Entdeckungsreisen der Muslime

Durch die geographischen Gegebenheiten der kargen Halbinsel Arabien waren ihre Bewohner schon immer abhängig von ausländischen Lieferungen für die Notwendigkeiten des Lebens. Daher mussten sie Reisen in ferne Länder wie Ägypten, Abessinien, Syrien, Persien und den Irak unternehmen. Es war eine arabische Karawane, die Prophet Joseph nach Ägypten brachte. Darüber hinaus lagen die fruchtbaren Gebiete Arabiens, einschließlich dem Jemen, Yamama, Oman, Bahrain und Hadari-Maut an der Küste und die Araber als Seefahrervolk nahmen Seewege, um diese Orte zu erreichen und ihre kommerziellen Interessen zu erfüllen.

Die Geburt des Islam eröffnete eine neue Perspektive für ihre Unternehmen und die ausgedehnten Eroberungen der Araber während der frühen Jahrzehnte der islamischen Geschichte, dienten als neue Impulse. Die Geschichten der berühmten arabischen Nächte, darunter die von Sindbad dem Seefahrer, geben einen Einblick in die Abenteuer der furchtlosen Araber. Es bietet sich eine farbenfrohes Bild großer Reisen von arabischen Seeleuten, die schon im ersten Jahrhundert nach der Hijrah, unerschrocken vor den unterwegs lauernden Gefahren, die stürmische See durchstreiften und solch ferne Länder wie Ceylon, Sansibar, die Malediven, Malaysia, Java und Sumatra bereisten.

Hadsch - Entdeckungsreisen der MuslimeDie Hadsch, d. h. die heilige Pilgerfahrt nach Mekka, war ein weiterer Einfluss der zur Entwicklung ihres geographischen und kommerziellen Wissens beitrug. Durch die Bildung von sozialen Kontakten unter den Muslimen aus den verschiedensten Ländern, die jedes Jahr Mekka besuchten, fand ein reger Austausch statt. Diese Wallfahrt stelle nicht nur ein Mittel für die Förderung der religiösen Einheit dar, sondern trug auch zur Stärkung der Handelsbeziehungen zwischen den muslimischen Ländern bei und führte zum Austausch von Meinungen und Neuigkeiten unter den Menschen weit entfernter Länder. Die Hadsch stellt in der Tat jedes Jahr die Möglichkeit für eine große, internationale Versammlung und ebnete den Weg für den muslimischen Handel und geografische Geschäftsunternehmungen.

Die Erfindung des Kompasses öffnete Ozeane für unternehmerische Reisen. Die meisten europäischen Autoren haben die Erfindung des Kompass den Chinesen gutgeschrieben, aber nach Berichten des berühmten Orientalisten George Sarton, waren die Araber die ersten, die von ihm praktischen Gebrauch  machten. Eine Tatsache, die von den Chinesen selbst zugestanden wurde. Ein anderer gefeierter Orientalist, Philip K. Hitti, hat die Ansicht von George Sarton ebenfalls bestätigt.

kompass-ibn-majidNach Aussage von Sir Richard F. Burton scheint es sogar, dass Ibn Majid im vergangenen Jahrhundert an der afrikanischen Küste als Erfinder des Kompasses verehrt wurde. Wie auch immer, der praktische Einsatz des Kompasses hat enorm zu den weiten Reisen der arabischen Seefahrer, die bis dato auf Küstenfahrten beschränkt waren, beigetragen. Sie reisten nun in den offenen Ozean und durchstreiften den Atlantik sowie auch den Pazifik, umkreisten den afrikanischen Kontinent und berührten sogar die Küsten der neuen Welt. Die zerbrechlichen Boote wurden durch größere Segelschiffe ersetzt und mit Hilfe von Kompassen und anderen Schifffahrtsinstrumenten trotzten die tapferen Araber der stürmischen See.

Das goldene Zeitalter der muslimischen Geographie, Reisen und Erkundungen läuft vom 9. bis zum 14. Jahrhundert n. Chr. In dieser Zeit wurde ein großer Teil von Reise- und geographischer Literatur produziert. Diese Literatur ebnete letztlich den Weg für spätere Erkundungen und Entdeckungen des christlichen Westens.

