Gesellschaft – Bund für islamische Bildung https://bufib.de Sat, 06 May 2017 17:48:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.3.5 https://bufib.de/wp-content/uploads/2017/04/Favicon-75x75.png Gesellschaft – Bund für islamische Bildung https://bufib.de 32 32 Die Weitsicht https://bufib.de/die-weitsicht/ Thu, 15 Dec 2016 09:53:55 +0000 http://bufib.de/?p=1760 Hier zum Download

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Wie präsentieren wir die Konfession der Ahlulbayt (a)? https://bufib.de/wie-praesentieren-wir-die-konfession-der-ahlulbayt-a/ Thu, 03 Nov 2016 10:12:09 +0000 http://bufib.de/?p=1741 1 – Der Hauptgedanke über den wir hier sprechen werden, betrifft die Vorstellung eines rationalen Bildes über eine der bedeutsamsten Schulen des Islam, und zwar die islamisch-schiitische Schule. Diese zeichnete sich im Laufe der Zeit durch die verschiedensten Prägungen aus, wie durch eine vernunftgemäße Prägung (bspw. Al-Murtaḍa und Al-Mufīd) über eine tradierende Prägung (As-Ṣadūq und Al-Maǧlisī), bis hin zu einer philosophisch-gnostischen Prägung (Mullah Ṣadrā und Aṭ-Ṭabaṭabā’ī).

Im Geflechte dieser Vielfalt wurden verschiedene Darbietungen über das Gebilde, den Vorstellungen und den Geist dieser Denkschule aufgeführt; jene Denkschule, die ihre Hauptgedanken vom Propheten (s) und den Imamen der Ahlulbayt (a) entnommen hat. Es war stets so, dass eine Gruppe von einer Methode der Vorstellung dieser Denkschule überzeugt war, wohingegen eine andere Gruppe diese als schädlich angesehen hat und der Ansicht war, dass sie unbedingt durch eine andere Methode substituiert werden müsse.

2 – In dieser Mitte trat eine neue Richtung in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts in Erscheinung, und zwar die Richtung der Annäherung (al-ittiǧāh at-taqrībī). In den Fünfziger- und Sechzigerjahren  erreichte diese Strömung schließlich ihren Zenit und ging mit großem Bedauern in den Achtzigerjahren wieder zurück. In diesem Umfeld dominierte das Prinzip der universellen, rationalen Präsentation der imamitischen Denkschule. Dieses Prinzip, das wir hier weiter entwickeln wollen, basierte auf folgendes:

a) Die Präsentation der Konfession der Ahlulbayt (a) erst nach einer innerkritischen Betrachtung, wodurch diese Konfession von dem gereinigt werden soll, was ihr im Laufe der Zeit hinzugesetzt wurde. Dabei ist dies eine Verfahrensweise, die alle Religionen, Konfessionen oder gar Ideologien trifft. Es werden ihnen mit der Zeit menschliche Auffassungen zugeschrieben, welche sehr schnell als genuines religiöses Verständnis aufgenommen wird, obwohl dem in Wirklichkeit überhaupt nicht so ist. Ich führe hierfür ein Beispiel auf, das mit dem Erwarten der Rückkehr des Imam Al-Mahdi (a) zu tun hat. Dieses Erwarten hat hierbei eine Form der Stagnation angenommen, anstatt, dass es eine Form des Aufschwungs annimmt. Diese Art der Denkweise wurde aus überlappenden Gründen, die wir hier nicht ansprechen werden, als Basis dafür genommen, um die großen Aufschwungsprojekte, seien sie gesellschaftlicher, politischer oder kultureller Natur, zu abandonnieren. Zugegen wurde als Vorwand aufgeführt, dass die Religion an die Unfehlbaren gebunden sei, so dass, falls kein Unfehlbarer präsent sein sollte, alles stillgelegt werden müsse. Und so wurden infolge dieses Verständnisses die vorhandenen Möglichkeiten dieser Konfession für einen qualitativ weiten Sprung nach vorne in einigen Zeiten behindert. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir große Persönlichkeiten – unter ihnen Imam Khomeini – gesehen haben, die eine innerkritische Betrachtung gefordert haben, um mit der (muslimischen) Weltgemeinschaft einen Aufschwung zu verwirklichen und sie von den stagnierenden Vorstellungen zu befreien.

Daher fordern wir von all jenen, die hinsichtlich der Angelegenheiten der Konfession der Ahlulbayt (a) Verantwortung tragen, sich stets dieser ruhigen, innerkritischen Ansicht zu widmen. Sie sollten keine Angst davor haben oder Sorge tragen. Wenn man diese Kritik selbst ausübt und lenkt, so sind die daraus resultierenden Gefahren kleiner, da man sie selbst kontrollieren kann, so dass weder an der einen Stelle über- noch an der anderen Stelle untertrieben wird.

b) Die Präsentation der Konfession der Ahlulbayt (a) gemäß rationalen Vorstellungen. Wir meinen mit rational aber nicht, dass die Wirksamkeit der gottesverehrenden Äußerungen sowie die tradierende Instanz annulliert werden, sie sollen vielmehr als Grundlage betrachtet werden. Wenn das geschehen ist, muss darauf hingearbeitet werden, dass die imamitische Denkschule als hierarchisierte, akkurate und harmonische Konfession präsentiert wird, fern von Missbildungen. Mit anderen Worten: Es soll ein vollständiges, rationales und übereinstimmendes Bild vorgestellt werden, welches eine gewisse Systematik aufweist, sodass der menschliche Verstand dieses annimmt und es nicht als der Logik konträr erachtet.

Um ein verdeutlichendes Beispiel zu geben, erwähne ich die philosophisch-gnostische Auslegung der Theorie der Führerschaft[1] (imāmah) bei der Schia, welche vor nicht allzu langer Zeit hervorgegangen ist. Abgesehen von der Genauigkeit dieser Auslegung, sehen wir, dass diese Theorie eine harmonische, vernunftgemäße Vorstellung der Führerschaft vorlegt. Dabei ist diese weitaus präziser und abgestimmter, als die Theorie der Kalām-Theologen, die unter einigen Lücken in ihrer inneren Einstimmigkeit leidet und der ein rationaler Einklang unter den verschiedenen Konstituenten der These fehlt. Ein weiteres Beispiel stellt die Ansicht der »Rechtswissenschaft der Theorie« (fiqh an-naẓariyah) dar, die Šahīd Mohammad Bāqir aṣ-Ṣadr zur Diskussion stellte, um die Rationalität der islamischen Rechtswissenschaft aufzuzeigen. Damit ist gemeint, dass die Rechtswissenschaft auf einer rationalen Grundlage gestützt ist und festgesetzte Ziele besitzt, sowie, dass Harmonie und Einklang unter ihren Konstituenten und Horizonten herrschen.

c) Es bleibt hierbei nicht nur bei einem rationalen Bild, durch das die Konfession präsentiert werden sollte, sondern es sollte auch entsprechend zeitgemäß sein. Es wird gefordert, dass die Konfession der Ahlulbayt (a) in einem gegenwartsnahen Bild dargestellt wird. Es sollte zum Zeitgeist passen, zu dessen Ereignissen, Erkenntnissen sowie Erscheinungen. Es soll nicht der Zeit ausgesetzt sein, sondern dafür sorgen, dass diese verbessert wird, aber nicht indem es die Zeit überspringt oder gar verleugnet.

Zur Forderung der Modernität zählt auch die zeitgemäße Sprache. Es muss eine Definition in einer Sprache sein, die die Jugendlichen an dieser genuinen islamischen Konfession lieben. Die schiitische Aufklärung benötigt heutzutage eine zeitgemäße Sprache und nicht nur heute, sondern stets.

d) Aus der Tiefe der Probleme der heutigen Zeit, steigt der Bedarf, dass die imamitische Denkweise mit einer Sprache des Dialogs und eines akzeptablen Pluralismus dargestellt wird. Es kann nicht sein, dass die Sprache der schiitischen Aufklärung heute eine Sprache des Konfliktes, der Ablehnung, der Ausgrenzung und der Verachtung ist. Die Denkschule der Ahlulbayt (a) ist heute womöglich so fähig wie in keiner vergangenen Zeit zuvor. Daher sollte keine Angst vor einem Kontakt mit dem Anderen und der Bildung von Brücken für ernsthafte Dialoge mit ihnen, bestehen. Aus diesem Grund glauben wir daran, dass das Schiitentum neben den anderen Konfessionen der Muslime vorgestellt werden sollte, ohne den Bedarf zu haben, diese abzuschaffen und so damit umzugehen, als gäbe es sie gar nicht.

Diese Angelegenheit schafft eine Kultur der wahrhaftigen Verbrüderung unter den Konfessionen und sorgt dafür, dass man über eine hemmungslose Verwerfung steht, die unterschiedliche Gestalten annimmt, wobei einige dabei unerträglich geworden sind. Durch diesen Weg ist es möglich, eine Anerkennung anderer Seiten zu erlangen, sowie ihre Liebe und Brüderlichkeit. Alle möglichen Hindernisse für eine aufrechte Beziehung müssen beseitigt werden, allerdings keine formelle Abschaffung, sondern tatsächlich wissenschaftlich, so dass die Konfession der Ahlulbayt (a) sich einen Weg in die Schauplätze des heutigen Lebens ebenen kann. Sie sollte nicht lediglich eine interne und private Darstellung genießen, die außerhalb ihres Schauplatzes nicht belebt werden kann, sondern dort wie ein fremder Körper wahrgenommen wird.

Die vier Rechtsschulen haben es geschafft, einen Schleier über eine Vergangenheit voller großer Streitigkeiten untereinander, zu legen. Und so sehen wir heute, wie sie über weite Strecken miteinander harmonisieren. Zumindest lehnen sie sich untereinander nicht gegenseitig ab und das sollte das Mindeste sein. Genau das ist es, was wir uns für die Konfession der Ahlulbayt (a) wünschen, und zwar, dass die Streitigkeiten ein Ende finden, sodass die Wissenschaften, die Sprache, sowie die Ansprache im Lichte eines neuen Abschnittes aufleben. Wer die Geschichte der vergangenen Fehden der vier Rechtsschulen liest, der glaubt nicht, dass diese Rechtsschulen es geschafft haben, vor allem nach dem achten Jahrhundert nach der Hidschra, über alle möglichen Konflikte, die vorhanden waren, hinweg zu sehen. Das ist zu Recht etwas Großartiges. Wir hegen die Hoffnung, dass es sich noch weiter ausweitet und die jaafaritische Rechtsschule miteingeschlossen wird, so dass die vermeintlichen Ängste vor dieser Rechtsschule vergehen und die Herzen miteinander harmonieren und interagieren.

Ist es nicht möglich, dass wir uns unterscheiden und jeder auf seine Meinung beharrt, ohne, dass wir in unseren Herzen Feindseligkeit gegeneinander hegen? Weshalb verflechtet sich die Art der Präsentation   der imamitischen Denkschule mit dem Anblick der Selbstgeißelung und des Zornes gegenüber anderen und warum kann nicht zwischen den vergangenen und den heutigen Generationen – oder selbst unter den heutigen Generationen untereinander – differenziert werden?! Können wir nicht unsere eigenen Überzeugungen bewahren und Meinungsunterschiede mit anderen haben, ohne dass wir ihnen gegenüber Hass empfinden oder sie die Verantwortung vergangener Generationen tragen lassen usw.? … abgesehen von jenen, die Unrecht getan haben.

