I. Der Rang Imam Husseins (a) beim Propheten (s)

Weshalb wurden wir erschaffen?

Eine Frage beschäftigt den Menschen schon seit je her: „Wieso wurde ich erschaffen?“ Bzw., wenn man nicht an eine Schöpfung glaubt: „Wieso bin ich?“ Da wir hier keine theologischen Fragen aufgreifen und behandeln wollen, geht es uns um die erste Frage. Obwohl wir an den All-Mächtigen Schöpfer, Allah (swt)9, glauben, ja von Ihm absolut überzeugt sind, stellt sich uns diese Frage tagtäglich. Die Antwort darauf würde unser gesamten Leben beeinflussen und uns unserem wahren Ziel – nämlich der Vollkommenheit10 – näher kommen lassen. Der Heilige Koran gibt die Antwort darauf: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen.“11

Aber wenn wir uns näher mit dem Heiligen Koran auseinandersetzen, so werden wir sehen, dass es einen bestimmten Zweck hinter dem Gottesdienst gibt: „Und diene deinem Herren, bis die Gewissheit (Erkenntnis) zu dir kommt.“12 Das heißt nicht, dass man, sobald man die Gewissheit (al-yaqiin) erreicht hat, den Gottesdienst beenden soll. Nein, es heißt, dass es die absolute Gewissheit über Allah (swt) ist, die wir in unserem Leben erreichen sollen, so dass wir unsere (menschliche) Vollkommenheit erreichen können. Die Grundlage der Erlangung einer solchen, ist ein demütiger, wahrhaftiger Gottesdienst.

Somit finden wir im Gottesdienst die menschliche Vollkommenheit und Glückseligkeit. Aber es ist nicht der leblose Gottesdienst, der uns routiniert in unserem Leben „verfolgt“, sondern ein Gottesdienst, der sich auf all unsere Sinne und Lebenslagen bezieht, so dass man dadurch die koranische Bezeichnung verdient ein „Statthalter auf Erden“13 (khaliifatullah a’lal-ard‘) zu sein. Die demütige Verehrung Gottes (swt) ist die ehrenvollste Eigenschaft, die einem Menschen zugeschrieben werden kann, von daher kann man auch unser tägliches Bezeugen im Gebet verstehen, in dem wir bekanntlich die Eigenschaft des Gottesdienstes des Propheten Mohammad (s) vor seiner Gesandtschaft (ar-risaalah) bezeugen:

„Ich bezeuge, dass Mohammad Dein Diener und Gesandter ist.“

(ash-hadu anna moh’ammadan a’bduhu wa rasuuluh“)

Gottesdienst = Freiheit

Gottesdienst bedeutet, sich von den teuflischen Einflüssen und den Schlingen der eigenen Seele und Triebe zu befreien. Zwar wird das Wort „Freiheit“ (al-h’oriyyah) im alltäglichen Gebrauch für etwas anderes benutzt, nämlich, dass man „frei“ von Unterdrückung und Zwang ist, und dies meistens in der persönlichen Entwicklung und Entscheidung. Diese Art der Definition von Freiheit finden wir auch im Heiligen Koran: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“14 Aber uns geht es an dieser Stelle um die absolute Freiheit, die Freiheit, die Allah (swt) als die Vervollkommnung des Menschen ansieht. Es bedeutet, dass man sich von den tierischen Trieben, den teuflischen Einflüsterungen und dem Festhalten an dem Materiellen „befreit“. Dies geschieht einzig und allein über den wahrhaftigen Gottesdienst.