Über das Erbe des Islam schreibend, besagt Johannes H. Kramers: „Europa muss sie (die Muslime) als ihre kulturellen Vorfahren im Bereich der geographischen Erkenntnisse, der Entdeckungen und des Welthandels betrachten. Der Einfluss, den der Islam im Bereich des Handels auf unsere moderne Zivilisation ausgeübt hat, findet sich in der Terminologie des Handels und der Navigation in vielen Begriffen mit arabischer Herkunft wieder. Das Maß des Einflusses kann nur durch das Erforschen der geschichtlichen Entwicklung der Bereiche bewiesen werden, über die sich unsere tatsächlichen geographischen Kenntnisse erstrecken.“

Theoretiker

Die Werke griechischer Schriftsteller, besonders die Almagest von Ptolemäus, lieferten den Grundstein für arabische Geographen. Al-Khwarizmi, der bedeutende arabische Wissenschaftler, der seine Blüte während der Regierungszeit des Ma-mun ar-Rashid hatte, verarbeitete einige der Ideen aus der Almagest in seiner geographischen Abhandlung „Buch über das Bild der Erde“ (Kitab Surat al-Ard‘). Das Buch, das sich heut in Straßburg befindet, wurde zusammen mit einer lateinischen Übersetzung von Nallino bearbeitet.

Die einfache geographische Beschreibung von zahlreichen Ländern, darunter Merkmale wie die physikalischen Eigenschaften, die klimatischen Konditionen und das soziale Leben der Menschen, bildeten den Gegenstand der Abhandlungen, die von früheren muslimischen Geographen zusammengestellt wurden; Ibn Khurdabaih (820-912 n. Chr.) mit seinem Werk „Buch der Wege und der Königreiche“ (Kitabal-Masâlik wal-Mamâlik); Al-Yaqûbi (gest. 897 n. Chr.) und Ibn al-Faqih al-Hamadani (lebte im zehnten Jahrhundert n. Chr.), die das „Buch der Länder“ (Kitab al-Buldân) verfassten und Ibn Rustah (zehntes Jahrhundert n. Chr.), der seine Arbeit „Kitâb al-A’laq al-Nafisa“ nannte. Diese Bücher enthielten Fakten über die Länder, um praktische Bedürfnisse der Reisenden in solche Länder zu befriedigen. Der führende Autor von den hiesigen geografischen Abhandlungen dieser Zeit war Abu Zaid Al-Balkhi (850-934 n.Chr.), ein bedeutender Gelehrter am Hofe des Herrschers von Khorasân. Er besitzt die Auszeichnung ein Autor von nicht weniger als 43 Büchern zu sein, darunter seine „Bilder der Regionen“ (Suwarul-Aqâlîm) eine geografische Arbeit von großem Wert, die derzeit nicht verfügbar ist. Das Buch leitete spätere Autoren zu diesem Thema an.

Abu Yahya Zakariya Ibn Mohammad al-Qazwini (1203 – 1283 n. Chr.) schrieb ein Buch mit dem Titel „Wunder der Lebewesen und seltsame Dinge“ (Ajâ-ib- ul-Makhluqât wal-Gharâ-ib-ul-Maujûdât). Bei diesem Werk handelt es sich um eine sehr systematische, kosmografische Arbeit, die nach M. Streck „als ein Werk von grundlegender Wichtigkeit angesehen werden muss und welches so ziemlich das wichtigste Buch darstellt, das das arabische Mittelalter uns in diesem Bereich überliefert hat“. Al-Qazwini hat sich in seiner geografischen Abhandlung mit dem Namen „Monument der Orte und Geschichte der Diener (Gottes)“ (Athâr-ul-Bilad wa-akhbâr-ul-I’bad) mit der Beschreibung der Erde und ihren sieben Klimaregionen befasst. Das Buch enthält auch Angaben über die klimatischen Regionen, sowie körperlichen Merkmale und das Leben und die Geschichte der damaligen Menschen in den jeweiligen Ländern.

Die umfangreiche geografische Arbeit des spanischen Autoren Al-Bakri, geschrieben 1067 n. Chr., enthält meist umfassende Informationen über Häfen und Küsten.

Ein anderer bedeutender Geograf ist Hamdullah Mastaufi, der sich mit Naturgeschichte, Anthropologie und Geographie beschäftigt. Sein Werk (Nuzhat ul-Qulûb) hat dem Autoren Guy Le Strange beim Schreiben seines Buches „The Lands of the Eastern Caliphate“ geholfen.