Aus diesem Grund besteht der Bedarf, dass die islamische Denkschule der Ahlulbayt (a) auf eine ruhige, ehrliche, rationale und zeitgemäße Art vorgestellt wird. Dabei muss Mut zur Selbstkritik herrschen, denn sie ist die höchste Tugend, und es muss einen ruhigen Dialog mit dem Anderen geben, ohne, dass er hasserfüllt ist. Ebenso sollten wir danach streben, dass wir ihm in diesem Dialog nicht sein Recht nehmen. Diese Form der Rede ist es, die einen Ersatz für einige andere Formen darstellen kann, welche innerhalb des islamischen Milieus die Oberhand und die Macht ergreifen soll, wie aggressive salafistische Strömungen, die großes Verlangen danach haben, allen anderen den Glauben abzusprechen.

3 – Das ist unsere Vorstellung von dem Dienst, welcher der Konfession der Ahlulbayt (a) geleistet werden kann und wir sind der Überzeugung, dass dieser Weg in unserem Zeitalter der bessere ist, zumindest, um der Religion und deren Anhängern einen Dienst zu erweisen. Dabei ist uns bekannt, dass es eine Gruppe gibt, die sich mit uns in dieser Angelegenheit vollständig unterscheidet. Wir respektieren ihre Sorgen und schätzen ihre Ängste. Sie sind zum Beispiel der Ansicht, dass Selbstkritik bedeutet, dass die ideelle schiitische Struktur dadurch zerpflückt wird und ihr Ansehen und Grundgerüst vernichtet wird. Daher existiert stets eine Angst und Skepsis gegenüber jeglicher Kritik, selbst wenn sie von einigen Problemen überzeugt sein sollten. Es wird dazu aufgerufen, diese Kritik aufzuschieben auf einen Zeitpunkt, über den wir nicht wissen, wann dieser eintreten wird.

Ebenso fürchten sie sich vor der Rationalität, weil diese – ihrer Ansicht nach – schrittweise das Konstrukt der verehrenden Instanz in der Religion (al-bināʾ at-taʿabbudī lid-dīn) angreift und sunnitische Methoden wie den Analogieschluss, das »für vorteilhaft Erachten« (istiṣlāḥ) usw. einführt. Ebenso lehnen sie die Modernität strikt ab und sind der Ansicht, dass es lediglich ein Slogan ist, um die Religion zum Schmelzen zu bringen unter dem Deckmantel der Bedürfnisse der Zeit usw.

Wir respektieren ihre Ängste und durchleben sie ebenso, wir können uns ihnen allerdings zur selben Zeit nicht ergeben, weil unsere Ansicht zu diesem Thema darauf basiert, dass, wenn wir uns diesen Ängsten aussetzen, die Religion in ferner Zukunft untergehen wird. Bei den Kirchen war es nicht anders, sie durchlebten dieselben Ängste und es wurden ähnliche neue Vorschläge in den Raum geworfen und sie wurden über Jahrhunderte hinweg ignoriert und sie blieb standhaft, bis sie plötzlich zusammenbrach. Am deutlichsten hat es Toynbee in seiner Darstellung der Kulturgeschichte aufgezeigt. Die Angelegenheit ist komplexer, als wir denken und das Nachdenken darüber ist wichtiger, als lediglich ein Problem in dieser oder jener Ortschaft zu lösen. Es benötigt kluge Köpfe, die die verschiedenen Aspekte dieser Angelegenheit betrachten und beachten, so dass wir zwischen den daraus resultierenden Vorteilen und Schäden abwägen können. So opfere das Wenige für den Vorteil des Vielen, auch dann, wenn dieses Viele erst nach einiger Zeit zu erreichen ist.

4- Aus diesem Grund existiert die Signifikanz einer Zeitschrift, wie die Zeitschrift „die Methodik“ (al-minhāǧ) in einer Zeit, in der die verschiedenen Strömungen unter den Konfessionen sich auf eine merkwürdige Art und Weise vermehren, so wie es uns Huntington in seinen Worten über die Ausdehnung der Strömungen im Nahen Osten ankündigte. Das was sich heute im Irak und im Libanon abspielt, ist ein Zeichen für großes Unheil. Die muslimischen Gelehrten im Osten und Westen der Erde müssen ihrer Verantwortungen diesbezüglich gerecht werden. Es geht nicht um formelle Treffen im Fernsehen. Wir respektieren diese, allerdings sehen wir darin keinen fulminanten Nutzen. Es muss vielmehr zielorientiert dafür gesorgt werden, dass die Erziehungs- und Bildungssysteme in den religiösen Einrichtungen, Instituten, theologischen Hochschulzentren (ḥawzah) sowie den islamischen Universitäten bei allen islamischen Gruppierungen neu strukturiert werden. Es ist nicht richtig, dass wir ein System für die religiöse Erziehung aufstellen, durch das nichts anderes erzeugt werden kann, außer Glaubensabsprechung (takfīr), Hass und gegenseitige Abneigung und dann, wenn Katastrophen eintreten, wir harmonische Sitzungen stattfinden lassen. Die Gelehrten müssen die Sorgen des Islam tragen und über konfessionelle Hassreden stehen, von denen niemand profitiert, außer der Andere.

Wenn der Andere all das durch seine Konspirationen hinbekommt, so müssen wir zugeben, dass dieser Andere unsere Schwachpunkte ausgenutzt hat. Dabei liegt der wichtigste Schwachpunkt in der konfessionellen hasserfüllten Spaltung.

Dies ist die Botschaft der Zeitschrift „die Methodik“, die inzwischen seit mehr als einem Jahrzehnt existiert. Darin zeigt sich ihre Rolle – und die Rolle ähnlicher Zeitschriften – bei der Verbreitung der Blüten des Austausches und des Kennenlernens, und dem Zuschütten des Abgrunds zwischen den sich für Allah liebenden Geschwistern, so dass wir alle unterbinden, dass die Salafisten in ihren verschiedensten Formen und Erscheinungen dabei erfolgreich sind, Spaltungen zu schaffen oder Zwietracht zu säen, und damit erhoffen wir uns ein Beispiel der göttlichen Worte zu sein:

… und gedenket der Gnade, die Allah euch erwiesen hat, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet …“ (3:103)

 
Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des “Baḥṭ al-Khāriǧ”.
Dieser Artikel wurde in der 41. Ausgabe der Zeitschrift „die Methodik“ im Frühjahr 2006 in Beirut (Libanon) veröffentlicht.

[1] Die »Führerschaft« (al-imāmah) ist ein Kernelement der imamitischen Denkschule und es handelt sich hierbei um die Führerschaft nach dem Ableben des Propheten Mohammad (s). (Anm. d. Ü.)

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Die islamische Eintracht und das Problem des Chauvinismus https://bufib.de/die-islamische-eintracht-und-das-problem-des-chauvinismus/ Thu, 03 Nov 2016 10:00:34 +0000 http://bufib.de/?p=1739 Das Konzept der Einheit ist ein integraler Bestandteil der islamischen Scharia. Der Begriff »Einheit« ist abgeleitet von dem Wort »tawḥīd« und das gesamte Leben ist damit verschmolzen, wenn es mit dem alleinigen Gott verbunden ist. Der Kenner, jener, der Einblick besitzt, sieht alles in dieser Unität zusammenfließen, bis zu einem Punkt, an dem diese von ihr fast nicht mehr oder wahrhaftig nicht mehr zu unterscheiden sind. Denn alles ist von Gott, zu Ihm allein kehrt alles zurück und jede Tat ist nur Ihm gewidmet und jeder Wille gilt nur Ihm. Dies ist die Botschaft der »Einheit« und nicht nur die geistige, glaubensbezogene Einheit, sondern auch die hingebungsvolle, praktische und spirituelle Einheit.

1- Ausgehend von der Kultur der Einheit, wenn wir in die Essenz der islamischen Gemeinschaft (ummah) eintauchen, die voraussetzt, dass diese Einheit Strukturen und Nuancen ausdrückt oder wie die Philosophen sagen: »Einheit in dem Wesen der Vielfältigkeit«, so finden wir vor, dass sich die Realität der (islamischen) Gemeinschaft ganz anders darstellt. Es ist eine Gemeinschaft, die sich von einer gültigen und rechtmäßigen Meinungsverschiedenheit zu einem unrechtmäßigen und abgelehnten Streit gewandelt hat. Keine andere Gemeinschaft stand aus Sicht der Einheit je schlechter da als die unsere von heute. Eine einzige Fernsehsendung ist in der Lage Blutvergießen zwischen Muslimen in den Straßen der Städte und Dörfer zu verursachen.

2- Die Auslöser für diesen Zustand sind vielfältig, aber hier untersuchen wir nur einen davon, nämlich das Problem des Nationalismus, der Sprache und der ethnischen Zugehörigkeit. Diese Begebenheit existiert seit jeher innerhalb der islamischen Kultur im Laufe der Geschichte. Wir wissen, dass einige der Wurzeln nationalistischer Vorurteile sich schon in der Attitüde einiger früherer Kalifen abzeichneten, die in ihrer Gunst gegenüber Menschen voreingenommen waren und Araber den Mawālī (nicht-arabische Muslime) vorzogen. Dies führte zu einem Auseinanderdriften einer tief verwurzelten Kultur, was von einer anderen Gruppe der Gefährten (aṣ-ṣaḥābah) des Propheten abgelehnt wurde, an deren Spitze Imam Ali ibn Abi Talib (a) stand.

Vielleicht waren diese Haltungen Auslegungen oder praktische Ansichten für die Thematiken der höheren islamischen Interessen zu jener Zeit, aus der Perspektive des einen oder andren Kalifen. Allerdings widerlegt die Geschichte diese Art der Auslegung. Die Herabsendung des Heiligen Koran in arabischer Sprache, oder die Tatsache, dass die erste islamische Gesellschaft arabisch war, vermeint keine nationalistische oder ethnische Differenzierung, vor allem nach all den verschiedenen religiösen Texten, die diese Auffassung gebrochen haben, welche diese Mentalität hier und dort dominierte. Gott, der Allmächtige sprach: »Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Rechtschaffenste von euch.« [49:13], und: »Sprich: ›Sind solche, die wissen, denen gleich, die nicht wissen?‹ Allein nur diejenigen lassen sich warnen, die verständig sind.« [39:9]. Die Kriterien für die Bevorzugung Gottes, erhaben ist Er, sind Gottesfurcht und Wissen. Es ist weder Ruhm, Reichtum, Ethnizität, Nationalismus, Sprache noch Hautfarbe. Und dies ist es, was in der Sure ʿAbasa[1] bestätigt wird.

Und so wie Europa der Schrecken der ultra-nationalistischen Konflikte im 19. und 20. Jahrhundert bekannt war, konfrontiert mit den Folgen der beiden Weltkriege, woraus es lernte und sich in Richtung europäische Einheit begab und die extremen nationalistischen Tendenzen bremste, so sollten die Muslime dies früher getan haben, weil ihre Erfahrung weiter zurückliegt als die Erfahrung Europas. So oft resultierten die nationalistischen Tendenzen, flagrant oder nicht, unter den Muslimen in Teilungen, Schuʿūbīya[2], etc.

Die Liebe zur Familie, dem Stamm und der Heimat wird im Islam nicht abgelehnt. Was vielmehr abgelehnt wird, sind Auslassungen, die Prioritäten im menschlichen Verstand verschieben, so dass die Interessen des Stammes relevanter werden als die der Heimat und die nationalistischen Interessen signifikanter werden als die der Religion, und so weiter. Ganz im Gegenteil sollten diese Interessen und Beziehungen Kreise innerhalb von Kreisen bilden. „Oder ein Pendant von dir in der Schöpfung“ mit den Worten Imam Ali‘s (a) in seinem Auftragsschreiben an Malik al-Aštar, womit er den großen Kreis der Menschheit meint.

