Etikette: Essen

In diesem Artikel möchten wir über die Etikette des Essens berichten. Wir teilen in „empfohlen“ (mustahabb) und „verpönt“ (makruh) auf. Am Ende werden wir noch ein paar verbotene Dinge nennen, die sich auf das Essen beziehen. 

Empfohlen

  • Das Mittagessen früh einnehmen. (D.h. nicht erst am Nachmittag). Es heißt, dass es das Leben verlängert.
  • Das Abendbrot nach dem Spätabendgebet (s’alât al-i’shâ‘) einnehmen. 
  • Die Hände vor und nach dem Essen waschen. Egal, ob man nur mit einer oder beiden Händen gegessen hat und ebenso spielt es keine Rolle, ob man mit der Hand oder einem Gegenstand (wie einen Löffel) gegessen hat.
  • Der Hausherr wäscht sich – vor Beginn des Essens – vor seinem Besuch die Hände und dann der, der rechts von ihm sitzt und immer so weiter bis der letzte Besucher an der Reihe war. Nach dem Essen beginnt nicht der Hausherr, sondern derjenige, der links von ihm sitzt und immer so weiter bis dann schließlich der Hausherr, der letzte ist, der sich die Hände nach dem Essen wäscht. Einige Überlieferungen scheinen jedoch eine Ausnahme dabei zu machen: Wenn ein Rechtsgelehrter anwesend ist, denn dann beginnt dieser vor dem Hausherrn und den anderen Besuchern.  
  • Der Hausherr beginnt vor allen anderen mit dem Essen und hört als letzter auf. (Anmerkung: Dies kann daran liegen, dass der Besuch sich eventuell schämt mit dem Essen anzufangen bzw. sich schämt noch weiter zu essen, vor allem wenn der Besucher der einzige ist, der noch isst. Von daher fühlt sich der Besuch mit dieser Etikette beim Essen „wohler“.)
  • Vor dem Beginn des Essens mit der „Basmala“ (Bismillahir-Rah’mânir-Rah’îm) beginnen und außerdem gibt es noch bestimmte Bittgebete, die man rezitieren kann. 
  • Bei jedem neuen Bissen die „Basmala“ rezitieren. Auch dann, wenn man es vergessen hat am Anfang zu tun, so sollte man es tun, sobald es einem wieder einfällt beim Essen.
  • Nach der „Basmala“ auch direkt „Al-H’amdulillahi Rabbil A’âlamîn“ (Dank sei Allah, dem Herrn der Welten) sagen. Es heißt, wenn man dieses sagt, d.h. „Bismillah wal-H’amdulillahi Rabbil A’âlamîn“, bevor der Bissen noch im Mund ist, so wird Allah, der Erhabene, diesem Menschen seine Sünden, noch bevor er diesen Bissen in seinem Mund hat, verzeihen.
  • Beim Essen sollte man in einer demütigen Haltung sein. Es wird überliefert, dass der heilige Prophet Mohammad (s) beim Essen, so wie in der „Tashahhud Position“ gegessen hatte und dabei seinen rechten Fußrücken auf seine linke Fußsohle lag.
  • Vor dem Essen mit etwas Salz oder Essig beginnen und auch mit einem von beiden beenden. Es heißt, wenn man mit Salz beginnt und damit auch das Essen wieder beendet, so wird man von 72 Arten von Plagen verschont (wie z.B. Vitiligo, Lepra, Verrücktheit, Hals-, Zahn- und Bauchschmerzen). Und es wird überliefert, dass, wenn man mit Essig beginnt, es das Gehirn und den Verstand stärkt. Außerdem wird überliefert, dass die Imame (a) mit Salz begannen und mit Essig das Essen beendeten. 
  • Mit der rechten Hand essen, wenn man kann. Es ist jedoch überliefert, dass folgende zwei Dinge mit beiden Händen gegessen wird: die Weintrauben und der Granatapfel.
  • Das Essen klein kauen.
  • So wenig wie möglich in die Gesichter der anderen Essenden schauen.
  • Schuhe ausziehen.
  • Länger am Esstisch bleiben und dabei Dankpreisungen sprechen. Dies sollte auch mit (lauterer) Stimme passieren, d.h. so dass man es hören kann.
  • Mit mindestens drei Fingern essen (Daumen, Zeige- und Mittelfinger). Noch besser wäre es mit allen Fingern zu essen.
  • Dem Gläubigen vom Essen, Trinken und Süßigkeiten abgeben.
  • Wenn das Brot auf dem Esstisch liegt, so nicht auf den Rest des Essens warten.
  • Das Brot mit der Hand zerteilen.
  • Das Essen abkühlen lassen, jedoch nicht komplett, sondern bis es noch bis kurz davor, bevor es komplett abgekühlt ist. 
  • Nach dem Essen den Dank an Allah (swt) aussprechen und es werden weitere Bittgebete dafür überliefert. Eine Form der Danksagung wäre z.B.: „Al-H’amdulillahil-laz’i yut‘-i’mu wa lâ yut‘-a’m“ (Dank sei Allah, Dem, Der ernährt und nicht ernährt wird).
  • Nach dem Essen für den Hausherren (wenn man bei jemanden zu Besuch war) beten.
  • Nach dem Essen und vor dem Waschen, die Finger „ablecken“. (Es wird gesagt, dass es wissenschaftlich bewiesen sei, dass dadurch die Produktion von Amylase bzw. Speichel-Amylase (α-Amylase 1) unterstützt wird, was die Verdauung anregt und eine Flatulenz (Blähungen) verhindert.)
  • Wie zuvor beschrieben: Sich nach dem Essen die Hände waschen. Mit der restlichen Feuchtigkeit sich über das Gesicht, den Kopf und die Augenbrauen streifen. Und den Rest der Feuchtigkeit mit einem Tuch abtrocknen (jedoch nur beim Waschen nach dem Essen und nicht davor).
  • Nach dem Essen und Waschen: sich den Mund mit Cyperus (as-su’d) ausspülen. (Heute, im 21. Jhd. wird in vielen Mundspülungen „Cyperus rotundus“ benutzt, da man herausgefunden hat, dass es eine positive Wirkung im Mund und Körper dadurch gibt.) Man soll den Mund damit wirklich nur ausspülen und nicht herunterschlucken, da dies dann negative Auswirkungen hat.
  • Nach dem Essen sich die Zähne putzen.
  • Nach dem Essen – besonders das Mittagessen – sich ausruhen, indem man sich auf dem Rücken legt und das rechte Bein auf das linke legt.  
  • Nach dem Aufstoßen „Al-H’amdulillah“ (Lob sei Allah) zu sagen. Wenn es geht, so sollte man das Aufstoßen verkürzen.
  • Versammlung beim Essen, d.h. dass man mit mehreren zusammen isst. Und dass der Mann mit seiner Familie (Frau und Kinder) zusammen isst. Wenn man Arbeiter und Dienstleute hat, so sollen diese am selben Platz, wie alle anderen auch sitzen.