Forscher, Reisende und Schriftsteller

Abul Qasim Ibn Hauqal (gest. 977 n. Chr.) ist der erste erwähnenswerte Reisende. Beginnend in Bagdad unternahm er 943 n. Chr. eine ausgedehnte Tour durch die islamischen Länder und verarbeitete seine Erfahrungen bei seiner Rückkehr in der geographischen Abhandlung „Buch der Wege und Länder“ (Kitâb al-Masâik wal-Mamâlik).

Ein anderer berühmter Reisender dieser Zeit ist Shamsuddin Abu Abdullah al-Moqaddasi (947-990 n.Chr.). Mit Ausnahme von Spanien und Sindh, reiste auch Moqaddasi durch die Längen und Breiten der islamischen Welt. Er hat seine Reiseerlebnisse in seinem berühmten geografischen Werk „Die beste Unterteilung in der Wissenschaft der Regionen“ (Ahsan at-Taqasîm fi Marifat al-Aqâlîm) niedergeschrieben; ein seltenes Buch seiner Art. Aloys Sprenger, der bekannte österreichische Orientalist, hat ihn zum größten Geographen aller Zeiten erkoren. Die asiatische Gemeinschaft von Bengal, veröffentlichte die englischen Übersetzungen  seiner berühmten Arbeit in vier Bänden, zwischen 1897 und 1910 n. Chr.

Abul-Hassan Ali Ibn al-Hussain al-Mas-ûdi (um 895-957 n. Chr.) einer der vielseitigsten Persönlichkeiten der islamischen Welt. Er ist ein berühmter Autor und Entdecker des Ostens. Er war noch sehr jung als er durch Persien reiste und sich für ein Jahr in Istakhar aufhielt. Von Bagdad aus ging er nach Indien, um Multan und Mansura  zu besuchen, kehrte zurück nach Persien, bereiste dann Kerman und ging anschließend zurück nach Indien.

Während er durch Cambay, Dekkan und Ceylon reiste, segelte er zusammen mit einigen Händlern nach Indochina und China. Auf seiner Rückfahrt besuchte er Madagaskar, Sansibar, den Oman und erreichte schließlich Basra, wo er sich später niederließ und sein großes Werk „Die Goldwiesen und Edelsteinminen“ (Muruj-al-Dhahab wa Ma-âsdin al-Jawhar) schrieb, in dem er zur Freude des Lesers seine reichen Erfahrungen in fröhlicher Manier erzählt. Al-Mas-ûdi besuchte auch das südliche Ufer des kaspischen Meeres und reiste durch Zentralasien und Turkestan. Im Ruhestand in Fusat (altes Kairo), schrieb er seine umfangreiche Arbeit „Spiegel der Zeit“ (Mir-ât-uz-Zamân), welche 30 Bände umfasst. Er beschreibt hier ausführlich die Geographie, Geschichte und das Leben der Menschen in den Ländern, die er besucht hat.

Unter den großen Seefahrern des 10. und 11. Jahrhunderts n. Chr. besetzten Sulaiman al-Mahri und Shahabuddin Ibn Majid herausragende Positionen. Sie durchstreiften nicht nur den indischen, pazifischen und atlantischen Ozean, sondern bewegten sich auch rund um den afrikanischen Kontinent und berührten wahrscheinlich sogar die Küsten der „Neuen Welt“. Sulaiman reiste bis zur Beringstraße und schrieb seine wertvollen Erfahrungen in einer Reihe von Büchern nieder.

Der andere Seefahrer, Ibn Majid, wurde als einer der vier Seelöwen seiner Zeit betrachtet. Sayyed Sulaiman Nadvi zählt in seinem Werk mit dem Titel “Die Navigation der Araber” fünfzehn Bücher auf, die von Ibn Majid über Navigation geschrieben wurden.

Laut einer westlichen Überlieferung, ist Ibn Majid einer der frühsten Autoren von nautischen Führern und seine ausführlichen geografischen Erkenntnisse über die Rote See konnten bis heute nicht übertroffen werden.