3- In jedem Fall waren die nationalistischen Unruhen in der islamischen Geschichte in vielerlei Hinsicht offensichtlich. Sie basierten auf dem Versuch, den religiösen Verstand zu dominieren. Entsprechend sehen wir, dass Araber versuchten, den Islam zu monopolisieren, da dieser in einem arabischen Kontext seinen Ursprung fand, und der Prophet und seine Familie (Ahlul-Bayt) auch Araber waren, als auch die überwiegende Mehrheit seiner Gefährten. Diese Richtung klammert sich an einen epistemischen Rahmen für ihre Theorie. Sie sehen, dass die Offenbarung des Korans auf Arabisch und die Erscheinung der Sunna in dieser Sprache bedeutet, dass die religiösen Redewendungen dem Rahmen des arabischen Verstandes entsprechen, denn Sprache ist eine Gestalt und Erscheinungsform des Verstandes selbst. Und deshalb können wir das Arabertum als ein Verstand und Lebensstil nicht vom ersten Islam trennen, der die Quelle der religiösen Kultur in der gesamten islamischen Geschichte war.

Insbesondere von diesem Punkt kommen wir zu einem anderen. Die Sprache stellt nicht nur die grammatikalischen, morphologischen und rhetorischen Regeln dar, so dass, wenn man sie gemeistert hat, es möglich wird, die Botschaften des Korans und der Sunna zu verstehen. Stattdessen ist sie ein Geist, eine Essenz, ein Gefühl, ein Erbe und eine Kultur, die im Kopf des Lesers verschmolzen werden muss und er in ihrem Falten und Strecken eingesogen wird. Das ist der Grund, weshalb die Auslegung des Islam verzerrt wurde, als Völker von Nicht-Arabern dazukamen. Sie haben Texte missverstanden, denn sie beschäftigten sich mit der Sprache anhand von Lexika, Wörterbüchern, Regeln und entwickelten Strukturen, was den wichtigsten Aspekt der Sprache zerstörte, und zwar der geistige, also der Geist der Sprache und ihre Ausdrucksform.

Wir stimmen – vom Grundsatz her – allen diesen Punkten zu und fügen in Bezug auf die Sprachlehrpläne der schiitischen religiösen Hochschulzentren (ḥawzah) eine weitere Anmerkung hinzu; und diese ist, dass wir sie als rein theoretische Pläne erachten. Der Schüler merkt sich die morphologischen Regeln, so wie er die Multiplikationstabelle lernt. Das haben wir in unseren Beziehungen mit nicht-arabischen Studenten der islamischen Scharia erfahren. Es ist ein Schwachpunkt, der den Geist der Sprache im Kopf des Lesers ausblendet, was zu schweren Verzerrungen bei der Interpretation der Texte führen kann. Womöglich werden wir auf dieses Thema bei einer anderen Gelegenheit eingehen. So stellen wir fest, dass einige Wissenschaftler weder Arabisch sprechen, noch benutzen können. Selbst wenn sie den Koran rezitieren, sind sie nicht in der Lage die korrekte Aussprache zu gewährleisten. Ich glaube, dass der Grund dafür die Bildungspläne der Erstausbildung für diese Sprache ist, denn in anderen Wissensgebieten meistert der Schüler gekonnt die arabische Sprache, obwohl seine Muttersprache weit entfernt von ihr ist, wie beispielsweise einige afrikanische Sprachen und andere.

Wir glauben, dass dieses Problem existiert, und wir denken, dass es verantwortlich ist für einige Formen des Missverständnisses der Religion, aber das bedeutet nicht, die Tür der Kenntnisse des arabischen Erbes und der Kultur für Nicht-Araber zu verschließen. Andernfalls würde es zu einem Abbruch der Beziehungen zwischen den Völkern der Welt führen. Bizarr ist, dass einige unter denen, die zu dieser Tendenz neigen, verblüfft sind vom Verständnis der Orientalisten des islamischen Erbes und ihrer Interpretation ihrer Texte, obwohl sie von der arabischen Kultur entfernter sind als die Türken, Perser und Inder. Daher ist es notwendig Ausbildungslehrpläne so zu ändern, dass die Grundlagen selbst ergriffen werden, ohne Behauptung der Unmöglichkeit der Erlangung des Wissens im absoluten Sinne.

4- Auf der anderen Seite behauptet eine Gruppe, dass es so etwas wie einen wissenschaftlichen oder philosophischen arabischen Verstand nicht gibt und dass der Verstand, der dem Islam zu einem epistemischen, philosophischen, rechtlichen und gnostischen System machte ein persischer oder türkischer Verstand war, was von Orientalisten so postuliert und von vielen muslimischen Forschern so geteilt wurde. Seinen Anfang nahm dies in der islamischen Geschichte mit den Gefährtennachfolgern (tābiʿūn), denn viele von ihnen waren keine Araber (sog. Mawālī), die in den Häusern von Gefährten wohnten oder um sie herum.

Diese Aussage wird durch eine Menge historischer Beweise untermauert; sogar Ibn Khaldūn selbst äußert dies. Kann dies jedoch verallgemeinert werden? Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht auf die Statistiken eingehen, denn etliche haben darüber geschrieben und die beteiligten Wissenschaftler sind in der Lage gewesen diese Aussagen zu widerlegen. Das führt nur zu einem Ergebnis, nämlich, dass jeder für den Aufstieg der islamischen Zivilisation ebenso beigetragen hat wie für ihren Niedergang. Alle Volksgruppen; Araber, Türken, Perser, Berber … usw. leisteten ihren Beitrag für die Erleuchtung und den Aufschwung und waren auch schuld an der Verschlechterung der islamischen Zivilisation. Beispiele dafür gibt es viel mehr als Bespiele dagegen und diese sind in ihrer Anzahl zu groß, um in dieser Kurzfassung aufgeführt zu werden.

5- Das Problem mit dem Nationalismus wird in seiner präpotenten Dimension komplizierter, wenn nationalistische Differenzen mit Differenzen zwischen Religionsgemeinschaften vermischt werden und die eine oder andere Gemeinschaft als Mittel dient, um die nationalistischen Interessen und Privilegien zu schützen. Dies geschieht auf negative und positive Weise in unserer heutigen Zeit. Es wird gesagt, die schiitische Aufklärung (at-tašaiyuʿ)[3] sei eine persische Erfindung, um ihre Abspaltung von der zentralen Autorität in Bagdad oder Istanbul (al-astānah) – dem Zentrum des Osmanischen Reiches und des abbasidischen Kalifats – zu rechtfertigen. Dies bedeutet, dass alle Äußerungen der konfessionellen Differenzierung aus dem Wunsch nach nationalistischer Differenzierung entstanden, als ein Vorwand die Führung im Islam anzustreben. Daher ist der Streit ein türkisch-persischer oder osmanisch-safawidischer Streit und kein schiitisch-sunnitischer.

Diese Tatsache erfordert ein ernsthaftes Studium und Reflexion. Wir zweifeln nicht daran, dass einige der muslimischen Sultane diesen Standpunkt proklamierten, und versteckte Motive dahinter standen. Wenn nun die Osmanen den sunnitischen Islam repräsentieren, warum spielten dann die Araber für die Herrschaft über Jahrhunderte hinweg keine Rolle im Osmanischen Reich, wo doch die Araber hauptsächlich auch Sunniten sind und die Türken nicht stärker in ihrer Zugehörigkeit zur Sunnah waren als die Araber zu jener Zeit? Und wenn die Schia durch die Safawiden oder die Kadscharen repräsentiert wurde, warum beteiligten sich die schiitischen Araber, Kurden oder Türken nicht an der Errichtung dieses Staates oder besser, warum behielt die safawidische regierende Familie stets die Führung?

Dies bedeutet nicht, dass es möglich wäre zu verallgemeinern. Es bedeutet, dass ein umfassendes Urteil sehr schwierig zu fällen ist. Daher ist die Annahme, dass alle sunnitischen und schiitischen Gelehrte nationalistische Standpunkte vertreten, falsch und die Exempel unterstützen solch eine Verallgemeinerung keinesfalls, obwohl es vereinzelt richtig wäre. Ebendies ist das Problem von vielen der modernen Forscher; sie finden ein oder zwei kleinere Exempel und wollen sie dann für eine Induktion über weite Felder nutzen, was ein eindeutiger wissenschaftlicher und epistemischer Fehler ist.

6- Wir denken, dass provokante Worte einer Gruppe oder Person hier und einer Gruppe oder Person dort als förderndes Element für das nationalistische Lager wirken. Diese Aussagen schaffen eine Notwendigkeit, eine der Identitäten des Menschen zu verteidigen, und diese kann die nationalistische Identität sein oder die Identität der Religionszugehörigkeit oder eine andere. Es könnte sogar an sich das Gefühl zu dieser Identität vergrößern, nachdem diese vergraben, zurückgefallen oder tief gesunken war. Also versucht die Person alles, um ihre Identität zu wahren, sie zu fühlen und in sich zu verbarrikadieren, so dass sie (die Person) sich selbst findet und sie (die Identität) empfindet, woraus gegenseitiges Fehlverhalten erwächst. In diesem Zustand ist ein intensiver Hang zu nationalistischen Gefühlen ersichtlich.

Von hier aus ergibt sich ein ernsthaftes Bedürfnis, den Ton der Äußerungen und Einstellungen einer Person von jeder Seite aus gesehen anzupassen, so dass diese nicht das erste Glied in einer Kette wird oder als ein Schneeball fungiert. Politiker, Religionsgelehrte und die Medien sollten Verantwortung für alle Worte oder Handlungen tragen, die das Feuer des Nationalismus entfachen könnten, vor allem, wenn sie mit den Flammen des Konfessionalismus und der Ressentiments kombiniert werden.

7- Schließlich sollten wir uns einem wichtigen Punkt in diesem Zusammenhang nähern, der die Schiiten intern betrifft. Das schiitische Umfeld erlebt – wie zuvor – einige Kontroversen in Bezug auf die religiöse Autoritätsinstanz (al-marǧaʿiyah ad-dīniyah): Wir sehen einige Araber, die über die Bestrebung der Iraner – mindestens im Sinne der Nationalität – reden, die Institution der Autoritätsinstanz zu monopolisieren, während einige Iraner anders reden. Wir hören unter den Iranern diejenigen, die den Menschen ihrer Umgebung geneigt sind und somit keinen außer einen von ihnen nachahmen[4] würden, und so weiter. Hier ist es uns wichtig, folgende Anmerkungen zu machen:

  1. Die religiöse Autorität ist eine Angelegenheit, die einerseits die gesamte Schia betrifft und andererseits die wissenschaftliche und religiöse Qualifikation und somit ist eine nationale Affinität darin bedeutungslos. Wenn es wahr ist, dass es solche gibt, die auf diese Weise denken, so müssen sie, wer auch immer sie sind, das Übel ihrer Handlungen und ihre direkten Auswirkungen auf die Religion verstehen, gemäß der Art der Position dieser Institution. Die Autoritätsinstanz (al-marǧʿiyah) ist abhängig von Kompetenzen und hat nichts mit Geographie oder anderen Faktoren zu tun. Überall dort, wo es qualifizierte Menschen gibt, gibt es sie (die Autoritätsinstanz), und wo nicht, sollte keine sein. Diese Angelegenheit hat auch nichts mit den heutigen großen religiösen Zentren wie Najaf und Qom zu tun, genauso wenig wie Hillah, Aleppo, Jabal Amel und Bahrain es früher waren. Die Manipulation der religiösen Institution auf diese Weise für gruppeneigene oder nationalistische Zwecke, auch wenn es für eine kurze Zeit gelungen war, hat viel größere langfristige Verluste.
  2. Es ist auch für die breite Öffentlichkeit nicht akzeptabel in gleicher Weise zu denken, solange die Fachleute nicht zu anderen Formulierungen gekommen sind, wie es von einigen islamischen Ländern gemacht wurde, so dass sie nur jemanden nachahmen, weil er ein Araber, Perser oder Türke ist. Und wenn die Lehrmeinung »Nachahmung des Sachkundigsten (taqlīd al-aʿlam)« richtig ist, dann muss dieser[5] nachgeahmt werden, auch wenn seine Nationalität überhaupt nicht muslimisch ist. Die Zuständigen sollten die Menschen so auf diesen Weg anleiten, wie jemand, der versucht von dieser Thematik[6] für eigene Zwecke zu profitieren.

