Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a)

Überblick 

Geburt: Er (a) ist am Sonntag, den 7. Ṣafar 128 n.H. in Al-ʾAbwāʾ (eine Stadt zwischen Mekka und Medina; wird manchmal auch Widān genannt) 

Martyrium: Er (a) ist am 25. Rajab 183 n.H. – D.h. mit 54 Jahren – an den Folgen eines Vergiftungsanschlages in Bagdad im Gefängnis von As-Sindiy bin šāhik Märtyrer geworden. 

Beinamen: Al-ʿAbd aṣ-Ṣāliḥ, al-Kāẓim, Aṣ-Ṣābir, Al-ʾAmīn, Bāb al-Ḥawāʾiǧ, Ḏū an-Nafs az-Zakiyah, Zayn al-Muǧtahidīn, al-Wafiy, al-Maʾmūn, Aṭ-Ṭayib 

Kunya: Abū ʾIbrāhīm, Abū ʿAlī, Abū ʾIsmāʿīl, Abū al-Ḥasan al-ʾAwwal

Grab: Bagdad in den Quraisch-Gräbern

Allgemeine Lage 

Die Abbasiden verfolgten die Familie und Anhänger Imam Alis (a), die auch in der Geschichte als Aliden (arab. ʿAlawīyūn) bezeichnet werden, und versuchten sie in der gesamten islamischen Welt ausfindig zu machen, aus Angst vor Aufständen und Revolutionen. Außerdem kannten die Abbasiden den hohen Stand jener Leute, die Imam Hussein (a) und die Ereignisse von Kerbala zum Vorbild hatten. Es gab schon seit der Anfangszeit der Dynastie der Abbasiden viele aus den Reihen der Schia, die das Kalifat Abī al-ʿAbbās as-Saffāḥs (dem Begründer dieser Dynastie) ablehnten und dadurch bekämpft wurden. Die Abbasiden waren bekannt für ihre Gewalt und Ideenlust beim Töten. Einige von ihren Opfern wurden für längere Zeit in einem verdunkelten Gefängnis eingesperrt und dann darin lebendig eingeschüttet, wiederum andere wurden lebendig begraben. Der Begründer der Abbasiden-Dynastie Abū al-ʿAbbās war unter dem Beinamen as-Saffāḥ bekannt, was soviel bedeutet wie „der Blutvergießer“. Zudem wurden ihre Gegner, die hauptsächlich die Schiiten waren, verfolgt, beobachtet und abgehört, so dass sie über all ihre Bewegungen im Klaren waren. Ein weiteres Element der Bekämpfung der Schiiten war, dass das abbasidische Regime spezielle Denkströmungen und Gruppierungen, wie die Ghulāt (Übertreiber) und Freidenker (az-Zanādiqah), zugelassen und ihre Verbreitung unterstützt hat, um das allgemeine Volk vom mohammedanisch-islamischen Weg abzuhalten und zu verwirren. Dies sind die Anfangsstunden des „Soft Power“ bzw. „Soft war“ gegen die Schiiten. 

Unter den berühmtesten Opponenten, die das Martyrium erfuhren, waren u.a. Muḥammad bin ʿAbdullah bin al-Ḥasan an-Nafs aḏ-Ḏakiyah (gest. 145 n.H.), Al-Ḥusain bin ʿAli bin al-Ḥasan auch bekannt als „Shahīd Faḫḫ“ (gest. 169 n.H.) und natürlich der edle Imam Mūsā al-Kāẓim (a), der mehrere Jahre in den verschiedensten Gefängnissen der Abbasiden in Gefangenschaft lebte. 

In dieser Zeit war ein ausschweifender Lebenswandel und Frevel weit verbreitet. Alkoholgenuss, Respektlosigkeit und Prostitution waren an der Tagesordnung, vor allem im Herrschaftshaus der Abbasiden selbst. Das Staatsgeld (Fiskus; arab. Bayt al-Māl) wurde für die eigenen Bedürfnisse des Kalifats ausgegeben, wie z.B. für Sänger und Sängerinnen, Frauen und Ähnliches. Die Allgemeinheit der damaligen Gesellschaft war dagegen sehr arm. 

Geburt und Herkunft 

Imam Mūsā bin Ǧaʿfar al-Kāẓim (a) ist der siebte Imam, der Sohn vom sechsten Imam, Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a). Seine Mutter ist eine edle Frau namens „Ḥamīdah“, die einen sehr starken Glauben und großes Wissen aufwies. Viele Frauen hatten von ihr profitiert. Ihr Ursprungsort ist umstritten, einige meinen sie sei aus Marokko, wiederum andere schreiben, sie sei eine Römerin oder aus Barbar (Stadt im Sudan) bzw. aus einem spanischen Gebiet. Jedoch nehmen die Historiker am stärksten an, dass sie aus Nordafrika kam. Sie wurde von Imam Ǧaʿfar aṣ-Ṣādiq (a) persönlich unterrichtet, wodurch sie aus erster Quelle zu einer großen Lehrerin und Rechtskennerin wurde, außerdem gehörte sie zu den großen weiblichen Intellektuellen ihrer Zeit. 