An dieser Stelle können wir zur Verdeutlichung die Geschichte von Bischr al-H‘aafi15 erwähnen. Bischr war jemand, der große Sünden machte, wie z.B. war er damit beschäftigt verbotene Musik zu hören, Alkohol zu trinken und vertrieb seine Zeit mit Glücksspielen und verbotenem Vergnügen (lahu). Eines Tages war er mit seinem Dienstmädchen zu Hause und vergnügte sich mit nicht erlaubter Musik. Imam Musa al-Kazim (a)16 kam an seinem Haus vorbei und hörte, was in darin passiert. Er (a) sah das Dienstmädchen an der Tür des Hauses und sagte zu ihr: „Ist dein Gebieter (also Bischr) ein Freier oder ein Diener?“ Darauf sagte sie: „Ein Freier.“ Der Imam (a) sagte: „Ich stimme dir zu, denn wenn dein Gebieter ein Diener wäre, so würde er sich dem (angemessenen) Gottesdienst annehmen und Allah (swt) fürchten.“ Daraufhin ging sie in das Haus und berichtete Bischr, was vorgefallen war. Er war so betroffen von den Worten des Imams (a), dass er barfüßig hinter Imam Musa al-Kazim (a) hinterher rannte, bis er ihn (a) erreichte und auf seine Knie fiel, sehr stark weinte und seine Taten bereute. Bis zu seinem Lebensende blieb Bischr barfüßig, von daher auch der Zusatz „al-H’aafi“, d. h. „der Barfüßige“.17

Wir können hier erkennen, dass der Imam (a) den Gottesdienst als die wahre Freiheit ansieht und das, was wir im Alltag als „frei“ bezeichnen, in Wirklichkeit Unterdrückung und gefesselt sein bedeutet. Im tiefsten Inneren wusste Bischr, dass er etwas falsch machte, denn sonst würden die Worte des Imams (a) nicht eine solche Wirkung auf ihn haben, würde daraufhin nicht bereuen und würde nicht bis an sein Lebensende barfüßig bleiben. Es ist eine Lehre für uns. Durch die Sünden, die wir täglich begehen, liefern wir uns nur noch mehr den Trieben unserer Seele aus. Allah (swt), unserem Schöpfer, zu dienen ist es, das uns von diesen Fesseln befreit und uns zur wahrhaftigen Freiheit, Glückseligkeit und menschlichen Vollkommenheit führt.

Gottesdienst mit den Gefühlen

Der Gottesdienst des Menschen beschränkt sich nicht allein auf den Körper, sondern es gibt auch einen Gottesdienst mit dem Herzen. So dass der Mensch mit seinem Herzen dienen kann, muss er sich sein Herz für Allah (swt) öffnen und sich seinen Gefühlen für Ihn (swt) bewusst sein. Dies bedeutet aber unter anderem, dass man nur den liebt, den auch Allah (swt) liebt und den verabscheut, den Allah (swt) erlaubt zu verabscheuen. Von daher wird im gleichen Sinne vom heiligen Propheten Mohammad (s) folgendes überliefert: „Vertraue, die Stütze des Glaubens ist, dass man für Allah (swt) liebt und für Allah (swt) verabscheut.“18

Auf dieser Grundlage werden die Lieblinge von Allah (swt) festgelegt, für die wir nach Allah (swt) unser Herz öffnen müssen.

Die Lieblinge

Wer sind diese Lieblinge? An allererster Stelle, natürlich nach Allah (swt), denn wir sprechen hier von den Lieblingen Allahs (swt), steht der heilige Prophet Mohammad (s), denn es wird überliefert: „Keiner glaubt von euch, bis ich ihm lieber bin, als seine Kinder und seinem Vater und allen Menschen.“19

Der heilige Koran spricht von einer ganz konkreten Liebe. Der Prophet Mohammad (s) hat der gesamten Menschheit, ja dem gesamten Universum, mit seiner Existenz und Verkündung der abschließenden Religion, dem Islam, das größte Geschenk gemacht. Daraufhin sagt Allah (swt) im heiligen Quran: „Dies ist es, wovon Allah die frohe Botschaft gibt Seinen Dienern, die glauben und gute Werke tun. Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“20. Zu Recht fragt sich der ein oder andere, wer mit „den Verwandten“ gemeint ist und zugleich muss man sich diese Frage stellen, nämlich aus dem Grund, weil es ein Befehl Allahs (swt) an die Menschheit ist, dass wir diese „Verwandten“ lieben. Da es aus schiitischer Sicht eindeutig ist, wer damit gemeint wird, werden wir aus nicht-schiitischen Büchern zitieren, was darüber geschrieben wurde. In einer Überlieferung, die auf Ibn Abbas zurückgeht, wird folgendes gesagt: „Weshalb wurde dieser Vers herabgesandt: „Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“? Es wurde gefragt: ‚Oh Gesandter Allahs, wer sind diese Verwandten, für die es (uns) verpflichtet ist, sie zu lieben?‘ Der Prophet (s) sprach: ‚Ali und Fatima und ihre Nachkommenschaft.‘“21 An anderen Stellen heißt es: ‚Ali (a), Fatima(a), Hassan (a) und Hussein (a).‘ Es ist also klar, wer damit gemeint wird.