Wissenschaft und Religion werden zwei Aspekte bleiben, die Grenzen, Ethnizität und Nationalismus durchlaufen.

{O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Rechtschaffenste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.} [49:13]

 

Shaikh Haidar Hobbollah,  geb. 1973 im Libanon, studiert seit 1988 islamische Theologie. Seit 1995 studiert und lehrt er am Theologie-Hochschulzentrum in der heiligen Stadt Qom (Iran). Zudem unterrichtet Sheikh Hobbollah seit 2005 im Grade des “Baḥṭ al-Khāriǧ”.


[1] Die 80. Sure des Heiligen Koran.

[2] Bezieht sich (meist) auf die Reaktion der nicht-arabischen Muslime auf den privilegierten Status der Araber in der Umma. Schuʿūb ist ein arabisches Wort für »Verbände«.

[3] Bzw.: der Schiismus

[4] Nachahmung: arab. »taqlīd«, d. h. die Befolgung einer bestimmten Rechtsansicht

[5] Der Sachkundigste (al-aʿlam)

[6] d.h.: nationalistische Auslegungen, etc.

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AfD zeigt (wieder einmal) ihr wahres Gesicht https://bufib.de/afd-zeigt-wieder-einmal-ihr-wahres-gesicht/ Mon, 18 Apr 2016 19:08:49 +0000 http://bufib.de/?p=1725 Am 30. April will die AfD (Alternative für Deutschland) in Stuttgart ihren Kurs in einem Grundsatzprogramm beschließen. Es soll ihr erstes Parteiprogramm darstellen. Nun, zwei Wochen vorher, bekräftigen führende Parteipolitiker der AfD wohin der »Weg« gehen soll. Im Fokus ihrer Programmatik soll eine »Anti-Islam-Politik« stehen. Die stellvertretende Parteivorsitzende und Europaabgeordnete Beatrix von Storch sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in ihrer Samstagsausgabe (F.A.S.): »Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist.« Alexander Gauland, ebenfalls im Parteivorstand und zugleich Fraktionschef der AfD in Brandenburg sagte derselben Zeitung: »Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr.« Von Storch führt in ihrem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen weiter aus, dass Symbole des Islams aus der Öffentlichkeit zu verbannen seien, denn z. B. fordert sie ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und ein Verbot der Vollverschleierung. Moscheen und Koranschulen müssten schärfer kontrolliert und gegebenenfalls geschlossen werden. »Es ist notwendig, den Wildwuchs von islamischen Religionslehrern und Koranschulen, die privat finanziert werden, zu stutzen« sagte Gauland der F.A.S. 

Es ist sehr erfreulich, dass es lautstarke, bundesweite Kritik aller demokratischen Parteien und islamischen Dachverbände an dem radikalen AfD-Kurs gibt. Die Bundesregierung hat in diesem Zusammenhang das Grundrecht auf Religions- und Glaubensfreiheit (Artikel 4) in der Bundesrepublik Deutschland betont. Der Regierungssprecher Steffen Seibert verwies zudem darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) »mehrfach betont« habe, »dass es offenkundig ist, dass der Islam unzweifelhaft zu Deutschland gehöre«. 

Wir, der Bund für islamische Bildung, schließen uns dieser Kritik an und lehnen dezisiv den Vorwurf ab, dass der Islam »eine politische Ideologie und nicht mit dem Grundgesetz« vereinbar sei. Der Islam an sich ist erstens, genauso wie das Christentum und das Judentum, eine Religion, eine Weltanschauung und keine Ideologie. Zweitens ist der Islam, wie er in Deutschland gelebt wird, in allen Zügen mit dem hiesigen Grundgesetz und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung (fdGo) vereinbar. Die Frage, ob der Islam historisch gesehen zu Deutschland gehört oder nicht, stellt sich an diesem Punkt nicht und wir möchten in diesem Moment dazu auch keine Stellung nehmen, jedoch finden wir die Aussage des stellevertretenden Parteivorsitzenden der AfD Alexander Gauland, dass der Islam »intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden« sei, rechtspopulistisch, an der Realität vorbeigeschossen und absolut unsachgemäß. Sein Satz bedeutet, dass jeder Muslim in der Bundesrepublik Deutschland eine tickende Bombe sei und auf einen Staatsstreich hinarbeitet, um die Herrschaft zu übernehmen. Dies stellt ganz deutlich eine Diffamierung von über 4.25 Millionen Muslimen (allein in Deutschland) dar, und grenzt sogar schon an Verhetzung einer gesamten Glaubensgemeinschaft. Die Absicht der AfD ist plausibel. Man schürt noch mehr Angst, noch mehr Ignoranz, um eine Gesellschaft zu spalten.

Wir plädieren an dieser Stelle für ein gemeinsames, bürgerliches Engagement aus allen Schichten, Farben und Weltanschauungen der Gesellschaft, um unser geliebtes Deutschland weiterhin in den Händen der Toleranz und Nächstenliebe zu tragen. Außerdem würden wir einen »Kongress der Gesellschaft« begrüßen, der von der Bundesregierung initiiert wird und Vertreter aller Weltbilder (sei es religiös oder atheistisch) des Volkes involviert.

Bildquelle: (c) picture alliance / dpa

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Fehler bei anderen finden https://bufib.de/fehler-bei-anderen-finden/ Mon, 21 Jul 2014 14:34:53 +0000 http://bufib.de/?p=1618 Der Islam legt großen Wert auf jeden Einzelnen unter Berücksichtigung der eigenen Handlungen. Am Ende des Tages sich ein wenig Zeit zu nehmen und sich selber zu beurteilen und an unseren Schwachstellen zu arbeiten, ist sehr empfehlenswert und  einer der besten Methoden, um sich selbst zu verbessern. Die Kehrseite ist jedoch, dass es Menschen gibt, die eher Fehler der anderen bewerten, anstatt die eigenen. Vielleicht können Sie keine Fehler in Ihrem eigenen Verhalten finden, so versuchen Sie auch für andere Fehler zu finden. Auf jeden Fall wird im Islam stark darauf herabgesehen, wenn man sich selbst mit den Fehlern der anderen abgibt. Es gibt Verse im Koran, die besonders darüber sprechen, sowie eine große Anzahl von Traditionen, aus den Hadithbüchern, die dies bestätigen.

Heute gibt es ehrliche Menschen, die die Menschen im privaten Rahmen wissen lassen, dass sie auf dem falschen Weg sind, und versuchen sie auf den bestmöglichen Weg zu führen.

Imam Ali (der Friede sei mit ihm) sagte dazu: „Lass die nach deiner Schätzung besten Person die Person sein, die dir deine Fehler und Mängel aufzeigt und dir als Geschenk präsentiert.“ Fehler finden als Sünde, finden auf sie keine Anwendung, da sie das Prinzip »Gutes gewähren und Schlechtes verwehren« (al-amr bil-ma´ruf wan-nahi a‘nil-munkar) korrekt anwenden.

Sich selbst damit zu beschäftigen Fehler in anderen zu finden, kann zu vielen Sünden führen. Der Islam lehrt uns die Sünden und Fehler von anderen zu übersehen, so wie Allah, der Erhabene, unsere Sünden und Fehler übersieht und sie nicht öffentlich macht. Zuerst einmal ist das Sehen oder Wissen, dass jemand eine Sünde begeht, nicht ausreichend, um sie zu beschuldigen. Wir sind nicht allwissend und sollten nicht vorgeben es zu sein. Imam Ali sagte: „Akzeptiere die Entschuldigung deines muslimischen Bruders (bzw. Schwester) und wenn er keine hat, erfinde eine für ihn“.  Wenn es eine vernünftige Erklärung gibt, warum jemand eine Sünde begangen hat oder einen Fehler gemacht hat, sollten wir es akzeptieren und es darauf beruhen lassen. Das ist einer der Gründe, warum Fehler bei anderen zu suchen selbst eine Sünde ist.

In Vers 11 der Sura al-Hujarat (49) sagte Allah (swt): „O ihr, die ihr glaubt! Lasst nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren – das sind die Ungerechten.“

Dieser Vers zeigt unter anderem, warum Fehler bei anderen zu suchen ein schrecklicher Akt ist, was zu Feindlichkeit und Demütigung für Menschen in der Gemeinde führt. Diejenigen, die solche Dinge tun, werden »ungerecht« von Gott genannt und das zu Recht. Diese Aktion kann die Gemeinde in kürzester Zeit zweiteilen. Imam Muhammad al-Bâqir (der Friede sei mit ihm) sagte: „Es ist für jeden Muslim vorgeschrieben 70 große Fehler seines muslimischen Bruders zu verstecken (um sein Ansehen zu retten).“ Er sagte auch: „Die schlimmste Art des Betrugs ist die Offenlegung von vertraulichen Informationen.“ Das Ansehen eines muslimischen Kollegen zu verletzen, ist ein schmerzlicher Akt, denn manchmal kann es das Einzige sein, was eine Person hat. Allah (swt) hat es vielleicht leicht für andere gemacht, unsere wahre Identität zu kennen, aber er hat unsere Sünden und Fehler vor anderen versteckt. Den guten Ruf unserer muslimischen Geschwister aufrecht zu erhalten ist wichtig für die Gemeinde, es hilft gegenseitigen Respekt zu erhalten und ermöglicht der Gemeinde sich weiter zu entwickeln.

Letztendlich ist es ein triftiger Grund nicht neugierig die Fehler der anderen anzuschauen, da es einen davon abhält, sich selbst weiterzuentwickeln und einen in Wirklichkeit noch tiefer sinken lassen kann. Es gibt viele Erzählungen, die dies beweisen. Imam Ali (der Friede sei mit ihm) sagte: »Jemand, der seine eigenen Fehler überdenkt, ist zu beschäftigt, Fehler in anderen zu suchen …«

Diese unaufrichtigen Menschen finden Fehler bei anderen, ohne auf ihre eigenen zu schauen, ein vergiftendes Element in der Gesellschaft. Es verdirbt nicht nur ihre eigene Seele, sondern es sät auch die Samen der Feindlichkeit innerhalb der Gemeinde und verursacht öffentliche Demütigung und Verlegenheit. Wir sollten natürlich sichergehen, dass wir keine Fehler in uns haben, aber wir sollten auch versuchen, uns von solchen Menschen in unserer Gemeinde fernzuhalten und ihnen keine Glaubwürdigkeit schenken.

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Rassismus https://bufib.de/rassismus/ Sun, 04 May 2014 18:01:02 +0000 http://bufib.de/?p=1567 „Gib Rassismus keine Chance!“ So werden die Plakate bedruckt und aufgehangen, Flyer sind in jedem Café zu finden, in den Einkaufsstraßen stehen Aktivisten und klären auf. Sie kämpfen für dich, suchen den Dialog. Ja, wirklich, sie hängen, liegen und stehen überall. Geht durch die Straßen und schaut sie euch an, habt ihr sie denn nicht gesehen? NEIN?! Macht nichts… ich nämlich auch nicht!