Am 7. Ṣafar im Jahre 128 n.H. (745 n.Chr.) durfte die Menschheit den edlen Imam (a) in einem Ort namens Al-ʾAbwāʾ erblicken. Al-ʾAbwāʾ ist eine Stadt zwischen Mekka und Medina, wo auch Amina, die Mutter des Propheten Muhammad (s), gestorben ist. 

Primäre Konflikte 

Die beiden edlen Imame Al-Bāqir (a) und Aṣ-Ṣādiq (a) verbreiteten und lehrten die ursprüngliche islamische Lehre und legten die Grundlagen und Wissenschaften fest. Sie hatten viele verschiedene Bildungsmethoden angewandt, sei es der Privatunterricht, Ansprachen in den Gotteshäusern oder der klassische universitäre Unterricht. Die Zeit von Imam al-Kāẓim (a) war jedoch eine andere, denn die politische Lage ließ eine wissenschaftliche Bildungselite nicht zu, im Gegenteil, sie wurde sogar bekämpft. Damit war ein politischer Konflikt unabdingbar. Er hatte mit mehreren politischen Bewegungen begonnen. Ein revolutionärer, militärischer Aufbruch war jedoch nicht in Frage gekommen, da die Gesellschaft dafür nicht geeignet war. Die Mehrheit der Gesellschaft war von Frevel und Heuchelei oder Furcht vor dem Regime geprägt.1 Eine Wirkung dieser Lage war, dass nur wenige Imam al-Kāzim (a) das Recht der Führerschaft (imāmah) zusprachen und der Großteil des Volkes – aus Furcht – dem Kalifat der Abbasiden stillschweigend ihre Treue erwiesen. Vor allem aber wurde von den damaligen Ministern und vom Kalifen selbst, alles dafür getan, dass dies so blieb. Die Abneigung des damaligen Kalifen Hārūn ar-Rashids gegenüber dem Imam (a) und den Imamen (a) an sich, kann man u.a. an folgender Begebenheit feststellen. Eines Tages besuchte Hārūn mit einer Delegation von Ministern und anderen wichtigen Staatspersönlichkeiten das Grab des Propheten (s), wobei Imam al-Kāẓim (a) ebenfalls anwesend war. Hārūn sagte dem Prophetengrab zugewandt: „Der Frieden sei mit dir oh Cousin (Sohn des Onkels).“ Damit prahlte er vor den Anwesenden und dachte, dass dadurch sein Kalifat höheres Ansehen und Legitimität erränge. Jedoch sprach dann der Imam (a) seinen Friedensgruß: „Der Friede sei mit dir oh Vater.“ Dieser Satz ließ Hārūn ar-Rashīd seinen Verstand verlieren und wütend werden: „Wieso sagst du, dass du dem Gesandten Gottes näher bist als wir?“ Daran kann man die Boshaftigkeit und den Neid Hārūns gegenüber die Imame (a) erkennen. Imam al-Kāẓim (a) entgegnete: „Wenn der Gesandte Gottes lebend zurückgeschickt worden wäre, und die Heirat mit deiner Ehrenwerten (d.h. Tochter) wünschte, würdest du dem einwilligen?“ Hārūn sagte: „Gepriesen sei Gott! Wahrlich, ich wäre darüber stolz gegenüber den Arabern und Nichtarabern.“ Der Imam (a) sagte: „Er (der Gesandte Gottes) würde von mir (meinen Töchtern) nicht die Heirat erfragen, und ich würde sie ihm auch nicht zur Heirat freigeben, denn er ist unser Vater und nicht euer Vater. Daher sind wir ihm näher als ihr ihm.“2

