Islamkunde – Bund für islamische Bildung https://bufib.de Sat, 06 May 2017 17:44:37 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.3.5 https://bufib.de/wp-content/uploads/2017/04/Favicon-75x75.png Islamkunde – Bund für islamische Bildung https://bufib.de 32 32 Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a) https://bufib.de/imam-musa-bin-ga%ca%bffar-al-kaz%cc%a3im-a/ Thu, 19 Nov 2015 19:59:49 +0000 http://bufib.de/?p=1719 Überblick 

Geburt: Er (a) ist am Sonntag, den 7. Ṣafar 128 n.H. in Al-ʾAbwāʾ (eine Stadt zwischen Mekka und Medina; wird manchmal auch Widān genannt) 

Martyrium: Er (a) ist am 25. Rajab 183 n.H. – D.h. mit 54 Jahren – an den Folgen eines Vergiftungsanschlages in Bagdad im Gefängnis von As-Sindiy bin šāhik Märtyrer geworden. 

Beinamen: Al-ʿAbd aṣ-Ṣāliḥ, al-Kāẓim, Aṣ-Ṣābir, Al-ʾAmīn, Bāb al-Ḥawāʾiǧ, Ḏū an-Nafs az-Zakiyah, Zayn al-Muǧtahidīn, al-Wafiy, al-Maʾmūn, Aṭ-Ṭayib 

Kunya: Abū ʾIbrāhīm, Abū ʿAlī, Abū ʾIsmāʿīl, Abū al-Ḥasan al-ʾAwwal

Grab: Bagdad in den Quraisch-Gräbern

Allgemeine Lage 

Die Abbasiden verfolgten die Familie und Anhänger Imam Alis (a), die auch in der Geschichte als Aliden (arab. ʿAlawīyūn) bezeichnet werden, und versuchten sie in der gesamten islamischen Welt ausfindig zu machen, aus Angst vor Aufständen und Revolutionen. Außerdem kannten die Abbasiden den hohen Stand jener Leute, die Imam Hussein (a) und die Ereignisse von Kerbala zum Vorbild hatten. Es gab schon seit der Anfangszeit der Dynastie der Abbasiden viele aus den Reihen der Schia, die das Kalifat Abī al-ʿAbbās as-Saffāḥs (dem Begründer dieser Dynastie) ablehnten und dadurch bekämpft wurden. Die Abbasiden waren bekannt für ihre Gewalt und Ideenlust beim Töten. Einige von ihren Opfern wurden für längere Zeit in einem verdunkelten Gefängnis eingesperrt und dann darin lebendig eingeschüttet, wiederum andere wurden lebendig begraben. Der Begründer der Abbasiden-Dynastie Abū al-ʿAbbās war unter dem Beinamen as-Saffāḥ bekannt, was soviel bedeutet wie „der Blutvergießer“. Zudem wurden ihre Gegner, die hauptsächlich die Schiiten waren, verfolgt, beobachtet und abgehört, so dass sie über all ihre Bewegungen im Klaren waren. Ein weiteres Element der Bekämpfung der Schiiten war, dass das abbasidische Regime spezielle Denkströmungen und Gruppierungen, wie die Ghulāt (Übertreiber) und Freidenker (az-Zanādiqah), zugelassen und ihre Verbreitung unterstützt hat, um das allgemeine Volk vom mohammedanisch-islamischen Weg abzuhalten und zu verwirren. Dies sind die Anfangsstunden des „Soft Power“ bzw. „Soft war“ gegen die Schiiten. 

Unter den berühmtesten Opponenten, die das Martyrium erfuhren, waren u.a. Muḥammad bin ʿAbdullah bin al-Ḥasan an-Nafs aḏ-Ḏakiyah (gest. 145 n.H.), Al-Ḥusain bin ʿAli bin al-Ḥasan auch bekannt als „Shahīd Faḫḫ“ (gest. 169 n.H.) und natürlich der edle Imam Mūsā al-Kāẓim (a), der mehrere Jahre in den verschiedensten Gefängnissen der Abbasiden in Gefangenschaft lebte. 

In dieser Zeit war ein ausschweifender Lebenswandel und Frevel weit verbreitet. Alkoholgenuss, Respektlosigkeit und Prostitution waren an der Tagesordnung, vor allem im Herrschaftshaus der Abbasiden selbst. Das Staatsgeld (Fiskus; arab. Bayt al-Māl) wurde für die eigenen Bedürfnisse des Kalifats ausgegeben, wie z.B. für Sänger und Sängerinnen, Frauen und Ähnliches. Die Allgemeinheit der damaligen Gesellschaft war dagegen sehr arm. 

Geburt und Herkunft 

Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a) ist der siebte Imam, der Sohn vom sechsten Imam, Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a). Seine Mutter ist eine edle Frau namens „Ḥamīdah“, die einen sehr starken Glauben und großes Wissen aufwies. Viele Frauen hatten von ihr profitiert. Ihr Ursprungsort ist umstritten, einige meinen sie sei aus Marokko, wiederum andere schreiben, sie sei eine Römerin oder aus Barbar (Stadt im Sudan) bzw. aus einem spanischen Gebiet. Jedoch nehmen die Historiker am stärksten an, dass sie aus Nordafrika kam. Sie wurde von Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a) persönlich unterrichtet, wodurch sie aus erster Quelle zu einer großen Lehrerin und Rechtskennerin wurde, außerdem gehörte sie zu den großen weiblichen Intellektuellen ihrer Zeit. 

Am 7. Ṣafar im Jahre 128 n.H. (745 n.Chr.) durfte die Menschheit den edlen Imam (a) in einem Ort namens Al-ʾAbwāʾ erblicken. Al-ʾAbwāʾ ist eine Stadt zwischen Mekka und Medina, wo auch Amina, die Mutter des Propheten Muhammad (s), gestorben ist. 

Primäre Konflikte 

Die beiden edlen Imame Al-Bāqir (a) und Aṣ-Ṣādiq (a) verbreiteten und lehrten die ursprüngliche islamische Lehre und legten die Grundlagen und Wissenschaften fest. Sie hatten viele verschiedene Bildungsmethoden angewandt, sei es der Privatunterricht, Ansprachen in den Gotteshäusern oder der klassische universitäre Unterricht. Die Zeit von Imam al-Kāẓim (a) war jedoch eine andere, denn die politische Lage ließ eine wissenschaftliche Bildungselite nicht zu, im Gegenteil, sie wurde sogar bekämpft. Damit war ein politischer Konflikt unabdingbar. Er hatte mit mehreren politischen Bewegungen begonnen. Ein revolutionärer, militärischer Aufbruch war jedoch nicht in Frage gekommen, da die Gesellschaft dafür nicht geeignet war. Die Mehrheit der Gesellschaft war von Frevel und Heuchelei oder Furcht vor dem Regime geprägt.[1. Aš-šaykh al-Kūlaīnī, al-Kāfī, Band 1, Seite 366] Eine Wirkung dieser Lage war, dass nur wenige Imam al-Kāzim (a) das Recht der Führerschaft (imāmah) zusprachen und der Großteil des Volkes – aus Furcht – dem Kalifat der Abbasiden stillschweigend ihre Treue erwiesen. Vor allem aber wurde von den damaligen Ministern und vom Kalifen selbst, alles dafür getan, dass dies so blieb. Die Abneigung des damaligen Kalifen Hārūn ar-Rashids gegenüber dem Imam (a) und den Imamen (a) an sich, kann man u.a. an folgender Begebenheit feststellen. Eines Tages besuchte Hārūn mit einer Delegation von Ministern und anderen wichtigen Staatspersönlichkeiten das Grab des Propheten (s), wobei Imam al-Kāẓim (a) ebenfalls anwesend war. Hārūn sagte dem Prophetengrab zugewandt: „Der Frieden sei mit dir oh Cousin (Sohn des Onkels).“ Damit prahlte er vor den Anwesenden und dachte, dass dadurch sein Kalifat höheres Ansehen und Legitimität erränge. Jedoch sprach dann der Imam (a) seinen Friedensgruß: „Der Friede sei mit dir oh Vater.“ Dieser Satz ließ Hārūn ar-Rashīd seinen Verstand verlieren und wütend werden: „Wieso sagst du, dass du dem Gesandten Gottes näher bist als wir?“ Daran kann man die Boshaftigkeit und den Neid Hārūns gegenüber die Imame (a) erkennen. Imam al-Kāẓim (a) entgegnete: „Wenn der Gesandte Gottes lebend zurückgeschickt worden wäre, und die Heirat mit deiner Ehrenwerten (d.h. Tochter) wünschte, würdest du dem einwilligen?“ Hārūn sagte: „Gepriesen sei Gott! Wahrlich, ich wäre darüber stolz gegenüber den Arabern und Nichtarabern.“ Der Imam (a) sagte: „Er (der Gesandte Gottes) würde von mir (meinen Töchtern) nicht die Heirat erfragen, und ich würde sie ihm auch nicht zur Heirat freigeben, denn er ist unser Vater und nicht euer Vater. Daher sind wir ihm näher als ihr ihm.“[2. Al-Qarašī, Ḥayāh al-ʾImām ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 78]

Dem Imam (a) war es mit der Hilfe einiger seiner Schia gelungen, in das Regierungszentrum zu gelangen, indem er (a) Spitzel einsetzte. Dadurch war es dem Imam (a) und seinen engen Anhängern möglich, die Schritte und Regierungsentscheidungen zu erfahren und daraufhin einen weiteren Blick in das politische Geschehen von Innen zu bekommen. Und wenn das nicht immer möglich war, dann mindestens, um Unterdrückten im Volke zu helfen, falls sie mitbekamen, dass ein Urteil über sie ausgesprochen werden soll. Einer dieser Vertrauensmänner (V-Mann) war ʿAlī bin Yaqṭīn, der ein Minister Hārūns war. Bei Hārūn selbst war er ebenfalls sehr angesehen, so sehr, dass er üppige Geschenke von ihm bekam. ʿAlī bin Yaqṭīn hatte von Hārūn ein luxuriöses Obergewand geschenkt bekommen, das ʿAlī – aus Liebe zum Imam (a) – sofort dem Imam (a) schenken wollte. Doch der Imam (a) erwiderte, dass er darauf aufpassen und es nicht aus seiner Hand geben soll, da ihm eine Sache widerfahren wird, in der er dieses Obergewand benötigt.[3. Al-ʿAllāmah al-Maǧlisī, Biḥār al-ʾAnwār, Band 48, Seite 137] Tatsächlich sollte dieser Tag kommen. Ein Arbeiter des Regierungsapparates berichtete Hārūn über die „Untreue“ ʿAlī bin Yaqṭīns, weil dieser dem Imam (a) jenes Kleidungsstück geschenkt hätte. Woraufhin Hārūn ihn vorlud, um herauszufinden, was er damit gemacht hat. ʿAlī bin Yaqṭīn antwortete jedoch, dass er das Obergewand „natürlich“ bei sich habe. Nachdem er es Hārūn zeigte, wurde Hārūn erzürnt über seinen Arbeiter und tadelte ihn. 

Imam Mūsā al-Kāẓim (a) hat seine Ablehnung gegenüber die illegitime herrschende Führung der Abbasiden nicht versteckt, sondern im Gegenteil, er hat sie öffentlich erkennbar gemacht. Dies stärkte Hārūn in seinem schon vorhandenen Hass gegenüber den Imam (a) und seine Schia. Hārūn ar-Rashīd hatte an sich ein Problem mit allen Persönlichkeiten, die einen hohen Stand in der Gesellschaft genossen. Allein schon das bloße Reden in seiner Anwesenheit über eine große Person hat ihn aufgeregt und dies sofort unterbunden. Dies kann auch an der Beseitigung und Auslöschung der Barmakiden sehen. Sie hatten unter dem abbasidischen Herrscher Hārūn ihre Blütezeit und wurden seine engsten Vertrauten und erhielten Funktionen im Staatsapparat. Bis sie jedoch ihren Namen unter den Menschen verbreiteten und einen gewissen Rang erreichten. Dennoch gebührte den Aliden (Schia) der eigentliche Hass und Neid Hārūns. Immer wieder ließ er (und seine Vorgänger) ihre Anhänger auf die übelste Art und Weise verfolgen und hinrichten. Und natürlich war der Edelste unter ihnen, Imam Mūsā al-Kāẓim (a), zu seinem Staatsfeind Nummer Eins geworden. Immer signifikanter und ersichtlicher wurde sein Einfluss und Vorbildcharakter in der Gesellschaft. Dies war der Hauptgrund gegen ihn (a) vorzugehen. Einige Hofierer Hārūns verleumdeten den Imam (a), indem sie falsche Informationen über ihn (a) verbreiteten und Hārūn damit provozierten. Schließlich wurde der Imam (a) 179 n.H. im Monat Schawwāl festgenommen und eingesperrt. Dies passierte in der Prophetenmoschee in Medina, als Imam al-Kāẓim (a) dort sein Gebet verrichtet. Als er (a) noch im Gebet vertieft war, ergriffen sie ihn (a), wurde gefesselt und weggebracht. Der Imam (a) beklagte sich beim Propheten (s) über seine Festnahme. Die Emotionen des Imam (a) lösten aus, dass die Menschen anfingen, zu weinen und dass es eine große Unruhe gab. [4. Maāqib aš-šīʿah, Band 2, Deite 385; ʿUyūn ʾAḫbār ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 208, Ḥadīṯ 85]

Der Imam (a) wurde nach Basra (Irak) in ein Gefängnis gebracht, das von ʿIsā bin Ǧaʿfar al-ʿAbbāsī geführt wurde. Er (a) wurde hineingebracht und hinter ihm (a) die Schlösser verriegelt. Hārūn hat ʿIsā empfohlen, den Imam (a) sofort umzubringen, was ʿIsa jedoch erst mit seinen Vertrauten besprechen wollte. Diese rieten ihm davon ab und daraufhin hat er es unterlassen. Dem Abbasidenherrscher war diese Entscheidung jedoch zu milde, woraufhin er Imam al-Kāẓim (a) nach Bagdad verlegte, um bei Al-Faḍl bin ar-Rabīʿ unter Hausarrest zu stehen. Nach längerer Zeit wurde der Imam (a) aus der Gefangenschaft freigelassen und war in Bagdad auf freiem Fuß. Als jedoch auch in jener Stadt die Vorzüge und edlen Charaktereigenschaften des Imams (a) bekannt und unter den Menschen ersichtlich wurden, war dies der Grund für Hārūn den Imam (a) ein weiteres Mal einzusperren. Diesmal sollte er (a) bei einem Mann namens Al-Faḍl bin Yaḥyā al-Barkamiy unter Hausarrest stehen. Als dieser jedoch die tiefgründigen Gottesdienste und das demütige Gedenken Gottes des Imams (a) mitbekam, wurde er davon angezogen und wurde milde mit dem Imam (a). Hārūn wiederum empfahl auch ihm seinen „Häftling“ zu töten, was dieser jedoch ablehnte und erzürnte damit den Kalifen. Es sollte nun zum letzten Wechsel des Gefängnisses kommen. Hārūn befahl den Imam (a) in das Gefängnis von As-Sindiy bin Schāhik zu bringen und dabei solle er (a) den schlimmsten Bedingungen ausgesetzt sein. As-Sindiy war herzlos und gehorchte dem abbasidischen Herrscher, was ihn dazu brachte, dass er den Imam (a) mit mehreren sehr schweren Eisenstücken ankettete, die Tür hinter ihm (a) verschloss und diese nur für die rituelle Waschung wieder öffnete. Dies sollte As-Sindiy jedoch nicht reichen, so nutzte er jede Möglichkeit, um dem edlen Imam (a) zu schwächen und zu quälen. 

Trotz all der Schwierigkeiten und Schwächungen im Gefängnis war Imam Mūsā al-Kāẓim (a) stets mit dem Gottesdienst beschäftigt. Am Tage fastete er (a) und Nachts stand er (a) im Gebet. Erwähnenswert ist vor allem auch die Verbindung des Imams (a) zu den Gelehrten der Gesellschaft trotz seiner strengsten Gefangenschaft. Ein Beispiel war Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy. Ihm wurde es gestattet den Imam (a) geheim zu besuchen, dies, weil er der Lehrer der Kinder As-Sindiys war.[5. Maḥmūd as-Saif, Al-Waǧīz fī Taʾrīḫ al-Islam, Band 3, Seite 220 2 Iḫtiyār Maʿrifah ar-Riǧāl, Seite 598, Ḥadīṯ 1119] Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy hat aus den gesammelten Gesprächen mit dem Imam (a) ein Buch verfasst und unter den Menschen verbreitet. Interessant ist auch, dass selbst die Kinder von As-Sindiy danach vom Führungsauftrag Imam Alis (a) überzeugt waren und die restlichen Imame (a) als ihre Imame (a) akzeptiert hatten.2 Weiterhin hat Imam al-Kāẓim (a) auf die Fragen der Menschen geantwortet, jedoch ist dies in Gefangenschaft sehr schwierig, so hat er (a) auch Bevollmächtigte ernannt. Jene waren einige seiner Schüler und Anhänger, die er für bestimmte Gebiete beauftragt hat die religiösen und allgemeinen Fragen der Menschen zu beantworten. Zudem waren einige von ihnen Stellvertreter des Imams (a), um sich um die finanziellen Rechte des Volkes zu kümmern. Ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt war die öffentliche Ernennung des Imams (a) nach ihm (a), damit kein Zweifel darüber besteht oder etwa dieses Thema politisch ausgenutzt werden könnte, wie es schon zuvor gemacht wurde. Der Imam (a) hat seinen Sohn Imam ʿAlī ar-Riḍā (a) schriftlich und mündlich zum Nachfolger ernannt. 

Trotz aller Strapazen und Schmerzen war es der Glaube an Gott und absolute Hingabe im Gebet, was den Imam (a) am Leben hielt. Es sind nun mehrere Jahre in Gefangenschaft vergangen. Die meisten Historiker schreiben, dass Hārūn ar-Raschīd As-Sindiy bin Schāhik empfahl den Imam (a) umzubringen. As-Sindiy war bereit dazu den Imam (a) zu ermorden. Hārūn hat einige vergiftete Datteln an As-Sindiy geschickt, die er dem Imam (a) geben sollte, was er dann auch tat. Der edelste Mensch zu seiner Zeit hatte mit dem Gift zu kämpfen und war stärksten Schmerzen ausgesetzt. Schließlich fand er am 25. Rajab 183 n.H. den Märtyrertod und ging in die Geschichte – für die, die sie unvoreingenommen betrachten – als eine der größten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte ein. Der Friede Gottes sei mit ihm. 

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Was ist „Taqlīd“ https://bufib.de/taqlid/ Sat, 17 Oct 2015 06:25:37 +0000 http://bufib.de/?p=1703 Im Alltag kommt es immer wieder vor, dass wir uns fragen: „Was ist das Rechtsurteil für dieses und jenes?“. Sei es in unserem Gebet, Fasten, Handel oder in einer anderen täglichen Arbeit. In Wirklichkeit sind jedoch nicht nur einzelne Dinge von einem Rechtsurteil begleitet, sondern jede Tat und jedes Unterlassen hat ein entsprechendes Urteil. Wenn ein Mensch sein Leben auf Gottes Weg widmen möchte, so sollte dies entsprechend dieser Richtlinie sein. Aber wie kann man nun wissen, welches das erforderliche Rechtsurteil ist? Folge ich meinem eigenem Unwissen? Bevor wir zur Beantwortung dieser Frage kommen, sollten wir dies anhand eines Beispiels verdeutlichen. 

Beispiel: Du bist krank und hast starke Schmerzen (möge Gott Dich und uns davor bewahren). Nachdem auch eine Schmerztablette nicht half, bist du verzweifelt und fragst dich „Was soll ich nur tun?“. Genau, was würdest Du tun? Was würde jeder Mensch mit Verstand (ʿaql) tun? Würdest du Dich selber versorgen oder gar operieren, wenn dies nötig wäre? Oder vielleicht Dein Freund? Oder würdest Du Deinen Mathematiklehrer fragen, ob er dich behandelt? Jeder vernünftige Mensch würde zu einem Arzt gehen, und nicht zu irgendeinem Arzt, sondern zu einem Spezialisten. 

Wenn man nicht zu einem Fachmann gehen würde, kann es sein, dass man noch kränker wird oder gar stirbt. Dies hätte also fatale Folgen. Dies ist nur ein Beispiel aus unserem Leben, jedoch könnte man noch viele andere anführen. Wie sieht es dann erst mit dem göttlichen Gesetz aus, das entscheidend für Bestrafung und Belohnung ist? In unserem immer mehr von der Materie abhängigem Leben, erkennen wir nur noch die für uns guten und schlechten Dinge in dieser Welt, wie z.B. Gesundheit oder Krankheit. Über den seelischen Zustand eines Menschen, der das eigentliche „Ich“ ist, blicken wir meist hinweg. 

Der Mensch ist so gestrickt, dass er in Dingen, über die er unwissend (jāhil) ist, sich an einen wissenden Menschen (ʿālim) wendet. Der vernunftbegabte Mensch, der Unwissen besitzt, stützt sich nicht darauf, sondern auf das Wissen. Und genau das ist mit dem arabischen Wort „taqlīd“ (arab.: تقليد) gemeint. Linguistisch gesehen stammt es vom Wort „qallada“ (arab.: قَلَّدَ) und bedeutet im Ursprung: „eine Halskette anlegen“. Dies ist jedoch in diesem Falle metaphorisch zu betrachten und meint, dass man jemanden die Verantwortung überträgt, d.h., dass man jemanden „eine Kette um den Hals legt“. Im Fachtermini bedeutet es, dass man jemanden in seiner Rechtsfindung (iǧtihād) befolgt bzw. nachahmt. Daher übersetzen wir „Taqlīd“ auch mit „Nachahmung“. Das Wort „Taqlīd“ findet man auch in anderen Bereichen wieder, wie z.B. in der Philosophie, in der Soziologie oder auch in der Linguistik. Wir beziehen uns in der islamischen Rechtswissenschaft jedoch auf den üblichen Gebrauch des Wortes „Taqlīd“, was soviel bedeutet, dass ein Unwissender sich an einen Wissenden wendet. Mit anderen Worten: der Laie (al-ʿāmī) überträgt dem Fachmann (ḫabīr) die Verantwortung der Erfüllung (Korrektheit) in den Dingen der Scharia, die er zu erbringen hat. D.h., dass der Laie sich in den Rechtsangelegenheiten (umūr al-fiqhiyah) auf die Rechtsfindung eines Rechtsgelehrten stützt und ihm damit die Verantwortung überträgt, dass seine Taten – entsprechend jener Rechtsfindung – ausreichend (muǧziʾ) sind.

In folgender Überlieferung können wir diesen Sachverhalt sehr deutlich erkennen: „Von ʿAbd ar-Raḥmān ibn al-Ḥaǧǧāǧ wird überliefert, dass er sagte: ‚‚Abu ʿAbdillah (a) saß in einer Runde mit Rabīʿah ar-Raʾī, als ein Beduine kam und Rabīʿah ar-Raʾī über eine Angelegenheit befragte, welche er beantwortete. Als er (Rabīʿah) still war, sagte der Beduine zu ihm: ‚Ist diese (Antwort) an deinem Halse?‘ (d.h.: ‘Bist du für diese Antwort verantwortlich?‘) Daraufhin blieb Rabīʿah still und antwortete ihm darauf nichts. So wiederholte er (der Beduine) die Frage und Rabīʿah antwortete wie zuvor. Daraufhin sagte der Beduine: ‚Ist diese an deinem Halse?‘ Rabīʿah blieb still. Da sagte Abu ʿAbdillah (a): ‚Sie (die Antwort) ist an seinem Halse, ob er dies sagte oder nicht sagt und jeder Mufti ist verantwortlich (ein Bürge).‘“ [1. Al-Kāfī, Band 7, Seite 409, Hadīṯ 1; Wasāʾil aš-šīʿah, Band 27, Seite 220] Anhand dieser Überlieferung können wir den Bezug zum linguistischen Ursprung des Wortes „Taqlīd“ und seiner fachterminologischen Bedeutung  deutlich erkennen.

Geschichte des „Taqlīds“   

Wie zuvor erwähnt bedeutet „Taqlīd“, dass der Unwissende – in seinem Unwissen – sich an den Wissenden wendet oder wie es auch in der Fachsprache heißt: „Rückgriff des Unwissenden auf den Wissenden“ (ruǧūʿ al-jāhil ilā al-ʿālim). Da das Prinzip der „Nachahmung“ einer so klaren Angelegenheit des Verstandes unterliegt, gab es sie schon – im islamisch rechtlichen Sinne – zur Zeit des Propheten Mohammad (s). Dies fand mit der Bestätigung des Propheten (s) selbst statt. Er (s) entsandte zum Beispiel Leute nach Medina, Yemen und andere Orte, um den Menschen dort als Rechtsgelehrte dienlich zu sein. D.h. sie waren dafür zuständig den Menschen den Islam zu erklären und zugleich die Rechtsfragen des Volkes zu beantworten. Der heilige Gesandte (s) konnte nicht überall gleichzeitig sein, daher baute er ein Netzwerk aus einigen seiner Gefolgsleute (ṣaḥābah) auf, die zu Gelehrten ausgebildet und dann in die verschiedenen Orte geschickt wurden. Die Muslime in jenen Orten kamen dann mit ihren Rechtsfragen zu ihnen, die Gefolgsleute des Propheten (s) antworteten darauf und die Muslime handelten danach. Genau das ist, was an dieser Stelle mit „Nachahmung“ (taqlīd) gemeint wird. Wenn also gefragt werden sollte, seit wann es „die Nachahmung“ (at-taqlīd) gäbe, so sollte man sich die Antwort vom verehrten Großgelehrten Sayyed al-Khoi (r) anschauen: „Die Nachahmung existierte schon zur Zeit des Gesandten (s) und zur Zeit der Imame (a), denn die Bedeutung der Nachahmung ist: das Befolgen des Unwissenden gemäß des Verständnisses des Wissenden. Und es ist klar, dass nicht jeder zu jener Zeit dazu in der Lage war den edlen Gesandten (s) oder einen der Imame (a) zu erreichen, um religiöses Wissen von ihnen direkt zu erlangen, und Allah ist der All-Wissende.“ [2. Masaa-il wa Ruduud, B. 2, S. 5] Ähnliches können wir auch vom „Sheikh der Rechtsschule“ Abū Ǧaʿfar Muḥammad bin Al-Ḥasan aṭ-Ṭūsī (r) in seinem Buch „ʿIddah al-Usūl“ entnehmen. Historisch gesehen kann man sehr gut verfolgen wie die Nachahmung in der Zeit der reinen Imame (a) angewandt wurde. In jedem Abschnitt eines Imams (a) gab es bestimmte Persönlichkeiten, die besonders gelehrt und vertraut waren, um den Posten eines Rechtsgelehrten einnehmen zu können. Zum Beispiel wurde Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a) gefragt, was die Leute machen sollen, wenn sie Fragen hätten und sie nicht bei ihm (a) anwesend sein können, um ihn (a) zu fragen. Der heilige Imam (a) antwortete: „Wende dich an Al-Asadī“, d.h. an Abā Baṣīr. In einer anderen Überlieferung antwortete er (a) einer anderen Person: „Was hält dich von Muḥammad bin Muslim Aṯ-Ṯaqafī ab, er hat (Überlieferungen) von meinem Vater gehört und er (Imam al-Bāqir, a.) war zufrieden mit ihm (Muḥammad bin Muslim Aṯ-Ṯaqafī) und hatte eine (hohe) Stellung bei ihm.“ Eine weitere Person, der er (a) einen solchen Rang zusprach war Al-Ḥāriṯ bin Al-Muġīrah Al-Basrī. D.h. Imam aṣ-Ṣādiq (a) hat öffentlich diese drei Persönlichkeiten zu Rechtsgelehrten erklärt, die die Menschen fragen konnten und ihre Antworten ausreichend (muǧziʾ) sind. Weitere Beispiele: Der heilige Imam Ali bin Mūsā ar-Riḍā (a) hat u.a. Zakārīya bin Ādam al-Ma’mūn und Yūnis bin ʿAbd ar-Raḥmān ernannt. Es wird von Abī Ali bin Rāshid von Abī Ǧaʿfar aṯ-Ṯānī (a) (d.h. Imam Muḥammad al-Ǧawād, a.) überliefert: „‚… Unsere Gefolgsleute sind sich uneinig, darf man hinter den Gefolgsleuten von Hishām bin al-Ḥakam beten?’ Er (Imam Muḥammad al-Ǧawād, a.) sagte: ‚Wende dich an Ali bin Ḥadīd.‘ Er (Abī Ali bin Rāshid) fragte: ‚So befolge ich sein Wort?‘ Darauf sagte er (a): ‚Ja.‘“ [3. Sayed Rida as-Sadr, al-Ijtihad wat-Taqlid, S. 91 – 94]

Solche und ähnliche Begebenheiten können wir im Leben des Propheten (s) und aller Imame (a) sehen. Außerdem können wir unter den Menschen damals keine Ablehnung oder Widerstand gegen die „Nachahmung“ in der Geschichte feststellen. Im Gegenteil, sie haben als selbstverständlich angenommen, was jedoch nicht verwunderlich ist, da der menschliche Verstand den unwissenden Menschen dazu führt, einen Wissenden zu befragen. 

Taqlīd in der Rechtswissenschaft

Die meisten Rechtsgelehrten (fuqahāʾ) definieren „Taqlīd“ folgendermaßen: „Die Nachahmung (taqlīd) ist das Handeln gemäß eines Rechtsurteils (fatwā) des Rechtsfinders (al-muǧtahid).“ Dies bedeutet, dass der Laie gemäß der Rechtsfindung (iǧtihād) des Rechtsgelehrten handelt. 

Kommen wir nun zu einigen Fachtermini, die wir in Bezug auf die Nachahmung immer wieder gebrauchen werden:

1. Taqlīd, d.h. die (religionsrechtliche) Nachahmung (bzw. Befolgung)

2. Muqallid (dt. Nachahmender), dies ist die (religiös erwachsene) Person, die einen Rechtsgelehrten in seiner Rechtsfindung nachahmt. 

3. Muqallad (dt. Nachgeahmter), dies ist Person, dessen Rechtsfindung nachgeahmt wird. Diese Person hat den Rang der selbstständigen Rechtsfindung erreicht und weitere spezielle Voraussetzungen sind ihm eigen, so dass man ihn rechtlich gesehen nachahmen darf. Andere Bezeichnungen für diese Person sind auch: Marǧaʿ at-Taqlīd  (dt. Vorbild der Nachahmung) oder Mufti.

4. Al-Iǧtihād (dt. selbstständige Rechtsfindung), dies ist der Rang, den ein Gelehrter (ʿālim) erreicht, wenn er selbstständig dazu fähig ist, aus den islamisch-rechtlich anerkannten Rechtsquellen die Rechtsurteile abzuleiten. Diese Wissensstufe benötigt eine sehr lange und strikte Lehre und Ausbildung, bis man diese erreichen kann. Außerdem gibt es mehrere Bedingungen bis diese anerkannt ist. Wenn er dies in allen Bereichen des islamischen Rechts beherrscht, so bezeichnet man ihn als „muǧtahid kullīy“ (dt. vollständiger Rechtsgelehrte) und wenn nur in einigen Bereichen, so bezeichnet man ihn als „muǧtahid mutaǧazziʾ’“ (dt. partieller Rechtsgelehrte).

5. Muǧtahid (dt. Rechtsfinder, Rechtsgelehrter), dies ist die Person, die die selbstständige Rechtsfindung erreicht hat.

Sobald ein Gelehrter bzw. eine Gelehrte (selbstständig) wissend über ein Rechtsurteil (ḥokm šarʿīy) ist, d.h. dass, wenn er oder sie selbst aus den islamisch rechtlich anerkannten Rechtsquellen ein Rechtsurteil abgeleitet hat und von der Richtigkeit überzeugt (mutayaqqin) ist, so wäre das Prinzip der Nachahmung für diese Person nicht mehr korrekt. Diese Person wäre wissend in einer bestimmten rechtlichen Angelegenheit. Das Prinzip der Nachahmung bedeutet jedoch „die Rückkehr des Unwissenden zum Wissenden“, was hier nicht mehr gegeben wäre. Daher findet das Prinzip der Nachahmung beim (selbstständigen) Rechtsfinder bzw. Bei der (selbstständigen) Rechtsfinderin keine Anwendung und wäre sogar unvernünftig. Alle anderen, außer dem/der Rechtsfinder/-in, haben dem Prinzip der Nachahmung zu folgen. 

In dem islamischen Recht wird der religiös Verantwortliche (al-mukallaf) in Bezug auf die „Nachahmung“ in drei unterteilt:

1.) Nachahmender (muqallid)

2.) Nach der Vorsicht Handelnder (muḥtāṭ)

3.) Rechtsfinder (muǧtahid)

Der Nachahmende ist derjenige, der eine bestimmte Person in seiner Rechtsfindung bzw. seine Rechtsurteile nachahmt. Der nach der Vorsicht (al-iḥtiyāṭ) Handelnde ist jener, der aus den Rechtsurteilen aller Rechtsfinder, egal ob lebend (ḥayy) oder verstorben (mayit), den sichersten Weg wählt. Nach der Vorsicht zu handeln ist an sich eine sehr schwierige Angelegenheit und benötigt ein sehr langes Studium, da man die Rechtsurteile von allen Rechtsfindern seit Beginn des Islams kennen und eben auch danach handeln muss. Schließlich ist dies im weitesten Sinne auch eine Form der Nachahmung. Auf den Rechtsfinder sind wir zuvor schon eingegangen. Er ist also jemand, der keinen anderen Rechtsfinder nachahmt, sondern selbst die nötigen Rechtsurteile ableitet und danach handelt.   

Hier zwei vereinfachte Beispiele, wie jemand handeln müsste, der nach der Vorsicht handelnd ist:

1.) Unter den Rechtsgelehrten gibt unterschiedliche Meinungen zu der Zugehörigkeit der „Basmala“, d.h., ob sie zu den Suren an sich gehören oder nicht (außer „Die Eröffnende“ – al-Fātiḥah – worin Einigkeit herrscht, dass sie dazugehört). D.h., einige Rechtsgelehrte meinen, dass die „Basmala“ ein Teil der Sure ist und andere wiederum negieren dies. Manche könnten sich nun fragen, was dies denn für einen Unterschied in den Gottesdiensten machen würde. Im Gebet jedoch macht dies einen signifikanten Unterschied, ob es nun ein Teil der Sure ist oder nicht. Wenn die „Basmala“ ein spezieller Teil der Sure wäre, so müsste man, bevor man mit der zweiten Sure im Gebet beginnt, beabsichtigen welche Sure man rezitieren möchte. Wenn man dies nicht tun würde, d.h. erst nach dem Beginn mit der „Basmala“ die Sure wählen, so hätte man einen Fehler im Gebet gemacht, da man eine unberücksichtigte (muhmalah) „Basmala“ rezitierte, d.h. ohne eine genaue Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sure.  Dies kommt daher, da die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Sure auch eine spezielle Bedeutung voraussetzt. Wenn man jedoch der Ansicht wäre, dass die „Basmala“ kein spezieller Teil einer Sure ist, so wäre das Gebet i.o. genannten Fall gültig. Wenn man nach der Vorsicht handelt, dann müsste man das tun, wobei man auf der sicheren Seite wäre, d.h. in diesem Fall, dass die „Basmala“ ein spezieller Teil der Sure ist.