Rassismus ein vergessenes Wort in der Gesellschaft.

Früher war es aktuell, heißt es, … es haben ja auch mehr „schwarze“ Menschen hier gelebt sagte mir jemand ins Gesicht, das Zugabteil lachte. Als ich ihn nach einigen Witze unterbrach und fragte: „Wieso bist du so rassistisch?“ „Ja Ja, komm, das war doch nur Spaß“, erwiderte er, hob seine Flasche und trank noch einen kräftigen Schluck.

Rassismus liegt in der Luft.

Vergessen ist er ja doch nicht und aktuell ist er zu jeder Zeit an jedem Ort, es spricht nur keiner darüber bzw. bezeichnet es nicht mehr als „Rassismus“. Wenn, dann nur zum „Spaß“. Wir werden schon gar nicht mehr aufmerksam gemacht, wenn jemand einen „rassistischen Witz“ macht oder was kommt euch in den Sinn?

„Du Osama? Du Bimbo? Du Japse? Du Zigeuner?“ … tolle Witze.

 Sei ehrlich mit dir selbst, kam dir nicht einer dieser oder ähnlichen Begriffe in den Sinn? Lustig, oder?! Nein, ganz und gar nicht.

 Rassismus ist nicht nur ein Wort, sondern Realität. Verbunden mit den Vorurteilen, die der Mensch mit der Zeit geschaffen hat, ist es zu einer Krankheit des Verstandes und Denkens gekommen.  

 „Die wollen sich einfach nicht integrieren.“. Wer sind denn „die“? Na die Deutschen, wohin kommen wir denn da, dass wir uns integrieren sollen? Wir sind die Mehrheitsgesellschaft, also sind wir im Recht, wir haben uns schon integriert. Sie müssen auf uns zu gehen. Und wer sind denn nun „sie“? Na die Ausländer. Wer sind denn die Ausländer? Na die, die nicht deutsch aussehen.

 STOP!!! / DENKPAUSE

 Wer hat festgelegt, wie wir „Deutsche“ auszusehen haben? Rassismus ist allgegenwärtig und beruht sich nicht nur auf eine einzige ethnische Gruppe. Der Rassismus ist viel mehr eine Idee, ein Gedanke, der sich manifestiert.

 Zeigt Zivilcourage, erstickt Rassismus im Keim. Verliert nicht euren Mut zur Wahrheit, ermutigt eure Mitmenschen. Der Islam sagt „Nein“ zum Rassismus, es gibt keinen Platz dafür, nein zur Gewalt,  ja zur Integration und ja zum Dialog.

 „Oh ihr Menschen! Wir erschufen euch aus einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt.“ (Heiliger Qur’an, 49:13)

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Die Gaben Gottes an die Menschen (Kinder) https://bufib.de/die-gaben-gottes-an-die-menschen/ Sun, 27 Apr 2014 17:07:11 +0000 http://bufib.de/?p=1535 Es sagte einmal ein Lehrer zu den Schülern: „Wir wissen alle, dass Gott zu uns sehr gütig ist und Er hat uns alles, was wir im Leben brauchen, gegeben. Jetzt sagt mir: „Welches ist die wertvollste Gabe Gottes?“ 

Ein Schüler sagte: „Die Erschaffung der Luft, weil wir ohne Luft nicht leben können.“ Ein anderer sagte: „Die Erschaffung des Wassers, weil wir ohne Wasser nicht leben können.“ Ein dritter sagte: „Die Erschaffung der Nahrung, weil wir ohne Nahrung nicht leben können.“ Der vierte sagte: „Die Erschaffung der lieben Eltern, die sich um uns kümmern und sich für unser Wohl einsetzen.“ 

Der Lehrer sagte: „Ihr habt alle richtig geantwortet, dies alles ist Gottes Gabe. Aber es gibt über allem eines, das ist die Sendung Seiner Gesandten. Gott hat sie uns gesandt, um den Menschen die Gotteslehre zu bringen und ihnen den richtigen Weg des Lebens zu zeigen. Wenn die Menschen den Worten des Gesandten folgen, werden sie im Leben glücklich. Gott hat uns mit der Sendung Seiner Gesandten die größte Gabe erwiesen.“

Die wichtigsten Gesandten

  1. Noah (Nûh)
  2. Abraham (Ibrahîm)
  3. Moses (Mûsa)
  4. Jesus (Isa)
  5. Mohammad

Der Friede Gottes sei mit ihnen allen. Der Prophet Mohammad (s) ist der abschließende Prophet und hat die höchste Stellung unter allen Propheten und ist das beste Geschöpf.

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„Oh, lieber Gott“ (Bittgebet für Kinder) https://bufib.de/oh-lieber-gott-bittgebet-fuer-kinder/ Sun, 27 Apr 2014 16:21:17 +0000 http://bufib.de/?p=1518 Oh, lieber Gott, der Du uns geschaffen hast und uns viel Gutes geschenkt hast.

Oh, allwissender und allmächtiger Gott, Du bist zu allen lieb. 

Um die Mensch zu führen, hast Du ihnen viele Gesandte und Bücher gegeben. Du hast den Menschen vorgeschrieben, Gutes zu tun, um glücklich leben zu können.

Oh, Gott, Dich haben wir lieb, wir befolgen die Gebote Deiner Gesandten, Dich allein beten wir an, und Dich bitten wir um Hilfe.

Oh, Gott, hilf uns Gutes zu tun.

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Barmherzigkeit für die Menschen: Beiträge zu den Menschenrechten im Islam
 https://bufib.de/barmherzigkeit-fuer-die-menschen-beitraege-zu-den-menschenrechten-im-islam%e2%80%a8/ Thu, 24 Apr 2014 12:44:00 +0000 http://bufib.de/?p=1488 In einem bekannten Bittgebet, welches von vielen Muslimen in den Abenden und Nächten des Fastenmonats Ramadan im Anschluss an das Pflichtgebet rezitiert wird, heißt es:

Oh Allah, erfreue die Leute der Gräber. Oh Allah, bereichere jeden Bedürftigen. Oh Allah, stille
den Hunger jedes Hungrigen. Oh Allah, bekleide jeden Unbekleideten. Oh Allah, tilge die
Schulden jedes Schuldners. Oh Allah, erleichtere jeden Bekümmerten. Oh Allah, lasse jeden
Fremden (Reisenden) zurückkehren (in seine Heimat). Oh Allah, befreie jeden Gefangenen. Oh
Allah, Verbessere jeden Fehler in den Angelegenheiten der Muslime. Oh Allah, heile jeden
Kranken! Oh Allah, stille unsere Armut durch Deinen Reichtum. Oh Allah, ändere unseren
schlechten Zustand zu einem Guten durch Deine Vorzüglichkeit. Oh Allah, erleichtere uns von
den Schulden, und hilf uns gegen Armut, wahrlich, Du bist zu allem fähig.


Die Überlieferungskette dieses Bittgebets führt zum Propheten des Islam, Mohammed ibn Abdullah, der dieses Bittgebet nicht nur niederschrieb, sondern auch selbst rezitierte und die Menschen zur Nachahmung aufforderte. Es ist somit Teil des mohammedanischen Erbes. Zu betonen ist, dass eine vom Propheten Mohammed selbst angeordnete, vorgenommene oder empfohlene Handlung islamischen Rechtscharakter erhält und unter eine der beiden islamischen Rechtsebenen, namentlich der Sunna, fällt. Die andere Ebene ist die durch den Propheten Mohammed verkündete göttliche Offenbarung, der Qur’an. Dieser kurze gedankliche Spaziergang in die Grundlagen des islamischen Rechts soll verdeutlichen, dass dem islamischen Bittgebet und (wegen) seiner Inhalte eine beachtliche Bedeutung zuzumessen ist. Durch das Bittgebet soll der Betende u.A. über sich, seine Existenz, seine täglichen Handlungsweisen, sein Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Umwelt, und seinem Verhältnis zu seinem Schöpfer reflektieren. Das Bittgebet stellt folglich eine seelische Stütze für den Betenden dar, der als Mensch aus seiner natürlichen Veranlagung getrieben, stets bemüht ist, die nächsthöhere Stufe im individuellen menschlichen Seinsprozess zu erreichen. In den Bittgebeten, wie in diesem Beispiel verdeutlicht, wendet sich der Betende nicht nur im Eigeninteresse an Gott: Er bittet um Abwendung des Schlechten, des Bösen, der Krankheit, der Gefangenschaft, der Flucht und des Hungers auch von anderen-von allen anderen. Der Betende richtet das Gebet in Stellvertreterschaft aller, ohne Einschränkungen! Dies ist ein Indiz von vielen für die Seele und den Charakter der mohammedanischen Botschaft, die die Muslime prägt, und ihrem Schatten und von ihr angetrieben, die Muslime in
homogenen als auch in kulturell, religiös und ethnisch vielfältigen Umwelten agieren sollten. Die mohammedanische Lehre formt den Menschen zum Beihelfer und Unterstützer aller Unterdrückten dieser Welt!

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Der Islam beschert Menschenrechte und Freiheit https://bufib.de/der-islam-beschert-menschenrechte-und-freiheit/ Mon, 14 Apr 2014 12:12:05 +0000 http://bufib.de/?p=1389 Im Gegensatz zur verbreiteten Ansicht ist der Kampf um allgemein gültige Menschenrechte kein modernes Phänomen. Auch wenn es die Behauptung gibt, dass das Konzept oder die Ideologie der Menschenrechte aus dem Westen stammt, so war der Islam eine der ersten „Institutionen“, die solche Rechte wie die allgemeine Gleichbehandlung und Frauenrechte befürwortete. Tatsächlich hat der Islam die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte über 1300 Jahre vor der Verkündung dieser durch die Vereinten Nationen vorangetrieben. Natürlich ist die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ ein exzellenter Schritt in Richtung der Akzeptanz dieser auf einem weltweiten politischen und juristischen Level, doch wird sie oft ignoriert, da sie in der Realität keine Regierung zur Einhaltung dieser Rechte verpflichtet. Der Islam limitiert die Menschenrechte hingegen nicht nur auf ein politisches und juristisches Niveau.

Der Islam befürwortet die Menschenrechte als Teil eines Lebensstils. Die Menschenrechte sind untrennbar vom Islam und der Islam verlangt, im Gegenzug, dass diese Menschenrechte von allen Muslimen respektiert und anerkannt werden. Aus realistischer Betrachtungsweise wurde das Konzept der Menschenrechte bereits im 7. Jahrhundert erdacht, wobei es zu dieser Zeit der Menschheitsgeschichte nicht ernst genommen wurde. Bevor der Islam auf der globalen Bühne auftrat, standen Unterdrückungen an der Tagesordnung. Frauen wurden in vielen Teilen der Welt als Eigentum betrachtet und das Recht auf einen fairen und öffentlichen Prozess wurde nicht stattgegeben. Wenn wir die Standards einer Zivilisation anhand der umgesetzten Menschenrechte definieren, wird eine geschichtliche Betrachtungsweise ergeben, dass die Menschheit vor dem Einzug des Islam nicht sonderlich zivilisiert war.