Ibn Faldan war ein Reisender des zehnten Jahrhunderts n. Chr. Entsandt vom abbasidischen Kalifen Al-Muqtadir im Jahre 921 n. Chr., leitete er eine Botschaft zu dem bulgarischen Monarchen. Er integrierte seine Erfahrungen in der „Risâlah“, einer der frühsten, regionalen Werke über Russland. Während des elften Jahrhunderts n. Chr., besuchte Abu Raihan al-Biruni, der berühmte Denker des Islams, Indien und blieb dort für einige Jahre. Er lernte Sanskrit und beschrieb die Geografie und das Leben von Indien in seinem denkwürdigen Werk „Ein Buch zur Geschichte Indiens“ (Kitab Tarîkh al-Hind).

Während dieser Zeit wurden auch regionale Geografien geschrieben. Berühmt unter ihnen war die Beschreibung der arabischen Halbinsel von Al-Hamdani und von Indien von Al-Biruni. Die Arbeiten von Reisenden wie Ibn Jubayr, Al-Mazini und Ibn Batuta bieten Quellen von geographischem Wissen. Al-Mazini (1080 – 1170 n. Chr.), der Russland besuchte schrieb „Tuhfat-al-balad“. Der brillanteste Autor dieser Zeit ist Al-Idrisi (1099 – 1166 n. Chr.), der am Hofe des christlichen Königs von Sizilien beschäftigt war. Sein Buch „Reise des Sehnsüchtigen, um die Horizonte zu durchqueren“ (Nuzhat-ul-Mushtâq fi Ikhtirâqil-Afâq) enthielt 70 Karten. In der zweiten Kurzausgabe von Idrisis Buch findet man acht Klimazonen statt sieben, die südlich vom Äquator zu finden waren. Die Weltkarte, die von Idrisi gezeichnet wurde, ist von der traditionellen runden Art und die erste Übersetzung seines Buches wurde in Rom im Jahr 1619 n. Chr. veröffentlicht.

Mujam_al_BuldanYaqut al-Hamavi (1179 – 1229 n. Chr.) erstellte ein großes geografisches Wörterbuch namens „Mu‘jam al-Buldan“, dass alle geografischen Namen in alphabetischer Reihenfolge enthielt. Es wurde zwischen 1666 und 1673 n. Chr. in sechs Ausgaben in Leipzig veröffentlicht. Beim Schreiben der Einleitung zur Geschichte der Wissenschaft bemerkte George Sarton: „Mu‘jam al Buldan ist eines der wichtigsten Werke der arabischen Literatur. Es ist eine Quelle von Informationen nicht nur in punkto Geografie, sondern auch in Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte. Vorangestellt ist eine Einleitung, die sich mit Mathematik, Physik, politischer Geographie, der Größe der Erde, sieben Klimazonen, usw. befasst.“

Der spanische Reisende, Ibn Jubayr (1145-1217 n. Chr.) besuchte Mekka und den Irak in 1183 n. Chr und Persien um 1191 n. Chr. Er schrieb sein bekanntes Buch der Reisen mit dem Namen „Rih‘lat ul-Kinani“, bei dem es sich in der arabischen Literatur um ein einzigartiges Werk seiner Art handelt.

Yabar-IbnJubair-Reise

Abu Abdullah Muhammad (1304 – 1378 n. Chr.), besser bekannt als Ibn Batuta, war der größte muslimische Reisende. Geboren in Tanglers, begann er seine Reisen im Alter von 20 und kehrte erst mit 51 nach Hause zurück. Während dieser 31 Jahre bereiste er etwa 120.000 km, was in etwa drei Reisen um den gesamten Globus entspricht. Kein Entdecker oder Reisender während des Mittelalters hat in seiner Lebenszeit so viele Kilometer durchlaufen wie Ibn Batuta. Von Tanglers aus reiste er nach Ägypten, Abessinien, Nord-und Ostafrika bis Mombasa. Er durchquerte die große Sahara (Wüste) und erreichte Timbuktu. Er beschreibt eine Oase in der Sahara (Wüste), wo Menschen Häuser aus Steinsalz mit Kamelhautüberdachungen bauten. In Europa besuchte er Spanien, das oströmische Reich und Südrussland. Er segelte im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. In Asien gab es kaum ein muslimisches Land das Ibn Batuta nicht gesehen hatte. Er machte viele Touren in den arabischen Ländern und führte vier Mal die Hadsch (heilige Pilgerfahrt nach Mekka) durch. Außerdem bereiste er Persien, Turkestan, Afghanistan, Indien, die Malediven, Ceylon, Ostindien, Indo-China und China. Nach seiner Überlieferung war Aden in diesen Tagen ein großes wirtschaftliches Zentrum und besaß ein effizientes System für die Wasserversorgung. Er reiste soweit nördlich wie Bolghar (54 Grad Nord) in Sibirien, um die Kürze der Sommernächte zu sehen und wollte in das Land der Finsternis (hoher Norden von Russland) reisen. Aus bestimmten Gründen musste er diesen Besuch jedoch aufgeben. Er blieb für acht Jahre in Indien, im Staat Qazi von Mohammed Tughlaq in Delhi aber er musste nach Dekkan fliehen, um sich vor der Empörung des Kaisers zu retten. Er nahm an der Eroberung von Goa teil und besuchte die Malediven, wo er zum Direktor ernannt wurde.