2.) Einige Rechtsgelehrte sagen, dass man am Studienort, wenn es nicht der eigene Heimatort (waṭan) ist und man sich dort nicht mindestens zehn Tage hintereinander aufhält, dann müsse man dort die Vierer-Gebete [4. D.h. das Mittag- (aẓ-ẓuhur), Nachmittag- (al-ʿaṣr) und Spätabendgebet (al-ʿišāʾ)] auf Zweier-Gebete verkürzen (qaṣr). Wiederum sagen andere Rechtsgelehrte, dass man dort nicht verkürzen dürfe. Nun ist es hier die Aufgabe eines nach der Vorsicht Handelnden beides zu beten, d.h. einmal verkürzt und einmal nicht verkürzt oder umgekehrt. 

Dies war jedoch nur eine sehr starke Vereinfachung seines Handelns. Wie ist es dann erst bei tausenden von anderen Rechtsfragen, in denen man alle möglichen Rechtsurteile aller Rechtsgelehrten kennen?! 

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Scharia und Fiqh https://bufib.de/scharia-und-fiqh/ Fri, 16 Oct 2015 10:12:12 +0000 http://bufib.de/?p=1698

Aufgrund der immer wieder aufflammenden Debatte über das islamische Recht und seine Ausprägungen, möchten wir an dieser Stelle auf zwei Begrifflichkeiten näher eingehen, um Klarheit zu schaffen. In vielen sog. „Expertengesprächen“ und vor allem aus den Stimmen des Volkes, können wir eine Vermischung beider Termini (Scharia und Fiqh) wahrnehmen.

Die „Scharia“ (arab.: „الشريعة“, aš-šarīʿah) stammt von „َشَرَع“ (šaraʿa) und bedeutet im Ursprung: Weg zur Tränke bzw. Wasserstelle. Im islamischen Kontext bedeutet es jedoch „das offenbarte Gesetz Gottes“ bzw. auch das „kanonische Gesetz“. Der Zusammenhang zwischen dem linguistischen Ursprung und dem islamischen Fachtermini liegt darin, dass der Mensch, wenn er allein auf sich gestellt wäre verdursten würde und der göttliche Weg symbolisiert jene Wasserquelle, wodurch der Mensch überleben kann. Die Scharia führt zur Quelle der Offenbarung, zur Zufriedenheit Gottes und dem inneren Frieden des Menschen. Im gesamten Heiligen Koran kommt das Wort „šarīʿah“ nur ein Mal vor und dies im Zusammenhang mit dem Islam als Religion (45:18). Wir können also festhalten, dass die Scharia eine Reihe von Gesetzen und Vorgaben ist, die Gott, der Erhabene, dem Menschen offenbart hat, die ihr Leben – sei es privat oder gesellschaftlich – zum Guten leitet. Daher wird Gott auch als „der heilige Gesetzgeber“ (aš-šāriʿ al-muqaddas) bezeichnet, d.h. Der Urheber und Offenbarer des religiösen Gesetzes.

Das arabische Wort Fiqh (arab.: ٌفِقْه) stammt von „َفَقِه“ (faqiha; dt.: verstehen, begreifen) und bedeutet „Verständnis, Kenntnis, Einsicht“. Im islamischen Kontext bedeutet es „islamische Rechtswissenschaft“. Dr. ʿAbdul-Hādī al-Faḍlī schreibt in seinem Buch „Mabādiʾ ʿilm al-Fiqh“: „Al-Fiqh ist die Kenntnis von den Urteilen der praktischen Scharia (al-aḥkām aš-šarīʿah al-farʿiyah) und ihre differenzierten Beweise.“ Kurz gesagt, es ist die Kenntnis vom islamischen Recht. So können wir sagen, dass Fiqh sich lediglich auf den praktischen Teil der Religion bezieht und nicht etwa z.B. Auf die Glaubensüberzeugungen (ʿāqīdah). Außerdem müssen wir festhalten, dass Fiqh eine angewandte Wissenschaft vom Menschen ist und die Scharia dagegen die unantastbare, authentische Basis, die zu erreichen ist. Die Rechtsgelehrten, die sich mit Fiqh beschäftigen nennt man auch „Fuqāhāʾ“ bzw. im Singular „Faqīh“ (männlich) und „Faqīhah“ (weiblich). Die Grundlage bzw. die Quellen der Rechtswissenschaft (maṣādir al-fiqh) sind vier:

1. Das Buch (al-kitāb), d.h. der Heilige Koran, das authentische Wort Gottes und primäre Rechtsquelle. In ihm sind in etwa 500 sog. Verse der Urteile (ayāt al- aḥkām) enthalten, d.h. Verse, die einen juristischen Bezug haben.

2. Die Tradition (as-sunnah), d.h. die Rede (al-qawl), die Handlung (al-feʿl) und die Bestimmung (at-taqrīr) des Propheten Mohammad (s) und der reinen Imame (a).

3. Der Konsens (al-iǧmāʿ), d.h. eine Übereinstimmung der Gelehrten auf ein religiöses Urteil.

4. Die Vernunft (al-ʿaql)

Vor allem die letzten beiden Rechtsquellen benötigen einer ausführlicheren Darlegung, um sie besser zu verstehen, da sie sehr viele Voraussetzungen erfüllen müssen, um rechtsfähig zu sein. Dies jedoch an einer anderen Stelle.

Abschließend können wir sagen, dass ein sichtbarer Unterschied zwischen Scharia und Fiqh existiert. Die Scharia ist die göttlich offenbarte, die reale Gesetzgebung und im Fiqh versucht ein Rechtsgelehrter bzw. eine Rechtsgelehrte die Urteile jener Gesetzgebung zu erschließen bzw. freizulegen.

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Epilog https://bufib.de/epilog/ Wed, 14 Oct 2015 22:03:25 +0000 http://bufib.de/?p=1677 Was war der Standpunkt des Imams (a)? Der Imam (a) änderte seinen Standpunkt vom Anfang des Aufstandes bis zum Martyrium kein einziges Mal. Dies wird ersichtlich, wenn wir uns sein Testament an Mohammad ibn al-H’anafiyah (r) anschauen, das er ihm, kurz bevor er (a) sich auf den Weg nach Mekka machte, vortrug: „Ich erhebe mich weder arrogant, weder übermütig, weder korrupt, noch unterdrückend, sondern erhob ich mich, um Recht und Ordnung in der Gemeinschaft meines Großvaters zu schaffen. Ich möchte Gutes gebieten und Schlechtes verbieten und nach der Lebensweise meines Großvaters und meines Vaters Ali bn Abi Talib leben.“125

In diesen kurzen Zeilen machte der Imam (a) auf alle Gründe seiner Revolution aufmerksam. Das zentrale Thema seines Aufstandes ist „die Schaffung von Recht und Ordnung“ (al-is’laah‘). Um diese Tatsache zu verstehen, benötigten wir all das zuvor gesagte. Der Islam hing am letzten seidenen Faden und war nur noch ein Atemzug davon entfernt, vollständig ausgelöscht zu werden. Imam al-Hussein (a) wusste trotz der niedrigen Anzahl an Kämpfern die er hatte, was zu tun war. Die reinen Worte des Beweises Gottes auf Erden und des gesamten Universums sagte folgenden einen Satz, der eine komplette Lebensphilosophie gegründet hat: „Wenn ich mich zwischen Krieg und Unterwürfigkeit entscheiden müsste, so wehe der Unterwürfigkeit!“ Welche Unterwürfigkeit meint der Imam (a)? Es ist die Unterwürfigkeit des Verstandes gegenüber der Unwissenheit und der materiellen Habgier. Es ist die Unterwürfigkeit des Herzens gegenüber dem Hass und der menschlichen Eingeschränktheit. Es ist die Unterwürfigkeit der Seele gegenüber tierischer Manie126.

Der Aufschrei Imam al-Husseins (a) ist der Schrei nach Freiheit, Freiheit, durch die der Mensch Allah (swt) erkennt. Es ist der Schrei nach Leidenschaft, Leidenschaft, durch die der Mensch Liebe exhaustiv127 entdeckt. Es ist der Schrei nach Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, durch die der Mensch Progression128 erfährt. Imam al-Hussein (a) hat mit seiner heiligen Revolution in Kerbala sowohl den Islam als auch den Muslim neu geboren. Nach absoluter Dunkelheit kam wieder Licht ins Leben.

Aus Aschura entstand eine Schule, die mit dem Blut Imam Hussains (a) geschrieben wurde, wie es Shahid Mutahhari (r) bezeichnete. Alles was wir haben, haben wir von Kerbala, wie sich Imam Khomeini (r) ausdrückte. Er meinte damit, dass die islamische Revolution nur zustande kommen konnte, weil sie den Aufschrei Imam Husseins (a) in ihren Adern hatten. Es ist der Pfad der Freiheit.

Wo stehen wir heute? Ist es nicht so, dass wir Menschen, wieder einmal, mit dem ‚Leben‘ des Islams spielen? Aschura ist keineswegs nur ein historisches Thema, das man einmal im Jahr aus dem Bücherregal holen sollte. Aschura ist eine Einstellung, es ist eine Lebensphilosophie, es ist ein Weg. So wie der Ausspruch schon wahrhaftig sagt: „Jeder Ort ist Kerbala und jeder Tag ist Aschura.“ Wie gehen die meisten Muslime mit Aschura nach über 1370 Jahren mit dem Ereignis Aschura um? Es ist zu einer einzigen Trauerveranstaltung geworden. Was an sich nicht falsch ist, denn wie wir im ersten Kapitel gesehen haben, hat selbst der Prophet Mohammad (s), noch vor dem Martyrium seines Enkels Imam Hussein (a), geweint und ist somit prophetische Tradition. Aber ist das alles, was uns Imam Hussein (a), Sayyida Zeinab (a), Imam al-Abbas (a), Imam Zayn al-Abidin (a) und die restlichen treuen Gefolgsleute des Imam (a) mitteilen wollten? Was will der Imam (a) von uns? Möchte er (a), dass wir uns verschließen und nichts tun, außer weinen und nachtrauern? Oder möchte er (a), dass wir uns weiter entwickeln, indem wir uns den Angelegenheiten der muslimischen Weltengemeinschaft widmen?

Es gibt Muslime, die sich blind zurückziehen und brav ihre Gottesdienste verrichten, jedoch mehr gibt es nicht. Sie verstehen unter Gottesdienst lediglich das Gebet, Fasten, Pilgerfahrt und die Einfünftelabgabe (khums). Aber nein! Der Islam ist noch viel mehr. Imam Khomeini (r) verdeutlicht dies, indem er sagt, dass der Mensch nicht seine Religion zu einem Teil seines Lebens machen soll, sondern das Leben zu einem Teil seiner Religion.

Wir müssen darüber glücklich sein, dass wir so viele große islamische Gelehrte haben, die sich tagtäglich mit den Angelegenheiten der Muslime in der Welt auseinandersetzen. Ihnen geht es nicht nur um die Beantwortung der juristischen Fragen, sondern um Recht und Ordnung in der Gesellschaft. Dies ist die Ansicht der Befolger des Systems der Führung des Rechtsgelehrten. Sie sehen an, dass der Rechtsgelehrte, der die nötigen Bedingungen erfüllt, dieselben Aufgaben, wie der unfehlbare Imam (a) hat, außer worin es beweisbare gesetzliche Ausnahmen gibt. Ihre Aufgabe ist es, die Religion zu erläutern, die Religion walten zu lassen, die Verteidigung der Religion, sei es nun auf wissenschaftlicher oder politischer Ebene und vor allem, dass sie sich um die Angelegenheiten und Probleme der Muslime kümmern. Da dies eine Ansicht ist, die mit der Denkweise der Verständigen absolut übereinstimmt, ist dies auch unter der Mehrheit der Rechtsgelehrten in der Geschichte und Gegenwart der Schiiten wieder zu finden.129

Liebe Leserin und lieber Leser, lasst uns unsere Religion neu erkennen und erforschen. Dafür benötigen wir aber Bildung und Aufrichtigkeit (ikhlaas). Diese sind im 21. Jahrhunderts die Waffe gegen die Unterwerfung, von der Imam al-Hussein (a) sprach. Ein Muslim ohne Bildung und Aufrichtigkeit kann ganz schnell zu einem der damaligen Leute von Kufa werden, die aus Unwissenheit und materiellen Trieben, ihren Imam (a) verraten hatten. Sobald der erwartete Imam, Imam al-Mahdi (af) erscheint, sind wir dann wie die Leute aus Kufa oder wie die Gefolgsleute Imam Husseins (a) in Kerbala?!

Gestützt der Worte Imam Khomeinis (r) in seinem Buch „Der islamische Staat“ bittet dich Dein ergebener und armer Diener, oh Allah, erwecke die Staatsoberhäupter, die behaupten islamische Staaten zu regieren, aus ihrem tiefen Schlaf, so dass sie im Interesse der Völker tätig werden und auf Streit und Spaltung in der islamischen Welt verzichten. Oh Allah, hilf der Jugend und den Studenten der Theologie und anderen Fachrichtungen, dass sie sich zur Verwirklichung der heiligen Ziele des Islams erheben und sich vereint um die Befreiung vom Joch des Imperialismus und seiner heimtückischen Handlanger und um die Verteidigung ihrer Religion und Mitmenschen bemühen. Stehe den Rechtsexperten und Gelehrten bei, dass sie die Menschen führen, die Gesellschaft aufklären, den Muslimen, insbesondere der jungen Generation, die heiligen Ziele des Islams verständlich machen. Oh Allah, beschleunige das Erscheinen des Erlösers. Lass uns seine Gefolgsleute sein, so wie es den Gefolgsleuten Imam Hussains (a), Deinem Liebling, ermöglicht wurde. Wahrlich, Du bist es, der Gelingen schenkt. Und keine Macht und Kraft ist außer der göttlichen, der des Erhabenen und Allmächtigen.

Fußnoten:

125 Al-Khawaazimiy, Maqtal al-Hussein (a), Band 1, S. 188

126 Begierde

127 vollständig, komplett

128 Entfaltung, Erhöhung, Fortschritt

129 Shaikh an-Naraaqi (r) hat in seinem Werk A’waa-id al-Ayaam auf Seite 187-188 sogar gesagt, dass darin eine Übereinstimmung (ijmaa‘) unter den Rechtsgelehrten besteht. Sicherlich kamen nach ihm eine kleine Anzahl von Rechtsgelehrten, die dem widersprachen, dennoch, wenn man objektiv an die Sache herangeht, dann wird man erkennen, dass die absolute Mehrheit der Rechtsgelehrten, die Theorie von der Führerschaft des Rechtsgelehrten (wilaayatul-faqiih), vertreten.

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Politische Lage (Teil 4) https://bufib.de/politische-lage-teil-4/ Wed, 14 Oct 2015 21:59:35 +0000 http://bufib.de/?p=1676 Yazid soll „Thronfolger“ werden

Eigentlich wurde die Thronfolge, wie man die Nachfolge Muawiyahs tatsächlich nennen muss, schon vor dem Martyrium Imam al-Hassans (a) festgelegt, jedoch war dies Muawiyah, aufgrund von Oppositionellen und äußeren Faktoren97, nicht möglich. Man könnte aber auch sagen, dass er selbst gierig nach Macht war und nicht mal seinem eigenen Sohn etwas gegönnt hatte. Außerdem wollte Muawiyah, dass sich die Leute langsam daran gewöhnen, dass sein Sohn, der damals noch keine dreißig Jahre alt war, der neue Kalif und im Sinne Muawiyahs: „Kaiser“ der Muslime werden sollte. Aber weshalb „daran gewöhnen“? Dies, weil die letzten fünf Kalifen (Abu Bakr, Omar, Uthman, Imam Ali (a) und Imam al-Hassan (a)) keine Erbfolge von einem davor waren.98 Wie gesagt, führte Muawiyah auf allen Ebenen ein neues Herrschaftssystem ein, das die islamische Nation noch nie zuvor zu Gesicht bekam und auch islamisch nicht haltbar war. Es war eine Art Kaiserreich, das angelehnt an das Byzantinische Reich aufgebaut werden sollte: das „Umayyaden-Reich“.99

Wieder einmal wurden Leute gekauft, um zu bezeugen, dass Yazid, der Sohn Muawiyahs, der geeignetste Nachfolger sei. Schließlich, nach einigen Vorbereitungen war das Angestrebte erreicht. Dah’aak ibn Qays, ein Gefolgsmann Muawiyahs, hatte jemanden beauftragt folgendes zu machen: „Wenn sich die Gouverneure bei mir einfinden, werde ich zunächst nichts sagen. Du aber wirst Yazid als Kalifennachfolger vorschlagen …“ Dann hat jemand, auf Muawiyah weisend, gesagt: „Er ist der Fürst der Gläubigen, und wenn er stirbt, wird er es sein.“ Bei diesen Worten zeigte er auf Yazid. Dann, mit dem Griff zum Schwert, sagte er: „Wer damit nicht einverstanden ist, der wird dies (das Schwert) zu spüren bekommen.“ Ein anderer, A’mr ibn Sa’id al-Aschdaq sagte: „Yazid ist genau der, den ihr euch wünscht. Seine Gerechtigkeit ist die, die ihr wollt.“100 Neben diesen Irregegangenen, gab es noch eine Reihe weiterer, die ihre Religion, und letzten Funken Ehre, für weltliche Ziele verkauft haben, und sprachen sich für Yazid aus. Als Marwan ibn al-Hakam die Leute von Medina aufforderte, Yazid als zukünftigen Nachfolger Muawiyahs anzuerkennen, bekräftigte er dies mit dem Satz: „Muawiyah ist diesbezüglich vorgegangen wie Abu Bakr.“ Darauf sei aber Abd ar-Rah’man, der Sohn von Abu Bakr, aufgestanden und meinte, dass dies eine Lüge sei, da sein Vater, Abu Bakr, Omar nur (schriftlich) empfohlen hätte und dieser kein Familienmitglied Abu Bakrs wäre. Wie dem auch sei, denn schließlich musste man die Nachfolge bzw. Thronfolge Yazids anerkennen, ob es einem passte oder nicht. Damit beging Muawiyah den größten Fehler der jungen islamischen Geschichte, denn er übergab das Zepter der muslimischen Führung einem öffentlichen Ungläubigen! Und damit brach Muawiyah wieder einen weiteren Paragraphen des Abkommens mit Imam al-Hassan (a). Man könnte noch viel von Muawiyahs hinterhältiger List und Intrige erwähnen, dennoch möchten wir uns darauf beschränken. Schließlich starb Muawiyah im Jahre 60 n. H. (680 n. Chr.) im Alter von 80 Jahren.101 Somit tyrannisierte er über zwanzig Jahre die Muslime. Daraufhin wurde Yazid – per Erbfolge – neuer Kalif.

Zur Person Yazids

Wer war Yazid? Sein Geburtsjahr ist nicht ganz klar unter den Historikern, jedoch beschränkt man sich auf das Jahr 25 oder 26 n. H.102 Er ist bei seinen Onkeln, mütterlicher Seite, aufgewachsen, die vor der Eroberung Schams noch Christen waren. Seine Lebens- und Denkweise wurde sehr stark von ihnen beeinflusst. Yazid ibn Muawiyah war dafür bekannt, dass er dem Alkohol103 so sehr verfallen war, dass er das Gebet unterlassen hatte104. Er hatte eine Leidenschaft für Affen105 und für das Jagen106. Neben weiterer vieler Unmoralitäten und sinnlosem Zeitvertreib, war er auch noch bekanntermaßen ungläubig107. Solch eine niedrige Kreatur, die sich im Suff, Unzucht treibend, mit Affen spielend und sonstiger tierischer Eigenschaften als Fürsten der Gläubigen bezeichnete, sollte nun die Macht über die Muslime übernehmen.

Ziel Yazids

Im Jahre 60 n. H. ist also Yazid Nachfolger von Muawiyah geworden. Seine wichtigste Aufgabe war es, alles, was seine Macht in Gefahr bringen könnte, zu unterbinden bzw. auszulöschen. Es gab zwar eine kleine Anzahl, die gegen ihn waren, aber nicht aktiv oder hätten nicht genügend Stimmen für ein angestrebtes Kalifat, wie z. B. Abdullah ibn Zubayr108. Der Einzige, der Yazid wirklich gefährlich werden könnte, war der reine Imam al-Hussein (a). Imam al-Hussein (a) lebte zu dieser Zeit in Medina und war gleichzeitig, nach dem Martyrium seines Bruders Imam al-Hassans (a), der dritte Imam. Die Hauptaufgabe, die sich Yazid in seinem noch in der Wiege liegendem Kalifat stellte, war es den Treueid von Imam al-Hussein (a) zu bekommen. Dies wollte Yazid vom Sohn der Tochter des Propheten (s), dem ehrenvollsten, gottesfürchtigsten und tugendvollsten Menschen zu seiner Zeit. Da Yazid wusste, dass es im Irak immer noch Leute gab, die sich um ihren wahrhaftigen Imam (a) versammelten, die die treuen Schiiten waren, wies er seinen Gouverneur von Medina (Walid ibn U’qbah) an, Imam al-Hussein (a) dazu zu drängen, ihm den Treueid zu geben. Ebenfalls sagte Yazid zu Walid, dass wenn er (a) den Treueid verweigern sollte, so solle Walid ihm den Kopf Imam Husseins (a) schicken.

Herangehensweise Imam Husseins (a)

Einleitend möchten wir hier erwähnen, dass die Herangehensweise Imam Husseins (a) eine andere war, als die seines Bruders Imam al-Hassan (a). Dies hatte vor allem auch damit etwas zu tun, dass Imam al-Hassan (a) offiziell mit dem Kalifat beauftragt wurde. Imam al-Hussein (a) wiederum ist zwar nach schiitischer Überzeugung, der von Allah (swt) erwählte dritte Imam (a), jedoch wurde er nicht mit dem (politischen) Kalifat beauftragt, da nun die Dynastie der Umayyaden regierte. Dies ist auch ein triftiger Grund, weshalb Imam al-Hassan (a) notgedrungen nach diplomatischeren Wegen griff. Imam al-Hussein (a) hatte von der Allgemeinheit des Volkes aus keine amtliche politische Position. Sicherlich, die treuen Gefolgsleute von ihm (a), d. h. die Schiiten, sie erkannten die göttliche Beauftragung Imam Husseins (a) als ihren Führer (imaam) an.

Nach dem Martyrium Imam Hassans (a) hat Muawiya noch zehn Jahre gelebt und somit hat Imam Hussein (a) längere Zeit unter dem politischen Druck der Umayyaden, als Imam, gelebt. In dieser Zeit war der Imam nicht tatenlos, sondern hat sich (soweit ihm dies bei solch einer prekären Lage möglich war) um die Belange der Muslime gekümmert, hat sie im Islam unterrichtet und die wahren Kerngedanken des Islam seines Großvaters, des Propheten Mohammad (s), gelehrt.

Wenn man Imam Hussein (a) verstehen möchte, so muss man die Lage nach Muawiyahs Tod betrachten. Damaskus ist zu einer Umayyaden-Hochburg geworden. Der Irak stellte jedoch immer noch eine entscheidende oppositionelle Macht gegenüber der Bani Umayyah dar. Es gab nun zwei oppositive Hauptgruppierungen: 1. Leute, die nun nach Muawiyahs Tod die Gelegenheit gekommen sahen, die Macht umzupolen und nach Kufa zu verlegen und dies waren ebenfalls Machtgierige, vom wahren Glauben verlassene Menschen. 2. Eine Gruppe, die am wahren Islam festgehalten hatte und nun nach dem Tode Muawiyahs, die Chance sahen der Verirrung und völligen Verdrehung des Islams ein Ende setzen zu können und die ursprünglichen, menschlichen Werte wiederherzustellen. Aber zum größten Teil waren die Iraker davon überzeugt, dass Yazid als Kalif nicht geeignet war. Weiter waren sie sich in weiterem Punkt einig, nämlich wer sie gegen Yazid unterstützen könnte: Imam al-Hussein (a).

Wie erwähnt, sollte Walid ibn U’qbah, Yazids Gouverneur in Medina, Imam al-Hussein (a) dazu drängen, ihm dem Treueid zu geben. Außerdem wollte Yazid, dass der Imam (a) den Treueid nicht im Geheimen gibt, sondern in aller Öffentlichkeit in der Moschee. Marwan ibn al-Hakam, eine listige und zugleich von politischer Feinheit ausgestattete Persönlichkeit, sagte zu Walid, dass er auf der Hut sein soll und er Imam Hussein (a) nicht von Medina fortgehen lassen soll, bis dieser (a) Yazid den Treueid gegeben hättee. Der Imam (a) antwortete darauf: „Nicht du und nicht er wird mich töten.“ Dann richtete sich der Enkel des Propheten Mohammad (s) an Walid und sagte: „Yazid ist Alkoholiker und ein Frevler (faasiq). Er ist nicht geeignet, die Muslime und ihr Land zu regieren …“

Imam Hussein (a) geht nach Mekka

Imam Hussein (a) hatte Yazid also nicht den Treueid geleistet. Wie sollte der reine Imam (a) einem Frevler den Treueid leisten? Es war sein (a) legitimes Recht diesen zu verweigern. Jedoch haben wir zuvor erwähnt, dass der Großmufti und stellvertretende Justizminister des Königreiches Saudi Arabien – Abd al-Aziz bin Abdullah Aal ash-Shaikh sagte, dass dies eine Sünde Imam Hussains (a) gewesen sei. Wie schwach, wenn ein Mensch im 21. Jahrhundert immer noch von den Machenschaften der Umayyaden verblendet werden kann. Wie dem auch sei. Der Imam (a) hat Medina, aus Protest gegen Yazid, verlassen, jedoch nicht insgeheim, wie es Abdullah ibn Zubayr tat, sondern ganz offenkundig. Er (a) tat damit seinen Protest öffentlich kund. Imam al-Hussein (a) nahm seine Familie, seine treuen Gefolgsleute, die Frauen und Kinder mit. Noch bevor er aufbrach, ging er zum Grabe seines Großvaters, dem Propheten Mohammad (s), seiner Mutter Sayyida Fatima az-Zahra (a) und seinem Bruder Imam al-Hassan (a) und verabschiedete sich von ihnen sehr leidenschaftlich. Bemerkenswert daran war unter anderem, dass der Prophet (s) dem Imam (a), nachdem dieser an seinem Grab eingeschlafen war, in seinem Traum begegnete. Darin hat Prophet Mohammad (s) seinem Enkel Imam al-Hussein (a) einen Kuss auf die Stirn gegeben und ihm erzählt, was ihm am Tage von Aschura passieren wird und auf welche grausame Art und Weise er ermordet wird. Zum Schluss sagte er (s) seinem Liebling (a): ‚‚… Mein geliebter Hussein, dein Vater, deine Mutter und dein Bruder kamen zu mir und sagten, dass sie dich sehr vermissen. Du hast einen besonderen Rang im Paradies …‘‘109 Am 28. Rajab 60 n. H. machte er sich mit seiner Karawane auf den Weg in Richtung Mekka.

Hier stellt sich aber eine entscheidende Frage: Weshalb ging der reine Imam (a) nicht direkt nach Kufa, anstatt nach Mekka, obwohl doch offensichtlich war, dass die Iraker, vor allem in Kufa, die einzigen waren, die Schaam die Stirn bieten könnten? In Kufa war die Lage eigentlich im allgemeinen Pro-Ahlul Bayt (a). In den anderen Gebieten jedoch, wie Medina und auch Mekka, war die absolute Mehrheit dem tyrannischen Regime des Islamhassers Yazid zugeschrieben. Selbst in Basra (irakischer Ort) war die Mehrheit des Volkes auf Bani Ummayah eingestimmt und außerdem gab es dort einen starken Gouverneur Yazids, nämlich U’baydullah ibn Ziyaad. Imam al-Hussein (a) ging nicht direkt nach Kufa, weil er (a) sich noch etwas Zeit verschaffen wollte, um dadurch offen erkenntlich zu machen, was die Leute Kufas wirklich wollten und ob sie tatsächlich ihr Wort einhalten würden. Außerdem konnte der Imam (a) nicht in Medina bleiben, da es eine große Gefahr für sein heiliges Leben (a) darstellte und somit die Revolution ins Wanken geraten würde. Zweitens war dies ein erster aktiver Protest gegen die Regierung Yazids.

Am 3. Sha’baan, in der Nacht zum Freitag, kam der Imam (a) und seine treuen Gefolgsleute (r) in Mekka an110. Es ist interessant zu sehen, dass der Imam (a) und seine Leute für 125 Tage in Mekka blieben und dies somit die längste Epoche der Revolution Imam Husseins (a) war und es dennoch darüber die wenigsten (schriftlich festgehaltenen) historischen Berichterstattungen gibt.

Nun stellt sich eine weitere Frage: Weshalb Mekka? Zuvor behandelten wir die Frage, weshalb der Imam (a) nicht direkt nach Kufa gegangen ist. Nun aber, warum hat er (a) ausgerechnet Mekka ausgewählt? Der wahrscheinlich stärkste Grund dafür war die Pilgersaison (al-h‘ajj). Wir sagten, dass er Anfang Sha’baan in Mekka ankam. Sha’baan ist der achte Monat des islamischen Mondkalenders. Somit würde die Pilgersaison also vier Monate später beginnen, und wenn man genauer sein will, eigentlich schon etwas früher, denn nur die Pflichtteile der Pilgerfahrt beginnen dann, jedoch kamen sicher schon viele vor diesem Termin. Jedenfalls ist dies die Zeit der größten Versammlung von Muslimen an einem Ort. Es war eine hervorragende Möglichkeit für die Propaganda des himmlischen Auftrages Imam Husseins (a). So konnte man eine oppositionelle Kampagne gegen Yazid starten und den Menschen die wirkliche Intention Bani Umayyahs erläutern und vom wahren Islam abgrenzen. Mekka war schon seit dem Beginn der himmlischen Botschaft des Propheten Mohammad (s) zu einem Zentrum der Aggressionen gegen die reine Familie des Propheten (s) geworden. Nur zwei Jahre nach der Revolution in Kerbala sagte der Sohn Imam al-Husseins (a), Imam Zayn al-Abidin (a): „Keine zwanzig Männer in Mekka und Medina lieben uns.“111

Vorbereitungen zur Revolution

Nachdem in Kufa bekannt wurde, dass Muawiyah gestorben war und Imam Hussein (a) Yazid den Treueid (öffentlich) verwehrte, gab es dort einige Versammlungen, die die Lage besprechen sollten und ihre erste wurde im Hause von Sulaiman bin Sard al-Khazaa’i112 abgehalten. Sie äußerten ihre Bedrücktheit darüber, dass der Islam von Bani Umayyah kaputtgemacht wurde und diese die islamischen Grundlagen verleugnet hatten. Außerdem beklagten sie die öffentliche und amtliche Unterdrückung der Schiiten. Sie begannen Briefe an Imam al-Hussein (a) mit ihren Klagen und ihrer Bereitschaft zu kämpfen zu schreiben, wobei der erste Brief am Zehnten des heiligen Monats Ramadan ankam113. Unter anderem schrieben sie: „Wir erkennen das Kalifat Yazids nicht an und wollen nur dich (d. h. Imam al-Hussein (a)) als unseren Imam … In Kufa sind Hunderttausend Mann, die mit dem Schwert umzugehen vermögen, bereit, dich zu unterstützen. Wenn du unserer Einladung nicht folgst und dich nicht zum Schutze der Religion erhebst, hast du dies vor Gott zu verantworten.“ Einige Historiker berichten von tausenden Briefen, die an den Imam (a) adressiert wurden.114

Der Imam (a) beantwortete diese Briefe mit den Zeilen: „… Ich schicke meinen Vetter Muslim, dem ich vertraue, zu euch, damit er sich über die Situation bei euch in eurer Stadt informiert und mich darüber in Kenntnis setzt. Wenn das, was ihr mir schreibt, stimmt, werde ich zu euch kommen.“115 Er (a) wandte sich persönlich an Muslim ibn A’qil (r) und schickte ihn daraufhin mit diesem Schreiben nach Kufa.

Solange Imam al-Hussein (a) in Mekka war, gab es keinen militärischen Versuch, von Seiten Yazids, gegen ihn (a) vorzugehen. Dies kann mehrere Gründe gehabt haben, wie z. B. aufgrund der hohen Anzahl an Menschen in Mekka zur Zeit der Pilgerfahrt und ein anderer Grund kann auch gewesen sein, dass der Imam (a) mit höchster Sicherheit von seiner Familie (a) und treuen Gefolgsleuten (r) beschützt wurde. Trotz alledem gibt es historische Befunde, dass Bani Umayyah unfähig war Imam al-Hussein (a) in Mekka zu ermorden.116

Wie gesagt machte sich Muslim ibn Aqil (a), mit dem Brief Imam al-Husseins (a), am 15. des heiligen Monats Ramadan auf den Weg nach Kufa. Er war für seine Stärke und Männlichkeit bekannt, denn schon unter der Führerschaft von Imam Ali (a) zählte er zu den wichtigsten Generälen in der Schlacht von „Siffin“.117 Am 5. Shawwaal118 kam er in Kufa an.119 Die Leute Kufas hießen ihn willkommen. Er schätzte die Lage als sicher ein und schrieb seinem Imam (a), dass die Leute Kufas ihm (a) folgen und auf seine (a) Ankunft warten würden. Aus einigen Überlieferungen geht sogar hervor, dass sie, als sie die Botschaft Imam al-Husseins (a) gelesen hatten, anfingen zu weinen.120 Täglich stieg die Zahl in Kufa, die sich dem Weg Imam Husseins (a) anschließen wollten, bis sich eine Anzahl von 18000 Mann angesammelt hatte, die ihm (a) den Treueid schwuren.121 Die niedrigste Zahl derjenigen, die ihm (a) den Treueid schwuren, die in den historischen Werken genannt wird, lieg bei 12000, jedoch erwähnen die meisten Historiker die genannte Zahl von 18000.

Jedoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass die Aufgabe Muslims, sich nicht nur auf die Überbringung der Botschaft des Imams (a) beschränkte, sondern sollte er auch das Volk von Kufa gegen Bani Umayyah stimmen, so wie aus einigen historischen Belegen hervorgeht.122 Trotz der Sympathien der Leute Kufas für Imam al-Hussein (a) hat das noch nicht geheißen, dass sie alle in den Widerstand mitziehen würden. Schnell wurde ersichtlich, dass sie zwar Liebe für die Wahrheit hatten, jedoch nicht bereit waren dafür ihr Leben zu lassen. Aus den historischen Werken geht hervor, dass aus all denjenigen, die noch vor der Revolution für den Weg des Imams (a) gestimmt hatten, lediglich drei Männer waren, die das Martyrium in Kerbala erfuhren.123 Hieran kann man sehen, dass das Einstehen für die Wahrheit ein sehr großes Unterfangen ist und nur ganz wenigen Menschen gelingt, vor allem, wenn der Preis dafür Armut oder gar das Leben ist. Es benötigt einen starken Charakter, ein großes Maß an Menschlichkeit und eine starke, fundierte Überzeugung. Genau diese Eigenschaften besaß Muslim ibn A’qil (r), denn es war ersichtlich, dass die Aufgabe Muslims mit seinem Martyrium enden würde.