Außerdem gibt es eine Reihe von Überlieferungen des Propheten Mohammad (s) höchstpersönlich, die sich auf die Liebe zur Ahlul Bayt (a) beziehen und in denen er (s) den Muslimen sogar sagt, dass sie ihre Herzen an sie binden sollen, so dass sie dadurch eine Tür zur Ergebung gegenüber Allah (swt) öffnen.

Ein Beispiel darauf kommt von Fakhr ar-Razi22 selbst, der einer der berühmtesten Koranexegeten unserer sunnitischen Geschwister ist. In seinem „Tafsir al-Kabir“ schreibt er, dass der Prophet Mohammad (s) gesagt hat: „Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt als Märtyrer. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit der Vergebung. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit (einer akzeptierten) Reue. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt glaubend, mit einem vervollständigten Glauben. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem wird der Todesengel die frohe Botschaft des Paradieses übermitteln, so wie danach Munkar und Nakir23. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der wird in das Paradies geführt, so wie die Braut in das Haus ihres Ehemannes gebracht wird. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem werden in seinem Grabe zwei Türen des Paradieses geöffnet. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt nach der Lebensweise (des Propheten (s)) und der Gemeinschaft24 …“25

Neben der Verpflichtung durch Allah (swt) zur Liebe der Ahlul Bayt (a), sagt der Prophet Mohammad (s) in einer Überlieferung, dass der Mensch am Jüngsten Tag sogar darüber befragt wird, d. h. über unsere Liebe zur Ahlul Bayt (a).26 Weiter spricht der Prophet (s) davon, dass diejenigen, die die Ahlul Bayt (a) (wahrhaftig) lieben, dieselbe paradiesische Stufe, wie die des Propheten (s) zugeschrieben bekommen werden. Diese Überlieferung finden wir von Ahmad ibn H’anbal27 und Al-Tirmizi28 (beide sind sehr große Gelehrte unserer sunnitischen Geschwister). Es heißt dort: „Der Prophet (s) nahm die Hände von Hassan (a) und Hussein (a) und sagte: ‚Wer mich, diese Beiden, ihren Vater und ihre Mutter liebt, wird mit mir am Jüngsten Tag auf meiner Stufe sein‘“.29

Ebenfalls wird uns in Bezug auf die Liebe zu Imam Ali (a) folgendes überliefert: „Oh Ali, wenn ein Diener, Allah, gerühmt und erhaben sei Er, so viel tun würde, wie Noah für sein Volk getan hat und so viel Gold hätte, wie der Uh’ud-Berg groß ist und all dieses auf dem Wege Allahs spenden würde und sein Leben so lang wäre, so dass er eintausend Mal zu Fuß pilgern (nach Mekka zum Hajj) würde und dann zwischen Safa und Marwa unterdrückt (ungerecht) getötet werden würde und dabei dir nicht folgt (d.h. deine Führerschaft nicht anerkennt), oh Ali, so wird dieser (Diener) nicht den Geruch des Paradieses riechen und nicht darin eintreten.“30

Die Liebe zu Imam al-Hussein (a)

Wir könnten diese Liste noch seitenlang füllen, allein wenn wir nur die Überlieferungen erwähnen würden, die von der Liebe zum Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (a) sprechen. Da es jedoch erstens den Rahmen sprengen würde und zweitens wir uns auf Imam al-Hussein (a) begrenzen wollen, werden wir uns darauf beschränken und nun zu ihm (a) kommen.

