte weder öffentlich, noch insgeheim Imam Hassan (a), seinen (a) Bruder Imam al-Hussein (a) oder aber jemanden aus seinem (a) Hause attackieren oder unter Druck setzen.94

Für Muawiyah war es auch gelegen ein Abkommen zu machen, da er unter militärischen Folgen finanziell unter Druck geraten könnte. Jedoch vor allem wollte er sich damit Ruhe vor Imam al-Hassan (a) verschaffen. Wie gesagt, würde es zu genannter „Ruhe“ für Muawiyah nicht kommen, wenn das Volk „treu“ zum Imam (a) gewesen wäre. Von Anfang an war aber klar, dass Muawiyah die vertraglichen Bedingungen nicht einhalten würde. Wenn er göttliche Bedingungen nicht einhalten würde, so auch nicht weltliche. Dies macht auch folgender Ausspruch Muawiyahs deutlich: „Bei Allah, ich habe nicht gegen euch gekämpft, damit ihr beten, fasten, die Pilgerfahrt machen und Zakat zahlen könnt, denn all das beachtet ihr ja schon – ich aber habe mit euch einzig und allein um die Herrschaft gekämpft. Mein Plan war erfolgreich und nun erkläre ich feierlich, dass alle Abmachungen des Vertrages, den ich mit Hassan abgeschlossen habe, nichtig sind: Ich zertrample sie mit meinen Füßen. Ich werde sie nie erfüllen.“95

Durch die Machtergreifung Muawiyahs wurde Damaskus das neue Zentrum der Macht und Kufa verlor immer mehr an politischer Bedeutung, die noch vor den Umayyaden die islamische Regierungshauptstadt war. Medina wurde neben Mekka zu einem nahezu reinen religiösen Wallfahrtsort und verlor ebenso an politischer Bedeutung.

Neben der Missachtung Muawiyahs der vertraglichen Bedingungen, machte sich ein breit verbreitetes Unbehagen in der Bevölkerung des Iraks breit. Die „Pseudo“-Muslime, ließen Imam al-Hassan (a) ein zweites Mal im Stich, nachdem sie ihm schon bei einem möglichen militärischen Schlag gegen Muawiyah im Stich gelassen hatten und selbst Imam Ali (a) dies antaten. Sie dachten, dass er nun mit Muawiyahs Politik und Machenschaften einverstanden sei und ihm sich feige beugen wolle. Einige entgegneten dem heiligen Imam (a) mit absoluter Abtrünnigkeit. Sie bezeichneten ihn (a) als Verräter und Ungläubigen. Einige meinten, dass er die Muslime mit diesem Abkommen erniedrigt hätte. Darauf antwortete Imam al-Hassan (a): „Ich gehöre einem Hause an, das, sobald es die Wahrheit weiß, diese nicht mehr aufgibt. Darauf, dass dieser Tag kommen würde, machte schon mein Großvater aufmerksam. Mein Großvater, der Prophet (s), sagte: ‚Ich sah im Traum, dass die Bani Umayyah meine Kanzel besteigen.‘“96

Die Person, die dies zum Imam (a) sagte, war noch vor dem Abschluss des Vertrages, ein treuer Gefolgsmann des Imams (a). Man kann deutlich erkennen, dass die Menschen zu seiner Zeit, den Imam (a) und die Führerschaft nicht verstanden haben. Einige sagten zum Imam (a) sogar anstatt „Salaamun A‘laikum“ „Sammun A‘laikum“, d. h. – im Deutschen – anstatt „der Friede sei mit Euch“, sagten sie „mögt Ihr dem Gift ausgesetzt sein“. Was für eine Verblendung mussten diese Menschen nur erlitten haben?! Der Imam (a), der der wissendste, gottesfürchtigste und beste Mensch zu seiner Zeit war, wurde auf solch eine erniedrigende Art behandelt. Sie waren unzufrieden mit dem Abkommen, richtig, aber was würden sie machen, wenn es zum Krieg und dann zur Niederlage gekommen wäre? Es ist schade, damals wie heute, dass der Mensch in schwierigen Situationen den Kampf gegen seine materiellen Vorlieben und seiner Unwissenheit verliert.