Imam Hussein (a) geht in Richtung Kufa

Nachdem der Imam (a) die Zeilen seines Cousins, Muslim ibn A’qil (a), gelesen hatte, machte er (a) sich mit seiner Familie (Frauen und Kinder) und treuen Gefolgsleuten (r) auf den Weg nach Kufa.

Gleichzeitig wusste Yazid durch seine Spitzel, wohin der Imam (a) gehen wollte. Er beriet sich mit seinem Berater Surjuun ibn Mansuur, der ihm ein christlicher Berater nach byzantinischem Vorbilde war. Auf dessen Anraten schickte Yazid seinen Gouverneur aus Basra U’baydullah ibn Ziyaad nach Kufa. Hier sei erwähnt, dass Surjuun dies anhand eines Briefes von Muawiyah, den er vor seinem Tode verfasst haben soll, begründete. Wenn dies stimmen würde, d. h., dass dieser Brief tatsächlich von Muawiyah stammte, so wäre der Mordplan an Imam Hussein (a) schon zu Zeiten Muawiyahs bewiesen. Wenn der Brief aber in Wirklichkeit von Surjuun verfasst bzw. erfunden war, so wäre dies ein schlimmer Eingriff in das Schicksal der Muslime durch Surjunn selbst.

U‘baydullahs‘ Hauptauftrag in Kufa war: Muslim ibn Aqil (a) aufzuhalten oder ihn zu töten. In Kufa angekommen, brauchte U’baydullah ibn Ziyaad nicht lange, um die Namenhaften des Volkes auf seine Seite zu ziehen, denn er kannte die Leute von Kufa sehr gut, noch aus der Regierungszeit seines Vaters – Ibn Ziyaad – in Kufa. Außerdem sollten die „Schiiten“, d. h. diejenigen, die sich auf der Seite Imam Hussains (a) befanden eingesperrt bzw. getötet werden. Darunter war auch Maitham at-Tammaar, der zusammen mit neun anderen, brutal ermordet wurde. Mit Hilfe von einem Spitzel, konnte das Versteck Muslims sehr schnell ausfindig gemacht werden, der sich bei Hani ibn U’rwa (r) aufhielt. Hani (r) wurde festgenommen und eingesperrt. Muslim jedoch, erhob sich zum Widerstand, denn zuvor schrieben die Leute von Kufa noch, dass sie zu Hunderttausenden bereit wären zu kämpfen. Davon war keine Spur mehr. Noch am gleichen Abend haben die Leute von Kufa, Muslim im Stich gelassen. Hani und Muslim fanden den Märtyrertod. Die Angesehenen von Kufa blieben still in ihren Häusern.

Auf dem Weg nach Kufa, in einer Ortschaft namens Bustaan Bani A’amer, traf Imam al-Hussein (a) den Dichter al-Farazdaq, der auf eine Frage des Imams wie folgt antwortete: „Ihre Herzen sind mit dir und ihre Schwerter auf dir …“ Was so viel bedeutet wie: Die Herzen der Leute aus Kufa sind mit dir, jedoch ihre Schwerter auf dir. D. h. sie sympathisieren mit dem Imam (a), sind jedoch zu schwach ihr Weltliches aufzugeben und werden dich daher im Stich lassen bzw. töten. Woraufhin der Imam (a) sagte: „Ich stimme zu. Die Menschen sind dem Hab ihr Diener …“124 Weitere Leute traf Imam Hussein (a) auf seinem Weg nach Kufa, die ihm dasselbe sagten. Aber, dass er von Anfang an zu al-Farazdaq sagte „Ich stimme zu“ zeigt, dass der Imam (a) an sich schon wusste, wie die Menschen in Kufa eingestellt waren und dass auf ihn das Martyrium warten würde. Dennoch hat dem Enkelsohn des Propheten Mohammad (s) nichts davon abgebracht, sich weiterhin auf seine Bestimmung zu konzentrieren: gen Kufa zu gehen. Es ist außerdem aufschlussreich, dass der Imam (a) mehrere auf dem Wege nach Kufa traf, jedoch bis dahin sich ihm niemand angeschlossen hatte, wie z. B. al-Farazdaq und Bishr ibn Ghaalib, von dem das berühmte Bittgebet vom Tage von A’rafat überliefert wurde und als Sympathisant für die Ahlul Bayt (a) galt. Jedoch gab es einen, der sich dem Imam (a) und seiner Anhängerschaft anschloss. Es war Zuhayr ibn al-Qain (r).

In dem Ort Ath-Tha’labiyah angekommen, das ungefähr zwei Drittel des Weges von Mekka nach Kufa betrug, erfuhr Imam al-Hussein (a) von dem schrecklichen Vorfall in Kufa, dass Muslim ibn A’qil und Hani ibn U’rwah ermordet wurden. Der Imam (a) informierte seine Gefolgsleute von dem Vorfall und stellte es ihnen frei, ob sie nun mit ihm (a) weitergehen oder umkehren wollen. Einige gingen zurück, wie manche schreiben, jedoch seine Familie und seine engen, treuen und gottesfürchtigen Freunde, blieben alle tapfer an seiner Seite.

Imam al-Hussein (a) und seine Anhängerschaft, d. h. die Männer, Frauen und Kinder, wurden dann von H’orr ibn Yazid ar-Riyaah‘iy, einem Offizier der Armee Kufas, angehalten. Eine Armee von tausend Mann stand vor einer Hand voll tapferer Leute. Die politische Situation in Kufa war nun den Umständen entsprechend zugunsten Yazids eingestellt, da U’baydullah zuvor Muslim ibn A’qil (r) und weitere Anhänger Imam al-Husseins (a) kaltblütig ermordete, wodurch die Leute von Kufa eingeschüchtert wurden und ihren Imam (a) wieder einmal im Stich ließen. Dennoch hatte die Führung Bani Umayyahs Angst vor einem Eintritt Imam Husseins (a) in Kufa, da sich dort dennoch die meisten Schiiten des Landes aufhielten. H’orrs Ziel war es, dass dem Imam (a) und seinen Leuten (r) der Weg nach Kufa versperrt werden würde und so einen anderen Weg einschlagen müssten. Er stellte den Imam (a) vor zwei Entscheidungsmöglichkeiten: 1. er würde mit H’orr als Gefangener nach Kufa gehen, um so an U’baydullah bin Ziyad ausgeliefert zu werden oder 2. er würde einen anderen Weg einschlagen, mit der Bewachung von H’orr. Der Imam (a) wollte nicht als Gefangener in Kufa eintreten, jedoch hat er nicht auf die Belange H’orrs reagiert, sondern setzte sich auf sein Pferd und wartete bis all seine Gefolgsleute ihre Pferde bestiegen hatten und ritt los. Der Imam (a) wusste, dass er in beiden Fällen ermordet werden würde, dennoch selbst hier entschied er sich als freier Mensch zu handeln und schließlich zu sterben. So gingen sie, in Bewachung H‘orrs, in eine andere Richtung und machten nach einer Weile an einem Ort halt.

Dann fragte der Imam nach dem Namen dieses Ortes. Es wurde ihm gesagt, dass er Al-Ghaderiyah heiße. Dann fragte er, ob es noch einen anderen Namen hätte, worauf gesagt wurde, dass es auch Naynawa heiße. Dann fragte der Imam (a): „Hat es einen anderen Namen als dieses?“ Sie sagten: „Das Ufer des Euphrats.“ Der Imam (a) fragte: „Hat es noch einen anderen Namen?“ Woraufhin sie sagten: „Es heißt Kerbala.“ Imam al-Hussein (a) seufzte und sagte: „Lasst uns an diesem Orte anhalten. Hier ist das Ziel unserer Reise. Hier wird unser Blut vergossen. Hier werden unsere Frauen verschmäht. Hier, bei Allah, werden unsere Männer getötet. Hier, bei Allah, werden unsere Kinder geschlachtet. Hier werden unsere Grabstätten aufgesucht. Diese Erde hat mir mein Großvater, der Gesandte Allahs, versprochen und sein Wort ändert sich nie.“

Am 2. Muharram 61 n. H.: Angekommen an dem Ort, von dem schon sein Großvater, das beste Geschöpf, dass es je gab und geben wird, Prophet Mohammad (s) sprach. Als U’baydullah ibn Ziyaad darüber informiert wurde, schickte er ein teuflisches Heer unter Kommando von Omar ibn Sa’d dort hin. Yazid beauftragte U’baydullah damit, den Imam (a) zum Treueid zu drängen und falls dieser nicht geleistet werden würde, so solle er ihn (a) umbringen lassen.

Imam al-Hussain (a) und seine Anhänger (r) entschieden sich für die Freiheit und gegen die Unterdrückung. Der Pfad der Freiheit sollte am 10. Muharram 61 n. H. seinen Höhepunkt mit dem Martyrium Imam Hussains (a) erreichen.

Fußnoten:

97 Außerdem stand in der vertraglichen Übereinkunft zwischen Imam al-Hassan (a) und Muawiyah, wenn Muawiyah sterben würde, dass Imam al-Hassan (a) bzw. bei dessen Tod, Imam al-Hussein (a) das Kalifat übernehmen werde.

98 Obwohl Omar von Abu Bakr schriftlich als sein Nachfolger bestimmt wurde, meinten einige, dass dies jedoch nur eine Empfehlung Abu Bakrs war.

99 Al-Hus’niy, Muntakhabaat at-Tawaarikh li Dimashq, S. 81; Al-Balaazeri, Ansaab al-Ashraaf, B. 2, S. 147

100 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 225

101 Sein Grab liegt in Damaskus (Syrien) und ähnelt einem Müllberg. Wogegen der Schrein Imam Husseins (a) in Kerbala von höchster Erscheinung ist und mit 14 Millionen Menschen besucht wird und damit den Rekord für die größte Versammlung von Menschen besitzt.

102 A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 44, S. 309

103 Al-Bidayah wan-Nihayah, Band 2, S. 258

104 Ibn A’saakir, Tarikh ibn A’saakir, Band 7, S. 372; as-Suyuti, Tarikh al-Khulafaa‘, S. 81; u.v.m.; Aber sicher hat er nicht nur aufgrund des Alkoholkonsums das Gebet unterlassen.

105 Jawaahir al-Mataalib, S. 143; Muruj az‘-Z’ahab wa Maa’adin al-Jawhar, Band 2, S. 95

106 Al-Ya’qubi, Tarikh al-Ya’qubi, Band 2, S. 230

107 Al-Bidayah wan-Nihayah, Band 8, S. 192; Ansaab al-Ashraaf, Band 2, S. 2

108 Als Abdullah ibn Zubayr mitbekommen hatte, dass er Yazid den Treueid geben sollte, verschwand er in unauffälliger Form nach Mekka.

109 A‘llaamah al-Majlilsi, Bih‘aar al-Anwaar, B. 44, S. 328

110 Al-Bidayah wan-Nihayah, S. 160; I’laam al-Waraa, S. 223

111 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 4, S. 104

112 Sulaiman bin Sard al-Khazaa‘i war ein im Jahre 28 v. H. geborener Jeminite und durch den heiligen Propheten Mohammad (s) zum Islam konvertierte. Er nahm u. a. an der Khandaq- und Siffin-Schlacht teil. In der letzteren war er ein großer General auf der Seite Imam Alis (a), die gegen Muawiyah kämpften. Nach der Rückkehr des Propheten (s) zu seinem Herrn (swt) hat sich Sulaiman bin Sard in Kufa abgesetzt. Zur Zeit des Kalifat Uthmans hat er Briefe an ihn geschrieben, die seine Klagen über das unislamische Verhalten des damaligen Gouverneurs in Kufa beinhalteten.

113 Al-Mufid, al-Irshad, S. 202; Tarikh al-Umam wal-Muluk, B. 3, S. 277

114 Al-Luhuuf, S. 105

115 Al-Futuuh’, B. 5, S. 35; Al-Mufid, al-Irshad, S. 204; Tarikh al-Umam wal-Muluuk, B. 3, S. 278

116 Shaikh al-Mufid, Kitab al-Irshaad, S. 201; al-Ya’quubi, Tarikh al-Ya’quubi, Band 2, S. 248-249; u.v.m.

117 Ansaab al-Ashraaf, B. 2. S. 836; A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 42, S. 93

118 Muruuj az‘-Z’ahab, Band 3, S. 55

119 D.h. seine Reise dauerte 20 Tage

120 Tarikh al-Umam wal-Muluuk, Band 3, S. 279

121 Al-Akhbaar at‘-T’iwaal, S. 235; Rawd’ah al-Waa’iz‘‘iin, S. 173

122 Al-Futuuh‘, Band 5, S. 35; Maqtal al-Khawaarzamiy, B. 1, S. 195-196

123 Tarikh al-Umam wal-Muluuk, B. 3, S. 279

124 Al-Mah’ajjatul-Bayd’aa, B. 4, S. 228

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Wie kam es zu „Aschura“? https://bufib.de/wie-kam-es-zu-aschura/ Wed, 14 Oct 2015 21:59:08 +0000 http://bufib.de/?p=1667 Diese Reihe von Artikeln sind aus dem Buch „Pfad der Freiheit – Der Weg bis Aschura“ – einer Publikation von „Bund für islamische Bildung“. Da die erste Auflage dieses Buches leider vergriffen ist und bis dato keine zweite gedruckt wurde, begnügen wir uns mit der Online-Ausgabe des Inhaltes:

  • Vorwort
  • Einleitung
  • I. Der Rang Imam Husseins (a) beim Propheten  (s)
    • Weshalb wurden wir erschaffen?
    • Gottesdienst = Freiheit
    • Gottesdienst mit den Gefühlen
    • Die Lieblinge
    • Die Liebe zu Imam al-Hussein (a)
    • Der Prophet (s) weinte um Imam al-Hussein (a)
  • II. Die politische Lage
    • Teil 1:
    • Nach dem Propheten (s) – Erste Probleme
    • Muawiyah und Bani Umayyah
    • Muawiyahs Vormachtstellung in Schaam
    • Kalifat Uthmans – Hochsaison der Umayyaden
    • Opposition gegen Uthman
    • Nach Uthman
    • „Uthman – der unterdrückte Kalif“
    • Teil 2:
    • Unterschied zwischen „Kalifat“ und „Führerschaft“
    • Die Kamelschlacht
    • Neue Spannungen bahnen sich an
    • Schiedsspruch ins Verderben
    • Dritter innermuslimischer Konflikt
    • Letzte Intrige in Imam Alis (a) Leben
    • Traum der Umayyaden wird wahr
    • Teil 3:
    • Muawiyahs Problem: Imam al-Hassan (a)
    • Öffentliche Verfälschung der Religion
    • Muawiyah führte eine neue Staatsform ein
    • Islam – Mittel zum Zweck
    • Imam Hassans (a) Schritt zur Vermeidung des Blutvergießens
    • Inhalt des Abkommens
    • Imam al-Hassan (a) wird vergiftet
    • Teil 4:
    • Zur Person Yazids
    • Ziel Yazids
    • Herangehensweise Imam Husseins (a)
    • Imam Hussein (a) geht nach Mekka
    • Vorbereitung zur Revolution
    • Imam Hussein (a) geht in Richtung Kufa
  • Epilog
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Politische Lage (Teil 3) https://bufib.de/politische-lage-teil-3/ Wed, 14 Oct 2015 21:57:13 +0000 http://bufib.de/?p=1675 Muawiyahs Problem: Imam al-Hassan (a)

Imam al-Hassan (a) war Muawiyah ein Dorn im Auge, denn Muawiyah wollte die alleinige Herrschaft. Mit weiteren materiellen Geschenken verblendete er die Bevölkerung, so dass sich immer mehr auf seine Seite schlugen. Imam al-Hassan (a) hatte es sehr schwierig, da er wenig aufopferungsvolle, gottesfürchtige und treue Gefolgsleute hatte, vor allem in den weiter entfernteren Gebieten waren sie knapp, um sie dort als seine Gouverneure einzusetzen. Zudem gab es viele verschiedene politische Gruppierungen, von denen meistens kein echter Rückhalt zu erwarten war. Die Einzigen, die sich zu Imam al-Hassan (a) bekannten, waren jene, die sich „Schia“ nannten, d. h. die Partei Alis (a)68. Selbst von ihnen gab es einige, die sich von den materiellen Verführungen anderer verleiten ließen, wieder ihren Imam (a) im Stich zu lassen, so wie sie es mit Imam Ali (a), dem Vater Imam al-Hassans (a), gemacht hatten. Der Islam war für sie nichts anderes, außer Mittel zum Zweck.

Trotz des Treueids der Iraker für Imam Hassan (a) zeichneten sich Probleme ab. Der Imam (a) musste die Lage in Kufa beruhigen und in den restlichen Gebieten, bis auf Damaskus, da dort Muawiayah (unrechtmäßig) regierte, Gouverneure entsenden. Zudem musste er den Machenschaften Muawiyahs ein Ende setzen. Dies am besten, indem er ihn entmachtet, jedoch mindestens seinen Einfluss auf den Irak unterbinden. Die Lage, in der sich nun Imam Hassan (a) befand, war eine andere, als die, in der Imam Ali (a) lebte. Denn Muawiyah hat sich nun als den absoluten Herrscher über alle Muslime und der islamischen Welt verstanden, was zur Zeit Imam Alis (a) noch nicht der Fall war.

Zuvor erwähnten wir aber, dass die Gruppierungen, die sich bildeten, kein Rückhalt für Imam Hassan (a) darstellten. Wie sollte der Imam (a) nun vorgehen? Genügend Truppen für einen Niederschlag Muawiyahs und dessen treue Gefolgsleute standen nicht zur Verfügung. Vor allem muss man sich vor Augen halten, dass es sehr viele Iraker zur Zeit Imam Alis (a) gab, die anfangs den Anschein erweckten, ihm (a) treu und bedingungslos zu folgen, doch dann gegen ihn (a) aufstanden.

Öffentliche Verfälschung der Religion

Dazu kam, dass Muawiyah nichts ausließ, um seine Macht auszuweiten. Seine Vertreter in den verschiedenen Gebieten, wie Hijaz, Jemen, Ägypten und selbst im Irak waren aktiv dabei, ihre Intrigen und List auszuspielen. Leute die ihnen nicht gehorchten, wurden kaltblütig ermordet und außerdem brachten sie viele Gerüchte in den Umlauf. Nämlich priesen sie Muawiyah in den höchsten Tönen, wie z. B., dass er sehr großzügig sei und eine bevölkerungsfreundliche Landespolitik verfolge. Zudem brachte er erlogene Überlieferungen in Umlauf, wie z. B., dass er einen sehr hohen Stand beim Propheten (s) hätte und vor allem führte Muawiyah ein, dass es verpflichtet sei, Imam Ali (a) zu beschimpfen. Damit wollte er vor allem die Iraker gegen ihren Imam (a) und die gesamte Familie des Propheten (s) hetzen. Als er seinen Gouverneur nach Kufa schickte, sagte er zu ihm: „Ich erwarte von dir, dass du folgende Punkte genau beachtest. Nämlich, dass du niemals aufhörst, Ali zu beschimpfen und (niemals aufhörst) die Gnade Gottes für Uthman zu erbitten. Zudem, dass du die Freunde und Sympathisanten Alis in Verruf bringst.“69 Sodann beschimpften die Prediger Imam Ali (a) öffentlich auf den Kanzeln bei jedem Gebet. Außerdem wurde die hohe Stellung Imam Alis (a), bei Allah (swt) und Seinem Propheten (s), von Muaqiyah und seinen Leuten in Frage gestellt und erfundene Überlieferungen, die vom reinen Munde des Propheten Mohammad (s) stammen sollten, erzählt und aufgeschrieben. Dem war aber nicht genug. Dazu sollten noch Überlieferungen in den Umlauf gebracht werden, wie hoch Bani Umayyah doch beim Propheten (s) stand. Wer etwas dagegen sagte, wurde gepeinigt, gequält und sogar auf schlimmste Art und Weise ermordet. Wie es zum Beispiel einem gottesfürchtigen Mann erging, als er Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) in der Moschee hörte und sich daraufhin erhob. Ziyad, Muawiyahs rechte Hand in Kufa, benachrichtige seinen Herrscher daraufhin in Damaskus, was geschehen war. Muawiyah befahl ihn, den Mann nach Damaskus zu bringen. Daraufhin wurden er und andere, die es nicht befürworteten Imam Ali (a) zu beschimpfen, in Richtung Damaskus gebracht. Auf dem Weg jedoch wurde ihnen ihr Kopf abgeschlagen.

Muawiyah führte eine neue Staatsform ein

Wir könnten nun noch eine Reihe von Untaten Muawiyahs und seiner Leute aufzählen, da es uns aber nur um das Wesentliche geht, wollen wir uns darauf vorerst beschränken. Dennoch sollte ein essentieller Punkt erwähnt werden. Zuvor hatten wir über zwei Unterschiedliche Ansichten in Bezug auf das Kalifat bzw. Führerschaft gesprochen. Muawiyah dagegen führte nun eine dritte Art ein. Diese sollte den Islam nicht nur in seinen moralischen Grundwerten und Gerechtigkeit vernichten, sondern wurde nun auch das politische Konzept der Religion angegriffen. Vom Kalifat änderte Muawiyah die Staatsform in eine absolute Herrschaft70, die wir auch als eine Form der absoluten Monarchie betiteln könnten.71 Dies kann man nicht nur daran erkennen, dass er das (familiäre) Erbprinzip einführte, sondern vor allem daran, dass er sich das Byzantinische Reich zum Vorbild machte.72 Zum ersten Mal in der jungen Geschichte des Islams gab es eine Trennung der Moschee von der Regierung, d. h. Staat und Religion wurden separat behandelt, wobei die Moschee und somit die Religion an sich, stetig an Signifikanz verlor.

Und nicht nur das. Neben der Einführung vieler byzantinischer Formen der Reichsführung73 und Übernahme einiger kultureller Werte der Byzantiner in Schaam74, setzte Muawiyah auch Personen des byzantinischen Kulturraumes ein, die unter anderem auch administrative Positionen zugesprochen bekamen. Sie halfen ihm in der Leitung des Staates, in der Exekutive und in wirtschaftlichen Fragen. Neben der Tatsache, dass Muawiyahs Frau eine syrische Christin von der Familie „Bani Bajdal“ aus dem Stamme „Kalb“ war75, spielten seine Schwager eine wichtige Rolle in der politisch-religiösen Entwicklung des Reiches von Muawiyah. Ebenfalls war ein syrischer Christ zuständig für einige Angelegenheiten der Staatskasse76 der Muslime (bayt maal al-muslimiin) und der private Arzt Muawiyahs. Hier soll nicht negativ darüber gesprochen werden, dass Christen an sich an der Regierung teilnahmen, sondern dass es byzantinisch geprägte Christen waren. Im Duden lesen wir, dass „byzantinisch“ schmeichlerisch und kriecherisch bedeutet. Dies geht darauf zurück, dass sich ein bestimmtes Verhalten (bzw. um genauer zu sein: ein Hofzeremoniell) um den Byzantinischen Kaiser entwickelt hatte, das durch absoluter Unterwerfung gekennzeichnet war. Es war zum Beispiel üblich, dass die Untertanen, wenn sie sich ihrem Kaiser näherten, flach auf den Boden werfen mussten, um ihre Unterwürfigkeit zu beweisen. Es war beinahe eine Art der Anbetung des Kaisers. Auf dieser Grundlage stütze Muawiyah seine sozio-politische Philosophie. Das Christentum in seiner eigentlichen Ursprungsform hat mit solchen Werten absolut nichts zu tun.

Der Islam und sein Fundament wurden komplett aus den Köpfen der Menschen verdrängt. Von Gerechtigkeit, Moral, Empathie77 und politischer Partizipation, geschweige denn von Menschlichkeit, war keine Spur mehr. Wie wir schon zuvor gesehen haben, wurde Kritik und Meinungsfreiheit zum absoluten Tabu. Den Leuten war nun klar, wie sie sich am besten verhalten sollten, um von der Folter und Ermordung verschont zu bleiben. Nämlich nur noch das zu tun, was dem Herrscher und seinen Gouverneuren zufrieden stellte, nicht aber Gott (swt). Wenn sie wiederum gläubige, gottesfürchtige Menschen waren, so zogen sie sich zurück und blieben still. Wie z. B. Ah’naf ibn Qays‘, als Muawiyah wissen wollte wie er und die Leute über seinen „Thronfolger“ Yazid, der Muawiyahs Sohn war, dachten. Muawiyah warf die Frage in die Runde, jedoch Ah’naf schwieg. Muawiyah fragte ihn darauf, weshalb er nichts sagte. Darauf antwortete Ah‘naf: „Wenn ich aufrichtig spreche, werde ich deinen Zorn auf mich ziehen, und wenn ich lüge, den göttlichen (Zorn).“78

Schließlich hat Muawiyah mit seiner Umayyaden-Dynastie den Islam missbraucht und zu einer terroristischen, unmenschlichen und machtbesessenen „Missgeburt“ gemacht. Es war ersichtlich, dass solch eine Machtfigur auch eine Armee brauchte, wie es die arabischen Stämme noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Tatsächlich sollte dies unter Muawiyahs Herrschaft der Fall sein. Die „Armee der Umayyaden“ wurde zur blutrünstigsten und stärksten, die die Araber je gekannt hatten. An dieser Stelle sei angemerkt, dass dies die Geburtsstunde eines sogenannten ‚‚islamistischen‘‘ Terrorismus war und somit das Vorbild für die heutigen Gräueltaten von Terrororganisationen mit ‚‚islamischem‘‘ Bekenntnis wurde. Aber wie der Leser bzw. Leserin schon sah und noch sehen wird, kann man ehrlicherweise nicht vom „islamischen“ Terrorismus sprechen, da es im Grunde nichts mit dem ursprünglichen und einzigen Islam zu tun hatte bzw. hat. Es ist eher Muawiyahs politische List und die Verblendung des Volkes durch materielle Reichtürmer gewesen, die noch über 1000 Jahre danach auf einige Gruppierungen Einfluss nehmen sollte.

Islam – Mittel zum Zweck

Im Islam gibt es einen fundamentalen Grundsatz: Gutes gebieten und Schlechtes verwehren (amr bil-ma’ruuf wa nahy a’n al-munkar). Dieser historische Beweis, nämlich die Aussage Ah’naf ibn Qays‘, ist neben vielen, eine totale Untergrabung dieser elementaren Grundlage im Islam. Es gab keinen Respekt, geschweige denn eine Vollziehung, des islamischen Gesetzes mehr. Nach außen zwar, zeigte sich Muawiyah als Moslem, was sich jedoch auf die Beschaffenheit der religiösen Zugehörigkeit der meisten Menschen im „Reiche“ zurückführen lässt. Denn würde er sich nicht als „Moslem“ geben, wenn auch heuchlerisch, so wäre Muawiyah anfangs nicht akzeptiert worden.

Neben Veränderungen der politischen und moralischen Grundlagen des (wahren) Islams, d. h. des ursprünglichen Islams des Propheten Mohammad (s), wurden auch Änderungen an rechtlichen Grundlagen des Islams vorgenommen. Muawiyah war zum Beispiel der Erste, der sich einen abgetrennten Bereich in der Moschee einrichtete79, so dass er von den Mitbetenden getrennt ist, um seine höhere Stellung über das Volk selbst im Gebet zu symbolisieren. Er war der Erste, der seine Ansprachen in der Moschee sitzend vollzog, was in den Freitags- und Festgebeten verboten ist. Außerdem hat Muawiyah das Freitagsgebet, eines Tages, an einem Mittwoch verrichtet, um den Menschen und vor allem, um dem Imam (a) zu zeigen, dass ihm seine Anhänger, im Gegensatz zu denen des Imams (a), treue und blinde Befolger sind.

Es wird überliefert, dass Muawiyah Alkohol trank.80 Zusätzlich benutzte er silberne und goldene Gefäße, um daraus zu essen und zu trinken, was im Islam verboten ist. Weiter erlaubte er den Wucherzins (ar-riba)81, parfümierte sich im Weihezustand (ih’raam) und noch vieles mehr.

Wie erwähnt, lies Muawiyah viele falsche, erlogene Überlieferungen in den Umlauf bringen. Jedoch nicht nur solche, die seine (erfundene) hohe Stellung darstellen sollten, sondern vor allem auch Überlieferungen, die den erhabenen Stand der Ahlul Bayt (a) in Frage stellen sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Muawiyah versprach jemanden von seinen Leuten 400.000 Dirham, wenn dieser in einer Ansprache an die Leute von Schaam sage, dass sich folgender Vers aus dem Heiligen Koran auf Imam Ali (a) beziehe: „Unter den Leuten ist einer, dessen Rede über dieses Leben dir gefallen möchte, und er nimmt Allah zum Zeugen für das, was in seinem Herzen ist, und doch ist er der streitsüchtigste Zänker.“82 Er hat dies getan und bekam als Gegenleistung dafür eine stattliche Summe aus der Staatskasse.83 In Wirklichkeit gibt es aber keinen Exegeten des Heiligen Koran, der dies behauptet, sondern ist dieser heilige Vers in Wirklichkeit, in Bezug auf einen Heuchler namens Al-Akhnaf bin Sharif herabgesandt worden.84 Außerdem erwähnten wir, dass Muawiyah den Leuten vorgeschrieben hatte, Imam Ali (a) öffentlich zu beschimpfen und zu verfluchen. Dies ging jedoch so weit, dass als Omar ibn Abd al-A’ziz im Jahre 717 n. Chr. die Regierung übernahm und den öffentlichen Beschimpfungen gegenüber Imam Ali (a) ein Ende setze, die Menschen sagten: „Er hat die Tradition (sunnah) unterlassen!“85 Woran man erkennen konnte, dass die Menschen dachten, dies sei etwas ganz ‚‚Normales‘‘, gar Gutes.

Imam Hassans (a) Schritt zur Vermeidung des Blutvergießens

Die Ahlul Bayt (a), über die wir im Heiligen Koran gelesen haben, dass wir sie lieben sollen86, wurde beschimpft und verflucht. Zudem wurden die Schiiten und alle, die sich öffentlich gegen Muawiyah stellten, gefoltert und getötet. Noch schlimmer aber war, dass sich der wahre Islam dem Ende neigte. Entweder waren die Menschen zu schwach und ergaben sich dem materialistischen Wahn oder sie waren ängstlich und schauten zu, wie der Islam vor ihren Augen mit den Füßen getreten wurde. Dazu kam noch, dass Muawiyah nicht locker ließ und seine Machenschaften fortsetzte. Dem Islam schien die Luft auszugehen. Doch blieb noch ein Lichtblick: Imam al-Hassan (a). Was sollte er (a) tun? Wie konnte er (a) den Islam wiederbeleben?

All das, was wir zuvor über die sozio-politische Lage vermittelten, deutet daraufhin, dass eine Wiederbelebung unmöglich schien. Der Imam (a) wusste, dass er in seinen Reihen nicht genügend aufopferungsvolle, gottesfürchtige Leute hatte, um Widerstand zu leisten, geschweige denn eine Revolution starten zu können. Außerdem wusste Imam al-Hassan (a), dass wenn er mit ein paar Männern militärisch vorgegangen wäre, dass sie sich entweder wieder zurückziehen würden oder ihn sogar dem größten Feind des Islams, Muawiyah, ausliefern würden. Diese Annahme stammt nicht von irgendwo her, sondern ist eine historische Tatsache. Muawiyah wusste, dass der einzige, der noch eine Gefahr darstellte, Imam al-Hassan (a) war. Er brach nach Irak auf, um den heiligen Imam (a) anzugreifen. Der Imam (a) wusste darüber Bescheid und reagierte darauf, indem er (a) jemanden schickte, um der Heeresführung Anweisungen zu geben. Wie vorauszusehen war, schlossen sich ihm nur sehr wenige an. Der Imam (a) und ein paar Leute, ritten nach Mada-in. Es gab unterschiedliche Menschen in der Truppe des Imams (a). Einige waren treu, dies waren aber nur sehr wenige, wiederum die anderen waren von materiellen Gedanken beeinflusst. Täglich ereignete sich etwas im Heer. An einem Ort namens Sabat machten sie Rast und übernachteten dort. Am nächsten Morgen wollte Imam al-Hassan (a) seine Leute prüfen, um unterscheiden zu können, wer ein Freund und wer ein Feind sei. In Wirklichkeit wusste es der Imam (a), aber er wollte den Menschen zur damaligen Zeit und den Menschen nach ihm (a) eine Lehre erteilen. Er wollte ihnen zeigen, in was für einer Lage er und der Islam sich befanden. Der heilige Imam (a) stand auf der Kanzel und sprach: „Alles Lob gebührt Allah, wann immer Ihn jemand lobpreist. Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, wenn immer jemand (dies) bezeugt, und ich bezeuge, dass Mohammad (s.) Sein Diener und Gesandter ist, den Er mit der Wahrheit sandte und den Er mit Offenbarung betraute, möge Allah ihn und seine Familie segnen.“ Er fuhr fort: „Bei Allah, ich hoffe, dass ich immer mit der Lobpreisung Allahs sein werde und mit Seiner Gnade. Von Allahs Geschöpfen bin ich der aufrichtigste Ratgeber für sie, ich bin keiner geworden, der gegen irgendeinen Muslim Hass hegt oder ihm Übel oder Unheil wünscht. In der Tat, das, was euch an der Gemeinsamkeit87 missfällt, ist besser für euch als das, was euch an der Spaltung gefällt. Ich sehe besser als ihr, was für euch am besten ist, so wendet euch nicht gegen meinen Befehl und lehnt mein Urteil nicht ab. Möge Allah mir und euch vergeben, und möge Er mich und euch zu dem rechtleiten, worin Seine Liebe und Wohlgefallen liegt.“

Die Leute, die andere Ziele als die des Islams verfolgten, haben ihn (a) bezichtigt, einen Frieden mit Muawiyah schließen zu wollen und warfen ihm (a) Feigheit und Unglauben vor. Etliche stürmten das Zelt des Imams (a) und plünderten alles, was sie in die Hände bekommen konnten. Selbst seine Sitzunterlage und seinen Schal rissen sie ihm (a) von seinen Schultern. Die treuen Anhänger Imam al-Hassans (a) hielten sie daraufhin von ihm (a) fern, so dass sie ihn nicht angreifen konnten. Als der Imam (a) dann am Abend im Orte lief, wurde er angegriffen und man sagte ihm (a): „Allah ist der Größte, du bist ein Götzendiener geworden, Hassan, wie auch dein Vater ein Götzendiener vor dir wurde.“ Dann stach er dem Imam (a) in sein Bein. Der Imam (a) wurde nach Mada-in zu Sa’d ibn Mas’ud ath-Thaqafiy gebracht, der schon unter Imam Ali (a), als Gouverneur von Mada-in eingesetzt und von Imam al-Hassan (a) in seinem Amt bestätigt wurde88, gebracht. An dieser Stelle berichten nun einige, dass eine Person89 zu Sa’d ibn Mas’ud sagte: „Willst du zu Reichtum und Ansehen kommen?“ Sa’d fragte: „Wie?“ Er sagte: „Nimm Hassan fest und liefere ihn Muawiyah aus. Alles, was du willst, wird er dir geben …“ Sa’d, der Gouverneur Imam al-Hassans (a) in Mada-in sagte: „Möge dich der Fluch Gottes treffen! Was bist du doch für ein Halunke! Wie könnte ich den Sohn der Tochter des Propheten seinem Feind ausliefern?!“

Auch wenn es Historiker gibt, die genau diesen (eben beschriebenen) Vorfall als wissenschaftlich unbewiesen erklären, zeigt es doch eine ganz bestimmte Realität, in der sich der Imam (a) befunden hatte. Als der Imam (a) noch verletzt im Hause Sa’ds war, kam heraus, dass Leute aus seinen (a) eigenen Reihen, heimlich an Muawiyah Briefe schrieben, aus denen hervorging, dass sie auf Muawiyahs Seite seien und Imam al-Hassan (a) verraten würden. Der Imam (a) erfuhr davon aus einem Brief von Qays ibn Sa’d ibn Ibaadah. Letzterer wurde mit Ubaidullah ibn Abbas vorausgeschickt, um Muawiyahs Truppen, die in Richtung Kufa ritten, aufzuhalten. Muawiyah bot Ubaidullah sehr viel Geld90, so dass dieser sich Muawiyah anschließe. Er ging diesem Angebot nach.