Erkundungen und Entdeckungen

Muslime tragen ihren Anteil an der Erforschung der weiten Ozeane und der Entdeckung von fernen Ländern. Aber die Schwierigkeit ist, dass die Errungenschaften der Muslime in diesem Bereich menschlicher Aktivität oft nicht in der ganzen Welt bekannt sind. Die größte Ansammlung von literarischen und künstlerischen Schätzen, die sich in den fünf Jahrhunderten der islamischen Herrschaft angesammelt haben, verschwand während der Zeit des Falles von Bagdad. Die unschätzbar wertvollen Manuskripte wurden von Hulagu Khan und seinen mongolischen Horden zu Asche verbrannt. Eine ebenfalls sehr fortgeschrittene muslimische Zivilisation traf ein ähnliches Schicksal: in Spanien. Die moderne Forschung hat nun begonnen den Schleier vom Gesicht des Mittelalters zu lüften und die Errungenschaften der Muslime werden nun in all ihrer Herrlichkeit offen gelegt. „Zu einer Zeit zu der Europa fest an die Erde als Scheibe glaubte“, so Amer Ali, „und zu der Europa jede falschgläubige Person mit einer anderen Meinung verbrannt hätte, lehrten die Araber Geographie bereits mit Hilfe von Globussen“. Ihr Fortschritt in mathematischer Geografie war nicht weniger bemerkenswert. Die Arbeiten von Ibn Hauqal, Makrizi Istakhri, Mas‘udi, Biruni, Idrisi, Qazwini, Wardi und Abul Fida enthalten Quellen von geografischem Wissen über diesen speziellen Zweig der Wissenschaft, der von ihnen „Rasnul Ard“ genannt wurde.

Erdrotation

Die Achsen- und Kugelform der Erde wurde von den muslimischen Geographen des Mittelalters diskutiert und bewiesen. Das „Kitab Kalimat ul-A‘in“ befasst sich mit der Rotation der Erde, die durch Tag und Nacht bewirkt wird. Muslimische Astronomen bewiesen auch, dass die Erde eine Kugel ist und eine Form wie ein „Pfirsich“ hat. In arabischen Schulen des Mittelalters wurden häufig Globen verwendet, die von den Muslimen entwickelte Auffassung der Kugelgestalt der Erde bezeugten. Die Geografie der Welt wurde auch im maurischen Spanien mit Hilfe der Globen unterrichtet.

Die Kenntnis der Meere

Arabische Seefahrer und Entdecker hatten ein sehr breites Wissen über die Meere und Ozeane. Die größte Entdeckung der Araber war, dass die Ozeane miteinander verbunden sind und eine kompakte ozeanische Welt formen. Der erste Seeweg, der von Sulaiman al-Mahri (1480-1550) beschrieben wurde, begann im indischen Ozean , führte durch den Pazifik, das Beringmeer, den arktischen Ozean und den Atlantik und trat durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer ein. Der andere Weg war leichter. Beginnend im indischen Ozean führte er durch die Abessinische See, den Mosambik-Kanal, umkreisend das Kap der guten Hoffnung und trat in den Atlantischen Ozean ein. Er lief weiter durch die Straße von Gibraltar und führte dann ins Mittelmeer. Das war die Route, die von Vasco da Gama im Jahre 1498 n. Chr. genommen wurde. Dies zeigt, dass die Araber Meister der Meere waren und Karten von Meeren und Ozeanen besaßen, die sie frei in ihren Reisen verwendeten.

Ibn Khaldun hat die Länge der Roten See mit 1.400 Meilen angegeben. Nach heutigen Karten misst sie 1310 Meilen. Dies zeigt, dass die Berechnungen der arabischen Geografen sehr nahe an der heutigen moderne Forschung liegen.