Verpönt

  • Das Abendessen zu unterlassen, besonders an den Abenden zum Samstag und Sonntag. Es heißt, dass, wenn man es unterlässt, dadurch eine Stärke schwindet, die vierzig Tage nicht wiederkehrt.
  • Im Schneidersitz oder sich mit dem Rücken anlehnend essen.
  • Auf dem „Markt“ (as-sûq) essen. (Anmerkung: Damit ist nicht nur der „Marktplatz“ im Besonderen gemeint, sondern im Allgemeinen, wie z.B. Einkaufszentren.
  • Beim Gehen essen, außer es liegt eine Dringlichkeit dazu vor.
  • Bei Völlegefühl essen. (Das heißt nur bei Hungergefühl essen.)
  • Mit zwei Fingern essen.
  • Beim Essen ein Tuch auf den Schoß legen.
  • Das Brot unter den Teller legen.
  • Das Brot mit dem Messer schneiden oder mit den Zähnen zerreißen. 
  • Sehr heißes Essen verzehren.
  • Auf das Essen (und Trinken) „pusten“. Jedoch wird erwähnt, dass es kein Problem ist, wenn es zum Abkühlen ist. Wiederum kann man dies in Bezug auf den Fall der Dringlichkeit (ad‘-d’arûrah) beziehen. 
  • Sich „vollessen“. Es wird überliefert, dass man dem Teufel am nähsten ist, wenn man den „Bauch“ voll hat. Außerdem wird überliefert, dass Allah (swt) es verabscheut, wenn Sein Diener einen überfüllten „Bauch“ hat.   
  • Sich vor dem Waschen, das nach dem Essen gemacht werden soll, die Hände mit einem Tuch abwischen.
  • Das Essen mit dem Fuß zu Tisch „schieben“ und es kann sogar verboten (h’arâm) sein, wenn es als Verhöhnung (ihânah) gemeint ist.
  • Beim Aufstoßen den Kopf gen Himmel zu erhöhen.
  • Den Dienstleuten einen anderen Platz zum Essen geben.
  • Allein essen.
  • Das nicht Aufgegessene oder nicht Ausgetrunkene ohne Deckel zu lassen. 

 Verboten (h’arâm)

  • An einem Tisch/Platz sitzen, an dem auch Alkohol oder andere Rauschmittel sind. Selbst dann, wenn man selbst keinen Alkohol trinkt oder sonstige verbotene Dinge zu sich nimmt. 
  • Das Essen und das Trinken aus goldenen oder silbernen Behältern (Tassen, Teller).

 

Allgemein zur Zeit

Wenn die Gebetszeit eingetreten ist: Wenn man die vorzügliche Zeit (waqt al-fad’îlah) des Gebetes nicht verpasst und nicht träge für das Gebet wird, so isst man vorher, sonst betet man vor dem Essen.


Wir beanspruchen keine Vollständigkeit der Auflistung. Bei Tippfehlern bitten wir um eine Benachrichtigung an info@bufib.de – Vielen Dank –

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