Es ist unnötig noch weitere Beispiele zu erwähnen. Klar war, dass es militärisch gesehen, keine Möglichkeit gab, um Muawiyahs Treiben ein Ende zu setzen. Der Imam (a) hatte es zwar versucht, jedoch sahen wir, dass sie sich, bis auf eine Hand voll, von Muawiyah verführen ließen und den Imam (a) sogar ausgeliefert hätten. Zudem war er (a) verletzt und vor allem musste ein Weg gefunden werden, um dem Überleben des Islam Luft zu verschaffen. Wäre der Imam (a) trotz dieser Lage militärisch vorgegangen, so sähe es ganz stark nach einer Niederlage aus. Der einzige Weg, der trotz großer Überwindung noch übrig blieb, war, dass man es irgendwie hinbekommen müsste, eine annähernde Einheit unter den Menschen zu schaffen. So blieb nichts anderes übrig, als dass es letztendlich zu einem vertraglichen Abkommen kommen musste. Der Imam (a) erklärte die Notwendigkeit eines solchen Vertrages wie folgt: „Ich schwöre bei Allah, hätte das Volk treu zu mir gestanden und mich unterstützt, so hätte der Himmel Glück und Segen kommen lassen wie Regen, und die Erde hätte ihre Gaben verschwenderisch an sie ausgeteilt, – und Muawiyah hätte nicht so gierig nach dem Kalifat verlangt. Der Prophet des Islam musste von Mekka Abschied nehmen und seine Anhänger suchten Zuflucht in einer Höhle. Hätte man ihn unterstützt, nie hätte er Mekka verlassen und sich in die Höhle geflüchtet. Von der Zeit an (nach dem Propheten (s)), ist die islamische Nation anderer gefolgt und hat uns verlassen, uns blieb nur der Vertrag als Pflicht.“91

Schließlich kam es dann nach nur sieben Monaten und sieben Tagen des Kalifats Imam Hassans (a) zur vertraglichen Übereinkunft, d. h. im Jahre 41 n. H.92 Muawiyah übernahm damit die Regierung. Dies geschah nicht durch eine Wahl, nicht durch eine einheitliche Benennung und auch nicht durch eine Beratung (schura), sondern allein durch Waffengewalt, der schließlich durch ein Abkommen gebeugt werden musste.93

Inhalt des Abkommens

Vom Tage des Vertragsschlusses bis zur Niederschrift in Buchform liegen mehr als 200 Jahre. Und wie nicht anders zu erwarten war, bearbeiteten die Umayyaden die Geschichts- und Hadithschreibung enorm. Daher ist es sehr schwierig genau festzustellen, woraus der genannte Vertrag bestand. Dennoch, um uns kurz zu halten, können wir an dieser Stelle Punkte aufzählen, worin sich die Historiker einig sind und auch mit der damaligen Lage im Einklang stehen:

  • Muawiyah habe nach dem Buche Gottes (swt) und der Lebensweise des Propheten (s) zu handeln.
  • Muawiyah ist nicht befugt, seinen Nachfolger zu bestimmen.
  • Wenn Muawiyah stirbt, wird Imam Al-Hassan (a) bzw. bei Todesfall Imam Al-Hassans (a), wird Imam Al-Hussein (a) das Kalifat übernehmen.
  • Schaffung von Sicherheit für Leben, Eigentum und Nachkommen des Volkes.
  • Muawiyah durfte Imam Ali (a) nicht mehr beschimpfen und beschimpfen lassen.
  • Muawiyah durfte sich nicht als „Fürsten der Gläubigen“ nennen.
  • Er durfte weder öffentlich, noch insgeheim Imam Hassan (a), seinen (a) Bruder Imam al-Hussein (a) oder aber jemanden aus seinem (a) Hause attackieren oder unter Druck setzen.94

Für Muawiyah war es auch gelegen ein Abkommen zu machen, da er unter militärischen Folgen finanziell unter Druck geraten könnte. Jedoch vor allem wollte er sich damit Ruhe vor Imam al-Hassan (a) verschaffen. Wie gesagt, würde es zu genannter „Ruhe“ für Muawiyah nicht kommen, wenn das Volk „treu“ zum Imam (a) gewesen wäre. Von Anfang an war aber klar, dass Muawiyah die vertraglichen Bedingungen nicht einhalten würde. Wenn er göttliche Bedingungen nicht einhalten würde, so auch nicht weltliche. Dies macht auch folgender Ausspruch Muawiyahs deutlich: „Bei Allah, ich habe nicht gegen euch gekämpft, damit ihr beten, fasten, die Pilgerfahrt machen und Zakat zahlen könnt, denn all das beachtet ihr ja schon – ich aber habe mit euch einzig und allein um die Herrschaft gekämpft. Mein Plan war erfolgreich und nun erkläre ich feierlich, dass alle Abmachungen des Vertrages, den ich mit Hassan abgeschlossen habe, nichtig sind: Ich zertrample sie mit meinen Füßen. Ich werde sie nie erfüllen.“95

Durch die Machtergreifung Muawiyahs wurde Damaskus das neue Zentrum der Macht und Kufa verlor immer mehr an politischer Bedeutung, die noch vor den Umayyaden die islamische Regierungshauptstadt war. Medina wurde neben Mekka zu einem nahezu reinen religiösen Wallfahrtsort und verlor ebenso an politischer Bedeutung.

Neben der Missachtung Muawiyahs der vertraglichen Bedingungen, machte sich ein breit verbreitetes Unbehagen in der Bevölkerung des Iraks breit. Die „Pseudo“-Muslime, ließen Imam al-Hassan (a) ein zweites Mal im Stich, nachdem sie ihm schon bei einem möglichen militärischen Schlag gegen Muawiyah im Stich gelassen hatten und selbst Imam Ali (a) dies antaten. Sie dachten, dass er nun mit Muawiyahs Politik und Machenschaften einverstanden sei und ihm sich feige beugen wolle. Einige entgegneten dem heiligen Imam (a) mit absoluter Abtrünnigkeit. Sie bezeichneten ihn (a) als Verräter und Ungläubigen. Einige meinten, dass er die Muslime mit diesem Abkommen erniedrigt hätte. Darauf antwortete Imam al-Hassan (a): „Ich gehöre einem Hause an, das, sobald es die Wahrheit weiß, diese nicht mehr aufgibt. Darauf, dass dieser Tag kommen würde, machte schon mein Großvater aufmerksam. Mein Großvater, der Prophet (s), sagte: ‚Ich sah im Traum, dass die Bani Umayyah meine Kanzel besteigen.‘“96

Die Person, die dies zum Imam (a) sagte, war noch vor dem Abschluss des Vertrages, ein treuer Gefolgsmann des Imams (a). Man kann deutlich erkennen, dass die Menschen zu seiner Zeit, den Imam (a) und die Führerschaft nicht verstanden haben. Einige sagten zum Imam (a) sogar anstatt „Salaamun A‘laikum“ „Sammun A‘laikum“, d. h. – im Deutschen – anstatt „der Friede sei mit Euch“, sagten sie „mögt Ihr dem Gift ausgesetzt sein“. Was für eine Verblendung mussten diese Menschen nur erlitten haben?! Der Imam (a), der der wissendste, gottesfürchtigste und beste Mensch zu seiner Zeit war, wurde auf solch eine erniedrigende Art behandelt. Sie waren unzufrieden mit dem Abkommen, richtig, aber was würden sie machen, wenn es zum Krieg und dann zur Niederlage gekommen wäre? Es ist schade, damals wie heute, dass der Mensch in schwierigen Situationen den Kampf gegen seine materiellen Vorlieben und seiner Unwissenheit verliert.

Imam al-Hassan (a) wird vergiftet

Der Imam (a) blieb in Medina. Muawiyah, wie sollte es auch anders sein, konnte seinen Hass und Neid gegenüber der Familie des Propheten (s) nicht überwinden und schmiedete eine Intrige gegen Imam al-Hassan (a). Der Feind des Islams, Muawiyah, ließ eine Ehefrau des Imams (a), namens Djuda bint al-Asha‘th ibn Qais, zu sich rufen, um sie dazu zu bringen, den Imam (a) zu vergiften. Er bot ihr Geld und die Verheiratung mit seinem Sohn, Yazid, an. Sie willigte ein und verabreichte ihrem Ehemann, dem Enkelsohn des heiligen Propheten Mohammad (s) das Gift als Getränk (wie es überliefert wird). Sie bekam zwar das Geld, aber Yazid sollte sie nicht heiraten. Was für eine Erniedrigung! Sie hatte die Ehre, die Ehefrau des zweiten Imams (a) zu sein. Selbst sie hatte den Imam (a) hintergangen. Da war es nicht weit hergeholt, dass das Volk dies auch tun würde. Imam al-Hassan (a) erkrankte, erlag der Vergiftung einige Zeit später und fand am 28. Safar 50 n. H. (670 n. Chr.) das Martyrium.

Fußnoten:

68 Sie wurden so genannt, weil sie seit dem Dahinscheiden des heiligen Propheten Mohammad (s), auf der Seite des durch ihn (s) ernannten Nachfolger Imam Ali (s) standen.

69 Tarikh Ibn Athir, B. 3, S. 472

70 As-Suyuti, Tarikh al-Khulafaa‘, S. 199

71 Ibn Khalduun, al-Muqaddimah, S. 169 ff.; Al-Ya’quubi, B. 2, S. 257

72 Die Byzantiner waren vor dem zweiten Kalifen Omar in den Gebieten Schaams ansässig. Jedoch in der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 n. Chr. unterlagen die Byzantiner einem Heer Omars und der ganze Südosten des Byzantinischen Reiches, einschließlich Syriens und Palästinas ging verloren. (Quelle: eslam.de)

73 Al-Hus’ni, Muntakhabaat at-Tawaarikh li Dimashq, S. 81

74 Al-Balaz’iriy, Ansaab alAshraaf, Band 2, S. 147

75 Demselben Stamm gehörte auch die Ehefrau des dritten Kalifen Uthman ibn Affan an.

76 Die Führung der Staatskasse war nach der Führung des Heeres, die wichtigste Aufgabe im Lande.

77 Mitgefühl anderer Menschen gegenüber

78 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 228

79 Al-Ya’qubi, Tarikh al-Ya’qubi, Band 2, S. 265; at-Tabari, Band 2, S 70; ad-Dainuriy, S. 229

80 Ahmad ibn Hanbal, Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 5, S. 347

81 An-Nisa-iy, Sunan an-Nisa-iy, Band 7, S. 279

82 Sure 2, Vers 204

83 Dass dies geschehen ist, können wir aus folgender Quelle entnehmen, d. h. aber nicht, dass der Autor dem Inhalt zustimmt, sondern nur, dass Muawiyah diese Schandtat begangen hatte: Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 4, S. 73

84 Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Tafsir al-Amthal, Band 2, S. 44-45 & 49

85 Al-Mazandaraani, Sharh‘ Us’uul al-Kafi, B. 11, S. 292; A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, B. 22, S. 214; Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 2, S. 102

86 Siehe z.B.: Sure 42, Vers 23

87 Er (a) meint damit die Einheit unter den Menschen.

88 Ibrahim bin Mohammad ath-Thaqafi al-Kufi, al-Ghaaraat, B. 1, S. 51 ff.

89 Einige, wie at-Tabari, meinen, dass diese Person der Neffe Sa’ds war, der Mokhtar hieß, der ca. 25 Jahre später gegen die Mörder Imam al-Husseins (a) gekämpft und verfolgt hatte.

90 Einige meinen, dass es eine Million Dirham waren.

91 A’llamah al-Majlisi, Bihar al-Anwaar, Band 44, S. 23

92 Khalifah bin Khayyat’, B. 1, S. 224; at-Tabari, B. 6, S. 94; Ibn al-Athir al-Kaamil, B. 2, S. 406

93 Tarikh al-Khulafaa’, S. 71

94 Baqir al-Qarashi, H‘ayaat Al-Imam Al-Hassan bin Ali, B. 2, S. 221-227

95 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 16, S. 46

96 Ibn Abi al-H’adid, Sharh‘ Nahj al-Balaaghah, Band 3, S. 407

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Politische Lage (Teil 2) https://bufib.de/politische-lage-teil-2/ Wed, 14 Oct 2015 21:54:44 +0000 http://bufib.de/?p=1674 Unterschied zwischen „Kalifat“ und „Führerschaft“

Wie wir wissen, gibt es verschiedene ideologische Richtungen im Islam. An dieser Stelle möchten wir in keine tiefgründige Diskussion eingehen, sondern nur den Kern des Unterschiedes erläutern. Das Verständnis der Nachfolgschaft des Propheten Mohammad (s) ist der Kernunterschied zwischen Sunniten und Schiiten. Die Schiiten sehen die Nachfolge des heiligen Propheten (s) als eine von Allah (swt) vorbestimmte Instanz, die die „Führerschaft“ (al-imaamah) über die Muslime darstellt. Die Sunniten dagegen sehen die Nachfolge, als ein durch ein (menschliches) Gremium gewähltes Amt an, das als „Kalifat“ bezeichnet wird (al-khilaafah)52. D. h. im Groben, wir haben zwei Meinungen: 1. göttlich erwählt und 2. menschlich gewählt. Im Endeffekt aber, bedeutet es bei beiden, dass derjenige, der diese Verantwortung übernimmt, der Nachfolger des Propheten Mohammad (s) auf Erden ist. Der Unterschied liegt also an sich nicht im Ergebnis, sondern in der Art und Weise des Weges, wie dieser bestimmt wird. Dies bringt jedoch entscheidende Folgen mit sich. Während die schiitische Sicht einen von Gott (swt) erwählten Führer hat, braucht sich der Gottesfürchtige keine Sorgen machen, dass dieser unislamisch handelt, denn Allah (swt) ist All-Weise (h’akiim) und All-Wissend (a’liim). Das Letztere, d. h. die All-Weisheit Gottes (swt) ist von allen Richtungen im Islam anerkannt. Und die All-Weisheit verlangt, dass diese auch den weisesten und gottesfürchtigsten Führer unter den Menschen erwählt. Wiederum, wenn das Amt des Nachfolgers des Propheten Mohammad (s), durch ein menschliches Gremium gewählt werden würde, so kann man nicht mehr von einer unmöglichen Fehlentscheidung sprechen. Ein Mensch kann weise sein, jedoch nicht All-Weise, so wie es einzig und allein Allah, der Erhabene, ist. Vereinfacht heißt dies, dass es im zweiten Fall sein könnte, zumindest wenn man sich dies logisch vorstellt, dass die Muslime einen Frevler als Oberhaupt bekommen. Dies wäre, wie gesagt, im ersten Fall (göttliche Ernennung), selbst logisch gesehen, unmöglich (mah’aal), denn wenn dies der Fall wäre, so wäre es ein logischer Widerspruch in sich selbst. Vereinfacht gesagt würde dies heißen, d. h. wenn der Nachfolger des Propheten (s) von Gott (swt) erwählt wäre und dennoch ein Frevler ist, dass Allah (swt) zur gleichen Zeit All-Weise und nicht All-Weise wäre und das ist unmöglich.

Wie gesagt, kann es im zweiten Fall sein, d. h., wenn Menschen den Nachfolger wählen, dass dieser, im Logischen betrachtet, ein Frevler sein kann. Dies zeigt sich auch in einigen sunnitischen Quellen. Wie z. B. in „Sahih Muslim“ wird von Huzayfah bin al-Yamaan überliefert, dass der Prophet (s) gesagt habe: „Nach mir wird es eine Gesellschaft geben, die nicht durch meine Rechtleitung geleitet sind und nicht nach meiner Lebensweise (sunnati) handeln und es werden unter ihnen Männer herrschen, dessen Herzen, die Herzen der Teufel sind im Körper eines Menschen.“ Daraufhin frage Huzayfah den Propheten (s), was denn getan werden solle, wenn man diesen (zeitlich) begegnet. Der Prophet (s) habe, im Wortlaut dieser Erzählung, geantwortet: „Gehorchet und seiet dem Fürsten (al-amir) loyal gegenüber, selbst wenn ihr auf euren Rücken geschlagen werdet und euer Hab und Gut genommen wird, so gehorchet und zeigt Loyalität.“53

Dem Kalifen, der hier Fürst genannt wurde, muss ausnahmslos gehorcht werden. Das Widersprechen gegen einen (solchen) Kalifen wäre Ungehorsam und sündhaftes Verhalten, wie wir in einer weiteren sunnitischen Überlieferung erkennen können. Folgende Überlieferung lesen wir in „Sahih al-Bukhari“: Es wird von Ibn Abbas überliefert, dass der Prophet (s) gesagt haben soll: „Wer etwas an seinem Fürsten verabscheut, so geduldige man sich, denn wahrlich, wer (nur) eine Spannbreite gegen den Sultan vorgeht, der stirbt den Tod eines Unwissenden.“54

Einige haben später versucht die Inhalte solcher Überlieferungen zu erklären, um ein gemäßigteres Bild davon zu bekommen. Wie dem auch sei, die Wirklichkeit, mindestens zur damaligen Zeit, sah genauso aus. Aber wenn man ehrlich sein will, dann sehen wir diese verkehrte Weltanschauung noch heute. Wie zum Beispiel der Großmufti und stellvertretende Justizminister des Königreiches Saudi Arabien – Abd al-Aziz bin Abdullah Aal ash-Shaikh – sagte in der TV-Sendung „Mit dem verehrten Mufti“ (ma‘ samaah’at al-mufti) auf dem TV-Sender „al-Majd“, dass der Treueid Yazid dem Sohne Muawiyahs, ein rechtmäßiger wäre und somit, wer gegen ihn vorgeht, sei sündig und al-Hussein ibn Ali (a) ging gegen Yazid vor. Weiter sagte er: „Die Ahl as-Sunnah sind sich darüber einig, dass, wenn sich die Menschen auf jemanden einigen, den sie den Treueid geben, so ist es den Menschen verpflichtend diesem auch zu gehorchen und loyal zu sein und das Vorgehen gegen ihn ist verboten. Al-Hussain hat sich nicht daran gehalten, so wurde er – möge Allah mit ihm zufrieden sein – getötet … Es war Al-Hussein eine Verpflichtung Yazid den Treueid zu geben …“ Am Ende sagte er: „Wir bitten Allah, dass Er al-Hussain (r) vergibt.“

An dieser Stelle wollen wir noch nicht auf Yazid ibn Muawiyah eingehen, jedoch erkennt man daran, vor allem weil dies von dem höchsten Mufti des Königreiches Saudi Arabien stammt, dass man dem Kalifen, egal was für Eigenschaften dieser besitzt, gehorsam sein muss. Und in einigen Überlieferungen lesen wir sogar, dass derjenige, der gegen den Kalifen aufsteht bzw. rebelliert, ein Ungläubiger ist. Da dies auch aus den sunnitischen Überlieferungen zu entnehmen ist, ist hier auch wieder das zweite Verständnis des Kalifats gemeint.

Die Kamelschlacht

Kommen wir wieder zurück zum Geschehen. Wie gesagt, es zeichneten sich innermuslimische Spannungen ab. Auf der einen Seite waren die Anhänger Imam Alis (a), den die Muslime rechtmäßig zum (vierten) Kalifen gewählt hatten, indem sie ihm (a) den Treueid geleistet haben. Auf der anderen Seite waren die von Hass und Neid erfüllten Umayyaden, die ebenfalls Leute auf ihre Seite ziehen konnten und dies vor allem mit dem Slogan: „Rächer des unterdrückten Kalifen Uthman“. Unter ihnen waren Persönlichkeiten wie Talh’a und Zubayr, der anfangs, d. h. direkt nach dem Dahinscheiden des geliebten Propheten Mohammad (s), noch auf der Seite Imam Alis (a) stand. Ebenfalls hat sich A’ischa, die Gattin des Propheten (s), auf ihre Seite geschlagen. Sie trafen sich in Basra, um einen Krieg gegen Imam Ali (a), dem (vierten) Kalifen, anzuzetteln. Es gab nun eine wirkliche Bedrohung für die Regierung und die Muslime an sich. Daraufhin gab es auch Schlichtungsgespräche vom Gouverneur des Gebietes Hijaz, jedoch waren die Oppositionellen, wenn man sie so nennen darf, so engstirnig, dass all dies nichts brachte. Es kam schließlich, nicht einmal fünf Monate nach dem Tode Uthmans, zum Kampf. Dieser wurde im Raume Basra ausgetragen und wurde unter dem Namen „Kamelschlacht“ bekannt, weil A’ischa auf einem Kamel sitzend anwesend war.

Es wird berichtet, dass etwa 10.000 Menschen in dieser Schlacht ihr Leben verloren hatten. Die Truppen Imam Alis (a) gewannen diese Schlacht und der Bruder A’ischas, Mohammad ibn Abi Bakr, holte sie von ihrem Kamel herunter und brachte sie anschließend in ihr Haus in Medina55. Imam Ali (a) erließ im Anschluss einen allgemeinen Straferlass (Generalamnestie), so dass ein eventueller Aussöhnungsprozess begünstigt werden könne. Dies bedeutete, dass niemand von den Kriegstreibern und ihren Anhängern bestraft werden wird. Viele, vor allem Anhänger der Bani Umayyah, gingen nach Schaam und verbündeten sich mit Muawiyah.

Neue Spannungen bahnen sich an

Zuvor hat Muawiyah zwar politische Intrigen gegen Imam Ali (a) gefördert und publiziert, jedoch war er militärisch nicht der direkte Drahtzieher. Einige berichten, dass er zwar bei der Kamelschlacht dabei war, aber eher als Zuschauer von außen. Wie dem auch sei. Nachdem die Umayyaden, Talh’a, Zubayr und A’ischa, die Kamelschlacht verloren hatten, flohen viele von den Gegnern Imam Alis (a) nach Damaskus, das Muawiyahs Machtzentrale darstellte. Obwohl Imam Ali (a) der rechtmäßige Kalif jener Zeit war, konnte es Muawiyah, neben den alten Rivalitäten und Neid, die er gegenüber Bani Haschim hatte, nicht verkraften, dass er seines Amtes enthoben wurde. Außerdem brachte die Niederlage der Kamelschlacht seine Machtaspirationen noch mehr in Bedrängnis. Ihm blieb nichts anderes übrig, als selbst, unter seiner Führung, zu kämpfen. Nun wollte auch er militärisch gegen den anerkannten Kalifen rebellieren. Muawiyah hat der Islam an sich nicht interessiert, sondern nur das, was er mit diesem erreichen konnte, und zwar Macht. Er wusste, dass die Machtposition zur damaligen Zeit das Kalifat war und diesem gehorcht werden müsse.56 Es passierte das, was schon absehbar war. Muawiyah mobilisierte ein Heer, das gegen Imam Ali (a) und seine Anhänger kämpfen sollten. Die Schlacht fand, nur etwa acht Monate nach der Kamelschlacht, in einem Gebiet namens „Siffin“57 statt. Die Heere beider trafen aufeinander. Es wird berichtet, dass Imam Alis (a) Heer aus ca. 80.000 Mann bestand und Muawiyahs aus ca. 120.000. Imam Alis (a) Feldherr war Malik al-Aschtar (r) und Muawiyahs Feldherr war A’mr ibn al-A’as.

Gegen Ende des Krieges wurde offenkundig, dass Muawiyah den Krieg verlieren wird, so hatte A’mr ibn al-A’as eine heimtückische Idee, die einen großen Effekt zeigen sollte. Er sagte den wichtigen Persönlichkeiten von Damaskus, dass sie alle den Heiligen Koran auf ihre Lanzen stecken sollen und so gerüstet das Heer Imam Alis (a) entgegnen. Ihre Forderung war, dass sie den Krieg beenden und ein Schiedsgericht eingeholt werden soll. Jedoch gab es einige Heuchler (munaafiquun), die dieser Intrige zustimmten und viele andere sind darauf reingefallen. Obwohl Imam Ali (a) sie zuvor warnte und sagte: „Oh Leute, tappt nicht in diese Falle von Täuschung und Trickserei. Sie greifen zu diesem Mittel, um die schmähliche Niederlage zu vermeiden. Ich kenne den Charakter jedes Einzelnen von ihnen. Sie sind weder Anhänger des Koran, noch haben sie irgendetwas mit Glauben oder Religion zu tun. Der Sinn unseres Kampfes bestand darin, dass sie dem Koran folgen und gemäß dessen Befehlen handeln sollten. Um Allahs Willen, fallt nicht auf ihr Täuschungsmanöver herein. Schreitet voran mit Entschlossenheit und Mut und lasst erst ab, wenn ihr den untergehenden Gegner besiegt habt.“58

Trotz dieser Worte wollten sich die Menschen nicht besinnen. Sie drohten ihm (a): „Oh Ali, wenn du nicht auf den Ruf des Korans hörst, dann werden wir mit dir so verfahren, wie wir mit Uthman verfahren sind. Beende die Schlacht und beuge dich dem Richtspruch des Koran!“59 Das heißt, sie drohten ihm (a) mit dem Tod. Somit wäre das Kalifat wieder ins Wanken gekommen und Imam Ali (a) wusste, was das für die Muslime heißen würde: Unterdrückung durch Muawiyah.

Imam Ali (a) sah sich, dem Wohle der Muslime zugunsten, gezwungen, ihrer Forderung nachzukommen. Muawiyah, der nichts mit dem Islam am Hut hatte und keinen Funken islamischer Moral besaß, hatte all diese Menschen verblendet. Daran kann man auch sehen, wie ungebildet die Menschen auf der Seite Imam Alis (a) waren, die sich heuchlerisch verhalten hatten. Muawiyahs und A’mrs List war aufgegangen, Imam Alis (a) Heer war zerstritten und die militärische Niederlage Muawiyahs und somit sein Untergang, wurden damit aufgehoben.

Schiedsspruch ins Verderben

Beide Parteien sollten eine Schiedsrichter ernennen, so dass diese die Angelegenheit des Kalifats mit dem Koran richten. Muawiyah legte, wie konnte es auch anders sein, die Intrige in Person A’mr ibn al-A’as als seinen Schiedsrichter fest. Die Leute auf der anderen Seite riefen nach Abu Musa al-Ascha’riy. Jedoch sah Imam Ali (a) ihn nicht als vertrauenswürdig an und schlug Malik al-Aschtar und Abdullah ibn Abbas vor. Sie sollten sich einen von beiden aussuchen. Sie waren jedoch so auf Abu Musa verbissen, dass sie niemanden anderes wollten, außer ihn. Imam Ali (a) sagte daraufhin: „So tut, was ihr wollt. Der Tag, an dem ihr eure eigenen Hände durch eure Missetaten abschneiden werdet, ist nicht fern.“60

Um es kurz zu halten: A’mr ibn al-A’as, der Schiedsrichter Muawiyahs, überlistete Abu Musa al-Ascha’riy, nämlich indem A’mr ihn überzeugte, dass beide, d.h. Muawiyah und Imam Ali (a), als Kalifen nicht in Frage kommen würden, so dass die Muslime einen neuen Kalifen wählen müssten. A’mr ibn al-A’as forderte Abu Musa auf, als erstes die Kanzel zu besteigen und ihr Ergebnis kundzutun. Daraufhin betrat Abu Musa die Kanzel und sprach, wie vereinbart: „Ich nehme beiden, Ali und Muawiyah, ihr Amt und bekräftige dies, indem ich mir nun diesen Ring hier, den ich trage, vom Finger ziehe …“. Er zog sich den Ring vom Finger und stieg von der Kanzel. Nun war A’mr an der Reihe. Er verkündete: „Auch ich erkenne Ali das Kalifenamt ab und betraue Muawiyah mit dem Kalifat.“ Abu Musa war empört, wie er ihn überlisten konnte: „Wir hatten doch etwas anderes abgemacht, wie konntest du nur so handeln?!“. Doch die Entscheidung war gefallen. Die Kämpfer an Imam Alis (a) Seite, die sich im Kampfe überlistet lassen haben, die zum größten Teil alle aus dem Irak stammten, waren ebenfalls empört und begriffen nun was geschehen war. Sie forderten Imam Ali (a) auf, gegen Muawiyah zu kämpfen. Doch dies kam nun zu spät, denn es gab einen (aufgezwungenen) einjährigen Waffenstillstand mit Damaskus.

Es sollte ein Schiedsspruch nach dem Heiligen Koran sein. Wo finden wir diesen wieder? Gab es nur einen Funken von islamischem Brauch bei diesem Schiedsspruch? All dies spiegelte die Politik und Vorgehensweise der Bani Umayyah und ihrer Schoßhündchen wieder.

Trotz dieser offenkundigen Intrige, wodurch klar wurde, dass diese Menschen keine Gottesfurcht besaßen und den Islam für ihre egoistischen Ziele ausnutzten, wurden weitere Leute, die sich noch auf der Seite Imam Alis (a) befanden, verblendet. Sie meinten zu ihnen, dass Muawiyah und Imam Ali (a) kein Recht dazu haben Schiedsrichter zu wählen und ihnen die Entscheidung zu überlassen. Dies sei allein Allahs (swt) Angelegenheit. Ihre Worte zeigten Wirkung, denn ihre Aussage war in sich korrekt, jedoch missbrauchten sie diese für ihre eigenen Machenschaften. Sie selbst wollten sich nicht dem Richtspruch Allahs (swt) unterordnen, sondern Imam Ali (a) als Kalifen absetzen, so dass sie (wieder) in Saus und Braus leben konnten. Obwohl es zuvor schon schwierig war für Imam Ali (a), fing nun die komplizierteste Periode für ihn (a). Viele seiner Gefolgsleute, die noch vorher auf seiner Seite standen, sagten ihm (a) die Gefolgschaft ab und brachten dasselbe Argument, mit dem auch sie überlistet wurden: ‚Was gibt dir das Recht, dich mit dem Schiedsgericht einverstanden zu erklären, denn dies gebührt allein Allah (swt).‘ Einige betitelten ihn (a) damit, dass er (Gott, der Erhabene bewahre) Unglauben (kuffr) begangen hätte. Imam Ali (a) erklärte ihnen den wahren Sachverhalt der Dinge und ermahnte sie mehrmals. Hier ein Ausschnitt aus seinen Worten gegen diejenigen, die sich von ihm (a) abschieden: „Möge euch ein Sturm ereilen, während euch kein Überlieferer mehr übrig ist! Soll ich denn nach meiner Überzeugung über Allah und meinem Kampf (an der Seite) mit Allahs Gesandten (s) gegen mich selbst Unglauben bezeugen? Ich würde sonst wahrlich irregehen und wäre nicht unter den Rechtgeleiteten. So kehrt dann zurück zu den üblen Heimstätten und kehrt um, auf die Spuren der Fersen! Wehe euch, ihr werdet nach mir umfassende Demütigung erfahren und scharfe Schwerter und Traditionen, welche die Unterdrücker als Gewohnheit gegen euch annehmen werden.“61

Dennoch hielten die Meisten an ihren Argumenten fest, verließen ihn (a) und gingen nach Nahrawaan62. Da sie sich von ihrem Imam (a) trennten, nennt man diese auch in der islamischen Geschichte „Khawarij“. Sie sagten, dass sobald Imam Ali (a) nach Damaskus reise, würden sie Kufa angreifen. Die Khawarij fingen an, sich eigene Vorstellungen vom Islam zu formulieren, wie z. B. dass es niemanden geben dürfe, der die Befehlsgewalt über sie hätte, außer Allah (swt). D. h., dass Imam Ali (a) in ihren Augen ein Sündiger sei. Imam Ali (a) sandte einige seiner Leute zu ihnen und später auch reiste er persönlich zu ihnen, um seine (a) Position zu erläutern. Die Khawarij kehrten nicht von ihrem Standpunkt ab und forderten Imam Ali (a) auf, sein Amt als Kalif niederzulegen. Er (a) aber sagte ihnen, dass das entscheidende Merkmal einer islamischen Führung nicht die Herrschaft sei, sondern die Wahrhaftigkeit. Die Khawarij waren engstirnig und nahmen seine Worte nicht an, so dass sie sich für eine Revolte gegen ihn (a) entschieden, und betitelten Imam Ali (a) als ein vom Glauben Abgefallener.