Der Prophet Mohammad (s) hat ganz speziell – neben Imam Ali (a) – über die Liebe zu Imam al-Hussein (a) gesprochen. Wie z. B. die folgende Überlieferung, die unter allen Muslimen bekannt ist: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“31 Dass Imam al-Hussein (a) vom Propheten Mohammad (s) ist, das ist klar, denn er (a) ist der Enkelsohn des Propheten Mohammad (s). Die anschließende Stelle dieser Überlieferung ist jedoch auffällig, denn es heißt „… und ich bin von Hussein …“. Was wird damit gemeint? Der heilige Prophet Mohammad (s) deutet damit auf die besondere göttliche Aufgabe von Imam al-Hussein (a) in Kerbala, wodurch der Imam (a) den Islam nicht nur am Leben gelassen hat, sondern auch wiederbelebt hat. Von daher folgt darauf dann auch der Satz des Propheten: „… Allah liebt den, der Hussein liebt.“

Nun könnte jemand sagen, dass dieses nur Aussprüche seien, aber was lässt uns daran festhalten, dass wir auch so handeln müssen? Darauf hat der Heilige Koran direkt eine Antwort: „Euer Gefährte (d. h. Mohammad) ist weder verirrt, noch ist er im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Es ist (vielmehr) eine Offenbarung, die (ihm) offenbart wird.“32 Wir können daran sehen, dass jedes Wort, das der Prophet (s) spricht eine Offenbarung von Allah (swt) ist. Das, was der Prophet (s) sagt, das sagt Allah, der Erhabene. Wenn der Prophet (s) also sagt, dass wir Imam al-Hussein (a) lieben sollen, so sagt dies in aller erster Linie Allah (swt), denn alles, was der Prophet (s) spricht „ist eine Offenbarung, die offenbart wurde.“

Nachdem wir also diese wichtige und essentielle Voraussetzung geklärt haben, kommen wir nun zu einigen Quellen der genannten Überlieferung: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“. Gibt es diese eindeutige Überlieferung nur bei den Schiiten oder auch bei den anderen Rechts- bzw. Denkschulen? Ohne großen Aufwand sehen wir, dass diese Überlieferung bei allen Muslimen, d. h. neben den Schiiten, auch in den anderen Richtungen, eine anerkannte Überlieferung ist. Wie z. B. at-Tirmizi33 und Imam Ahmad ibn Hanbal34 berichten diese Überlieferung über Ya’la bin Murrah. At-Tirmizi und al-Albaani haben diese Überlieferung als eine „gute“ bewertet und somit ist sie nach ihren wissenschaftlichen Grundlagen anzunehmen. Da der Bekanntheitsgrad dieser Überlieferung unter allen Muslimen so hoch ist, benötigt es keiner tieferen Verdeutlichung.

Der Prophet (s) weinte um Imam al-Hussein (a)

Außerdem können wir sehen, dass es nicht nur Aussprüche des Propheten Mohammad (s) bezüglich der Liebe zu Imam al-Hussein (a) gibt, sondern auch Taten und Geschehnisse, die dies belegen. Da diese ebenfalls sehr viele sind, möchten wir uns auf eine ganz bestimmte Form des prophetischen Ausdrucks in Bezug auf Imam al-Hussein (a) eingehen: das Weinen des Propheten (s) um Imam al-Hussein (a).

Imam Ahmad ibn Hanbal berichtet in seinem bekannten und von unseren sunnitischen Geschwistern anerkannten „Musnad“, dass Ali (a) rief: „Gedulde dich Aba Abdillah! Gedulde dich Aba Abdillah am Ufer des Euphrats!“ daraufhin wurde er (a) gefragt: ‚Weshalb?‘ Er (a) sagte: ‚Eines Tages trat ich beim Propheten (s) (in sein Haus) ein und seine Augen tränten. Ich sagte: Oh Prophet Allahs, hat dich jemand erbost? Weshalb tränen deine Augen?‘ Er (s) sagte: ‚Ja. Gerade ist Jibra-il von mir gegangen und berichtete mir, dass Hussein am Ufer des Euphrats getötet wird.‘ Er (Jibra-il) sagte: ‚Möchtest du, dass ich dich etwas von seiner Erde (d. h. vom Ort an dem Imam Hussein (a) getötet werden wird) riechen lasse?‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Imam Ali (a) sagte: ‚Daraufhin streckte er (s) seine Hand aus und nahm Etwas von der Erde und gab sie mir. Ich konnte meine Auge nicht aufhalten, dass sie anfingen zu tränen.‘“35 36