Dem Imam (a) war es mit der Hilfe einiger seiner Schia gelungen, in das Regierungszentrum zu gelangen, indem er (a) Spitzel einsetzte. Dadurch war es dem Imam (a) und seinen engen Anhängern möglich, die Schritte und Regierungsentscheidungen zu erfahren und daraufhin einen weiteren Blick in das politische Geschehen von Innen zu bekommen. Und wenn das nicht immer möglich war, dann mindestens, um Unterdrückten im Volke zu helfen, falls sie mitbekamen, dass ein Urteil über sie ausgesprochen werden soll. Einer dieser Vertrauensmänner (V-Mann) war ʿAlī bin Yaqṭīn, der ein Minister Hārūns war. Bei Hārūn selbst war er ebenfalls sehr angesehen, so sehr, dass er üppige Geschenke von ihm bekam. ʿAlī bin Yaqṭīn hatte von Hārūn ein luxuriöses Obergewand geschenkt bekommen, das ʿAlī – aus Liebe zum Imam (a) – sofort dem Imam (a) schenken wollte. Doch der Imam (a) erwiderte, dass er darauf aufpassen und es nicht aus seiner Hand geben soll, da ihm eine Sache widerfahren wird, in der er dieses Obergewand benötigt.3 Tatsächlich sollte dieser Tag kommen. Ein Arbeiter des Regierungsapparates berichtete Hārūn über die „Untreue“ ʿAlī bin Yaqṭīns, weil dieser dem Imam (a) jenes Kleidungsstück geschenkt hätte. Woraufhin Hārūn ihn vorlud, um herauszufinden, was er damit gemacht hat. ʿAlī bin Yaqṭīn antwortete jedoch, dass er das Obergewand „natürlich“ bei sich habe. Nachdem er es Hārūn zeigte, wurde Hārūn erzürnt über seinen Arbeiter und tadelte ihn. 

Imam Mūsā al-Kāẓim (a) hat seine Ablehnung gegenüber die illegitime herrschende Führung der Abbasiden nicht versteckt, sondern im Gegenteil, er hat sie öffentlich erkennbar gemacht. Dies stärkte Hārūn in seinem schon vorhandenen Hass gegenüber den Imam (a) und seine Schia. Hārūn ar-Rashīd hatte an sich ein Problem mit allen Persönlichkeiten, die einen hohen Stand in der Gesellschaft genossen. Allein schon das bloße Reden in seiner Anwesenheit über eine große Person hat ihn aufgeregt und dies sofort unterbunden. Dies kann auch an der Beseitigung und Auslöschung der Barmakiden sehen. Sie hatten unter dem abbasidischen Herrscher Hārūn ihre Blütezeit und wurden seine engsten Vertrauten und erhielten Funktionen im Staatsapparat. Bis sie jedoch ihren Namen unter den Menschen verbreiteten und einen gewissen Rang erreichten. Dennoch gebührte den Aliden (Schia) der eigentliche Hass und Neid Hārūns. Immer wieder ließ er (und seine Vorgänger) ihre Anhänger auf die übelste Art und Weise verfolgen und hinrichten. Und natürlich war der Edelste unter ihnen, Imam Mūsā al-Kāẓim (a), zu seinem Staatsfeind Nummer Eins geworden. Immer signifikanter und ersichtlicher wurde sein Einfluss und Vorbildcharakter in der Gesellschaft. Dies war der Hauptgrund gegen ihn (a) vorzugehen. Einige Hofierer Hārūns verleumdeten den Imam (a), indem sie falsche Informationen über ihn (a) verbreiteten und Hārūn damit provozierten. Schließlich wurde der Imam (a) 179 n.H. im Monat Schawwāl festgenommen und eingesperrt. Dies passierte in der Prophetenmoschee in Medina, als Imam al-Kāẓim (a) dort sein Gebet verrichtet. Als er (a) noch im Gebet vertieft war, ergriffen sie ihn (a), wurde gefesselt und weggebracht. Der Imam (a) beklagte sich beim Propheten (s) über seine Festnahme. Die Emotionen des Imam (a) lösten aus, dass die Menschen anfingen, zu weinen und dass es eine große Unruhe gab. 4

Der Imam (a) wurde nach Basra (Irak) in ein Gefängnis gebracht, das von ʿIsā bin Ǧaʿfar al-ʿAbbāsī geführt wurde. Er (a) wurde hineingebracht und hinter ihm (a) die Schlösser verriegelt. Hārūn hat ʿIsā empfohlen, den Imam (a) sofort umzubringen, was ʿIsa jedoch erst mit seinen Vertrauten besprechen wollte. Diese rieten ihm davon ab und daraufhin hat er es unterlassen. Dem Abbasidenherrscher war diese Entscheidung jedoch zu milde, woraufhin er Imam al-Kāẓim (a) nach Bagdad verlegte, um bei Al-Faḍl bin ar-Rabīʿ unter Hausarrest zu stehen. Nach längerer Zeit wurde der Imam (a) aus der Gefangenschaft freigelassen und war in Bagdad auf freiem Fuß. Als jedoch auch in jener Stadt die Vorzüge und edlen Charaktereigenschaften des Imams (a) bekannt und unter den Menschen ersichtlich wurden, war dies der Grund für Hārūn den Imam (a) ein weiteres Mal einzusperren. Diesmal sollte er (a) bei einem Mann namens Al-Faḍl bin Yaḥyā al-Barkamiy unter Hausarrest stehen. Als dieser jedoch die tiefgründigen Gottesdienste und das demütige Gedenken Gottes des Imams (a) mitbekam, wurde er davon angezogen und wurde milde mit dem Imam (a). Hārūn wiederum empfahl auch ihm seinen „Häftling“ zu töten, was dieser jedoch ablehnte und erzürnte damit den Kalifen. Es sollte nun zum letzten Wechsel des Gefängnisses kommen. Hārūn befahl den Imam (a) in das Gefängnis von As-Sindiy bin Schāhik zu bringen und dabei solle er (a) den schlimmsten Bedingungen ausgesetzt sein. As-Sindiy war herzlos und gehorchte dem abbasidischen Herrscher, was ihn dazu brachte, dass er den Imam (a) mit mehreren sehr schweren Eisenstücken ankettete, die Tür hinter ihm (a) verschloss und diese nur für die rituelle Waschung wieder öffnete. Dies sollte As-Sindiy jedoch nicht reichen, so nutzte er jede Möglichkeit, um dem edlen Imam (a) zu schwächen und zu quälen. 