Dritter innermuslimischer Konflikt

Die Gegner Imam Alis (a) schlugen ihre Zelte in Nahrawan auf, um von dort aus ihre Revolte zu starten. Sie brachten den Gouverneur von Nahrawan, dessen Frau und Kind um. Daraufhin schickte Imam Ali (a) einen Vertreter, um die Lage zu prüfen. Dieser wurde ebenfalls von den Khawarij umgebracht. Nun war es wieder so weit. Ein dritter innermuslimischer Krieg wurde entfacht. Imam Ali (a) schickte seine Truppen gen Nahrawan. Dort angekommen, forderte er (a) die Auslieferung der Mörder des Gouverneurs und seiner Familie und des Vertreters. Die Khawarij weigerten sich und meinten, dass sie alle gemeinsam dafür verantwortlich seien. Der Imam (a) und rechtmäßige Kalif Ali ibn Abi Talib (a) bat ihnen an, sich vom Schlachtfeld zu entfernen und würde ihnen dafür eine Straferlass geben. Einige von den Khawarij nahmen dieses Angebot an und verschwanden, wiederum einige schlossen sich sogar Imam Ali (a) an, da sie seine (a) Wahrhaftigkeit wiedererkannt hatten. Dennoch standen in etwa 1800 Mann weiterhin auf dem Schlachtfeld, um gegen den Imam (a) ihrer Zeit zu kämpfen. Imam Ali (a) sagte zu den Khawarij: „Ich bin ein Warner für euch, auf dass ihr nicht zu Boden gestreckt werdet am Laufe dieses Flusses und in den Niederungen dieser Tiefebenen und ihr keine Beweise von eurem Herrn noch eine klare Ermächtigung habt. Ihr kamt aus euren Häusern gestürzt und dann fing euch das (göttliche) Schicksal. Ich hatte euch von diesem Schiedsgericht abhalten wollen, doch ihr habt euch mir verweigert in der Art von Gehorsamsverweigerung und Gegnern, bis ich meine Gedanken nach eurem Geschmack änderte. Ihr seid Zeitgenossen bar jeglichen Verstandes, von törichtem Urteilsvermögen. Ich habe euch – mögt ihr keinen Vater haben (d. h.: wehe euch) – nichts Schlechtes über euch gebracht, noch wollte ich euch Schaden zufügen.“63

Noch vor dem Krieg sagte Imam Ali (a) folgendes zu seinem Heer: „Ihr (d. h. die Khawarij) Untergang ist ohne (von) Tropfen (berührt zu werden), und bei Allah, nicht zehn von ihnen werden entkommen, während von euch nicht mal zehn umkommen werden.“64

Die Khawarij griffen Imam Alis (a) Truppen an und erlagen mit absoluter Unterlegenheit. Tatsächlich, wie es schon Imam Ali (a) prophezeit hatte, fielen alle, bis auf neun Personen und in den Reihen Imam Alis (a) kamen nur acht ums Leben.

Letzte Intrige in Imam Alis (a) Leben

Die Khawarij hörten mit ihrer Engstirnigkeit nicht auf. Die Überlebenden von ihnen entsandten Mörder, um drei Personen umbringen zu lassen: Muawiyah, A’mr ibn al-A’as und Imam Ali (a). In der Frühe, am 19. des heiligen Monats Ramadan 661 n. Chr65., wurde Imam Ali (a), der mitten im Frühgebet vertieft war, von Abd ar-Rahman ibn Muljam niedergeschlagen. Zwei Tage später, d.h. am 21. des Monats Ramadan erlag der heilige Imam (a), der Fürst der Gläubigen, das Erbe des Wissens des Propheten Mohammad (s), seiner Verletzung und fand das Martyrium.

Es gibt jedoch ein großes Fragezeichen unter den Historikern, wer nun wirklich hinter dem Mord steckte. Waren es die Khawarij? War es Muawiyah? Einige behaupten sogar, dass es nicht stimmte, dass neben Imam Ali (a) auch Muawiyah umgebracht werden sollte. Wie dem auch sei, es gibt sehr große Indizien dafür, dass Muawiyah zumindest an dem Komplott gegen Imam Ali (a) beteiligt war.

Traum der Umayyaden wird wahr

Imam Ali (a), der den Menschen den Islam wahrhaftig zu Herzen bringen wollte, der wieder Gerechtigkeit walten lassen wollte, der den Intrigen und gesellschaftlicher Ungleichheit ein Ende bereiten wollte, wurde ermordet. Nun war endlich der Traum der Umayyaden Wirklichkeit geworden. Doch ein Problem hatten sie noch: Imam al-Hassan (a), dem die Leute in Kufa (Irak) den Treueid schwuren, und somit rechtmäßig zum fünften Kalifen gewählt wurde.

Trotz dessen ernannte sich Muawiyah noch in derselben Zeit, d. h. im Jahre 40 n. H.66, selbst zum Herrscher über die Muslime und die gesamte islamische Welt. Dadurch konnte der Rest Tugend, der noch übrig geblieben war, komplett zerstört werden und ein egozentrischer, machtgieriger Herrschaftsstil walten. Muawiyah ging sogar so weit, dass er sich als den „Fürsten der Gläubigen“ bezeichnen ließ.67 Die Menschen in Damaskus lagen Muawiyah zu Füßen. Er hat sie mit Gewalt unterdrückt oder mit schmackhaften Geschenken unmündig gemacht. Es war schon für Imam Ali (a) schwierig gegen sie anzukommen, jedoch desto mehr man sich zeitlich von der Zeit des Propheten Mohammad (s) entfernte, desto prekärer wurde die Lage. Außerdem kam nun noch hinzu, dass Muawiyah sich selbst zum Kalifen erklärte. Dies verschaffte eine problematische Situation, denn man hatte nun nicht mehr nur einen Kalifen vor sich, sondern zwei, wenn auch einer davon unrechtmäßig war. In der Zeit nach dem Tode Uthmans, hatten die meisten Leute Imam Ali (a) den Treueid ausgesprochen und niemand anderes wagte sich gegen Imam Ali (a) zu kandidieren, da sie seinen erhabenen Stand kannten.

Fußnoten:

52 Im koranischen Verständnis hat das „Kalifat“ jedoch noch andere Bedeutungen.

53 Muslim ibn al-Hajjaaj, Sahih Muslim, Buch 34, Kapitel „Das Emirat“ (al-imaarah), Hadith 4891

54 Al-Bukhari, Sahih al-Bukhari, Buch 93, Hadith 7140; ähnliche Überlieferungen auch in Sahih Muslim, Buch 34, Hadith 4897; at-Tirmizi, Buch 1, Hadith 673

55 Dies geschah, weil der Prophet (s) vor seiner Rückkehr zu seinem Herrn (swt) seine Frauen befohlen hatte, in ihren Häusern zu bleiben.

56 Wie wir schon zuvor in den Überlieferungen und Ansichten gesehen haben.

57 Ein frühere byzantinische Siedlung am Euphrat (Irak), heute wird diese unter anderem als „Abu Hurayra“ bezeichnet, der auch auf der Seite Muawiyahs gegen Imam Ali (a) gekämpft hat.

58 Scharif Radhi Muhammad ibn Hussain, Pfad der Eloquenz (nahj al-balaaghah), dt. Übersetzung: Fatima Özogus, m-haditec, Band 1, S. 145

59 ebd, Band 1, S. 146

60 ebd, Band 1, S. 147

61 ebd, Band 1, S. 174

62 Ort in der Nähe von Bagdad

63 ebd, Band 1, S. 149

64 ebd, Band 1, S. 176

65 Dies entspricht: 40 n.H.

66 At-Tabari, Band 2, S. 4; Qabil al-Masu’usiy, Band 5, S. 14

67 Ibn Athir, al-Kamil fit-Tarikh, Beirut, Band 3, S. 403

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Politische Lage (Teil 1) https://bufib.de/politische-lage-teil-1/ Wed, 14 Oct 2015 21:52:12 +0000 http://bufib.de/?p=1672 Die politische Lage

Nachdem wir über die besondere Stellung Imam al-Husseins (a) bei Allah (swt) und Seinem Gesandten (s) gesprochen haben, sollten wir nun die politische Lage der damaligen Zeit behandeln, so dass man sich ein Bild davon machen kann, weshalb es zur Tragödie in Kerbala kommen musste.

Wenn wir die politisch-gesellschaftliche Lage, in der sich Imam Hussein (a) befand, verstehen wollen, so dürfen wir nicht im Jahre 60 n. H. beginnen, sondern benötigen noch einige Vorkenntnisse in der islamischen Geschichte. Es ist klar, dass wir in diesem Umfang keine ausführliche politische Analyse aller historischen Ereignisse darlegen können, jedoch sollten wir versuchen, den Kern der Problematik zu verstehen, um uns etwas in die Lage hinein versetzen zu können.

Nach dem Propheten (s) – Erste Probleme

Schon nachdem der heilige Prophet Mohammad (s) zu seinem Schöpfer (swt) zurückgekehrt ist zeichneten sich Probleme ab. Da sich aber das Thema „Aschura“ sehr stark mit dem Thema der Umayyaden40 auseinandersetzt, möchtet wir uns im Besonderen darauf begrenzen. Omar ibn al-Khattab41, der zweite Kalif, war zu Zeiten des ersten Kalifen Abu Bakr42 dessen engster Berater. Kurz vor dem Ableben Abu Bakrs, ernannte er Omar zum zweiten Kalifen. Im Jahre 634 n. Chr. übernahm er dann das Amt des Kalifen über die Muslime. Nach nur kurzer Zeit erweiterte Omar sein Kalifat zu einer Großmacht und Vormachtstellung im Nahen Osten. So wurden Palästina (634 n. Chr.) und Ägypten (639-642 n. Chr.) durch A’mr ibn al-A’as erobert. Syrien wurde durch Khalid bin Walid und der Irak durch Sa’d ibn Abi Waqqas im Jahre 636 n. Chr. erobert. Es gab also enorme Expansionen und Eroberungen, die oft durch vertragliche Regelungen erleichtert wurden. Dies verlangte von Omar, dass er verschiedene Statthalter und Gouverneure in den unterschiedlichen, eroberten Regionen einsetzen musste, so dass dort seine Politik weiterhin standhalten könne. Eine der relevantesten Provinzen der Muslime war die in Schaam mit Verwaltungssitz in Damaskus. Schaam war eine Provinz, die sich nicht nur auf Syrien beschränkte, wie es heute einige Historiker fälschlicherweise behaupten. Schaam umfasste neben Syrien, auch den gesamten Libanon, Palästina und große Teile Jordaniens und einige meinen sogar, dass gesamt Jordanien dazugehörte. Im Jahre 639 n. Chr. hat Omar, mit der Bemerkung, dass es viele Gefährten des Propheten (s) gab, Muawiyah ibn Abi Sufyaan als Gouverneur von Schaam eingesetzt. Muawiyah errichtete sich daraufhin einen prächtigen Palast in Damaskus. Wir können heute sagen, dass die Ernennung Muawiyahs als Gouverneur, egal in welcher Region, eine der größte Fehlentscheidung in der Geschichte der Muslime war.

Muawiyah und Bani Umayyah

Kommen wir kurz zur Person Muawiah, bevor wir uns wieder der politischen Lage widmen. Muawiyah ibn Abi Sufyan wurde im Jahre 603 n. Chr. in Mekka geboren und gehörte, neben seinem Vater Abu Sufyan, zum Stamm der „Bani Umayyah“. Beide gehörten lange Jahre zu den größten Feinden des Propheten Mohammad (s) und des Islams an sich. Selbst bei der Befreiung Mekkas, als sein Vater Abu Sufyan, wenn auch nur äußerlich, den Islam annahm, weigerte sich Muawiyah und verließ die Stadt. Erst als er gesehen hatte, dass es keinen anderen Ausweg mehr gab und er dadurch persönliche Vorteile erkannt hatte, nahm er den Islam im Jahre 630 n. Chr. an. Die Mutter von Muawiyah war Hind bint U’tbah, die dafür bekannt war, dass sie in der Schlacht von Uh‘ud, als die Bani Quraisch gegen die Muslime zu Felde zogen, das Herz Hamzas (r), dem Onkel des Propheten (s), herausreißen lies und wie ein wildes Tier fraß. Außerdem war Hind bint U’tbah für Ehebruch bekannt und von daher gibt es auch einige, die berichten, dass es nicht bekannt sei, wer tatsächlich der Vater Muawiyahs sei.

Es scheint eine uralte Familientradition der Bani Umayyah gewesen zu sein, die Haschim-Familie zu hassen. Schon der Großvater von Muawiyah, Umayyah hegte gegenüber seinen Onkel Haschim starke Hassgefühle. Genauso tat es auch Abu Sufyan gegenüber dem Propheten Mohammad (s) und Muawiyah dann gegenüber Imam Ali (a). Wir halten also fest, dass es einen eingeprägten Hass der Bani Umayyah gegenüber Bani Haschim gab.

Muawiyahs Vormachtstellung im Schaam 

Wie dem auch sei. Muawiyah konnte seine politische Machtstellung in Schaam noch unter Omar und auch unter dem dritten Kalifen, Uthman ibn Affan43, wahren. Muawiyah war eine sehr listige Persönlichkeit, denn er spielte schon länger mit dem Gedanken, die komplette „Herrschaft“44 an sich zu reißen, so dass die Bani Umayyah die Oberhand über die Muslime erreichen könne. Nachdem Uthman im Jahre 656 n. Chr. ermordet wurde, sah er die Zeit für sich gekommen dies zu tun.

Wie konnte es aber so weit kommen? Zuvor sagte wir schon, dass der Grundstein dafür von Omar ibn al-Khattab gelegt wurde, indem er Muawiyah in Schaam einen Gouverneursposten zuschrieb. Als Omar jedoch im Jahre 644 n. Chr. gestorben ist, änderte sich sehr viel für „Bani Umayyah“. Bevor Omar gestorben ist, bestimmte er ein Gremium, das aus sechs Personen bestand, die miteinander beraten und innerhalb von drei Tagen aus ihrer Mitte den Kalifen nach ihm bestimmen sollten. Diese sechs Personen waren: Imam Ali (a), Uthman ibn Affan, Zubayr ibn Awwam, Sa’d ibn Abi Waqqas, Abd ar-Rah’man ibn A’wf und Talh’a ibn U’baydullah. Von Anfang an war ersichtlich, dass sich die Auswahl auf Imam Ali (a) und Uthman beschränkte. Die Umayyaden waren jedoch mit Imam Ali (a) nicht einverstanden. Ebenfalls war Abd ar-Rah’man ibn A’wf auf der Seite von Uthman. Nach langen Diskussionen und Beratungen fragte Abd ar-Rah’man Imam Ali (a): „Wenn wir für dich stimmen, wirst du versprechen, gemäß dem Buche Gottes, der Tradition des Propheten und dem Vorgehen der beiden ‚Shaikhayn‘ (d.h. Abu Bakr und Omar) zu handeln?“. Es war absolut klar, dass Imam Ali (a) die letzte der drei Bedingungen nicht zustimmen wird, denn innerhalb der zwölf Jahre, nach der Rückkehr des Propheten (s) zu Seinem Schöpfer (swt), gab es allerlei Abweichungen von der Lebensweise des Propheten Mohammad (s). Und angenommen es gab keine Abweichungen, dann gab es aber noch das Problem, dass es unter beiden Kalifen, Abu Bakr und Omar, zu gleichen Sachverhalten verschiedene Handlungsweisen gab, die sich gegenseitig widersprachen. So antwortete Imam Ali (a) darauf: „Ich werde dem Buche Gottes, der Tradition des Propheten und meinem Wissen gemäß vorgehen.“ Uthman wiederum willigte auf alle drei Bedingungen ein, worauf sie sich dann für ihn (Uthman) entschieden.

An sich kann man sich nun viele Fragen in Bezug auf die Art und Weise des Vorgehens dieser „Wahl“ stellen. Wieso waren nur „Muhajirin“45 bei dieser Wahl anwesend, obwohl schon Abu Bakr zu seiner Zeit gesagt hatte, dass die „Ansaar“46 die Minister stellen sollen und ihnen absolutes politisches Mitspracherecht zugebilligt hatte? Und wenn es ein Gremium sein soll, das den Kalifen der Muslime wählen soll, weshalb waren es nur sechs Personen? Und wieso gab es die dritte Bedingung: „nach dem Vorgehen von Abu Bakr und Omar zu handeln“? War es etwa nicht essentiell nach dem Buche Gottes (swt) und der Tradition des Propheten Mohammad (s) zu handeln? Wie dem auch sei. Schließlich wurde Uthman ibn Affan zum neuen Kalifen ernannt. Was für unsere Untersuchung wichtig ist, ist dass Uthman nach und nach, den Leuten der Bani Umayyah, immer mehr politische Positionen und Ämter zuschrieb. Dies hatte zur Folge, dass die Ansar immer mehr aus dem politischen Geschehen verdrängt wurden.

Wenngleich sich Uthman damit einverstanden erklärte, die wichtigen Träger des Kalifats unter Omar auch in Zukunft in ihren Ämtern zu belassen, dauerte es jedoch nicht lang , bis er sie alle entließ und diese Ämter mit Personen aus seinem Stamm Bani Umayyah besetzte. Sicherlich war es nicht allein Uthman der den Antrieb dazu gab, sondern neben ihm auch seine Berater, wie Marwan ibn al-Hakam, den Uthman zum Gouverneur von Medina ernannte. Marwan ibn al-Hakam selbst gehörte ebenfalls zum Stamme der Umayyaden und war gleichzeitig Neffe und Schwiegersohn Uthmans. Er spielte eine ganz entscheidende Rolle in der anschleichenden Machtübernahme der Umayyaden. Somit wurde er Gouverneur der Stadt, aus der ihn der Prophet Mohammad (s) vertrieben hatte. Marwan und sein Vater al-Hakam waren hasserfüllte Feinde des Propheten (s) und seiner Ahlul Bayt (a), das von niemandem geleugnet werden kann.

Einige Jahre später wurde das Kalifat immer mehr zu einem profitbringenden Amt. Es war nun wesentlich, die Macht über Menschen zu haben und Ansehen zu besitzen. So wurde es zumindest von vielen betrachtet. Außerdem kann man sagen, dass es auch gar nicht verwunderlich war, denn viele Gouverneure in den Städten spiegelten nichts anderes wieder. Im Ursprung ist der Islam eine Religion, die Gleichberechtigung und Gerechtigkeit verlangt, was wir vor allem auch anhand der Verfassung von Medina erkennen können, die eine Art Gesellschaftsvertrag darstellte. So zum Beispiel Bilal, ein dunkelhäutiger Abbesinier47. Obwohl er die arabische Sprache keinesfalls so beherrschte und aussprach wie die ansässigen Araber, so wurde er zum Gebetsrufer der Muslime erwählt. Außerdem war er ein Sohn eines Sklaven und dennoch beauftragte man ihm mit dem Kommando über das islamische Heer. Unter seiner Führung waren hochangesehene Persönlichkeiten der Muhajirin und Ansar. Jeder Muslim war dem anderen Muslim gleichgestellt.

Kalifat Uthmans – Hochsaison der Umayyaden

Vor allem unter der Führung Uthmans änderte sich einiges in diesem Prinzip. Die Ämter wichtiger Städte und Provinzen wurden neu besetzt. Auffällig ist, dass diese Posten seiner eigenen Familienangehörigen, nämlich Bani Umayyah, übergeben wurden. Zum Beispiel nahm Uthman Sa’d ibn Abi Waqqas die Führung über Kufa und setzte dort Walid ibn U’qbah ibn Abi Mu’it ein, der ebenfalls, wie Uthman ibn Affan, dem Stamme Bani Umayyah angehörte. Es wird berichtet, dass obwohl nun drei der wichtigsten und größten Gebiete, nämlich Schaam, Kufa und Ägypten, in der Hand der Umayyaden war, dass einer der Umayyaden darüber empört war, dass Basra48, von einem Nicht-Umayyaden regiert wurde und zwar von dem Jeminiten Abu Musa al-Asha’riy. Erzürnt ging er zu Uthman und hielt ihm vor: „Wie, gibt es denn in deiner Umgebung nicht mal mehr ein einziges (Umayyaden-)Kind, das du nach Basra schicken könntest? Wie lange willst du denn diesen Greis (d.h. Abu Musa al-Asha’riy) noch in Kufa halten?!“49

Viele Muslime, die neu konvertiert waren, hatte der Gerechtigkeitssinn und das Gleichheitsprinzip im Islam imponiert. Jedoch verbitterte diese neue Lage, wie mit der Verteilung der Ämter umgegangen wurde, viele dieser Muslime. Man kann sagen, dass nun die islamischen Prinzipien stetig verschwommen und wieder das alte Arabertum und die damit verbundene Vetternwirtschaft, immer mehr zum Vorschein kam. Die Bani Umayyah gewannen kontinuierlich die Oberhand, indem sie sich die wichtigsten Gouverneursposten zusicherten, bzw. von Uthman zugesichert bekamen. Wenn man sich auch nur mal die Persönlichkeiten, die diese Positionen bekamen, genauer anschaut, so wird man erkennen, dass sie alle keine weiße Weste trugen. Das Erscheinen des wahrhaftigen Lichts, das Erscheinen der absoluten menschlichen Glückseligkeit – und zwar das Erleuchten des Islam – begann fortab trübe zu werden und zu erlöschen. Die Gedanken und Traditionen der vorislamischen Zeit wiederum erwachten auf ein Neues. Außerdem stieg eine stark materielle Einstellung immer mehr empor. Zur Zeit des heiligen Propheten Mohammad (s) hielten sich viele Muslime noch an ihr Vorbild, dem Führer der Menschheit, Prophet Mohammad (s), der in absoluter Bescheidenheit und Selbstlosigkeit lebte und dies auch predigte und vorlebte. In der Epoche von Uthman jedoch, änderte sich diese Lebenseinstellung unter den Menschen. Schon unter Omar ist die Staatskasse (bayt al-maal) zu einer beträchtlichen Summe angestiegen. Außerdem wurde das Gehaltsprinzip der „Staatsdiener“ (d. h. Gouverneure und sonstige Verantwortungspositionen) neu geregelt. Wenn man sich nur den Charakter der Verteilung der Ämter anschaut, dann wird sehr leicht ersichtlich, wie diese Verteilung der Gelder ausgesehen hatte. Es gab eine immer größere Veränderung der finanziellen Verhältnisse. Mit den Worten des 21. Jahrhunderts nennt man dies „die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer“. Von daher hat auch Abu Z’arr al-Ghaffari (r), ein gottesfürchtiger Gefährte des Gesandten Gottes (s), gesagt: „Das, was ihr aus den eroberten Gebieten einnehmt, ist nicht euer persönliches Eigentum, sondern gehört in die Staatskasse (bayt al-maal) und steht allen Muslimen zu. Wer für den islamischen Staat etwas tut, hat Anspruch auf den ihm zustehenden Teil aus der Staatskasse. Und zwar in der Höhe, wie er wirklich benötigt. Was übrig bleibt, ist auf dem Wege Gottes zu verwenden.“

Den Umayyaden, wie soll es auch anders sein, denn sie waren die ersten Profiteure dieser neuen Politik, gefiel diese Kritik nicht und beschwerten sich bei Uthman. Sie meinten, er hetze die Bevölkerung gegen sie auf. Daraufhin wurde Abu Z’arr (r) nach Damaskus verbannt. Aber weil er ein Mensch war, der nach der Wahrheit strebte und sich nicht davor scheute, tat er auch dort Kritik an Muawiyah, der dort Gouverneur war. Man verordnete ihn nach Medina, wo er dann nach Rabadha50 verbannt wurde.

Selbstsucht und Profitgier unter den Beratern Uthmans, Übergriffe Muawiyahs auf größere Städte und unrechtmäßiges Entnehmen von Geldern aus der Staatskasse machte die Lage der Bevölkerung immer prekärer. Das Volk begann zu protestieren und im Heer machte sich Unzufriedenheit breit. Sie sagten: „Die Einnahmen aus den eroberten Ländern sowie auch aus denen, die mit uns einen Friedensvertrag geschlossen haben, stehen uns zu.“ Man konnte daran schon die ersten Formen einer Demonstration erkennen. Wie könnte es auch anders sein, denn die Gouverneure unter Uthman, sahen die Einkünfte als ihr persönliches Eigentum. Folgendes Beispiel verdeutlicht etwas das damalige politische Leben. Eines Abends saß Sa’id ibn A’as, der Gouverneur von Kufa, mit seinen Leuten zusammen und sagte: „Irak gehört den Quraisch.“ Daraufhin wand Aschtar Nakha’i, ein Jeminite, ein: „Wir haben dieses Gebiet durch Kampf erobert. Wieso soll es daher den Quraischis gehören?“ Abd ar-Rah‘man Asadi, Chef der Stadtpolizei, entgegnete ihm: „Du widersprichst dem Emir?“ Er gab daraufhin seinen Leuten ein Zeichen und sie fielen über den Jeminiten her und schlugen ihn.

Die Korruption und Verdorbenheit der politischen Landschaft wurde nun immer klarer. Anstelle korrekter und moralischer Ratschläge der Berater an Uthman gab es immer stärkeren Ausbau des unrechtmäßigen Profits aus der Staatskasse, Vetternwirtschaft und vor allem verschwanden stetig die Grundprinzipien des Islam. Das erstaunliche daran ist, dass sie behaupten streng gläubige Muslime zu sein und prahlten damit, Gefährten des Propheten (s) zu sein. Was ist aber in ihren Köpfen hängen geblieben? Die Gegebenheit ihrer politischen Machenschaften reicht als Antwort.

Opposition gegen Uthman

Dies führte zu großen Unruhen im Staat. Es bildete sich eine Opposition gegen Uthman und seine Berater, die ihre Zentren in Ägypten und in dem Irak hatten, denn unter anderem fand dort eine sehr umstrittene Verteilung der Gelder für den Staat und das Heer statt. Neben A’ischa, der Tochter von Abu Bakr und gleichzeitig Witwe des Propheten Mohammad (s), fochten auch Talh’a ibn U’baydillah und Zubair ibn Awwam, die beide in dem Gremium waren, aus dem der Nachfolger Omars gewählt werden sollte, die Herrschaft Uthmans an. Die Regierungsgewalt Uthmans und sein Leben wurden nun von mehreren Seiten bedroht. Uthman versprach zwar den Unzufriedenen zu ihrem Recht zu verhelfen, jedoch kamen ihm seine Berater immer wieder zuvor und hielten ihn davon ab. Wie zum Beispiel hatten die Leute in Kufa ein großes Problem mit ihrem Gouverneur, Walid ibn U’qbah. Dieser war ein Alkoholiker. Eines Tages betrat er die Moschee im betrunkenen Zustand und betete das Morgengebt vier Gebetsabschnitte, anstatt zwei. Dann drehte er sich zu den Mitbetenden und fragte, ob er das Gebet noch weiter ausweiten solle. Die Leute in Kufa wandten sich an Malik al-Aschtar. Eine Delegation unter seiner Führung ging zu Uthman, um die Absetzung seines trunksüchtigen Halbbruders, Walid ibn U’qbah, zu fordern. Dies wiederum wurde von Uthman abgelehnt. Daraufhin ging die Delegation zu Imam Ali (a). Er (a) ging zu Uthman, um ihn vor seiner Fehlentscheidung zu warnen, seinen Halbbruder im Amte zu lassen. Wie bereits erwähnt, versprach Uthman seinen Fehler zu korrigieren, jedoch mischten sich seine Berater immer wieder in seine politischen Entscheidungen ein. In diesem Fall war es Marwan ibn al-Hakam, der ihn umgestimmte hatte, Walid ibn U’qbah vom Gouverneursposten in Kufa abzusetzen.

Dies und die allgemeine politische Lage, veranlasste das Volk zu immer stärkerer Aufruhr und schließlich zur Rebellion. Es ist ein ganz natürlicher Verlauf den das Volk durchgemacht hatte. Wir können dies selbst in unserer heutigen Zeit sehen. Vor allem in der arabischen Welt. Völker waren mit der Unterdrückung und selbstsüchtigen, korrupten Politik der „Herrscher“ nicht mehr zufrieden und rebellierten. Menschenleben mussten dafür ausgelöscht werden und in manchen Fällen wurde das Staatsoberhaupt abgesetzt oder sogar getötet. Damals war es nicht anders als heute.

Die Rebellion begann damals zuerst in den Grenzgebieten und griff schließlich über in die Mitte des Geschehens. Schließlich passierte das, worüber uns in der Geschichte berichtet wird: Uthman, der Kalif der Muslime wurde von Muslimen umgebracht.

Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist, dass Bani Umayyah nicht wahrhaben wollten, dass der Kern der Probleme und der Grund der Aufruhr im Lande, ihr eigenes Werk war. Sie waren so verblendet vor Hass und Machtgier, dass sie die Ermordung Uthmans auf familiären Rivalitäten begründeten. Um genauer zu sein, sie nahmen an, dass Bani Haschim, der Stamm des Propheten Mohammad (s) und seiner Ahlul Bayt (a), die Drahtzieher für die Ermordung Uthmans gewesen seien, um sich dadurch an die Umayyaden zu rächen. Am Tage des Mordes sagte Walid ibn U’qbah, der trunksüchtige Halbbruder Uthmans: „Ihr Bani Haschim, was wollt ihr von uns? Das Schwert Uthmans und sein Hab und Gut sind nun in eurer Hand. Ihr Bani Haschim, gebt die Waffe eures Neffen zurück! Raubt sie nicht, das geziemt sich nicht für euch! Oh Bani Haschim, wie sollten wir mild und freundlich zu euch sein, da doch Uthmans Rüstung und Pferde nun in Alis Hand sind … Wenn auch jemand das (kostbare) Wasser, das er in seinem Leben trank, vergessen sollte, so werde ich doch Uthman und seine Ermordung niemals vergessen.“

In diesen Worten, die nur um die 25 Jahre nach dem Dahinscheiden des Propheten Mohammads (s) gesprochen wurden, finden wir keinen einzigen Funken mehr von muslimischem Brauch und Verhalten. Das Zentrum der islamischen Aufklärung – Medina – hatte nun einen sehr negativen Wandel erfahren. Der Islam stand seinem Ende nahe. Aus jenen Worten können wir nichts anderes erkennen, außer Rivalität, Missgunst und Gehässigkeit gegenüber dem Stamme Bani Haschim. Wie bereits erwähnt, gab es schon zur Zeit von den Urvätern der Bani Umayyah Neid und Hass gegenüber Bani Haschim. Nichts änderte sich daran. Es war allgemein bekannt, dass Bani Umayyah den Leuten der Bani Haschim gegenüber hasserfüllt waren, weil der Prophet (s) aus ihren Reihen kam. Von islamischen Verstand wahrhaftig keine Spur, wie der Heilige Koran schon Jahre zuvor deutlich sprach: „Und Mohammed ist nur ein Gesandter. Vor ihm sind Gesandte dahingegangen. Wenn er nun stirbt oder getötet wird, werdet ihr umkehren auf euren Fersen? Und wer auf seinen Fersen umkehrt, der fügt Allah nicht den mindesten Schaden zu. Und Allah wird die Dankbaren belohnen.“51 Wahrlich, die Bani Umayyah kehrten zurück „auf ihren Fersen“, zurück in die Dunkelheit der vorislamischen Unwissenheit.

Nach Uthman

Nach dem Tode Uthmans war die allgemeine Aufruhr und Rebellion abgeklungen. Es war nun jedoch die Zeit gekommen, einen neuen Kalifen zu wählen. Nun gab es viele, die auf das Amt des Kalifen über die Muslime schielten und auf dieses Amt aspirierten. Wie z.B. Talh’a und Zubayr. Die Aufständischen, die zuvor mit der Politik Uthmans und den Machenschaften seiner Berater unzufrieden waren, stimmten zum Großteil für Imam Ali (a). Es gab in der Zeit unter der Kalifschaft Uthmans sehr viele Spannungen und Aufruhr in der Gesellschaft, so dass es nun sehr schwierig war wieder Gerechtigkeit einzuführen. Einige Historiker berichten, dass Imam Ali (a) nicht sofort das Kalifat annahm und meinte, dass sie doch einen anderen für dieses Amt verpflichten sollen. Imam Ali (a) wusste wie angespannt die Lage war und dass es sehr schnell zu einem Putsch kommen könnte. Die Bevölkerung allerdings sah, dass er (a) der Einzige für dieses Amt sei und leisteten ihm (a) den Treueid (baya’h) und damit wurde er offiziell zum neuen Kalifen der Muslime ernannt.

Es war keine leichte Aufgabe für Imam Ali (a) in dieser Situation wieder Normalität einkehren zu lassen. Ein großes Problem stellten auch die noch eingesetzten Gouverneure von Uthman, die die Menschen wieder auf die Fersen der vorislamischen Zeiten gebracht hatten. Diese wollten einen Kalifen, der ihnen eine offene Hand hat und zu Vetternwirtschaft und Korruption bereit ist. Dass Imam Ali (a) dem nicht entsprechen würde, war allen klar. Er (a) wollte keine privilegierte Schicht. Sein Ziel war soziale Gerechtigkeit und plädierte für einen schlichten und islamischen Lebensstil, d. h. nach dem Vorbilde des heiligen Propheten Mohammad (s). Wirtschaftlich gesehen verteilte Imam Ali (a) die Staatskasse gerecht, was den zuvor Privilegierten der Bani Umayyah ein Dorn im Auge war.

Außerdem setzte Imam Ali (a) die korrupten und verdorbenen Gouverneure Uthmans ab und entsandte neue in die Provinzen und Städte. Dass dies auf Widerspruch und sogar Feindschaft stoßen würde, war ersichtlich, aber dennoch konnte man deswegen nicht ihre Machenschaften weiter unterstützen. Vor allem das Amt des Kalifen, es ist mit größter Verantwortung vor Allah (swt) verbunden, was jedoch anscheinend nur Imam Ali (a) wahrhaftig erkannt hat, denn sonst gäbe es nicht solche Vertreter des Kalifen in den muslimischen Provinzen.

Wie vorherzusehen, kam es zum Widerstand der Ex-Beamten des Kalifat Uthmans. Es wurde für Zwiespalt in ihren Regionen gesorgt. So zum Beispiel sollte Sahl ibn Hunaif in Schaam eingesetzt werden, um Muawiyah ibn Abi Sufyan zu ersetzen. Dies konnte aber nicht geschehen, weil Muawiyah Leute entsandte, um den neuen Gouverneur von Schaam, Sahl ibn Hunaif, auf seinem Weg zu stoppen. Sie zwangen ihn gewaltsam zur Rückkehr.

Es haben sich nun Oppositionelle und Gegengruppierungen gebildet, die aus dem Lager Uthmans stammten und vor allem Bani Umayyah. Auch Talh’a und Zubayr, die selbst Bestrebungen für das Amt des Kalifen hegten und auch nachdem sie es nicht wurden, hatten sie weiterhin die Hoffnung nicht aufgegeben, Gouverneure in Kufa und Basra zu werden. Dies verbitterte sie sehr und daraufhin verließen sie Medina aus Protest.

„Uthman – der unterdrückte Kalif“

Nun zeichnete sich ein ganz neuer Vorwurf ab. Es war klar, die Opposition musste sich einen politischen Slogan ausdenken, so dass sie wieder zurück in die Ämter gelangen könnten. Ihr einziger Gedanke lag in der Staatskasse und Macht. Ihr Slogan war „Uthman – der unterdrückte Kalif“. Der Erste, der diesen Spruch öffentlich äußerte, war, wie konnte es auch anders sein, Muawiyah. Er hatte in Damaskus seine Machtstellung gefestigt. Obwohl Muawiyah Uthman in seiner schwierigsten Zeit nicht zur Seite stand, obgleich er sein Vertreter in Schaam war, nahm Muawiyah nun Partei für ihn ein. Nach seiner Ermordung nannte er Uthman den „unterdrückten Kalifen“. Muawiyah rief dazu auf das Blut Uthmans zu rächen, jedoch war er von listiger Natur und ein überaus linker Stratege in politischen Angelegenheiten. Er wusste, dass Imam Ali (a) von allen als ein Gottesfürchtiger und für seine hohen Tugenden bekannt war. So war es klar, dass er ihn (a) nicht als den Mörder Uthmans betiteln konnte. Hätte er dies gemacht, so gäbe es sicherlich eine starke Gegenreaktion. Was hat Muawiyah gemacht? Er schrieb an Imam Ali (a) einen Brief, in dem er ihn (a) aufforderte, ihm die Mörder Uthmans, die sich in seinen (Imam Alis (a)) Reihen befänden, auszuliefern, so dass er an ihnen Vergeltung übe und sich dann Imam Ali (a) unterordne. Einige fielen auf diese politische Intrige rein. Anfangs nahm man nicht an, dass diese Opposition so verbissen vorgehen würde. Es häufte sich jedoch die Anzahl derer, die kurz vorher noch Imam Ali (a) den Treueid gaben, aber nun, durch Muawiyahs Intrige, sich gegen Imam Ali (a) stellten. Sogar A’ischa, die Gattin des Propheten Mohammad (s), die zu Zeiten Uthmans eine Gegnerin seiner Politik war, stand nun auf der Seite, die meinten, dass Uthman ein „unterdrückter Kalif“ gewesen sei. Damit stand sie ganz öffentlich gegen Imam Ali (a).