Imam al-Hassan (a) wird vergiftet

Der Imam (a) blieb in Medina. Muawiyah, wie sollte es auch anders sein, konnte seinen Hass und Neid gegenüber der Familie des Propheten (s) nicht überwinden und schmiedete eine Intrige gegen Imam al-Hassan (a). Der Feind des Islams, Muawiyah, ließ eine Ehefrau des Imams (a), namens Djuda bint al-Asha‘th ibn Qais, zu sich rufen, um sie dazu zu bringen, den Imam (a) zu vergiften. Er bot ihr Geld und die Verheiratung mit seinem Sohn, Yazid, an. Sie willigte ein und verabreichte ihrem Ehemann, dem Enkelsohn des heiligen Propheten Mohammad (s) das Gift als Getränk (wie es überliefert wird). Sie bekam zwar das Geld, aber Yazid sollte sie nicht heiraten. Was für eine Erniedrigung! Sie hatte die Ehre, die Ehefrau des zweiten Imams (a) zu sein. Selbst sie hatte den Imam (a) hintergangen. Da war es nicht weit hergeholt, dass das Volk dies auch tun würde. Imam al-Hassan (a) erkrankte, erlag der Vergiftung einige Zeit später und fand am 28. Safar 50 n. H. (670 n. Chr.) das Martyrium.

Fußnoten:

68 Sie wurden so genannt, weil sie seit dem Dahinscheiden des heiligen Propheten Mohammad (s), auf der Seite des durch ihn (s) ernannten Nachfolger Imam Ali (s) standen.

69 Tarikh Ibn Athir, B. 3, S. 472

70 As-Suyuti, Tarikh al-Khulafaa‘, S. 199

71 Ibn Khalduun, al-Muqaddimah, S. 169 ff.; Al-Ya’quubi, B. 2, S. 257

72 Die Byzantiner waren vor dem zweiten Kalifen Omar in den Gebieten Schaams ansässig. Jedoch in der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 n. Chr. unterlagen die Byzantiner einem Heer Omars und der ganze Südosten des Byzantinischen Reiches, einschließlich Syriens und Palästinas ging verloren. (Quelle: eslam.de)

73 Al-Hus’ni, Muntakhabaat at-Tawaarikh li Dimashq, S. 81

74 Al-Balaz’iriy, Ansaab alAshraaf, Band 2, S. 147

75 Demselben Stamm gehörte auch die Ehefrau des dritten Kalifen Uthman ibn Affan an.

76 Die Führung der Staatskasse war nach der Führung des Heeres, die wichtigste Aufgabe im Lande.

77 Mitgefühl anderer Menschen gegenüber

78 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 228

79 Al-Ya’qubi, Tarikh al-Ya’qubi, Band 2, S. 265; at-Tabari, Band 2, S 70; ad-Dainuriy, S. 229

80 Ahmad ibn Hanbal, Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 5, S. 347

81 An-Nisa-iy, Sunan an-Nisa-iy, Band 7, S. 279

82 Sure 2, Vers 204

83 Dass dies geschehen ist, können wir aus folgender Quelle entnehmen, d. h. aber nicht, dass der Autor dem Inhalt zustimmt, sondern nur, dass Muawiyah diese Schandtat begangen hatte: Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 4, S. 73

84 Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Tafsir al-Amthal, Band 2, S. 44-45 & 49

85 Al-Mazandaraani, Sharh‘ Us’uul al-Kafi, B. 11, S. 292; A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, B. 22, S. 214; Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 2, S. 102

86 Siehe z.B.: Sure 42, Vers 23

87 Er (a) meint damit die Einheit unter den Menschen.

88 Ibrahim bin Mohammad ath-Thaqafi al-Kufi, al-Ghaaraat, B. 1, S. 51 ff.

89 Einige, wie at-Tabari, meinen, dass diese Person der Neffe Sa’ds war, der Mokhtar hieß, der ca. 25 Jahre später gegen die Mörder Imam al-Husseins (a) gekämpft und verfolgt hatte.

90 Einige meinen, dass es eine Million Dirham waren.

91 A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 44, S. 23

92 Khalifah bin Khayyat’, B. 1, S. 224; at-Tabari, B. 6, S. 94; Ibn al-Athir al-Kaamil, B. 2, S. 406

93 Tarikh al-Khulafaa’, S. 71

94 Baqir al-Qarashi, H‘ayaat Al-Imam Al-Hassan bin Ali, B. 2, S. 221-227

95 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 16, S. 46

96 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 3, S. 407

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