Es gab viele wundervolle Völker noch vor dem Islam, doch diese erlangten ihr Ansehen zumeist durch ihre Beiträge im Bereich der Kunst oder der Wissenschaft und damit im Bereich der Menschlichkeit. Leider waren eben diese Völker auch oftmals in der brutalen Unterdrückung vieler Menschenrechte beteiligt. Wenn es bürgerliche, wirtschaftliche oder auch menschenrechtliche Fortschritte gab, so waren diese abhängig von dem zu diesem Zeitpunkt herrschenden Führer oder der herrschenden Regierung. Diese Entwicklungen mussten nicht zwingend von den Nachfolgern getragen werden, die andere Vorstellungen einer Regierungsform haben konnten. Dann verbreitete sich die Nachricht innerhalb – und außerhalb – seiner Grenzen mit enormer Geschwindigkeit. Die Geschichte an sich bestätigt den Anspruch des Islams, eine Nachricht für alle Menschen zu sein.
Der Islam wurde dem Propheten Mohammad (s) gegenüber als barmherzige und ewige Religion offenbart, die allen Zeiten entspricht. Wenn ein Mensch sich während seines Lebens dem Willen Allahs unterwirft, so kann er sich sein Leben lang und am Tag des Urteils auf die Gnade Allahs verlassen.

 „Und nicht haben wir dich entsandt außer als Gnade für die Welten.“ (21:107) 

Der Prophet Mohammad (s) sagte: „Wahrlich, ich kam als Gnade.

Der Islam erhöht den Selbstrespekt eines jeden: er erschafft eine wahre und einzige Gleichheit für den Menschen. Diese Gleichheit gibt jedem die Chance, seinen Platz in der Gesellschaft ohne Berücksichtigung der Herkunft, der Hautfarbe oder der politischen Gesinnung zu finden. Jeder ist sein eigener „Herr“. Der Islam ist eine Religion, welche die Menschenrechte zutiefst respektiert. Sie regelt jedes Detail des persönlichen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der Gleichheit aller. Der Islam ist der Hüter der Gleichheit vor Allah – sein erster und überragender Gedanke ist die Einigkeit. Es wird niemand ausgeschlossen – auch wenn einige sich selbst ausschließen: niemand wird abgelehnt – auch wenn einige sich selbst demgegenüber ablehnen. Es gibt keine Unterschiede – auch wenn manche sich unterschiedlich vorkommen. Die Freiheit, die der Islam vorantreibt, basiert auf das Mitwirken und Verantwortungsbewusstsein, ohne welches keine wahre Freiheit genossen werden kann.

Die Freiheit ohne Regeln führt zum Zusammenbruch und zur moralischen und sozialen Korruption der Gesellschaft. Allah sagt: 

“Sprich: Oh Angehörige der Schrift, kommt her zu einem ebenbürtigen Wort zwischen uns und zwischen euch, dass wir Allah dienen und das wir ihm nicht etwas beigesellen und dass nicht einige von uns andere zu Herren annehmen unter Ausschluss Allahs. Dann falls sie sich abwenden, so sprecht: Bezeugt, dass wir Ergebene sind.” (3:64)

Heute benötigt die Menschheit verzweifelt Einheit, Gerechtigkeit und Freiheit. Sie wollen von der Ausbeutung und von den Kriegen gerettet werden. Sie irren verloren herum, wie Schafe ohne Herde. Lass sie sich doch dem Sonnenschein des Islam zuwenden. Unter der gemeinsamen Sonne sind alle gleich – schwarz, weiß, rot und gelb. Alle genießen Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit. Für den Islam liegt die wahre Güte nicht in dem Reichtum oder dem handwerklichen Können eines Einzelnen, sondern in der Gottesfurcht (taqwa) Allahs gegenüber. Dies betrifft alle gleich, ganz gleichgültig welche anderen Talente sie besitzen mögen. Allah sagt: 

“Oh ihr Menschen, wir haben euch erschaffen aus Männlichem und Weiblichem und euch zu Volksbereiche und Stämmen errichtet, damit ihr einander erkennt. Wahrlich, bei Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist Allwissender, Kundiger.” (49:13)

Der Prophet Mohammad (s) sagte: „Araber sind nicht privilegierter als Nicht-Araber, weder weiß noch schwarz. Die spirituelle Güte und die wahre Gottesfurcht ist das einzige Unterscheidungsmerkmal, das von Allah gesehen wird.

Die Unterwerfung, den Willen und den Regeln Allahs gegenüber ist der Kern der Freiheit. Es befreit die Gedanken, die Seele und das Verhalten von teuflischen, weltlichen Einflüssen. Es hilft der Menschheit tyrannische Unterdrücker, ungerechte Gesetze und Gelüste zu überkommen. Die wahre Ergebung Allahs gegenüber bedeutet für einen Menschen, sich für ein Leben zu entscheiden, das in moralischer und aufrechter Weise geführt wird.

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Dialog geht jeden an https://bufib.de/dialog-geht-jeden-an/ Tue, 08 Apr 2014 23:07:10 +0000 http://bufib.de/?p=1144 Die Verflechtung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme unserer Zeit macht deutlich, wie sehr die Menschen aufeinander angewiesen sind. Die weltweite Krise kann nicht mehr von einem Teil der Menschheit allein gelöst werden. Ein Bewußtsein der gemeinsamen Verantwortung und eine Verständigung zwischen den Menschen ist nötiger denn je.
Einen Ansatz hierzu eröffnet der interreligiöse Dialog, und zwar nicht im engeren Sinne einer Gegenüberstellung theologischer Aussagen unter Fachleuten allein, sondern als Teil einer lebendigen Beziehung von Menschen, die verschiedenen Religionen angehören und aus ihrem Glauben heraus zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen. Denn jede Religion versteht sich letztendlich nicht einfach als privates Gedankengut, sondert fordert auf zum Zeugnis mit Wort und Tat und zur verantwortlichen Mitgestaltung des Weltgeschehens.
Während Judentum, Christentum und Islam aus derselben abrahamitischen Wurzel stammen, war in der Geschichte die Beziehung zwischen Christen und Muslimen oft von Konflikt und Rivalität geprägt. Deswegen erschweren leider bis heute gegenseitige Unkenntnis und Vorurteile ein Zusammenleben und -wirken in Respekt und Vertrauen, so daß oft ein ganz neuer Ansatz für die Begegnung miteinander gefunden werden muß.

Einander kennenlernen

Einander wirklich kennenlernen bedeutet, unvoreingenommen auf den anderen zuzugehen und von ihm selbst etwas zu erfahren über seinen Glauben, seine Gedankenwelt, seine Wertvorstellungen, seinen Alltag, seine Ideale und seine Probleme, und selbst offen zu sein und ihm Einblick zu geben in die eigene Überzeugung.
Unvoreingenommen sein heißt, dem anderen in erster Linie als Menschen zu begegnen, nicht mit vorgefaßten Vorstellungen über „den Christen“ bzw. „den Muslim“. Gerade wir Muslime sind aufgefordert, unsere Mitmenschen als Geschöpfe des einen Gottes zu sehen und unsere Verschiedenheiten als göttliche Offenbarung zu betrachten:
Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden. (Sura 30:32)
Auf diese Weise lernen wir den anderen nicht nur kennen, sondern auch, den eigenen Standpunkt zu überdenken und Unterschiede zu akzeptieren. Möglicherweise werden wir auch angeregt, uns mit unserem eigenen Glauben gründlicher zu beschäftigen und so zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wollen wir über dieses gegenseitige Kennenlernen hinaus zu einer wirklich konstruktiven Beziehung gelangen, so dürfen wir nicht bei einer bloßen Bestandsaufnahme und desinteressierter Toleranz unserer Verschiedenheiten stehenbleiben, sondern sollten voneinander lernen und als Voraussetzung unseres Zusammenlebens und gemeinsamen Handelns das uns Verbindende suchen.

Gemeinsamkeiten finden

Der Qur’an fordert uns zum Dialog mit Angehörigen anderer Schriftreligionen auf:
O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: daß wir keinen anbeten außer Gott und Ihm keinen Partner zur Seite stellen, und daß nicht die einen unter uns die anderen zu Herren annehmen statt Gott. Doch wenn sie sich abkehren, dann sprecht: Bezeugt, daß wir uns Gott ergeben haben. (Sura 3:65)
Tatsächlich ist es nicht schwierig, zwischen den Religionen der abrahamitischen Tradition (Judentum, Christentum, Islam) Gemeinsamkeiten und Parallelen zu finden, stimmen doch ihre Kernaussagen weitgehend überein:
– Wir glauben an denselben Gott, der uns geschaffen hat, der sich uns auf verschiedene Weise offenbart und uns führt und leitet, um uns zu vervollkommnen und Seinen Plan mit uns zu verwirklichen.
– Wir haben gemeinsame historische Wurzeln und leiten unseren Glauben aus derselben prophetischen Tradition her.
– Wir kennen von daher unsere besondere menschliche Verantwortung als „Statthalter Gottes auf Erden“.
– Wir haben dieselben ethischen Ideale und Wertvorstellungen und bemühen uns, diese zu verwirklichen. Dazu gehört unter anderem die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Harmonie in der Menschheit und in der übrigen Schöpfung und Liebe als Vervollkommnung all dessen.
– Wir sind uns bewußt, daß wir schließlich vor Gott Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen, und hoffen auf Seine Barmherzigkeit.
All das faßt der Qur’an in Sura 42:14-16 zusammen, wo der Prophet Muhammad (s.a.w.) angesprochen wird: Er verordnete für euch eine Glaubenslehre, die Er Noah anbefahl und die Wir dir offenbarten und die Wir Abraham und Moses und Jesus auf die Seele banden: nämlich bleibet standhaft im Gehorsam und seid nicht gespalten darin. Hart ist für die Heiden das, wozu du sie aufrufst. Gott wählt dazu aus, wen Er will, und leitet dazu den, der sich bekehrt. Und sie zerfielen erst dann in Spaltung, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus selbstsüchtigem Neid untereinander. Und wäre nicht bereits ein Wort von deinem Herrn ergangen für eine bestimmte Frist – gewiß wäre zwischen ihnen entschieden worden. Wahrlich jene, denen Wir nach ihnen das Buch zum Erbe gegeben haben, sind in beunruhigendem Zweifel darüber. Zu diesem also rufe sie auf. Und bleibe standhaft, wie dir geheißen ward, und folge ihren bösen Gelüsten nicht, sondern sprich: Ich glaube an das, was Gott an Schrift herabgesandt hat, und mir ist befohlen, gerecht zwischen euch zu richten. Gott ist unser Herr und euer Herr. Für uns unsere Werke und für euch eure Werke! Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenbringen, und zu Ihm ist die Heimkehr.
Über das Verhältnis der Religionen der abrahamitischen Tradition heißt es in Sura 5:45-49:
Wir hatten die Thora hinabgesandt, in der Führung und Licht war. Damit hatten die Propheten, die immer gehorsam waren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissenden und Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Gottes zu bewahren, und sie waren seine Hüter. Darum fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich; und gebt nicht Meine Zeichen hin um geringen Preis. Wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat – das sind die Ungläubigen … Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Führung und Licht war, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war, eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Es soll das Volk des Evangeliums richten nach dem, was Gott darin offenbart hat; wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat – das sind die Ungerechten. Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber. Richte darum zwischen ihnen nach dem, was Gott hinabgesandt hat, und folge nicht ihren bösen Neigungen gegen die Wahrheit, die zu dir gekommen ist. Einem jeden von euch haben Wir eine klare Satzung und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott gewollt, Er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht, doch Er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was Er euch gegeben. Wetteifert darum miteinander in guten Werken. Zu Gott ist euer aller Heimkehr; dann wird Er euch aufklären über das, worüber ihr uneinig wart.
Weder für Christen noch für Muslime erschöpft sich Glaube im Fürwahrhalten metaphysischer und theologischer Aussagen, sondern fordert auf, die Glaubenswahrheiten zu erforschen und zu erfahren. Die Gläubigen sollen Zeugnis in Wort und Tat ablegen und somit die Ideale und Werte verwirklichen. Sobald wir also auf diese Weise eine gemeinsame Basis gefunden haben, können wir die uns gestellten Aufgaben in Angriff nehmen und durch konstruktive Zusammenarbeit nicht nur theoretische Lösungsmöglichkeiten, sondern auch praktische Vorgehensweisen finden.