Die Beringstraße

Bering_Sea_LocationDie Beringstraße und das Beringmeer waren den Arabern bekannt. Der von Sulaiman al Mahri beschriebene Weg führte vom Pazifischen Ozean zum Atlantischen Ozean, wobei er die Beringstraße durchquerte. Der berühmte Entdecker Al-Mas‘udi erwähnte die Beringsee ebenfalls in seinen Werken. Unter den Arabern war sie als „Warang Meer“ bekannt. Laut der Enzyklopädie von Amerika, waren die Geografie des äquatorialen Afrikas, sowie der Ursprung des Flusses Nil, den Arabern für eine lange Zeit bekannt.

Der arabische Steuermann von Vasco Da Gama

Im Jahre 1498 n. Chr. entdeckte Vasco da Gama einen neuen Weg nach Indien, der durch das Kap der Guten Hoffnung führte. Prinz Henry von Portugal hatte seine nautische Akademie unter der Leitung von arabischen und jüdischen Lehrern am Cape St. Vincent gegründet. Diese lieferte den Ursprung für die Erkundungen von Vasco da Gama. Es ist nun eine bekannte Tatsache, dass ein Araber sein Schiff nach Indien führte. In seinem Werk „Erben des Islam“ schreibt J. H. Kramers: „Als Vasco da Gama nach seiner Afrika-Umrundung im Jahr 1498 Melinde an der afrikanischen Ostküste erreichte, war es ein arabischer Steuermann, der ihm den Weg nach Indien zeigte.“

Vasco_da_Gama_Indien

Nach portugiesischen Quellen war dieser Steuermann im Besitz einer sehr guten Meereskarte und anderen maritimen Instrumenten. Arabische Quellen dieser Zeit kennen diese Geschichte ebenfalls; sie sagen aus, dass der Steuermann Ahmad Ibn Majid hieß. Bares, ein Mitglied der Mannschaft von Vasco da Gama schreibt in seiner Berichterstattung, der Enzyklopädie des Islam: „Als Vasco da Gama Melinde erreichte, rief ein arabischer Muslim nach ihm aus. Er fühlte sich sehr wohl in unserer Gesellschaft und mit der Idee, die Gunst des Königs zu gewinnen, welcher einen Steuermann für das portugiesische Schiff suchte, stimmte der Araber zu unser Schiff nach Indien zu steuern.“

Nach dem Autor der Enzyklopädie Britannica, hatte eine lokale Hand das Schiff von Vasco da Gama nach Indien geführt. Entweder ist er zu schüchtern den Namen eines Muslims mit den viel umwogenden Erkundungen von Vasco da Gama zu assoziieren oder er ignoriert eine so fundamentale Tatsache, was von einem Autor einer so großartigen Arbeit kaum erwartet werden kann.

Die Entdeckung von Amerika

Die moderne Forschung hat zweifellos bewiesen, dass die Araber Amerika entdeckten. Muslimische Geografen und Astronomen glaubten an die Kugelform der Erde. Die trigonometrischen Tabellen von Khwarizmi wurden von Adelard, Vath, Gerard von Cremona und Roger Bacon übersetzt. Das berühmte Buch „Bild Mundi“, veröffentlicht im Jahre 1410 n. Chr. integrierte die Theorie aus der Übersetzung von Khwarizmi. Columbus erfuhr aus diesem Buch, dass die Erde birnenförmig ist und dass es Anhöhen auf der anderen Seite geben muss, welche er zu entdecken beschloss. „Daher kann die islamische, geografische Theorie einen Teil der Entdeckung der neuen Welt ihr eigen nennen“, so J. H. Kramers.