Trotz all der Schwierigkeiten und Schwächungen im Gefängnis war Imam Mūsā al-Kāẓim (a) stets mit dem Gottesdienst beschäftigt. Am Tage fastete er (a) und Nachts stand er (a) im Gebet. Erwähnenswert ist vor allem auch die Verbindung des Imams (a) zu den Gelehrten der Gesellschaft trotz seiner strengsten Gefangenschaft. Ein Beispiel war Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy. Ihm wurde es gestattet den Imam (a) geheim zu besuchen, dies, weil er der Lehrer der Kinder As-Sindiys war.5 Mūsā bin Ibrāhīm al-Marwaziy hat aus den gesammelten Gesprächen mit dem Imam (a) ein Buch verfasst und unter den Menschen verbreitet. Interessant ist auch, dass selbst die Kinder von As-Sindiy danach vom Führungsauftrag Imam Alis (a) überzeugt waren und die restlichen Imame (a) als ihre Imame (a) akzeptiert hatten.2 Weiterhin hat Imam al-Kāẓim (a) auf die Fragen der Menschen geantwortet, jedoch ist dies in Gefangenschaft sehr schwierig, so hat er (a) auch Bevollmächtigte ernannt. Jene waren einige seiner Schüler und Anhänger, die er für bestimmte Gebiete beauftragt hat die religiösen und allgemeinen Fragen der Menschen zu beantworten. Zudem waren einige von ihnen Stellvertreter des Imams (a), um sich um die finanziellen Rechte des Volkes zu kümmern. Ein ebenfalls sehr wichtiger Punkt war die öffentliche Ernennung des Imams (a) nach ihm (a), damit kein Zweifel darüber besteht oder etwa dieses Thema politisch ausgenutzt werden könnte, wie es schon zuvor gemacht wurde. Der Imam (a) hat seinen Sohn Imam ʿAlī ar-Riḍā (a) schriftlich und mündlich zum Nachfolger ernannt. 

Trotz aller Strapazen und Schmerzen war es der Glaube an Gott und absolute Hingabe im Gebet, was den Imam (a) am Leben hielt. Es sind nun mehrere Jahre in Gefangenschaft vergangen. Die meisten Historiker schreiben, dass Hārūn ar-Raschīd As-Sindiy bin Schāhik empfahl den Imam (a) umzubringen. As-Sindiy war bereit dazu den Imam (a) zu ermorden. Hārūn hat einige vergiftete Datteln an As-Sindiy geschickt, die er dem Imam (a) geben sollte, was er dann auch tat. Der edelste Mensch zu seiner Zeit hatte mit dem Gift zu kämpfen und war stärksten Schmerzen ausgesetzt. Schließlich fand er am 25. Rajab 183 n.H. den Märtyrertod und ging in die Geschichte – für die, die sie unvoreingenommen betrachten – als eine der größten Persönlichkeiten der Menschheitsgeschichte ein. Der Friede Gottes sei mit ihm. 

  1. Aš-šaykh al-Kūlaīnī, al-Kāfī, Band 1, Seite 366
  2.  Al-Qarašī, Ḥayāh al-ʾImām ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 78
  3. Al-ʿAllāmah al-Maǧlisī, Biḥār al-ʾAnwār, Band 48, Seite 137
  4. Maāqib aš-šīʿah, Band 2, Deite 385; ʿUyūn ʾAḫbār ar-Riḍā (a), Band 1, Seite 208, Ḥadīṯ 85
  5. Maḥmūd as-Saif, Al-Waǧīz fī Taʾrīḫ al-Islam, Band 3, Seite 220 2 Iḫtiyār Maʿrifah ar-Riǧāl, Seite 598, Ḥadīṯ 1119

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