Einheit Gottes

Die »Einheit Gottes« (tawḥīdullah) ist der erste und substantielle Bestandteil der Glaubenslehre des Islams. Aus diesem Prinzip entspringen alle anderen Einzelheiten der islamischen Glaubensüberzeugung. Wenn man über die Einheit Gottes spricht, dann wird auch oft der Begriff »Monotheismus« benutzt.

Einheit Gottes bedeutet, dass man von einem einzigen Gott überzeugt ist, der keinen Gott – oder ähnliches – neben sich hat und ihm nichts ähnelt. Die Einheit Gottes besitzt mehrere Ebenen:

1. Die Einheit im »Wesen« (at-tawḥīd fiḏ-ḏāt)

Dies bedeutet, dass Gott keinen Gleichartigen (arab.: naẓīr) oder Seinesgleichen neben sich hat.

Im heiligen Koran heißt es dazu: »Es gibt nichts Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.« (42:11) Oder an dieser Stelle: »Sprich: ›Er ist Allah, ein Einziger. Allah, der Absolute. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden und ihm ebenbürtig ist keiner.‹« (112:1-4) 

2. Die Einheit in der Schöpfung (at-taḥīd fil-ḫāliqiyah)

Damit wird gemeint, dass es in der Existenz (al-wuǧūd) keinen Ursprung außer Gott gibt. Alles, was es gibt, sei es der Mensch, die Tiere, die Pflanzen, die Welt, das Universum, alles hat seinen Ursprung in Gott. Mit anderen Worten: Jede Wirkung (maʿlūl), obwohl sie untereinander verbunden sind, hat seine endgültige Ursache (ʿillah) in Gott. Dieses Prinzip wird auch »Kausalitätsprinzip« genannt. Die gesamte Schöpfung basiert auf Gott.

Im heiligen Koran können wir dazu unter anderem folgendes lesen: »Sprich: ›Allah ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist der Einzige, der Allmächtige.‹« (13:16) 

»Allah ist der Schöpfer aller Dinge, und Er ist der Erhalter aller Dinge.« (39:62)

»Das ist Allah euer Herr, der Schöpfer aller Dinge, Es ist kein Gott außer ihm.« (40:62)

»Er ist Allah, euer Herr. Es ist kein Gott außer Ihm, dem Schöpfer aller Dinge; so betet Ihn an. Und Er ist der Hüter aller Dinge.« (6:102)

3. Die Einheit in der Herrschaft (at-tawḥīḍ fir-rubūbiyah)

Diese Ebene beschreibt, dass Gott der alleinige Sachverwalter und Herr über alle Welten ist. »Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.« (1:2) 

Gott ist der einzige, wahrhaftige Versorger und Verwalter der Schöpfung. All Seine Engel und sonstigen Geschöpfe sind Mittelleute, die auf den Befehl Gottes hin handeln und sind daher selbst in absoluter Abhängigkeit Gott gegenüber. Im folgenden Vers spricht Gott diejenigen an, die in der damaligen Zeit jene angebetet hatten, die lediglich Mittelsleute Gottes waren bzw. sie jene als solche angesehen hatten: »Ihm gebührt der aufrichtige Anruf; und jene, die sie statt Ihm anrufen, kommen ihnen mit nichts entgegen; (sie sind) wie jener, der seine beiden Hände nach Wasser ausstreckt, damit es seinen Mund erreiche und ihn doch nicht erreicht. Und das Bitten der Ungläubigen ist völlig verfehlt.« (13:14) 

Wenn es noch einen anderen Gott bzw. absoluten Versorger (mudabbir) gäbe, so würde es ein Chaos geben: »Gäbe es in (Himmel und Erde) Götter außer Allah, dann wären wahrlich beide dem Unheil verfallen.« (21:22) und: »Allah hat Sich keinen Sohn genommen, noch ist irgendein Gott neben Ihm: sonst würde jeder Gott mit sich fortgenommen haben, was er erschaffen hätte, und die einen von ihnen hätten sich sicher gegen die anderen erhoben. Gepriesen sei Allah (und Erhaben) über all das, was sie beschreiben!« (23:91)

4. Die Einheit im Gottesdienst (at-tawḥīd fil-ʿibādah)

Da Gott ein einziger, absoluter, unabhängiger Gott ist und die gesamte Schöpfung auf Ihn basiert, ist Gott auch der Einzige, der es verdient angebetet zu werden. In der ersten Sure des heiligen Koran heißt es: »Dir dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.« (1:5) in folgendem Vers wird beschrieben, dass es nur der einzige Gott ist, der anbetungswürdig ist: »Sprich: ›O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem gleichen Wort zwischen uns und euch, dass wir nämlich Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen außer Allah.‹« (3:64)

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