Die moderne Forschung zu diesem Thema ging noch einen Schritt weiter und stellte fest, dass die Araber Amerika fünf Jahrhunderte vor Columbus entdeckten. Die folgende wichtige Nachricht wurde in führenden indischen Zeitungen, wie dem Delhi Express am 11. August 1952 veröffentlicht: „ Ein führender südafrikanischer Anthropologe sagt aus, dass die Araber und nicht Christopher Columbus Amerika entdeckten. Die Araber erzielten einen Sieg von fast 500 Jahren über Columbus“, so Dr. Jeffreys, Dozent für Sozialanthropologie an der Witwatersand Universität. Dr. Jeffreys begründet seine Behauptung auf einer Entdeckung von negro-hamitischen Schädeln im Rio Grande vor 18 Monaten. Der Professor sagte weiter, „rätselhafte, zuvor unerklärliche Dinge ergeben plötzlich einen Sinn und passen ins Puzzle“. Dr. Jeffreys denkt, dass die Araber um 1000 n. Chr. bereits das Mittelmeer beherrschten, an der Westküste von Afrika etabliert waren und Amerika besetzt hatten. Auch Columbus fand kleine Kolonien von Farbigen im Darian Isthumus, bei denen es sich laut Dr. Jeffreys um Nachkommen von arabischen Sklaven handelte“. Er sagt, dass „die Entdeckung hamitischer Schädel in Höhlen auf den Bahamas und afrikanischen Hülsenfrüchte in der Karibik diese Theorie bestärken“.

Der Artikel des berühmten Anthropologen von Südafrika, Professor M.D.W. Jeffreys wurde in verschiedenen Fachzeitschriften auf der Welt veröffentlicht. Dies liefert Beweise dafür, dass die Araber Amerika entdeckten und sich auf den karibischen Inseln niederließen, bevor es Columbus tat. Jeffreys sagt weiter: „wenn die Portugiesen die Küsten von Guinea (Westafrika) unter König Johann II, der 1495 verstarb, erkundeten, gab es eine alte portugiesische Tradition. Diese Entdecker brachten Mais, eine amerikanische Pflanze, von Guinea nach Portugal. Da Mais Guinea von Amerika aus erreicht haben musste, um ihn in Portugal einzuführen noch bevor Columbus von Spanien nach Amerika segelte, steht fest, dass jemand den Mais von Amerika mitgebracht haben musste, und ich behaupte, dies waren die Araber“.

In der gleichen Weise wurde die Banane von Arabern in die Karibik und auf amerikanisches Festland gebracht. Peter Nartyr, ein Freund von Kolumbus, veröffentlichte seine erste Dekade vor 1504 n. Chr. In diesem Werk beschreibt er die Banane, wie sie in Westindien auftauchte als die Spanier eintrafen. Er schreibt: „Sie (die Banane) wurde von einem Teil Äthiopiens, Guinea genannt gebracht, wo sie wild wächst, wie in ihrem Herkunftsland“. Es waren die Araber, die die Banane in Guinea (Westafrika) einführten und sie von da aus zu den karibischen Inseln und zum amerikanischen Festland brachten.

Reynold schreibt: „Die Araber waren maßgeblich an der Verteilung der Banane in Äquatorialafrika beteiligt. Nur dadurch konnte sie sich gut an der Küste Guineas etablieren als die Portugiesen sie erstmalig  in den Jahren 1469 n. Chr. entdeckten.“ Darüber hinaus waren die atlantischen Inseln lange vor der Entdeckung durch Columbus bekannt. Die arabischen Namen dieser Inseln, in der Geografie von einem Franziskanermönch im Jahr 1350 veröffentlicht beweisen, dass die meisten der Inseln von den Arabern und ihren Nachkommen bewohnt wurden, die verlorenen Inseln wurden z. B. Kalidat genannt und Teneriffa hieß Elburd. Auch das Wort Brasilien hat arabische Wurzeln. Armando Cortesao, ehemaliger Berater für Geschichte und Naturwissenschaften bei der UNESCO, hat ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Die Seekarte von 1424“, in welchem er mehrere Inseln nennt, die arabische Wurzeln haben; z.B. Antilia, Saya und Ymana.

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Der berühmte muslimische Wissenschaftler Idrisi (1100-1166 n. Chr.) hat sein bekanntes geografisches Werk „Nuzhat-al-Mushtâq“ (deutsch: Reise des Sehnsüchtigen) ca. 1151 n. Chr. veröffentlicht. Idrisi gibt in seiner Geografie einen Hinweis, dass die Araber die Amerikaner kannten. Der westliche Orientalist Glas, der im Jahr 1764 n. Chr. von Idrisi, den er den nubischen Geografen nannte übernahm, gibt zu: „Jeder, der mit Aufmerksamkeit den ersten Teil des dritten Bandes vom nubischen Geografen liest, wird stark geneigt sein zu glauben, dass die Araber sogar einiges Wissen über Amerika und die westindischen Inseln hatten“.

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