Gemeinsam handeln

Gott läßt unser Streben nach dem Guten nicht verlorengehen:
Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer wahrhaft an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut – sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen noch sollen sie trauern. (Sura 2:63)
Es kann hier selbstverständlich nicht darum gehen, die Religionen miteinander zu vermischen oder Unterschiede zu verneinen. Gerade an so zentralen Punkten wie z.B. der Wirklichkeit Jesu und Mohammeds (Friede sei mit ihnen) wird man den Dialogpartner in seiner Eigenart akzeptieren können. Der Qur’an gibt uns Hinweise für unser Verhalten in solchen Kontroversen:
Und debattiert mit dem Volk der Schrift nicht anders als auf die beste Art, mit Ausnahme derer, die ungerecht sind. Und sprecht: Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde, und unser Gott und euer Gott ist einer, und Ihm sind wir ergeben. (Sura 29:47) 

aus: Faltblattserie des Islamischen Zentrums Hamburg

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Die gläubige Frau https://bufib.de/die-glaeubige-frau/ Tue, 08 Apr 2014 23:01:03 +0000 http://bufib.de/?p=1141 „Wer immer gute Taten vollbringt, sei es Mann oder Frau, wenn er nur gläubig ist, den wollen Wir zu einem guten Leben erwecken und wollen ihn belohnen für seine besten Werke.“ (Qur’an 16:97)

Gläubig auf Arabisch heißt ‚mumin‘ und bedeutet wörtlich soviel wie ‚die Wahrheit verinnerlichen‘, wobei ‚Verinnerlichung‘ drei Stufen umfasst: Das Herz erfasst die Wahrheit, die Zunge bezeugt sie, und die anderen menschlichen Sinne verleihen ihr Ausdruck. Wenn ‚gläubig sein‘ bedeutet, die Wahrheit zu erfassen und in die Tat umzusetzen, dann wird sich nach dieser Auslegung eine gläubige Frau von einem gläubigen Mann in nichts unterscheiden.

Das Glaubensbekenntnis der Muslime gilt für beide Geschlechter gleichermaßen und die Gebote des Glaubens wie Beten, Fasten, Entrichten der Sozialsteuer, Pilgerfahrt usw. sind für Mann und Frau in gleichem Maße gültig. In der 66. Sure des Qur’an, erfahren wir Näheres über ‚die gläubige Frau‘:

„Und es stellt Allah ein Gleichnis für die Gläubigen auf: Die Frau Pharaos, die sprach: ‚Mein Herr, baue mir bei Dir ein Haus im Paradiese und rette mich vor Pharao und seinem Tun, und rette mich vor dem Volk der Ungerechten.‘ Und Maryam (Maria), Imran’s Tochter, die ihre Keuschheit wahrte und der Wir Unseren Geist einhauchten; sie glaubte an die Worte ihres Herrn und Seine Schriften und war eine der Demütigen.“ (Qur’an 66:11,12)

Asieh

Es ist hier zunächst die Rede von der Frau des Pharao, der den Unterdrücker schlechthin verkörpert und sinnbildhaft für Arroganz, Gewalt und Falschheit steht. Dennoch gelang es Asieh, sich den Glauben an den einen Gott zu erhalten, unberührt von der sie umgebenden korrupten Umwelt. Asieh war es schließlich, die dem kleinen Baby Moses das Leben rettete. Sie erreichte es dank ihres Glaubens, ihren Mann zu überreden, den kleinen Jungen nicht wie die anderen Söhne der Israeliten töten zu lassen. Asieh sorgte für Moses so gut sie konnte. Als Moses von der Wanderschaft zurückkam und dem allgewaltigen Pharao seine Botschaft von dem Glauben an den Schöpfer und Erhalter des Daseins kundtat, wusste Asieh, daß Moses die Wahrheit sprach. Ihr Mann, der Pharao, stellte sie zur Rede. Asieh kann ihm ihr Geheimnis nicht länger verschweigen. Sie gibt ihm zu verstehen, was sie von seiner Herrschaft hält, daß sie durchschaut hat, wie er mit seinen Fürsten und Götzenpriestern das Volk die ganzen Jahre betrogen und unterdrückt hatte. Ihre Liebe gehöre allein dem Allgütigen und Allbarmherzigen. Vielleicht wählte Asieh für ihr Geständnis gerade diesen Zeitpunkt, da sie spürte, daß Moses ihren Widerstand fortsetzen und ihn zum Sieg über Hochmut und Gewalt führen würde. Nur wer Gott sehr nahe steht, dem beschert Gott den Segen, als Märtyrer und Zeuge für Wahrheit und Gerechtigkeit zu sterben. Asieh hatte diese Stufe der Gottergebenheit erreicht. Sie betet zu Gott um Aufnahme in sein Reich: „Mein Herr, baue mir bei Dir ein Haus im Paradies.“ Aus Überlieferungen wissen wir, daß Pharao Asieh festnehmen und kreuzigen ließ.

Maryam

Der Qur’an erhebt eine weitere Frau aus der Geschichte zum Vorbild für alle Gläubigen: Es ist die Jungfrau Maria, der auch im Christentum besonders in ihrer Funktion als mütterlich-helfende Retterin große Verehrung zukommt. Mit dem Namen Maryam verbindet sich etwas Heiliges. Neben sechs weiteren Propheten wurde eine ganze Sure nicht etwa nach Jesus, sondern mit dem Namen der Jungfrau Maria benannt. Der Name des Propheten Jesus (arabisch ‚Isa‘) wird stets im Zusammenhang mit Maryam erwähnt: ‚Isa ibn Maryam‘, d.h. Jesus, Sohn der Maria, die die Voraussetzung für die Erscheinung dieser von Güte und Nächstenliebe durchdrungenen Gestalt verkörpert.

„O Maryam, Allah hat dich auserwählt und gereinigt und erwählt vor den Frauen der Welten.“ (Sure 3, Vers 41)

Nur wer wahrhaft demütig ist, kann den Glauben verwirklichen. Maria war es. Gottes Wille war ihr Befehl. Als der Bote Gottes ihr von dem Wunder ihrer Empfängnis berichtet, fragt sie nicht viel. Sie geht fort und wartet auf die Geburt des kleinen Jesu. Sie steht in ständiger Verbindung zu ihrem Herrn und befolgt Gottes Geheiß Schritt für Schritt:

„So iss und trink und kühle dein Auge! Und wenn du von den Menschen jemanden siehst, so sage: ‚Ich habe dem Allgütigen ein Fasten gelobt, darum werde ich mit keinem Menschen sprechen.“ (Sure ‚Maryam‘, Vers 26)

Maria nahm das Baby auf den Arm und ging zurück zu ihrer Gemeinde: Was für eine Schandtat, eine Tempelhüterin, hatte sie es gewagt! Alle diese Vorwürfe würden sie nicht berühren. Maryam war wahrhaft eine Frau von tiefer mystischer Einsicht, der es gelungen war, sich von den Schranken des irdischen Lebens zu befreien und der absoluten Vollkommenheit nahezukommen. Und in der Tat, ihr Baby fing bald an zu sprechen und entlastete sie von allen Anschuldigungen, wie ihr Herr es versprochen hatte.

‚Wahrlich, Gott hat für die Frauen der Welten vier Frauen (zum Vorbild) auserwählt: Asieh, die Frau des Pharao, Maryam, Khadija und Fatima.‘ (Überlieferungen des Propheten)

Asieh steht symbolhaft für Widerstand und Mut; Maryam für Reinheit und absolute Gottergebenheit; Khadija, die Frau des Propheten Mohammad verkörpert die revolutionäre Frau und ideale Lebenspartnerin; die Tochter Mohammeds, Fatima, vereint alle diese Tugenden in sich: sie ist vorbildhafte Tochter, Ehefrau und Mutter und eine Frau in der Gesellschaft im Einsatz für Gerechtigkeit und die Verwirklichung der göttlichen Werte.

Khadija

Es war Khadija, die Mohammad, ihrem musterhaften Angestellten, zu verstehen gab, dass sie bereit sei, seine Frau zu werden. Allein diese Tatsache ist revolutionär genug, vor allem wenn man die damaligen Verhältnisse auf der Arabischen Halbinsel bedenkt, als Unwissenheit und Aberglauben die Gesellschaft prägten, wo neugeborene Mädchen lebendig begraben wurden, nur aufgrund der Tatsache, dass sie Mädchen waren. Khadija hatte ein großes Vermögen und sich unter den Kaufleuten einen Namen gemacht. Viele Männer rangen um ihre Zuneigung. Aber Khadija hatte sich eigene, von ihrer Umwelt verschiedene Maßstäbe gesetzt. Die Wahrhaftigkeit Mohammads, der deshalb unter den Arabern den Beinamen ‚Al-Amîn‘, d.h. der Aufrichtige trug, imponierte ihr, nicht seine Stellung, Herkunft oder sein Besitz. Vielleicht ahnte sie gar schon zu der Zeit, dass es nur Mohammad sein konnte, der ihre revolutionären Gedanken von einer gerechten Gesellschaft verstehen und ihnen Gestalt verleihen könnte. Wie wir aus der Geschichte wissen, ist es Khadija, die als erste Frau in den Glauben an den Einen eintrat. Vom ersten Tag der Offenbarung bis zum Ende ihres Lebens begleitete sie den Propheten mit Liebe, Vertrauen und Opferbereitschaft. An seiner Seite stand sie tapfer alle physischen und psychischen Verfolgungen der ersten Jahre durch. Ihr ganzes Vermögen gab sie aus, um die Not der Armen lindern zu helfen. Das Jahr, in dem sie starb, ernannte Mohammad zum ‚Jahr des Trauer‘. ‚Niemals hat mir Gott einen besseren Partner gegeben als Khadija‘. hörte man ihn sagen:

‚Sie glaubte an meinen Auftrag zu einer Zeit, wo jeder mich verlachte, sie gab mir unumschränktes Vertrauen, als niemand mich verstand. Sie schenkte mir neuen Lebensmut, wenn ich schweren Herzens war und öffnete mir ihr Herz, wenn ich einsam und verlassen war. Wie kann ich sie je vergessen?‘

Fatima

Als kleines Mädchen war Fatima ihrem Vater Schritt für Schritt auf den Straßen der Stadt gefolgt. Sie war Zeuge, wie ihr Vater von Hasserfüllten Menschen Beschimpft, verspottet, und gequält wurde. Sie war immer zu Stelle, wenn der Vater angegriffen wurde, verband seine Wunden und hatte ihn mit lieben Worten zu trösten versucht. Als ihre Mutter ihr kurz vor dem Tode sagte, sie mache sich Sorgen um sie, weil sie es im Leben schwer haben werde, soll sie geantwortet haben:

‚Mach dir meinetwegen keine Sorgen; sei versichert, daß die Götzendiener das Stammesvolk zum Aufruhr treiben werden. Sie werden in ihrer Grausamkeit bei der Unterdrückung der Muslime noch viel weiter gehen. Aber die Muslime werden dieses Martyrium bereitwillig auf sich nehmen. In dem Maße, wie ich für würdig befunden wurde, die Tochter des Propheten zu sein, werde ich die Qualen durchstehen.‘