Es zeichnete sich zum ersten Mal in der kurzen Geschichte der Muslime, ein echter innermuslimischer Kampf ab. Aber es sei angemerkt, dass dieser allein von einer Seite ausging, nämlich von der Seite der Umayyaden aus und denen, die sie mit sich ziehen konnten. Bevor wir aber auf den weiteren Verlauf des Vorgehens gegen das Kalifat Imam Alis (a) eingehen, sollten wir kurz auf das allgemeine Verständnis des „Kalifats“ unter den muslimischen Richtungen eingehen.

Fußnoten:

40 Zurückzuführen auf „Bani Umayyah“. Die Umayyaden-Dynastie fing mit Muawiyah ibn Abu Sufyan im Jahre 660 n.Chr. an und endete in Damaskus mit Marwan II. ibn Muhammad ibn Marwan im Jahre 750 n.Chr.

41 Omar ibn al-Khattab (592-644 n.Chr), wurde 592 in Mekka als Sohn des Stammes „Bani Adi“ geboren. Adi ist der Bruder von Murrah.

42 Abu Bakr (572-634 n.Chr.), wurde 572 n. Chr. in Mekka als Sohn von Abi Quh’afah geboren und gehört dem Stamm „Banu Taim“ an. Taim war ein Sohn von Murrah und Bruder von Kilab.

43 Uthman ibn Affan (574-656 n.Chr.), wurde 574 in Mekka geboren und stammt, genau wie Muawiyah, von Umayyah ab und ist somit von Bani Umayyah

44 Im Anschluss werden wir uns mit dem Machtprinzip von Muawiyah beschäftigen, denn seine Vorstellung vom Kalifat war eine andere, als die von Bani Haschim, die das Prinzip der gerechten Führerschaft (al-imaamah) ansahen

45 Diejenigen, die mit dem Propheten (s) nach Medina ausgewandert sind oder nach ihm (s) hinterher kamen.

46 Diejenigen, die die Bewohner Medinas waren, die den Propheten Mohammad (s) in ihre Stadt eingeladen haben und herzlich willkommen geheißen haben.

47 Bilal stammt aus Abbesinien, das heute Äthiopien genannt wird.

48 Ort im Irak

49 Dr. Schahidi, Analysierte islamische Geschichte, (Übersetzung von: Hella Kamalian), S. 165

50 Eine Wüste bei Medina.

51 Sure 3, Vers 144

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I. Der Rang Imam Husseins (a) beim Propheten (s) https://bufib.de/i-der-rang-imam-husseins-a-beim-propheten-s/ Wed, 14 Oct 2015 21:30:09 +0000 http://bufib.de/?p=1670 Weshalb wurden wir erschaffen?

Eine Frage beschäftigt den Menschen schon seit je her: „Wieso wurde ich erschaffen?“ Bzw., wenn man nicht an eine Schöpfung glaubt: „Wieso bin ich?“ Da wir hier keine theologischen Fragen aufgreifen und behandeln wollen, geht es uns um die erste Frage. Obwohl wir an den All-Mächtigen Schöpfer, Allah (swt)9, glauben, ja von Ihm absolut überzeugt sind, stellt sich uns diese Frage tagtäglich. Die Antwort darauf würde unser gesamten Leben beeinflussen und uns unserem wahren Ziel – nämlich der Vollkommenheit10 – näher kommen lassen. Der Heilige Koran gibt die Antwort darauf: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen.“11

Aber wenn wir uns näher mit dem Heiligen Koran auseinandersetzen, so werden wir sehen, dass es einen bestimmten Zweck hinter dem Gottesdienst gibt: „Und diene deinem Herren, bis die Gewissheit (Erkenntnis) zu dir kommt.“12 Das heißt nicht, dass man, sobald man die Gewissheit (al-yaqiin) erreicht hat, den Gottesdienst beenden soll. Nein, es heißt, dass es die absolute Gewissheit über Allah (swt) ist, die wir in unserem Leben erreichen sollen, so dass wir unsere (menschliche) Vollkommenheit erreichen können. Die Grundlage der Erlangung einer solchen, ist ein demütiger, wahrhaftiger Gottesdienst.

Somit finden wir im Gottesdienst die menschliche Vollkommenheit und Glückseligkeit. Aber es ist nicht der leblose Gottesdienst, der uns routiniert in unserem Leben „verfolgt“, sondern ein Gottesdienst, der sich auf all unsere Sinne und Lebenslagen bezieht, so dass man dadurch die koranische Bezeichnung verdient ein „Statthalter auf Erden“13 (khaliifatullah a’lal-ard‘) zu sein. Die demütige Verehrung Gottes (swt) ist die ehrenvollste Eigenschaft, die einem Menschen zugeschrieben werden kann, von daher kann man auch unser tägliches Bezeugen im Gebet verstehen, in dem wir bekanntlich die Eigenschaft des Gottesdienstes des Propheten Mohammad (s) vor seiner Gesandtschaft (ar-risaalah) bezeugen:

„Ich bezeuge, dass Mohammad Dein Diener und Gesandter ist.“

(ash-hadu anna moh’ammadan a’bduhu wa rasuuluh“)

Gottesdienst = Freiheit

Gottesdienst bedeutet, sich von den teuflischen Einflüssen und den Schlingen der eigenen Seele und Triebe zu befreien. Zwar wird das Wort „Freiheit“ (al-h’oriyyah) im alltäglichen Gebrauch für etwas anderes benutzt, nämlich, dass man „frei“ von Unterdrückung und Zwang ist, und dies meistens in der persönlichen Entwicklung und Entscheidung. Diese Art der Definition von Freiheit finden wir auch im Heiligen Koran: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“14 Aber uns geht es an dieser Stelle um die absolute Freiheit, die Freiheit, die Allah (swt) als die Vervollkommnung des Menschen ansieht. Es bedeutet, dass man sich von den tierischen Trieben, den teuflischen Einflüsterungen und dem Festhalten an dem Materiellen „befreit“. Dies geschieht einzig und allein über den wahrhaftigen Gottesdienst.

An dieser Stelle können wir zur Verdeutlichung die Geschichte von Bischr al-H‘aafi15 erwähnen. Bischr war jemand, der große Sünden machte, wie z.B. war er damit beschäftigt verbotene Musik zu hören, Alkohol zu trinken und vertrieb seine Zeit mit Glücksspielen und verbotenem Vergnügen (lahu). Eines Tages war er mit seinem Dienstmädchen zu Hause und vergnügte sich mit nicht erlaubter Musik. Imam Musa al-Kazim (a)16 kam an seinem Haus vorbei und hörte, was in darin passiert. Er (a) sah das Dienstmädchen an der Tür des Hauses und sagte zu ihr: „Ist dein Gebieter (also Bischr) ein Freier oder ein Diener?“ Darauf sagte sie: „Ein Freier.“ Der Imam (a) sagte: „Ich stimme dir zu, denn wenn dein Gebieter ein Diener wäre, so würde er sich dem (angemessenen) Gottesdienst annehmen und Allah (swt) fürchten.“ Daraufhin ging sie in das Haus und berichtete Bischr, was vorgefallen war. Er war so betroffen von den Worten des Imams (a), dass er barfüßig hinter Imam Musa al-Kazim (a) hinterher rannte, bis er ihn (a) erreichte und auf seine Knie fiel, sehr stark weinte und seine Taten bereute. Bis zu seinem Lebensende blieb Bischr barfüßig, von daher auch der Zusatz „al-H’aafi“, d. h. „der Barfüßige“.17

Wir können hier erkennen, dass der Imam (a) den Gottesdienst als die wahre Freiheit ansieht und das, was wir im Alltag als „frei“ bezeichnen, in Wirklichkeit Unterdrückung und gefesselt sein bedeutet. Im tiefsten Inneren wusste Bischr, dass er etwas falsch machte, denn sonst würden die Worte des Imams (a) nicht eine solche Wirkung auf ihn haben, würde daraufhin nicht bereuen und würde nicht bis an sein Lebensende barfüßig bleiben. Es ist eine Lehre für uns. Durch die Sünden, die wir täglich begehen, liefern wir uns nur noch mehr den Trieben unserer Seele aus. Allah (swt), unserem Schöpfer, zu dienen ist es, das uns von diesen Fesseln befreit und uns zur wahrhaftigen Freiheit, Glückseligkeit und menschlichen Vollkommenheit führt.

Gottesdienst mit den Gefühlen

Der Gottesdienst des Menschen beschränkt sich nicht allein auf den Körper, sondern es gibt auch einen Gottesdienst mit dem Herzen. So dass der Mensch mit seinem Herzen dienen kann, muss er sich sein Herz für Allah (swt) öffnen und sich seinen Gefühlen für Ihn (swt) bewusst sein. Dies bedeutet aber unter anderem, dass man nur den liebt, den auch Allah (swt) liebt und den verabscheut, den Allah (swt) erlaubt zu verabscheuen. Von daher wird im gleichen Sinne vom heiligen Propheten Mohammad (s) folgendes überliefert: „Vertraue, die Stütze des Glaubens ist, dass man für Allah (swt) liebt und für Allah (swt) verabscheut.“18

Auf dieser Grundlage werden die Lieblinge von Allah (swt) festgelegt, für die wir nach Allah (swt) unser Herz öffnen müssen.

Die Lieblinge

Wer sind diese Lieblinge? An allererster Stelle, natürlich nach Allah (swt), denn wir sprechen hier von den Lieblingen Allahs (swt), steht der heilige Prophet Mohammad (s), denn es wird überliefert: „Keiner glaubt von euch, bis ich ihm lieber bin, als seine Kinder und seinem Vater und allen Menschen.“19

Der heilige Koran spricht von einer ganz konkreten Liebe. Der Prophet Mohammad (s) hat der gesamten Menschheit, ja dem gesamten Universum, mit seiner Existenz und Verkündung der abschließenden Religion, dem Islam, das größte Geschenk gemacht. Daraufhin sagt Allah (swt) im heiligen Quran: „Dies ist es, wovon Allah die frohe Botschaft gibt Seinen Dienern, die glauben und gute Werke tun. Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“20. Zu Recht fragt sich der ein oder andere, wer mit „den Verwandten“ gemeint ist und zugleich muss man sich diese Frage stellen, nämlich aus dem Grund, weil es ein Befehl Allahs (swt) an die Menschheit ist, dass wir diese „Verwandten“ lieben. Da es aus schiitischer Sicht eindeutig ist, wer damit gemeint wird, werden wir aus nicht-schiitischen Büchern zitieren, was darüber geschrieben wurde. In einer Überlieferung, die auf Ibn Abbas zurückgeht, wird folgendes gesagt: „Weshalb wurde dieser Vers herabgesandt: „Sprich: «Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, außer die Liebe zu den Verwandten.»“? Es wurde gefragt: ‚Oh Gesandter Allahs, wer sind diese Verwandten, für die es (uns) verpflichtet ist, sie zu lieben?‘ Der Prophet (s) sprach: ‚Ali und Fatima und ihre Nachkommenschaft.‘“21 An anderen Stellen heißt es: ‚Ali (a), Fatima(a), Hassan (a) und Hussein (a).‘ Es ist also klar, wer damit gemeint wird.

Außerdem gibt es eine Reihe von Überlieferungen des Propheten Mohammad (s) höchstpersönlich, die sich auf die Liebe zur Ahlul Bayt (a) beziehen und in denen er (s) den Muslimen sogar sagt, dass sie ihre Herzen an sie binden sollen, so dass sie dadurch eine Tür zur Ergebung gegenüber Allah (swt) öffnen.

Ein Beispiel darauf kommt von Fakhr ar-Razi22 selbst, der einer der berühmtesten Koranexegeten unserer sunnitischen Geschwister ist. In seinem „Tafsir al-Kabir“ schreibt er, dass der Prophet Mohammad (s) gesagt hat: „Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt als Märtyrer. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit der Vergebung. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt mit (einer akzeptierten) Reue. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt glaubend, mit einem vervollständigten Glauben. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem wird der Todesengel die frohe Botschaft des Paradieses übermitteln, so wie danach Munkar und Nakir23. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der wird in das Paradies geführt, so wie die Braut in das Haus ihres Ehemannes gebracht wird. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, dem werden in seinem Grabe zwei Türen des Paradieses geöffnet. Wer mit der Liebe zur Ahlul Bayt (a) stirbt, der stirbt nach der Lebensweise (des Propheten (s)) und der Gemeinschaft24 …“25

Neben der Verpflichtung durch Allah (swt) zur Liebe der Ahlul Bayt (a), sagt der Prophet Mohammad (s) in einer Überlieferung, dass der Mensch am Jüngsten Tag sogar darüber befragt wird, d. h. über unsere Liebe zur Ahlul Bayt (a).26 Weiter spricht der Prophet (s) davon, dass diejenigen, die die Ahlul Bayt (a) (wahrhaftig) lieben, dieselbe paradiesische Stufe, wie die des Propheten (s) zugeschrieben bekommen werden. Diese Überlieferung finden wir von Ahmad ibn H’anbal27 und Al-Tirmizi28 (beide sind sehr große Gelehrte unserer sunnitischen Geschwister). Es heißt dort: „Der Prophet (s) nahm die Hände von Hassan (a) und Hussein (a) und sagte: ‚Wer mich, diese Beiden, ihren Vater und ihre Mutter liebt, wird mit mir am Jüngsten Tag auf meiner Stufe sein‘“.29

Ebenfalls wird uns in Bezug auf die Liebe zu Imam Ali (a) folgendes überliefert: „Oh Ali, wenn ein Diener, Allah, gerühmt und erhaben sei Er, so viel tun würde, wie Noah für sein Volk getan hat und so viel Gold hätte, wie der Uh’ud-Berg groß ist und all dieses auf dem Wege Allahs spenden würde und sein Leben so lang wäre, so dass er eintausend Mal zu Fuß pilgern (nach Mekka zum Hajj) würde und dann zwischen Safa und Marwa unterdrückt (ungerecht) getötet werden würde und dabei dir nicht folgt (d.h. deine Führerschaft nicht anerkennt), oh Ali, so wird dieser (Diener) nicht den Geruch des Paradieses riechen und nicht darin eintreten.“30

Die Liebe zu Imam al-Hussein (a)

Wir könnten diese Liste noch seitenlang füllen, allein wenn wir nur die Überlieferungen erwähnen würden, die von der Liebe zum Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (a) sprechen. Da es jedoch erstens den Rahmen sprengen würde und zweitens wir uns auf Imam al-Hussein (a) begrenzen wollen, werden wir uns darauf beschränken und nun zu ihm (a) kommen.

Der Prophet Mohammad (s) hat ganz speziell – neben Imam Ali (a) – über die Liebe zu Imam al-Hussein (a) gesprochen. Wie z. B. die folgende Überlieferung, die unter allen Muslimen bekannt ist: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“31 Dass Imam al-Hussein (a) vom Propheten Mohammad (s) ist, das ist klar, denn er (a) ist der Enkelsohn des Propheten Mohammad (s). Die anschließende Stelle dieser Überlieferung ist jedoch auffällig, denn es heißt „… und ich bin von Hussein …“. Was wird damit gemeint? Der heilige Prophet Mohammad (s) deutet damit auf die besondere göttliche Aufgabe von Imam al-Hussein (a) in Kerbala, wodurch der Imam (a) den Islam nicht nur am Leben gelassen hat, sondern auch wiederbelebt hat. Von daher folgt darauf dann auch der Satz des Propheten: „… Allah liebt den, der Hussein liebt.“

Nun könnte jemand sagen, dass dieses nur Aussprüche seien, aber was lässt uns daran festhalten, dass wir auch so handeln müssen? Darauf hat der Heilige Koran direkt eine Antwort: „Euer Gefährte (d. h. Mohammad) ist weder verirrt, noch ist er im Unrecht, noch spricht er aus Begierde. Es ist (vielmehr) eine Offenbarung, die (ihm) offenbart wird.“32 Wir können daran sehen, dass jedes Wort, das der Prophet (s) spricht eine Offenbarung von Allah (swt) ist. Das, was der Prophet (s) sagt, das sagt Allah, der Erhabene. Wenn der Prophet (s) also sagt, dass wir Imam al-Hussein (a) lieben sollen, so sagt dies in aller erster Linie Allah (swt), denn alles, was der Prophet (s) spricht „ist eine Offenbarung, die offenbart wurde.“

Nachdem wir also diese wichtige und essentielle Voraussetzung geklärt haben, kommen wir nun zu einigen Quellen der genannten Überlieferung: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“. Gibt es diese eindeutige Überlieferung nur bei den Schiiten oder auch bei den anderen Rechts- bzw. Denkschulen? Ohne großen Aufwand sehen wir, dass diese Überlieferung bei allen Muslimen, d. h. neben den Schiiten, auch in den anderen Richtungen, eine anerkannte Überlieferung ist. Wie z. B. at-Tirmizi33 und Imam Ahmad ibn Hanbal34 berichten diese Überlieferung über Ya’la bin Murrah. At-Tirmizi und al-Albaani haben diese Überlieferung als eine „gute“ bewertet und somit ist sie nach ihren wissenschaftlichen Grundlagen anzunehmen. Da der Bekanntheitsgrad dieser Überlieferung unter allen Muslimen so hoch ist, benötigt es keiner tieferen Verdeutlichung.

Der Prophet (s) weinte um Imam al-Hussein (a)

Außerdem können wir sehen, dass es nicht nur Aussprüche des Propheten Mohammad (s) bezüglich der Liebe zu Imam al-Hussein (a) gibt, sondern auch Taten und Geschehnisse, die dies belegen. Da diese ebenfalls sehr viele sind, möchten wir uns auf eine ganz bestimmte Form des prophetischen Ausdrucks in Bezug auf Imam al-Hussein (a) eingehen: das Weinen des Propheten (s) um Imam al-Hussein (a).

Imam Ahmad ibn Hanbal berichtet in seinem bekannten und von unseren sunnitischen Geschwistern anerkannten „Musnad“, dass Ali (a) rief: „Gedulde dich Aba Abdillah! Gedulde dich Aba Abdillah am Ufer des Euphrats!“ daraufhin wurde er (a) gefragt: ‚Weshalb?‘ Er (a) sagte: ‚Eines Tages trat ich beim Propheten (s) (in sein Haus) ein und seine Augen tränten. Ich sagte: Oh Prophet Allahs, hat dich jemand erbost? Weshalb tränen deine Augen?‘ Er (s) sagte: ‚Ja. Gerade ist Jibra-il von mir gegangen und berichtete mir, dass Hussein am Ufer des Euphrats getötet wird.‘ Er (Jibra-il) sagte: ‚Möchtest du, dass ich dich etwas von seiner Erde (d. h. vom Ort an dem Imam Hussein (a) getötet werden wird) riechen lasse?‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Imam Ali (a) sagte: ‚Daraufhin streckte er (s) seine Hand aus und nahm Etwas von der Erde und gab sie mir. Ich konnte meine Auge nicht aufhalten, dass sie anfingen zu tränen.‘“35 36

Eine ähnliche Überlieferung berichtet auch at‘-T’abaraani, jedoch überlieferte es diesmal nicht Imam Ali (a), sondern A’ishah: „Der Gesandte Gottes (s) setzte Hussein auf seinen Schenkel (Schoß). Daraufhin kam Jibra-il (a) und sagte: ‚Das ist dein Sohn?‘ Er (s) sagte: ‚Ja‘. Er (Jibra-il) sagte: ‚Deine Gemeinschaft wird ihn nach dir (nach dem Tode des Propheten (s)) töten.‘ Die Augen des Gesandten Gottes (s) tränten. Er (Jibra-il) sagte: ‚Wenn du möchtest, zeige ich dir die Erde des Bodens, auf dem er getötet werden wird.‘ Er (s) sagte: ‚Ja.‘ Daraufhin brachte Jibra-il ihm (s) etwas Erde von at‘-T’aff37.‘“38

Außerdem können wir aus der Geschichte des heiligen Propheten Mohammad (s) im Groben entnehmen, dass er (s) selbst an drei Stellen um seinen geliebten Enkelsohn Imam Al-Hussein (a) geweint hatte. Als Erstes: Als der Imam (a) geboren wurde. Als Zweites: Als der Imam (a) noch ein Kleinkind war und in Medina gespielt hat. Der Prophet (s) hat ihn (a) zu sich genommen, küsste ihn und sagte zu ihm: „Hussein ist von mir und ich bin von Hussein, Allah liebt den, der Hussein liebt.“ Woraufhin der Prophet (s) um Imam al-Hussein (a) weinte. Als Drittes: Einige Tage vor dem Austritt des heiligen Propheten Mohammad (s) aus dieser Welt. Der Imam (a) war gerade mal um die sieben Jahre alt. Imam al-Hussein (a) setzte sich auf die Brust seines Großvaters Mohammad (s). Der Prophet (s) schaute ihn (a) an und fing an zu weinen. Es muss ein sehr schwieriger Moment für unseren geliebten Propheten gewesen sein. Wie wir in den Überlieferungen gesehen haben, wusste er (s) von der Tragödie, die seinem Enkelsohn Hussain (a) widerfahren wird. Er (s) wusste, dass er nicht da sein kann, um ihn (a) zu beschützen. Und dazu kommt noch die gewaltige Liebe, die der Prophet (s) für Imam al-Hussein (a) empfand (und immer noch empfindet). Der Prophet (s) weinte. Umm Salama (r), die Frau des Propheten (s), kam zu ihm (s) und fragte: „Oh Gesandter Gottes, was ist geschehen? Weshalb weinst du?“. Der Prophet (s) sagte: „Oh Umm Salama! Wahrlich, dieses, mein Kind, wird von den Rebellen getötet und sie erhoffen sich am Jüngsten Tag meine Fürsprache. Möge Allah ihnen nie meine Fürsprache zuteil kommen lassen.“

Neben der Liebe Allahs (swt), des Propheten Mohammad (s) und der gesamten Ahlul Bayt (a) für Imam al-Hussein (a), sehen wir also, dass das Weinen um ihn (a) eine Lebensweise (sunnah) des Propheten (s) war. Auch die anderen Imame (a) haben um Imam al-Hussein (a) geweint, wie z. B. Imam ar-Rida (a). Er sagte, dass wenn der Monat Muharram eingetreten war, er (a) seinen Vater (Imam Musa al-Kazim (a)) niemals lächelnd gesehen hat. Imam ar-Rida (a) sagte, dass wenn der 10. Muharram erreicht war, war es ein Tag der Trauer und des Weinens. Imam al-Mahdi (af)39 sagte: „Oh Großvater! Ich weine (klage) um dich morgens und abends!“

Es ist also eine historische Tatsache, dass der Prophet (a) und die Imame (a) um Imam al-Hussein (a) geweint haben und ihn (a) liebten. Und sogar noch mehr: der Prophet (s) hat die Menschheit dazu aufgefordert Imam al-Hussein (a) zu lieben, denn Allah (swt) liebt ihn (a).

Zusammenfassend können wir folgende Ergebnisse ziehen:

  • Ziel der Erschaffung des Menschen ist das Erkennen und die Gewissheit über Allah (swt), das uns zur menschlichen Vollkommenheit und Glückseligkeit führt.
  • Dies kann man nur über den Gottesdienst erreichen.
  • Neben dem körperlichen Gottesdienst gibt es noch den Gottesdienst mit dem Herzen, d. h. die zu lieben, die auch Allah (swt) liebt.
  • Die Liebsten bei Allah (swt) nach dem Propheten Mohammad (s) sind die restliche Ahlul Bayt (a) und darunter fällt auch Imam al-Hussein (a).
  • Imam al-Hussein (a) hat eine ganz besondere Stellung beim Propheten (s) und das, was der Prophet (s) sagt, stammt von Allah (swt) wie wir aus Sure 53, Vers 2 – 4 erkennen können. Somit hat Imam al-Hussein (a) bei Allah (swt) eine ganz besondere Stellung.
  • Der Prophet (s) und die Imame (a) weinten um Imam al-Hussein (a).

Fußnoten:

9 Abk. für: „subh’aanahu wa ta’aala“ (gepriesen und erhaben sei Er)

10 Vollkommenheit im menschlichen Sinne

11 Sure 51, Vers 56

12 Sure 15, Vers 99

13 Siehe dazu: Sure 2, Vers 30; Tafsir al-Amthal, Ayatollah Nasir Makarim ash-Shirazi, Band 1, S. 105-108

14 Sure 2, Vers 256

15 Bischr „al-H‘aafi“: sein richtiger Name: Bischr bin al-H‘aarith bin A’bd ar-Rah’maan; wurde im Jahre 152 n.H. in Bagdad (Irak) geboren; am 10. Muharram 227 n.H. in Bagdad gestorben. „al-H’aafi“ bedeutet „der Barfüßige“.

16 Der siebte Imam (a)

17 Al-Amin, Aa’yaan ash-Shi-a’h, Band 3, S. 579

18 Ar-Rishahri, Mizan al-Hikmah, Dar al-Islamiah, Beirut, Band 2, S. 233

19 ebd., S. 237

20 Sure 42, Vers 23

21 As-Suyuuti, ad-Durr al-Manthur, Band 6, S. 7; Ahmad ibn Hanbal, Fadaa-il as-Sahaabah, Band 2, S. 669, Nr. 1141; al-Mustadrak a’las-Sah’ih’ayn, Band 3, Seite 172; al-H’askaani, Shawaahid at-Tanzil, Band 2, S. 130; ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Manshuraat Maktab al-I’laam al-Islaamiy, Band 27, S. 166; u.v.m.

22 Abu Abdullah Muhammad ibn Umar ibn Husain al-Razi, (1149 – 1209 n. Chr.)

23 Zwei Engel, die den Toten im Grabe befragen werden

24 Im Arabischen: Sunnah wal-Jamaa’h

25 ar-Razi, Tafsir al-Kabir, Band 37, S. 165 – 166; Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, Manshuraat ar-Radhi, Qom, S. 49 – 50

26 siehe: Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 7, S. 259

27 Ahmad ibn Mohammad ibn Hanbal, (780 – 855 n. Chr.), er ist der Gründer der H’anbalitischen (sunnitischen) Rechtsschule

28 Abu Isa Muhammad ibn Isa ibn Musa ibn ad-Dahhak as-Sulami at-Tirmizi, (824 – 892 n. Chr.), er ist ein sehr bedeutender Sammler von Überlieferungen bei den sunnitischen Geschwistern, von ihm stammt unter Anderem das Werk „Sunan at-Tirmizi“, dass zu den sechs authentischen Büchern (al-kutub as-sittah) der Sunniten gehört

29 Sharaf ad-Din, al-Fus’uul al-Muhimmah, S. 49

30 Al-Khawazimi, al-Manaaqib, Tah’qiiq al-Mah’muudi, Mu-assash an-Nashr al-Islaamiy, S. 68

31 Al-Majlisi, Bih’aar al-Anwaar, Band 43, S. 316

32 Sure 53, Vers 2 – 4

33 in Hadith-Nummer: 3775

34 in Hadith-Nummer: 17111

35 Musnad Ahmad ibn Hanbal, Band 1, S. 85; al-Mu’jam al-Kabir, Nr. 2811; Tahz’ib al-Kamaal, Band 6, S. 406; Tarikh Dimashq, Band 14, S. 187; und noch in vielen anderen Quellen

36 Die Überlieferungen, die wir hier nennen sind alle nach den wissenschaftlichen Grundlagen der sunnitischen Rechtsschulen als mindestens „gut“ (hassan) eingestuft.

37 At-T’aff wird hier der Ort Kerbala gemeint und um genau zu sein: das Ufer des Euphrats an dem die Tragödie in Kerbala stattgefunden hat.

38 Al-Mu’jam al-Aws’at‘, Band 6, S. 249

39 Abk. für: „a’jalallahu ta’aala farajahush-sharif“ (möge Allah, der Erhabene, seine wertvolle Erlösung beschleunigen)

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Einleitung https://bufib.de/einleitung/ Wed, 14 Oct 2015 21:25:03 +0000 http://bufib.de/?p=1669 Übereinstimmend unter allen islamischen Wissenschaftlern fand die Tragödie von Kerbala am 10. Muharram im Jahre 61 nach der Hijrah5 (n. H.) statt. Ein Ereignis, das die Gefühle eines jeden Muslims in dieser Welt bewegt. Es ist der Tag, an dem der dritte Imam, Imam al-Hussein (a)6, der Enkelsohn des heiligen Propheten Mohammad (s)7 und Sohn von Imam Ali (a) und der Tochter des Propheten Sayyida Fatima az-Zahraa (a), das Martyrium erfuhr und ein Teil seiner Familie und treuen Anhänger (r)8. Wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen, reicht es dann aus, direkt beim Ereignis anzufangen und zu berichten, was geschah? Oder müssen wir erst die politischen Hintergründe verstehen, so dass man daraufhin erst den Grund für das Aufstehen des heiligen Imam (a) nachvollziehen kann? Mit Sicherheit das Zweite. Es reicht nicht, einfach nur historische Fakten und Daten zu kennen und auswendig zu lernen. Ein Muslim, der den Islam ergründen und begreifen möchte, muss sich mit den Hintergründen und der politischen Lage auseinandersetzen, so dass er bzw. sie ein gründliches Verständnis von seiner bzw. ihrer Religion bekommt und so dann erst die Religion verteidigen kann.

Sicherlich, es würde den Rahmen sprengen, wenn wir über jedes Detail sprechen würden, das mit dem Ereignis „Aschura“ direkt und indirekt zusammenhängt. Es bräuchte eigentlich viele islamwissenschaftliche Vorkenntnisse, um ein vollständiges und fundiertes Wissen darüber zu erlangen. Wie z. B. müsste man die Führerschaft (al-imaamaah) im schiitischen und nicht-schiitischen Kontext verstehen. Außerdem bräuchte man ein solides Wissen über das Prophetentum (an-nubuwwah), so dass man zum Einen die Aufgaben eines Propheten (a) verstehen kann und zum Anderen die juristische Verbindlichkeit der Rede (qawl), der Tat (fe’l) und der Duldung (taqriir) des Propheten (s).

Wie dem auch sei. Wir wollen an dieser Stelle auf zwei grundsätzliche Dinge eingehen:

  1. Der gewichtige Stand des Imam Husseins (a) beim heiligen Propheten Mohammad (s) und daraufhin bei Allah, dem Erhabenen
  2. Die politische Lage zur Zeit vor Aschura

Nachdem uns diese beiden Tatsachen bekannt sind, wird uns die Lage des Imams (a) und der islamischen Weltgemeinschaft (al-ummah al-islamiyah) ersichtlich. Dadurch wird uns annähernd klar, weshalb es die einzige Möglichkeit war: zu revolutionieren.

5 Die islamischen Ereignisse werden (meistens) nach dem islamischen Mondkalender datiert.

6 arab.: salaamullah a‘layh (der Friede Gottes sei mit ihm)

7 arab.: s‘alallahu a‘layhi wa aalih (der Friede Gottes sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft)

8 arab.: rid‘waanullahi ta‘aala a‘layhim (die Zufriedenheit Gottes sei mit ihnen)

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Vorwort https://bufib.de/vorwort/ Wed, 14 Oct 2015 21:22:46 +0000 http://bufib.de/?p=1668

Die historischen Ereignisse von Aschura1 sind in der islamischen Welt von den Wissenschaftlern detailliert behandelt worden. Jedoch sehen wir, dass es im deutschsprachigen Raum weiterhin viele Lücken diesbezüglich gibt und der im Westen lebende Muslim – geschweige denn der Nicht-Muslim – leider ein ungenügendes Verständnis von den Ursachen, die zu den Ereignissen der Tragödie in Kerbala2 führten, besitzt. Obwohl man sagen muss, dass über dieses Geschehnis an sich3, relativ gesehen, die meisten Informationen bei den schiitischen Muslimen im Westen gibt. Wie dem auch sei, es gibt dennoch enormen Nachholbedarf in diesem Bereich, was sicherlich auch an fehlenden Kenntnissen in der arabischen Sprache bei den, im Westen lebenden, Muslimen liegt. Von daher versuchen wir, mit Allahs, des Erhabenen, Hilfe, auf einige Punkte in Bezug auf die Ursachen für Aschura einzugehen und diese dem deutschsprachigen Leser bzw. Leserin näherzubringen.

Da uns klar ist, dass sich die Jugendlichen des 21. Jahrhunderts, und vor allem, wenn sie sich normalerweise nicht mit historischen Hintergründen beschäftigen, nicht in die damalige Zeit hineinversetzen können und wohlmöglich fehlende Fachkenntnisse in einigen mit der Historik verbundenen Wissenschaften4 haben, versuchen wir in einer der Zeit angepassten Sprache zu schreiben. Auch wenn dies eine unkonventionelle Technik einer historischen Untersuchung ist, denken wir, dass das eigentliche Ziel dieses Textes, keiner wissenschaftlichen Natur entspringt, sondern ein bestimmtes Verständnis und Mitgefühl erreicht werden soll, so dass sich der Leser bzw. die Leserin ein Bild von der Ursache der Tragödie in Kerbala machen kann.

Ein oft gesehenes Phänomen in unserer Gesellschaft ist, dass sich viele Muslime Informationen über ihre Religion aus Blogs und Foren aneignen und dann mit auswendiggelernten Fakten, die sie nicht wissenschaftlich auf ihre Richtigkeit überprüfen, mit anderen darüber diskutieren und als endgültige Wahrheit anerkennen. Es liegt sicher auch daran, dass im deutschsprachigen Raum ein großer Bedarf an islamischer Aufklärung herrscht, wiederum ein Mangel an Angebot besteht. Dieser positive Durst der Geschwister nach islamischem Wissen, wird dann leider von einigen negativ ausgenutzt, so dass sie die islamischen Plattformen mit vielen falschen Informationen und irreführenden Gedanken „vollposten“.

Wir behaupten mit dieser kleinen Arbeit keine absolute Wissenschaftlichkeit, was schließlich auch nicht unser Ziel ist. Eher wollen wir versuchen, den Grund für die Tragödie von Kerbala verständlich zu machen und diesem Ereignis, im deutschsprachigen Raum, Leben einzuhauchen.

