Sayyid Mahdi Bahrul Uloom

Sayyid Jawad al-Ameli wollte sich gerade an den Abendbrottisch setzen als ein Bote vom Haus seines Lehrers eintraf und ihn aufforderte ihm zu folgen. Sayyid Jawad stand sofort auf und folgte dem Boten zum Haus seines Lehrers, wo er seinen Lehrer mit missbilligender Miene antraf. „Sayyid Jawad!“ sagte der Lehrer zu ihm. „Hast du keine Angst vor Allah?“ Er bemühte sich, sich zu erinnern, ob er kürzlich etwas getan hatte, dass ihm das Missfallen seines Lehrers eingebracht hatte. „Es ist jetzt eine Woche“, sagte der Lehrer „und dein Nachbar und seine Familie sind ohne Weizen und Reis.“ „Bei Gott, ich hatte keine Kenntnis“, antwortete Sayyid Jawad. „Das ist noch schlimmer“, sagte sein Lehrer. „Wie können sieben Tage vergehen und du weißt nichts von der Not deines Nachbarn? In der Tat, wenn du davon gewusst hättest und es absichtlich ignoriert hättest, dann wärst du noch nicht einmal ein Muslim!“ Sayyid Jawad ließ seinen Kopf in Scham sinken, aber sein Lehrer fuhr fort: „ Nimm dieses Essen hier mit zum Haus deines Nachbarn. Iss mit ihm, damit er keine Scham empfindet und lege diese Summe Geld unter sein Kopfkissen oder unter seinen Teppich, für seine zukünftigen Ausgaben. Informiere mich, wenn diese Aufgabe erledigt ist, denn bevor du es getan hast werde ich mich weigern selbst etwas zu essen!“

Als ein Leuchtfeuer der Tugend und Frömmigkeit so war er, Sayyid Mohammad Mahdi ibn Sayyid Murthadha Tabatabai in Karbala, im Irak am 1. Schawwaal im Jahre 1155 n. H. (12. November 1742 n. Chr.) geboren. Sein Vater war selbst ein berühmter Gelehrter. Berühmt für seine Frömmigkeit und seine Traditionen sprach sein Vater über eine Erscheinung von Imam Ali ar-Rida (a). In seinem Traum hatte er ihm eine hell erleuchtete Kerze gegeben, die das Licht des Wissens und der Führung, die sein Sohn in die Welt bringen und repräsentieren sollte. Er studierte in Karbala unter seinem Vater und diversen örtlichen Gelehrten. In 1186 n. H., reiste er nach Isfahan, wo er Philosophie unter Sayyid Mohammad Mahdi Isfahani, einem bekannten Gelehrten und Philosophen studierte. Eines Tages war sein Lehrer so von seinem Wissen und seiner Intelligenz beeindruckt, dass er bemerkte: „Wahrlich, du bist Bahrul Uloom (ein Meer des Wissens)!“ Nach diesem Ereignis war er fortan unter diesem Titel bekannt.

Nach seiner Rückkehr nach Karbala setzte Sayyid Mahdi Bahrul Uloom sein Studium unter Scheich Yusuf Bahrani, einem berühmten Gelehrten fort. Jedoch wurde er, so wie auch viele seiner Kollegen, bald von den Vorträgen von Shaikh Wahid Behbahani beeinflusst, der für die Usuli Methodik und den Gebrauch von Vernunft und Verstand anstatt dem eklatanten Buchstabenglaube der Akhbaris stand. Zusammen mit Muhaqqiq an-Naraqi  und Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita, verzichtete Sayyid Mahdi bald auf seine ehemaligen Akhbari Ideen und folgte Allama Behbahani in seinem Kampf die Gedanken der Usulis wieder herzustellen.

Nach dem Untergang seines Mentors wurde Sayyid Mahdi als eine religiöse Autorität in der schiitischen Welt anerkannt. Er schrieb ausführlich über Fragen des Ijtihads (die selbstständige Rechtsfindung), der Rechtswissenschaft (i’lm al-fiqh) und seine Schriften „Fawaid Rijaliya“ und „Fawaid Usuliya“ gelten als extrem wichtige Werke der Rechtsprechung. Zu seinen Schülern gehörten die großen Gelehrten jener Zeit, einschließlich Muhaqqiq al-Naraqi und Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita, der entgegen seiner Zeitgenossen den Unterricht besuchte und sein umfangreiches Wissen anerkannte. In der Tat zeiget Shaikh Ja‘far Kashif al-Ghita seinen Respekt und seine Bewunderung für Sayyid Mahdi, indem er dessen Schuhe mit dem Ende seines Turbans abwischte!

bahr al uloom

Neben seinem Wissen war Sayyid Mahdi bekannt für seine Frömmigkeit und seinen hohen geistigen Status. In der Tat haben Gelehrte ihn aufgrund seiner großen Gläubigkeit direkt hinter der Ahlul Bayt (a) und den Propheten (a)platziert.  Er war dafür bekannt den 12. Imam (möge Allah seine Wiederkehr beschleunigen) mehrmals getroffen zu haben und längere Gespräche über komplexe Themen der  Rechtswissenschaft mit ihm geführt und seinen Rat gesucht zu haben. Mehrere Augenzeugen bestätigen, dass wann immer er sich dem Schrein von Amir al-Momineen Imam Ali (a) in Najaf zum Zeitpunkt der Morgendämmerung näherte, sich die Türen des Schreins geheimnisvollerweise für ihn öffneten. Im heißen Sommer von Karbala, wann immer er durch die Straßen ging, waren Wolken zu sehen, die ihm Schatten spendeten. Seine Studenten schrieben seinen hohen spirituellen Status seiner Frömmigkeit, Gläubigkeit und der strengen Einhaltung der Gesetze der Scharia zu.

Im Jahre 1212 n. H. im heiligen Monat Rajab verließ diese Quelle der Weisheit, Erkenntnis und Frömmigkeit die Welt. Er wurde im „Masjid at-Tusi“ in Najaf zur letzten Ruhe gebettet.

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