Fatimas Leben war in der Tat voller Entbehrungen und Prüfungen. Aber die Schwierigkeiten halfen, sie in ihrem Glauben noch weiter zu stärken. Auch nach ihrer Heirat mit Ali lebte Fatima in der unmittelbaren Nähe ihres Vaters. Sie war Ali eine vorbildliche Ehefrau, die immer für ihn da war, wenn er sie brauchte. Sie gab sich viel Mühe, den Kindern im schlichten Heim so viel Freude und Herzlichkeit zu geben wir nur möglich. Durch zusätzliche Arbeit am Spinnrad versuchte sie, zum Lebensunterhalt der Familie etwas beizusteuern. Darüber hinaus war sie bemüht, das Leid und die Sorgen der Armen zu teilen. Salman, ein Gefährte des Propheten Mohammad sagte einmal über sie: ‚Fatima führte das Leben einer armen Arbeiterfrau. Hätte sie nur ein Zehntel von dem, was sie täglich an andere verteilte, für sich ausgegeben, hätte sie ein unbeschwerliches Leben führen können.‘

Wir erleben Fatima ebenso an der Front, wie sie die Soldaten mit Essen versorgt und die Verletzungen behandelt. Aber Fatimas gesellschaftspolitisches Engagement zeigt sich in aller Deutlichkeit, als der geliebte Vater gestorben ist, und sie mit aller ihr zur Verfügung stehender Kraft, die Gefahren abzuwenden versuchte, die sie auf die Zukunft der muslimischen Gemeinschaft zukommen sah. Sie spürte, wie das Schicksal der Muslime der Politik und der Macht überlassen werden würde. Als Gefährten des Propheten wie Salman, Abu Dharr und Ammar und selbst ihr Ehemann Ali es vorziehen zu schweigen und sich aus dem Gesellschaftsleben zurückzuziehen, will Fatima weiterkämpfen. Sie will sich unter keinen Umständen dem Unrecht, wie sie es nennt, beugen. Sie war der festen Überzeugung, Ali könnte die muslimische Gemeinschaft vor der Zerstörung von innen bewahren, und sie kämpfte für ihre Überzeugung, auch als alle Männer um sie herum längst aufgegeben hatten. Sie startete eine Kampagne für Ali. Nacht für Nacht ließ sie sich von ihrem Mann zu den Stammesführern reiten und sprach zu ihnen. Fatima starb in sehr jungen Jahren. Auf eigenen Wunsch wurde sie nachts an einem geheimen Ort begraben, worüber sie noch zu Lebzeiten verfügt hatte.

Im Qur’an ist noch von vielen weiteren gläubigen Frauen die Rede, so von:

Hajar, der schwarzafrikanischen Magd, die als Ehefrau des betagten Propheten Ibrahim (Abraham) den Sohn Ismael gebar. Hajar hatte absolutes Gottvertrauen mit höchstem Einsatz zu vereinen gewusst. Als sie auf Gottes Geheiß mit ihrem Baby Ismael in der heißen Wüste alleingelassen war, hatte sie fest auf Gottes Hilfe vertrauend nicht aufgegeben, nach Wasser für den dürstenden Jungen zu suchen. Tatsächlich wurde Hajars Bemühen und Ausdauer von Gott belohnt: Genau zu Füßen des kleinen Ismaels sprudelte eine Wasserquelle hervor.

Bilqis, die Königin von Saba wird ebenfalls im Qur’an erwähnt. Sie muss um das zehnte Jahrhundert vor Christus regiert haben. Sie wird als kluge, verständige, sehr um das Wohl des Volkes bedachte Regentin vorgestellt, die aufgrund ihrer gerechten Herrschaft das Vertrauen des Volkes und das ihrer Berater genoss.

Das Bild, das uns der Qur’an vom Prototyp ‚der gläubigen Frau‘ zeichnet, ist umfassend und vielschichtig: Frauen unterschiedlicher Herkunft und Gesellschaftsschichten betraut mit unterschiedlichen Aufgaben werden vorgeführt. Die qur’anische Aussage zum Thema ist unmissverständlich: Alle Tore sind der Frau geöffnet, sich ihren Veranlagungen und Interessen gemäß zu entfalten, nur muss gewährleistet sein, dass alles, was sie tut bzw. lässt, in Ergebenheit und Dankbarkeit ihrem Schöpfer gegenüber geschieht.

aus: Faltblattserie des Islamischen Zentrums in Hamburg

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Familienleben im Islam https://bufib.de/familienleben-im-islam-2/ Thu, 03 Apr 2014 15:09:11 +0000 http://bufib.de/?p=863 1. Einführung

Eine sinnvolle und ausgewogene Familie ist die Grundlage eines glücklichen Lebens. Tatsächlich ist sie die Wurzel einer fortschrittlichen Zivilisation. Die Religion bringt den Menschen näher zu Allah. Deshalb sollte der Mensch eine Atmosphäre schaffen, die günstig für dieses Ideal ist, da er sein Ziel sonst nicht erreichen kann. Keine Religion kann als abgeschlossen betrachtet werden, wenn es keine gut definierten Gesetze für das Familienleben gibt, die ausdrücklich die genaue Rolle und die Verantwortung jedes Mitglieds der Familie beschreiben. Die Familie ist eine eng verknüpfte Einheit der menschlichen Gesellschaft, und diese Nähe schafft Reibungs- und Konfliktgefahr, wenn jedem Mitglied in eindeutigen Worten mitgeteilt wird, was seine Pflichten und Rechte sind.

Der Islam ist eine umfassende Religion mit Ratschlägen für jeden Aspekt des menschlichen Lebens. In den folgenden Lektionen, werden Sie etwas über das Familienleben im Islam erfahren.

2. Groß- und Kernfamilie

Menschliche Familiensysteme sind in der Regel in zwei Typen unterteilt: die Großfamilie (oder erweiterte Familie) und die Kernfamilie (auch Kleinfamilie genannt).

 Großfamilie

Darin leben alle Familienmitglieder zusammen: Vater, Mutter, Söhne, Brüder, Schwestern, Onkeln, Neffen und andere. Das Einkommen des Einzelnen wird nicht als sein persönliches Eigentum behandelt, sondern es gehört der Familie und die Ausgaben aller Mitglieder werden aus dem „Familien- oder kollektiven Einkommen“ erfüllt. Dieses System will das Zusammenleben, gegenseitiges Vertrauen und die Kooperation zwischen den Familienmitgliedern fördern. Allerdings bildet dieses System auch Trägheit und Abhängigkeit bei einigen Familienmitgliedern, und als Folge schwächt es auch den Willen ab, u. a. härter zu arbeiten. (Zum Beispiel ist die hinduistische Gesellschaft auf der Großfamilie aufgebaut)

Kernfamilie :

Darin ist jeder nur für seine unmittelbaren Angehörigen verantwortlich. Sein Einkommen gehört ihm und nicht der „Familie“. Ihr fehlen die Nachteile der Großfamilie, aber sie führt auch zu Egoismus und Selbstsucht.

 3. Die islamische Ansicht

Was bevorzugt der Islam? Das Familienbild, das der Islam vertritt, kombiniert die Vorteile der beiden oben genannten Systeme und vermeidet ihre Nachteile.

Auf der einen Seite vertritt der Islam den Aufbau der Kern- (oder Klein-) Familie, da er eindeutig die Menschen, für deren Wohl Sie sorgen müssen, definiert. Auf der anderen Seite betont er stark die Frage des silatur-rahm (wobei das Band der Beziehung intakt bleibt), indem er die Förderung der Tugend der verwandtschaftlichen Unterstützung fördert.

Im Islam kann eine Familie die folgenden zwei Formen annehmen: ein Paar und seine Kinder oder ein Paar, die jeweiligen Schwiegereltern und die Kinder des Paares.

Diese Definition basiert auf dem Gesetz, das die Personen, deren Unterhalt ihre Verpflichtung ist, definiert: Deine Frau, deine Eltern und deine Kinder. Diese Menschen sind von dir abhängig, daher bist du verpflichtet, für sie zu sorgen.

Was die Cousins und Cousinen sowie Onkels und Tanten angeht, sind diese ebenso „Verwandte“, aber sie sind von dir nicht abhängig. Das heißt, es ist keine Pflicht, für sie zu sorgen. Dennoch ist es im Islam wichtig, gute Beziehungen zu den Verwandten zu haben, sie zu lieben, zu respektieren und ihnen zu helfen. Imam as-Sadiq (a.s.) sagt: „Und die fünf dringend empfohlenen Ausgaben sind: Das Engagement des ewigen Geschenks, seinen Verwandten und anderen Gläubigen Gutes zu tun, die empfohlene Nächstenliebe und die Befreiung der Sklaven.“

Beide Aspekte der islamischen Sicht ergeben sich klar aus Vers 24:61:

„Kein Vorwurf trifft … euch selbst, wenn ihr in euren eigenen Häusern eßt oder den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer Vatersbrüder oder den Häusern eurer Vatersschwestern oder den Häusern eurer Mutterbrüder oder den Häusern eurer Mutterschwestern oder in einem (Haus), dessen Schlüssel in eurer Obhut sind, oder (in dem Haus) eures Freundes.“

Einerseits erwähnt der Vers klar getrennte Häuser für Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Onkel und andere Verwandte, was darauf schließen lässt, dass man nicht die Last seiner Angehörigen, den Eltern oder andere Familienmitglieder für immer überlassen, sondern selbstständig sein und seinen Unterhalt selbst bestreiten sollte.

Andererseits, um Einheit, Liebe und Freundschaft zu fördern und sich auch der jeweiligen Situation jedes einzelnen bewusst sein, erlaubt Ihnen der Vers, in die Häuser ihrer entfernten Familienmitglieder ohne vorherige Genehmigung zu gehen und dort zu essen.

4. Beispiele aus der Geschichte

Wir finden auch viele Beispiele in dem Leben des heiligen Propheten und seiner Ahlul-Bayt, die beweisen, dass sie getrennt von ihren entfernten Familienmitglieder lebten.

Es gab in Mekka eine Hungersnot (etwa 35 Jahre nach der Geburt des Propheten). Abu Talib, der Onkel des Propheten, hatte viele Kinder und in dieser Zeit waren seine finanziellen Mittel beschränkt. Der heilige Prophet, der selbst durch Abu Talib erzogen worden war, spürte, dass sein Onkel finanzielle Schwierigkeiten hatte. Er hat daher seinem anderen Onkel Abbas (der damals wohlhabend war) vorgeschlagen, Abu Talib zu helfen. Abbas ging mit dem Propheten zu Abu Talib. Nach einer Diskussion beschlossen sie, die Ausgaben für die Söhne von Abu Talib zu teilen: Ali sollte bei dem Propheten, Jaafar bei Abbas leben und Aqil bei Abu Talib bleiben.

Dies zeigt, dass das Haus des Propheten von Abu Talib getrennt war, trotz der engen Beziehung zwischen Abu Talib und dem Propheten Mohammad. Dieses Ereignis ist auch ein Beispiel für silatur-rahm.

Während des letzten Monats Ramadan seines Lebens hatte Imam Ali die Gewohnheit, einen Tag im Haus des Imam Hassan, den nächsten Tag im Haus des Imam Hussein und am dritten Tag im Haus seines Schwiegersohns, Abdullah bin Jaafar, das Fasten zu brechen. Das zeigt zwei Dinge: Unsere Imame hatten getrennte Häuser mit ihrer eigenen Familie, aber gleichzeitig erfüllten sie die Pflege der Familienbeziehung, d.h. des silatur-rahm.

Diese beiden Beispiele sind ausreichend, um die Muslime in ihrem täglichen Leben anzuleiten. Sollte ein Muslim von diesem geraden Weg abweichen, kann er nicht mehr auf dem wahrhaftigen Weg des Islam bleiben. Nur wenn die Menschheit diesem islamischen Gesetz folgt, kann sie Geistesfrieden in dieser Welt und ewiges Glück im Jenseits erreichen.

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