23. Z’ul-H’ijjah 1433 / 8. November 2012

Mehdi Khalil

Fußnoten:

1 Abgeleitet vom arabischen Wort „al-a’aashir“ (der Zehnte), was auf den zehnten Tag im Monat Muharram hindeutet.

2 Stadt im Irak, die ca. 105 km südwestlich von Bagdad liegt

3 Nicht die Ursachen, wie es dazu kommen konnte.

4 Wie z. B. die Hadithwissenschaft (i’lm al-h’adith), die Tradentenwissenschaft (i’lm al-rijaal) und die Geschichtswissenschaft an sich

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Die Persönlichkeit von Mohammed – haben wir ihr Unrecht getan? Was ist unsere Pflicht ihr gegenüber? https://bufib.de/die-persoenlichkeit-von-mohammed-haben-wir-ihr-unrecht-getan/ Sun, 18 Jan 2015 13:08:27 +0000 http://bufib.de/?p=1647 Der Prophet Mohammed (der Friede Gottes sei mit ihm und seiner reinen Nachkommenschaft), Sohn von Abdullah, ist die großartigste Persönlichkeit im Islam. Er ist der Träger der göttlichen Botschaft, der Verkünder im Namen Gottes, der Wegweiser zur himmlischen Welt und der Pfad zur göttlichen Offenbarung. Seine Handlungsweise (Sunna) dient heute noch der Argumentation in unterschiedlichen Angelegenheiten, seine Biographie inspiriert die Völker von Generation zu Generation. Er ist ein bedeutendes Symbol der Humanität, der die Weltgeschichte veränderte und viele Geschehnisse beeinflusste.

Offensichtlich war die Persönlichkeit dieses großen Propheten oft umstritten, insbesondere in den Debatten mit den unterschiedlichen Religionsanhängern. Einige davon, die seine Prophetie leugneten, nahmen negative Stellungen zu ihm und verurteilten ihn als Lügner, Verleumder und Betrüger. Andere äußerten sich in einer etwas milderen Kritik zu seinen Taten, sahen jedoch darin keine Aufrichtigkeit gegenüber seiner Gesellschaft, sondern vielmehr eine Irrung.

Bis auf die Gegenwart vermehrten sich diese Debatten um den Islam und dessen Propheten. Ein Beispiel hierfür ist das Buch „Die satanischen Verse“ (The Satanic Verses) mit seiner schlechten Darstellung des Gottesgesandten (s).  Danach folgten die Karikaturen von 2006, die den Islam und die Muslime weltweit profund beleidigten sowie eine breite Welle der Aggression ausbreitete.

1) In folgender Darlegung möchte ich mit keinem polemischen Stil fortführen, sondern eher eine Selbstkritik ausüben. Denn andere zu kritisieren ist nur die eine Seite der Medaille. Berechtigt gilt aber die Frage: haben wir der Persönlichkeit des Gottesgesandten (s) Unrecht getan? Sind wir an der falschen Darstellung seines Bildes, gewiss oder ungewiss, beteiligt? Was ist unsere Pflicht gegenüber diesem großen Propheten?

Es ist zweifellos, dass viele muslimische Wissenschaftler sich seiner Persönlichkeit, Biographie und Handlungsweise in ihren Schreibwerken widmeten. Trotzdem stellt sich dabei die Frage: haben diese Wissenschaftler die Persönlichkeit des Propheten (s) in einer interkulturellen oder eher in einer innerislamischen Form dargestellt?

Diese ist meiner Meinung nach eine der wichtigsten Fragen, insbesondere wenn man sich mit den Veröffentlichungen über den Propheten näher beschäftigt. So schrieb der Jurist ʿIyāḍ b. Mūsā al-Yaḥṣubī (gest. 544 n. H./1149 n.Chr.) sein Buch „Kitāb aš-Šifāʾ fī taʿrīf ḥuqūq al-Muṣṭafā “ und so schrieben andere im gleichen Zusammenhang. Aber warum hat der Jurist ʿIyāḍ – als Beispiel für andere Schriftsteller – uns den Propheten als Symbol der Muslime und lediglich unsere Pflichten ihm gegenüber beschrieben? War es nicht in seinem Sinne, ihn als ein Prophet der Menschheit darzustellen? Wäre es nicht sinnvoller, dass er sich bei seiner Beschreibung an die Menschen wendet, die nicht an den Propheten glauben? Wäre es nicht besser, anstatt der bloßen weltanschaulichen Wahrnehmung, den Propheten als einen großartigen Menschen in erster Linie zu präsentieren? Hätte es nicht zur Akzeptanz seines Verhaltens und seiner Taten (bei Außenstehenden) geführt?

Vielen von uns – den Muslimen – fällt es schwer, sich den Propheten aus einer interkulturellen Sichtweise vorzustellen bzw. anderen zu beschreiben; gemeint ist hiermit, über die innerislamische Sichtweise hinauszublicken, um diesen Mann für alle Menschen vorzustellen. Im Gegenteil fokussiert man sich vielmehr auf die glaubensrelevanten Themen, wie z.B. im Buch „die großen Wundertaten“ von As-Suyūṭī (gest. 911 n.H./1505 n. Chr.) oder in den ersten Studien über das Vermählungsgesetz in der islamischen Lehre.

Es wird immer relevanter, den Charakter des Propheten (s) aus einer glaubensneutralen Sichtweise zu betrachten, indem man über die religiösen Interpretationen hinwegschaut. Dies ist heutzutage ein maßgeblicher Meilenstein für den interkulturellen Dialog, den die Muslime und deren Wissenschaftler verstärkt in Betracht nehmen müssen.

2) In vielen Schreibwerken fehlt uns die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der  Persönlichkeit des Gottesgesandten (s), dessen Geschichte und Biographie. Vielmehr ist die uns bekannte Literatur in einer Erzählungsform verfasst mit seltenem Bezug zur historischen bzw. modernen Erörterung. Selten begegnet man eine kritische Analyse des Charakters oder der Anweisungen dieses Mannes, so dass man sich von seiner Persönlichkeit ein Bild gemäß rationaler und historischer Fakten machen kann.

Obwohl es diverse Versuche in dieser Richtung gibt, stellt jedoch diese Art der Interpretation noch keinen Standard dar, um die Biographie des Propheten zu beschreiben. Hingegen findet man zahlreiche juristische oder philosophische Forschungen, die den Charakter des Propheten aus einem bestimmten Betrachtungswinkel behandeln. Eine wissenschaftliche und neutrale Betrachtung, ohne Redekunst oder Emotionen, ist daher seltener zu finden.

Aus diesem Hintergrund entsteht der unabdingbare Bedarf an einer wissenschaftlichen Rezension der Persönlichkeit des Gottesgesandten (s). Daraus soll sich eine neue Kultur für die Muslime entwickeln, um den Propheten richtig zu erkennen und seine Persönlichkeit sinnvoll wahrzunehmen.

3) Betrachten wir dieses Thema aus schiitischer Perspektive, so begegnet uns die scharfe Kritik, dass die Schiiten den Propheten (s) zweitrangig betrachten und wenig Literatur zu seiner Persönlichkeit und Biographie besäßen. Es wird behauptet, dass der Prophet bei den Schiiten deswegen vernachlässigt wäre, da sie sich eher auf den Glaubensansatz des Imamats fokussieren würden, welches von einigen Kritikern sogar als Abweichung von der islamischen Glaubensüberzeugung interpretiert wird.

Anders betrachtet waren die Schiiten möglicherweise zu bestimmten Perioden gemüßigt, sich auf die Persönlichkeiten der Imame (die Nachkommen aus dem Prophetenhaus) mehr als jene des Propheten zu fokussieren. Denn im Zuge der ideologischen Debatten mit Anhängern anderer islamischen Glaubensrichtungen war es wichtig, das Prinzip des Imamats und dessen Bedeutung standhaft zu machen. Desto häufiger waren die Imame im Fokus, als die Schiiten in den zahlreichen Überlieferungen, wie die vom Imam Al-Baqir (a) oder Imam Al-Sadiq (a), eine nutzbare Anwendung zwecks Studien und Argumentationen erkannt haben.

Zugegeben ist dies keine Rechtfertigung für den geäußerten weltanschaulichen Verdacht gegenüber den Schiiten. Vielmehr sollen die Schiiten aber dadurch aufgefordert werden, um zur richtigen Beschreibung der Persönlichkeit des Propheten beizutragen. Damit würden sie einerseits jede ungerechte Kritik abweisen, sich gegen tendenziöse Aussagen abwehren und andererseits einige Lücken ergänzen.

Die Lehre über die Persönlichkeit, Geschichte und Überlieferungen des Gottesgesandten (s) soll zunehmend in allen Klassen der schiitischen Gesellschaft aktiviert werden. Zudem sollen die Werte dieser Lehren im Alltag und in der wissenschaftlichen Forschung erneut hervorgerufen werden, um das Wesen des Propheten – sowie er immer ist – im Bewusstsein und Unbewusstsein der Individuen und Gruppen existent zu haben.

Es ist derzeit ein schiitischer Wiederaufstieg notwendig, um das Leben des Gottesgesandten (s) und alle dazu relevanten Themen genauer einzustudieren. Es soll dabei jede Quelle aus der schiitischen Kultur herangezogen und eruiert werden, jede Studie von schiitischen Gelehrten soll gesammelt werden. Dies soll den schiitischen Beitrag zur Untersuchung der Persönlichkeit des Propheten aufzeigen.

Ebenfalls soll die Wahrnehmung des Gottesgesandten (s) verstärkt werden, die Forschungen sollen, wie im Gebiet der Koran- und Exegese-Studien, qualitativ fortschreiten. Denn dort gab es eine ernsthafte schiitische Aufklärung, um den koranischen Text zu interpretieren und mehr faktisch zu machen. Somit konnten sich die Schiiten ebenfalls gegen viele Vorurteile hinsichtlich ihres Glaubens an den Koran abwehren.

4) Das negativ beschriebene Bild des Propheten (s) durch einige Forscher oder westliche Schriftsteller beruht auf dem Mangel der vollständigen und zuverlässigen islamischen Studien in diesem Themengebiet. Dies hatte zur Folge, dass einige falsche Erzählungen über die Moral und den Umgang des Gesandten (s) mit seinen Ehefrauen verbreitet wurden, um ein entstelltes Bild von ihm zu generieren.

Es besteht daher notwendig, die Hadith-Bücher von allen Legenden oder Unwahrheiten zu filtrieren. Auch sollte man den Mut haben, diese Filtrierung kundzutun, um den Missbrauch völlig zu vermeiden.

Es soll offensichtlich sein, dass eine solche Herausfilterung der Texte nicht aus Angst vor anderen erfolgen soll, sondern vielmehr aus einer wissenschaftlichen und kritischen Grundlage hervorgehen. Es soll mehr Erkenntnis und Bereitschaft erzielt werden, um die Persönlichkeit des Propheten (s) zu verteidigen.

Widrigenfalls sind wir nicht gezwungen, unsere Ressourcen mit der Rechtfertigung von invaliden und unwahren Dingen auszuschöpfen, da sie keiner wissenschaftlichen Betrachtung unterzogen wurde, welche wir verantworten können.

Auch sind wir nicht gemüßigt, das Bild des Propheten zu fälschen, wie es einige tun, um das Bild des einen oder anderen seiner Gefährten zu beschönigen, bzw. die Würdigkeit eines bestimmten Imams herauszustellen. 

Da diese Leute zweifellos ihren respektvollen Wert haben, sollen die ideologischen (innerislamischen) Unterschiede uns nicht dazu bringen, unsere Theorien zuungunsten des Respekts vor dem großen Gottesgesandten (s) durchzusetzen. Dies ist leider in vielen Fällen ersichtlich, wenn man sich mit den islamischen Überlieferungen auseinandersetzt.

5) Folglich, das humane Bild des Propheten (s), seine edle Moral, seine tiefsinnige Barmherzigkeit und Toleranz, sein Umgang mit anderen sollen wahrheitsgemäß wiedergegeben werden. Dazu findet man im koranischen Wort eine unterschiedliche Darstellung als jene, die auf Erzählungen – teilweise unauthentische – zurückgeht.

Anders wird der Prophet (s) im Koran wie folgt beschrieben: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“ (Das Schreibrohr/Al-Qalam:4). Auch unter den nichtmuslimischen Arabern hatte keiner seinen edlen Charakter geleugnet, daher die Beschreibung: „Durch Erbarmen von Allah bist du mild zu ihnen gewesen; wärst du aber schroff und hartherzig, so würden sie wahrlich rings um dich auseinanderlaufen.“ (Die Sippe Imrans/Ãl-Omran: 159). In diesem Vers wird verdeutlicht, wie barmherzig, nachsichtvoll, mitfühlend und großartig der Gesandte Gottes (s) ist. 

Es wird ersichtlich, dass der Koran als Grundlage zum Studieren der Biografie des Propheten (s) und seiner Eigenschaften unabdingbar ist. Denn für uns stellt der Koran eine unanfechtbare Quelle dar, die vieles über den Propheten beinhaltet. Der koranische Text ist deswegen als einer der maßgeblichsten Mittel heranzuziehen, um die Lebensweise des Propheten nachzuforschen. Im Vergleich zu den Geschichts- und Hadithbüchern ist der Koran die Norm, an dem die Validität dieser historischen Werke evaluiert werden muss.

Aus der obigen Schilderung resultiert der Aufruf, die Biographie des Propheten gemäß der koranischen Darstellung neu zu schreiben; diese soll für jeden Moslem standhafter sein als aus je anderer Quelle. Des Weiteren soll im Betracht des Prophetencharakters immer geltend gemacht werden, mit welcher Handlungsweise er sich für jede Zeit verewigt und mit welcher er seinem Lebensumstand entsprechend handeln musste.

Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des „Baḥṭ al-Khāriǧ“. 

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Die Sichtung der Neumondsichel https://bufib.de/die-sichtung-der-neumondsichel/ Thu, 24 Jul 2014 18:25:42 +0000 http://bufib.de/?p=1621 Im Islam beginnt ein neuer Monat (des Hijri-Kalenders) mit der Sichtung der Neumondsichel (ru-yah al-hilâl). Juristisch gesehen gibt es jedoch verschiedene Ansichten in Bezug auf die „Sichtung“, was einen Unterschied im Beginn des Monats mit sich bringen kann. Wir möchten an dieser Stelle die vier bekanntesten Rechtsmeinungen in kurzer Form vorstellen:

  1. Die globale Sichtung (mit bloßem Auge)
  2. Die globale Sichtung (mit optischen Hilfsmitteln)
  3. Die lokale Sichtung (mit bloßem Auge)
  4. Die lokale Sichtung (mit optischen Hilfsmitteln)

 Unter der „globalen Sichtung“ versteht man die Sichtung der Neumondsichel an irgendeinem Ort auf der Erde. Für alle Orte, die (mindestens) einen Teil der Nacht mit der Nacht des Sichtungsortes teilen, gilt damit der Beginn des neuen Monats. D.h. z.B., wenn in Südamerika die Neumondsichel gesichtet wurde und ein Teil der Nacht, auch ein Teil der Nacht in Deutschland ist, so wäre dies, in Bezug auf die Rechtsmeinung der „globalen Sichtung“, auch der Beginn des Monats in Deutschland.   

 Die „lokale Sichtung“ ist, wie die Bezeichnung schon verrät, „lokal“ beschränkt. D.h. durch die Sichtung der Neumondsichel am selben Ort wird der Beginn eines Monats festgestellt. „Am selben Ort“ bedeutet juristisch folgendes: Entweder es gibt eine tatsächliche (direkte) Sichtung der Neumondsichel am Standort oder es gibt eine Abhängigkeit zwischen der Sichtung der Neumondsichel in einem Ort und die Möglichkeit ihrer Sichtung in dem anderen Ort. Wie z.B., wenn man in Polen die Neumondsichel sichtet, so wäre dies ausreichend für die Feststellung des Beginns des Monats in Deutschland.

Ein weiter Unterschied in den Rechtsmeinungen ist, ob man die Neumondsichel mit dem „bloßen Auge“ sichten muss oder ob man auch „optische Hilfsmittel“, wie z.B. ein Teleskop hinzuziehen darf, um die Sichtung festzustellen.

 Hier ein paar Vertreter der jeweiligen Ansichten:

  1. Die globale Sicht mit bloßem Auge: wie z.B. Sayyed al-Kho-i (r)   
  2. Die globale Sichtung mit optischen Hilfsmitteln: wie z.B. Sayyed Al-Hâshemi Ash-Shahrûdi (h)
  3. Die lokale Sichtung mit bloßem Auge: wie z.B. Sayyed Ali As-Sistâni (h) und Imam Khomeini (r)
  4. Die lokale Sichtung mit optischen Hilfsmitteln: wie z.B. Sayyed Ali Al-Khâmenei (h)

 Dies soll nur zur allgemeinen Übersicht dienen, denn selbst in den einzelnen Rechtsmeinungen gibt es noch facettenreiche Einzelheiten, die hier nicht erwähnt wurden.

 Jede einzelne Rechtsmeinung ist zu respektieren und beruht auf einer gründlichen juristischen Analyse.

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Verloren – Gefunden (Audio) https://bufib.de/verloren-gefunden/ Tue, 22 Apr 2014 22:14:27 +0000 http://bufib.de/?p=1135

Zur Hadschzeit ging es in Mekka besonders bunt und turbulent zu. Von nah und fern kamen Leute in die Stadt. Es wurde gekauft und verkauft, die Händler machten gute Geschäfte, Versammlungen fanden statt, Liederabende und Dichterwettbewerbe, Reden und Vorträge wurden gehalten, ganz abgesehen vom Besuch der Kaaba, der allen ein selbstverständliches Anliegen war.

Nun gab es in Mekka Regelungen, die von allen zu respektieren waren, ebenso wie in der Steppe die verschiedenen Stammessitten und Bräuche herrschten, die unbedingt eingehalten werden mussten. Während der Hadsch-Tage waren zum Beispiel Krieg und Kampf verboten und keiner durfte in dieser Zeit eine Fehde mit anderen austragen. Das war allgemein bekannt. Dennoch war es nicht so einfach, für Sicherheit und Ruhe in der Stadt zu sorgen. Wie an jenem Tag…

Morgens war noch alles friedlich, Abdul Mutalib und die anderen waren im Rafadah Verein mit ihren Arbeiten beschäftigt. Mit einem Male drang von irgendwo vom Marktplatz her Gelärme zu ihnen herüber. Ein Mann rief mit lauter Stimme nach Abdul Mutalib und beschwerte sich über etwas. Einige, die nichts Wichtigeres zu tun hatten, drängten sich um ihn. Man führte ihn zu den Rafadah- Leuten. Er ging kurzerhand nach vorn, vor Abdul Mutalib saß und sagte: „Guten Tag! Guten Tag, ihr Männer von Mekka. Mir wurde gesagt, dass ihr zu den Großen der Stadt gehört. Aber, aber…. Was geht hier bei euch vor?! Was? Ich soll mich nicht so aufregen? Wie kann ich das, frage ich euch! Wie kann ich schweigen und meine Ruhe bewahren?! Ich bin aus der Steppe und weit von meinem Stamm und meiner Familie entfernt! Niemand ist hier, der mir bestünde! Abdul Mutalib rief ihn freundlich zu sich heran und sprach: „Es kommt alles in Ordnung! Mach dir keine Sorgen! Nur, sag mir jetzt, worum es geht, damit ich dir helfen kann!“

Der Mann entgegnete aufgebracht: „Worum es geht? Was geschehen ist? Was soll schon geschehen sein! Diebe in eurer Stadt haben mich bestohlen und mir mein gesamtes Hab geraubt. Nun sitzen sie da in ihrem Versteck und lachen sich ins Fäustchen! Jawohl, meinen Geldbeutel haben sie entrissen, und nun stehe ich völlig mittellos da! Ich wollte ein paar Geschenke für meine Kinder kaufen, doch nun habe ich nichts mehr, nicht mal mehr soviel, dass ich meinen Hunger hier in der Fremde stillen kann! Oh, ich armer Schlucker! Ich weiß nicht, Mekka muss voller Diebe sein! Wir beschützen draußen in der Steppe eure Karawanen, ihr aber lasst uns in euer Stadt das Hemd vom Leibe fortstehlen!“

Abdul Mutalib entgegnete ruhig, aber energisch: „Erstens bist du in unserer Stadt unser Gast, und wir kommen für dich auf solange du hier bei uns bleibst. Zweitens: Unsere Stadt ist nicht voller Diebe! Rede nicht so dreist daher! Es ist nicht notwendig, dass du schlecht über uns redest. Es ist dir Geld gestohlen worden. Nun gut, doch du weißt selbst, dass wir nicht für jeden Geldbeutel einen Wächter abstellen können. Soviel Leute stehen uns gar nicht zur Verfügung! Ein jeder muss selbst auf seine Sachen aufpassen. Allerdings…, wir bemühen uns, die Diebe zu finden und zu bestrafen. Ein Dieb ist gewöhnlich jemand, den die Leute als solchen nicht kennen und der normalerweise nicht ein Schild um den Hals hängen hat, auf dem steht: Leute! Aufgepasst! Ich bin ein Dieb! Es ist also nicht unsere Schuld, dass dir was gestohlen wurde. Dennoch, wenn dein Geld nicht gefunden wird, werden wird dir den Verlust ersetzen…. Selbstverständlich wollen wir keinen Diebstahl in unserer Stadt, doch was können wir machen?! In jeder Stadt gibt es Diebe. Ich weiß nicht, welchem Stamm du angehörst, hier aber gehört alles allen! In diesen Hadschtagen sind alle – Freunde und Feinde – unsere Gäste. Doch nun sag, wie dein Geldbeutel aussieht? Woran ist er zu erkennen? Wie viel Geld war in ihm und welcher Art war es?“

Der Mann aus der Steppe antwortete: „Ich bin ganz ausgetrocknet! Gäbe es doch ein wenig Wasser hier!“

Die Männer lachten und sagten: „Trinkwasser möchtest du? Natürlich kannst du Wasser haben! Wir schlachten Hunderte von Kamele für die Leute und versorgen alle mit Brot und Fleisch, da wird ja wohl auch an Wasser für sie gedacht worden sein! Sei unbesorgt, wir werden dir sofort Wasser bringen!“

Muhammad war zu jener Zeit sieben Jahre alt. Er lief und holte schnell eine Schale mit Wasser herbei, die er dem Mann reichte. Diese trank und meinte: „Das hast du gut gemacht, Junge! Mögest du lange leben! Was aber mein Geld anbelangt, so wisset: Es befand sich in einem gewebten Säckchen aus gelber Wolle, das ich oben mit einem schwarzen Band verschlossen hatte. Siebzig Gold Dinar befanden sich in ihm, hundert Silber – Dirham und ein wenig Kleingeld. Gestern Abend hatte ich es noch. Der Geldbeutel steckte in der Tasche meines Gewandes, und geschlafen habe ich neben meinem Kamel. Ich weiß nicht, wer mich bestohlen hat, ich jedenfalls habe nichts von dem Diebstahl bemerkt!“

„Es kann durchaus sein, dass dein Geldbeutel nicht gestohlen wurde, sondern du ihn verloren hast“, entgegnete Abdul Mutalib. „Rede nicht dauernd von Diebstahl und Dieben, denke stattdessen genauer nach! Wir werden jedenfalls etwas unternehmen, sei unbesorgt! Geht nun dort ins Gasthaus, iss dich satt und ruhe dich aus. Morgen komm wieder her zu uns. Wir werden sehen, was wir inzwischen machen können. Auf jeden Fall lassen wir dich nicht mit leeren Händen heimreisen!“

Der Mann beruhigte sich. Der kleine Muhammad aber begann unruhig zu werden. Er meinte, den Geldbeutel irgendwo gesehen zu haben, konnte ich sich aber nicht daran erinnern, wo und an welcher Stelle. Am frühen Morgen, als er das Haus verlassen hatte und mit einigen Kindern zum Bazar gegangen war, hatte einer der Jungen etwas vom Boden aufgehoben und schnell in die Tasche seines Hemdes gesteckt. Es schien von gelber Farbe gewesen zu sein. Doch sicher war Muhammad sich nicht, dass es sich um den Geldbeutel dieses Mannes gehandelt hatte. Jedenfalls sah er sich nun verpflichtet, der Sache auf den Grund zu gehen. Von seinem Großvater Abdul Mutalib erhielt er die Erlaubnis dazu, und so machte er sich auf dem Weg zum Hause des besagten Jungen. Aus dem Haus drang der Lärm spielender Kinder zu ihm her. Muhammad rief den Jungen. Er hieß Maad. Als er kam, fragte er ihn ganz leise: „Maad, weißt du was? Ein Mann aus der Steppe hat seinen Geldbeutel verloren und diesen Verlust dem Rafadah Verein gemeldet. Maad, ich habe nichts gesagt, aber es ist möglich, dass das, was der Mann verloren hat, genau das ist, was du heute Morgen gefunden hast.“ Maad antwortete stotternd: „ Aber ich habe doch gar nichts gefunden! Überhaupt, ich bin den ganzen Tag noch nicht draußen gewesen! Was sagst du da eigentlich?“ Er machte eine kleine Pause, dann meinte er verlegen:

„Weißt du, Muhammad, das, was ich heute Morgen fand, war ein kleines Beutelchen mit Geld. Komm, du sollst auch etwas davon bekommen.“

„Nein“, erwiderte Muhammad, „Maad, wie kannst du nur solch einen Vorschlag machen! Das wäre sehr hässlich von uns, wenn wir das täten! Wir können doch nicht etwas für uns behalten, was uns gar nicht gehört! Wenn das Geld von jenem Mann ist, so müssen wir es ihm zurückgeben, und wenn es nicht von ihm ist, so heißt das, das wir den rechtmäßigen Besitzer finden müssen!“

Erregt und besorgt – man spürte ganz deutlich, dass er ein schlechtes Gewissen hatte -meinte Maad: „Ich bin bereit, die Hälfte des Geldes dir zu geben, allerdings nur unter der Bedingung, dass du niemanden davon erzählst!“

„Nein, das kann ich nicht“ rief Muhammad, „was anderen gehört, gehört nicht uns! Willst du, dass ich lüge und bei deinem Betrug mitmache? Das ist unmöglich! So etwas dürfen wir nicht tun! Ich werde alles, was ich weiß meinem Großvater sagen!“ Inzwischen waren die anderen Kinder ebenfalls hinzugekommen. Sie sagten: „Muhammad, was willst du von uns? Willst du Streit anfangen? Wer hat dich überhaupt gefragt, ob du etwas weißt oder nicht? Misch dich gefälligst nicht in Angelegenheiten an, die dich nichts angehen! Oder ist dir das Geldsäckchen anvertraut worden? Wenn du etwas haben willst von dem gefunden Geld…, die Hälfte oder auch alles, so sag es ruhig. Überhaupt, du kannst alles haben, wir werden es dir überlassen, und du kannst uns dann soviel abgeben, wie du möchtest! Alles andere ist deins! Mach nur kein Geschrei! Halte den Mund und erzähle bloß nichts weiter!“

Muhammad entgegnete: „Nein, ich bin nicht einverstanden. Wir müssen feststellen von wem der Geldbeutel ist! Wenn wir etwas finden, was uns nicht gehört, so haben wir es dem Eigentümer zurückzugeben!“ Da drohten die Jungen: „ Nun, wenn das so ist, so verlass dich darauf: Wir haben nichts gesehen und wissen von nichts! Mach, was du willst! Und überhaupt: Wenn du Streit mit uns haben möchtest, so stehen wir zur Verfügung. Glaub nicht, dass wir uns gegen dich nicht behaupten können! So lahm, wie du wohl glaubst, sind wir noch lange nicht! Wenn es dir Spaß macht, werden wir alle gegen dich aufhetzen!“

„Nein, es macht mir keinen Spaß“ , entgegnete Muhammad. „Überhaupt, ich will keinen Streit mit euch! Nur, richtig ist, dass wir alle uns gut verhalten! Lasst doch den Unsinn und gebt das, was ihr gefunden habt, seinem Eigentümer zurück!“ Nun war Maad richtig wütend geworden! Er schrie: „Ich habe nichts gesehen und nichts gefunden! Verschwinde jetzt! Wenn nicht, werde ich meinen großen Bruder rufen, der wird dir dann Beine machen!“

„Du kannst tun, was du willst“ meinte Muhammad, „aber ich bleibe hier, bis ihr mir das Geldbeutelchen gegeben habt, damit ich sehe, was in ihm ist. Wenn in ihm das steckt, was der Mann aus der Steppe gesagt hat, so bedeutet das, dass das Geldbeutelchen ihm gehört. Wenn sich etwas anderes in ihm befindet, als er sagte, so sieht die Sache anders aus. Dann müssen wir den Eigentümer ausfindig machen.“

Da packte Maad Muhammad beim Kragen und begann laut zu schreien, und Muhammad ergriff Maads Handgelenk. Die meisten Kinder standen auf der Seite Maads, nur einige wenige gaben Muhammad Recht. Es entstand ein wilder Tumult. Hausbewohner, Nachbarn und Vorübergehende kamen hinzu. Sagten: „Was ist los hier? Warum streitet ihr euch?“ Als sie von der Sache erfuhren, spalteten sie sich, ebenso wie die Kinder, in zwei Gruppen: Pro und Contra Muhammad! Die Angelegenheit spitzte sich zu. Da, im letzen Augenblick, kam der Ausrufer der Stadt vorbei und rief: „Leute! Hört her! Ein Gast unserer Stadt hat seinen Geldbeutel verloren. Dem, der ihn seinem Eigentümer zurückbringt, sei unser Dank!“ Niemand sprach etwas. Alle schwiegen. Muhammad aber rief den Ausrufer zu sich und sagte: „Dort drüben ist etwas gefunden worden. Vielleicht ist es das, was gesucht wird?“ Erneutes Lärmen und Rufen. Jeder sagte etwas, – die einen protestierten, die anderen pflichteten Muhammad bei. Es ging hin und her. Abdul Mutalib erfuhr von dem Tumult. Er schickte Hamzah, seinen Sohn – ein Onkel Muhammads – hin zu jenem Haus, vor dem die Leute standen und diskutierten. Hamzah kannte alle, und alle wussten, dass er aufrichtig und zuverlässig war und bereit, sich um der Gerechtigkeit willen selber aufzuopfern. Als sie ihn kommen sahen, wurden sie still. Hamzah meinte: „Uns ist so einiges zu Ohren gekommen, aber über die Einzelheiten wissen wir nicht Bescheid. Jedenfalls: Muhammad ist aufrichtig und gewissenhaft. Was er sagt, stimmt! Niemals lügt er!

Wer das bestreitet, ist im Unrecht. Jedenfalls: Entweder bringt ihr das Geldsäckchen freiwillig her, damit ich sehe, ob es von jenem Mann ist oder nicht…. Oder ich werde andere Seiten aufziehen! Wir dürfen das Recht nicht mit Füßen treten. Dem Eigentümer ist das zu geben, was ihm gehört. Wer mir von euch zustimmt, soll sich hier zu mir stellen! Die Mutter Maads, die das Treiben auf der Straße durch einen Spalt in der Haustür mit angesehen hatte, war besorgt, dass es zu einem Handgemenge kommen könnte. Sie holte den Geldbeutel und warf ihn Hamzah zu. Dabei sagte sie: „ Streit ist nicht notwendig. Es sind Kinder. Kinder wissen nicht, was sie tun. Mein Junge hat keine Schuld! Den Geldbeutel hast du nun, – alle Jungen haben ihn gefunden, nicht nur meiner. Sieh nun nach, wem das Geld gehört und gib es dem Eigentümer zurück! Wir wollen keinen Streit!“ Der Mann aus der Steppe wurde geholt. Als Hamzah ihm dem Geldbeutel zeigte, sagte er: „Ja, das ist er. Das ist meiner. Seht nur, in ihm sind 70 Gold- Dinar, 100 Silber – Dirham und ein wenig Kleingeld, so wie ich es gemeldet habe!“ Niemand sprach etwas. Sie sahen den Mann an und wussten, dass er die Wahrheit sprach. Als ihm sein Geldbeutel ausgehändigt wurde, meinte er: „Ich danke euch allen! Auch ich bin nun zu etwas verpflichtet. Schließlich weiß ich, was sich gehört! Wie viel Kinder waren es, die den Geldbeutel fanden?“ Man zählte sie, es waren sechsundzwanzig. Muhammad sagte: „Ich gehöre nicht zu ihnen. Ich habe das Beutelchen nicht gefunden, sondern nur gesehen, dass es gefunden wurde. Dass ich hier bin, ist nur deswegen, weil ich das Recht verteidigen wollte!“ Der Mann aus der Steppe gab jedem der fünfundzwanzig Kinder einen Dinar und einen Dirham als Belohnung und war froh und zufrieden. Muhammad ergriff nun Maad bei der Hand uns bat: „Sei nicht böse auf mich, Maad. Ich möchte, dass wir Freunde sind, gute Freunde. Gute Freunde aber sind aufrichtig! Ist die Sache nicht gut ausgegangen? Oder wäre es dir anders lieber gewesen?!“ Maad antwortete: „Doch, es ist gut so, wie es gekommen ist. Wir haben Geld bekommen, und der Mann ist ebenfalls zufrieden und glücklich. Das, was wir bekommen haben, ist uns „halal“ (erlaubt), das heißt, wir brauchen uns deswegen nicht zu schämen. Ich bin froh, dass du standhaft geblieben bist!“ Der Mann aus der Steppe und Hamzah gingen zurück zu Abdul Mutalib und erzählten ihm alles. Abdul Mutalib bestätigte, dass Muhammad in allen Dingen ehrlich und zuverlässig sei… 

Abends, zu Hause, wollte er Muhammad loben. Dieser aber bat: „Eines müssen wir noch tun!“ „Was denn?“, fragte sein Großvater. Er: „Wir wollen Haleh bitten, eine leckere Süßspeise zu kochen, die wir dann zu Maads Mutter bringen, damit sie, Maad und seine Familie sich freuen. Die Mutter von Maad hat gut gehandelt. Obwohl sie das Geld brauchen konnte, war es ihr dennoch lieber, darauf zu verzichten. Sie wusste, was sie zu tun hatte.