Eine ähnliche Überlieferung berichtet auch at‘-T’abaraani, jedoch überlieferte es diesmal nicht Imam Ali (a), sondern A’ishah: „Der Gesandte Gottes (s) setzte Hussein auf seinen Schenkel (Schoß). Daraufhin kam Jibra-il (a) und sagte: ‚Das ist dein Sohn?‘ Er (s) sagte: ‚Ja‘. Er (Jibra-il) sagte: ‚Deine Gemeinschaft wird ihn nach dir (nach dem Tode des Propheten (s)) töten.‘ Die Augen des Gesandten Gottes (s) tränten. Er (Jibra-il) sagte: ‚Wenn du möchtest, zeige ich dir die Erde des Bodens, auf dem er getötet werden wird.‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Daraufhin brachte Jibra-il ihm (s) etwas Erde von at‘-T’aff37.‘“38

Außerdem können wir aus der Geschichte des heiligen Propheten Mohammad (s) im Groben entnehmen, dass er (s) selbst an drei Stellen um seinen geliebten Enkelsohn Imam Al-Hussein (a) geweint hatte. Als Erstes: Als der Imam (a) geboren wurde. Als Zweites: Als der Imam (a) noch ein Kleinkind war und in Medina gespielt hat. Der Prophet (s) hat ihn (a) zu sich genommen, küsste ihn und sagte zu ihm: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“ Woraufhin der Prophet (s) um Imam al-Hussein (a) weinte. Als Drittes: Einige Tage vor dem Austritt des heiligen Propheten Mohammad (s) aus dieser Welt. Der Imam (a) war gerade mal um die sieben Jahre alt. Imam al-Hussein (a) setzte sich auf die Brust seines Großvaters Mohammad (s). Der Prophet (s) schaute ihn (a) an und fing an zu weinen. Es muss ein sehr schwieriger Moment für unseren geliebten Propheten gewesen sein. Wie wir in den Überlieferungen gesehen haben, wusste er (s) von der Tragödie, die seinem Enkelsohn Hussain (a) widerfahren wird. Er (s) wusste, dass er nicht da sein kann, um ihn (a) zu beschützen. Und dazu kommt noch die gewaltige Liebe, die der Prophet (s) für Imam al-Hussein (a) empfand (und immer noch empfindet). Der Prophet (s) weinte. Umm Salama (r), die Frau des Propheten (s), kam zu ihm (s) und fragte: „Oh Gesandter Gottes, was ist geschehen? Weshalb weinst du?“. Der Prophet (s) sagte: „Oh Umm Salama! Wahrlich, dieses, mein Kind, wird von den Rebellen getötet und sie erhoffen sich am Jüngsten Tag meine Fürsprache. Möge Allah ihnen nie meine Fürsprache zuteil kommen lassen.“

Neben der Liebe Allahs (swt), des Propheten Mohammad (s) und der gesamten Ahlul Bayt (a) für Imam al-Hussein (a), sehen wir also, dass das Weinen um ihn (a) eine Lebensweise (sunnah) des Propheten (s) war. Auch die anderen Imame (a) haben um Imam al-Hussein (a) geweint, wie z. B. Imam ar-Rida (a). Er sagte, dass wenn der Monat Muharram eingetreten war, er (a) seinen Vater (Imam Musa al-Kazim (a)) niemals lächelnd gesehen hat. Imam ar-Rida (a) sagte, dass wenn der 10. Muharram erreicht war, war es ein Tag der Trauer und des Weinens. Imam al-Mahdi (af)39 sagte: „Oh Großvater! Ich weine (klage) um dich morgens und abends!“

Es ist also eine historische Tatsache, dass der Prophet (a) und die Imame (a) um Imam al-Hussein (a) geweint haben und ihn (a) liebten. Und sogar noch mehr: der Prophet (s) hat die Menschheit dazu aufgefordert Imam al-Hussein (a) zu lieben, denn Allah (swt) liebt ihn (a).

Zusammenfassend können wir folgende Ergebnisse ziehen:

  • Ziel der Erschaffung des Menschen ist das Erkennen und die Gewissheit über Allah (swt), das uns zur menschlichen Vollkommenheit und Glückseligkeit führt.
  • Dies kann man nur über den Gottesdienst erreichen.
  • Neben dem körperlichen Gottesdienst gibt es noch den Gottesdienst mit dem Herzen, d. h. die zu lieben, die auch Allah (swt) liebt.
  • Die Liebsten bei Allah (swt) nach dem Propheten Mohammad (s) sind die restliche Ahlul Bayt (a) und darunter fällt auch Imam al-Hussein (a).
  • Imam al-Hussein (a) hat eine ganz besondere Stellung beim Propheten (s) und das, was der Prophet (s) sagt, stammt von Allah (swt) wie wir aus Sure 53, Vers 2 – 4 erkennen können. Somit hat Imam al-Hussein (a) bei Allah (swt) eine ganz besondere Stellung.
  • Der Prophet (s) und die Imame (a) weinten um Imam al-Hussein (a).