Haleh, die Frau von Abdul Mutalib, meinte freundlich: „Gut, Muhammad, das will ich gerne tun!“ Noch am gleichen Abend bereitete sie eine leckere Süßspeise zu, die sie am nächsten Morgen zu Maads Mutter bringen wollten. Der Morgen kam. Wieder hatten sich die Nachbarskinder im Hause Maads eingefunden und spielten. Maad sagte zu ihnen: „Gott sei dank ist die Sache gestern gut abgelaufen. Wenn wir das Geld für uns behalten hätten, würden wir dauernd ein schlechtes Gewissen haben und uns vor allen schämen, nicht war? Wirklich! Muhammad ist ein prima Freund!“ Indem er das sagte, klopfte es an der Haustür. Haleh, Muhammad und einige Freundinnen Halehs waren mit einer großen Schüssel Halwah (arabische Süßspeise) gekommen und sagten: „Wir möchten diese Halwah der Mutter Maads bringen, weil sie eine so einsichtige Frau ist.“ Froh setzten sie sich alle zusammen und ließen es sich gut schmecken… Alle in der Stadt erfuhren von diese Geschichte, und zwei Worten waren es, die seit jenem Tage dem Namen des kleinen Muhammads hinzugefügt wurden: „Aufrichtig und vertrauenswürdig“, das heißt im Arabischen: „Sâdiq“ und „Amîn“. 

aus: Gute Geschichten von Mehdi Adaryazdi

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Kindheit und Jugend des Heiligen Propheten (s) https://bufib.de/kindheit-und-jugend-des-heiligen-propheten-s/ Fri, 04 Apr 2014 12:31:03 +0000 http://bufib.de/?p=922 Mohammad Al-Mustafa (s), der heilige Prophet des Islam, wurde nach Sonnenaufgang am Freitag den 17. (manche meinen auch am 12.) Rabiul Awwal 570 n. H. (nach der Hijrah) in Mekka geboren. Er wurde im Jahr des Elefanten geboren, als Ibraha versuchte die Heilige Ka’ba zu zerstören.

Die Eltern des heiligen Propheten (s) waren Abdullah Sohn von Abdul Muttalib und Aamina Tochter von Wahab. Abdullah starb zwei Monate bevor sein Sohn geboren war und wurde in Medina begraben. Der heilige Prophet (s) gehörte zu der respektierten Familie der Banu Hashim vom Stamm der Quraish.

Abdul Muttalib entschied, den heiligen Propheten (S) selbst großzuziehen. Am siebten Tag nach der Geburt seines Enkels opferte er ein Schaf, um Allah seine Dankbarkeit zu zeigen, dass Er ihn mit einem gesunden Enkel gesegnet hatte. Viele Leute wurden eingeladen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen.

In dieser Versammlung verkündete Abdul Muttalib den Leuten, dass er das Kind „Mohammad“ nennen würde, was „jemand, der des Lobpreises würdig ist“ bedeutet. Als die Quraishis ihn fragten, warum er so einen ungewöhnlichen Namen erhalten würde, antwortete er, dass er wolle, dass sein Enkel sowohl im Himmel als auch auf der Erde gepriesen werden solle.

Vor diesem Ereignis hatte die Mutter des heiligen Propheten (s) ihn schon „Ahmad“ genannt. Allah hat ihn im Heiligen Koran mit beiden Namen bezeichnet.

Der heilige Prophet (s) wurde von seiner eigenen Mutter Aamina nur drei Tage lang gestillt. Wie es damals der Brauch war, wurde er dann zu einer Amme gegeben, die ihn pflegte. Zwei Frauen hatten diese Ehre.

Sie hießen:

Suwayba. Sie war eine Sklavin von Abu Lahab und pflegte den heiligen Propheten (s) vier Monate lang. Der heilige Prophet (s) und seine Frau Sayyida Khadija (a) standen ihr während ihres ganzen Lebens immer sehr wohlwollend gegenüber. Als der gesandte Gottes (s) von der Schlacht von Khaybar zurückkehrte, erfuhr er von ihrem Tod und war sehr traurig darüber.

Halimah. Sie gehörte zum Stamm der Saad bin Bakr. Sie brachte den heiligen Propheten (s) außerhalb der Stadt Mekka in die Wüste. Hier wuchs er zu einem starken und gesunden Jungen heran und lernte die reine arabische Sprache der Wüste. Er blieb dort für fünf Jahre bei ihr.

Die Kindheit des heiligen Propheten (s)

Der Gesandte (s) lebte zusammen mit Halimah fünf Jahre lang in der Wüste und sie passte sehr gut auf ihn auf. Während dieser Zeit lernte er den Umgang mit Tieren und übte sich auch im Bogenschießen. In dieser glücklichen Atmosphäre wuchs er stark und gesund auf. Halimah betrachtete ihn als etwas sehr Besonderes, da sie seitdem er unter ihrer Obhut hergekommen war, vom Segen Allahs überschüttet wurde und sie reich wurde.

Als er fünf Jahre alt war, brachte Halimah den Propheten (s) zu seiner Mutter Aamina zurück. Der kleine Junge war sehr lieb zu seinem Großvater Abdul Muttalib, weil er ihn an seinen Sohn Abdullah erinnerte. Aamina entschloss nach Medina zu gehen, um das Grab ihres Ehemannes Abdullah und auch einige ihrer Verwandten zu besuchen. Sie nahm den kleinen Mohammad (s) mit und blieb dort einen Monat lang. Auf dem Weg nach Mekka zurück wurde Aamina an einem Ort genannt Abwa krank. Nach kurzer Zeit starb sie und wurde dort begraben.

Der heilige Prophet (s) war nun ein Waisenkind und Abdul Muttalib nahm ihn zu sich. Er liebte seinen Enkel sehr und sorgte dafür, dass er nicht das Gefühl hatte unerwünscht zu sein.

Der heilige Prophet (s) war erst acht Jahre alt, als er seinen Großvater verlor. Vor seinen Tod machte Abdul Muttalib seinen Sohn Abu Talib dafür verantwortlich, auf das kleine Kind aufzupassen.

Dies war eine Pflicht, welche Abu Talib für den Rest seines Lebens vollständig erfüllte.

Der Verlust von Abdul Muttalib machte den heiligen Propheten (s) sehr traurig und er trauerte um ihn bis zu seinem Tod und vergaß nie seine Güte. Es gab viele Gründe, warum Abdul Muttalib Abu Talib als Hüter des heiligen Propheten (s) wählte. Abu Talib und Abdullah wurden von derselben Mutter geboren. Er war auch bekannt für seine großzügige Natur. Er behandelte den heiligen Propheten (s) besser als seine eigenen Söhne und achtete darauf, dass er sich nie einsam fühlte.

Als der Prophet Mohammad (s) zwölf Jahre alt war, nahm ihn Abu Talib mit einer Karawane der Quraish mit auf eine Handelsreise nach Syrien. Auf der Reise passierten sie Madyan, das Quratal und das Land von Samud und sahen die wunderschöne Landschaft von Syrien. Der heilige Prophet (s) pflegte zu sagen, dass dies eine der schönsten Reisen seines Lebens gewesen war.

Bei Basra hielt die Karawane an, um sich mit Vorräten für den Rest der Reise zu versorgen. Dort gab es einen alten christlichen Mönch, dessen Name Bahira war, der in einem alten Kloster in Basra lebte. Der Mönch pflegte nicht zu sprechen, aber als er den heiligen Propheten (s) sah, brach er sein Schweigen und fragte, „Wer ist dieser Junge?“ Abu Talib antwortete, dass er sein Neffe sei. Bahira sagte dann: „Dieser Junge hat eine brillante Zukunft. Er ist derselbe Prophet, dessen Kommen in den himmlischen Büchern vorhergesagt worden ist. Seine Religion wird sich über die ganze Welt verbreiten.“.

Einige Historiker sagen, dass Abu Talib nach dieser Warnung seine Reise nicht fortführen wollte und mit dem heiligen Propheten (s) nach Mekka zurückkehrte, während andere sagen, dass er nach Syrien weiterging, aber fortan noch mehr auf die Sicherheit des heiligen Propheten (s) bedacht war.

Auf jeden Fall war Abu Talib mit der Sicherheit seines Neffen vorsichtiger als zuvor.

Einige Historiker haben geschrieben, dass der heilige Prophet (s) durch den christlichen Mönch Kenntnis über die Geschichten der Propheten bekam und was im Heiligen Koran steht ebenfalls von ihm stamme. Dies ist eine schändliche Lüge. Es ist schwierig für jemanden zu glauben, dass der heilige Prophet (s) alle Geschichten aus seinem kurzen Treffen mit dem Mönch kannte und es schaffte sich alles 28 Jahre lang zu merken und dann vorgab, dass der Heilige Koran ihm im Alter von 40 Jahren offenbart wurde. Das Treffen mit Bahira diente keinem wirklichen Zweck, mit Ausnahme Abu Talib bewusst zu machen, dass sein Neffe eine sehr besondere Person war. Wie dem auch sei, man könnte hier noch viele Beweise vorbringen, dass das prophetische Wissen Mohammads (s) nicht von jenem Mönch stammte, was hier aber den Rahmen sprengen würde.

Also wuchs der heilige Prophet (s) geliebt und von allen geschätzt im Haushalt von Abu Talib auf. Seine Tante, Fatima bint Asad, die Frau von Abu Talib und Mutter von Imam Ali (a) sorgten für ihn, als ob er ihr eigener Sohn wäre.

Abu Talib und der heilige Prophet (s)

Zum Zeitpunkt seines Todes überlies Abdul Muttalib den heiligen Propheten (s) in der Obhut seines Sohnes Abu Talib. Abu Talib und Abdullah, der Vater des heiligen Propheten (s) waren Brüder, geboren von der gleichen Mutter. Abu Talib nahm den heiligen Propheten (s) mit in sein Haus und behandelte den Jungen, der nur acht Jahre alt war, wie seinen eigenen Sohn. Seine Frau Fatima bint Asad, liebte den heiligen Propheten (s) innig und er betrachtet sie als seine Mutter.

Seit der Zeit als er eine Weissagung von dem Mönch Bahira erhalten hatte, war Abu Talib sehr vorsichtig mit der persönlichen Sicherheit seines Neffen.

Als der heilige Prophet (s) aufwuchs, stand er immer unter dem Schutz seines geliebten Onkels, der einer der angesehensten Führer der Quraishis war. Als der heilige Prophet (s) älter war, war es Abu Talib, der ihn ermutigte am Geschäft der Handelskarawanen teilzunehmen. Er arrangierte für seinen Neffen, dass er in den Dienst von Khadija bint Khuwaylid eingeführt werden würde. Diese Einführung sollte zu der Heirat des heiligen Propheten (s) mit dieser edlen Dame führen. Auf der Hochzeit war es Abu Talib, der die Predigt rezitierte und die Zeremonie durchführte.

Als die Zeit für den heiligen Propheten (s) herangebrochen war, um seine Mission der Prophetie zu verkündigen, war Abu Talib einer seiner stärksten Befürworter. Während er unter dem mächtigen Schutz seines Onkels stand, wagten die Quraishis nicht den heiligen Propheten (s) zu schaden. Als die Quraishis die Muslime aus Mekka verbannten, lebten sie drei Jahre lang in einem Tal bekannt als das „Tal von Abu Talib“. Zu dieser Zeit ging er durch die gleichen Schwierigkeiten wie der heilige Prophet (s), obwohl er einfach nach Mekka zurückkehren hätte können, wo er immer noch von den Quraishis geschätzt und geehrt wurde.

Obwohl einige ignorante Leute schreiben, dass Abu Talib kein Muslim war, gibt es viele Gründe, warum das nicht wahr sein kann. Zuerst führte Abu Talib die Heirat des Heiligen Propheten (s) selbst durch und eine Person, die kein Muslim ist, kann nicht die Heirat eines anderen Muslims durchführen.

Zweitens war Fatima bint Asad dafür bekannt, dass sie ein Muslima war und sie war auch bis sie starb, die Frau von Abu Talib. Eine muslimische Frau kann nicht mit einem Mann verheiratet bleiben, der nicht ein Muslim ist.

Drittens weinte der heilige Prophet Mohammad (s) beim Tod von Abu Talib  eine lange Zeit und betete dann für ihn. Alle diese und viele andere Gründe beweisen ohne Zweifel, dass auch wenn er es nicht offen erklärte, dass Abu Talib ein Muslim mit einem starken Glauben war.  In seinem Testament beauftragte Abu Talib seine Kinder immer zu dem heiligen Propheten (s) zu stehen und ihn nie zu verlassen. Er riet ihnen auch, dem Islam zu folgen, sodass sie erfolgreich sein würden.

Der Tod seines Onkels nach einem Leben der Freundschaft machte den heiligen Propheten (s) sehr traurig. Im gleichen Jahr verlor er auch seine liebe Frau Sayyida Khadija (a). Aus diesen Gründen nannte der Heilige Prophet (S) dieses Jahr „A‘amul H‘uzn“ (Jahr der Trauer)

Die Jugend des heiligen Propheten (s)

Als der heilige Prophet (s) heranwuchs, erkannten die Leute um ihn herum, dass dieser junge Mann nicht wie die anderen aus seinem Alter war. Die Leute bewunderten seinen Charakter und seinen Mut und alle Quraishis mochten ihn.

In seiner Jugendzeit begleitete der heilige Prophet (s) seinen Onkel Abu Talib auf Handelsreisen nach Syrien und Jemen. Er gewann einen guten Ruf in Mekka für seinen guten Geschäftssinn, seine Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit.

Die Menschen waren so beeindruckt von den Qualitäten des heiligen Propheten (s), dass sie begannen, ihn as-Sadiq (der Wahrhaftige) und al-Ameen (der Vertrauenswürdige) zu rufen.

Wenn der heilige Prophet (s) ihnen begegnen würde, würden die Leute sagen:

„Dort ist der junge Mann, der mit den Starken und mit den Schwachen gleich gut umgeht. Er ist rücksichtsvoll mit seinesgleichen, respektiert die Älteren und ist immer sehr liebevoll und gefühlvoll im Umgang mit Kindern. Er lügt nie und missbraucht nichts, was ihm anvertraut wurde. Er hat Frauen gegenüber nie böse Absichten und ist nie unhöflich. Er lästert nie und verbringt seine Zeit nie damit, bei anderen Menschen nach Fehlern zu suchen.“

So war der Charakter unseres heiligen Propheten (s) und in späteren Jahren wollten sogar seine Feinde ihr persönliches Habe bei ihm zur Aufbewahrung lassen, wenn sie auf eine Reise nach Mekka gingen. Einmal kam ein Mann nach Mekka und wurde von einem Händler auf dem Markt betrogen. Er beschwerte sich bei den Quraish, dass er betrogen worden war. Zu jener Zeit bildeten einige führende Bürger einen Ausschuss, der derartige Zwischenfälle untersuchen wollte und versuchten den Menschen, die ungerecht behandelt wurden, zu helfen.

Sie beschlossen, dass die Hauptstämme der Quraishis eine Vereinbarung treffen sollten, die die Rechte der Menschen schützen würden. Dieser wichtige Bund hieß „Hilful Fudhool” oder “Vereinbarung über die guten Sitten”. Der heilige Prophet (s) trat dieser Vereinbarung bei und war ein aktives Mitglied des Hilful Fudhool.

Der heilige Prophet (s) verbrachte auch einen Teil seiner Jugend als Hirte.

Folglich hatte sich der Heilige Prophet (S) als er 25 Jahre alt war einen guten Ruf in Mekka erworben und hatte sich das Vertrauen und die Zuneigung der Leute aus seiner Umgebung verdient.

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Die Ankunft des edelsten aller Menschen: der Gesandte Mohammad (s) https://bufib.de/die-ankunft-des-edelsten-aller-menschen-der-gesandte-mohammad-s/ Fri, 04 Apr 2014 11:06:02 +0000 http://bufib.de/?p=919 Mit Augen, so hell wie die strahlende Sonne, ein Lächeln auf den Lippen strahlender als das Licht der Sonne, ein Herz frischer als die Blumen aus den Gärten von Yathrib und Taif, Sitten und Gebräuche anständiger als die Mondscheinnächte der Hijaz, ein Geist lebhafter als die starken Winde, eine bezaubernde Zunge, ein Herz voll himmlischer Freude, feste Entschlossenheit, wie eine scharfe Klinge und himmlischen Worten auf der Zunge – so war Muhammad der Sohn von Abdullah, der Prophet für alle Welten, der Prophet, der die Götzen zerstörte. Er brach nicht nur den Glauben an die falschen Götter aus Holz und Stein, sondern er brach auch die Idole des Reichtums, unanständige Lebensgewohnheiten und die Unmenschlichkeit.

Die einzige Sache, die sich die feigen Qurayschis wünschten war, dass das Geld aus den Händen der nomadischen Araber in ihre eigenen Taschen fließen sollte. Die einzige Bedeutung, die das Leben für sie besaß war, das sie um Geld zu verdienen auf den Rücken der Kamele unter extremen Nöten durch die Wüste reisen mussten und dann zu ihrer Heimatstadt Mekka zurückkehrten – das gleiche Mekka, welches die Stadt der Götzenanbetung war und wo das Geld die einzige Sache war, was zählte.

Plötzlich hörten sie eine Stimme, die ihre Nerven erschütterte. Ihre Hoffnungen waren zerstört. Die Welt wandte sich von ihnen ab, indem sie sagte „Der Wert des Menschen ist nicht der gleiche, wie ihr ihm beigemessen habt und der Sinn der Erschaffung des nomadischen Arabers ist nicht der gleiche, wie ihr es denkt“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Banu Asad und Banu Tamim waren so verirrt und ignorant, dass sie ihre Töchter lebendig begruben. Es gab keine Rechtfertigung für ihr Tun, außer dass es ein Brauch war, der bei ihnen überlebt hatte. Sie sprachen sich gegen den göttlichen Willen aus. Sie hassten die Schönheit der Natur. Und sie hörten eine Stimme, welche mit leidenschaftlicher Liebe und Mitgefühl mit den Menschen sagte: „Beerdigt eure Töchter nicht lebendig. Die Töchter wurden genauso von Gott erschaffen, wie die Söhne. Kein menschliches Wesen hat das Recht anderen das Leben zu rauben. Nur Gott erschafft die Menschen und lässt sie wieder sterben“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Die Araber kämpften ständig. Sie kämpften und verschütteten jahrelang Blut aufgrund von trivialen Dingen. Sie töteten ihre eigenen Brüder und freuten sich dann darüber und verherrlichten sich selber dafür. Ihre Lieben für das Wohl ihrer eigenen Unwissenheit zu opfern, war etwas ganz gewöhnliches für sie. Die Kinder weinten und schrien und wuchsen in Bedingungen auf, welche nicht förderlich waren für die Schaffung von Liebe und Sympathie gegenüber irgendjemandem in ihren Gedanken. Unter diesen Umständen hörten sie eine andere Stimme, welche sagte „Was macht ihr? Ihr tötet euch, obwohl ihr Brüder seid, weil ihr alle von Gott erschaffen wurdet. Zwietracht ist etwas teuflisches. Friede und Freundschaft sind vorteilhafter für euch. Der Segen, um den ihr kämpft, kann nicht anders erreicht werden, wie durch den Frieden“.

Dies war auch die Stimme von Mohammad.

Die Araber waren die stolzesten und egoistischsten Leute. Sie betrachteten die nicht-Araber als unterlegen. Zusätzlich waren die nicht-Araber für sie keine menschlichen Wesen. Mohammad konnte diese Einstellung der Araber überhaupt nicht leiden. Indem er diese stolzen Menschen ansprach, sagte er: „Kein Araber ist mehr wert, wie ein nicht-Araber solange er nicht frommer ist. Ob du es hören willst oder nicht, alle menschlichen Lebewesen sind Geschwister“.

Sie waren unterdrückte, obdachlose und hilflose Personen, deren Gesichter von den heißen Winden versengt worden waren. Die Gesellschaft hatte sie verstoßen und ihr Leben unerträglich gemacht. Sie waren in den Augen der Leute einfacher wie Sandkörner und ihr Leben war nichts wert. Und das waren die wahren Freunde des Propheten des Islam, so wie die Armen und Ausgestoßenen der Gesellschaft die Freunde von Jesus Christus und anderen großen Männern der Welt waren. Es waren gerade diese Menschen, um dessen Gunst der Prophet des Islam bemüht war, um die Schaffung der Diktatur und unerlaubten Sklaverei zu verhindern. Er befreite den Menschen aus den Ketten der Knechtschaft und gründete die Staatskasse, damit alle von ihr ohne Diskriminierung profitieren könnten.

Er leitete die Bemühungen der Menschen um öffentliche Wohlfahrt. Er bestand darauf, dass die Qurayschis, die seine Verwandte waren, auf Schritt und Tritt ihr Verhalten verbessern sollten, gute Taten tun und ihre Aufmerksamkeit mit ganzem Herzen Gott widmen sollten, der die zerstreute Schöpfung wieder zu einem einzigen Ganzen verbunden hatte.

Die Qurayschis jedoch, stifteten die unwissenden Leute, genauso wie ihre Kinder, dazu an, ihn zu steinigen und zu verspotten.

Die hilflosen, unterdrückten und heimatlosen Sklaven unter denen sich auch Bilal befand, der der Muezzin des Propheten war, waren voller Freude als sie folgendes hörten: „Alle menschlichen Wesen werden von Gott gespeist. Er mag den am meisten, der zu seinen Geschöpfen hilfsbereit ist“.

Dies war die Stimme von Mohammad.

Jene, die seine Feinde waren und ihn steinigten und verspotteten, hörten diese animierende Stimme: „Wenn du (Mohammad) streng und hartherzig gewesen wärst, hätten sie dich alle schon vor langer Zeit verlassen. Vergib ihnen und bitte Gott um Vergebung (ihrer Sünden)  und berate dich mit ihnen in dieser bestimmten Angelegenheit. Aber wenn du zu einer Entscheidung gekommen bist, dann vertraue auf Gott. Gott liebt die, die vertrauen“.

Dies war die Stimme Mohammads

Die folgenden reinen Worte hinterließen tiefe Spuren bei denen, die bestrebt waren nach dem Willen Gottes ein besseres Leben zu leben und welche bereit waren ihn (Mohammad) in seinem Unterfangen gegen Götzendienst und Missetaten zu unterstützen und Angst hatten, dass ihre Rechte und gute Führung in einem Schlachtfeld verschwendet werden könnte.

„Denk daran! Sei nicht untreu. Begehe keinen Vertrauensbruch. Töte weder ein Kind oder eine Frau oder einen alten Mann oder einen Mönch in einem Kloster. Verbrenne keine Dattelpalmen und schneide keinen Baum noch reiße ein Gebäude nieder“.

Diese Stimme war die Stimme Mohammads.

Die Araber hörten diese himmlische Stimme von Mohammad und verbreiteten es in alle vier Himmelsrichtungen. Sie gaben es an mächtige Herrscher und Könige weiter, etablierten Brüderlichkeit und den einen Glauben unter den Menschen und erschufen eine Beziehung zwischen Mensch und Gott (swt).

Der Schatten von Mohammad verbreitete sich so stark, dass er die ganze Alte Welt überschattete und das Land vom Osten bis zum Westen damit begann die Früchte von Güte, Wissen, Friede und Freundschaft zu tragen. Der Prophet des Islam streckte seine Hand aus und säte die Samen der Freundschaft und Brüderlichkeit in der ganzen Welt. Diese Hand ist immer noch ausgestreckt und damit beschäftigt die Samen zusähen. Daher gibt es keinen Teil der Welt, in dem sich die Anhänger von Mohammad nicht finden lassen. Der eine möge sich in Pakistan befinden und der andere möge in Spanien sein, aber abgesehen davon verhalten sich beide nach einer und dergleichen Norm.

Diese Stimme des heiligen Propheten war ein Aufruf nach menschlicher Geschwisterlichkeit. Sie hinderte die Hände der Herrscher daran, nach dem Besitz der Untergebenen zu greifen und gab allen menschlichen Wesen gleiche Rechte. In seiner Religion gibt es keine Diskriminierung zwischen einem gewöhnlichen Mann, einem Herrscher und einem Untergebenen und einem Araber und einem Nicht-Araber, weil alle menschlichen Wesen die Diener Gottes sind und Er ist es, der allen Nahrung gibt.

Diese Stimme emanzipierte Frauen von der Unterdrückung der Männer, befreite die Arbeiter von der Ungerechtigkeit der Kapitalisten und befreite die Diener aus der erniedrigenden Unterwerfung unter ihren Meistern. Im Gegensatz zu Platon und anderen Philosophen, die die Arbeiter ihren sozialen Rechten berauben aufgrund ihrer hauptsächlichen Beschäftigung und die die Gesellschaft in mehrere Klassen unterteilt haben, hat der Prophet des Islam alle menschlichen Wesen an den Angelegenheiten der Regierung teilhaben lassen. Er verbot auch Wucher und Ausbeutung eines Menschen durch einen anderen.

Dies ist und bleibt die Stimme des heiligen Propheten Mohammad (s).

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Kurzer Einblick: Prophet Mohammad (s) https://bufib.de/kurzer-einblick-prophet-mohammad-s/ Thu, 03 Apr 2014 15:00:11 +0000 http://bufib.de/?p=860 Abstammung

Der älteste und erhabenste Stamm von ganz Arabien war „Bani Hâshim“. Sie waren die Nachfahren von dem Propheten Abraham durch seinen Sohn Ismail. Die Araber respektierten und liebten sie für ihre Güte, Wissen und ihren Mut.

Abdul-Muttalib war das Oberhaupt der Bani Hashims und er war auch der Hüter der Kabah. Abdullah, einer seiner zehn Söhne, war der Vater des heiligen Propheten Mohammad (s).

Mohammad (s)

Der kleine Junge Mohammad wurde in Mekka am 17. Rabi‘ al-Awwal, 570 n. Chr. geboren. Sein Vater Abdullah, Sohn von Abdul-Muttalib starb bevor er geboren war und als er sechs war, verlor er seine liebevolle Mutter Aminah bint al-Wahab. Sein Großvater Abdul-Muttalib übernahm die Verantwortung das Waisenkind großzuziehen. Im Alter von zehn Jahren wurde er seines ehrwürdigen Großvaters beraubt. An seinem Totenbett ernannte er seinen Sohn Abu Talib zum Erziehungsberechtigten von Mohammad. Der sanfte, leise sprechende, große und hübsche Junge Mohammad begleitete die Handelskarawane von Abu Talib durch die Wüsten, welche ihm einen tiefen Einblick in die Natur und den Menschen gaben.

Khadijah

Die wohlhabende, edle Frau Khadijah, welche nach einem Betreuer für ihre reiche Handelskarawane suchte, wählte Mohammad als diesen. Da er talentiert und fair handeln konnte, war Mohammad ein großer Erfolg. Khadijah, die ihn schon immer bewundert hatte, machte ihm ein Heiratsangebot.  Mohammad war fünfundzwanzig Jahre. Diese Ehe war auf Liebe und Barmherzigkeit gestützt und beide waren sehr glücklich miteinander.

Der Prophet

Nachdem er die Natur liebte und sehr besorgt über die Leiden der Menschheit war, zog sich Mohammed sehr oft zum Berg Hira zurück, um zu beten und dabei innere Ruhe zu finden. Eines Nachts wandte sich eine Stimme an ihn und befahl „Lies im Namen deines Herren.“ Der Prophet Mohammad (s) ging nach Hause zu seiner Frau Khadijah. Diese hörte ihm aufmerksam zu und sagte: „Ich bezeuge, dass du der gesandte Gottes bist.“ Nach einiger Zeit sprach die Stimme vom Himmel erneut: „Oh du, der in Seinem Mantel gehüllt ist, geh zu den Leuten und warne sie und preise deinen Herrn.“

Dies war ein Signal für ihn, um damit zu beginnen, die Botschaft der Wahrheit, dass es nur einen Gott gibt, zu predigen. Um den neuen Glauben zu akzeptieren, lud Mohammed am Anfang nur die Leute aus seiner Umgebung ein. Die erste Frau, die den Islam annahm war Khadijah und der erste Mann war Ali, der Sohn von Abu Taleb. Bald danach gab es immer mehr Bekenner des neuen Glaubens. Drei Jahre lang arbeitete er fromm, um sein Volk von der Anbetung der Götzen zu entwöhnen.

Schließlich entschied Mohammad, mit Gottes Befehl, öffentlich an die Öffentlichkeit zu appellieren, um die Anbetung der Götzen aufzugeben und zum Islam zu konvertieren.

Der neue Glaube ist einfach, ohne Komplikationen, praktisch und nützlich für den Alltag. Er ordnet an zu glauben und Gutes zu tun, das Gebet zu verrichten und Almosen zu zahlen.

Mehrere Male kamen die Ältesten zu Abu Talib, dem Onkel des Propheten Mohammad, und sagten: „Wir respektieren dein Alter und deinen Rang, aber wir haben keine Geduld mehr mit deinem Neffen. Stoppe ihn oder wir werden dich bekämpfen.“ Abu Talib hat dies seinem Neffen überbracht, woraufhin der Gesandte Gottes mit Tränen in den Augen antwortete: „Oh mein Onkel! Auch wenn sie mir die Sonne in meine Rechte und den Mond in meine Linke geben würden, um mich zu zwingen meine Mission abzubrechen, werde ich nicht aufhören bis Gott sich dazu äußert oder ich bei dem Versuch untergehen werde.“

Tragödien

In einer Zeit der Schwierigkeiten, Prüfungen und Beschwerlichkeiten quälten Mohammed zwei größere Tragödien. Zuerst starb sein ehrenwerter Onkel Abu Talib und kurz danach starb auch seine edle Frau Khadija. Sie hinterließ ihre Tochter Fatima (Friede sei mit ihr), die ihrem Vater so ähnlich war, dass der Prophet sie Umm Abîha nannte (die Mutter ihres Vaters).

Die muslimische Epoche

Mit dem Tod des großen Abu Talib, planten die Mekkaner den Propheten zu beseitigen. Unter göttlicher Führung hat Ali in dem Bett des Propheten geschlafen, um die Feinde damit zu täuschen. Während die Mörder Ali mit dem Propheten verwechselten, ging der heilige Prophet des Islam nach Medina.

Die muslimische Epoche der Auswanderung wird nach diesem Vorfall vom 17. Rabi‘ al-Awwwal 622 n. Chr. als „Hijrah“ bezeichnet.

Von dem Zeitpunkt an als er nach Medina kam, war er die großartigste Figur, auf welche das Licht der Geschichte jemals geschienen hatte. Der Prediger, der ohne Brot ging, war mächtiger als die mächtigsten Herrscher der Erde. Keinem Kaiser wurde so gehorcht, wie diesem Mann mit einem Mantel aus seinen eigenen Kleidern.

Er setzte den Grundstein des muslimischen Reiches und stellte eine Verfassung auf. Ein überragender Denker, nicht nur in seinem Zeitalter, sondern von allen Epochen.

Uhud

Im nächsten Jahr griff Abu Sufyan, der berühmte langjährige Feind des Islam die Muslime in Uhud wieder an. Hamzah der erste Fahnenträger des Islam und Onkel des Propheten wurde im Kampf getötet. Trotz strenger Anweisungen durch den Propheten verließen ein paar muslimische Soldaten ihre Posten, als der Sieg in Sicht war. Dies veränderte den Kurs des Kampfes. Khalid ibn al-Walid griff den Propheten an und die ernste Situation wurde erst durch die rechtzeitige Ankunft von Ali gerettet. Die Feinde rannten fort und der Fall war entschieden. Mohammed war tief betrübt über den Tod von Hamzah.

Hudaybiyyah

Die Muslime befanden sich seit sechs Jahren im Selbstexil und begannen sich nach ihrem Heimatland Mekka zu sehen. Der Prophet wünschte, eine Pilgerfahrt zur Kabah durchzuführen. Als er seine Heimatstadt verließ, war er schwach, aber als er zurückkehren wollte, war er stark. Er verwendete seine Stärke nicht, um einen Einzug in die Heilige Stadt zu erzwingen. Nachdem ihm die Quraischis feindlich gesinnt waren, schloss Mohammed einen Vertrag, bekannt als der Friede von Hudaybiyyah, welcher nicht sehr vorteilhaft für die Muslime erschien, aber den islamischen Charakter von Mäßigung und Großmut offenbarte. Denn die starke Zurückhaltung und Toleranz ist die wahre Tapferkeit. Ihre Herzen waren von Sehnsucht überschwemmt, als sie bis an die Türen ihres Geburtsortes gelangt waren.

Mekka

Im achten Jahr nach der Hijrah brachen die Quraischis den Frieden von Hudaybiyyah, indem sie die Muslime angriffen. Die Muslime konnten sich jedoch erfolgreich verteidigen. Der Prophet, der Mekka als Flüchtling verlassen hatte, kehrte nun wieder zurück. Jedoch nicht mit der Waffe in der Hand, sondern ohne nur einen Tropfen Blut zu vergießen, kamen die Muslime wieder zurück in ihre Geburtsstätte. Der Prophet der Barmherzigkeit kam mit den restlichen Muslimen in die Stadt und befahl eine allgemeine Amnestie anstelle eines Massenmassakers für ihre Verfolger und Feinde.

Letzte Pilgerfahrt

Unter der göttlichen Führung seines nahen Endes, bereitete Mohammad (s) sich vor, um seine Abschiedspilgerfahrt zu verrichten. Bevor er alle Zeremonien der Hajj durchgeführt hatte, sprach er am 8. Dhul-Hijjah im Jahre 11 nach der Hijrah von der Spitze des Berges Arafah eine große Vielzahl an, mit Worten, die immer in der Atmosphäre erklingen und leben werden.

Nachdem er die Hajj beendet hatte, ging der heilige Prophet nach Medina. Auf seinem Weg in Ghadir Khumm rief eine Stimme vom Himmel: „Oh du Gesandter! Verkünde, was dir von deinem Herrn herabgesandt worden ist und wenn du es nicht tust, hast du Seine Nachricht nicht verkündet. Und Allah wird dich vor den Leuten beschützen. Wahrlich, Allah weist den ungläubigen Leuten nicht den Weg.“ (5:67). Mohammed befahl Bilal sofort die Muslime zu rufen, um sich zu versammeln. Der berühmte Berichterstatter und Exeget Fakhr ad-Din ar-Razi schreibt in seinem At-Tafsir al-Kabir (Bd. 11, S. 53), dass der Prophet Ali bei der Hand nahm und sagte: „Wessen Führer ich bin, dessen Führer ist auch Ali. Oh Allah! Liebe den, der Ali liebt und sei der Feind der Feinde von Ali; helfe dem, der Ali hilft und verlasse den, der Ali verlässt.“

Tod

Bei der Rückkehr nach Medina beschäftigte er sich mit der Organisation der Provinzen und der Stämme, welche den Islam angenommen hatten. Seine heilige Seele, welches vom ersten bis zum letzten Atem dem Dienst von Gott und der Menschheit gewidmet war, kehrte am 28. Safar im Jahre 11 nach der Hijrah zu ihrem Herrn zurück.

Der Prophet des Islams spornte nicht nur zur Ehrfurcht an, sondern auch zur Liebe, Barmherzigkeit, Demut, Reinheit, Bildung und Weiterentwicklung.

Er inspirierte alle, die mit ihm in Kontakt kamen. Er teilte seine spärliche Nahrung; er begann seine Mahlzeiten im Namen Allahs und beendete sie, indem er Dank aussprach. Er liebte die Armen und respektierte sie, er ging die Kranken besuchen und die mit gebrochenem Herzen trösten. Er behandelte seine stärksten Feinde mit Milde und Nachsicht, aber die Verbrecher der Gesellschaft bekamen Gerechtigkeit; sein intellektueller Geist war bemerkenswert und fortschrittlich und er sagte, dass der Mensch nicht ohne ständige Bemühungen existieren könne.

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