Fußnoten:

9 Abk. für: „subh’aanahu wa ta’aala“ (gepriesen und erhaben sei Er)

10 Vollkommenheit im menschlichen Sinne

11 Sure 51, Vers 56

12 Sure 15, Vers 99

13 Siehe dazu: Sure 2, Vers 30; Tafsir al-Amthal, Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Band 1, S. 105-108

14 Sure 2, Vers 256

15 Bischr „al-H‘aafi“: sein richtiger Name: Bischr bin al-H‘aarith bin A’bd ar-Rah’maan; wurde im Jahre 152 n.H. in Bagdad (Irak) geboren; am 10. Muharram 227 n.H. in Bagdad gestorben. „al-H’aafi“ bedeutet „der Barfüßige“.

16 Der siebte Imam (a)

17 Al-Amin, Aa’yaan ash-Shi-a’h, Band 3, S. 579

18 Ar-Rishahri, Mizan al-Hikmah, Dar al-Islamiah, Beirut, Band 2, S. 233

19 ebd., S. 237

20 Sure 42, Vers 23

21 As-Suyuuti, ad-Durr al-Manthur, Band 6, S. 7; Ahmad ibn Hanbal, Fadaa-il as-Sahaabah, Band 2, S. 669, Nr. 1141; al-Mustadrak a’las-Sah’ih’ayn, Band 3, Seite 172; al-H’askaani, Shawaahid at-Tanzil, Band 2, S. 130; ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Manshuraat Maktab al-I’laam al-Islaamiy, Band 27, S. 166; u.v.m.

22 Abu Abdullah Muhammad ibn Umar ibn Husain al-Razi, (1149 – 1209 n. Chr.)

23 Zwei Engel, die den Toten im Grabe befragen werden

24 Im Arabischen: Sunnah wal-Jamaa’h

25 ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Band 37, S. 165 – 166; Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, Manshuraat ar-Radhi, Qom, S. 49 – 50

26 siehe: Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 7, S. 259

27 Ahmad ibn Mohammad ibn Hanbal, (780 – 855 n. Chr.), er ist der Gründer der H’anbalitischen (sunnitischen) Rechtsschule

28 Abu Isa Muhammad ibn Isa ibn Musa ibn ad-Dahhak as-Sulami at-Tirmizi, (824 – 892 n. Chr.), er ist ein sehr bedeutender Sammler von Überlieferungen bei den sunnitischen Geschwistern, von ihm stammt unter Anderem das Werk „Sunan at-Tirmizi“, dass zu den sechs authentischen Büchern (al-kutub as-sittah) der Sunniten gehört

29 Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, S. 49

30 Al-Khawazimi, al-Manaaqib, Tah’qiiq al-Mah’muudi, Mu-assash an-Nashr al-Islaamiy, S. 68

31 Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 43, S. 316

32 Sure 53, Vers 2 – 4

33 in Hadith-Nummer: 3775

34 in Hadith-Nummer: 17111

35 Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 1, S. 85; al-Mu’jam al-Kabir, Nr. 2811; Tahz’ib al-Kamaal, Band 6, S. 406; Tarikh Dimashq, Band 14, S. 187; und noch in vielen anderen Quellen

36 Die Überlieferungen, die wir hier nennen sind alle nach den wissenschaftlichen Grundlagen der sunnitischen Rechtsschulen als mindestens „gut“ (hassan) eingestuft.

37 At-T’aff wird hier der Ort Kerbala gemeint und um genau zu sein: das Ufer des Euphrats an dem die Tragödie in Kerbala stattgefunden hat.

38 Al-Mu’jam al-Aws’at‘, Band 6, S. 249

39 Abk. für: „a’jalallahu ta’aala farajahush-sharif“ (möge Allah, der Erhabene, seine wertvolle Erlösung beschleunigen)

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